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Lexikon

Makkabäer

Doris Lambers-Petry

(erstellt: Mai 2007)

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1. Name

© public domain (angefertigt von Klaus Koenen)

Abb. 1 Stammbaum der Makkabäer und Hasmonäer.

„Makkabaeus“ (von hebr. maqqævæt „Hammer“) ist der Beiname des → Judas, Sohn des Priesters → Mattatias, des militärischen Anführers des Aufstandes gegen die syrische Besatzung, der im Jahr 168 v. Chr. begann (1Makk 2,4; 2Makk 5,27; → Seleukiden). Der Name wird häufig auch auf seine Brüder übertragen sowie auf die von ihnen ausgelöste Bewegung, die die religiöse Eigenheit des jüdischen Volkes bewahrte und durch ihre Zähigkeit sowie kriegerisches und diplomatisches Geschick für fast ein Jahrhundert die nationale Souveränität erwirkte. Die nachfolgenden Generationen bezeichneten sich nach ihrem Ahnherrn Hasmon als → Hasmonäer.

2. Quellen

Die wichtigsten literarischen Quellen sind die deuterokanonischen → Makkabäerbücher (1 / 2Makk), die ihrerseits auf schriftliche und mündliche Überlieferungen unterschiedlicher Art und Qualität zurückgreifen und diese interpretieren. Sie bieten keine chronologisch aufeinander folgende Darstellung, sondern berichten über das gleiche Ereignis aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Schwerpunkten. 2Makk ist älter als 1Makk und historisch zuverlässiger, da es das ältere Geschichtswerk des Jason von Kyrene sowie authentische Briefe verwendet und in politischer Hinsicht weniger voreingenommen ist. Das um ca. 100 v. Chr. entstandene 1Makk ist als das Werk eines hasmonäisch orientierten Hofchronisten zu verstehen, das den Anspruch nationaler Einheit auf der Basis von Tora und Tempel sowie den Führungsanspruch der Makkabäer bzw. Hasmonäer verteidigt. Die Darstellung des Josephus in Antiquitates Judaicae 12:237-13:226 folgt weitgehend 1Makk (→ Makkabäerbücher). Als ergänzende Quelle ist das zu Lebzeiten des Judas Makkabäus verfasste → Danielbuch heranzuziehen. Außerdem finden sich Hinweise bei einigen griechischen Autoren.

3. Der Makkabäeraufstand

Der Makkabäeraufstand richtete sich gegen die Religionspolitik der seleukidischen Könige sowie gegen jene jüdischen Kreise, die die Hellenisierung ihrer Kultur wünschten und ihnen deshalb zuarbeiteten.

3.1. Vorgeschichte des Makkabäeraufstands

Als die Provinz Syrien-Palästina nach einem Jahrhundert unter ptolemäischer Herrschaft ins Seleukidenreich einverleibt wurde, bemühte sich König Antiochus III. (223-187) zunächst erfolgreich um das Wohlwollen seiner neuen Untertanen: Er gewährte beachtliche Privilegien, darunter großzügige Steuererleichterungen, die helfen sollten, die Spuren der Verwüstung in Stadt und Land zu beseitigen und das Vertrauen in die neuen Machthaber zu fördern. Auch bestätigte er, einer Politik der Territorialeinheiten folgend, die ererbte Verfassung der Juden, die Gültigkeit ihrer Heiligen Bücher sowie die Herrschaft der Priester (Josephus, Antiquitates Judaicae 12:138-144). Dem proseleukidischen Hohenpriester Simon II. („der Gerechte“), Sohn → Onias II., verlieh er den Rang eines Ethnarchen.

