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Lexikon

Makkabäerbücher 1-4

Stephanie von Dobbeler

(erstellt: Jan. 2006)

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1. Der Name „Makkabäerbücher“

Die Makkabäerbücher verdanken ihren Titel der Hauptfigur Judas mit dem Beinamen „Makkabäus“. Der Beiname kann auf hebräisch maqqaebaet „Hammer“ zurückgehen oder auf die Anfangsbuchstaben von mî khāmokhāh bā’elim jhwh „Wer ist wie du unter den Mächtigen, Herr?“ (Ex 15,11), die das Wort „makabi“ ergeben.

Seit dem 2. Jh. n. Chr. ist der griechische Name der Makkabäerbücher überliefert. Die Bezeichnungen differieren allerdings zwischen to tōn makkabaïkōn („das Buch der Makkabäer“), ta makkabaïka („die makkabäischen Taten“) oder makkabaïkon a-d („1-4 Makkabäer“).

Der jüdische Historiker Flavius Josephus bezeichnet die → Makkabäer auch als → Hasmonäer, welches auf den Ahnherrn Hasmon zurückzuführen ist. Beide Bezeichnungen werden häufig synonym verwandt.

2. Die Selbstständigkeit der einzelnen Bücher

Die numerische Abfolge 1-4 Makkabäer suggeriert zunächst eine logisch-inhaltliche Bezogenheit der vier Bücher aufeinander, doch dies täuscht. Wir haben es hier nicht mit einem vierbändigen Werk zu tun, sondern mit zum Teil sehr unterschiedlichen Büchern, deren gemeinsame Klammer – das gilt besonders für 3-4Makk – oft nur in Stichwortverknüpfungen besteht. Unter einem gemeinsamen Blickwinkel lassen sich eigentlich nur die beiden ersten Makkabäerbücher betrachten, berichten sie doch, wenn auch auf je unterschiedlich akzentuierte Weise, von denselben historischen Ereignissen.

3. Die Frage der Kanonizität

Die vier Makkabäerbücher zählen nicht zum hebräischen Kanon, sondern sind nur in der → Septuaginta, der in Alexandrien gesammelten griechischen Übersetzung des Alten Testaments, enthalten. Im Gegensatz zur Septuaginta hat die lateinische → Vulgata, nur 1-2Makk aufgenommen und trug somit deren Wertschätzung als Glaubenszeugnisse Rechnung. So wurden 1-2Makk 1546 auf dem Konzil von Trient von der katholischen Kirche in den kanonischen Rang erhoben, so dass sie katholischerseits zu den deuterokanonischen Schriften gezählt werden, 3-4Makk hingegen zu den Apokryphen. In den Kirchen der Reformation zählt dagegen keines der vier Makkabäerbücher zu den biblischen Schriften (→ Kanon).

4. Der geschichtliche Hintergrund

Die beiden ersten Makkabäerbücher erzählen die Geschichte eines Aufstandes, allerdings nicht in chronologisch aufeinander folgenden Teilbänden. Vielmehr liegt beiden ein und dasselbe Ereignis zugrunde, der Kampf der Juden gegen die Seleukiden im 2. Jh. v. Chr. unter der Führung der Makkabäer. Deshalb bietet es sich an, vor der Darstellung der einzelnen Bücher die zugrunde liegenden historischen Ereignisse kurz zu skizzieren.

Im Jahr 198 v. Chr. endete die ptolemäische Vorherrschaft in Palästina; an die Stelle der → Ptolemäer traten die → Seleukiden, eine aus Kleinasien stammende Herrscherdynastie. Mit dem Regierungsantritt des seleukidischen Königs → Antiochus IV. Epiphanes (175-164 v. Chr.) verstärkte sich der hellenistische Einfluss auf Judaä, der sich insbesondere als Druck auf die jüdische Religion auswirkte. So übertrug Antiochus IV., der an chronischer Geldnot litt, gegen Bezahlung das Hohepriesteramt an → Jason, den Bruder des noch amtierenden Jerusalemer Hohenpriesters → Onias III., wozu er zwar rechtlich in der Lage war, mit dieser Tat allerdings diejenigen Juden düpierte, die sich strikt an der Tora orientierten und deshalb die Einsetzung Jasons zu Lebzeiten des noch amtierenden Hohenpriesters als Angriff auf die Autonomie des jüdischen Tempelstaates empfanden. Jason – ebenso sein Nachfolger → Menelaos – und Antiochus IV. verband das gemeinsame Ziel, Jerusalem in eine griechische Polis umzuwandeln, wenngleich die Beweggründe unterschiedlicher Natur waren: Während für den seleukidischen Herrscher mit der Einführung hellenistischer Denk- und Lebensweise Judäa stärker an sein Reich gebunden wurde, ging es den amtierenden Hohenpriestern und ihren Anhängern, den Hellenisten, darum, die Tora nicht mehr auch als Staatsverfassung gelten zu lassen, sondern sie auf ihren religiösen Aspekt zu reduzieren, um so der jüdischen Theokratie als bisher geltender Staatsform die rechtliche Grundlage zu entziehen.

