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Lexikon

Musik / Musikinstrumente

Stefan Kammerer

(erstellt: Febr. 2006)

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1. Quellen

Musik (hebr. zmr), Gesang (hebr. šîr) und Tanz sind im antiken Palästina, das sich von der Musikkultur seiner Nachbarländer nicht wesentlich unterscheidet, durch archäologische, literarische, ikonographische, epigraphische und ethnologische Quellen belegt. Alle Quellen sind auf ihre Art fragmentarisch und selektiv und sind im Hinblick auf die Musik Quellen „zweiter Hand“: sie stammen im Allgemeinen weder von Musikern, noch ist die Darstellung von Musik ihr primärer Zweck.

Das gilt auch für das Alte Testament als literarische Quelle für die Musik des antiken Palästina. Profane, alltägliche Musik aus dem Raum der Familie oder des Hofes wird kaum dargestellt. Das Instrumentarium, das aus archäologischen und ikonographischen Quellen gut bekannt ist, kommt in der Bibel nur ausschnittweise vor: Kultmusik (und zwar die, im Jerusalemer Jahwe-Tempel stattfand) und das entsprechende Personal, die levitischen Priester, stehen im Vordergrund der biblischen Zeugnisse. Kultinstrumente, zumal solche, die in der beginnenden Geschichte des Frühjudentums eine Rolle spielten (Schofar, Trompete), sind stark überrepräsentiert.

Die Musik des antiken Palästina selbst (z.B. Musiktheorie, Terminologie, Rhythmik, Melodik, Notation, Instrumentierung, Gesangspraxis und Spielpraxis vor allem der komplexeren Instrumente) ist nicht rekonstruierbar. Jedoch sind Musik, Tanz und Gesang menschliche Grundkonstanten, weshalb manche Äußerungen des musizierenden Menschen zwar ihre Gestalt, nicht aber ihren Anlass und Sinn verändert haben (vgl. Martial epigrammata 14,54; Sir 32,3ff [Lutherbibel: Sir 32,4ff]; Num 21,17-18; Ps 150).

2. Musik

Aus: H. Gressmann, Altorientalische Bilder zum Alten Testament, Berlin / Leipzig 2. Aufl. 1927, Abb. 457

Abb. 1 Ensemble aus Aulos, Trommel und Leier (zypro-phönizische Reliefschale aus Olympia; Eisenzeit II).

Musik ist im Allgemeinen ein gemeinschaftliches und gesellschaftliches Ereignis. Meist werden Musikinstrumente nicht einzeln, sondern zu mehreren aufgezählt: In vorhellenistischer Zeit ist vor allem die Kombination von Aulos (Blasinstrument; s.u.), Leier und Rahmentrommel gut belegt, und zwar in kultischer wie auch profaner Musik (vgl. Gen 31,27; 1Sam 10,5; Jes 5,12; Am 6,5; Hi 21,12; Hi 30,31; Kammerer, 1998, 1804f). Auch andere instrumentale Ensembles sind belegt, in der hellenistischen und späteren Zeit auch mit größerer Varianz in der Besetzung, (vgl. Dan 3,5.7.10.15; 1Chr 15,16.19-22; 1Chr 16,42; Lk 15,25).

Schon aus der Natur mancher Instrumente (z.B. Schrapstäbe, Stabklappern, Sistren, Trommeln) geht hervor, dass sie (wie das einfache Klatschen; vgl. Ps 47,2; Nah 3,19) zur Begleitung von Gesang oder Tanz gedacht sind. Aber auch Ensembles anderer Instrumente werden so eingesetzt (vgl. 1Sam 18,6; 1Sam 21,12). Das Alte Testament bewahrt, auch abgesehen von den Psalmen und ihren nicht im einzelnen zu klärenden aufführungspraktischen Hinweisen, eine Reihe von Liedern. Das Spektrum dieser Gesänge reicht von Kriegs-, Schlacht- oder Freudenrufen (Ri 7,18.20; 2Sam 6,15) über Tanzlieder (Ex 15,21; 1Sam 18,7; 1Sam 21,12; 1Sam 29,5), Spottlieder (Num 21,27-30), Trinklieder (Jes 22,13 [?]; vgl. Am 6,5), Liebeslieder (Hhld 4,1-7), Klage- und Leichenlieder (2Sam 3,33-34) bis hin zu Arbeitsliedern (Num 21,17-18; vgl. Jes 9,2).

