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Lexikon

Nofretete

Rolf Krauss

(erstellt: Febr. 2008; letzte Änderung: Aug. 2017)

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Aus: Wikimedia Commons; © Arkadiy Etumyan, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 23.3.2008

Abb. 1 Berliner Büste der Nofretete.

Nofretete, die Hauptgemahlin von → Amenophis IV. Echnaton (1353-1336 v. Chr.), ist zunächst aus → Theben bekannt und danach vor allem aus der dem Sonnengott → Aten geweihten neuen Hauptstadt Amarna. Noch in Theben erhielt sie den zusätzlichen Namen Nefer-nefru-Aten: „Schön ist die Schönheit des Aten“.

1. Name und Herkunft

Als vermutlich theophorer Name bedeutet Nofret-ete „die / eine Schöne ist gekommen“; die „Schöne“ kann auf eine anonym bleibende Göttin anspielen. Populär war die Spekulation über eine vorderasiatische Herkunft von Nofretete, die in naiver Weise an die wörtliche Bedeutung ihres Namens anknüpfte. Eine wahrscheinlich ägyptische Abstammung folgt jedoch aus der Existenz ihrer am Königshof lebenden Schwester Mut-benret (andere Lesung: Mut-nedjmet). Der theophore Name Mut-benret bezieht sich auf die thebanische Hauptgöttin Mut.

Bekannt ist ferner Tiji als Amme von Nofretete. Tiji war Frau des Kommandeurs der Streitwagentruppe Eje, in dem man den Vater von Nofretete vermutet hat. Eje heißt in allen Belegen „Gottesvater Eje“ und es gab „Gottesväter“, die Schwiegervater eines Königs waren. Gegen die Vermutung spricht aber, dass Eje auch später als Nachfolger von Tutanchamun auf dem ägyptischen Thron den Geburtsnamen „Gottesvater Eje“ führte. Die Verfemung von Echnatons Andenken begann bereits unter Tutanchamun und daher ist nicht anzunehmen, dass Eje als König an seine familiäre Beziehung zu Echnaton erinnern wollte. Es bleibt die Möglichkeit, dass Eje tatsächlich Schwiegervater des Königs war und mithin der Vater von Nofretete sowie Tiji nicht nur Amme, sondern ihre Mutter.

Die DNA-Untersuchungen von Mumien der Könige und ihrer Verwandten aus der Zeit von Amenhotep III. bis Tutanchamun ermöglichen Rückschlüsse auf Nofretete. Vorausgesetzt die Mumie KV 21A gehört zur Nofretete-Tochter Anchesenamun und Letztere war die Mutter zu den Föten im Grab von Tutanchamun, dann wäre sie mit der Familie von Echnatons Großmutter Tuya mütterlicherseits verwandt gewesen.

2. Königsgemahlin

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 2 Amenophis IV. Echnaton, mit Nofretete und Töchtern unter der Sonnenscheibe, belohnt Eje und dessen Gemahlin Tiji.

Die Nofretete nennenden Inschriften enthalten in der Regel nur traditionelle Titulaturen und höfische Floskeln. Eine Ausnahme bietet die Inschrift über die Gründung von Amarna. Hier sagt Echnaton, dass Nofretete ihm unterstellt sei, während die Prinzessinnen als gemeinsame ihr unterstellt seien. Es sind sechs Töchter von Nofretete und Echnaton bekannt. Die Geburtsjahre der Prinzessinnen und damit das Alter von Nofretete relativ zur Regierungszeit von Echnaton stellen vor methodisch schwierige Fragen, die die Ägyptologen nicht einvernehmlich beantworten.

Nach Krauss 2005, fig. 4.; © R. Krauss

Abb. 3 Photogrammetrische Darstellung der Berliner Büste mit Fingerbreiten-Raster.

Nofretete als Gattin und Mutter ist ein wichtiges Bildthema in der Kunst der Amarnazeit. Nach Kleidung und Insignien unterschied sich Nofretete nicht wesentlich von anderen Königsgemahlinnen. Sie trug die traditionellen Königinnenkronen mit Schlangendiadem (Uräus), häufig auch eine für sie kreierte Krone, die von der Berliner Büste bekannt ist. Im Sinne der allgemeinen Regel, dass das Porträt des jeweiligen Pharaos als Vorbild für die Darstellung von Göttern, hohen Beamten und vor allem der Königin diente, wurde auch Nofretete in den frühen Regierungsjahren Echnatons mit der fliehenden Stirn und dem hängenden Kinn des Königs dargestellt. Später erhielt sie einen eigenen Porträttypus, für den wiederum die Berliner Büste das bekannteste Beispiel bildet. Nofretetes tatsächliches Aussehen ist unbekannt; beispielsweise im Fall der Berliner Büste ist ihre Physiognomie offensichtlich konstruiert (siehe Abb. 3).

Zahlreiche Reliefs belegen, dass Nofretete entgegen der Tradition den König beim Opfer und bei öffentlichen Auftritten begleitete. Ausnahmsweise erscheint Nofretete in thebanischen Reliefs nicht als Begleiterin / Assistentin des Königs, sondern allein opfernd, assistiert von einer Prinzessin. Abgesehen von der Königsmutter war sie die einzige Person, die zusammen mit Echnaton unter und im Strahlenfächer des Sonnengottes abgebildet wurde. Für die ikonographische Prominenz, die sie als Hauptgemahlin genoss, kennt man im Allgemeinen keine Parallele, wenn auch Amenhotep III., Echnatons Vater, seine Hauptgemahlin Teje häufig darstellen ließ. Die durch die Prominenz Nofretetes angeregte Vermutung über einen Koregentinnenstatus lässt sich mit ihrer ausdrücklichen Unterstellung unter den König nicht vereinbaren.