Die Entwicklung erreichte ihren Höhepunkt mit Dekreten Antiochus’ IV. aus dem Jahr 167 v. Chr., durch die die Ausübung der jüdischen Religion radikal eingeschränkt wurde. Die Beschneidung wurde unter Androhung der Todesstrafe untersagt, der Sabbat durfte nicht begangen werden, die Juden wurden gezwungen, an heidnischen Riten teilzunehmen und Schweinefleisch zu essen, der Tempel wurde geschändet und dem Zeus geweiht. Infolge dessen fielen viele Juden von der Tora ab. Unter den verbliebenen Toratreuen wuchs der Wille zum aktiven Widerstand, an dessen Spitze sich die Hasmonäer, eine Priesterfamilie aus Modein, setzten. Ihr Ziel war die Restituierung von Tempel und Kult sowie die Befreiung von der Fremdherrschaft verbunden mit dem Erlangen politischer Unabhängigkeit. Nach dem Tod des Familienoberhauptes → Mattatias übernahmen ab 166 v. Chr. Judas Makkabäus und seine vier Brüder die Führung im erfolgreichen Krieg gegen die Seleukiden.

5. Das 1. Makkabäerbuch

5.1. Inhalt und Gliederung

1Makk gliedert sich in vier Teile, wobei die Teile nicht nur aufeinander aufbauen, sondern sich jeweils überbieten.

1) Erster Hauptteil (1Makk 1,1-2,70). Nach einem kurzen Überblick, der bei Alexander dem Großen einsetzt und über die Verteilung seines Reiches berichtet (1Makk 1,1-9), legt der erste Hauptteil von der Grundlage des Konflikts Zeugnis ab: Kap. 1 schildert die Taten Antiochus’ IV., seine Tempelplünderung, Jerusalems Besetzung und das Verbot der jüdischen Religion (1Makk 1,10-1,64). Dem fast antithetisch gegenübergestellt wird der Beginn des Makkabäeraufstands unter dem Vater des Judas Makkabäus, → Mattatias, der in seinem Testament seine Söhne auf den Kampf für Gesetz, Volk und Tempel einschwört (1Makk 2,1-70).

2) Zweiter Hauptteil (1Makk 3,1-9,22). Die zentrale Figur des zweiten Hauptteils ist Judas Makkabäus. Die Kapitel 3-9 berichten von seinen siegreichen Kämpfen gegen die Seleukiden. Entscheidendes Ereignis ist die Wiedereinweihung des Tempels, welche im jährlichen Tempelweihfest, dem → Chanukkafest, gefeiert wird. Judas Makkabäus hat somit ein wichtiges Ziel der makkabäischen Erhebung, die Restituierung des Tempelkultes, erreicht. Doch fällt Judas Makkabäus im Kampf gegen die seleukidischen Truppen unter Bakchides, dem Befehlshaber und Freund Demetrius’ I.

3) Dritter Hauptteil (1Makk 9,23-12,52). Der dritte Hauptteil schildert den Erfolg des → Jonatan, der die Nachfolge des Judas antritt. Ihm gelingt es, die innen- und außenpolitische Position der Makkabäer zu festigen. Dadurch verändert sich ihre Stellung gegenüber den Seleukiden: Im Zwist um die Herrschaft im Seleukidenreich verleiht der Widersacher Demetrius’ I., Alexander Balas, Jonatan die Hohepriesterwürde und ernennt ihn zum Befehlshaber und Statthalter. Doch wird Jonatan einige Jahre später vom seleukidischen Feldherrn Tryphon ermordet, da dieser die wachsende Macht des Makkabäers fürchtet.

4) Vierter Hauptteil (1Makk 12,53-16,22). Zum Nachfolger des Jonatan wird sein Bruder Simeon bestimmt. Unter seiner Führung wird Jerusalem von der seleukidischen Besatzung befreit. Die besondere Wertschätzung Simeons findet ihren Ausdruck in einem Loblied (1Makk 14,4-15), welches seine Taten preist und seine Regierung als endzeitliche Friedenszeit beschreibt. Sie kommt aber auch in der Bezeichnung Simeons als „Hoherpriester, Befehlshaber und Fürst der Juden“ (1Makk 13,42; 1Makk 14,47), bestätigt durch das Volk in einem öffentlichen Akt, zum Ausdruck. Diese Titelverleihung bedeutet einen großen Schritt hin zur Autonomie Israels.

Doch ereilt auch Simeon mitsamt seinen Söhnen Mattatias und Judas dasselbe Schicksal wie seinem Bruder Jonatan. Sie fallen einem Mordanschlag zum Opfer, den Simeons Schwiegersohn Ptolemaios angezettelt hat, um selbst die Macht zu erlangen.

1Makk endet mit der Einsetzung des verbliebenen Sohnes Johanan zum Hohenpriester, der gewöhnlich unter dem Namen Johannes Hyrkan bekannt ist (1Makk 16,23f).

5.2. Entstehung und Textüberlieferung

Das griechisch überlieferte 1Makk ist die Übersetzung eines ursprünglich hebräischen, nicht mehr vorhandenen Textes. Darauf weisen nicht nur fehlerhafte Übersetzungen und → Hebraismen hin, sondern auch die Tatsache, dass die Kirchenväter → Origenes und → Hieronymus noch den hebräischen Originaltext kannten. Zwar gibt es neben der griechischen Textüberlieferung noch lateinische, syrische, arabische und armenische Übersetzungen, doch kommt dem griechischen Text das größte Gewicht zu, zumal er der älteste ist.

