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Lexikon

Mitredat

Andere Schreibweise: Mithradates ; Mithredath ; Mitridatis ; Mithridates ; Mithredat

Sebastian Grätz

(erstellt: Okt. 2011)

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1. Name

Der persische Personenname Mitredat (hebräisch מִתְרְדָת mitrədāt, griechisch Μιθραδάτης) kommt von altpersisch Mithradāta bedeutet „Gabe des Mithras“. Er begegnet inner- und außerbiblisch.

2. Personen

2.1. Nach Esr 1,8 fungiert ein Mitredat als „Schatzmeister“ (hebräisch gizbār; altpersisch *ganza-bara). Die Vulgata übersetzt filius Gazabar, was den offiziellen Titel zu einem Personennamen macht und den Anstoß für die Überlieferung von einem König Kaspar gibt. Dieser Mitredat hat in der Zeit → Kyros des Großen die von → Nebukadnezar aus dem Jerusalemer Tempel entfernten Geräte dem judäischen Gouverneur Scheschbazar auszuhändigen.

2.2. In Esr 4,7 wird ein anderer Mitredat als Absender eines Anklageschreibens, das an Artaxerxes I. (?) adressiert ist, neben einem Bischlam und einem Tabeel genannt. Ob es sich bei Bischlam um einen Personennamen handelt, ist dabei nicht ganz klar (LXX: ἐν εἰρήνῃ). Tabeel und Mitredat sind nicht näher zu identifizieren. Der Absender Mitredat dürfte aber aufgrund seines Namens als Funktionär der persischen Provinzverwaltung zu identifizieren sein.

2.3. Außerbiblisch kommt der Name recht häufig vor. So wird ein Mitredat als Bootsbesitzer in → Elephantine (TAD A 6:2,2ff; s.a. TAD A 5:5,11) erwähnt, Herodot (Hist. I,110ff) kennt einen Hirten namens Mithradates als Ziehvater von Kyros dem Großen, Diodor nennt einen Eunuchen Mithradates, der an einer Verschwörung gegen Xerxes beteiligt gewesen sein soll (XI.69,1; vgl. Ktesias, §29). Ein weiterer Mithradates ist als erfolgreicher General Artaxerxes’ II. bekannt (Plutarch, Art. 15,2 u.ö.). Schließlich soll noch ein Mithradates, der ein Schwiegersohn Darius’ III. war, erwähnt werden (Arrian, Anabasis I.16,3). Eine Übereinstimmung eines dieser genannten Namensträger mit den beiden biblischen Figuren ist kaum gegeben, da die Quellen dies nicht nahelegen und der Name Mithradates seit der persischen Epoche weit verbreitet war. Viele Könige in der Antike in Kleinasien und Persien trugen diesen Namen, so etwa die Könige von Pontus am Schwarzen Meer (im 2. und 1. Jh. v. Chr.; Mithridates I. war der Reichsgründer; Mithridates VI. führte drei Kriege gegen Rom und wurde 63 v. Chr. von Pompeius besiegt), einige Partherkönige (2. Jh. v. Chr. bis 2. Jh. n. Chr.) sowie Könige in Kommagene (im Südosten Kleinasiens), am Bosporus, in Iberien (Kaukasien) und anderen Regionen.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Paulys Real-Encyclopädie der classischen Alterthumswissenschaft, Stuttgart 1894-1972
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Der Neue Pauly, Stuttgart / Weimar 1996-2003

2. Weitere Literatur

  • Blenkinsopp, J., 1989, Ezra-Nehemiah. A Commentary, London
  • Briant, P., 2002, From Cyrus to Alexander. A History of the Persian Empire, Winona Lake
  • Kuhrt, A., 2007, The Persian Empire. A Corpus of Sources from the Achaemenid Period, New York
  • Porten, B. / Yardeni, A., 1986-1999, Textbook of Aramaic Documents from Ancient Egypt 1-4 (TAD). Newly copied, edited and translated into Hebrew and English, Jerusalem

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