Aus: H. Gressmann, Altorientalische Bilder zum Alten Testament, Berlin / Leipzig 2. Aufl. 1927, Abb. 456

Abb. 2 Von Aulos, Leier und Trommel begleiteter Reigentanz (zypro-phönizische Reliefschale aus Idalion; Eisenzeit II).

Tänze und Tänzer, vor allem in kultischem Kontext, sind besonders ikonographisch belegt. Es hat sowohl Einzel-, als auch Paar- und Gruppentänze (Reigen; hebr. māchôl; griech. χορός) gegeben (vgl. Klgl 5,15; 2Sam 6,5.14.16.21; Ex 15,20-21; Jer 31,12-13; Ps 87,7; Ri 21,21; Ex 32,18-19; 1Kön 18,26: Hinktanz um den Altar?; zu den ikonographischen Belegen s. Kammerer, 1998, 1805f).

Umzeichnung von © Stefan Kammerer für den WiBiLex-Artikel Musik nach Bayer, B., The Finds that could not be, BAR 8, 1982, 32

Abb. 3 Tonständer mit Musikern („musicians’ stand“) aus Aschdod (Eisenzeit II).

Dass die Musik als Teil des Kultes eine große Rolle spielte, belegen zahlreiche Quellen (neben der Architektur von Kultstätten besonders Votivgaben, Votivschreine, Figurinen und Tonständer). Ständer aus Ton oder Bronze (Kammerer, 1998, 1808) zeigen Musiker, Sänger und Tänzer nebeneinander und symbolisieren so eine Art kultisches Ensemble. Instrumente wurden solistisch (Harfe, Leier, Aulos, Rassel, Becken) oder als Ensemble (Leier, Rahmentrommel, Aulos), zur Begleitung von Gesang oder von Prozessionen und Tänzen eingesetzt (vgl. Ps 68,26; Ps 150; 2Sam 6,5; 1Chr 15,16.19-22; 1Chr 16,42;). In bestimmten Fällen gehörte ein spezialisiertes musikalisches Inventar zum Kult vor allem „importierter“ Gottheiten. In den spätbronzezeitlichen Tempeln von Bethel und Bet-Schean hat man ägyptisierende Musikinstrumente wie Klappern oder Sistrengriffe mit Hathordekoration gefunden. Auch „freie“, nicht an ein bestimmtes Heiligtum gebundene „prophetische“ Gruppen bedienten sich der Musik (1Sam 10,5).

Literarisch (vgl. 1Thess 4,16; Apk 1,10; Apk 14,2; Apk 15,2) und ikonographisch (z.B. auf Siegeln, Münzen oder Lampen; s. Kammerer, 1998, 1810) konnten Musikinstrumente zum abbreviatorischen Symbol für eine Gottheit oder deren Kult werden.

3. Musiker

Im Kult waren Berufsmusikerinnen und -musiker beschäftigt. Während die beliebtesten Musikinstrumente wie Leier, Trommel und Aulos sowohl von Männern als auch von Frauen gespielt werden konnten, scheint der kultische Tanz eher die Sache der Frauen gewesen zu sein (vgl. aber 2Sam 6,5-21). Angesichts der engen räumlichen und ideologischen Verbindung von offiziellem Kult und staatlicher Hofhaltung kann man in den Kultmusikern (hohe?) Beamte sehen (vgl. 2Sam 8,17-18; 2Sam 20,25-26; 1Kön 10,12). Die Zugehörigkeit dieser Musiker zur Oberschicht des Staates zeigt sich auch an ihrer Einbeziehung in die Deportation durch die Assyrer (TUAT 1, 390). Im nachexilischen Juda wurde die Tradition des Hof- und Tempelorchesters durch (levitische) Musiker fortgesetzt (1Chr 15,1-2.16 u.ö.; Esr 2,65; Neh 7,67).

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 4 Musikantengruppe: Lautenspieler, Aulosbläser, (jugendlicher?) Musiker mit Klangstäben, Tänzer (Orthostaten-Relief aus Karkemisch; 9. Jh. v. Chr.).