Als Antiochus III. aber in der Schlacht bei Magnesia in Lydien (190 v. Chr.) den mit den Ptolemäern verbündeten Römern unterlag und dabei seinen europäischen und einen großen Teil seines kleinasiatischen Landbesitzes, seine Kriegselefanten und sogar seine Flotte verlor, änderte er seine freundliche Haltung. Um die hohen, im Friedensvertrag von Apamea (188 v. Chr.) vereinbarten Reparationszahlungen leisten zu können, sah er sich gezwungen, Tempelschätze einzuziehen. In der Antike wurden in den Heiligtümern nämlich nicht nur wertvolle Kultgegenstände und tempeleigene Gelder aufbewahrt, sondern auch die Staatskasse. Tempel dienten häufig auch als Banken und Kreditinstitute und formten damit den Mittelpunkt des wirtschaftlichen Lebens einer Stadt oder Region. Während des Versuchs, einen Bel-Tempel bei Susa zu plündern, wurde Antiochus III. 187 v. Chr. von der aufgebrachten Bevölkerung getötet (Diodorus, Bibliotheca Historica 28:3; 29:15).

In Jerusalem bekleidete inzwischen → Onias III., der Sohn des um 200 v. Chr. verstorbenen Hohenpriesters Simon, das Amt des Hohenpriesters. Da er u.a. Gelder des in ptolemäischen Diensten stehenden → Tobiaden Hyrkanos im Tempel aufbewahrte, zog Onias sich die Feindschaft der einflussreichen, ansonsten proseleukidisch orientierten Tobiadenfamilie zu. Als Onias nun den Priester Simon, der den Tempelschatz verwaltete, bei einer wichtigen Ernennung überging, zeigte dieser ihn wegen seiner ptolemäischen Kontakte beim seleukidischen Statthalter Apollonius an. Apollonius seinerseits informierte Seleukus IV. Philopator (187-175), den Sohn und Nachfolger Antiochus’ III., der seinen Kanzler Heliodor schickte, um den nicht kultzweckgebundenen Teil des Tempelschatzes zu beschlagnahmen. Die Schilderung in 2Makk 3 weist legendarische Züge auf: Als Onias sich geweigert habe, diese Vermögenswerte herauszugeben, habe Heliodor sich gewaltsam den Zutritt zum Tempelinneren verschafft, der ihm als einem Heiden bei Todesstrafe verboten war. Trotz der entsetzten Proteste der Priesterschaft und der Jerusalemer Bevölkerung sei er bis zur Schatzkammer vorgedrungen. Dort jedoch habe ihn eine gewaltige Erscheinung ereilt, die ihn und seine Begleiter hilflos habe zusammenbrechen lassen.

Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 5.5.2007

Abb. 2 Münze mit Antiochus IV. und dem Bild des Zeus Olympios: ΒΑΣΙΛΕΩΣ ΑΝΤΙΟΧΟΥ ΘΕΟΥ ΕΠΙΦΑΝΟΥΣ ΝΙΚΗΦΟΡΟΥ „König Antiochus, Erscheinung Gottes, Siegesträger“.

Nach der Ermordung Seleukus’ IV. durch Heliodor kehrte dessen jüngerer Bruder → Antiochus IV. Epiphanes (175-164 v. Chr.) nach Antiochien zurück. Er hatte jahrelang als Geisel in Rom gelebt und sich nach seinem Austausch gegen Demetrius, einen Sohn Seleukus’ IV., zunächst in Athen niedergelassen. Antiochus IV. hatte während seines Verbleibs in Rom und Athen die hellenistische Kultur und Religion schätzen gelernt. Dies zeigt nicht nur sein selbst gewählter Beiname „Epiphanes“ („Erscheinender“), sondern auch, dass er auf der Rückseite der Tetradrachmen die Abbildung des seleukidischen Apollo durch die des Zeus Olympios ersetzte. Die Hellenisierung der zu seinem Reich gehörenden Gebiete stand in seinem Regierungskonzept an oberster Stelle. Einflussreiche, weltoffene Kreise in Jerusalem und Judäa, darunter Priester und die Familie der Tobiaden, bestärkten ihn in seiner Absicht und machten Jason (wohl die gräzisierte Form von „Joshua“), den Bruder des in Ungnade gefallenen Onias III., zu ihrem Fürsprecher und unterstützten die Maßnahmen des Königs auch finanziell (1Makk 1,13; 2Makk 4,7f). Im Zuge dieser Zusammenarbeit wurde Jason von Antiochus als Hoherpriester anerkannt. Jerusalem erhielt stets mehr hellenistische Züge; sogar ein Gymnasion und ein Ephebeion wurden errichtet, in denen die Söhne der jüdischen Aristokraten sich mit der bewunderten griechischen Sprache und Kultur vertraut machen konnten (1Makk 1,12-15; 2Makk 4,10-15). Beide Institutionen erfreuten sich großer Beliebtheit und das Gymnasion galt bald als der beliebteste Treffpunkt der Jerusalemer Oberschicht. Sogar die Priester nahmen gerne an den Kampfspielen teil (4Makk13-15). Viele junge Männer empfanden ihre Beschneidung als peinlich und unterzogen sich medizinischen Eingriffen, die sie unkenntlich machen sollten (1Makk 1,15).

