bibelwissenschaft.de - Das wissenschaftliche Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft

Lexikon

Ramses II.

(ca. 1279 bis ca. 1213 v. Chr.)

Andere Schreibweise: Ramesses II. (engl.)

Claudia Maderna-Sieben

(erstellt: Jan. 2009)

Permanenter Link zum Artikel: http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/32547/

© public domain

Abb. 1 Ramses II. (kolossale Sitzstatue, Abu Simbel).

Ramses II. war der dritte Herrscher der 19. ägyptischen Dynastie und einer der hervorragenden Könige des → Neuen Reiches (→ Ramessiden). Kein anderer hat sein Zeitalter so geprägt wie er. Mit insgesamt 67 Regierungsjahren (ca. 1279 bis ca. 1213 v. Chr.) war er, abgesehen von Pepi II., der am längsten amtierende Pharao der Geschichte des alten Ägypten.

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2004)

Abb. 2 Ramses II. mit einer Tochter (kolossale Statue, Karnak).

Unter seiner Regierung entstanden unzählige Tempelanlagen und Monumente mit großangelegten Inschriften und Darstellungen, die seine politischen wie auch diplomatischen Fähigkeiten verewigten. Nach zahlreichen Feldzügen schenkte er durch den Vertrag mit den → Hethitern Ägypten einen lang anhaltenden Frieden und führte das Land zu großem Wohlstand.

1. Titulatur und Namensnennung

1.1. Titulatur und Königsideologie

Die offizielle Titulatur, die Ramses II. nach seiner Krönung annahm, besteht aus der gewohnten Reihe des Horus-, Herrinnen-, Gold-, Thron und Eigennamens (→ Thronnamen). Sowohl die Amtstitulatur als auch der Eigenname der ägyptischen Könige stehen sehr eng mit dem politischen und ideologischen Herrschaftskonzept des jeweiligen Pharao in Zusammenhang (→ König / Königtum in Ägypten).

Insbesondere Ramses II. machte dies in seinen unzähligen Inschriften auf Statuen, Obelisken und Monumenten mehr als deutlich. Durch seine lange Regierungszeit und die großen politischen und legitimatorischen Veränderungen, die er in Ägypten bewirkte, besaß Ramses II. eine große Variationsbreite seiner Titel und Epitheta. Aus diesem Grund vollzog er im Laufe der Zeit einige Wechsel in seiner Titulaturnennung und Namensschreibung, die in direktem Zusammenhang mit religiösen, kriegerischen wie politischen Ereignissen standen und oft als Datierungskriterium dienen können. Insbesondere zwei inhaltliche Schwerpunkte standen hier im Vordergrund. Der eine bezog sich auf die Dokumentation einer engen dynastischen Beziehung zu den Gottheiten → Amun-Re und → Maat, der Göttin der Gerechtigkeit, die auf das legitimatorische Thronfolgekonzept der voramarnazeitlichen 18. Dynastie zurückgriff (→ Neues Reich). Der andere berührte die Ebene der kriegerischen Unbezwingbarkeit und außenpolitischen Vorherrschaft des Königs, der damit sowohl den Schutz und den Wohlstand Ägyptens garantierte, als auch den Triumph über die Fremdländer und die territoriale Ausdehnung des Landes dokumentierte. Diese Themengebiete bildeten auch die ideologische und konzeptionelle Grundlage unzähliger historischer Inschriften auf offiziellen Monumenten Ramses’ II. Er stellte sich damit nach dem traditionellen Konzept als legitimer König dar und setzte seine Herrschaft mit der des Sonnengottes Re gleich. Durch diese Annäherung wurde Ramses II. der Garant der göttlichen Ordnung auf Erden. Dies war insbesondere zu Begin der Ramessidenzeit (→ Ramessiden) sehr wichtig, denn die Wirren in der Thronfolge der Nachamarnazeit stellten für die dynastische Legitimität der ersten Könige der 19. Dynastie eine Bedrohung dar.

1.2. Die Titulatur Ramses’ II.

© public domain

Abb. 3 Titulatur Ramses’ II. (Karnak).

Im Folgenden können hier nur die wichtigsten Titel und ihre Schreibungen erwähnt werden:

Horus-Name: K3 ncht mrj M3‘t („Starker Stier, geliebt von Maat“) ab Regierungsjahr 30 mit dem Zusatz: nb ḥbw-sd mj jtf Ptḥ-T3-tnn („Herr der Jubiläen wie sein Vater Ptah-Tatennen“),

K3 ncht mrj R‘ („Starker Stier, geliebt von Re“),

K3 ncht wsr pḥtj („Starker Stier, reich an Kraft“);

Herrinnen-Name: mk Kmt w3f ch3swt („der Ägypten schützt und die Fremdländer bezwingt“) ab Regierungsjahr 30 mit dem Zusatz: R‘ msj nṯrw grg t3wj („Re, von den Göttern geboren, der die beiden Länder gründet'“);

**Goldhorus-Name:**wsr rnpwt ‘3 nchtw („Reich an Jahren, groß an Siegen“);

Thronname: Wsr-M3‘t-R‘ („Stark an Maat ist Re“) ab Jahr 2 Wsr-M3‘t-R‘ stp-n-R‘ („Stark an Maat ist Re, Erwählter des Re);

Eigenname: R‘-mss mrj-Jmn ab Jahr 2 alterniert diese Schreibung mit R‘-ms-sw mrj-Jmn („den Re geboren hat, geliebt von Amun“) ab Jahr 21 wird nur die letzte Namensschreibung verwendet.

2. Herkunft und Familie

2.1. Das Ende der 18. Dynastie und die politische Vorgeschichte

Zur Blütezeit der 18. Dynastie erlebte Ägypten seine bis dahin größte territoriale Expansion (→ Neues Reich).

Im Süden wurde das eigenständige Fürstentum → Kusch annektiert, welches aufgrund seiner Steinbrüche und Goldminen von entscheidender wirtschaftlicher Bedeutung war und bis Napata unter die ägyptische Verwaltung des „Vizekönigs von Kusch“ gestellt wurde. Die in mehrere Kleinstaaten zerfallenen Gebiete von Syrien und Palästina wurden bis nach → Karkemisch, welches sich ursprünglich im hethitischen Hoheitsgebiet befand, von Fürsten regiert, die Vasallen des Pharaos waren und durch ägyptische Militärposten geschützt wurden. Die innenpolitischen Wirren der → Amarna-Zeit brachten auch außenpolitische Schwierigkeiten mit sich. Nach dem Tod → Echnatons waren die asiatischen Provinzen Amurru (→ Amoriter), zwischen → Ugarit und → Byblos, und der Stadtstaat Kadesch von Ägypten abgefallen. Sie unterstanden nun dem hethitischen Großkönig. Durch eine ägyptische Strafexpedition herausgefordert, griff der hethitische König Suppiluliuma I. die ägyptische Provinz Amka an, was zu einem langen kriegerischen Konflikt zwischen den Ägyptern und → Hethitern führte.

Als letzter König der 18. Dynastie bestieg → Haremhab ca. 1319 v. Chr. den Thron. Er besaß zwar keine verwandtschaftlichen Beziehungen zur königlichen Familie, hatte jedoch eine hohe militärische Laufbahn eingeschlagen. In der politischen Karriere vor seinem Herrschaftsantritt war er „Stellvertreter seiner Majestät an der Spitze der Beiden Länder“, „Oberbefehlshaber des Heeres“ und „oberster Mund des Landes“. In diesen Positionen führte er gemeinsam mit Eje für den heranwachsenden → Tutanchamun faktisch die Geschicke Ägyptens und war zusammen mit diesem verantwortlich für die Restauration des durch die Amarna-Zeit verfemten Amun-Re-Glaubens. Außenpolitisch versuchte er schon zur Amtszeit Tutanchamuns, die Vorherrschaft Ägyptens in Vorderasien zurückzugewinnen. Nachdem → Tutanchamun kinderlos starb, bestiegen zunächst Eje und nach dessen kurzer Regierungszeit → Haremhab den ägyptischen Thron.

2.2. Von Paramessu zu Ramses I. – Der Beginn der 19. Dynastie

In besonderer Gunst des → Haremhab stand ein General namens Paramessu (→ Neues Reich; → Ramessiden). Er war Mitglied einer Offiziersfamilie, die aus der im nordöstlichen Delta gelegenen Stadt → Auaris stammte, dem heutigen Tell eḍ-Ḍab‘a [Tell ed-Daba] bei Qantîr [Qantir].

