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Lexikon

Lehnwörter

im biblischen Hebräisch

Samuel Arnet

(erstellt: Dez. 2014)

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1. Allgemeines

1.1. Begriffe

Der Wortschatz einer Sprache enthält sowohl Erbwörter als auch Fremd- bzw. Lehnwörter. Erbwörter gehören seit allen nachweisbaren Vorstufen einer Sprache zu deren Wortschatz. Fremdwörter und Lehnwörter hingegen sind erst später aus einer Gebersprache (donor language) in eine Empfängersprache (recipient language) übernommen („entlehnt“) worden. Die Herkunft aus einer anderen Sprache ist bei Fremdwörtern aufgrund von Lautung, Schreibung und Flexion noch gut erkennbar – vgl. im Deutschen z.B. „Team“ (engl. [tiːm]), „Amphitheater“ (griech. ἀμφιθέατρον amphitheatron), „Atlanten“ (Plural von „Atlas“) –, während dies für Lehnwörter nicht mehr gilt, da sie sich stärker in die Empfängersprache integriert haben – vgl. z.B. „Engel“ (aus griech. ἄγγελος angelos), „Mauer“ (aus lat. murus), „Bluse“ (aus frz. blouse), „Streik“ (aus engl. strike). Beim Wortschatz von mittlerweile ausgestorbenen Sprachen gestaltet sich die Abgrenzung zwischen Fremdwörtern und Lehnwörtern mitunter als schwierig, weil es kaum möglich ist, allein aufgrund der schriftlichen Zeugnisse zuverlässige Aussagen über den Grad der Akzeptanz eines Wortes bei den Sprechern der Empfängersprache zu machen. In der Hebraistik wird für Wörter fremder Herkunft meist der Begriff Lehnwort (loanword), nicht Fremdwort (foreign word) verwendet.

Kann über die Herkunft eines Wortes bzw. Lexems keine eindeutige Angabe gemacht werden, weil es in mehreren Kulturen beheimatet und seit jeher durch großflächige Regionen „gewandert“ zu sein scheint, wird es „Kulturwort“ (culture word) genannt (oder „Wanderwort“, travelling word).

Wie in jeder Sprache bilden → Eigennamen (Nomina propria) auch im biblischen → Hebräisch eine von Gattungsnamen (Nomina appellativa) gesonderte Gruppe von Lexemen: Sie werden in der Regel nicht flektiert, die Semantik spielt, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle, und nicht selten sind Volksetymologien (→ Etymologie) entstanden. Daher werden Eigennamen bei Untersuchungen zu Lehnwörtern oft nicht mitberücksichtigt, obwohl viele der in der Hebräischen Bibel belegten Eigennamen außerhebräischen Ursprungs sind und in mehreren Sprachen vorkommen.

1.2. Bedeutung

Entlehnungen sind eine universelle Erscheinung, da sprachliche Kontakte und Einflüsse zu den Grundgegebenheiten historischer Entwicklung gehören: Mit der Übernahme einer vorher unbekannten oder ungebräuchlichen Sache – meist bedingt durch den Handel oder den kulturellen Austausch – entsteht auch das Bedürfnis, sie zu benennen. Fremd- und Lehnwörter tragen somit sowohl die Signatur der Kultur, aus der sie stammen, als auch der Zeit, in der sie übernommen wurden oder eine wichtige Rolle zu spielen begannen. Ihre Verwendung kann bestimmte Assoziationen wecken, ein kulturspezifisches Kolorit erzeugen, auf bestimmte Bildungsinhalte anspielen oder eine Aussage stilistisch variieren. Bisweilen entstehen oder erhalten sich neben Fremd- und Lehnwörtern synonyme indigene Ausdrücke (vgl. im Deutschen z.B. „Rechtschreibung“ / „Orthographie“, „Anschrift“ / „Adresse“). Entlehnungen leisten somit einen wesentlichen Beitrag zur Erweiterung des Wortschatzes der Empfängersprache.

Zur Frage, ob und inwiefern das Vorhandensein von Lehnwörtern auf die Entstehungszeit eines biblischen Textes schließen lässt, siehe Seow 1996, Young 2003 und Young u.a. 2008.