Schließlich wurde auch die mit Antiochus III. vereinbarte Verfassung durch eine hellenistische ersetzt, die einerseits die Bedeutung der Tora einschränkte, andererseits dem Hohenpriester Jason Vollmachten hinsichtlich der Verleihung bürgerlicher Rechte einräumte (Josephus, Antiquitates Judaicae 12:240ff; vgl. 2Makk 4,11). Obwohl Jerusalem das erhoffte Münzrecht nicht verliehen wurde, nahm die wirtschaftliche Attraktivität der Stadt zu. Gleichzeitig aber wuchs auch der Widerstand der gesetzestreuen Kreise, die die neue Polis-Konstitution als Verwerfung der Tora verstehen mussten.

Im Jahr 171 v. Chr. bestach → Menelaus, ein Bruder des verräterischen Schatzverwalters Simon (s.o.), den seleukidischen König und ließ sich von ihm das Hohepriesteramt übertragen (2Makk 4,23-25). Diese Ernennung stand im Widerspruch zu den Traditionen, die für dieses Amt ausschließlich → Zadokiden zuließen, und konnte nur bestehen, weil Menelaus von der Reformpartei in Jerusalem den nötigen Rückhalt bekam. Jason, der in seinen Forderungen wohl moderater war als Menelaus, musste sich verraten fühlen. Er flüchtete nach Transjordanien. Menelaus sah sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert, darunter der Umstand, dass er die zusätzlichen 300 Talente, die er Antiochus versprochen hatte, nicht auftreiben konnte. Er musste ihn mit Geschenken aus dem Tempelschatz und Versprechungen hinhalten. Obwohl es im seleukidischen Staat üblich war, dass ein neuer hoher Funktionär bei seinem Amtsantritt dem König auf diese Weise huldigte, stieß seine Tat beim Volk, das diese Großzügigkeit über zusätzliche Steuererhöhungen finanzieren sollte, auf heftigen Widerstand. Als der in Antiochien in Verbannung lebende Onias III. diesen verbalisierte, veranlasste Menelaus dessen Ermordung (2Makk 4,30-38). Während er sich in diesem Zusammenhang in Antiochien aufhielt, wurde sein Bruder und Stellvertreter Lysimachos bei dem Versuch, sich am Tempelschatz zu bereichern, von der aufgebrachten Menge gelyncht. Da Menelaus vom Volk für diesen Zugriff verantwortlich gemacht wurde, wurde eine dreiköpfige Delegation nach Antiochien geschickt, um ihn vor dem König anzuklagen. Diese wurden allerdings von Antiochus IV., der sich trotz allem von Menelaus noch stets finanzielle Zuwendungen versprach, zurückgewiesen. Als er auch noch die Hinrichtung der Gesandten veranlasste, war der Bruch mit den konservativen Kreisen besiegelt.

