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Lexikon

Pi-Ramesse

Andere Schreibweise: Piramesse ; Per-Ramses ; Piramesses (engl.) ; Pi-Ramesses

Edgar B. Pusch, Henning Franzmeier

(erstellt: Nov. 2016)

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Die Stadt Pi-Ramesse (Koordinaten: N 30° 48' 27'', E 31° 50' 82''), das „Haus des Ramses“, war die Residenz der ägyptischen Könige der 19. und 20. Dynastie, beginnend mit → Ramses II., dem dritten König der 19. Dynastie. Dieser erweiterte etwa 1,5 km nordöstlich des alten Auaris (Tell eḍ-Ḍab‘a; Koordinaten: N 30° 47' 13'', E 31° 49' 24''), der Hauptstadt der Hyksoskönige der Zweiten Zwischenzeit, strategisch günstig auf einer Insel im östlichsten Flussarm des Nildeltas gelegen, eine vermutlich palatiale Anlage seines Vaters Sethosʼ I. und begründete so die Stadt, die für etwa zwei Jahrhunderte eine zentrale Rolle in der ägyptischen Geschichte spielen sollte. Ein Teil der antiken Stadt wird heute von der modernen Ortschaft Qantīr bedeckt.

1. Altägyptischer Name

Der vollständige Name der Stadt in der 19. Dynastie lautete: Pr-R‘-msj-sw-mrj-Jmn-p3-k3-‘3-n-p3 R‘-Ḥr-3ḫtj („Das Haus Ramsesʼ II.“). Unter → Ramses III. wurde der Name in Pr-R‘-msj-sw-ḥḳ3-Jwnw-‘3-nḫtw („Das Haus Ramsesʼ III., groß an Siegen“) abgewandelt. Die Bezeichnung der Vorgängersiedlung → Auaris (ḥw.t-w‘r.t) ging in der Ramessidenzeit nicht vollständig verloren und existierte weiterhin im Namen des Gottes Seth von Auaris. Inwieweit der Name jedoch in dieser Zeit noch als Toponym über das Epitheton des Gottes Seth hinaus Verwendung fand, etwa als Bezeichnung der südlichen Stadtviertel von Pi-Ramesse, die sich im Areal der alten Stadt befanden, ist unbekannt.

Neben der Ramsesstadt im Ostdelta existierten weitere mit dem Namen Ramses’ II. gebildete Toponyme (Gardiner 1918, 129-135). Diese unterscheiden sich jedoch in der Regel in ihrer Schreibung oder sie sind geographisch soweit von Qantīr / Pi-Ramesse entfernt, dass eine Verwechslung kaum möglich ist (Bietak 1984, 142).

2. Geographie

 © Projekt Ramses-Stadt; Foto: Edgar B. Pusch / Joachim Klang (Zeichnung), Kim-Denise Uhe (Bearbeitung)

Abb. 1 Karte zur Lage von Qantῑr / Pi-Ramesse im östlichen Nildelta.

Pi-Ramesse befindet sich im Gebiet der modernen Ortschaft Qantīr in der Provinz aš-Šarqīyah im östlichen Nildelta, etwa 120 km nordöstlich des modernen Kairo. In der ramessidischen Zeit lag die Stadt am Pelusischen Nilarm, der „Wasser des Re“ genannt wurde und zu dieser Zeit der östlichste Wasserlauf des Nildeltas war. Das Zentrum der Stadt lag auf einer Insel im Nil, etwa 2 km nördlich des alten Auaris, das mit seinem Sethtempel in die neue Stadt mit einbezogen wurde. So war die neue Residenz strategisch hervorragend positioniert. Über den Nil war einerseits eine Anbindung an die südlichen Landesteile gegeben, während andererseits das Mittelmeer schnell erreichbar war. Darüber hinaus befand sich auch der Beginn des Horusweges im Bereich der Ramsesstadt. Die Wahl dieses Platzes am „Anfang eines jeden Fremdlandes“ und am „Ende von Ägypten“, wie es im Papyrus Anastasi (II, 1,2 und IV, 6,2) heißt, lag in der politischen Situation der Späten Bronzezeit im östlichen Mittelmeerraum begründet. Durch die geographische Nähe zur Levante und die militärisch sichere Lage auf einer Insel nicht unmittelbar an der Küste, war die Stadt optimal an die Handelsrouten angebunden. Es konnte schnell auf militärische Veränderungen reagiert werden, während der Platz gleichzeitig gut zu verteidigen war. Dass die Stadt am Ende der 20. Dynastie als Residenz aufgegeben wurde, ist bei gleichzeitigem ökonomischen Niedergang auch als Reaktion auf eine Versandung und Verlagerung des Nilarmes zu verstehen, welche die herausragend gute strategische Position negativ beeinflusste.