1.3. Kriterien

Ein Lehnwort liegt im biblischen Hebräisch vor, wenn mehrere der folgenden Kriterien erfüllt sind (vgl. Militarev / Kogan 1.11; Kutscher §70; Mankowski 6-7):

1. Mindestens ein konsonantisches Phonem des Lexems stimmt nicht mit seiner sprachgeschichtlich zu erwartenden Entsprechung im Hebräischen überein.

2. Das Lexem weist eine Nominal- oder Verbalbildung auf, die für die Empfängersprache untypisch ist, aber in einer potentiellen Gebersprache belegt ist.

3. Das Lexem ist ausschließlich in der potentiellen Gebersprache und in der Empfängersprache belegt (und nicht in anderen Sprachen der Sprachfamilie, zu der die Empfängersprache gehört).

4. Die Semantik des Lexems scheint auf einen kulturellen Hintergrund außerhalb Israels hinzuweisen.

5. Die Entlehnung des Lexems führte zu Auswirkungen auf den Wortschatz der Empfängersprache (Entstehung von Synonymen, untypische Bedeutungsänderungen etc.).

6. Das Lexem erscheint nur in Texten, die einer speziellen Sprachstufe des biblischen → Hebräisch zugeordnet werden (vor allem dem Späthebräischen).

Beispiele:

• zu 1.: biblisch-Hebräisch נטר nṭr „bewachen / bewahren“ (Lev 19,18) ist ein Lehnwort, weil die sprachgeschichtlich zu erwartende Entsprechung (aus semitisch *nẓr) נצר nṣr (Ex 34,7) lautet (vgl. KAHAL xxi, Nr. 13).

• zu 4., 6.: מַלָּח mallāḥ „Schiffer / Seemann“ (Jon 1,5), aus dem Akkadischen (malāḫu; vgl. sumerisch MÁ-LAḪ4).

• zu 5.: הֵן hen „siehe“ bedeutet in Ex 4,1 „wenn“ wie im biblischen Aramäisch (z.B. Dan 2,6); טַעַם ṭa‘am „Geschmack“ bedeutet in Jon 3,7 „Befehl“ wie im biblischen Aramäisch טְעֵם ṭə‘em (z.B. Esr 6,14); siehe auch die Beispiele unter 2.1.2.

• zu 5., 6.: בִּיתָן bîtān „Palast“ (Est 7,7), aus dem Akkadischen (bītānu), vgl. אַרְמוֹן ’armôn „Palast“; זְמָן zəmān „Zeit / Stunde“ (Pred 3,1), aus dem Aramäischen (זְמָן zəmān) oder Persischen, vgl. עֵת ‘et „Zeit“; כֶּתֶם kætæm „Gold“ (Hi 28,19), aus dem Akkadischen (kutīmu) bzw. Sumerischen (KÙ-DÍM; vgl. ägyptisch ktm.t), vgl. זָהָב zāhāv „Gold“.

Nicht selten ist es schwierig, die Gebersprache eines Lehnwortes mit Sicherheit zu bestimmen; es überrascht daher nicht, dass über die Herkunft eines Lehnwortes unterschiedliche Angaben zu finden sein können. Generell ist es sinnvoll, bei einem biblisch-hebräischen Lexem nur dann eine Entlehnung anzunehmen, wenn ausgeschlossen werden muss, dass es sich um ein Erbwort handelt.

1.4. Besonderheiten

Gelegentlich ist ein Lehnwort, besonders wenn es sich um ein Kulturwort (siehe unten 2.2.) handelt, in ein und derselben Sprache in zwei (oder mehr) Schreibweisen belegt; vermutlich ist dies auf die vielfältige und flüchtige Art der Sprachkontakte zurückzuführen, durch welche es vermittelt wurde, oder auf das Fehlen genauer Entsprechungen der Phoneme in der Geber- und Empfängersprache.

Beispiele:

• Akkadisch argamannu („Purpur“) erscheint im biblischen Hebräisch meist als אַרְגָּמָן ’argāmān (z.B. Ex 25,4), einmal jedoch (2Chr 2,6) als אַרְגְּוָן ’argəwān (und nur so im biblischen Aramäisch, z.B. Dan 5,7).

• Persisch *patičagnya- („Abschrift“) erscheint im biblischen Hebräisch als פַּתְשֶׁגֶן patšægæn (Est 3,14) und als פַּרְשֶׁגֶן paršægæn (Esr 7,11).