Im Jahr 170 v. Chr. zog Antiochus IV. gegen Ägypten. Als das Gerücht entstand, der König sei gefallen, kam Jason mit ca. 1000 Mann nach Jerusalem, um in der vermeintlichen Gunst der Stunde das Hohepriesteramt wieder an sich zu reißen. Dabei kam es zu einem Blutbad unter der Bevölkerung, das mit seiner erneuten Flucht endete. Kurze Zeit später erschien Antiochus IV., der geschlagen, aber keineswegs gefallen war, von Ägypten her nach Jerusalem, um den Tempelschatz einschließlich der Menora und anderer Tempelgeräte zu konfiszieren. Diesen brauchte er, um die Verluste durch den gerade verlorenen Feldzug auszugleichen. Dabei drang er gewaltsam in das Allerheiligste ein und löste damit unter den Juden Empörung und Aufruhr aus (1Makk 1,17-25; 2Makk 5,11-21).

Im Frühjahr 167 v. Chr. schickte der König seinen Feldherrn Apollonius mit dem Auftrag die Stadtmauern niederzureißen und auf dem Südosthügel eine befestigte Militärsiedlung, die Akra, zu errichten. Dort lebten von nun an die antiochenischen Beamten und Kaufleute sowie zahlreiche, dem seleukidischen König ergebene, hellenistisch orientierte Juden. Jerusalem wurde zur hellenistischen Militärkolonie ausgebaut (1Makk 1,30-40). In einem königlichen Erlass forderte Antiochus die verschiedenen Völker seines Reiches auf, ihre althergebrachten Gesetze aufzugeben und so zu einem einzigen Volk zu verschmelzen (1Makk 1,43). Damit wurde den Juden untersagt, ihr Leben weiterhin nach den väterlichen Überlieferungen zu gestalten. Unter Androhung der Todesstrafe wurden die Beschneidung und die Einhaltung des Sabbats, das Opfer im Tempel und die religiösen Feste verboten. Die heiligen Schriften sollten eingezogen und vernichtet werden (1Makk 1,44-53; 2Makk 6,6-9). Der Jerusalemer Tempel wurde durch einen Aufsatz auf den Brandopferaltar, das sog. Gräuelbild der Verwüstung, geschändet (1Makk 1,57; Dan 11,31; Dan 12,11). Er wurde dann dem Zeus Olympios geweiht (2Makk 6,2). Im ganzen Land wurden Altäre errichtet, auf denen die jüdische Bevölkerung heidnischen Gottheiten opfern sollte. Königliche Beamte zogen umher und überprüften die Einhaltung der Verordnungen. Um ihre Loyalität mit der seleukidischen Regierung zu beweisen, wurden Juden gezwungen, öffentlich Schweinefleisch zu verzehren. Zahlreiche Juden willigten in die Maßnahmen ein, andere blieben standhaft, flüchteten oder wurden getötet (1Makk 1,56; 1Makk 1,63-67).

Die Verordnungen richteten sich nicht in erster Linie gegen das Judentum selbst, sondern gegen die typischen Besonderheiten, die seit der Exilszeit die Identität der Juden prägten. Nun sollten diese als lästig empfundenen Abgrenzungsstrategien aufgehoben und die jüdische Gemeinschaft gezwungen werden, sich dem Hellenismus zu öffnen (1Makk 1,41-43). Über die Reformversuche Jasons gingen diese Maßnahmen allerdings weit hinaus.