3. Textliche Erwähnungen

Über die Stadt sind wir aus verschiedenen ägyptischen Textquellen unterrichtet. Insbesondere die Hymnen oder Loblieder (laus urbis) auf die Ramsesstadt in Papyrus Anastasi II und IV, sowie die Beschreibungen in Papyrus Anastasi III sind von besonderer Bedeutung, da sie ein idealtypisches, aber dennoch aussagekräftiges Bild zeichnen, das die Stadt deutlich von den traditionellen Zentren Memphis und Theben absetzt. So sprechen die Texte von vier wichtigen Göttern – Amun, Seth, Astarte und Wadjet –, die möglicherweise Tempel in der Stadt besessen haben. Darüber hinaus heben sie sehr stark auf die militärisch-strategische Lage der Stadt ab und beschreiben sie in der Zeit → Merenptahs als „Hauptquartier Deiner Streitwagentruppen, Musterungsplatz Deiner Fußtruppen“ und „Hafen Deiner Flotte“ (Papyrus Anastasi III, 7,5-6).

Einen aus den Texten bislang weitgehend unbekannten Aspekt der Stadt, beleuchtet ein kürzlich publiziertes Ostrakon (O Ashmolean HO 1187 1942.64), das den Handel als konstitutives Element von Pi-Ramesse bezeichnet (Fischer-Elfert 2016). In diese Stadt kommen die Anführer oder die „Großen“ (wr.w) aller Fremdländer mit ihren Produkten. Diese Textstelle wird durch die aus Qantīr stammenden Türgewände eines Anführers (wr) von Sidon komplementiert, der durch diese Architekturteile als Hausbesitzer in der Ramsesstadt ausgewiesen ist (Pusch 2014). Weitere Texte berichten über Stiftungen für Tempel der Ramsesstadt, so etwa Passagen von Papyrus Harris I (Grandet 2005, 231.307), die die Bedeutung der Stadt auch noch in der Zeit Ramsesʼ III. unterstreichen.

4. Forschungsgeschichte und Identifikation

Im Fall von Pi-Ramesse sind die Forschungsgeschichte und die Frage der Identifikation eines konkreten Platzes eng miteinander verwoben. Die frühen archäologischen Untersuchungen vor Ort erfolgten ohne das Wissen, mit welchem antiken Ort man es zu tun hatte. Gleichzeitig wurde nach der biblischen Ramsesstadt gesucht. Frühe Ägyptologen brachten Plätze wie etwa Pelusium oder Tell el-Masḫūṭa letztlich fälschlicherweise mit Pi-Ramesse in Verbindung. Nach einer umfangreichen Debatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts, für die insbesondere Alan Gardiner eine große Bedeutung besitzt, galt nach den Entdeckungen des französischen Archäologen Pierre Montet → Tanis für einige Jahrzehnte als der wahrscheinlichste Kandidat. Allerdings erregte das Fehlen von In-situ-Befunden bereits in den späten 1920er Jahren das Misstrauen des ägyptischen Archäologen Mahmud Hamza (Hamza 1930). Seinem Kollegen und Landsmann Labib Habachi gelang dann mit seinem grundlegenden Artikel von 1954 ein klarer Nachweis umfassender ramessidischer Aktivitäten in der Region um den modernen Ort Qantīr (Habachi 1954). Seit Manfred Bietaks Arbeit (Bietak 1975) ist die Identifikation der Region von Tell eḍ-Ḍab‘a / Qantīr mit der Ramsesstadt und der älteren Hauptstadt der Hyksos, → Auaris, allgemein akzeptierte Lehrmeinung. Umfassende Grabungen und magnetische Prospektionen begannen im Jahr 1980 unter der Leitung von Edgar B. Pusch und dauern bis heute an.

5. Geschichtlicher Abriss

Während in dem Areal rund um die spätere Ramsesstadt siedlungsanzeigende Artefakte des Alten Reichs fast vollständig fehlen, wurde im Süden des späteren Siedlungsgebietes nahe der modernen Siedlung Tell eḍ-Ḍab‘a zu Beginn des Mittleren Reiches eine Plansiedlung angelegt (Czerny 1999), die sich später zu Auaris, der Residenz der Hyksoskönige in der Zweiten Zwischenzeit entwickelte. Diese Siedlung verlor offenbar in der 18. Dynastie an Bedeutung (überblickend Bietak 1996; neuere Ergebnisse in zahlreichen Vorberichten in der Zeitschrift „Ägypten und Levante“). Aus der Nachamarnazeit gibt es erste Anzeichen für eine Wiederaufnahme königlicher, monumentaler Bauaktivitäten. Davon zeugt ein Relieffragment aus dem Areal des Sethtempels, das den Namen des Haremhab trägt (Bietak 1990). Auch in einigen der vom Hildesheimer Team ausgegrabenen Areale sind in den untersten Schichten, die bislang erreicht wurden, offenbar Befunde der späteren 18. Dynastie festgestellt worden. Deren Umfang und Funktion entziehen sich jedoch bislang aufgrund der nur geringen Flächen, in denen diese Tiefe erreicht werden konnte, jeglicher Kenntnis. Ob der aus Talatat aufgeführte Brunnen Ramsesʼ II. in Sama’na auf Bauten der Amarnazeit in der Region schließen lässt, muss offen bleiben. Eine größere Bautätigkeit setzt offenbar mit der Regierung Sethosʼ I. ein. Dieser lässt ein vermutlich palatiales Gebäude errichten, wovon Fayencekacheln mit der Titulatur dieses Königs zeugen, die wohl einem Türdurchgang entstammen (Delange 2015). Da diese nicht regulären Grabungen entstammen, sondern unter unklaren Umständen zu Beginn des 20. Jahrhunderts geborgen wurden, muss der Umfang dieser Baumaßnahmen als bislang ungeklärt gelten.