Der Verfasser des 1Makk schreibt die Geschichte der Makkabäer aus einer gewissen historischen Distanz. Er ist also nicht Augenzeuge und wird deshalb seine Informationen aus unterschiedlichen Quellen geschöpft haben. Zur Darstellung der Ereignisse um Judas, Jonatan und Simeon benutzt er vermutlich eine bereits vorhandene Judasvita sowie die Jahrbücher der Hohenpriester Jonatan und Simeon – dass es solche gab, zeigt 1Makk 16,24. Die überlieferten Briefe und Urkunden stammen möglicherweise aus einem Jerusalemer Archiv. Hinzu kommt, dass dem Verfasser eine seleukidische Quelle vorgelegen haben muss, aufgrund der er die Ereignisse der seleukidischen Geschichte berichten konnte.

5.3. Entstehungszeit und -ort

Auffällig sind die ausgeprägten Kenntnisse der makkabäischen und seleukidischen Geschichte und die im Buch durchgängig zu erkennende Verpflichtung gegenüber der biblischen Tradition, die Rückschlüsse auf Entstehungsort und -zeit sowie die Person des Autors zulassen. Nur wer gebildet war, war in der Lage, vorhandene Quellen auszuwerten und zu verarbeiten. Die offensichtliche, umfangreiche Bildung des Verfassers des 1Makk beruht vermutlich darauf, dass er am Hof der Makkabäer in Jerusalem gewirkt hat; deshalb hatte er auch Zugang zu den in Jerusalem vorhandenen Archiven. Die positive Darstellung der Makkabäerherrschaft unterstützt diese Vermutung zusätzlich. Allerdings ist es schwierig, die Person des Verfassers einer bestimmten, zur damaligen Zeit einflussreichen jüdischen Gruppe zuzuordnen. Innerhalb der Forschung gehen dazu die Meinungen auseinander. Die einen sehen in ihm einen Vertreter der Sadduzäer, die anderen weisen ihn den Pharisäern zu. M.E. reichen die Hinweise, die wir dem 1Makk entnehmen können, nicht dazu aus, eine eindeutige Zuordnung vorzunehmen.

Entstehungsort des Buches ist aller Wahrscheinlichkeit nach Jerusalem. Da das Buch mit dem Regierungsantritt Johannes Hyrkans (134 v. Chr.) endet, wird es aller Voraussicht nach kurz nach dessen Machtübernahme geschrieben worden sein.

5.4. Zur Theologie

Die Entstehung des 1Makk an der Schnittstelle des Übergangs von der ersten Generation der makkabäischen Kämpfer (Judas, Jonatan, Simeon) auf die zweite Generation (Johannes Hyrkan), hat politisch-soziologische und theologische Gründe. Das Werk enthält einen eindeutigen Appell, die Einheit Israels zu wahren. Dieser Appell war nötig geworden, weil mit Machtantritt der zweiten Generation die antiseleukidische Front, die die unterschiedlichsten Gruppen innerhalb Israels vereint hatte, auseinander zu brechen begann. Da sich die Makkabäer mittlerweile fast schon selbst wie hellenistische Potentaten aufführten und das Hohepriesteramt für sich beanspruchten, obwohl sie nicht aus dem Geschlecht der → Zadokiden stammten, gingen die Chassidim, die Essener und die Pharisäer auf Distanz zu ihnen. Indem der Verfasser sein theologisches Schwergewicht auf die Restituierung von Tempel und Tora als Säulen Israels legt und dies mit dem Kampf der Makkabäer gegen die Seleukiden verknüpft, versucht er, die antimakkabäische Front von der Richtigkeit und Notwendigkeit der Makkabäerherrschaft zu überzeugen. Nicht umsonst schildert er idealisierend die Regierungszeit des Simeon als Heilszeit, mit deren Beginn die Wiederherstellung Israels auf der Basis von Tempel und Tora dauerhaft gesichert wird. Dass das Erreichen dieses Ziels letztlich allerdings Gott zu verdanken ist, macht 1Makk immer wieder deutlich. Die Bittgebete um Beistand in der Bedrängnis, Lob und Dank der Makkabäer und des Volkes nach erfolgter Hilfe, weisen darauf hin, dass die Rettung Israels Tat Gottes ist und Gott sich der Makkabäer als seines Werkzeugs bedient.

6. Das 2. Makkabäerbuch

6.1. Inhalt und Gliederung

Mit seiner Schilderung des makkabäischen Aufstands gegen die Seleukiden ähnelt 2Makk dem 1Makk, ohne dessen Fortsetzung oder Neuauflage zu sein, setzt doch 2Makk bezüglich der theologischen Aussagen und der Darstellung der geschichtlichen Ereignisse deutlich andere Schwerpunkte.