Auaris, die Hauptstadt der → Hyksos (ca. 1640-1530 v. Chr.), wurde unter Ramses II. zur ramessidischen Residenz Piramesse ausgebaut. Nach neuen Forschungen wird Peru-nefer, Haupthafen und militärischer Stützpunkt der Thutmosiden aus der 18. Dynastie, mit Auaris identifiziert. Bereits in der Antike bis zur manethonischen Tradition nach Josephus (Contra Apionem I, 26-31, §§ 237-287; Text gr. und lat. Autoren) wurde Piramesse / Auaris mit der biblischen Stadt Raamses / Ramesse (→ Ramsesstadt) gleichgesetzt.

Nicht ganz geklärt, aber sehr wahrscheinlich, ist die Annahme, dass Paramessu der Sohn des ebenfalls aus Auaris stammenden „Truppenkommandanten“ Sethi war. Auf einer Statue des Paramessu aus Karnak (Urk. IV 2175.07-20) wird Sethi als Vater angegeben. Eine Identifizierung des auf der 400-Jahr-Stele Ramses’ II. (KRI II 287.03-288.11) erwähnten Sethi mit dem Vater von Paramessu ist aufgrund der sehr schwierigen Einordnung der Stele selbst eher abzulehnen.

Der vermutlich um 1360 v. Chr. geborene Paramessu durchlief eine steile militärische Laufbahn, die schon vor der Herrschaft → Haremhabs begann und unter seiner Regierung seinen Höhepunkt erreichte. Er war „Truppenkommandant“, „Oberbefehlshaber des Heeres“, „Stellvertreter seiner Majestät in Ober- und Unterägypten“, „oberster Mund des Landes“ und „Priestervorsteher aller Götter“. Schließlich erhob ihn Haremhab zum „Wesir von Ober- und Unterägypten“, die höchste Stufe der Beamtenkarriere, und machte ihn sogar zum „Erbprinzen“.

Paramessu war mit der ebenfalls bürgerlichen, aus einer Militärfamilie stammenden Satre verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Sethos, der spätere König Sethos I., durchlief ebenfalls eine Militärkarriere. Zu dieser Zeit hatte Sethos mit seiner aus einer Offiziersfamilie stammenden Frau Tuja bereits drei Kinder: einen ältesten Sohn Nebenchasetnebet, die Tochter Tja und den jüngeren Ramses, den späteren Ramses II.

Als Haremhab starb, konnte der hochbetagte Paramessu als Ramses I. ca. 1292 v. Chr. den Thron Ägyptens besteigen und die 19. Dynastie der Ramessiden gründen, deren Linie schon seit drei Generation existierte. Sein Sohn Sethos übernahm das Wesirat und alle Ämter seines Vaters. Als „Oberkommandierender des Heeres“ leitete Sethos als Kronprinz stellvertretend für seinen Vater einen Feldzug nach → Palästina gegen die Fenechu (KRI I 110.11-114.15). Nach einer nur 16 Monaten währenden Regierungszeit verstarb Ramses I.

2.3. Sethos I.

Zum ersten Mal seit der → Amarna-Zeit ging mit der Inthronisation Sethos’ I. (ca. 1290 v. Chr.) die Krone nach dem traditionellen Muster direkt vom Vater auf den Sohn über. Sethos I. war zur Zeit seiner Krönung ca. 30 Jahre alt. Seine Kinder Nebenchasetnebet, Ramses und Tja dürften zwischen 8 und 15 Jahre alt gewesen sein. Die Söhne waren in militärischer Ausbildung. Die Tochter Tja war mit dem „königlichen Sekretär“ und „Wedelträger zur Rechten des Königs“, der ebenfalls Tja hieß, verheiratet. Die Königsfamilie residierte in → Memphis und einer neuerrichteten Palastanlage in der Nähe von Auaris. Bereits am Ende seines ersten Regierungsjahres brach Sethos I. zu seinem ersten Asien-Feldzug auf. Hierbei sicherte er die Handelsroute zwischen Ägypten und → Palästina, den sogenannten Horusweg, und eroberte die Städte → Hamat, → Bet-Schean und Janoam (KRI I 11.08-12.14). Eine weitere Stele aus Bet-Schean (KRI I 15.13-16.16) berichtet von dem Vorgehen gegen die „Apiru von → Jarmut“. Anschließend zog er nach → Akko, → Tyrus und Pa-Kanaan weiter (KRI I 117.01-10). Ein Feldzug im Regierungsjahr 3-5 führte zu einer kurzfristigen Rückeroberung von Amurru (→ Amoriter) und Kadesch (KRI I 25.01-08). Zusätzlich zu den militärischen Aktionen im syrisch-palästinischen Raum unternahm Sethos I. in seinem 8. Regierungsjahr einen Feldzug nach Nubien (KRI I 102.01-104.09) und stoppte erfolgreich die libyschen Übergriffe im Westen (KRI I 20.12-24.05).

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2004)

Abb. 4 Große Säulenhalle des Amuntempels in Karnak.

Im Mutterland Ägypten restaurierte er die Denkmäler seiner Vorgänger, die durch die Amarna-Zeit zerstört wurden, und förderte ausgewogen die Kulte der staatstragenden Götter, insbesondere → Osiris, → Amun-Re und → Ptah. Seine großen Tempelbauten, wie → Abydos, Karnak mit der großen Säulenhalle des Amuntempels und → Theben West, zeugen von seiner großangelegten Baupolitik. Als er nach einer ca. 11-jährigen Regierungszeit (ca. 1279 v. Chr.) starb, war die Vormachtstellung Ägyptens im Süden wie im Westen wieder hergestellt und die Vasallentümer Vorderasiens bis zum Orontestal (→ Orontes) zumindest gesichert. Innenpolitisch war das Land stabilisiert und erlebte einen neuen Wohlstand.

3. Ramses II.

3.1. Die Jugendjahre Ramses’ II. als Kronprinz

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2004)

Abb. 5 Kolossalstatue Ramses’ II. in Memphis.

Ramses II. wurde in Memphis in die Pflichten eines Prinzen eingeführt und ausgebildet. Sein älterer Bruder Nebenchasetnebet, der eigentlich der Thronerbe hätte werden sollen, verstarb jung. Anscheinend wurde Ramses II. nicht gleich von seinem Vater als Erbprinz eingesetzt. Auf einigen Schlachtszenen auf der nördlichen Außenmauer der großen Säulenhalle in Karnak, die den syro-palästinischen Feldzug sowie die libysche Kampagne Sethos’ I. darstellen (KRI I 9.12-13 / 14.02-03 / 14.10-11 / 24.16 / 21.14-15), findet sich an vier Stellen die Figur des „Truppenkommandanten“ und „Fahnenträgers“ Mehj an einer herausragenden Position abgebildet, die eigentlich nur dem Erbprinzen zukam. Die Tatsache, dass Ramses II. auf den Reliefs die Figur des Mehj durch seine eigene ersetzte und diese Usurpation wohl nicht vor Jahr 9 Sethos’ I. erfolgte, könnte vielleicht ein Hinweis darauf sein, dass zunächst Mehj die Rolle eines Erbprinzen inne hatte.

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 6 Ägypten zur Zeit des Neuen Reichs.

In zwei Inschriften berichtet Ramses II. über seine Jugend. Bei der einen handelt es sich um die Große Bauinschrift von Abydos, die Ramses II. in seinem 1. Regierungsjahr am Tempel seines Vaters aufzeichnen ließ (KRI II 323.01-336.14). In ihr erzählt der König, dass sein Vater Sethos I. ihn als Kind auf den Armen haltend den Beamten zeigte, um ihn dann zum „Oberbefehlshaber der Truppen“ zu ernennen und zu krönen. Der zweite Bericht findet sich auf der Quban-Stele aus dem 2. Regierungsjahr Ramses’ II. (KRI II 353.01-360.06). In einer Eulogie auf Ramses II. wird erwähnt, dass er im Alter von zehn Jahren das Amt des „Kronprinzen“ und das des „Oberbefehlshabers“ innegehabt hätte. Beide Textstellen galten oft als Beleg für die Annahme einer Koregentschaft Sethos’ I und Ramses’ II., die jedoch abzulehnen ist, da diese retrospektiv erzählten Lebensläufe eine eindeutigen Legitimation der Thronfolge nach altem Muster vom Vater auf den Sohn dokumentieren sollten. Andererseits geben die Texte Auskunft über das Leben eines designierten Kronprinzen.