© Projekt Ramses-Stadt; Foto: Claudio Fragasso

Abb. 2 Türsturzfragment der Tausret (FZN 97/0582) und Splitter mit dem Namen Sethos’ II.

Der entscheidende Wandel tritt in der Zeit → Ramsesʼ II. ein. Bereits im Jahr 1 seiner Regierung besitzt die Stadt den neuen Namen und wird in Jahr 6 in den Schilderungen der → Kadesch-Schlacht als der Ort genannt, an den der König mit seinen Truppen zurückkehrt (von der Way 1984). In den darauffolgenden Jahrzehnten wird die Ramsesstadt in großem Stil ausgebaut. Die Ergebnisse der archäologischen Grabungen zeigen deutlich, dass auch in der späteren 19. und beginnenden 20. Dynastie mit einer umfangreichen Bautätigkeit zu rechnen ist (Abb. 2). In dieser Zeit übernimmt die Stadt die Funktion einer der wichtigsten Residenzen der ägyptischen Könige. Ein Teil der Verwaltung war hier angesiedelt, insbesondere die Einrichtungen, die mit internationalen Beziehungen befasst waren. Auch der Nordwesir dürfte in der Stadt sein Amt ausgeübt haben, während andere hochrangige Würdenträger durch Türstürze in Qantīr belegt sind (Habachi 2001). Daneben waren militärische Einheiten hier stationiert, wie sowohl die Texte als auch die archäologischen Funde und Befunde belegen (Pusch 1993).

Die Umbenennung unter → Ramses III. belegt das fortgesetzte Interesse an der Stadt. Inwieweit in dieser Zeit jedoch noch monumentale Bauten errichtet wurden, ist bislang unbekannt – die entdeckten Reste sind zumeist kleinformatig. Aus der Zeit nach Ramses III. sind keine königlichen Bauten mehr aus Funden bekannt. Ob die Funktion als Residenz noch bis an das Ende der 20. Dynastie Bestand hatte, kann aus den archäologischen Befunden heraus weder sicher belegt noch widerlegt werden. Am Übergang zur Dritten Zwischenzeit verlor Pi-Ramesse seine Funktion und die Residenz wurde nach → Tanis verlegt, wohin auch ein großer Teil der Monumente verbracht wurde. Völlig aufgegeben wurde die Stadt jedoch nicht – keramische Funde legen eine anhaltende Besiedlung in einem kleineren Rahmen nahe. Dies wird auch durch das Onomastikon des Amenope belegt, das sowohl Pi-Ramesse als auch Tanis nennt. Darüber hinaus stammt aus dem Bereich des Tell eḍ-Ḍab‘a ein Steinblock, der den Namen des Siamun trägt (Naville 1887, 21).

Spätere Siedlungsspuren sind sehr viel geringeren Umfanges. Unklar ist insbesondere die Zeit zwischen der Dritten Zwischenzeit und der späteren → Saitenzeit (Lehmann 2012/13). Ab der Mitte des 1. Jt.s v. Chr. wurde das Tellgelände wiederbesiedelt. Wie umfangreich diese Siedlungstätigkeit war, ist unbekannt, da entsprechend späte Schichten etwa im Bereich des modernen Qantīr aufgrund der Einebnung von Tellgelände im 19. und 20. Jh. völlig fehlen. Dass diese Siedlung mit Pi-Ramesse in Verbindung gebracht wurde, ist nicht bekannt. Vielmehr weisen Sekundärkulte, etwa des Amun des Ramses von Pi-Ramesse, die ab der 30. Dynastie, also dem 4. Jh. v. Chr., etwa in Tanis entstanden, darauf hin, dass bereits in dieser Zeit Tanis als Ort der Ramsesstadt angesehen wurde.

6. Archäologie

Das Gebiet um den modernen Ort Qantīr ist seit dem Ende des 19. Jh.s archäologisch erforscht worden. Die frühesten Berichte sprechen noch von sichtbaren Siedlungsresten (Griffith 1888). Auf die Entdeckung eines großen Konvolutes von Fayencekacheln mit der Titulatur Sethos’ I. im Jahr 1914 (Delange 2015) folgten die ersten systematischen Grabungen Mahmoud Hamzas (Hamza 1930) unweit des modernen Friedhofes. Darauf folgten verschiedene Grabungen von Labib Habachi, deren Ergebnisse 1954 teilweise vorgelegt wurden (Habachi 1954 und ausführlicher Habachi 2001). Im Bereich des Tell eḍ-Ḍab‘a begannen 1966 die Arbeiten des Österreichischen Archäologischen Institutes unter Manfred Bietak. Seit 1980 gräbt das Projekt Qantir-Pi-Ramesse des Roemer- und Pelizaeus-Museums (Hildesheim) zunächst unter Leitung von Edgar B. Pusch und seit 2015 von Henning Franzmeier in Kooperation mit verschiedenen Partnern permanent vor Ort.