1) Die zwei Briefe (2Makk 1,1-2,18). Zu Beginn des 2Makk finden sich zwei Briefe (2Makk 1,1-9; 2Makk 1,10-2,18), die an die Juden in der ägyptischen Diaspora gerichtet sind. Absender der Schreiben sind die Juden aus Jerusalem und Judäa, wobei der zweite Brief als Absender zusätzlich den Hohen Rat und Judas nennt. Inhalt der Briefe ist die Aufforderung, das Tempelweihfest im Monat Kislew (2Makk 1,9.18) zu begehen.

2) Erster Hauptteil (2Makk 2,19-32; 2Makk 3,1-40). Die eigentlichen Themenschwerpunkte des 2Makk bilden die Taten des Judas Makkabäus, nämlich die Reinigung und Wiedereinweihung des Tempels, die kriegerischen Auseinandersetzungen mit → Antiochus IV. und dessen Sohn Antiochus V. Eupator, die Rückeroberung des Landes und die Vertreibung der Heiden, die der Verfasser des 2Makk aus dem nicht mehr vorhandenen fünfbändigen Geschichtswerk des Jason von Kyrene in Form einer Kurzfassung erstellt hat. Da der Verfasser der Kurzfassung sein Werk als Auszug (griech: epitomē) aus dem jasonischen Geschichtswerk bezeichnet, wird er im Folgenden Epitomator genannt. Die Aufteilung der jasonischen Vorlage in fünf Bände scheint auch noch in der komprimierten Form durch. Nach einem Vorwort durch den Epitomator (2Makk 2,19-32 (Lutherbibel: 2Makk 2,20-33) schließt sich der erste Hauptteil 2Makk 3,1-40 an. Hier wird eine „Idealsituation“ geschildert: Aufgrund der Bittgebete des Hohenpriesters Onias III. und des jüdischen Volkes wird des Versuch des seleukidischen Kanzlers Heliodor vereitelt, sich am Jerusalemer Tempelschatz zu vergreifen.

Abb. 1 Die Vertreibung Heliodors (Raffael; 1511-1512).

Abb. 1 Die Vertreibung Heliodors (Raffael; 1511-1512).

3) Zweiter Hauptteil (2Makk 4,1-7,42). Die Kapitel 2Makk 4,1-7,42 schildern den Einbruch der Seleukiden in die jüdische Ordnung. Onias III. wird entmachtet, an seine Stelle tritt Jason, der später von Menelaos abgelöst wird. Der Tempel wird zerstört und die rechtgläubigen Juden durch Antiochus IV. verfolgt. Die in 2Makk 6,18-31; 2Makk 7,1-42 geschilderten Martyrien des Eleasar sowie der sieben Brüder und ihrer Mutter werden als Folge der Gesetzlosigkeit und Tempelmissachtung der Hellenisten gesehen.

4) Dritter Hauptteil (2Makk 8,1-10,9). Auf der Höhe der Not erscheinen Judas Makkabäus und die Seinen. 2Makk 8,1-10,9 schildern die Folgen ihres Auftretens für gesetzestreue Juden und die inneren und äußeren Feinde Israels. Gott zeigt Erbarmen (2Makk 8,5) und hilft den Gesetzestreuen (2Makk 8,23). Weil die Juden die Gesetze Gottes beachten, werden sie unschlagbar (2Makk 8,36); Antiochus IV. wird durch Gottes Eingreifen vernichtet (2Makk 9,12-18). Unter Gottes Führung wird Jerusalem zurückgewonnen, der Tempel gereinigt und wieder eingeweiht. Das hier eingeführte alljährlich wiederzufeiernde Chanukkafest erinnert an diese Tat und bildet den ersten Höhepunkt des Buches.

5) Vierter Hauptteil (2Makk 10,10-13,26). Die Bedrohung für Israel ist noch nicht gebannt. 2Makk 10,10-13,26 erzählen von den Aktionen Antiochus’ V. Eupator, der die Aggressionspolitik seines verstorbenen Vaters Antiochus IV. gegen die Juden fortsetzt. Doch bleiben seine Angriffe erfolglos, da sich Israel Gottes Hilfe weiter sicher sein kann.

6) Fünfter Hauptteil (2Makk 14,1-15,36; 2Makk 15,37-39). In 2Makk 14,1-15,36 wird von dem Verhältnis des Judas zu Nikanor, dem seleukidischen Befehlshaber über Judäa, und den Intrigen des Hohenpriesters Alkimus berichtet. Nikanor, zunächst Judas gegenüber freundlich gesonnen, geht aufgrund der Intrigen des Alkimus auf Distanz zu Judas. Der gerade erst gereinigte und wieder eingeweihte Tempel steht erneut in Gefahr, verunreinigt und zerstört zu werden (2Makk 14,33). Judas besiegt Nikanor, da Gott ihm zur Seite steht. Der Tempel wird ein zweites Mal gerettet, und daran soll die Feier des Nikanortages (2Makk 15,36 [Lutherbibel: 2Makk 15,36f]) erinnern, die den zweiten Höhepunkt des Buches bildet.

In einem Nachwort, 2Makk 15,37-39 (Lutherbibel: 2Makk 15,38-40), macht der Epitomator deutlich, dass mit dieser zweiten und seiner Ansicht nach wohl auch endgültigen Errettung des Tempels sein Bericht über die Makkabäerzeit beendet ist.

