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Lexikon

Lilie

Peter Riede

(erstellt: Okt. 2015)

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1. Botanisch

Aus: Wikimedia Commons; © Zachi-Evenor, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 2.0 generic; Zugriff 1.10.2015

Abb. 1 Blüten der weißen Lilie (Lilium candidum).

Die weiße Lilie (Lilium candidum), die in Palästina häufig vorkommt, ist eine zwiebelartige Pflanze mit einem belaubten Stängel, an dem sich waagrechte Blüten mit sechs Blütenblättern befinden. Sie fällt durch ihren starken Duft auf. Neben der weißen Lilie können auch andere Lilienarten wie die Strandlilie (Pancratium maritimum) nachgewiesen werden (s.u. 2.1.). Im Altertum fand die Strandlilie in der Scharongegend mit ihren Sümpfen und Sanddünen beste Lebensbedingungen vor.

2. Biblisch

2.1. Terminologie

Aus: Wikimedia Commons; © Alberto Salguero, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0; Zugriff 1.10.2015

Abb. 2 Strandlilie.

Im Hebräischen bezieht sich der Terminus חֲבַצֶּלֶת ḥǎvaṣṣælæt möglicherweise auf die Strandlilie oder den Affodill, eine Identifikation, die Hhld 2,1 stützen könnte, da hier als Standort der Pflanze der Scharon, also die Küstenebene nördlich von Tel Aviv, genannt wird (vgl. auch Jes 35,2). Andere erwägen die Bedeutung „Meerzwiebel“ oder „Narzisse“.

Die Lilie hat im Griechischen die Bezeichnung κρίνον krinon. Der Begriff kann auch für allgemein für Blumen gebraucht werden.

Häufig wird auch die hebräische Pflanzenbezeichnung שׁוּשַׁן šûšan / שׁוֹשַׁנַּה šȏšannāh, die die → Septuaginta zumeist mit κρίνον krinon „Lilie“ wiedergibt, mit der Lilie identifiziert. Doch handelt es sich dabei um den → Lotus.

2.2. Vorkommen

In Hhld 2,1 und in Jes 35,1 wird die Strandlilie (חֲבַצֶּלֶת ḥǎvaṣṣælæt) wegen ihrer wunderbaren, prächtigen Erscheinung genannt. Daher kann sich die Geliebte mit ihr gleichsetzen (Hhld 2,1). Und die mit der Heilszeit einhergehende Verwandlung der Wüste in ein sprossendes und blühendes Land wird durch den Vergleich mit der Lilie farbenprächtig ausgemalt (Jes 35,1).

Auf die Lilie (κρίνον krinon) wird im Neuen Testament nur in der Bergpredigt Jesu im Rahmen des Logions vom Sorgen Bezug genommen (Mt 6,28 // Lk 12,27). Dort wird sie als eine der prächtigen Blumen des Feldes erwähnt. Es geht also nicht um Gartenpflanzen, sondern um wildwachsende Blumen, die nach dem Vertrocknen von der armen Bevölkerung gerne als Brennmaterial genutzt wurden. Mit ihrer prächtigen Erscheinung kann die Herrlichkeit Salomos nicht konkurrieren. Diese Blumen arbeiten nicht und sind doch bestens versorgt.

Hatte die ursprüngliche Fassung des Textes in der Logienquelle wohl Wanderradikale vor Augen, die auf Beruf, Familie und Arbeit verzichteten, so zielt Matthäus mit dem Bild der Lilien auf die Stärkung von Kleingäubigen in der Gemeinde: „Gott wird sein Reich schaffen und jetzt schon, gleichsam als Zugabe, seinen Jüngern Speise und Kleidung schenken“ (Luz 2002, 481).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928ff
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Kommentare

  • Bovon, F., Das Evangelium nach Lukas. 2. Teilband: Lk 9,51-14,35 (EKK III/2), Neukirchen-Vluyn 1996
  • Gerlemann, G., Das Hohelied (BK XVIII), Neukirchen-Vluyn, 2. Aufl. 1982, 116
  • Keel, O., Das Hohelied (ZBK.AT 18), Zürich 1986
  • Luz, U., Das Evangelium nach Matthäus. 1. Teilband: Mt 1-7 (EKK I/1), Neukirchen-Vluyn 5. Aufl. 2002

3. Weitere Literatur

  • Cebulj, Chr., Vom edlen Wettstreit der Natur, Zur Pflanzenwelt im Neuen Testament, in: U. Neumann-Gorsolke / P. Riede (Hgg.), Das Kleid der Erde. Pflanzen in der Lebenswelt des alten Israel, Neukirchen-Vluyn 2002, 250-273, 267-270
  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina I/1, Gütersloh 1928, 357-366
  • Dalman, G., Die Blume ḥabazzælæt der Bibel, in: Vom Alten Testament (FS K. Marti; BZAW 41), Berlin 1925, 62-68
  • Hepper, F.N., Pflanzenwelt der Bibel. Eine illustrierte Enzyklopädie, Stuttgart 1992, 46f
  • Keel, O. u.a., Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Band 1: Geographisch-Geschichtliche Landeskunde, Göttingen 1984, 85-88
  • Neumann-Gorsolke, U. / Riede, P. (Hgg.), Das Kleid der Erde. Pflanzen in der Lebenswelt des alten Israel, Neukirchen-Vluyn 2002
  • Zohary, M., Pflanzen der Bibel. Vollständiges Handbuch, Stuttgart 2. Aufl. 1983, 176f

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Blüten der weißen Lilie (Lilium candidum).

    Aus: Wikimedia Commons; © Zachi-Evenor, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 2.0 generic; Zugriff 1.10.2015

  • Abb. 2 Strandlilie.

    Aus: Wikimedia Commons; © Alberto Salguero, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0; Zugriff 1.10.2015

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