6.1. Zustand der archäologischen Zeugnisse

© Projekt Ramses-Stadt; Foto: Axel Krause

Abb. 3 Basis einer sitzenden Kolossalstatue Ramsesʼ II auf dem Tell Abu el-Shafei während der Dokumentation im Jahre 2001.

Aufgrund der groß angelegten Verschleppung steinerner Monumente in der Dritten Zwischenzeit und der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung des Nildeltas sind obertägige Überreste der Ramsesstadt heute kaum noch auszumachen. Lediglich die Fußpartie einer etwa 10 m hohen Sitzstatue Ramsesʼ II. (Abb. 3), ein Fragment des Schoßes einer ebensolchen Statue sowie zwei Säulenbasen mit dem Namen desselben Königs sind heute noch erkennbar.

© Projekt Ramses-Stadt; Foto: Axel Krause

Abb. 4 Blick über das Gelände der Ramsesstadt.

Tellgelände im eigentlichen Sinn sind im Bereich um den modernen Ort Qantīr nicht mehr erhalten (Abb. 4), lediglich Flurnamen wie etwa Tell Abū el-Šāfi‘i, wo sich die angesprochenen Statuenfragmente befinden, zeugen noch von der einstigen Situation.

Im Süden des Stadtgebietes hat sich mit dem Tell eḍ-Ḍab‘a noch ein kleiner Ruinenhügel erhalten, so dass sich dort auch Baubefunde erhalten haben, die Siedlungsaktivitäten bis in ptolemäische Zeit belegen. An allen Grabungsplätzen des Projektes Qantir-Pi-Ramesse zeigte sich hingegen, dass fast keine Befunde aus einer Zeit nach der frühen Dritten Zwischenzeit mehr erhalten waren und die archäologischen Schichten unmittelbar unter dem Ackerboden begannen.

Während ein zentraler Teil heute durch die moderne Siedlung überbaut ist, konnten großflächige magnetische Messungen in den Jahren 1996-2012 den Nachweis erbringen, dass sich das bebaute Gelände auf einer Fläche von mehreren Quadratkilometern erstreckt, wobei die vollständige Ausdehnung bislang unbekannt ist. Dies betrifft insbesondere die Frage der Ausdehnung der Stadt nach Norden, Osten und Westen jenseits der Verzweigung des Pelusischen Nilarmes (Pusch / Becker 2017).

Verschleppte Denkmäler aus der Ramsesstadt befinden sich heute in Tanis, aber auch in Bubastis oder Tell el-Moqdam (Uphill 1984). Sichere Aussagen zur Herkunft solcher Monumente sind jedoch schwierig, wenn die Ramsesstadt und ihre Kulte (Gott NN-n-Ramses) nicht genannt werden. Insbesondere zu heliopolitanischen Denkmälern ist die Abgrenzung immer wieder unklar (Raue 1999, 17).

6.2. Militärische Einrichtungen

© Projekt Ramses-Stadt

Abb. 5 Grabungsplatz Q I-Planquadrat ax/3. Hufabdrücke im Bereich des Exerzierhofes.

Bereits aus den textlichen Erwähnungen sowie der günstigen strategischen Lage heraus kann erschlossen werden, dass der Ramsesstadt eine Funktion als wichtiger oder gar des wichtigsten Truppenstandortes des ägyptischen Reiches zukommt. Neben den Erwähnungen in den Texten konnten mittlerweile militärische Einrichtungen archäologisch dingfest gemacht werden, die mit den Streitwagentruppen und der Produktion von Waffen in Verbindung stehen. Am Grabungsplatz Q I konnten ein Exerzierhof und umfangreiche multifunktionale Werkstätten freigelegt werden. Die Funktion des Exerzierhofes konnte durch die Freilegung erhaltener Hufabdrücke gesichert werden (Abb. 5); darüber hinaus belegen die Funde großer Mengen von Streitwagenteilen die Verbindung zu diesem Truppenteil (Herold 1999a, 2006). In den multifunktionalen Werkstätten wurden ebenfalls überwiegend Objekte produziert, die (auch) militärischen Zwecken dienten (Prell 2011, bes. 237, Abb. 111).

Am Grabungsplatz Q IV gelang die Ausgrabung umfangreicher Stallanlagen, die mit den Pferden der königlichen Streitwagentruppen in Verbindung gestanden haben. Hier konnten auf etwa 14.000 m2 mindestens 460 Pferde untergebracht werden (Herold 2006, 46). Der archäologische Befund korrespondiert an dieser Stelle ganz hervorragend mit der Nennung der Ramsesstadt als Hauptquartier der königlichen Streitwagentruppen in Papyrus Anastasi III, 7, 5.

6.3. Werkstätten

Im Zuge der Ausgrabungen sind mehrfach Werkstätten bzw. Hinweise auf die umfangreiche Produktion verschiedener Güter zutage getreten. Insbesondere sind hier verschiedene Bereiche der Hochtemperaturtechnologie zu nennen, darunter Bronzeherstellung und Bronzeverarbeitung sowie Produktion von Glas und Fayence.