Nofretete war die einzige Frau, der Echnaton den Titel „Königsgemahlin“ zugestanden hat. Kiya, die bedeutendste Nebenfrau Echnatons, die den Titel „hochgeliebte Frau des Königs“ führte, stand im Rang unter Nofretete und trug beispielsweise keine Diademschlange. Modellweise kann man sich Nofretete und Kiya in den Rollen von Maria Theresia und Fürstin Auersperg vorstellen, die sich angeblich die Gunst von Kaiser Franz I. teilten.

Nach dem 12. Regierungsjahr von Echnaton starb Maketaten, die zweitälteste Prinzessin. Reliefs im Königsgrab von Amarna zeigen das Königspaar bei der Totenklage. Nach traditioneller Interpretation starb die Prinzessin bei der Geburt eines Kindes. Möglicherweise war Echnaton der Vater des Kindes; es wird vermutet, dass er auch mit zwei anderen Töchtern von Nofretete Kinder gezeugt hat. Die Verbindungen Echnatons mit Töchtern von Nofretete sind aus Indizien erschlossen, die in der Ägyptologie nicht einheitlich beurteilt werden.

Nach Maketatens Tod verschwand Kiya. Ihre Reliefs wurden auf die Namen der ersten und dritten Tochter von Nofretete umgearbeitet. Zunächst haben die Ägyptologen die originalen Inschriften auf Nofretete bezogen und aus der Umarbeitung auf ihre Verstoßung durch den König geschlossen.

In die letzten Jahre von Echnaton fällt auch der Tod der Königsmutter Teje. In den Reliefs des Teje-Sarkophages ist Nofretete zusammen mit dem König und der ältesten Prinzessin beim Opfer für die Tote dargestellt.

Mithin wäre der Tod von Nofretete selbst frühestens nach dem Tod von Teje anzusetzen. Belege aus den Amarna-Grabungen machen es wahrscheinlich, dass Nofretete nicht vor Echnaton gestorben ist, der sein 17. Regierungsjahr nicht überlebt hat. Für Nofretete wiederum gibt es Weinkrugaufschriften aus Echnatons Jahren 10 und 11, die sich auf ihre Wirtschaftsanlage beziehen. Aufschriften, die sich auf die Wirtschaftsanlage der „Königsgemahlin“ beziehen, gibt es aus den Jahren 11 und 17. Ferner gibt es Funde aus den Jahren 14, 15 und 16, die Lebensmittellieferungen aus einem Magazin der „Königsgemahlin“ dokumentieren. Es ist nicht sinnvoll, in der „Königsgemahlin“ dieser Belege eine andere Person als Nofretete zu sehen. Ein im Jahr 2004 entdecktes Graffito nennt Nofretete als offensichtlich lebende Königsgemahlin in Echnatons Regierungsjahr 16, im 1. Monat Achet-Jahreszeit an Tag 15 und mithin gegen Ende des Regierungsjahres

3. Regentin

Die Königsfolge zwischen Echnatons Tod und Tutanchamuns Thronbesteigung ist noch nicht abschließend geklärt. Wenn Nofretete Echnaton überlebt hat, dann ist es möglich, dass sie als Witwe interimistisch regierte. Aus dieser Zeit können die Stelen und Siegelabdrücke stammen, die eine von Ägyptologen meistens mit Nofretete identifizierte Königsgemahlin als Trägerin der Blauen Krone (Chepresch) zeigen.

Umstritten ist, ob die in den hethitischen Königsannalen genannte Witwe des ägyptischen Königs Nipchururia mit Nofretete als Witwe Echnatons zu identifizieren ist oder mit ihrer Tochter Anchesenamun als Witwe von Tutanchamun.

Die unmittelbar vor Tutanchamun regierende Königin Anchet-chepru-re (Thronname) Nefernefruaton-achet-n-hij.s (Geburtsname) wird ägyptologisch nicht einheitlich identifiziert. Die Auswertung der vorhandenen Belege spricht in erster Linie für eine Gleichsetzung mit Meritaton, der ältesten Tochter Echnatons und Nofretetes; wegen des Geburtsnamens Nefernefruaton wird aber auch Nofretete als regierende Königin Anchet-chepru-re vermutet.

4. Tod

Zeitpunkt und Umstände des Todes von Nofretete sind unbekannt. Ihre Mumie wurde bisher nicht gefunden. Bei der Gründung von Amarna verkündete Echnaton die Absicht ein Königsgrab anzulegen, wo anscheinend auch Nofretete und ihre älteste Tochter Meritaton ruhen sollten, doch gibt es dort keine Belege für eine Bestattung von Nofretete. Als Teile ihrer Grabausstattung kommen lediglich zwei provenienzlose Bruchstücke von Totenfiguren (→ Uschebti) in Frage. Nofretete wurde in die damnatio memoriae einbezogen, die Echnaton getroffen hat.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

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Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Berliner Büste der Nofretete. Aus: Wikimedia Commons; © Arkadiy Etumyan, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 23.3.2008
  • Abb. 2 Amenophis IV. Echnaton, mit Nofretete und Töchtern unter der Sonnenscheibe, belohnt Eje und dessen Gemahlin Tiji. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 3 Photogrammetrische Darstellung der Berliner Büste mit Fingerbreiten-Raster. Nach Krauss 2005, fig. 4.; © R. Krauss

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