Gattungsmäßig ist das Buch der hellenistischen pathetischen Geschichtsschreibung zuzuschreiben. Die Besonderheit besteht darin, dass jüdische Frömmigkeit strikt in hellenistischer Verpackung präsentiert wird.

6.2. Entstehung und Textüberlieferung

Für das zweite Makkabäerbuch werden innerhalb der Forschung vier Überlieferungsschichten angenommen. Die erste Überlieferungsschicht bilden die fünf Geschichtsbände des Jason von Kyrene, an die sich deren Kurzfassung, die Epitome, als zweite anschließt. Die dem 2Makk vorangestellten beiden Briefe repräsentieren dann die dritte und vierte Schicht. Da Jasons Werk nicht mehr erhalten ist, wird allgemein auf eine Trennung zwischen erster und zweiter Überlieferungsschicht verzichtet. Anders verhält es sich allerdings mit der Beziehung zwischen den Einleitungsbriefen und der Epitome. In Handschriften und Übersetzungen seit dem 5. Jh. n. Chr. werden die Briefe und die Epitome gemeinsam überliefert, doch ist dies kein Hinweis darauf, dass sie von Beginn an, möglicherweise vom Epitomator selbst, zusammen überliefert wurden, auch wenn dies seitens der Forschung in unterschiedlichen Varianten (Kombination von erstem Einleitungsbrief und Epitome, zweitem Brief und Epitome mit späterer Einfügung des jeweils fehlenden Briefes) immer wieder diskutiert wird. Zwei gravierende Beobachtungen sprechen nämlich dagegen: Zunächst fällt auf, dass die Epitome und die Briefe völlig unverbunden nebeneinander stehen. In seiner Kurzfassung erwähnt der Epitomator die Briefe mit keinem Wort, obwohl er ausführlich Sinn und Zweck seiner Schrift den Lesern darlegt (2Makk 2,25; 2Makk 15,39 [Lutherbibel: 2Makk 15,40]). Darüber hinaus findet der von dem Epitomator so hoch geschätzte Nikanortag in den Briefen keine Erwähnung. Bei einer durch ihn selbst vorgenommenen Kombination von Briefen und Epitome wäre zu erwarten gewesen, dass er die Feier des Nikanortages erwähnt hätte. Wahrscheinlich müssen wir annehmen, dass unter dem Stichwort „Chanukkafest“ Schriften, die dieses zum zentralen Thema hatten wie die Briefe und die Epitome, gesammelt und zusammen überliefert wurden.

Mit Ausnahme der beiden Anfangsbriefe, die ursprünglich hebräisch bzw. aramäisch verfasst waren, ist 2Makk in Griechisch geschrieben worden. Syntax, Wortwahl, rhetorische Techniken und Rechtschreibung weisen es als ein in gutem Griechisch verfasstes Werk der hellenistischen Periode aus.

6.3. Entstehungszeit und -ort

Die Datierungsversuche reichen von der Mitte des 2. Jh. v. Chr. bis in das Jahr 70 n. Chr. Die hier genannte Zeitspanne weist auf die Schwierigkeit der Datierung, doch gibt es Hinweise im 2Makk, die die Entstehungszeit eingrenzen können:

1. Die römerfreundliche Haltung des Buches gibt zu der Vermutung Anlass, dass seine Entstehung vor 63 v. Chr. anzusetzen ist, d.h. bevor Judäa römische Provinz wurde und Pompeius widerrechtlich den jüdischen Tempel betreten hat.

2. Der Epitomator unterstellt sich ganz dem Werk des Jason von Kyrene. Die Expansionspolitik der Makkabäer wird nicht erwähnt; genauso wenig sind Töne der Rechtfertigung oder Kritik makkabäischer Politik zu vernehmen. Aller Voraussicht nach entstand somit die Epitome noch in der Zeit der ersten Generation der Makkabäer, also vor 124 v. Chr.

3. Der erste Einleitungsbrief gibt sein Entstehungsdatum preis. Er wurde im Jahr 124 v. Chr. (= im Jahr 188 nach seleukidischer Zeitrechnung), also während der Regierung des Johannes Hyrkan, geschrieben.

4. Der zweite Einleitungsbrief wird kurze Zeit nach dem ersten entstanden sein, obwohl er den Eindruck zu erwecken versucht, bereits aus dem Jahr 164 v. Chr. zu stammen. Beide Briefe wenden sich an die ägyptischen Juden in der Diaspora mit dem Ziel, sie auf die Feier des Chanukkafestes zu verpflichten. Da es ab der Regierungszeit des Johannes Hyrkan eine rege Übersetzertätigkeit von hebräischen / aramäischen Originaltexten ins Griechische gab, werden die Briefe in dieser Periode übersetzt worden sein.

5. Auch die Anbindung der Einleitungsbriefe an das 2Makk wird bald nach 124 v. Chr. vorgenommen worden sein, da sie der Intention des 2Makk entgegenkamen, das ägyptische Diasporajudentum fester an den Jerusalemer Tempel zu binden. Darüber hinaus passte die Verknüpfung der Schriften in die makkabäische Praxis, für die Konsolidierung des neuen jüdischen Nationalstaates die Griechisch sprechenden Juden Ägyptens mittels der Verbreitung von ‚Propagandamaterial’ in griechischer Übersetzung zu gewinnen.