 © Projekt Ramses-Stadt

Abb. 6 Hochstativfoto des „Kreuzofens“ in Q I, PQ ax.a/3.

So grub bereits Mahmud Hamza in den 1920er Jahren Objekte aus, die mit der Produktion und Verarbeitung von Bronze in Zusammenhang stehen, darunter Tuyeres (Windrohre) (Hamza 1930). Am Grabungsplatz Q I kamen in den 1980er Jahren in Straten, die der ersten Hälfte der 19. Dynastie zugewiesen werden können, umfangreiche Befunde zutage, die mit einer Produktion von Bronze auf industriellem Niveau zusammenhängen (Pusch 1990; Pusch 1994; Abb. 6). Nachzuweisen sind das Legieren von Zinn und Kupfer zu Bronze, das Recycling von Bronzeschrott sowie die Herstellung von Objekten (Pusch 1990; Pusch 1994; Prell 2011; Rehren / Pusch 2012). Die hier verarbeiteten Metalle stammten aus den Minen des Sinai aber auch Zyperns, wie die Analyse des bislang einzigen in Ägypten entdeckten Fragmentes eines Ochsenhautbarrens belegt (Pusch 1990, Taf. Vb für den Ochsenhautbarren und Rademakers / Rehren / Pusch in Vorbereitung).

Ebenso wie die Metallproduktion waren schon seit den 1920er Jahren Hinweise auf die Herstellung von Glas in der Ramsesstadt vorhanden, darunter ein Barren rubinroten Glases (Museum Kairo JE 64296). An den Grabungsplätzen Q I, Q IV und Q V konnten große Mengen von Funden freigelegt werden, die es ermöglichten, den wiederum industriellen Produktionsprozess ägyptischen Glases von den Rohstoffen bis hin zum Barren, insbesondere bei der rubinroten Varietät, nachzuvollziehen. Werkstätten zur Glasherstellung fehlen hingegen bislang (Pusch / Rehren 2007). Es ist anzunehmen, dass zwischen den Technologien, die hohe Temperaturen und äußerst spezialisierte Arbeit benötigen, enge Verbindungen bestanden haben. Insbesondere bei der Färbung von Glas wird dies deutlich, spielen dort doch Metalloxide, insbesondere von Kupfer, eine große Rolle. Weiterhin liegt auf der Hand, dass auch die Produktion von Ägyptisch Blau und Fayence in diesem Kontext anzusiedeln sind. Von der Fayenceproduktion in der Ramsesstadt legen Tausende von Fayencemodeln beredtes Zeugnis ab (Herrmann 1985 und 2007).

6.4. Tempel

Bislang wurde kein Tempel der Ramsesstadt umfassend ausgegraben, es sind jedoch drei Bauten archäologisch nachgewiesen. Sicher identifizierbar ist in Übereinstimmung mit den Angaben aus Papyrus Anastasi II, 1, 4 = Papyrus Anastasi IV, 6, 4 der Seth-Tempel im Süden der Stadt. Dabei handelt es sich um eine Anlage, die sich auf dem Tell eḍ-Ḍab‘a im Areal des alten Auaris befindet. Hier ist mindestens seit der Zeit des Haremhab eine erneute Bautätigkeit nachweisbar (Bietak 1990).

Zwei weitere Tempel konnten im Rahmen der magnetischen Messungen nachgewiesen werden. Hier ist zunächst eine Anlage im Norden des Untersuchungsgebietes zu erwähnen, deren Existenz verschiedene Wissenschaftler bereits lange Zeit vermutet hatten, da sich hier die bereits erwähnten Füße der Kolossalstatue Ramses’ II. befinden. Die magnetischen Untersuchungen bestätigten diese Annahme, zeigten jedoch auch, dass sich die Statue nicht mehr in situ befindet. Der Tempel selbst besaß eine Größe von 60 x 110 m und war von einer 8 m dicken Umfassungsmauer umgeben, in dem sich ein Tempelhaus von 28 x 15 m befand. Weitere bauliche Details sind aufgrund der fehlenden Ausgrabung unbekannt, ebenso wie die Gottheit, der die Anlage zuzuweisen ist (Pusch / Becker 2017, Kap. 9.3.4). Eine Zuweisung an Wadjet aufgrund der Texte des Papyrus Anastasi II, 1, 5 = Papyrus Anastasi IV, 6, 5 ist bislang nicht belegbar.

Vor den magnetischen Messungen nicht bekannt war ein monumentales Gebäude im Südosten des Ortes Qantīr, das eine Fläche von mindestens 41.000 m2 bedeckt hat (Pusch 2004, 240; Pusch / Becker 2017, Kap. 9.3.3). Teile der Struktur weisen eine Ähnlichkeit mit Tempelkomplexen wie etwa dem Ramesseum auf. Weiterhin kann auch an einen Palastkomplex gedacht werden. Die Ausgrabungen in diesem Bereich, die im September 2016 begonnen haben, werden zeigen, welche Funktion dieser außergewöhnlichen Struktur tatsächlich zukam.