Auch außerhalb von Hof und Tempel hat es Berufsmusiker (und -sänger?) gegeben (Hi 21,12; Hi 30,31; Sir 32,4-9; Apk 18,22), ebenso wandernde Musiker (Gen 4,21) oder musizierende Gaukler. Auch Prostituierte konnten als Musikerinnen (Jes 23,16; Sir 9,4) dargestellt werden. Für die rituelle Totenklage gab es professionelle (?) Klagefrauen (Jer 9,17.19; Sach 12,12-14; vgl. Mt 9,23), die ikonographisch mit entblößtem Oberkörper und über dem Kopf zusammengeschlagenen Armen dargestellt werden (Kammerer, 1998, 1808).

4. Musikinstrumente

4.1. Schlaginstrumente (Idiophone, Membranophone)

An Idiophonen sind Klappern, Becken, Glöckchen, Sistren, Gefäßrasseln, Schrapstäbe und möglicherweise Rahmenrasseln belegt.

Klappern (dekoriert mit dem Hathorgesicht) sind (teils als Inventar aus ägyptischen Tempeln) in Syrien und Palästina (Ugarit, Bet-Schean; Tell es-Samak) archäologisch belegt. Im Alten Testament werden möglicherweise ebenfalls Stabklappern (2Sam 6,5) als Kultinstrumente erwähnt.

Umzeichnung von © Stefan Kammerer nach Deutsch, R. / Heltzer, M., 1994, Forty New Ancient West Semitic Inscriptions, 73

Abb. 5 Becken mit Votivinschrift aus ’Elyāchīn (Eisenzeit III).

Becken aus Bronze sind seit der Frühbronzezeit archäologisch und literarisch gut belegt (hebr. mәṣiltajîm, ṣælṣəlîm; griech. κύμβαλον; lat. Cymbalum; vgl. 2Sam 6,5; Ps 150,5; 1Chr 13,8 u.ö.). Sie konnten einzeln und paarweise gespielt werden und treten vornehmlich als Kultinstrumente, Votivgaben und Grabbeigaben auf. Kleinformatige Instrumente aus nachhellenistischer Zeit sind vielleicht Teile von Gabelbecken (griech. κρόταλον).

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 6 Gabelbecken und Beckenspieler.

Glöckchen aus Bronze treten in großer Zahl vor allem als Grabbeigaben in nachhellenistischer Zeit auf (hebr. pa‘ǎmôn; griech. κώδων; lat. tintinnabulum). Auch als apotropäisch wirkende Anhängsel an (Priester-)Gewändern (Ex 28,33-35; Sir 45,11 [Lutherbibel: Sir 45,13]; Josephus, Antiquitates 3,7,4 Text gr. und lat. Autoren) und dem Zaumzeug von Pferden (Sach 14,20) sind sie (auch ikonographisch und archäologisch) belegt.

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 7 Zwei Sistren.

Auch Sistren sind wie Klappern im Alten Testament sehr schwach (hebr. vielleicht šālîš in 1Sam 18,6; griech. σεĩστρον; lat. sistrum), archäologisch aber gut belegt, und zwar als spezifisch ägyptisches Kultinstrument in Zeiten und Orten starken ägyptischen Einflusses in Palästina (Spätbronzezeit: Ägyptische Tempel in Timna [Wādī l-Menē‘īye; Wadi l-Meneiye] und Bethel; Eisenzeit: Ekron).

Umzeichnung von © Stefan Kammerer nach Bayer, B., The Finds that could not be, BAR 8, 1982, 21

Abb. 8 Rassel aus Tell Bēt Mirsim (Eisenzeit I).

Als Gefäßrasseln (hebr. mәna‘an‘îm; griech. πλαταγή; lat. crepitaculum) bezeichnet man tönerne Hohlkörper mit theriomorpher oder bikonischer Form, die mit kleinen Steinchen, Samen, Tonkügelchen oder Ähnlichem gefüllt und als Schüttelidiophone zu gebrauchen waren. Diese Rasseln waren billig, robust und einfach herzustellen, was ihre gute archäologische Bezeugung von der Frühbronzezeit an erklärt (im Alten Testament nur in 2Sam 6,5 belegt). Die Fundzusammenhänge (Gräber, Wohnhäuser, Tempel) sind ebenso weit gestreut wie die Verwendungszwecke der Rasseln, die als Spielzeug, Kultinstrument, (apotropäische) Grabbeigabe, Amulett und Instrument der „häuslichen“ Musik zu interpretieren sind.