Nach einer fundierten Ausbildung in Militär, Verwaltung und Diplomatie nahm Ramses II. an Thronsitzungen und kultischen Verpflichtungen seines Vaters teil. Er scheint an den Feldzügen seines Vaters gegen die Asiaten, Nubier und Libyer teilgenommen zu haben. Auf der großen Assuanstele aus dem 9. Regierungsjahr Sethos’ I. (KRI I 74.01-14) leitete Ramses II. für seinen Vater eine Expedition zu den Steinbrüchen dieses Gebietes. Außerdem war er schon vor seiner Krönung mit einem großen Harem ausgestattet, mehrfach verheiratet und hatte mehrere Kinder.

3.2. Die Krönung Ramses’ II. und das erste Regierungsjahr

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2004)

Abb. 7 Pylon Ramses’ II. in Luxor.

Kurz nach dem Tod seines Vaters um das Jahr 1279 v. Chr. bestieg Ramses II. mit ca. 25 Jahren am 27. Tag des 3. Monats (ca. Mai / Juni) des Schemu („Sommer, Ernte“) den ägyptischen Thron. Dieser Tag wurde anscheinend noch in späterer Zeit zum Gedenken dieses Pharaos als Feiertag begangen (KRI IV 176.05 / 697.02). Wie die Bauinschrift von Abydos Ramses’ II. (KRI II 323.01-336.14) berichtet, begab sich der König wohl kurz nach seiner Krönung in → Memphis auf seine erste Reise nach → Theben. Höchstwahrscheinlich stand diese Fahrt im Zusammenhang mit dem Begräbnis Sethos’ I. im Tal der Könige, an dem sicherlich auch die Wesire Nebamun und Paser teilnahmen, die bereits unter Sethos I. diesen Rang innegehabt hatten. Wie der Text der Bauinschrift von Abydos weiter angibt, nahm Ramses II. in Theben am 23. Tag des 3. Monats (ca. August / September) des Achet („Überschwemmung“) an dem alljährlichen Opet-Fest teil, welches 11 Tage dauerte. Als eines der wichtigsten Feste Ägyptens war es dem Staatsgott Amun-Re geweiht. Die Kultfigur des Amun-Re wurde in einer großen Barkenprozession von seinem Haupttempel Karnak zum Luxortempel und wieder zurück nach Karnak gebracht. Ramses II. nahm jedoch an diesem Fest nicht alleine als frisch gekrönter König teil, der sich seiner Macht durch Amun-Re legitimieren ließ, sondern fungierte gleichzeitig als „Hohepriester des Amun“, der höchsten Priesterstellung des Landes (KRI II 573.16). Das Amt war vakant, da der „Hohepriester des Amun“ Nebnetjeru, Vater des Wesirs Paser, wohl am Ende der Amtszeit Sethos’ I. verstorben war. Während des Opet-Festes ernannte Ramses II. mit Zusicherung des Amun-Re per Orakel Nebwenenef, „Hohepriester des Onuris und der Hathor von Dendera“, zum „Hohepriester des Amun“ von Theben, wie es aus der Biographie des Nebwenenef in seinem thebanischen Grab TT 157 hervorgeht (KRI III 282.12-285.03).

Der Bauinschrift von Abydos zufolge machte Ramses II. auf der Rückfahrt von Theben zu seiner Residenzstadt Piramesse in Abydos, dem Kultort des Osiris und der Begräbnisstätte der frühdynastischen Könige Ägyptens, halt. Dort besuchte er den noch nicht fertig gestellten Tempel Sethos’ I., erteilte den Auftrag, diesen fertig zu stellen, und richtete den Kult im Tempel seines Vaters sowie dem des Osiris neu ein. Sicherlich wird er auch den Bau seines eigenen Gedächtnistempels in Abydos in Auftrag gegeben haben. In seinem ersten Regierungsjahr setzte Ramses II. auch andere Bauvorhaben in Gang. Sowohl der Beginn der Bauarbeiten seines eigenen Grabes im Tal der Könige (KV 7) als auch die Gründung seines Totentempels (Ramesseum) in Theben West dürften in dieser Zeit beschlossen worden sein. Daneben veranlasste er die Fertigstellung der von seinem Vater begonnen Bauten in der Säulenhalle des Amun-Tempels von Karnak und im Luxortempel in Theben Ost sowie am Totentempel seines Vaters in Theben West. Weiterhin dürfte in dieser Zeit die Residenzstadt Piramesse (Auaris, → Ramsesstadt) großangelegt ausgebaut worden sein.

3.3. Die königliche Familie

Aufgrund seiner langen Regierungszeit besaß Ramses II. zahlreiche Ehefrauen und Kinder, die er zum größten Teil überlebte. Hier ist insbesondere das Grab im Tal der Könige (KV 5) zu erwähnen, das Ramses II. zur Begräbnisstätte vieler seiner Söhne, die keine eigenen Grabanlagen besaßen, umbauen ließ. Das Grab, dessen Ausgrabungen noch nicht ganz abgeschlossen sind, besitzt über 121 Räume. Darstellungen seiner Söhne und Töchter inklusive ihrer Titel und Namen finden sich in den Tempeln von Abu Simbel, Derr, Luxor, Wādī s-Sebū‘a, im Ramesseum und im Tempel Sethos I in Abydos (KRI II 858.01-868.15 / 916.01-923.03). Die Kinder erscheinen in der Reihenfolge ihrer Geburt, hintereinander an verschiedenen Prozessionen teilnehmend. Insgesamt sind 40 Töchter und 45 Söhne nachgewiesen. Im Folgenden können nur die wichtigsten Familienmitglieder genannt werden.

3.3.1. Die Königsmutter Tuja

Die Mutter Ramses’ II., Tuja (KRI II 844.07-847.15), „Große Königliche Gemahlin“ und „Gottesmutter“ ist erst in der Regierung Ramses’ II. belegt. Sie überlebte ihren Mann Sethos I. um viele Jahre. Ihr Glückwunschschreiben an die Königin von Hatti, anlässlich des Friedensschlusses mit den Hethitern im Jahr 21 Ramses’ II., ist erhalten. Nur wenige Zeit danach verstarb Tuja. In ihrem Grab (QV 80) im Tal der Königinnen fand man einen Weinkrug mit einer Inschrift, die das 22. Regierungsjahr Ramses’ II. nennt.

3.3.2. Die „Großen Königlichen Gemahlinnen“ und die Prinzessinnen

© public domain

Abb. 8 Nofretere (Grabkammer QV 66).

1) Nofretere. Eine hervorragende Rolle im Leben Ramses’ II. spielte Nofretere (KRI II 848.01-853.16), die erste „Große Königliche Gemahlin“, „Herrin der beiden Länder“, „Königin von Ober- und Unterägypten“. Sie war bereits vor der Krönung Ramses’ II. dessen Frau und wird in der Darstellung der Amtseinführung des Nebwenenef zum „Hohepriester des Amun“ in dessen Grab (TT157) neben ihrem Mann gezeigt. Nofretere starb vermutlich im 25. Regierungsjahr Ramses’ II.

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2004)

Abb. 9 Kleiner Felsentempel Ramses’ II. für Nofretere (Abu Simbel).

Neben Abbildungen ihrer Person in den Tempeln von Karnak und Luxor sind insbesondere der kleine Felstempel von Abu Simbel und ihr überaus künstlerisch ausgeschmücktes Grab im Tal der Königinnen (QV 66) zu nennen. Vier Söhne mit den Namen Amunherchepeschef, der langjährige „Kronprinz“, Paraherwenemef, Merire und Meriatum, sowie drei Töchter mit den Namen Meritamun, Nebettaui und Henuttaui sind als Kinder Ramses’ II. und der Nofretere sicher belegt. Für die Tochter Nebettaui könnte allerdings auch Isisnefret als Mutter in Betracht kommen.

2) Isisnefret. Die „Große Königliche Gemahlin“ Isisnefret (KRI II 848.01-853.16), die zweite Frau Ramses’ II., tritt in den ersten Regierungsjahrzehnten ihres Gatten neben Nofretere in den Hintergrund. Ihre Kinder ragen jedoch unter den zahlreichen Sprösslingen des Königs heraus: Sie ist nicht nur die Mutter von → Merenptah, des Nachfolgers Ramses’ II., sondern auch die des „Hohepriesters von Memphis“ Chaemwaset. Zu ihren Kindern zählen weiterhin Prinz Ramses und die Töchter Bint-Anat, die erstgeborene Prinzessin und spätere Gemahlin Ramses’ II., sowie die gleichnamige Prinzessin Isisnefret. Sie starb vermutlich um das 34. Regierungsjahr Ramses’ II. Die Lage ihres Grabmals ist unbekannt.