Über den Entstehungsort der Epitome kann nichts gesagt werden. Die Briefe werden höchstwahrscheinlich in Jerusalem verfasst worden sein, genauso die Zusammenstellung des 2Makk.

Auch über die Verfasser lässt sich wenig sagen. Der Epitomator wird eine griechische Bildung besessen haben, von einem Denken her aber war er hasidäisch-palästinisch geprägt. Da sich die Briefschreiber am Jerusalemer Tempel und am Gesetz orientieren und sie eine Anbindung der Diasporajuden an den Jerusalemer Tempel erreichen wollen, wird man sie im Umkreis der Makkabäer, vielleicht unter den Tempelpriestern, anzusiedeln haben.

6.4. Zur Theologie

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2006)

Abb. 2 Leiden und Auferstehung der sieben Brüder und ihrer Mutter werden auf dem Makkabäerschrein, in dem sich ihre Reliquien befinden sollen, als Vorabbildung der Leiden und Auferstehung Jesu und seiner Mutter gedeutet; hier: unten wird den Brüdern die Zunge abgeschnitten, oben erhält Christus Backenstreiche (1520-1527; St. Andreas, Köln).

Der Tempel in Jerusalem bildet das Zentrum der Theologie des 2Makk. Die über ihn getätigten Aussagen bewegen sich im Spannungsfeld von innerer und äußerer Bedrohung einerseits und seiner Rettung durch Gott andererseits. Gott schützt den Tempel und bestraft die Übeltäter, indem er sich des Judas Makkabäus als seines Werkzeugs bedient. Der Tempel ist Zentrum jüdischer Frömmigkeit und Ort der Begegnung zwischen Gott und Mensch, die sich nur im Kult vollziehen kann. Aus diesem Grund betont 2Makk 10,2f die Wiederherstellung des Tempels als Kultstätte.

Bemerkenswert ist in 2Makk die Rede von der Auferstehung der Toten, wie sie vor allem in Kapitel 7 vorliegt. Dort wird die erst seit kurzem im Frühjudentum entwickelte individuelle Auferstehungshoffnung mit Martyriumsberichten kombiniert: Die Akzeptanz des Märtyrertods um der Befolgung des Gesetzes willen und die Interpretation des Martyriums als Strafe für begangene Sünden verbinden sich mit der Hoffnung auf Auferweckung zu ewigem Leben und Bestrafung der Gottlosen. In 2Makk 7 kommt auf radikale Weise der Gegensatz zwischen göttlicher und weltlicher Macht zum Ausdruck. Obwohl → Antiochus IV. als weltlicher Herrscher jene töten kann, die die → Tora höher halten als seine Befehle, und die Macht Gottes anscheinend zur Ohnmacht wird, lässt die Aussage von der Auferstehung der jüdischen Märtyrer die eigentlichen Machtverhältnisse offenbar werden, indem Gott ihr Verhalten über ihren Tod hinaus mittels ihrer Auferweckung ins Recht setzt.

7. Das 3. Makkabäerbuch

Auf den ersten Blick scheint 3Makk mit 1Makk und 2Makk wenig gemein zu haben. Eine genauere inhaltliche Betrachtung bietet jedoch Hinweise, warum das Werk unter dem Titel 3. Makkabäerbuch geführt wird.

Das Werk umfasst sieben Kapitel und lässt sich in drei Teile gliedern. Sein Hauptthema ist die Rettung der alexandrinischen Juden vor der Verfolgung des Ptolemäerkönigs Ptolemaios IV. Philopator (221-204 v. Chr.).

7.1. Inhalt und Gliederung

1) Erster Hauptteil. Das Buch setzt ein mit dem Bericht vom Sieg Ptolemaios’ IV. Philopator über den Seleukidenkönig Antiochus III. in der Schlacht von Raphia (217 v. Chr.), mit dem Ägypten die Herrschaft über Palästina wiedererlangte. Der ptolemäische König zieht nach Jerusalem und beabsichtigt, dort das Allerheiligste des Tempels zu betreten – ein Vorhaben, das allein dem Hohenpriester am Versöhnungstag gestattet war. Auf das Gebet des Hohenpriesters Simon II. hin stürzt Ptolemaios gelähmt und der Sprache beraubt zu Boden. Mit seinen Begleitern kehrt er nach Alexandria zurück und sinnt auf Rache (3Makk 1,1-2,24).

2) Zweiter Hauptteil. Wieder im Lande gibt Ptolemaios den Befehl aus, alle Juden zu versklaven, die nicht bereit sind, sich dem Dionysioskult zuzuwenden. Die meisten Juden halten an der Religion ihrer Väter fest, so dass der König beschließt, sie umzubringen. Dafür werden sie im Hippodrom Alexandrias zusammengetrieben, um sie dort von Elefanten zu Tode trampeln zu lassen. An drei aufeinander folgenden Tagen werden die Juden gerettet; am letzten der drei Tage erscheinen auf das Gebet des Priesters Eleasar hin zwei Engel, deren Anblick die Feinde lähmt und die Elefanten veranlasst, sich gegen das Heer des ägyptischen Herrschers zu wenden (3Makk 2,25-6,21).