Schrapstäbe oder Knochenratschen (Knochen mit parallelen Einkerbungen auf ihrer Oberseite, die mit Hilfe eines Stabes oder Plektrums gespielt werden konnten) und Rahmenrasseln (Chalkophon, apulisches Sistrum) sind lediglich archäologisch bzw. ikonographisch belegt.

Umzeichnung von © Stefan Kammerer für den WiBiLex-Artikel Musik nach B. Bayer, The Finds that could not be, BAR 8, 1982, 26

Abb. 9 Musikantin (Tonfigur aus Tell es-Samak; Eisenzeit II).

An Membranophonen sind, abgesehen von wenigen Belegen für Röhrentrommeln, vor allem Rahmentrommeln (hebr. tof; griech. τύ(μ)πανον / τυμπάνιον; lat. ty(m)panum) ikonographisch und literarisch (z.B. Gen 31,27; Ex 15,20; Ri 11,34; 2Sam 6,5; Ps 150,4) als kultisches und profanes Musikinstrument sehr gut belegt. Die ikonographischen Zeugnisse sind vor allem die in der Eisenzeit und auch später weit verbreiteten Tonfiguren, die Frauen mit Rahmentrommeln darstellen. Sie konnten als Votivgabe, Spielzeug, Amulett, Grabbeigabe oder Darstellung einer Göttin dienen. Auch auf sog. zypro-phönizischen Metallschalen (9.-7. Jh.), die levantinischer Herkunft sind und durch Handel und Kolonisation der Phönizier von Assyrien bis ins westliche Mittelmeer Verbreitung gefunden haben (s. Markoe 1985), sind Frauen mit Rahmentrommeln oft als Teil eines Ensembles zusammen mit Aulos und Leier im Rahmen von Bankett- oder Prozessionsszenen dargestellt (s. Abb. 1).

4.2. Saiteninstrumente (Chordophone)

An Chordophonen (hebr. ngn „ein Saiteninstrument spielen“) sind vor allem Leier und Harfe, weniger häufig die Laute belegt.

Umzeichnung von © Stefan Kammerer nach Ibrahim, M.M. / van der Kooij, G., Excavations at Deir Alla, 1994, Newsletter of the Institute of Archaeology and Anthropology, Yarmouk University 16, 1994, 17

Abb. 10 Tanzender Leierspieler (Fragment eines bemalten Tonständers aus Tell Dēr ‘Allā; Eisenzeit I?).

Die Leier (hebr. / aram. kinnôr; griech. κιθάρα; lat. cithara) stellt das am häufigsten bezeugte Chordophon im syrisch-palästinischen Bereich dar (vgl. Lawergren 1998). Sie ist literarisch (z.B. Gen 4,21; Gen 31,27; 1Sam 10,5; 2Sam 6,5; 1Kön 10,12; Neh 12,27; 1Chr 13,8; 1Chr 15,16-28; 1Chr 25,1-6; 2Chr 5,12; 2Chr 20,28; 2Chr 29,25; Jes 5,12; Jes 16,11; Jes 24,8; Ez 26,13; Ps 33,2; Ps 49,5; Ps 71,22; Ps 81,9; Ps 92,4; Ps 98,5; Ps 137,2; Ps 150,3), ikonographisch, glyptisch und numismatisch (z.B. Münzen aus der Zeit des Bar-Kochba-Aufstandes) gut belegt und taucht in vielfältigen musikalischen Zusammenhängen in höfischem und kultischem Kontext auf, unter anderem als Musikinstrument mit apotropäischer Wirkung (1Sam 16,14-23).

Die Harfe (hebr. nævæl / nevæl (‘āsôr) [?]; davon griech. νάβλα(ς), lat. nablum / nablium) ist in Form der Winkelharfe ikonographisch belegt, wenn auch weit schlechter als die Leier. Im Alten Testament wird sie recht häufig in ähnlicher Funktion wie die Leier erwähnt (vgl. 1Sam 10,5; 2Sam 6,5; 1Kön 10,12; Neh 12,27; Neh 12,27; Jes 5,12; Am 5,23; Am 6,5; Ps 33,2; Ps 57,9; Ps 81,3; Ps 92,4; Ps 108,3; Ps 144,9; Sir 39,15 [Lutherbibel: Sir 39,19]; Sir 40,21).