• Ägyptisch sšn („Lotosblume“) erscheint im biblischen Hebräisch u.a. als שׁוּשַׁן šûšan (1Kön 7,19), שׁוֹשָׁן šôšān (1Kön 7,22) und שׁוֹשַׁנָּה šôšannāh (Hhld 2,2).

• Hethitisch kupaḫ(ḫ)i (eine Kopfbedeckung) erscheint im biblischen Hebräisch („Helm“) als כּוֹבַע kôva‘ (1Sam 17,5) und קוֹבַע qôva‘ (1Sam 17,38).

• Das (vielleicht indogermanische) Lehnwort für „Halle“ (vgl. griech. λέσχη leschē) erscheint als לִשְׁכָּה liškāh (Neh 13,5) und als נִשְׁכָּה niškāh (Neh 13,7).

2. Beispiele

2.1. Nach Gebersprachen gruppiert

Es folgt eine kleine Auswahl relativ gesicherter Beispiele von Lehnwörtern im biblischen Hebräisch, angeordnet nach Gebersprachen, von denen die einflussreichsten Akkadisch, Aramäisch, Persisch und Ägyptisch sind. Angaben zu Form und Bedeutung des jeweiligen Lexems in der Gebersprache finden sich in den etymologischen Abschnitten der entsprechenden Einträge in Gesenius, 18. Aufl. und in KAHAL.

2.1.1. Lehnwörter aus dem Akkadischen

Akkadisch, eine ostsemitische Sprache, ist mit erhalten gebliebenen Texten aus der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. die älteste bezeugte semitische Sprache. Vom Akkadischen sind zwei Dialekte überliefert: Assyrisch (aus dem Norden Mesopotamiens, 20.-7. Jh. v. Chr.) und Babylonisch (aus dem Süden Mesopotamiens, 2. Jahrtausend v. Chr.). Akkadisch (Babylonisch) war in der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. eine weithin verwendete lingua franca; akkadische Texte sind an vielen Orten auch außerhalb Mesopotamiens gefunden worden, z.B. in Ugarit, in der heutigen Türkei und in Ägypten.

Beispiele für akkadische Lehnwörter:

טִיט ṭîṭ „nasse Lehmerde“ (Jer 38,6);

מֶכֶס mækhæs „kultische Abgabe“ (Num 31,37);

מִסְכְּנוֹת miskənôt „Depot / Vorräte“ (Ex 1,11);

סֶגֶן sægæn „Statthalter“ (Neh 2,16);

סָרִיס sārîs „Beamter“ (Dan 1,7).

Beispiele für akkadische Lehnwörter, die über das Aramäische ins biblische Hebräisch gelangt sind:

אִגֶּרֶת ’iggæræt „Brief“ (Neh 2,7);

בִּירָה bîrāh „Zitadelle“ (Est 1,2);

מְחִיר məḥîr „Gegenwert / Kaufwert“ (Jes 55,1);

פֶחָה pæḥāh „Statthalter“ (Neh 5,14).

Siehe auch unten 2.1.5.

2.1.2. Lehnwörter aus dem Aramäischen

Mit dem Aufstieg des Reichsaramäischen (→ Aramäisch) zur lingua franca intensiviert sich auch sein sprachlicher Einfluss auf das biblische Hebräisch, besonders auf das Späthebräische. Da Hebräisch und Aramäisch eng miteinander verwandt sind, ist der Nachweis vermuteter Entlehnungen mitunter nicht ganz einfach. Dennoch lässt sich sagen, dass Aramäisch die Vermittlersprache zahlreicher Lehnwörter im biblischen Hebräisch aus dem Akkadischen (2.1.1.) und aus dem Persischen (2.1.3.) ist.

Unter den Lehnwörtern aus dem Aramäischen bilden u.a. die folgenden ein Synonym zu einem hebräischen Erbwort (vgl. Driver):

אִלּוּ ’illû „wenn“ (Est 7,4), vgl. אִם ’im;

בַּר bar „Sohn“ (Spr 31,2), vgl. בֵּן ben;

כָּפָן kāfān „Hunger“ (Hi 30,3), vgl. רָעָב rā‘āv;

מִלָּה millāh „Wort“ (Ps 139,4), vgl. דָּבָר dāvār;

סלק slq Qal „hinaufsteigen“ (Ps 139,8), vgl. עלה ‘lh Qal;

שָׂהֵד śāhed „Zeuge“ (Hi 16,19), vgl. עֵד ‘ed.