3) Dritter Hauptteil. Ptolemaios kommt daraufhin zur Besinnung und lässt die Juden frei. Er richtet sogar für die freigelassenen Juden auf seine Kosten ein sieben Tage dauerndes Freudenfest aus, das auf Beschluss der Juden nun jährlich um dieselbe Zeit (8.-14. Epiphi) begangen werden soll. Ptolemaios stattet die Freigelassenen, die zu ihren Wohnsitzen zurückkehren, mit einem Schutzbrief aus und erlaubt ihnen, die abtrünnig gewordenen Juden zu töten (3Makk 6,22-7,23).

7.2. Textüberlieferung; Entstehungszeit und -ort

Über die Entstehungsgeschichte und die Textüberlieferung des 3Makk lässt sich nur wenig Konkretes sagen. Der Anfang des Buches ist verloren, die Erzählung beginnt mit dem Bericht über den Sieg Ptolemaios’ IV. Philopator über Antiochus III. Auffällig ist die sprachliche Differenziertheit, aber auch Kompliziertheit des in griechischer Sprache geschriebenen Werkes, welches vermutlich im ägyptischen Alexandrien verfasst worden ist.

Als Entstehungszeit wird das 1.Jh. v. Chr. angenommen, neuerdings – als terminus ante quem – das Jahr 30 v. Chr. Der Text ist nur in wenigen Codices überliefert. Er fehlt im Codex Vaticanus und im Codex Sinaiticus. Für die Textrekonstruktion kommen nur die Codices Alexandrinus und Venetus sowie einige Minuskeln infrage.

7.3. Zur Theologie

Das in 3Makk Berichtete wird kaum auf historischem Geschehen basieren. Da Flavius Josephus in seiner Schrift Contra Apionem (2,50-55) eine ähnliche Begebenheit schildert, sie jedoch zeitlich in die Regentschaft Ptolemaios’ VIII. Euergetes II., eines Bruders Ptolemaios IV., einordnet, wird eher davon ausgegangen werden müssen, dass in beiden Erzählungen auf eine wandernde Legende zurückgegriffen wird.

Ein genauerer Blick auf 3Makk lässt bezüglich der Erzählmotive eine Verbindung zu 2Makk erkennen: Die Schilderung in 2Makk 3,8-30 über das frevlerische Eindringen des seleukidischen Feldherrn Heliodor in den Jerusalemer Tempel mit daraufhin folgendem Strafwunder (Lähmung) wendet 3Makk 1,8-2,24 in ähnlicher Weise auf Ptolemaios IV. an. Auch die aus der Heliodorschilderung stammenden Erzählmotive – das Entsetzen und Wehklagen der Jerusalemer Bevölkerung (2Makk 3,14-22), die Rettung vor den Feinden durch göttliche Macht (2Makk 3,24-26) – scheinen 3Makk 1,16-29 und 6,18-20 als Vorlage gedient zu haben. Besonders hervorzuheben aber ist die Beobachtung, dass sowohl die Heliodorerzählung als auch die Schilderung der Errettung der ägyptischen Juden ihren krönenden Abschluss in der Einführung eines Festtages zum Gedenken erfahren. Diese Verbindung zu 2Makk mag auch Grund dafür sein, dass die vorliegende Erzählung den Titel „3. Makkabäerbuch“ erhielt.

Die Hauptbedeutung des 3Makk liegt darin, einen Festbrauch der ägyptischen Juden ätiologisch zu begründen. Darüber hinaus vermittelt die Schrift Einblicke in die Situation des ägyptischen Diasporajudentums, welches sich im Spannungsfeld von paganer Staatsgewalt einerseits und Bindung an den Gott Israels andererseits behaupten musste, gleichzeitig aber auch mit einem innerjüdischen Konflikt zwischen Toratreuen und Abtrünnigen umgehen musste.

8. Das 4. Makkabäerbuch

Die als 4Makk bekannte Schrift war in der Anfangszeit ihrer Überlieferung u.a. auch unter dem Titel „Über die Selbstherrschaft der Urteilskraft“ tradiert. Durchgesetzt hat sich allerdings die am ältesten Kanon der LXX orientierte Bezeichnung „4. Makkabäerbuch“, da der zweite Hauptteil des Buches auf die in 2Makk 6-7 berichteten Martyrien des Eleasar, der sieben Brüder und ihrer Mutter zurückgreift.