Für die Laute (mit drei Saiten [?] hebr. šālîš [?] in 1Sam 18,6, wenn nicht ein Sistrum gemeint sein sollte) gibt es im antiken Palästina nur wenige rundplastische und ikonographische Belege, darunter eine Terrakottaplakette mit der Darstellung eines tanzenden Lautenspielers (mit Gesichtsmaske?) aus Dan (Biran, 1986, 168-173).

4.3. Blasinstrumente (Aerophone)

An Aerophonen sind Auloi (zum Begriff s.u.), Flöten und Trompeten belegt (organologisch zählt auch der alttestamentliche šôfār zu dieser Gattung).

Aufgrund der Darstellungen des Aulos (hebr. chālîl [?]; s. 1Sam 10,5-6; 1Kön 1,39-40; Jes 5,12; Jes 30,29; Jer 48,36; Sir 40,21; griech. ἀυλός; lat. tibia; s. Abb. 1-4) aus dem syrisch-palästinischen Raum ist nicht zu entscheiden, ob es sich um Doppeloboen oder Doppelklarinetten handelt, da das Mundstück im Allgemeinen nicht zu erkennen ist. Den Terminus Aulos kann man verwenden, da er die Bestimmung des Mundstücks (Gegen- oder Aufschlagzunge) offen lässt und den entwicklungsgeschichtlichen Zusammenhang zu den Instrumenten der griechisch-römischen Zeit verdeutlicht. Der Aulos ist vielfach als Instrument in profanem und kultischen Kontext bezeugt, oft im Ensemble mit Rahmentrommel und Leier. In der hellenistischen und nachhellenistischen Zeit begegnet er auf verschiedenen Bildträgern vor allem im Rahmen mythologischer (dionysischer) Szenen.

Flöten sind im antiken Palästina ebenfalls belegt, und zwar in Form von Knochenflöten, die seit dem Neolithikum archäologisch nachweisbar sind. Meist handelt es sich um (Fragmente von) Knochenröhren mit einer bis sechs Bohrungen in der Längsachse, wobei die Bestimmung als Flöte nicht immer sicher ist. Längsflöten aus Rohr oder ähnlichem Material mit ihrer typischen Spielhaltung sind in Palästina erst seit der römischen Zeit nachweisbar. Seit der hellenistischer Zeit sind auch Panflöten (griech. σῦριγξ; lat. syrinx; möglicherweise auch in Dan 3,5-15: mašrôqî) belegt. Ob der hebr. Terminus ‘ûgāb in Gen 4,21; Ps 150,4; Hi 21,12; Hi 30,31 eine Flöte bezeichnet, ist unklar.

Verschiedene Arten von Trompeteninstrumenten sind in Palästina belegt: Dies sind, neben verschiedenen archäologisch nachweisbaren Schneckentrompeten (griech. κόχλος; lat. bucina) vor allem der alttestamentliche šôfār (auch qæræn [hajjôbel]; griech. κέρας; lat. cornu, bucina) (vgl. 4Q285 Frg. 8). Er taucht im Alten Testament in verschiedenen Zusammenhängen auf: Als militärisches Signalinstrument (z.B. Jos 6,5; Ri 3,27; Ri 6,34; 1Sam 13,2-3; 2Sam 2,28; 2Sam 18,16; 2Sam 20,22; Ez 33,2-6; Neh 4,12-14), als metaphorisches Symbol für Krieg und Schrecken (Jes 18,3; Jer 4,5-21; Jer 6,1-17; Jer 42,14; Am 2,2; Am 3,6; Zef 1,16; Sach 9,14; 1QM VIII.XVI,3-9.11-13) und als Instrument des Kultes (teilweise als rein literarisches Motiv) im Zusammenhang mit der Theophanie Jahwes, Festen, Kultfeiern und Prozessionen (Ex 19,13-19; Lev 25,9; Jos 6; 2Sam 6,15). Zahlreiche ikonographische Belege zeigen den šôfār (oft zusammen mit → Menora, → Lulab und Ethrog) als Instrument des Synagogengottesdienstes.

