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Lexikon

Onan

Judith Gärtner

(erstellt: Okt. 2011)

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1. Name

Der Personenname Onan (אוֹנָן ’ônān; LXX Αυναν) bedeutet „Kraft“ und speziell „Zeugungs-Kraft“.

2. Onan, der Sohn Judas

Onan ist der zweitgeborene Sohn des Erzvaters → Juda und der Kanaaniterin Schua. Er hat zwei Brüder Er und Schela (Gen 38,2-5). Sein ältester Bruder, Er, stirbt kinderlos, so dass sein Vater Juda ihn auffordert, mit seiner Schwägerin → Tamar die → Leviratsehe bzw. Schwagerehe (vgl. Dtn 25,5-6) einzugehen. Bei der Leviratsehe wird durch die Zeugung von Nachkommen der Fortbestand der Familie des Verstorbenen gesichert. Onan entspricht dem Willen seines Vaters aber nur scheinbar: Denn Onan weiss, dass die von ihm gezeugten Nachkommen nicht zu ihm, sondern zur Familie seines Bruders gehören würden, um den Fortbestand dieser Familie zu sichern. Deswegen heiratet er Tamar zwar. Er verhindert aber die Zeugung, indem er seinen Samen auf die Erde fallen und verderben lässt (coitus interruptus). Sein Verhalten missfällt Jhwh, so dass er ihn mit dem Tod bestraft (vgl. Gen 38,9-10).

Die harte göttliche Strafe, die Onan widerfährt, ist auffällig. Denn nach Dtn 25,9 wird die Verweigerung der Leviratsehe nicht mit dem Tod bestraft, sondern mit öffentlicher Missachtung. So soll die Schwägerin ins Tor gehen und vor den Augen der Ältesten ihrem Schwager den Schuh abziehen und ihm ins Gesicht spucken (Dtn 25,9).

In der jüdisch-christlichen Tradition wurde Onans Tod mit dem göttlichen Verbot des coitus interruptus erklärt. In der Forschung werden recht unterschiedliche Gründe für die Todesstrafe an Onan diskutiert (vgl. Feld, 34). So geht Albright (69f) davon aus, dass der Tod Ers und Onans eine stammesgeschichtliche Erinnerung bewahre (1Chr 2,3). Dem stehen in der neueren Forschung die Versuche gegenüber, den Tod Onans aus dem literarischen Zusammenhang der Juda-Tamar-Erzählung in Gen 38 zu erklären, die auf die beiden Söhne von Juda und Tamar, Perez und Serach, zuläuft. Diese bewahren Tamar einerseits davor als kinderlose Witwe zu sterben und gelten andererseits als Ersatz für seine beiden verstorbenen Söhne, Er und Onan (Djik-Hemmes, 148.152f).

Aufgrund dieser Erzählung wurde vom Namen Onan das Verb „onanieren“ gebildet. Allerdings hat sich Onan keineswegs selbst befriedigt, sondern einen coitus interruptus vollzogen.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Albright, W.F., Yahweh and the Gods of Canaan, New York 1968
  • Coats, G.W., Widow’s Rights. A Crux in the Structure of Genesis 38, CBQ 34 (1972), 461-466
  • Dijk-Hemmes, F., in M. Bal, Anti-covenant, JSOT.S 81 (1989), Sheffield, 1989, 135-156
  • Feld, G., Art. Onan, in: NBL III, Zürich u.a. 2001, 34
  • Feldman, D.M., Birth Control in Jewish Law. Marital Relations, Contraception and Abortion as Set Forth in the Classic Texts of Jewish Law, New York 1968, 46-80
  • Kippley, J.F, The sin of Onan - is it relevant to contraception?, HPR 107,8 (2007), 16-22
  • Ohler, A., Frauengestalten der Bibel, Würzburg 1987
  • Schäfer-Bossert, S., Den Männern die Macht und der Frau die Trauer? Ein kritischer Blick auf die Deutung von און – oder: Wie nennt Rahel ihren Sohn?, in: H. Jahnow u.a. (Hgg.), Feministische Hermeneutik und Erstes Testament, Stuttgart u.a. 1994, 106-123
  • Surall, M., Onan. Genesis 38, in: M. Keuchen u.a. (Hgg.), Die besten Nebenrollen. 50 Porträts biblischer Randfiguren, Leipzig 2006, 88-92
  • Thompson, T. / Thompson D., Some Legal Problems in the Book of Ruth, VT 18 (1968), 79-99
  • Thompson, T.L., The Historicity of the Patriarchal Narratives (BZAW 133), Berlin u.a. 1974
  • Westermann, C., Genesis 37-50. BK 1 / 3 Neukirchen-Vluyn 1982, 39-52
  • Yee, G.A., „Oooooh, Onan!“. Geschlechtsgeschichte and Women in the Biblical Worlds, in: A. Brenner (Hg.), Are we Amused? Humour About Women in the Biblical Worlds, London 2003, 107-118

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