3) Bint-Anat. Bint-Anat (KRI II 923.04-924.10), „leibliche Königstochter“ Ramses’ II. und der Isisnefret, wurde zu einer nicht bestimmten Zeit zur „Großen Königlichen Gemahlin“ Ramses’ II. erhoben. Sie führt die lange Reihe der Prinzessinnen an und ist auf Monumenten ihres Bruders Chaemwaset und im großen Tempel von Abu Simbel dargestellt. Ebenso ist sie auf diversen Statuen ihres Vaters abgebildet oder genannt worden. Auf einer Kolossalstatue des Ramses’ II. finden sich an seiner Seite Bint-Anat und Meritamun als „Große Königliche Gemahlinnen“ abgebildet (KRI II 752.08). Bint-Anat überlebte ihren Vater und Ehemann. Anscheinend wurde sie auch „Große Königliche Gemahlin“ ihres Bruders Merenptah, dem Sohn und Nachfolger Ramses’ II., denn sie wird mit der Beischrift „Königsschwester“ und „Große Königliche Gemahlin“ auf einer Statue Merenptahs an seiner Seite dargestellt (KRI IV 64.03).

4) Meritamun. Auch die „leibliche Königstochter“ Ramses’ II. und der Nofretere Meritamun wird zur „Großen Königlichen Gemahlin“ ihres Vaters (KRI II 924.11-14). Außer auf der Prinzessinnenliste im großen Tempel von Abu Simbel wird sie einige Male an der Seite ihres Vaters dargestellt (KRI II 754.01). Mehrere Statuen Meritamuns wurden gefunden, darunter eine Kolossalstatue aus Achmim. Sie wurde in ihrem Grab (QV 68) im Tal der Königinnen bestattet. Der genaue Zeitpunk ihres Todes ist unbekannt.

5) Nebettaui. Nebettaui (KRI II 925.15-926.08), „leibliche Königstochter“ und später auch „Große Königliche Gemahlin“ Ramses’ II., ist nur durch eine Darstellung zu Füßen einer Sitzfigur ihres Vaters und Ehemannes am großen Tempel von Abu Simbel (KRI II 752.08) und durch ihr Grab (QV 60) im Tal der Königinnen belegt. Wer ihre Mutter war, ist nach wie vor unklar. Es könnten hierfür sowohl Nofretere als auch Isisnefret in Frage kommen. Da die Quellen zu Nebettaui ausgesprochen spärlich sind, lassen sich keine weiteren Aussagen über ihr Leben machen.

6) Henutmire. Henutmire, „Große Königliche Gemahlin“ Ramses’ II., ist durch einige Abbildungen auf Rundplastiken und durch ihr Grab (QV 75) bekannt. Es ist umstritten, ob sie eher die Tochter oder die Schwester Ramses’ II. war. Ihr Titel „leibliche Königstochter“ allein bezeichnet kein eindeutiges Verwandtschaftsverhältnis, da mit diesem Titel auch Schwestern, Nichten oder Enkeltöchter bezeichnet wurden. Sie ist auf keiner Prinzessinnenliste erwähnt, wird aber auf der linken Seite einer Statue der Königsmutter Tuja (KRI II 844.12) abgebildet.

3.3.3. Die Prinzen und Thronfolger

1) Amunherchepeschef. Amunherchepeschef war der erstgeborene Sohn Ramses’ II. und der Nofretere (KRI II 869.01-06). Neben seinen Ämtern als „Wedelträger zur Rechten des Königs“, „General“ und „Befehlshaber der Truppen“ sowie „wirklicher Vertrauter seines Vaters“, war er der „älteste und erste Königssohn“ sowie der „Kronprinz“ Ramses’ II. Als sein Vater gekrönt wurde, war Amunherchepeschef ca. 9 Jahre alt und hatte bereits die letzten Regierungsjahre Sethos’ I. erlebt. Mit seinem Halbbruder Chaemwaset findet er sich im Tempel von Bēt el-Wāli, den Ramses in seinem ersten Regierungsjahr errichten ließ, abgebildet (KRI II 198.11-199.03). Während des syrischen Feldzugs im 7.-8. Regierungsjahr Ramses’ II. leitete Amunherchepeschef als „Kronprinz“ und „General“ eine eigene Division im Heer seines Vaters. Gemeinsam bezwangen sie die Königreiche von → Kanaan, → Edom und → Moab und eroberten die Städte → Askalon, → Dibon sowie die Provinz Upe für Ägypten zurück (KRI II 171.08 / 180.07). Weiterhin scheint er an Feldzügen gegen die → Libyer (KRI II 197.01) sowie gegen die → Nubier (KRI II 198.01) teilgenommen zu haben. Zwischen dem 30. und 40. Regierungsjahr Ramses’ II., über den genauen Zeitpunkt wird noch diskutiert, verstarb Amunherchepeschef. Ob er, wie viele seine Brüder, im Grab (KV 5) im Tal der Könige bestattet wurde, ist noch nicht geklärt.

2) Ramses. Ramses (KRI II 869.07-870.16), ältester Sohn Ramses’ II. und der Isisnefret, wurde nach dem Tod seines Halbbruders zum Kronprinz erhoben. Er hatte bereits eine militärische Karriere eingeschlagen und, wie Amunherchepeschef, als „General“ an einigen Feldzügen seines Vaters teilgenommen (KRI II 171.09 / 206.10). In dessen 16. Regierungsjahr nimmt Ramses zusammen mit dem Wesir Paser an dem Begräbnis des heiligen → Apis-Stieres in Saqqara teil, bei dem sein jüngerer Bruder Chaemwese, „Priester des Ptah“, als rechte Hand des „Hohepriester von Memphis“ Hui fungierte (KRI II 369.02). Auf einer Stele aus Silsile West anlässlich des „Regierungsjubiläums Ramses’ II. im Jahr 33/34, findet sich „General“ Ramses als „Kronprinz“ neben seinem jüngeren Bruder und „Königlichen Schreiber“ Merenptah dargestellt (KRI II 384.10-385.15). Ein Rechnungstext über Schiffsladungen aus dem Hafen von → Memphis, der in das 52. Regierungsjahr Ramses’ II. datiert, (KRI II 807.08) belegt, dass Ramses noch gelebt hat. Höchstwahrscheinlich wurde er im Tal der Könige (KV 5) bestattet.

3) Paraherwenemef. Paraherwenemef war der dritte Sohn Ramses’ II. und der „Großen Königlichen Gemahlin“ Nofretere. Auf seinen Inschriften (KRI II 871.01-10) trägt er die Titel eines „Befehlshaber der königlichen Truppen“, „Aufseher der Pferde“ und „Oberster Streitwagenfahrer“. Er findet sich auf den Reliefs der → Schlacht von Kadesch abgebildet (KRI II 130.15) und wird daher sicherlich bei diesem bedeutenden Feldzug seines Vaters eine führende Rolle innegehabt haben. Auf späteren Reliefs trägt Paraherwenemef den Titel „Oberbefehlshaber der Armee“ (KRI II 206.11). Da er als älterer Bruder von „General“ Ramses und Chaemwese zu keiner Zeit als Thronerbe bezeichnet wurde, scheint er vor der Ernennung des „General“ Ramses zum „Kronprinzen“ verstorben zu sein.

4) Chaemwese. Chaemwese (KRI II 871.11-899.05) wurde wohl im 1. Jahr Ramses’ II. als Sohn der Isisnefret und 4. Sohn des Königs geboren. Obgleich er an einigen Feldzügen seines Vaters teilnahm (KRI II 171.11), trug er keine militärischen Titel. Ungefähr im 15. Regierungsjahr seines Vaters wurde er Priester des → Ptah in Memphis. Er war dem „Hohepriester des Ptah“ Hui unterstellt und übernahm zahlreiche Aufgaben bei den Bestattungszeremonien der heiligen Apis-Stiere (KRI II 369.02). Um das Jahr 30 seines Vaters wurde Chaemwese dann selbst zum „Hohepriester von Memphis“ ernannt und nahm dort eine fast königliche Stelle ein. Er ließ die Begräbnisstätten der Apis-Stiere, das Serapeum, erweitern und initiierte mehrere Bauvorhaben in → Memphis und → Abydos. Als „Leiter der Handwerker“ veranlasste er die Öffnung mehrerer Tempel und Pyramiden der Könige des Alten Reiches, um die Bauten vom Sand zu befreien und deren Inschriften zu restaurieren. Restaurationsinschriften finden sich zum Beispiel im Grabbezirk des Djoser in Saqqara, im Grab des Schepseskaf, in den Pyramide des Unas (→ Pyramidentexte) und des Sahure, dem Sonnentempel des Niuserre und der großen Pyramide von Gizah (KRI II 872.09-875.12). Daneben war er verantwortlich für die Bauvorhaben seines Vaters am Ramesseum sowie am großen Säulensaal in Karnak und plante und leitete den Ausbau der Residenzstadt Piramesse (→ Auaris, → Ramsesstadt) sowie den Bau der Tempel und Gebäude in Memphis.

