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Lexikon

Papyrus-Pflanze

Peter Riede

(erstellt: Febr. 2016)

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1. Botanisch

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)

Abb. 1 Papyruspflanzen in Kairo.

In Palästina kommt Papyrus (Cyperus papyrus) vor allem im oberen Jordantal (→ Jordan), im Hulebecken und an den Ufern einiger in Küstennähe befindlicher Flüsse vor. Die Pflanze gehört zu den Ried- bzw. Sauergräsern. Ihr Stängel mit kurzen schuppenartigen Blättern an der Basis ist dreieckig und mit doldenartigen Blütenständen versehen. Er kann eine Höhe von 3-6m und einen Durchmessern von 10cm erreichen. Die Basis des Stängels bildet ein dicker, kriechender Wurzelstock mit flachen Wurzeln. Aufgrund der Verflechtung der Wurzelstöcke stehen die Halme eng aufeinander, so dass ein undurchdringliches Dickicht entsteht.

2. Verbreitung und Verwendung in der Antike

Aus: E.C.A. Riehm, Handwörterbuch des Biblischen Altertums, Bielefeld 2. Aufl. 1894, 1418

Abb. 2 Papyrusernte (Grabrelief aus Meїr aus dem 20. Jh. v. Chr.).

Hauptverbreitungsgebiete für Papyrus waren in der Antike das Nildelta, Syrien und das Gebiet des → Euphrats. Die Pflanze wurde zur Herstellung von Booten, Seilen, Schuhen, Kleidung, Matten und Hütten sowie vor allem von Papier (→ Schreibmaterial) verwendet. Die Herstellung des Schreibmaterials Papyrus ist in Ägypten seit der 18. Dynastie belegt. Man schälte dazu den Stängel der Pflanze, schnitt das Mark in dünne Streifen, legte diese kreuzförmig übereinander, presste und trocknete sie. Aufgrund der in der Pflanze enthaltenen Stärke wurden die einzelnen Lagen durch den Pressvorgang stabil miteinander verbunden. Die Triebe der Pflanze, aber auch der stärkehaltige Wurzelstock dienten auch als Gemüse. Letzterer wurde gedörrt, gekocht oder auch roh verzehrt.

3. Biblisch

3.1. Bezeichnungen

Die hebräische Bezeichnung für Papyrus ist גֹּמֶא gomæ‘, ein Lehnwort aus ägyptisch qm3 „Schilf / Binse“. Die griechische Bezeichnung ist πάπυρος pápyros.

3.2. Vorkommen im Alten Testament

Im Alten Testament erscheint die Pflanze in Hi 8,11f, wo die → Septuaginta auch mit Papyrus übersetzt. Hier wird auf das schnelle Wachstum der Pflanze rekurriert, sofern sie sich in einer wasserreichen Umgebung befindet, wogegen sie bei Wasserentzug schnell verdorrt. In Jes 35,7 wird das Wunder der in eine wasserreiche Landschaft verwandelten Wüste durch den Hinweis auf das Wachstum von Wasserpflanzen wie dem Papyrus verdeutlicht. Ansonsten ist Papyrus als Grundmaterial für Flechtarbeiten wie Körbe, Kästen oder Boote (Ex 2,3; Jes 18,2) belegt.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Paulys Real-Encyclopädie der classischen Alterthumswissenschaft, Stuttgart 1894-1972
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Berliner, M. (Hg.), Plants of the Bible in Their Natural Surroundings, Haifa 1969
  • Darom, D., Die schönsten Pflanzen der Bibel. Vom Ysop bis zu den mächtigen Zedernbäumen, Herzlia o.J. 27
  • Germer, R., Flora des pharaonischen Ägypten II, Mainz 1985, 248-250
  • Hepper, F.N., Pflanzenwelt der Bibel. Eine illustrierte Enzyklopädie, Stuttgart 1992
  • Zohary, M., Pflanzen der Bibel. Vollständiges Handbuch, Stuttgart 2. Aufl.1986

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Papyruspflanzen in Kairo. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)
  • Abb. 2 Papyrusernte (Grabrelief aus Meїr aus dem 20. Jh. v. Chr.). Aus: E.C.A. Riehm, Handwörterbuch des Biblischen Altertums, Bielefeld 2. Aufl. 1894, 1418
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