6.5. Wohnbebauung

© Projekt Ramses-Stadt; Foto: Helmut Becker, Bayerisches Landesamt für Archäologie; Interpretation Edgar B. Pusch

Abb. 7 Magnetogramm mit darübergelegter Interpretation der sog. Weststadt. Erkennbar ist eine dichte und zumeist kleinteilige Bebauung. Gelb markiert sind die ergrabenen Areale Q I (oben) und Q V (unten). Die Kante am unteren Bildrand markiert das Ufer des Flusses in ramessidischer Zeit.

Teile der eigentlichen Siedlung sind bislang nur in äußerst geringem Umfang freigelegt worden und es fehlen archäologische Einblicke in konkrete Wohnviertel. Lediglich im Areal QIV wurde ein Haus der frühen 19. Dynastie freigelegt, das jedoch nur rudimentär erhalten war (Herold 1999b, 92). Weiterhin stammen aus demselben Areal Nachnutzungen der königlichen Stallungen als Wohngebäude, die jedoch eher als ungeplante Okkupationen der entsprechenden Bereiche anzusprechen sind und an das Ende des Neuen Reiches oder den Beginn der Dritten Zwischenzeit datieren, eine Zeit also, in der die Stadt ihre Bedeutung bereits weitgehend verloren hatte. Dass es sich dabei aber nicht um einen Befund handelt, der auf die gesamte Stadt übertragen werden kann – es sich möglicherweise nur um eine Verwaltungs- und Militärstadt ohne größere Mengen von Wohnbebauung handelt –, ist mittlerweile aus den Ergebnissen der magnetischen Messungen bekannt. Diese zeigen sowohl repräsentative Villen des Amarnatyps mit einer Grundfläche von bis zu 1.600 m2 als auch Bereiche mit kleinteiliger Bebauung, bei der an Wohnviertel der Grundschicht zu denken ist (Pusch / Becker 2017).

6.6. Grabanlagen

Für Bestattungen aus ramessidischer Zeit liegen aus dem Bereich von Pi-Ramesse bislang nur wenige Beispiele vor. Die einzige bekannte Nekropole befindet sich im Bereich von Ezbet-Helmi im Süden des Stadtgebietes und besteht aus 127 sehr einfachen Gräbern (Hulková 2013). Darüber hinaus sind nur einzelne Gräber aus Grabungen bekannt, bei denen es sich ebenfalls zumeist um anepigraphe Grablegen mit geringer Ausstattung handelt. Ferner liegt eine geringe Anzahl von Kleinkindbestattungen aus dem Siedlungsbereich vor, der sich unter den Stallungen der 19. Dynastie befunden hat (Herold 1999b). Die alten Grabungen, insbesondere von Labib Habachi, erbrachten weiterhin Hinweise auf einige besser ausgestattete Gräber südlich der Stadt nahe des modernen Dorfes Ezbet Gayel (Habachi 2001, 37-38). Am Ostrand der zu erschließenden Insel finden sich in der magnetischen Prospektion Bauten, die als Grabgebäude angesprochen werden können. Hier, wie in deren Umfeld, wurden von Anwohnern Bestattungen und Teile von Grabausrüstungen beobachtet (Pusch / Becker 2017). Weitere funeräre Objekte, wie etwa eine Anzahl von → Uschebtis oder auch ein mögliches Kanopenfragment (FZN 2003/0797) konnten in sekundärer oder tertiärer Lage, zum Teil als Oberflächenfunde sichergestellt werden.

Neben dieser insgesamt für eine solche Stadt bislang äußerst geringen Anzahl an funerären Funden und Befunden fällt auf, dass aus Grabzusammenhängen nahezu keine Namen oder gar Titel bekannt sind. Eine Elitennekropole fehlt bislang völlig und bei Türstürzen, die früher als Teile von Gräbern betrachtet wurden, handelt es sich um die Eingänge von Häusern hochrangiger Beamter. Dieser Umstand kann einerseits auf die starke Zerstörung der Tellgebiete um Qantīr oder die bei weitem noch nicht umfassende Ausgrabungstätigkeit am Ort zurückzuführen sein. Andererseits gibt es aufgrund der vorliegenden Gräber von Angehörigen der Elite, die in Pi-Ramesse anwesend waren, sich jedoch anderenorts bestatten ließen, Hinweise darauf, dass dort keine große Nekropole mit monumentalen Gräbern entstanden sein mag. Insbesondere die fehlende Tradition und die Tatsache, dass die hohen Beamten aus dem ganzen Land in die neue Residenz umsiedeln mussten, können hier von Bedeutung sein. Ob dieser Befund wirklich eine Realität widerspiegelt, muss weitere Forschung vor Ort zeigen.

6.7. Internationale Beziehungen

Pi-Ramesse war als Residenzstadt des ägyptischen Königs eines der wichtigsten Zentren im Geflecht der internationalen Beziehungen der Spätbronzezeit im Ostmittelmeerraum. Diese Position spiegelt sich auch im Fundmaterial aus Qantīr wider, das sowohl diplomatische Kontakte, Handel, technologischen und kulturellen Austausch sowie die physische Präsenz von Ausländern in Pi-Ramesse belegt.