Sein unglaubliches Wissen auch über alte Texte und Inschriften brachte ihm den Ruf eines „Zauberers“ ein. Weiterhin war Chaemwese für die Proklamation und die Ausrichtung der ersten 5 Jubiläumsfeste (Sedfeste) seines Vaters in den Jahren 30, 33/34, 36/37, 40 und 42/43 verantwortlich. Im 52. Regierungsjahr Ramses’ II. wurde er, nach dem Tod seines Bruders „General“ Ramses, zum „Kronprinz“ ernannt. Er selbst verstarb im 55. Regierungsjahr seines Vaters und wurde vermutlich in der Nähe seiner Wirkungsstätte, dem Serapeum, beigesetzt.

5) Merenptah. → Merenptah (KRI II 902.01-905.12) war der 3. Sohn von Ramses II. und dessen Gemahlin Isisnefret. Er wurde höchstwahrscheinlich in den ersten Regierungsjahren seines Vaters geboren und durchlief, wie die meisten seiner Brüder, eine militärische Karriere. Er nahm als „General“ und „Königlicher Schreiber“ an zahlreichen Feldzügen seines Vaters gegen Syrien, Palästina, Nubien und Libyen teil (171.15 / 183.02 / 222.12). Als er nach dem Tod seines älteren Bruders Chaemwese im 55. Regierungsjahr Ramses’ II. zum „Kronprinzen“ erhoben wurde, übernahm er auch dessen Pflichten bei dem Begräbnis des heiligen Apis-Stieres in Saqqara. Die Proklamation und Durchführung der 6. bis 14. Jubiläumsfeierlichkeiten (Sedfest) seines Vaters übergab er dem „Oberdomänenverwalter“ Jupa (KRI II 396.11) sowie dem Wesir Neferrenpet (KRI II 397.01-398.08). Als er nach dem Tod seines Vaters in dessen 67. Regierungsjahr (ca. 1213 v. Chr.), am 19. Tag des 1. Monats (ca. Juni / Juli) des Achet („Überschwemmung“) als 4. König der 19. Dynastie den Thron besteigt, ist er bereits über sechzig Jahre alt.

3.4. Die hohen Beamten und religiösen Würdenträger

Die lange Regierungszeit Ramses’ II. bedingte auch die große Anzahl der hochstehenden Beamten und Priestern, die die tragenden Staatsämter inne hatten. Von den vielen Wesiren, hohen Beamten, den Vizekönigen von Kusch und den zahlreichen Hohepriestern des → Amun von Theben, → Ptah von Memphis sowie anderen Gottheiten können nur die wichtigsten genannt werden.

3.4.1. Die Wesire

Das Amt des Wesirs war in der 19. Dynastie auf zwei Träger verteilt. Es gab den Wesir des Südens und den des Nordens.

1) Die „Wesire des Südens.“ Von den unter Ramses II. sicher belegten Wesiren nimmt Paser die herausragende Stellung ein. Seine Karriere – er entstammte einer Offiziersfamilie – begann unter Sethos I., in dessen 10. Regierungsjahr er im Alter von etwa 30 Jahren zum „Wesir des Südens“ erhoben wurde. Sein Vater Nebnetjeru war „Hohepriester des Amun“ in → Theben und Amtsvorgänger des Nebwenenef. In seiner Autobiographie (KRI I 299.03-16) berichtet Paser über seinen Werdegang. Zu seinen Aufgaben gehörte die Eintreibung der Tribute von Kleinasien und Nubien sowie die Festsetzung der Steuerpflichten Ägyptens. Als Stellvertreter des Königs in Oberägypten waren ihm nicht nur die Bürgermeister und Gerichts- sowie Finanzbehörden aller Städte in Oberägypten unterstellt, sondern auch alle Bauvorhaben des Königs. Er leitete die Bauten des Totentempels Sethos’ I. sowie Ramses’ II. (Ramesseum) in Theben West, wie auch den Bau ihrer Gräber im Tal der Könige. Weiterhin leitete er den Umbau des Luxortempels und die Fertigstellung der großen Säulenhalle des Amun-Tempels in Karnak. Er nahm an der → Schlacht von Kadesch gegen die Hethiter im Jahr 5 Ramses’ II. teil und sandte in der Folgezeit im Auftrag seines Königs Briefe an den hethitischen Königshof (→ Hethiter). Zahlreiche Inschriften belegen, dass Paser seinen Amtssitz nicht alleine in Theben hatte, sondern auch in Memphis und Piramesse residierte. Im 26. Regierungsjahr Ramses’ II. wurde Paser zum „Hohepriester des Amun“ in Theben berufen, ein Amt welches er noch 12 Jahre inne hatte. Paser verstarb mit ca. 70 Jahren und wurde im Jahr 38 Ramses’ II. in seinem Grab in Theben West (TT 106) bestattet. Weitere wichtige „Wesire des Südens“ waren Chai, der zwischen Jahr 30 und 44 Ramses’ II. belegt ist, Neferrenpet, der in den Jahren 57 bis 60 die Jubiläumsfeierlichkeiten (Sedfest) Ramses’ II. proklamierte und ebenfalls „Hohepriester von Memphis“ wurde.

2) Die „Wesire des Nordens.“ Als erster „Wesir des Nordens“ ist Nebamun belegt, der wohl bereits seit → Haremhab bis in die ersten Jahre Ramses’ II. diesen Titel innehatte. Gleich zwei „Wesire des Nordens“ trugen den Namen Parahotep (Rahotep). Parahotep (I) stammte aus Abydos und übte das Amt wohl zwischen dem 40. und 50. Regierungsjahr aus. Parahotep (II) stammte vermutlich aus der Gegend des Faijūm. Seine Amtszeit scheint um das 44. Jahr des Herrschers begonnen zu haben und dauerte wohl ein Jahrzehnt. Sein Vater war der „Hohepriester von Memphis“ Pahemnetjer. Am Ende seiner Karriere wurde Parahotep selbst zum „Hohepriester von Memphis“ und zum „Hohepriester von → Heliopolis“ ernannt. Sein Grab befindet sich in Sedment.

3.4.2. Die Vizekönige von Kusch

Das Amt des „Vizekönigs von Kusch“, dem die gesamte Verwaltung der ägyptischen Provinz Nubien bis zum 4. Katarakt unterstellt war, wurde während der Herrschaft Ramses’ II. von etwa zehn Beamten besetzt, deren genaue Datierungen und Abfolge noch nicht ganz geklärt ist. Zunächst ist hier Junj zu nennen, der das Amt schon unter Sethos I. innegehabt hatte. Er ist als „Vizekönig von Kusch“ im 1. Regierungsjahr Ramses’ II. belegt. Ihm folgte wahrscheinlich Amenemopet. Zwischen dem Jahr 5 und 10 des Pharao ging das Amt an Heqanacht über. Im Jahr 25 des Königs ist der „Vizekönig von Kusch“ Paser (nicht identisch mit dem gleichnamigen Wesir) belegt. Der „Vizekönig von Kusch“ Hui, der allem Anschein nach die Tochter des hethitischen Großkönigs Hattuschilis III. Matnofrure zur Hochzeit mit Ramses II. nach Ägypten im Jahr 34 des Pharao begleitete (Stele Berlin 17332), hatte wohl spätestens zu diesem Zeitpunkt das Amt inne. Von ihm ging das Amt an Setau über, der sicher zwischen dem 38. und 44. Regierungsjahr Ramses’ II. belegt ist, jedoch wahrscheinlich bis zum Jahr 63 im Amt war. Er restaurierte zahlreiche Bauten in Nubien und war für den Bau des Tempels Ramses’ II. im Wādī s-Sebū‘a verantwortlich. Setau wurde zusammen mit seiner Gemahlin im Grab TT 289 in Dra Abu el-Naga (Theben-West) bestattet. Ihm folgten Anhotep und zwei weitere nicht näher zu benennende „Vizekönige von Kusch“.

