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Lexikon

Osorkon II.

(874-840 ? v. Chr.)

Alexander Schütze

(erstellt: April 2010)

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1. Namen und Familie

Osorkon II. (Geburtsname: Wsrkn [Z3-B3stt] mrjj-Jmn; Thronname: Wsr-m3‘t-R‘ stp.n-Jmn) war der fünfte König der 22. Dynastie, der um 874 v. Chr. den Thron Ägyptens bestiegen hat. Er war der Sohn des Königs Takelot I. und der Kapes.

Die tatsächliche Länge der Regierungszeit Osorkons II. ist umstritten. Das letzte sichere Datum ist die Bestattung eines → Apis-Stieres im 23. Regierungsjahr. Eine Nilstandsmarke in Karnak verweist vielleicht auf ein 29. Regierungsjahr (Broekman 2002). Früher hat man angenommen, dass Osorkon II. kurz nach der Bestattung des Apis-Stieres verstorben sei. Kenneth A. Kitchen schrieb ihm deshalb höchstens 24 oder 25 Regierungsjahre zu (Kitchen 1996). David Aston (1989) hielt dagegen eine Regierungsdauer von 40 bis 45 Jahren für möglich; Karl Jansen-Winkeln (2006) 30 bis 40 Regierungsjahre. Jüngst hat auch Kitchen (2006, 2009) Osorkon II. 32 bzw. 34 Jahre zugestanden.

Drei Ehefrauen Osorkons II. sind bekannt: Aus der Ehe mit Karomama (B) gingen die Söhne Scheschonq (D) und Harnacht sowie die Töchter Ta-scha-cheper, Karomama und [Ta?]-iir-mer hervor. Mit Djed-mut-iu-es-anch hatte er einen Sohn Namert (Nimlot) (C), der mit Iset-en-chab eine Tochter Tjes-bast-peru hatte, die spätere Ehefrau Takelots II. Die dritte bekannte Ehefrau Osorkons II. ist Iset-em-ach-bit.

2. Historischer Abriss

In seinem 16. Regierungsjahr bestimmte Osorkon II. seinen Sohn Namert (C) zum Hohenpriester des Herischef von Herakleopolis und General von Per-sechem-cheper-re, eine von → Osorkon I. gegründete Festung. Namert (C) folgte später dem Harsiese (A) in das Amt des Hohenpriesters des → Amun von Karnak. Harsiese (A), ein Sohn Scheschonqs II., war von Osorkon II. oder schon von Takelot I. in dieses Amt gesetzt worden und hatte sich selbst zum König von Oberägypten ernannt (Jansen-Winkeln 1995). Seinen Sohn Scheschonq (D) ernannte Osorkon II. zum Hohenpriester des → Ptah von → Memphis (Jansen-Winkeln 2005). Auf Namert (C) folgte wiederum dessen Sohn Takelot (F) in das Amt des Hohenpriesters von Karnak.

Im 22. Regierungsjahr Osorkons II. (853 v. Chr.) beteiligte sich ein ägyptisches Kontingent von eintausend Soldaten an der → Schlacht von Qarqar auf Seiten der Könige von Hamath, Damaskus und Israel gegen die Assyrer unter Salmanassar III. (contra Schipper 1999, 143-149). Ein Alabastergefäß mit Namenskartuschen Osorkons II., das im Palast des → Omri und → Ahab in → Samaria gefunden wurde, wird als Hinweis auf verstärkte Beziehungen Ägyptens zu den Stadtstaaten in Syrien-Palästina in Anbetracht der Bedrohung durch die Assyrer gedeutet. Osorkon II. stiftete wohl wie seine Vorgänger → Scheschonq I. und → Osorkon I. eine Statue nach → Byblos.

Im 23. Regierungsjahr nahm Kronprinz Scheschonq (D) als Hohepriester des Ptah an der Bestattung des Apis-Stieres teil. Scheschonq (D) ist nicht, wie früher angenommen, kurz nach diesem Ereignis und vor seinem Vater gestorben, sondern hat ihn wohl überlebt.

In seinem 30. Regierungsjahr feierte Osorkon II. wahrscheinlich ein Sed-Fest in Bubastis, in dessen Zuge zahlreiche Neubauten an diesem Ort errichtet wurden. Früher hatte man angenommen, dass er sein Sed-Fest bereits im 22. Regierungsjahr gefeiert hätte.

Osorkon II. wurde in Tanis beigesetzt. Takelot (F) folgte Osorkon II. vielleicht als Takelot II. auf den ägyptischen Thron, falls es nicht noch einen jüngeren Sohn Osorkons II. namens Takelot gegeben hat (Kitchen). Nach anderer Auffassung ist nicht Takelot II. der Nachfolger Osorkons II. gewesen sondern Scheschonq III. (Aston, Jansen-Winkeln). Takelot II. habe dagegen parallel zu ihm und später zu Scheschonq III. in Oberägypten regiert.

3. Denkmäler

In → Tanis ließ Osorkon II. den Tempel des → Amun mit dem wohl unter → Siamun (21. Dynastie) erbauten Vorhof um einen weiteren Hof mit Torbau und Obelisken erweitern. Ein Tempel östlich der Umfassungsmauer des Amun-Tempels geht ebenfalls auf Osorkon II. zurück. Die Fragmente dieses Bauwerkes lassen keine Rückschlüsse mehr darauf zu, welcher Gottheit dieser Tempel geweiht gewesen ist. Darüber hinaus ließ er ein verfallenes Grab nahe dem des Psusennes I. südöstlich des ersten Pylons des Amun-Tempels für sein eigenes Begräbnis ausbauen. Das beraubte Grab (Grab V) wurde 1939 von Pierre Montet entdeckt (Montet 1947, Jansen-Winkeln 1988).