6.7.1. Levante

 © Projekt Ramses-Stadt; Foto: Axel Krause

Abb. 8 Türpfosten des Ipuaa-Baal (FZN 03/1310).

Objekte aus dem levantinischen Raum sind in Pi-Ramesse die häufigsten nicht-ägyptischen Funde, was aufgrund der geographischen Nähe und der politischen Dominanz Ägyptens in dieser Region kaum verwunderlich ist. Die Keramik besitzt den größten Anteil daran. Es handelt sich im Wesentlichen um sog. Kanaanäische Amphoren, eine im gesamten Ostmittelmeerraum verbreitete Form, die als Transportbehälter für so verschiedene Güter wie Wein, Harz oder auch Fayenceperlen diente. Neben diesen keramischen Funden ist als herausragendes Zeugnis der Beziehungen zu den Küstenstädten der Levante der Fund eines Türsturzes und der wohl dazugehörigen Türpfosten zu nennen, der belegt, dass zur Zeit Ramsesʼ II. ein wr von Sidon namens Ipuaa-Baal ein Haus in der Ramsesstadt besaß. Im Gegensatz zu der üblichen Übersetzung des Titels wr als „Prinz“ oder „Fürst“ legt ein neu entdecktes Fragment eines Hymnus auf Pi-Ramesse nahe, dass es sich auch um einen „Botschafter“ oder „Handels-Attaché“ gehandelt haben kann (Pusch 2014; Fischer-Elfert 2016).

6.7.2. Mykene

Kontakte in den mykenischen Bereich sind vorwiegend durch ein breites Spektrum von mehr als 300 Keramikfragmenten belegbar. Dabei handelt es sich überwiegend um geschlossene Gefäße, so dass hier eine Einfuhr von Gütern vorliegt. Dabei ist der Begriff „mykenisch“ geographisch nicht auf das griechische Festland zu begrenzen, da Neutronenaktivierungsanalysen zeigen konnten, dass ein Teil der mykenischen Keramik auch aus Zypern stammt, was darüber hinaus das recht geringe Aufkommen zyprischer Gefäße erklären kann. Als herausragendes Fundstück ist ferner eine Eberzahnhelmschuppe zu nennen, die auf die physische Präsenz mykenischer Krieger deutet, so wie sie in Ägypten auf einem Papyrus aus Amarna (British Museum EA 74100) dargestellt sind (Pusch 1993). Außerdem ist die Lieferung von Metallen oder Objekten aus Silber und Blei nachgewiesen, die aus den Minen von Laurion stammen.

6.7.3. Zypern

Objekte aus Zypern sind bislang nur in geringem Maße sicher im Fundmaterial identifizierbar. Hierzu gehört ein Korpus von nur etwa 30 Keramikfragmenten. Allerdings erbrachten Neutronenaktivierungsanalysen Hinweise darauf, dass ein Teil der zunächst als mykenisch angesprochenen Stücke in Zypern gefertigt wurden (Mountjoy / Mommsen 2001). Dieses trifft neuen petrographischen Untersuchungen zufolge auch für einen Teil der sogenannten kanaanäischen Amphoren zu (Ownby / Franzmeier / Laemmel / Pusch 2014). Darüber hinaus belegten Untersuchungen an Metallrückständen in Tiegeln erstmals sicher, dass tatsächlich zyprisches Kupfer in den Werkstätten der Ramsesstadt verarbeitet wurde, so wie es zuvor schon lange vermutet worden war (Rademakers / Rehren / Pusch in Vorbereitung). Das Fragment eines Ochsenhautbarrens entstammt Analysen zufolge den Minen von Apliki.

6.7.4. Hethitisches Reich

© Projekt Ramses-Stadt; Zeichnung: J. Klang

Abb. 9 Das Model eines hethitischen Achterschildes FZN 84/0001.

Im Gegensatz zu den anderen Regionen ergibt sich in Bezug auf die Kontakte zum Hethitischen Reich eine deutliche Diskrepanz. Abgesehen von der möglichen Herkunft einiger weniger kanaanäischer Amphoren aus Gebieten, die unter hethitischer Oberherrschaft standen (Ownby / Franzmeier / Laemmel / Pusch 2014), liegt nicht ein einziges Fragment eines keramischen Gefäßes vor, das sicher dem hethitischen Bereich zuzuordnen ist. Dies mag jedoch auch an den verhandelten Gütern liegen und weiterhin in der Problematik hethitischer Keramik allgemein begründet sein, die bedingt durch den Überlandtransport in Anatolien kaum Transportgefäße kennt (Schoop 2013, 369). Dafür werden im Fundmaterial die diplomatischen und militärischen Kontakte sichtbar. Herausragend sind in dieser Hinsicht die Modelle für Achter- und Trapezschilde hethitischer Truppenkontingente, die vermutlich in der Regierungszeit Ramsesʼ II. nach Pi-Ramesse gelangten, vielleicht im Zusammenhang mit der Hochzeit zwischen dem König und einer hethitischen Prinzessin oder auch mit dem Friedensvertrag (Pusch 1993). Darüber hinaus ist ein Fragment einer Keilschrifttafel erhalten, das trotz seiner geringen Erhaltung als Teil der offiziellen Korrespondenz zwischen den Königshäusern identifiziert werden kann (Pusch / Jakob 2004).