3.4.3. Die „Hohepriester“

1) Die „Hohepriester des Amun“ von Theben. Im ersten Regierungsjahr ernannte Ramses’ II. während des Opet-Festes Nebwenenef, „Hohepriester des Onuris und der Hathor von Dendera“, zum „Hohepriester des Amun“ von → Theben (KRI III 282.12-285.03). Er hatte das Amt bis in das Jahr 12 des Herrschers inne. Sein Grab (TT 157) und sein Totentempel befinden sich in Theben West. Ihm folgte zwischen den Jahren 12 bis 27 der Hohepriester Wenenefer. Der „Wesir des Südens“ Paser übernahm das Hohepriesteramt des Amun in Theben. Mit etwa 70 Jahren starb Paser im 38. Regierungsjahr Ramses’ II. (ca. 1240 v. Chr.) und wurde in Theben West (TT 106) bestattet. Eine herausragende Persönlichkeit war der Hohepriester Bekenchons. Auf zwei seiner Statuen (KRI III 295.16-296.14 / 297.14-298.16) zeichnete er ausführlich seine Biographie auf. Er wurde als Sohn des „Zweiten Amunspropheten“ Rama in Theben geboren. Vor seiner Priesterlaufbahn war er zunächst vier Jahre lang Schüler der Schriften im Tempel der Mut von Karnak. Danach wurde er 11 Jahre im Übungsstall Sethos’ I. militärisch ausgebildet und zum „Obersten des Übungsstalles des Königs“ befördert. Mit ca. Mitte 20 trat er als einfacher Wab-Priester in den Dienst des Amun von Theben. Nach vier Jahren wurde er zum „Gottesvaters des Amun“ erhoben. 12 Jahre später war er bereits „3. Prophet des Amun“ und nach weiteren 15 Jahren rückte er in das Amt des „2. Propheten des Amun“ auf. Im 39. Regierungsjahr Ramses’ II. wurde er dann „Hohepriester des Amun“. Als solcher leitete er für den Pharao dessen Bauvorhaben in Karnak: einen kleinen Tempel Ramses’ II. im östlichen Teil des Amun-Tempels sowie zwei nicht mehr erhaltene Obelisken. Weiterhin erwähnt ihn der Papyrus Berlin 3074 als Mitglied eines Gerichtshofes, der im Jahr 46 Ramses’ II. tagte. Bekenchons hatte das Amt ungefähr bis zum Jahr 65 / 66 inne und wurde in Theben West (TT 35) bestattet. Amtsnachfolger war sein jüngerer Bruder Ramarai.

2) Die „Hohepriester des Ptah“ von Memphis. Huj hatte das Amt des „Hohepriesters des Ptah“ wahrscheinlich von Jahr 1 bis ca. 20 Ramses’ II. inne. Ihm folgte Pahemnetjer, der Vater des „Wesirs des Nordens“ Parahotep (II), und sein Sohn Didia, Bruder des Parahotep (II). Um das Jahr 30 wurde Chaemwese, Sohn Ramses’ II., dann selbst zum „Hohepriester von Memphis“ ernannt und hatte das Amt bis zu seinem Tod etwa im 55. Regierungsjahr seines Vaters inne. Der Nachfolger Chaemweses war der Wesir Parahotep (II), der gleichzeitig auch „Hohepriester von Heliopolis“ wurde. Mit Neferrenpet wurde um das 57. Regierungsjahr des Königs ein weiterer Wesir „Hohepriester von Memphis“. Um das Jahr 66 folgte diesem dann der Hohepriester Hori, der auch nach dem Tod Ramses’ II. unter Merenptah dieses Amt bekleidete.

3.5. Die Außenpolitik

3.5.1. Expeditionen

Die ersten drei Regierungsjahre Ramses’ II. verliefen ohne militärische Konflikte. Für die Erhaltung des Staatskapitals und die zahlreichen Bauvorhaben im In- und Ausland, die der Herrscher seit seinem 1. Regierungsjahr in Auftrag gab, waren die regelmäßigen Goldlieferungen aus den Steinbrüchen des Wādī Allaqi in Nubien von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Die Verwaltung der ägyptischen Provinz Nubien war dem „Vizekönig von Kusch“ unterstellt, der auch die Verantwortung aller Gütertransporte zwischen Nubien und dem ägyptischen Mutterland trug. Die große Qubanstele Ramses’ II. (KRI II 353.01-360.06), die unmittelbar am Eingang des Wādī Allaqi aufgestellt wurde, deren Text sich in Kopie auf dem Tempel des Königs im nubischen Akscha aufgezeichnet findet, berichtet von den Schwierigkeiten dieser Expeditionen zu den Goldminen. Im Jahr 3 erhält Ramses II., der sich bei einer Thronsitzung in → Memphis befindet, einen Brief des Vizekönigs von → Kusch, in dem dieser dem König über den Wassermangel auf dem Weg zu den Goldminen berichtet. Der Erfolg des in Auftrag gegebenen Goldabbaus sei akut gefährdet, da die Expeditionsteilnehmer und das Vieh, welches zum Rücktransport des Goldes benötigt würde, auf dem Weg verdürsteten. In einzigartigen Formulierungen, in denen sich Ramses II. mit dem Sonnen- und Schöpfergott → Re gleichsetzt, berichtet der König, dass er den Bau einer Brunnenanlage im Wādī Allaqi veranlasste und somit nicht nur die Teilnehmer der Expedition, sondern auch den Wohlstand Ägyptens sicherte.

3.5.2. Feldzüge

© public domain

Abb. 10 Ramses II. erschlägt Feinde (Abu Simbel).

Die militärischen Aktionen Ramses’ II. fanden erst ab Jahr 4 statt. Die ägyptischen Grenzen nach Westen und Nordosten mussten gesichert und die ägyptische Vorherrschaft in den Gebieten des asiatischen Raumes sowie Palästinas musste stabilisiert werden, um die Handelswege und Tributlieferungen der Vasallenstaaten für Ägypten zu sichern. Eine genaue chronologische Abfolge der Feldzüge Ramses’ II. ist durch teilweise fehlende Datumsangaben in den Berichten und Darstellungen der Schlachten schwer zu erstellen. Zu dieser Zeit herrschten der hethitische Großkönig Muwattalli II. (→ Hethiter), Adad-nirari II., König von → Assyrien, und Benteschina, König von Amurru (→ Amoriter).

1) Die 1. Kampagne gegen Syrien im Jahr 4. Den ersten Feldzug im Jahr 4 seiner Herrschaft führte Ramses nach Syrien, um die Kontrolle dieser Gebiete, die auch von den Hethitern beansprucht wurden, zu sichern und ehemals ägyptische Gebiete zurückzuerobern. Er zog zur Küste Südphöniziens und nahm die Städte → Tyrus, → Byblos und Irqata ein. Danach wandte er sich siegreich gegen Benteschina, König von Amurru (→ Amoriter). Dieser löste das Bündnis mit dem hethitischen König Muwattalli II. und wechselte zur ägyptischen Seite über. Ramses II. stationierte eine Abteilung seines Heeres, die im Jahr 5 bei der → Schlacht von Kadesch eine wichtige Rolle spielte, als Garnison in Amurru. Neben zahlreichen undatierten Schlachtreliefs des Ramesseums und des Luxortempels berichten die Stelen aus Nahr el-Kalb (Libanon) und Byblos von diesem Feldzug (KRI II 1.01-09 / 224.01-15).

2) Die 2. Kampagne gegen Syrien im Jahr 5 – Die Schlacht von Kadesch. Der Abfall des ursprünglich hethitischen Vasallentums Amurru (→ Amoriter) unter Benteschina, das nunmehr von Ägypten gegen die → Hethiter unterstützt wurde, und der Verlust der südlichen Provinzen Hattis führten zu der großen Schlacht von Kadesch im Jahr 5 Ramses’ II., bei der sich der ägyptische König und Muwattalli II. gegenüber standen und das Ägyptische Herr fast eine Niederlage erlitt.

3) Kämpfe an der libyschen Grenze. In den Monaten nach der Schlacht von Kadesch unternahm Ramses II. keinen großen Feldzug. Eine kleine Aktion gegen die → Libyer (KRI II 197.01) wahrscheinlich um das Jahr 6-7, an der auch der „Kronprinz“ Amunherchepeschef teilnahm, sicherte die Grenzen nach Westen. In der Folgezeit veranlasste er dort aus Sicherheitsgründen den Bau mehrerer Befestigungsanlagen.