In Bubastis wurde die von → Osorkon I. begonnene Hypostylhalle im großen Tempel der → Bastet fertiggestellt. Osorkon II. ließ einen Festhof mit Torbau zur Erinnerung an das von ihm begangene Sedfest errichten. Am Torbau wurde ein Zyklus von Szenen angebracht, die heute eine wichtige Quelle für die Rekonstruktion des Festes darstellen (Naville 1892, Barta 1978, Lange 2009). Nördlich des Bastet-Tempels (innerhalb der Umfassungsmauer) entstand ein kleiner Tempel für den Gott Mahes (Mihos, Miysis), dem Sohn der Bastet und des → Ptah.

In → Leontopolis ließ Osorkon II. ebenfalls den Mahes-Tempel erneuern. Dort befanden sich eine Kapelle und wohl das Grab der Karomama (B). In → Pitom (Tell el-Maschūṭa) wurden Sanktuare für eine Reihe von Gottheiten errichtet. Darüber hinaus gibt es vereinzelte Hinweise auf Bauaktivitäten in Memphis. Im Tempelbezirk von Karnak wurde eine Kapelle für den Gott Osiris Wep-Isched (Tempel J) errichtet. Am sogenannten Bubastidentor Scheschonqs I. in Karnak ließ Osorkon II. ein Dekret bezüglich der Priester und Tempel von Karnak anbringen, das nur noch in Fragmenten erhalten ist. Ansonsten gibt es bisher keine Hinweise auf weitere Bauaktivitäten Osorkons II. in Oberägypten.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Lexikon der Pharaonen, 2. Aufl., München 1996

2. Texteditionen

  • Jansen-Winkeln, K., 2007, Inschriften der Spätzeit Teil II: Die 22.-24. Dynastie, Wiesbaden
  • Ritner, R, 2009, The Libyan Anarchy: Inscriptions from Egypt’s Third Intermediate Period (Writings from the Ancient World 21), Atlanta
  • Vernus, P., 1975, Inscriptions de la troisième période intermédiaire (I), Bulletin de l’Institut français d’archéologie orientale 75, 1-66, bes. 20-26

3. Weitere Literatur

  • Aston, D., 1989, Takeloth II – A King of the „Theban Twenty-third Dynasty”?, Journal of Egyptian Archaeology 75, 139-154
  • Barta, W., 1978, Die Sedfest-Darstellung Osorkons II. Im Tempel von Bubastis, Studien zur Altägyptischen Kultur 6, 25-42
  • Broekman, G.P.F., 2002, The Nile level records of the twenty-second and twenty-third dynasties in Karnak: a reconsideration of their chronological order, Journal of Egyptian Archaeology 88, 163-178
  • Jansen-Winkeln, K., 1988, Weiteres zum Grab Osorkons II., Göttinger Miszellen 102, 31-39
  • Jansen-Winkeln, K., 1995, Historische Probleme der 3. Zwischenzeit, Journal of Egyptian Archaeology 81, 129-149
  • Jansen-Winkeln, K., 2005, Der Prinz und Hohepriester Scheschonk (D), Göttinger Miszellen 207, 77-78
  • Jansen-Winkeln, K., 2006, Third Intermediate Period, in: E. Hornung / R. Krauss / D.A. Warburton (Hgg.), Ancient Egyptian Chronology (Handbuch der Orientalistik 83), Leiden / Boston, 234-263
  • Kitchen, K.A., 1996, The Third Intermediate Period in Egypt (1100-650 BC), 3. Auflage, Warminster, 313-326
  • Kitchen, K.A., 2006, The Strengths and Weaknesses of Egyptian Chronology. A Reconsideration, Ägypten und Levante 16, 293-308
  • Kitchen, K.A., 2009, The Third Intermediate Period in Egypt: An Overview of Fact & Fiction, in: G.P.F. Broekman / R.J. Demarée / O.E. Kaper (Hgg.), The Libyan Period in Egypt: Historical and Cultural Studies into the 21st - 24th Dynasties: Proceedings of a Conference at Leiden University, 25-27 October 2007 (Egyptologische uitgaven 23), Leiden, 161-202
  • Lange, E.R., 2009, The Sed-Festival Reliefs of Osorkon II at Bubastis: New Investigations, in: G.P.F. Broekman / R.J. Demarée / O.E. Kaper (Hgg.), The Libyan Period in Egypt: Historical and Cultural Studies into the 21st - 24th Dynasties: Proceedings of a Conference at Leiden University, 25-27 October 2007 (Egyptologische uitgaven 23), Leiden, 203-218
  • Montet, P., 1947, Le nécropole de Tanis, Vol. I: Les constructions et le tombeau d’Osorkon II à Tanis, Paris
  • Naville, E., 1892, The Festival-Hall of Osorkon II in the Great Temple of Bubastis (1887-1889) (Memoir of the Egypt Exploration Fund 10), London
  • Schipper, B.U., 1999, Israel und Ägypten in der Königszeit: Die kulturellen Kontakte von Salomo bis zum Fall Jerusalems (Orbis Bibilicus et Orientalis 170), Freiburg (Schweiz) / Göttingen

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