8.1. Inhalt und Gliederung

Das Werk gliedert sich in zwei Teile (4Makk 1,1-3,18; 4Makk 3,19-17,6). Auf den ersten Teil, in dem die philosophische Leitthese (s.u.) ausgebreitet wird, folgt in einem zweiten Teil die Wiedergabe der aus 2Makk 6-7 übernommenen Martyrienberichte. Das Verhältnis von Form und Inhalt des 4Makk bedarf einer besonderen Beachtung. Formal angelehnt an die griechische Rhetorik lässt sich die Schrift von ihrer Gattung her als epideiktische Rede bestimmen. In einem Exordium (4Makk 1,1-12) werden Thema und Vorgehensweise vorgestellt. Der Verfasser versucht im Folgenden nachzuweisen, ob die „gottesfürchtige Urteilskraft souveräne Herrscherin ist über die Leidenschaften“ (4Makk 1,1). Dazu entfaltet er in seinem ersten Hauptteil eine Affekten- und Tugendlehre, um dann im zweiten Hauptteil die in 1,1 aufgeworfene Frage inhaltlich mit Beispielen aus 2Makk 6-7 zu beantworten. Die Martyrien des Eleasar, der sieben Brüder und ihrer Mutter werden zum beispielhaften Erweis dafür, dass deren Standhaftigkeit und Treue gegenüber der Tora, die sie den gewaltsamen Tod in Kauf nehmen lassen, die Gültigkeit der These von der Überlegenheit der Vernunft über die Begierden belegt (4Makk 18,2). Mit 4Makk besitzen wir also ein beredtes Zeugnis dafür, wie sich hellenistisches Denken und jüdische Frömmigkeit miteinander verbinden, wobei die hellenistische Form dem jüdischen Anliegen des Verfassers dienstbar gemacht wird.

8.2. Entstehungszeit und -ort

4Makk ist in sehr gutem Griechisch verfasst; außerdem lässt sich vermuten, dass der Verfasser eine rhetorische Bildung genossen hat, in der er auch literarische und philosophische Kenntnisse erworben haben wird. Seine strikte Orientierung an der jüdischen Frömmigkeit, speziell der Toraobservanz, weisen ihn als einen hellenistischen Diasporajuden aus, dessen Anliegen es ist, griechische Lebensweise und jüdisches Gesetz miteinander zu verbinden. Adressaten sind die in seiner Umgebung lebenden Diasporajuden, deren Alltag durch die andauernde Konfrontation mit der heidnischen Umwelt geprägt war.

Entstanden ist die Schrift zwischen 90 und 100 n. Chr., wahrscheinlich in Syrien oder Kleinasien.

8.3. Zur Theologie

Die besondere Situation des Diasporajudentums, nämlich dessen Existenz in heidnischer Umgebung, führte häufig zur Anpassung an fremde Sitten. Da dies den Verfasser des 4Makk besonders schmerzt, ist es das Anliegen seines Buches, die Diasporajuden zu verstärkter Gesetzesobservanz anzuhalten: „Gehorcht dem Gesetz und übt auf jede Weise Frömmigkeit“ (4Makk 18,1). Um bei ihnen Gehör zu finden, versucht er, mit Hilfe philosophischer Argumentation die jüdische Lebensweise als rational vertretbar und begründbar erscheinen zu lassen. Die in 4Makk 1,1 aufgeworfene philosophische Frage (s.o.) versucht er mit dem Rückgriff auf die Martyrien des Eleasar, der sieben Brüder und ihrer Mutter zu beantworten. Sie lässt er zum beispielhaften Erweis dafür werden, dass ihre Standhaftigkeit und Treue gegenüber der Tora, die sie den gewaltsamen Tod in Kauf nehmen lassen, die Gültigkeit der These von der Überlegenheit der Vernunft über die Begierden belegt (4Makk 18,2).

Im Zusammenhang mit der Aufnahme der Märtyrererzählung aus 2Makk 7 greift 4Makk auch die Frage nach dem jenseitigen Geschick der Märtyrer auf. Jedoch handelt es sich hier nicht um eine Übernahme der in 2Makk konzipierten Lehre von der Auferstehung der Märtyrer, sondern um eine charakteristische Umwandlung: Die Rede von der leiblichen Auferstehung in 2Makk wird entsprechend dem hellenistischen Denken zur Unsterblichkeit und Unvergänglichkeit der Seele uminterpretiert. Trotz dieser griechischen Interpretation der jüdischen Auferstehungslehre findet sich nirgends in 4Makk eine dezidierte Verneinung der leiblichen Auferstehung, es wird nur unterlassen, davon zu sprechen. Die Übernahme der griechisch-philosophischen Auffassung von der Unsterblichkeit der Seele könnte vielmehr als eine Art Zugeständnis des Verfassers an die soziokulturellen Determinanten seiner Adressaten gewertet werden. Dann ist seine besondere Leistung nicht in der Adaption griechischen Denkens zu sehen, sondern in dessen Rückbindung an die biblische Tradition, die er u.a. dadurch erreicht, dass er am Anfang des 4Makk die Vernunft als Torabildung definiert und die Unsterblichkeitslehre auf ein alttestamentliches Fundament stellt, was die vielen alttestamentlichen Bezüge in 4Makk erkennen lassen.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

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Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Die Vertreibung Heliodors (Raffael; 1511-1512).
  • Abb. 2 Leiden und Auferstehung der sieben Brüder und ihrer Mutter werden auf dem Makkabäerschrein, in dem sich ihre Reliquien befinden sollen, als Vorabbildung der Leiden und Auferstehung Jesu und seiner Mutter gedeutet; hier: unten wird den Brüdern die Zunge abgeschnitten, oben erhält Christus Backenstreiche (1520-1527; St. Andreas, Köln). © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2006)

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