3.2. Verlauf des Makkabäeraufstands

3.2.1. 1. Phase

Das Signal zum Aufstand gab der Priester → Mattatias in der Provinzstadt → Modeïn, indem er im Eifer für das Gesetz einen Juden erschlug, der sich willig zeigte, das heidnische Opfer darzubringen, sowie auch den seleukidischen Beamten, der ihn dazu aufgefordert hatte. Daraufhin flüchtete er mit seinen fünf Söhnen, deren Familien und gleichgesinnten Anhängern ins nahe gelegene Gebirge (1Makk 2,15-30). In der ersten Zeit kam es nur zu kleinen gelegentlichen Zusammenstößen mit den besser ausgerüsteten seleukidischen Soldaten. Nach einem Gemetzel an einer versteckt lebenden Gruppe an einem Sabbat beschlossen Mattatias und seine Söhne, dass auch am wöchentlichen Ruhetag gekämpft werden dürfe, wenn die Verteidigung dies erfordere (1Makk 2,31-41). Bald schlossen sich weitere gesetzestreue Gruppen, unter ihnen die apokalyptisch motivierten → Hasidäer, den Widerständlern an (1Makk 2,42f). Sie streiften durchs Land, rissen die neuen Altäre nieder und beschnitten die noch unbeschnittenen jüdischen Knaben (1Makk 2,45-48).

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 3 Karte: Palästina im 2. Jh. v. Chr.

Nach dem Tod des Vaters 166 v. Chr. übernahm der charismatische → Judas Makkabäus die Führung (1Makk 2,49-69). Er verfolgte und terrorisierte zunächst die abtrünnigen Juden, nahm aber bald den Kampf gegen die seleukidischen Söldnerheere auf. Trotz deren zahlen- und waffenmäßigen Überlegenheit besiegte er nacheinander die Feldherren Apollonius, Seron, Lysias und Gorgias (1Makk 3,1-4; 1Makk 3,35; 2Makk 8,8-11; 2Makk 8,20-36; 2Makk 11,1-12). Danach zog er nach Jerusalem, schloss die Akra ein und reinigte die Tempelanlage von heidnischen Elementen. Die Wiederweihe des Tempels am 26. Kislev des Jahres 165 v. Chr. stellte einen ersten Höhepunkt der Widerstandsaktion dar (1Makk 4,36-61; 2Makk 10,1-8).

Die Siege des Judas verunsicherten die umliegenden Länder derart, dass es dort zu antijüdischen Ausschreitungen kam. Durch diese veranlasst unternahm Judas erfolgreiche Rachezüge nach Idumäa sowie in die Gebiete der halbnomadischen Beoniter und der Ammoniter (1Makk 5,1-9). Gemeinsam mit seinem Bruder → Jonatan zog er danach ins Ostjordanland, um die Juden, die sich aus Angst auf die Burg Datema geflüchtet hatten, zu befreien und nach Judäa zu evakuieren. Ihrem Bruder → Simon gelang es inzwischen, die in Galiläa wohnenden Juden in die Heimat zurückzuführen (1Makk 5,9-54).

Als Antiochus IV. während eines Feldzuges nach Persien zu Tode kam, beschloss Judas die Gelegenheit zu nutzen und die seleukidische Garnison in der Akra zu belagern. Doch Lysias, der die Regentschaft für den minderjährigen Antiochus V. Eupator übernommen hatte, zog mit einem mächtigen Heer und Kriegselefanten herbei und schlug die makkabäische Streitmacht bei Bet-Sacharja. Eleasar Awaran, ein Bruder des Judas, fiel in der Schlacht. Judas und seine Männer zogen sich nach Jerusalem zurück. Lysias folgte ihnen und begann seinerseits mit der Belagerung Jerusalems. Streitigkeiten um die seleukidische Thronfolge zwangen den General aber bald nach Antiochien zurückzukehren. Dem jungen König empfahl er, mit den Juden Frieden zu schließen und die Religionsfreiheit wiederherzustellen. Judas akzeptierte das Friedensangebot (1Makk 6,17-63; 2Makk 11,1-23). Das primäre Ziel der Revolte, die Religionsfreiheit, war erreicht.

3.2.2. 2. Phase

Doch der Thronfolgekampf der Seleukiden bot den Makkabäern gute Chancen, ihre religiösen Interessen auch politisch stärker abzusichern. Nachdem die Machtforderungen eines gewissen Philippus, eines Getreuen Antiochus’ IV., abgewehrt waren, erhob Demetrius I., der als Geisel in Rom lebende Sohn Seleukus’ IV., seinen rechtmäßigen Anspruch auf den syrischen Thron. Die Truppen liefen zu ihm über, als er in der phönizischen Hafenstadt Tripolis eintraf. Lysias und Antiochus wurden gefangen genommen und ermordet (1Makk 7,1-4).