4) Die 3. Kampagne gegen Syrien im Jahr 7/8. Die Schlacht von Kadesch und der Verlust der Provinz von Upe schwächten die ägyptische Vormachtstellung. Die wichtigen Tributzahlungen aus diesen Gebieten für Ägypten blieben aus. Da Ägypten geschwächt war, fielen die → Schasu-Beduinen in → Kanaan ein, und die Königreiche → Moab und → Edom bildeten neue Machtzentren. Den 3. Feldzug Ende des Jahres 7 führte Ramses II. gemeinsam mit dem Kronprinzen Amunherchepeschef, der als „General“ eine eigene Division anführte, zunächst nach Kanaan, wo er die Schasu erfolgreich vertrieb, und dann weiter nach → Jerusalem und → Jericho. Amunherchepeschef zog gleichzeitig mit seiner Division nach Edom und bezwang danach Moab und Rabba. Die beiden Divisionen trafen bei → Dibon aufeinander und nahmen auch diese Stadt ein (KRI II 171.08 / 180.07).

5) Die 4. Kampagne gegen Syrien im Jahr 8/9. Nur ein Jahr später musste Ramses II. wieder nach Palästina und Syrien ziehen, um die Aufstände in Kanaan und die rebellierenden Galiläer (→ Galiläa) in Marom und Bet-Anat zu bezwingen. Auf seinem Feldzug besetzte er die Häfenstädte Kanaans sowie → Tyrus, → Sidon, Beirut, → Byblos, Ullaza, Irqata und Simyra. Weiterhin drang er, Kadesch umgehend, tief in hethitisches Gebiet ein und eroberte die Städte Dapur und Tunip im Norden von Amurru (KRI II 148.01-149.05). Dadurch isolierte Ramses II. Amurru (→ Amoriter) und Kadesch von dem Reich der → Hethiter, in dem nun Murschili III. als Großkönig herrschte.

6) Die 5. Kampagne gegen Syrien im Jahr 10. Es dauerte aber nicht lange, bis die im Jahr 8/9 gesicherten Gebiete wieder an die Hethiter fielen. Ramses II. führte daraufhin im Jahr 10 wieder einen Feldzug nach Dapur (KRI II 149.06-15), das er erfolgreich belagerte.

7) Die 6. Kampagne gegen Syrien im Jahr 18. Im Jahr 16 Ramses’ II. kam es in Hatti zu einem Eklat. Der amtierende hethitische Großkönig Murschili III., Sohn von Muwattalli II., des Kontrahenten Ramses’ II. bei der → Schlacht von Kadesch, wurde von seinem Onkel Hattuschili III. abgesetzt. Hattuschili III. bestieg den hethitischen Thron und verbannte seinen Neffen Murschili III. nach Zypern. Murschili III. floh jedoch mit seinem Gefolge an den ägyptischen Königshof und erhielt dort von Ramses II. Asyl. Als im Jahr 18 Hattuschili III. die Auslieferung seines Neffen von dem Pharao forderte, die dieser verweigerte, zog Hattuschili III. gegen Ägypten. Vorausschauend hatte jedoch Ramses II. bereits in Kanaan bei → Bet-Schean (KRI II 150.1-151.16) seine Truppen zusammengezogen. Da Hatti jedoch gleichzeitig im Osten von den Assyrern bedroht wurde, besann sich der hethitische Großkönig und sandte in der Folgezeit Diplomaten nach Ägypten. Sie handelten einen Friedensvertrag mit Ägypten aus, der dann auch im Jahr 21 Ramses’ II. abgeschlossen wurde.

8) Aufstand in Nubien. Nicht genau zu datieren ist ein Aufstand in Nubien. Diese Rebellion wurde jedoch relativ rasch beendet (KRI II 218.01-222.15). An dieser Strafaktion nahmen auch „Kronprinz“ Amunherchepeschef und Prinz → Merenptah teil.

3.5.3. Der Friedensvertrag und die hethitische Hochzeit

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2004)

Abb. 11 Der ägyptisch-hethitische Friedensvertrag im Tempel von Karnak an einer vorstehenden Mauer südlich des Säulensaals.

1) Der ägyptisch-hethitische Friedensvertrag. Drei Jahre nach der beinahe stattgefundenen Konfrontation bei → Bet-Schean zwischen Hattuschili III. und Ramses II. in dessen 18. Regierungsjahr und 16 Jahre nach der großen → Schlacht von Kadesch trugen die diplomatischen Bemühungen Hattuschilis III. Früchte. Am 21. Tag des 1. Monats (November / Dezember) des Peret („Herauskommen der Saat“) des 21. Regierungsjahres Ramses’ II. wurde der Friedensvertrag zwischen Ägypten und Hatti (→ Hethiter) besiegelt. Während der Verhandlungen wurden die Vertragsversionen von Boten in die Hauptstätte der beiden Reiche gebracht, so dass sich die Herrscher nie begegneten. Dieser Vertrag wurde in zwei Versionen, einer hieroglyphischen und einer akkadischen, die beide erhalten sind, aufgezeichnet. In diesem wurde vereinbart, dass Hatti und Ägypten gegenseitig die folgenden Thronfolger anerkennen und die zukünftigen Herrscher beider Länder diesen Vertrag anerkennen sollten. Ein Nichtangriffspakt zwischen beiden Ländern und eine Verpflichtung zur militärischen Hilfe des Partners im Falle eines Angriffs anderer Länder oder innenpolitischer Schwierigkeiten wurde ebenfalls vereinbart. Des Weiteren wurde die Auslieferung der Flüchtlinge aus den jeweiligen Ländern sowie eine Amnestie für diese und ihre Familien beschlossen. Am Ende finden sich die Siegel beider Herrscher. Die hieroglyphische Version des Vertrags wurde von Ramses II. in Stelenform im Amun-Tempel von Karnak sowie im Ramesseum aufgezeichnet (KRI II 225.01-232.15).

2) Die hethitische Hochzeit. Nach dem Abschluss des Friedensvertrages begann eine lange Zeit der Korrespondenz zwischen den Königshöfen von Ägypten und Hatti. Zahlreiche Briefe in babylonischer und hethitischer Sprache fanden sich in Boghazköi. Im 34. Regierungsjahr Ramses’ II. wurde der Frieden zwischen Ägypten und Hatti (→ Hethiter) durch die Hochzeit des Pharao mit der Tochter Hattuschilis, die den ägyptischen Namen Maathorneferure trug, besiegelt. Sie wurde sogar „Große Königliche Gemahlin“ und besaß damit juristisch die gleiche Stellung wie Nofretere und Isisnefret. Eine Stele über diese hethitische Hochzeit ließ Ramses II. in Elephantine, dem Amun-Tempel von Karnak sowie in den Tempeln von Amara West und Akscha aufstellen. Die ausführlichste Version mit einer großen Darstellung der Braut befindet sich im großen Tempel von Abu Simbel (KRI II 233.05-256.05). Eine zweite Hochzeit mit einer hethitischen Prinzessin folgte in den Jahren 40 bis 45 Ramses’ II. (KRI II 282.01-284.01).

3.6. Die Monumente

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2004)

Abb. 12 Der Große Felsentempel von Abu Simbel mit vier 20 m hohen Statuen Rameses’ II.

Während seiner Regierungszeit stiftete Ramses II. zahlreiche Statuen, die er in einigen Fällen von seinen Vorgängern usurpierte und mit eigenen Inschriften versah, und Denkmäler von zum Teil kolossalen Ausmaßen. Die vielen Tempelbauten, die er im ägyptischen Kernland, aber auch in Kleinasien und besonders Nubien, in Auftrag gab, sind so zahlreich, dass sie nicht einzeln aufgezählt werden können.

In Ägypten erweiterte er die Tempelanlagen des → Amun von Karnak und Luxor in → Theben Ost, weiterhin stellte er in Theben West den Totentempel seines Vaters, Sethos’ I., fertig und ließ das Ramesseum, seinen eigenen Totentempel errichten. Die größte Erweiterung der Siedlung der Arbeiter der thebanischen Nekropole, Dēr el-Medīna, wurde von Ramses II. in Auftrag gegeben. In → Abydos beendete er den Tempelbau seines Vaters Sethos I. und errichtetet sich in dessen Nähe einen eigenen Tempel. Weitere großangelegte Bauten finden sich in → Memphis, Hierakonpolis und → Heliopolis. Der Ausbau der Stadt → Auaris wurde kurz nach dem Tod Sethos’ I. von Ramses II. in Angriff genommen. Aus ihr entstand im Laufe der Regierung dieses Königs die große und blühende Residenzstadt Piramesse. Sie besaß zahlreichen Palastanlagen und Wohnhäuser. Ihre Tempel waren im rechten Winkel zum Nil ausgerichtet und wurden mit fast 50 außerordentlichen Kolossalstatuen des Herrschers versehen. Es gab groß angelegte Pferdeställe, in deren Nähe sich ein Heiligtum der syrischen Kriegsgöttin → Astarte befand. Auch für andere ausländische Gottheiten wurden Tempel im Stadtgebiet gebaut.

