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Lexikon

Otho

Michael Rydryck

(erstellt: März 2013)

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1. Werdegang

Marcus Salvius Otho wurde im Jahr 32 n. Chr. geboren. Unter → Nero wurde er Quaestor und Mitglied des Priesterkollegiums der Fratres Arvales, außerdem stieg er zu einem Vertrauten des Kaisers auf.

Otho war mit der geschiedenen Poppea Sabina verheiratet. Als Nero Poppea für sich begehrte und zur Frau nehmen wollte, entsandte er Otho im Jahr 58 als Statthalter in die Provinz Lusitania. Otho ließ sich in der Folge von Poppea scheiden und Nero nahm sie statt seiner zur Frau.

2. Otho als Usurpator des Vierkaiserjahres

Im Jahr 68 schloss sich Otho dem Aufstand senatorischer Kreise gegen Nero an und unterstützte den späteren Kaiser → Galba. Otho pflegte, nicht zuletzt durch seine Freigebigkeit, das Verhältnis zu den Truppen und zur Prätorianergarde in Rom.

Als Galba im Januar 69 jedoch einen anderen Senator als Nachfolger adoptierte und damit Otho überging, usurpierte Otho die Herrschaft. Er bestach die Prätorianer und nahe Rom befindliche Truppenteile, ließ Galba ermorden und wurde vom Senat als Kaiser bestätigt. Otho nahm daraufhin den Namen „Imperator Marcus Otho Caesar Augustus“ an.

Allerdings musste sich Otho nun mit den wenigen ihm zur Verfügung stehenden Truppen dem anderen Usurpator des Jahres 69 entgegenstellen: dem Oberbefehlshaber der germanischen Legionen → Vitellius. Im April 69 kam es zur ersten Schlacht bei Bedriacum, in der Othos Truppen unterlagen. Otho tötete daraufhin sich selbst, antiken Quellen zufolge, um dem Gemeinwesen ein Fortdauern des Bürgerkriegs zu ersparen. Nach Othos Tod bestätigte der Senat die Herrschaft des Vitellius und ächtete die Erinnerung an Otho (damnatio memoriae).

3. Bedeutung

Othos Werdegang zeigt exemplarisch das Schicksal eines Usurpators, der unter dem alten Regime Karriere gemacht hatte und nun in den Zeiten des Umbruchs versuchte, selbst die Herrschaft an sich zu bringen. Dies sollte jedoch in den Wirren des → Vierkaiserjahres erst dem flavischen Militärbefehlshaber → Vespasian dauerhaft gelingen. Otho indes scheiterte aufgrund seiner mangelnden Machtbasis.

Otho findet im Neuen Testament keine Erwähnung. Allerdings weist die fragmentarisch erhaltene Doppelbiographie Plutarchs über die Kaiser Galba und Otho in ihrer historiographischen Prägung wichtige intertextuelle Bezüge zur → Apostelgeschichte des Lukas auf (vgl. Holzbach).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Eck, W., 2000, Art. Otho, DNP 9, 107-108

2. Weitere Literatur

  • Christ, K., 2005, Geschichte der Römischen Kaiserzeit. Von Augustus zu Konstantin, 5. Auflage, München
  • Flaig, E., 1992, Den Kaiser herausfordern. Die Usurpation im Römischen Reich, Historische Studien 7, Frankfurt am Main / New York
  • Holzbach, M.-Chr., 2006, Plutarch: Galba-Otho und die Apostelgeschichte – ein Gattungsvergleich, Religion und Biographie 14, Berlin
  • Hurter, S. M., 2003, Kaiser Roms im Münzporträt. 55 Aurei der Sammlung Götz Grabert, Stuttgart
  • Huttner, U., 2008, Die Römische Antike, Tübingen
  • Morgan, G., 2006, 69 A.D.: the year of four emperors, Oxford
  • Wellesley, K., 2000, The year of the four emperors, third edition, London / New York
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