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Lexikon

Milkom

Andere Schreibweise: Milcom (engl.)

Dagmar Kühn

(erstellt: Juli 2008)

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Milkom (מלכם milkom) ist der höchste Gott der Ammoniter; im Alten Testament wird er als „der Gott der Ammoniter“ bezeichnet (1Kön 11,33).

1. Name

Die Konsonanten mlkm verweisen auf das Substantiv mlk „König“ bzw. auf die Wurzel mlk „regieren“. Bei anderer Vokalisierung kann statt des Gottesnamens auch malkām „ihr König“ gelesen werden. Die jeweils richtige Lesung erschließt sich nicht zwangsläufig aus dem unmittelbaren Kontext. Während sich der masoretische Text der Hebräischen Bibel nur dreimal für die Lesung milkom (1Kön 11,5.33; 2Kön 23,13) entscheidet, schlagen die Übersetzungen (griechisch, syrisch und lateinisch) die Lesung des Gottesnamens für sieben weitere Textstellen vor: 2Sam 12,30 / 1Chr 20,2; 1Kön 11,7; Jer 49,1.3; Am 1,15; Zef 1,5. In 1Kön 11,7 korrigiert die griechische Übersetzung die masoretische Lesung des Gottes Molech (→ Moloch) zu Milkom.

Eine aus dieser Korrektur gefolgerte Identifikation des Gottes Molech mit Milkom ist abwegig. Dass es sich um zwei unabhängige Götter handelt, ergibt sich schon daraus, dass sie in zwei unterschiedlichen Heiligtümern verehrt wurden. Der Kultplatz des → Moloch lag westlich von Jerusalem im → Hinnom-Tal, die → Kulthöhe (bamah), die → Salomo nach 1Kön 11,7 gebaut hatte, dagegen auf dem Berg östlich von Jerusalem. Auch lässt sich die Kultpolemik gegen Molech („für den Molech die Kinder durch das Feuer gehen lassen“) nicht für Milkom nachweisen.

2. Herkunft des Gottes

Die Mimation des Gottesnamens (mlk-m) verweist vielleicht auf eine Verehrung des Gottes schon in der Bronzezeit. Eine häufig diskutierte Beziehung zu den in den ugaritischen Götterlisten belegten mlkm – es handelt sich wahrscheinlich um nach ihrem Tod vergöttlichte Könige – und zum Unterweltsgott Malik lässt sich dagegen nicht nachweisen (zum Problem vgl. Puech, 575-576).

3. Der ammonitische Milkom

Die Bedeutung des ammonitischen Milkoms als höchster Gott der ammonitischen Dynastie geht aus einer 1961 bei Grabungen auf der Zitadelle von Amman gefundenen eisenzeitlichen Inschrift aus dem 9./8. Jh. v. Chr. hervor (sog. Zitadelleninschrift; Text: CScr II, 139). In dieser Bauinschrift fordert der Gott Milkom den König zum Bau eines Gebäudes mit Säulenhallen und Hallen unter dem Schutz der Gottheit auf. Diskutiert wird, ob es sich dabei um einen Tempel für Milkom gehandelt haben könnte. Milkom ist nicht nur Auftraggeber, sondern auch Schutzherr der errichteten Bauten. Sein Name, eigentlich ein Appellativum („König“), unterstreicht ebenfalls seinen Rang als höchsten Gott. Die Erwähnung des Gebäudes in der Zitadelleninschrift kann als Hinweis auf die beginnende Staatlichkeit Ammons gewertet werden. Mit dem Aufstieg Ammons zur Staatlichkeit ging der Aufstieg Milkoms vom Stammesgott zum Staatsgott einher.

Belege auf einem Ostrakon und auf Siegeln und Bullen weisen den Gott als theophores Element in verschiedenen Personennamen nach.

Aus: K. Galling, Beschriftete Bildsiegel des ersten Jahrtausends v. Chr. vornehmlich aus Syrien und Palästina. Ein Beitrag zur Geschichte der phönikischen Kunst, ZDPV 64, 1941, 121-202, 138f.176 Nr. 26; vgl. Hübner, 1992, 110 Nr. 135

Abb. 1 Ammonitisches Siegel mit Stierbild (7. Jh.).

Milkom stand einem sehr begrenzten Pantheon vor, das sich aber kaum greifen lässt. Verschiedene theophore Elemente in Personennamen und zahlreiche anthropomorphe und theriomorphe Darstellungen auf Siegeln deuten auf weitere Götter, die von den Ammonitern verehrt wurden. Seinem Wesen nach dürfte Milkom eine lokale Erscheinungsform des syropalästinischen Wettergottes (→ Hadad) gewesen sein. Darauf verweist die häufige Darstellungsform der Widder- und Stierköpfe bzw. von Stieren auf ammonitischen Siegeln.

4. Milkom im Alten Testament

Milkom als Gott der Ammoniter ist im masoretischen Text der Hebräischen Bibel nur dreimal belegt: 1Kön 11,5.33 und 2Kön 23,13. Diese Verse beinhalten eine massive deuteronomistische bzw. nachdeuteronomistische Polemik. Milkom wird als Götze (šqṣ 1Kön 11,5; → Götterpolemik) bezeichnet bzw. als Gräuel (tw‘bt 2Kön 23,13). In 1Kön 11,7 wurde der Gottesname wahrscheinlich aus polemischer Absicht zu Molech (→ Moloch) verändert. Historisch betrachtet war die Einführung des Gottes Milkom und seines Kultes durch Salomo für seine fremdländischen Frauen zu seiner Zeit noch eine übliche religionspolitische Maßnahme, die fremde Gottheiten in das eigene israelitische Götterpantheon in einer untergeordneten Stellung integrierte. In diesem Rahmen errichtete Salomo für Milkom östlich von Jerusalem eine → Kulthöhe (bmh), unter der man sich ein kleines Heiligtum vorstellen darf. 2Kön 23,13 berichtet im Rahmen der Kultreform des → Josia von ihrer Zerstörung.

Die nach der → Septuaginta korrigierte Lesung Jer 49,1.3 charakterisiert Milkom als Kriegsgott Ammons.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Dictionary of Deities and Demons in the Bible, 2. Aufl., Leiden 1999

2. Weitere Literatur

  • Aufrecht, W.E., 1999, The Religion of the Ammonites, in: B. Macdonald / R.W. Younker (Hgg.), Ancient Ammon, Leiden, 152-162
  • Aufrecht, W.E., 2000, The Amman Citadel Inscription, in: W.W. Hallo (Hg.), The Context of Scripture Vol. II, 139
  • Hübner, U., 1992, Die Ammoniter. Untersuchungen zur Geschichte, Kultur und Religion eines transjordanischen Volkes im 1. Jahrtausend v. Chr. (ADPV 16), Wiesbaden, bes. 17-21 u. 247-269
  • Niehr, H., 1998, Religionen in Israels Umwelt. Einführung in die nordwestsemitischen Religionen Syrien-Palästinas (NEB Erg.-Bd. 5), Würzburg, 211-212
  • Puech, E., 1999, Art. Milcom, in: Dictionary of Deities and Demons in the Bible, 2. Aufl., Leiden, 575-576

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Ammonitisches Siegel mit Stierbild (7. Jh.). Aus: K. Galling, Beschriftete Bildsiegel des ersten Jahrtausends v. Chr. vornehmlich aus Syrien und Palästina. Ein Beitrag zur Geschichte der phönikischen Kunst, ZDPV 64, 1941, 121-202, 138f.176 Nr. 26; vgl. Hübner, 1992, 110 Nr. 135
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