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Lexikon

Necho II.

(610-595 v. Chr.)

Andere Schreibweise: Nekau II. (engl.)

Alexander Schütze

(erstellt: April 2010)

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Andere Schreibweisen: Nekau II. (engl.)

1. Namen und Familie

Necho II. (Geburtsname: Nk(3)w; Thronname: Wḥm-jb-R‘) war der zweite König der 26. Dynastie (Saitische Dynastie; → Saiten; → Sais) und regierte von 610 bis 595 v. Chr. Er war der Sohn seines Amtsvorgängers → Psammetich I. Seine Mutter war vielleicht die Königsgemahlin Mehit-en-usechet, eine Schwester der Gottesgemahlin des Amun Net-iqeret (Nitokris). Chedeb-net-iret-binet war die Ehefrau Nechos II. Neben seinem Sohn und Thronfolger → Psammetich II. sind die Töchter Aset-em-ach-bit, Meri-nebti und Meri-net-ites bekannt (Vittmann 1975).

2. Historischer Abriss

Noch als Prinz war er von Psammetich I. mit einem Heer ausgesandt worden, um Assuruballit II. von → Assyrien bei Harran zu Hilfe gegen die → Babylonier zu eilen. 610 v. Chr. zog er sich jedoch mit seinem kleinen Heer aus der Stadt zurück, als die babylonischen Truppen heranrückten (Grayson 1975, 95).

609 v. Chr. zog Necho II. mit einem größeren Heer gegen Syrien. Nach 2Chr 35,20-25 stellte sich ihm → Josia, König von → Juda (640-609 v. Chr.), der mit den Babyloniern verbündet gewesen war, bei → Megiddo entgegen, wurde jedoch vom Heer Nechos II. besiegt und getötet. Möglich ist auch, dass Necho II. Josia tötete, ohne dass es zu einer Schlacht kam (2Kön 23,29). Necho II. schlug bei → Ribla am Orontes sein Hauptquartier auf. Josias Sohn → Joahas wurde zu seinem Nachfolger ernannt (2Kön 23,30-32). Necho II. ließ diesen jedoch ins Gefängnis werfen und setzte dessen älteren, bei der Thronfolge übergangenen Bruder → Jojakim (609-598 v. Chr.) als König ein (2Kön 23,33-34). Im selben Jahr belagerte Necho II. mit den Assyrern erfolgreich → Haran und ließ sein Hauptquartier in → Karkemisch errichten.

Als 606 v. Chr. → Nabopolassar Kimuchu in der Nähe von Karkemisch besetzen ließ, gelang es dem ägyptischen Heer die Stadt zurückzuerobern und die Babylonier zum Rückzug zu zwingen (Grayson 1975, 98). 605 v. Chr. wurden die Ägypter jedoch in der Schlacht von Karkemisch von einem babylonischen Heer unter Kronprinz Nebukadnezar (→ Nebukadnezar II.) geschlagen und bei → Hamat aufgerieben (Grayson 1975, 98-99). Syrien-Palästina fiel an die Babylonier, nachdem es vier Jahre lang von Ägypten beherrscht worden war. Aus der Folgezeit stammt wohl ein aramäischer, in Sakkara gefundener Brief → Adons, des Fürsten von → Ekron, der den Pharao um militärische Unterstützung gegen das heranrückende babylonische Heer bittet (Porten 1981; TUAT I, 633-634). Necho II. war nicht mehr in der Lage, entsprechende Hilfe zu schicken (2Kön 24,7).

Schließlich versuchte → Nebukadnezar II. 601 v. Chr. Ägypten zu erobern. Sein Heer wurde nach Herodot (II, 159; Text gr. und lat. Autoren) bei Migdol von den Ägyptern zurückgeschlagen, die daraufhin auch Gaza (Kadytis) zurückeroberten. Zum Dank soll Necho II. sein Gewand an das Orakel des Apollo in Didyma bei Milet gestiftet haben.

Necho II. unterhielt sowohl im Mittelmeer als auch im Roten Meer eine Flotte (Herodot II, 159). Ob es sich dabei um griechische Triremen handelte, ist umstritten (Lloyd 1972, 1977; anders Darnell 1992). Die Erzählung Herodots (IV, 42), dass die Phönizier im Auftrage Nechos II. Afrika umsegelt hätten, ist zweifelhaft (Lloyd 1977, Moje 2003). Sicher warb er wie sein Vorgänger Psammetich I. griechische Söldner an.