In Nubien finden sich die Tempelbauten von Amara West, Bēt el-Wāli, Ǧebel Barkal, Wādī s-Sebū‘a, Derr und Akscha. In einigen dieser Tempel ließ sich Ramses II. zu Lebzeiten als Gott verehren. Insbesondere ist jedoch der eindrucksvolle große Felstempel von Abu Simbel zu nennen, in dessen Kultnische neben den Göttern Ptah, Amun-Re und Re-Harachte auch der vergöttlichte Ramses II. verehrt wurde. Neben seinem eigenen Tempel von Abu Simbel ließ er einen kleineren Tempel für seine Frau Nofretere errichten.

3.7. Die Sedfeste

Im 30. Regierungsjahr wurde das erste Jubiläumsfest (Sedfest) Ramses’ II. gefeiert. Die ägyptischen Könige begingen dieses Fest ideell alle 30 Jahre nach ihrer Inthronisation. Während dieses Festes wurden die Kräfte des Königs rituell erneuert, und es stellte eine Demonstration der königlichen Macht dar. Die höchsten Würdenträger des Landes kamen zu diesem Fest, um dem Herrscher zu huldigen. In seiner überaus langen Regierungszeit sind insgesamt 14 Sedfeste Ramses’ II., die er nach dem ersten nicht mehr in dem sonst üblichen Abstand von 30 Jahren beging, sicher belegt. Sie fanden in den Regierungsjahren 30, 33/34, 36/37, 40, 42/43, 45/46, 48/49, 51/52, 54, 57/58, 60/61, 61/62, 63/64 sowie 65/66 statt.

3.8. Der Tod und die Bestattung Ramses’ II.

Im seinem 67. Regierungsjahr (ca. 1213 v. Chr.), kurz vor dem 19. Tag des 1. Monats (ca. Juni / Juli) des Achet („Überschwemmung“), dem Thronbesteigungsdatum seines Sohnes und Nachfolgers → Merenptah, verstarb Ramses II. mit etwa 85 bis 90 Jahren. Er wurde im Tal der König (KV 7) in Theben West bestattet. Wie so viele Gräber im Tal der Könige, so wurde auch das von Ramses II. schon in der 20. Dynastie geplündert. In der 21. Dynastie wurde die Mumie des Königs in das Grab seines Vaters Sethos’ I. gebracht. Letztendlich fand man allerdings die Mumie Ramses’ II. im Juli 1881 in der sogenannten Cachette von Dēr el-Bahri (DB/TT 320), dem ursprünglichen Grab des Pinodjem II. (21. Dynastie). Dorthin wurde sie zusammen mit etwa 40 anderen, zum Teil königlichen Mumien zum Schutz vor Grabräubern umgebettet. Nach der Entdeckung der „Cachette“ durch Gaston Maspero 1881, wurde die Mumie in das Ägyptische Museum Kairo gebracht.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Lexikon der Pharaonen, München 1996
  • The Oxford Encyclopedia of Ancient Egypt, Oxford 2001
  • The Oxford History of Ancient Egypt, Oxford 2000

2. Weitere Literatur

  • Assmann, J., Krieg und Frieden im alten Ägypten: Ramses II. und die Schlacht bei Kadesch, in: H. v. Ditfurth (Hg.), mannheimer forum 83/84, Mannheim 1983, 175-231
  • Beckerath, J. von, Handbuch der ägyptischen Königsnamen (MÄS 49), München 1999
  • Desroches-Noblecourt, Chr., Ramses – Sonne Ägyptens: die wahre Geschichte, Bergisch-Gladbach 1997
  • Desroches-Noblecourt, Chr., Ramses II: an illustrated biography, Paris 2007
  • Edel, E., Die ägyptisch-hethitische Korrespondenz aus Boghazköi in babylonischer und hethitischer Sprache I-II, Opladen 1994
  • Edel, E., Der Vertrag zwischen Ramses II. von Ägypten und Hattusili III. von Hatti, Berlin 1997
  • Gnirs, A., Militär und Gesellschaft : ein Beitrag zur Sozialgeschichte des Neuen Reiches (SAGA 17), Heidelberg 1966
  • Haider, P.W., Zum Moab-Feldzug Ramses’ II., in: SAK 14, Hamburg 1987, 107-123
  • Heinz, S.C., Die Feldzugsdarstellungen des Neuen Reiches: Eine Bildanalyse, Wien 2001
  • Helck, W., Urkunden der 18 Dynastie, Berlin 1955-1961 (= Urk. IV)
  • James, T.H., Ramses II., Köln 2002
  • Jansen-Winkeln, K., The Career of the Egyptian High Priest Bakenkhons, in: JNES 52, Chicago 1993, 221-225
  • Kitchen, K.A., Pharaoh Triumphant: The Life and Times of Ramesses II, King of Egypt, Warminster 1982
  • Kitchen, K.A., Rammeside Inscriptions. Translated and Annotated: Translations, Bd. I-V, Oxford 1993-2008 (= KRI I-V)
  • Gomaà, F., Chaemwese – Sohn Ramses’ II. und Hoherpriester von Memphis (ÄgAb 27), Wiesbaden 1973
  • Klengel, H., Hattuschili und Ramses: Hethiter und Ägypter – ihr langer Weg zum Frieden, Mainz 2002
  • Lakomy, K.C., Cairo Ostracon J. 72460: Eine Untersuchung zur königlichen Bestattungstradition im Tal der Könige zu Beginn der Ramessidenzeit (GMBeih. 4), 2008
  • Manouvrier, C.J., Ramsès le dieu et les dieux ou la théologie politique de Ramsès II, Paris 1999
  • Menu, B., Ramsès II – Souverain des souverains, Gallimard, 1998
  • Maystre, C., Les Grands prêtres de Ptah de Memphis (OBO 113), Freiburg 1992
  • Murnane, W.J., The Kingship of the Nineteenth Dynasty: A Study in the Resilience of an Institution, in: D. O'Connor / D.P. Silverman (Hgg.), Ancient Egyptian Kingship, Leiden 1995, 185-217
  • Schmidt, H.C. / Willeitner, J., Nefertari: Gemahlin Ramses’ II., Mainz 1994
  • Tyldesley, J.A., Ramses: Ägyptens größter Pharao, München 2002
  • Weeks, K.R. (Hg.), KV 5: A Preliminary Report on the Excavation of the Tomb of the Sons of Rameses II in the Valley of the Kings, Kairo 2006
  • Way, Th. von der, Die Textüberlieferung Ramses’ II. zur Qadeš-Schlacht. Analyse und Struktur (HÄB 22), Hildesheim 1984
  • Yoyotte, J., La stèle de Ramsès II à Keswé et sa sigbification histprique, in: BSFÉ 144, Paris 1999, 44-58

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Ramses II. (kolossale Sitzstatue, Abu Simbel). © public domain
  • Abb. 2 Ramses II. mit einer Tochter (kolossale Statue, Karnak). © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2004)
  • Abb. 3 Titulatur Ramses’ II. (Karnak). © public domain
  • Abb. 4 Große Säulenhalle des Amuntempels in Karnak. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2004)
  • Abb. 5 Kolossalstatue Ramses’ II. in Memphis. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2004)
  • Abb. 6 Ägypten zur Zeit des Neuen Reichs. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 7 Pylon Ramses’ II. in Luxor. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2004)
  • Abb. 8 Nofretere (Grabkammer QV 66). © public domain
  • Abb. 9 Kleiner Felsentempel Ramses’ II. für Nofretere (Abu Simbel). © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2004)
  • Abb. 10 Ramses II. erschlägt Feinde (Abu Simbel). © public domain
  • Abb. 11 Der ägyptisch-hethitische Friedensvertrag im Tempel von Karnak an einer vorstehenden Mauer südlich des Säulensaals. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2004)
  • Abb. 12 Der Große Felsentempel von Abu Simbel mit vier 20 m hohen Statuen Rameses’ II. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2004)

PDF-Archiv

Alle Fassungen dieses Artikels seit September 2017 als PDF-Archiv zum Download:

VG Wort Zählmarke
http://m.bibelwissenschaft.de