Von jenen Verbalwurzeln, die Lehnwörter im biblischen Hebräisch sind, stammen die meisten aus dem Aramäischen. Beispiele:

אזל ’zl Qal „weggehen / schwinden“ (1Sam 9,7);

טלל ṭll Piel „überdachen“ (Neh 3,15);

מלל mll Piel „sagen / künden“ (Gen 21,7);

סגד sgd Qal „sich beugen“ (Jes 44,15);

תקף tqp Qal „überwältigen“ (Hi 14,20).

2.1.3. Lehnwörter aus dem Persischen

Lehnwörter aus dem Persischen (und Awestischen) sind in persischer Zeit ins biblische Hebräisch gelangt, vermutlich über das Aramäische, und gehören hauptsächlich zum Bereich der Verwaltung:

אֱגוֹז ’ägôz „Nussbaum“ (Hhld 6,11);

אֲחַשְׁדַּרְפָּן ’ăḥašdarpān „Satrap“ (Est 3,12);

אֲחַשְׁתְּרָן ’ăḥaštərān „königlich“ (Est 8,10);

אַפֶּדֶן ’appædæn „Palast“ (Dan 11,45);

גִּזְבָּר gizbār „Schatzmeister“ (Esr 1,8);

דָּת dāt „Gesetz“ (Est 2,8);

נָדָן nādān „Schwertscheide“ (1Chr 21,27);

נִשְׁתְּוָן ništəwān „Brief“ (Esr 4,7);

פַּרְדֵּס pardes „Garten / Park“ (Pred 2,5; → Paradies);

פַּרְתְּמִים partəmîm „Vornehme / Edle“ (Est 1,3);

פַּת־בַּג pat-bag „Speise / Verpflegung“ (Dan 1,5);

פִּתְגָם pitgām „Bescheid / Spruch“ (Pred 8,11);

תִּרְשָׁתָא tiršātā’ „Exzellenz“ (Neh 8,9).

Siehe auch 1.4.

2.1.4. Lehnwörter aus dem Ägyptischen

Angesichts der geographischen Nähe Israels zu Ägypten ist es wenig überraschend, dass ägyptische Begriffe ihren Weg ins biblische Hebräisch gefunden haben. Doch obwohl auch umfangreiche Texte der Hebräischen Bibel in Ägypten situiert sind (→ Josefsgeschichte, → Exoduserzählung), ist der Anteil der Lehnwörter aus dem Ägyptischen relativ klein. Einige der Lehnwörter gehören zur Kategorie der Mineralien und der Flora, die der Lebenswelt der Israeliten fremd waren. Lehnwörter aus dem Bereich der Verwaltung und der Politik sind keine überliefert. Beispiele:

אָחוּ ’āḥû „Riedgras“ (Gen 41,2);

אַחְלָמָה ’aḥlāmāh ein kostbarer Stein (?) (Ex 28,19);

אֵיפָה ’êfāh „Efa“ (ein Hohlmaß) (Rut 2,17);

גֹּמֶא gomæ’ „Papyrus“ (Ex 2,3);

הִין hîn „Hin“ (ein Hohlmaß) (Num 15,4);

חוֹתָם ḥôtām „Siegel“ (Gen 38,18);

יְאֹר jə’or „Nil“ (Ex 2,3) bzw. „Strom“ (Dan 12,5);

נֶתֶר nætær „Natron“ (Jer 2,22);

פַּח paḥ „Klappnetz“ (Ps 119,110);

פַּרְעֹה par‘oh „Pharao“ (Gen 12,15), wörtlich „Großes Haus“, ein Titel des ägyptischen Herrschers, der den königlichen Palast und Hof bezeichnet, seit dem 15. Jh. v. Chr. den Regenten selbst (→ König / Königtum [Ägypten]);

צִי ṣî „Schiff“ (Dan 11,30);

קוֹף qôf „Affe“ (1Kön 10,22);

קַלַּחַת qallaḥat „Topf / Kessel“ (1Sam 2,14);

שִׁטָּה šiṭṭāh „Akazie“ (Ex 25,10);

שֵׁשׁ šeš „Leinen“ (Gen 41,42);

תֵּבָה tevāh „Kasten / Kästchen“ (Ex 2,3.5), aufgrund der Vulgata (arca) in Gen 6,14-9,18 mit „Arche“ übersetzt;

• und evtl. auch חַרְטֹם ḥarṭom „Wahrsagepriester“ (Ex 7,11).