3. Denkmäler

Laut Herodot (II, 158-159; siehe auch Strabo 17, 1,25; Diodor I, 33) veranlasste Necho II. erstmalig den Bau eines Kanals vom Nil zum Roten Meer, gab das Projekt jedoch aufgrund einer negativen Prophezeiung auf. Es wurde später von → Darius I. vollendet, was wiederum durch Herodot und zeitgenössische Stelen bezeugt wird. Im Zuge des Kanalbaus ließ Necho II. → Pitom (Tell el-Maschūṭa) wieder aufbauen und einen Tempel des → Amun mit einem Naos und Kolossalstatuen errichten. Steinblöcke weisen auch auf den Weiterbau am Tempel der → Neith von → Sais hin. Hinweise auf Bautätigkeiten wurden auch in Buto, Kōm el-Hisn, Kōm abu-Billu, Letopolis und Karnak (Theben) gefunden. Darüber hinaus sind Aktivitäten in den Steinbrüchen von Tura und im Wādī Hammamāt unter Necho II. belegt.

4. Tod und Nachleben

Necho II. starb 594 v. Chr. kurz nach der Bestattung eines → Apis-Stieres. Dass er wie seine Vorgänger in Sais beigesetzt wurde (Herodot II, 169), wird durch einen Skarabäus und Uschebtis Nechos II. aus Sā el-Hagar (→ Sais) bestätigt. Sein Nachfolger Psammetich II. versuchte das Andenken an ihn zu tilgen, indem er seinen Namen von Denkmälern entfernen ließ (Gozzoli 2000). Ursache dafür war wohl das Scheitern Nechos II. in Syrien-Palästina.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Hamm 1975ff (im Internet)
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Lexikon der Pharaonen, 2. Aufl., München 1996
  • Der Neue Pauly, Stuttgart / Weimar 1996-2003

2. Weitere Literatur

  • Darnell, J.C., 1992, The Kbn.wt Vessels of the Late Period, in: J. Johnson (Hg.), Life in a Multi-Cultural Society: Egypt from Cambyses to Constantine and Beyond (Studies in Ancient Oriental Civilization 51), Chicago, 67-89
  • Gozzoli, R., 2000, The Statue BM EA 37891 and the Erasure of Necho II's Names, Journal of Egyptian Archaeology 86, 67-80
  • Grayson, A.K., 1975, Assyrian and Babylonian Chronicles, Locust Valley
  • Lloyd, A.B., 1972, Triremes and the Saïte Navy, Journal of Egyptian Archaeology 58, 268-279
  • Lloyd, A.B., 1977, Necho and the Red Sea. Some Considerations, Journal of Egyptian Archaeology 63, 142-155
  • Lloyd, A.B., 1988, Herodotus Book II, Commentary 99-182, Leiden
  • Moje, J., 2003, Die angebliche phönizische Umsegelung Afrikas im Auftrag des Pharaos Necho. Der Wahrheitsgehalt der Textstelle Herodot IV, 42, in: A.I. Blöbaum / J. Kahl / S.D. Schweitzer (Hgg.), Ägypten – Münster: Kulturwissenschaftliche Studien zu Ägypten, dem Vorderen Orient und verwandten Gebieten, Wiesbaden, 197-211
  • Porten, B., 1981, The Identity of King Adon, The Biblical Archaeologist 44, 37-52
  • Redmount, C.A., 1995, The Wadi Tumilat and the „Canal of the Pharaohs“, Journal of Near Eastern Studies 54, 127-135
  • Schipper, B.U., 1999, Israel und Ägypten in der Königszeit: Die kulturellen Kontakte von Salomo bis zum Fall Jerusalems (Orbis Biblicus et Orientalis 170), Freiburg (Schweiz) / Göttingen, 234-242
  • Spalinger, A., 1977, Egypt and Babylonia: A Survey (c. 620 B.C. - 550 B.C.), Studien zur altägyptischen Kultur 5, 221-224
  • Vittmann, G., 1975, Die Familie der saitischen Könige, Orientalia 44, 375-387
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