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Lexikon

Og von Baschan

Reinhard Achenbach

(erstellt: Jan. 2007)

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Der Name des sagenhaften Königs von → Baschan (Dtn 3,1-11.13; Num 21,33-35) ist vermutlich weniger von hebr. ‘ôg II „rund sein“ > „Fettwanst“ oder ‘ôg I „backen“ > „(Aschen-)Kuchen“ abzuleiten, als vielmehr von einem Etymon, das mit dem altsüdarab. ‘uǧa „angenehm / gefällig“ und dem südarab. ġaiǧ, Sokotri ‘aǧ „Mensch“ verwandt ist. Nach gelehrten Glossen in Dtn 3,11; Jos 12,4; Jos 13,12 soll er den Refaitern bzw. Samsummitern (Dtn 2,20; 1QapGen 21,29) zuzurechnen sein. Nach Dtn 3,11 wäre ein eisernes (Kult-)Bett des Og von beträchtlichen Ausmaßen (ca. 4m x 1,8m) in Rabbat-Ammon zu sehen gewesen, das mit der Verehrung des verstorbenen Herrschers im Rahmen eines Ahnenkultes in Verbindung gebracht wird. E. Noort vermutet, dass hierbei der ugaritischen Religion verwandte Vorstellungen im Hintergrund standen, denen zufolge verstorbene Könige als rp’um bezeichnet und religiös verehrt wurden (vgl. Keilschrifttexte aus Ugarit, CAT 1, 161). Vermutungen über eine Verbindung des Namens zu dem in einer phönizischen Sarkophaginschrift aus spätpersischer Zeit erwähnten Unterweltsgott (?) ‘g müssen hypothetisch bleiben.

Die Deuteronomisten schildern Og von Baschan ganz analog zu → Sihon als einen „Amoriterkönig“ (Dtn 3,8; vgl. auch Dtn 4,47; Dtn 31,4; Jos 2,10; Jos 8,10; Pseudo-Philo, Liber Antiquitatum Biblicarum 18,1), dessen Herrschaftsbereich das fruchtbare Hochplateau des Baschan zwischen Hermon und Jarmuk, Golan und ‘Aǧlun, aber auch den von Israel beanspruchten Landstrich um Argob westl. von Gerasa mit 60 befestigten Ansiedlungen umfasst haben soll (vgl. 1Kön 4,13; Dtn 3,4.13.14), dazu die Landschaft Gilead, also den nördlichen Teil des Ostjordanlandes (vgl. Num 21,33; Num 32,33; Dtn 1,4; Dtn 3,8).

Dieses Gebiet habe Israel nach einer entscheidenden Schlacht bei der im Süden des Gebietes gelegenen Edrei noch unter der Führung des Mose erobert und durch die manassitischen Geschlechter Jairs und → Machirs sowie durch Rubeniten und Gaditen besiedelt (Dtn 3,12-17). Es ist später durch → Mescha von Moab und → Sargon von Assur erobert worden.

Nach nahezu einhelliger Ansicht der Exegeten ist die Erzählung in Num 21,33-35 aus dem deuteronomistischen Text heraus in die ältere Überlieferung eingetragen worden. Daher wird man für die auf Og bezogene antiquarische Glosse in Dtn 3,11 annehmen müssen, dass sie aus einer nachexilischen Legendenbildung stammt, die hinter den Refaitern riesenhafte Gestalten vermutete.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

  • Achenbach, R., Die Vollendung der Tora. Studien zur Redaktionsgeschichte des Numeribuches im Kontext von Hexateuch und Pentateuch (BZAR 3), Wiesbaden 2003.
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