Ebenfalls reichlich im Alten Testament, vor allem im Chronistischen Geschichtswerk, belegt sind Längstrompeten (hebr. chǎṣôṣrâh; griech. σάλπιγξ; lat. tuba; vgl. 1Chr 15f; 2Chr 5,12-13; 2Chr 13,12.14; 2Chr 20,28; 2Chr 29,26-28; Num 10,1-10) als Instrument des Jerusalemer Tempelkults der Perserzeit und der hellenistischen Zeit. Aus römischer Zeit ist die Darstellung solcher Instrumente unter anderem auf dem Titusbogen, dem Mosaikfußboden der Synagoge in Sepphoris sowie auf Münzen des Bar-Kochba-Aufstands erhalten (s. Kammerer, 1998, 1804; Braun, 2002, 14-16).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928ff
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2. Aufl., Kassel u.a. 1994-1999
  • Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998ff.
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Biran, A., 1986, The Dancer from Dan, the Empty Tomb, and the Altar Room, IEJ 36, 168-178
  • Braun, J., 1999, Die Musikkultur Altisraels / Palästinas (OBO 164), Freiburg (Schweiz) / Göttingen
  • Braun, J., 2002, Music in Ancient Israel / Palestine, Grand Rapids
  • Kammerer, S., 1998, Art. Vorderasien B: Syrien und Palästina, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2. Aufl., Kassel u.a., Sachteil 9, 1790-1816
  • Lawergren, B., 1998, Distinctions among Canaanite, Philistine, and Israelite Lyres, and Their Global Lyrical Contexts, BASOR 309, 41-68
  • Markoe, G., 1985, Phoenician Bronze and Silver Bowls from Cyprus and the Mediterranean (University of California Publications: Classical Studies 26), Berkeley
  • Mitchell, T.C., 1992, The Music of the Old Testament Reconsidered, PEQ 124, 124-143
  • Seidel, H., 1989, Musik in Altisrael (BEAT 12), Frankfurt u.a.

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Ensemble aus Aulos, Trommel und Leier (zypro-phönizische Reliefschale aus Olympia; Eisenzeit II). Aus: H. Gressmann, Altorientalische Bilder zum Alten Testament, Berlin / Leipzig 2. Aufl. 1927, Abb. 457
  • Abb. 2 Von Aulos, Leier und Trommel begleiteter Reigentanz (zypro-phönizische Reliefschale aus Idalion; Eisenzeit II). Aus: H. Gressmann, Altorientalische Bilder zum Alten Testament, Berlin / Leipzig 2. Aufl. 1927, Abb. 456
  • Abb. 3 Tonständer mit Musikern („musicians’ stand“) aus Aschdod (Eisenzeit II). Umzeichnung von © Stefan Kammerer für den WiBiLex-Artikel Musik nach Bayer, B., The Finds that could not be, BAR 8, 1982, 32
  • Abb. 4 Musikantengruppe: Lautenspieler, Aulosbläser, (jugendlicher?) Musiker mit Klangstäben, Tänzer (Orthostaten-Relief aus Karkemisch; 9. Jh. v. Chr.). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 5 Becken mit Votivinschrift aus ’Elyāchīn (Eisenzeit III). Umzeichnung von © Stefan Kammerer nach Deutsch, R. / Heltzer, M., 1994, Forty New Ancient West Semitic Inscriptions, 73
  • Abb. 6 Gabelbecken und Beckenspieler. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 7 Zwei Sistren. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 8 Rassel aus Tell Bēt Mirsim (Eisenzeit I). Umzeichnung von © Stefan Kammerer nach Bayer, B., The Finds that could not be, BAR 8, 1982, 21
  • Abb. 9 Musikantin (Tonfigur aus Tell es-Samak; Eisenzeit II). Umzeichnung von © Stefan Kammerer für den WiBiLex-Artikel Musik nach B. Bayer, The Finds that could not be, BAR 8, 1982, 26
  • Abb. 10 Tanzender Leierspieler (Fragment eines bemalten Tonständers aus Tell Dēr ‘Allā; Eisenzeit I?). Umzeichnung von © Stefan Kammerer nach Ibrahim, M.M. / van der Kooij, G., Excavations at Deir Alla, 1994, Newsletter of the Institute of Archaeology and Anthropology, Yarmouk University 16, 1994, 17
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