Auch der Hohepriester → Menelaus kam unter undeutlichen Umständen ums Leben. Demetrius ernannte oder bestätigte als dessen Nachfolger einen gewissen → Alkimus und stattete ihn mit zahlreichen Vollmachten aus. Alkimus war zwar → Aaronide, nach Josephus aber kein Zadokide (Josephus, Antiquitates Judaicae 12:383). Obwohl er der Führer der Reformpartei war, akzeptierten die Hasidäer die Ernennung, um Frieden einkehren zu lassen. Die Makkabäer jedoch waren nicht gewillt, einen Hellenisten als Hohenpriester anzunehmen. Damit muss Alkimus gerechnet haben, denn er schwärzte die Makkabäer und ihre Verbündeten an und veranlasste damit den neuen König, ihm Truppen unter Führung des Feldherrn Bakchides nach Judäa mitzugeben, die ihm helfen sollten, seine Machtansprüche durchzusetzen. Trotz ihrer wohlwollenden Haltung fielen unter den Hasidäern seine ersten Opfer: Sechzig von ihnen ließ er gefangen nehmen und töten. Als die Herrschaft des Alkimus durch derartige Terroraktionen gesichert schien, zogen die Truppen wieder ab.

Doch bald danach, wahrscheinlich Ende 161 v. Chr., wurde der Kampf erneut aufgenommen: Aus der ersten Schlacht gegen das Söldnerheer des Seleukidenfürsten Nikanor, die in der Gegend um Adasa stattfand, ging Judas als Sieger hervor (1Makk 7,26-50). Um seine Position zu stärken, schloss Judas ein Freundschafts- und Waffenbündnis mit den Römern, den Erzfeinden der Seleukiden (1Makk 8). Um diesen Hochverrat zu rächen und die völkerrechtliche Anerkennung der Autonomie Judäas zu verhindern, holte Demetrius zu einem weiteren, vernichtenden Schlag aus. Gleich im Frühjahr gelang es den syrischen Truppen unter Bakchides, den jüdischen Widerständlern unweit von Jerusalem eine schwere Niederlage zuzufügen. Judas verlor in der Schlacht sein Leben (1Makk 9,1-22). Viele seiner Mitstreiter retteten sich in die umliegende Wüste, wählten seinen jüngeren Bruder Jonatan zu ihrem neuen Anführer und rüsteten zum Gegenschlag (1Makk 9,23-31).

3.2.3. 3. Phase

Jonatan und seine Krieger versteckten sich zunächst im Wald- und Sumpfgebiet östlich des Jordan und beschränkten sich auf kleine Überfälle. So rächten sie u.a. den Mord an Jonatans Bruder Johannes durch den arabischen Stamm Jambri, als dieser versuchte, bei den befreundeten Nabatäern Wertgegenstände in Sicherheit zu bringen (1Makk 9,35-42). Bakchides, der Jonatan nachsetzte, musste wegen der Unwegsamkeit des Geländes aufgeben (1Makk 9,43-53). Stattdessen ließ er die kleineren Städte Judäas befestigen und die Kinder vornehmer jüdischer Familien als Geiseln in die Akra bringen (1Makk 9,50-53).