6.7.5. Sonstige Gebiete

Beziehungen in weitere Nachbargebiete Ägyptens sind anhand des archäologischen Befundes weniger deutlich nachvollziehbar. Aufschlussreich im Hinblick auf den nubischen Raum sind jedoch Funde von Knochen afrikanischer Tierarten, darunter Pferdeantilope und Giraffe. Diese gelangten entweder als Bestandteile von Trophäen in die Ramsesstadt oder wurden dort in einer Art Menagerie gehalten (Boessneck / von den Driesch 1982; Kitagawa in Vorbereitung).

7. Die Ramsesstadt und das biblische Ramses

Die Ramsesstadt des Ostdeltas wird in der Regel als der Platz angesehen, der mit dem mehrfach im Alten Testament erwähnten Toponym „Ramses“ gemeint ist (Gen 47,11; Ex 1,11; Ex 12,37; Num 33,3). Alle anderen mit dem Namen Ramses in der Ramessidenzeit in Verbindung stehenden Örtlichkeiten scheiden wohl aus (siehe Bietak 2015, 25 mit Hinweisen auf ältere Literatur). Vor diesem Hintergrund, insbesondere der Rolle der Ramsesstadt als Ausgangspunkt des Exodus, ist auch die große Aufmerksamkeit zu sehen, die der Ramsesstadt und ihrer Identifikation seit der Mitte des 19. Jh.s entgegengebracht wurde. Während die Identifikation des Städtenamens wohl korrekt ist und das Fehlen des Namensteiles Pi- oder Per- gut erklärt werden kann (Bietak 2015, 26), weist die topographische Beschreibung des Ortes in den biblischen Quellen Probleme auf. So existiert eine lebhafte Debatte darüber, ob es sich bei der biblischen Erwähnung um eine Darstellung der Verhältnisse im Ostdelta in saitischer und persischer Zeit handelt, der Epoche, in der die biblischen Texte zusammengestellt wurden. In dieser Zeit seien durch die Verschleppung von Monumenten in der Dritten Zwischenzeit Orte wie Bubastis und vor allem Tanis mit Pi-Ramesse in Verbindung gebracht worden (Redford 1963, 408-418; weitere Literatur bei Bietak 2015, 24). Bietak (2015, 29-32) hingegen argumentiert, dass es sich bei den biblischen Darstellungen um eine genuine Reflexion der Verhältnisse in der Ramessidenzeit handelt.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Ramsesstadt als zentraler Platz der Spätbronzezeit ein beeindruckendes Bild geboten haben muss – sowohl architektonisch als auch im Hinblick auf seine politische und kulturelle Bedeutung. So fand die Stadt als prototypische Hauptstadt Ägyptens Eingang in das kulturelle Gedächtnis der monotheistischen Buchreligionen.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

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Weblinks

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Karte zur Lage von Qantῑr / Pi-Ramesse im östlichen Nildelta. © Projekt Ramses-Stadt; Foto: Edgar B. Pusch / Joachim Klang (Zeichnung), Kim-Denise Uhe (Bearbeitung)
  • Abb. 2 Türsturzfragment der Tausret (FZN 97/0582) und Splitter mit dem Namen Sethos’ II. © Projekt Ramses-Stadt; Foto: Claudio Fragasso
  • Abb. 3 Basis einer sitzenden Kolossalstatue Ramsesʼ II auf dem Tell Abu el-Shafei während der Dokumentation im Jahre 2001. © Projekt Ramses-Stadt; Foto: Axel Krause
  • Abb. 4 Blick über das Gelände der Ramsesstadt. © Projekt Ramses-Stadt; Foto: Axel Krause
  • Abb. 5 Grabungsplatz Q I-Planquadrat ax/3. Hufabdrücke im Bereich des Exerzierhofes. © Projekt Ramses-Stadt
  • Abb. 6 Hochstativfoto des „Kreuzofens“ in Q I, PQ ax.a/3. © Projekt Ramses-Stadt
  • Abb. 7 Magnetogramm mit darübergelegter Interpretation der sog. Weststadt. Erkennbar ist eine dichte und zumeist kleinteilige Bebauung. Gelb markiert sind die ergrabenen Areale Q I (oben) und Q V (unten). Die Kante am unteren Bildrand markiert das Ufer des Flusses in ramessidischer Zeit. © Projekt Ramses-Stadt; Foto: Helmut Becker, Bayerisches Landesamt für Archäologie; Interpretation Edgar B. Pusch
  • Abb. 8 Türpfosten des Ipuaa-Baal (FZN 03/1310). © Projekt Ramses-Stadt; Foto: Axel Krause
  • Abb. 9 Das Model eines hethitischen Achterschildes FZN 84/0001. © Projekt Ramses-Stadt; Zeichnung: J. Klang

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