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Lexikon

Reichtum (AT)

Rainer Kessler

(erstellt: Jan. 2006)

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1. Reichtum als Segen

Alttestamentliche Texte können unbefangen positiv von Reichtum sprechen. Die Familien der Erzeltern ebenso wie König Salomo werden als reich geschildert, und in den Schilderungen schwingt Stolz mit. So kann Abrahams Verwalter vom Reichtum seines Herrn berichten: „Gott hat meinen Gebieter reichlich gesegnet, so dass er reich geworden ist; er hat ihm Schafe und Rinder, Silber und Gold, Sklavinnen und Sklaven, Kamele und Esel gegeben“ (Gen 24,35). Im verklärten Rückblick auf das goldene Zeitalter Salomos heißt es: „So wurde der König Salomo größer an Reichtum und Weisheit als alle Könige auf Erden“ (1Kön 10,23). Reichtum wird hier nicht als Ergebnis eigener Tüchtigkeit oder eigenen Glücks verstanden, sondern als Gabe Gottes: „Der Segen Gottes, der allein macht reich“ (Spr 10,22). Er trifft nicht nur einzelne, sondern unter Umständen das ganze Land: „Du schaust auf das Land und schenkst ihm Überfluss, du machst es gar reich“ (Ps 65,10).

2. Warnung vor den Gefahren des Reichtums

In ein schiefes Licht gerät der Reichtum dadurch, dass er häufig Anlass zur Sorge ist, ihn zu verlieren. Vor allem → Kohelet, der Weisheitslehrer aus hellenistischer Zeit, macht sich darüber Gedanken. Auch er steht dem Reichtum an sich nicht ablehnend gegenüber: „Auch wenn Gott einem Reichtum und Schätze gibt und ihm gestattet, davon zu genießen … – das ist eine Gabe Gottes“ (Pred 5,18). Aber er weiß auch: „den Reichen lässt sein Überfluss nicht ruhig schlafen“ (Pred 5,11). Und besonders gefährlich wird Reichtum, wenn er in Geld besteht, denn: „Wer das Geld lieb hat, wird des Geldes nicht satt“ (Pred 5,9). Aus diesem Grund ist das Ideal der Weisheit weder Reichtum noch → Armut, so wenn der weise Agur bittet: „Gib mir weder Armut noch Reichtum“ (Spr 30,8). Zur Unterstreichung dieses Denkens betont die Weisheit immer wieder, dass es Wichtigeres als materiellen Reichtum gibt: „Wer auf seinen Reichtum vertraut, welkt dahin; die Gerechten aber grünen wie junges Laub“ (Spr 11,28).

3. Kritik am Reichtum

Die Warnung vor dem Reichtum geht vor allem dann in Kritik am Reichtum über, wenn Reichtum auf Kosten der Verarmung anderer erworben wird. Wenn Jeremia von dem Menschen spricht, „der Reichtum erwirbt durch Unrecht“ (Jer 17,11), steht der Ausspruch in einem breiten Traditionsstrom prophetischer und weisheitlicher Texte. Zu erinnern ist nur an Jesajas Wehe über die, „die Haus an Haus reihen und Acker an Acker rücken“ (Jes 5,8), oder an die nüchterne Feststellung von Spr 22,7, dass der reiche Gläubiger den armen Schuldner zum Sklaven macht. Die Kritik zielt nicht so sehr auf den Besitz des Reichtums als auf die Art seines Erwerbs. Dass „durch Unrecht“ erworbener Reichtum dann auch oft falsch verwendet wird, ist nur die andere Seite der Medaille. Besonders Geiz und Härte gegenüber Bedürftigen geraten so ins Visier: „Flehentlich redet der Arme, der Reiche antwortet nicht“ (Spr 18,23).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992
  • Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Freiburg i.Br. 1993-2001
  • Der Neue Pauly, Stuttgart / Weimar 1996-2003

2. Weitere Literatur

  • Kessler, R., 1992, Die Rolle des Armen für Gerechtigkeit und Sünde des Reichen. Hintergrund und Bedeutung von Dtn 15,9; 24,13.15, in: F. Crüsemann u.a. (Hg.), Was ist der Mensch? Beiträge zur Anthropologie des Alten Testaments (FS H.W. Wolff), München, 153-163
  • Kuschke, A., 1939, Arm und reich im Alten Testament mit besonderer Berücksichtigung der nachexilischen Zeit, ZAW 57, 31-57
  • Strauß, H., 1992, „Armut“ und „Reichtum“ im Horizont biblischer, vor allem alttestamentlicher Aussagen, in: F. Crüsemann u.a. (Hg.), Was ist der Mensch? Beiträge zur Anthropologie des Alten Testaments (FS H.W. Wolff), München, 179-193
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