Als Alkimus starb und kein Nachfolger für ihn nominiert wurde, gelang es Jonatan, mit Bakchides eine Art Duldung auszuhandeln. Er hielt sich nun vorwiegend in der ländlichen Umgebung Jerusalems auf und nahm von → Michmas aus eine Richterfunktion im alten Stile wahr. Auf diese Weise gelang es ihm, sein Ansehen beim Volk zu vermehren und diskret eine Machtposition aufzubauen, die bald die der hellenistischen Oberschicht in Jerusalem überstieg (1Makk 9,57-73). Dies begriff wohl auch Demetrius, dessen Thron 153 v. Chr. durch das Auftreten eines neuen Prätendenten bedroht wurde. Dieser nannte sich Alexander Balas und gab vor, ein Sohn Antiochus’ IV. zu sein. Da der König fürchtete, seine Gegner könnten sich mit Alexander Balas verbünden, bot er Jonatan die Bundesgenossenschaft an sowie das Recht, eine bewaffnete Truppe aufzustellen. Dies entsprach einer rechtlichen Anerkennung des Jonatan als Repräsentant und Führer seines Volkes. Er ließ sich nun wieder in Jerusalem nieder und begann, die Stadt zu befestigen (1Makk 10,1-14).

Aber auch der inzwischen an die Macht gelangte Alexander Balas bemühte sich, Jonatan durch politische Zugeständnisse für sich einzunehmen. Er verlieh ihm, der ja kein → Zadokide war, das Amt des Hohenpriesters (1Makk 10,15-21). Von nun an spielte Jonatan die Rolle des Züngleins an der Waage, wendete sich mal dem einen, mal dem anderen zu, gerade wie es ihm günstig schien. Demetrius und Alexander Balas überboten sich gegenseitig an Liebenswürdigkeiten und Vertrauensbeweisen gegenüber Jonatan, der die offerierten Privilegien sammelte und kontinuierlich seine persönliche Macht vergrößerte (1Makk 10,22-47). Nachdem Demetrius 150 v. Chr. in der Schlacht von Ptolemais ums Leben gekommen war, dankte Alexander Balas ihm für seine Unterstützung mit weiteren Vollmachten. Anlässlich seiner Hochzeit mit Kleopatra Thea, der Tochter des ägyptischen Königs Ptolemäus VI., machte er ihn gar zum Feldherrn und Gouverneur der Provinz Judäa (1Makk 10,48-66).

Als im Jahr 147 Demetrius II., der Sohn Demetrius’ I., auf der Bühne erschien, hielt Jonatan zunächst Alexander Balas die Treue (1Makk 10,67-89). Da Ptolemäus bald aber das Interesse an seinem Schwiegersohn verlor und sich mitsamt seiner Tochter Demetrius II. zuwandte, schlug auch Jonatan sich auf die Seite des jungen Herausforderers. Neben der Bestätigung seiner Ämter und Privilegien sprang für ihn diesmal auch eine Gebietserweiterung an der samaritanischen Grenze heraus (1Makk 11,1-37).

Nach dem Tod Alexanders erhob im Jahr 145 v. Chr. dessen General Tryphon für den minderjährigen Sohn des gestürzten Königs, Antiochus VI. Epiphanes Dionysos, Ansprüche auf den Seleukidenthron (1Makk 11,39-40). Aus Enttäuschung darüber, dass Demetrius II. trotz seiner Versprechungen noch immer nicht die seleukidische Militäreinheit auf der Akra abgezogen hatte, fanden → Jonatan und sein Bruder → Simon sich bereit, mehrere Kriegszüge für Tryphon zu unternehmen und ihm das Land zu unterwerfen (1Makk 11,41-74; 1Makk 12,24-38). Obgleich sie durchschaut hatten, dass der General eigene Herrschaftspläne verfolgte, ließ Jonatan sich 143 v. Chr. von ihm nach Akko in einen Hinterhalt locken. Tryphon nahm ihn und seine Söhne fest und ließ sie einige Zeit später in der Nähe von Baskama in Gilead töten (1Makk 12,39-48). Simon veranlasste, dass der Leichnam seines Bruders nach → Modeïn überführt und in der Grabanlage seiner Familie, die er prunkvoll ausschmücken ließ, beigesetzt wurde (1Makk 13,25-30).

Unter Jonatan trat der religiöse Aspekt des Kampfes in den Hintergrund; nun galt es, die nationale Freiheit zu erreichen. Zäh, charismatisch, militärisch und diplomatisch geschickt gelang es ihm, zahlreiche Anhänger auf seine Seite zu ziehen. Als er das Hohepriesteramt annahm, kam es aber zu Spaltungen innerhalb der Aufstandsbewegung, die nicht mehr behoben werden konnten: Die → Hasidäer, die vielen als Vorbilder galten, wandten sich ab, da sie ihn seiner Herkunft wegen nicht als Hohenpriester anerkennen konnten. Extreme Opponenten zogen sich gar in die Einsamkeit zurück und bildeten Zusammenschlüsse, aus denen unter anderem die spätere Qumrangemeinschaft hervorging.

3.2.4. 4. Phase

Nach dem Tod Jonatans im Jahr 145 v. Chr. übernahm dessen älterer Bruder → Simon die Führung. Ihm gelang es, das neue Ziel der Aufstandsbewegung, die Unabhängigkeit des jüdischen Volkes, zu verwirklichen. Der fortschreitende Zerfall der Diadochenreiche im Norden (Seleukiden in Syrien) und Süden (Ptolemäer in Ägypten) schuf dazu die politischen Voraussetzungen. Simon stellte sich wieder auf die Seite Demetrius’ II., der ihn sogleich als Bündnispartner und Hohenpriester anerkannte und als Gegengabe für seine Loyalität dem jüdischen Volk völligen Steuererlass gewährte (1Makk 13,36-40; Josephus, Antiquitates Judaicae 13:213). Der seleukidische Kalender wurde abgeschafft; Dokumente wurden von nun an nach den Amtsjahren des Simon datiert (1Makk 13,41; 1Makk 14,27; Josephus Antiquitates Judaicae 13:214). Die Eroberung der Akra zog den endgültigen Schlussstrich unter die seleukidische Vorherrschaft (1Makk 13,49-51). Simon knüpfte nun zügig freundschaftliche Kontakte mit Rom und Sparta (1Makk 14,16-24). Lukius (Lucius C. Metellus), einer der römischen Konsuln des Jahres 142 v. Chr., stellte dem jüdischen Volk gar einen Schutzbrief aus (1Makk 15,15-24).

Die Leistung der Makkabäer, insbesondere aber Simons Stellung als politischer, militärischer und geistlicher Führer, wurde auf einer Versammlung, die sich aus den Priestern und den offiziellen Vertretern des Volkes zusammensetzte, ausdrücklich anerkannt. Als Dank wurde ihm das Hohepriesteramt als Erbrecht zuerkannt, allerdings nur „bis zur Ankunft des wahren Propheten“ (1Makk 14,25-49). Diese Einschränkung darf als Hinweis auf diesbezügliche Unstimmigkeiten innerhalb der Volksgemeinschaft verstanden werden.

Simon sowie seine Söhne Mattatias und Judas wurden während eines Banketts auf der Burg Dok bei Jericho von dem machthungrigen Provinzgouverneur Ptolemäus, der mit einer Tochter Simons verheiratet war, ermordet. Der dritte Sohn Johannes (Johannes Hyrkan I.), der Oberbefehlshaber der Streitkräfte war und in der Stadt → Geser residierte, wurde von Getreuen gewarnt. Es gelang ihm, den geplanten Anschlag auf sein Leben abzuwehren und 134 v. Chr. rechtmäßig die Nachfolge seines Vaters anzutreten (1Makk 16,11-24).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

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Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Stammbaum der Makkabäer und Hasmonäer. © public domain (angefertigt von Klaus Koenen)
  • Abb. 2 Münze mit Antiochus IV. und dem Bild des Zeus Olympios: ΒΑΣΙΛΕΩΣ ΑΝΤΙΟΧΟΥ ΘΕΟΥ ΕΠΙΦΑΝΟΥΣ ΝΙΚΗΦΟΡΟΥ „König Antiochus, Erscheinung Gottes, Siegesträger“. Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 5.5.2007
  • Abb. 3 Karte: Palästina im 2. Jh. v. Chr. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
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