2.1.5. Lehnwörter aus dem Sumerischen

Während Jahrhunderten lebten im Süden Mesopotamiens Sprecher des Akkadischen neben Sprechern des Sumerischen, das weder mit dem Semitischen noch mit einer anderen uns bekannten Sprache verwandt ist und dessen schriftlichen Zeugnisse – sie reichen zurück bis ans Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. – die ältesten überhaupt sind. Die beiden Sprachen beeinflussten sich gegenseitig, was unter anderem an den zahlreichen sumerischen Lehnwörtern im Akkadischen ersichtlich ist. Entsprechend finden sich im biblischen Hebräisch auch Lehnwörter aus dem Akkadischen, die letzten Endes auf Formen aus dem Sumerischen zurückgehen. So erscheint הֵיכָל hêkhāl „Palast / Tempel“ (Ps 79,1) im Akkadischen als ekallu(m), aber es kann zurückgeführt werden auf sumerisch É.GAL (É = Haus, GAL = groß: großes Haus). Weitere Beispiele:

אֲגַם ’ăgam „Sumpf / Tümpel“ (Jes 35,7);

אִכָּר ’ikkār „Landarbeiter“ (Jer 14,4);

כֹּר kor „Kor“ (Maßeinheit) (1Kön 5,2);

נְכָסִים nəkhāsîm „Vermögen“ (Pred 6,2);

• und evtl. כִּסֵּא kisse’ „Sessel / Stuhl / Thron“ (1Kön 1,13) (vgl. im biblischen Aramäisch כָּרְסֵא kårse’ Dan 7,9).

2.1.6. Weitere Sprachen

Lehnwörter aus dem Indo-Iranischen, zu dem neben dem Persischen (siehe oben 2.1.3.) auch das Awestische und das Altindische (Sanskrit) gehören und die mittels einer Vermittlersprache ins biblische Hebräisch gelangt sind:

כַּרְמִיל karmîl „Karmesin“ (2Chr 2,6);

כַּרְפַּס karpas „feines Gewebe / Leinen“ (Est 1,6);

נֵרְדְּ nerd „Narde“ (Hhld 1,12);

סוּס sûs „Pferd“ (2Kön 2,11);

• evtl. פִּטְדָה piṭdāh „Topas“ (Ex 28,17).

Obwohl immer wieder auf mögliche griechische Lehnwörter im biblischen Hebräisch hingewiesen wird (Brown, 297-300; de Lange; Gordon, 60-63; Heijmans; Margalith, 12; Young u.a. 2008, 286-289), beschränkt sich bis dato unter den Forschern der Konsens darüber auf ein einziges Lexem: דַּרְכְּמוֹנִים darkəmônîm „Drachme“ (Esr 2,69; Neh 7,69-71) ist gebildet aus dem Genitiv Plural von δραχμῶν drachmōn.

Unbestritten ist dagegen die griechische Herkunft der Bezeichnungen für drei Musikinstrumente im biblischen Aramäisch (alle belegt in Dan 3,5.10.15):

סוּמְפֹּנְיָה sûmponəjāh „Doppelflöte“, aus griech. συμφωνία symphōnia „Einklang / Musik“;

פְּסַנְטֵרִין pəsanṭerîn ein Saiteninstrument, aus gleichbedeutend griech. ψαλτήριον psaltērion;

קִיתָרֹס qîtāros „Zither“ (jeweils Ketiv-Form), aus gleichbedeutend griech. κίθαρις kitharis.

Zu einem Lehnwort aus dem Hethitischen siehe oben 1.4.

2.2. Kulturwörter

Zu den Kulturwörtern (siehe oben 1.1.) zählen:

בַּרְזֶל barzæl „Eisen“ (76-mal), vgl. lat. ferrum;

יַיִן jajin „Wein“ (141-mal), vgl. griech. οἶνος oinos, lat. vinum (und dt. Wein);

כִּנּוֹר kinnôr „Leier“ (42-mal);

כֻּתֹּנֶת kuttonæt „Tunika“ (29-mal), vgl. griech. χιτών chitōn, lat. tunica (und dt. Tunika, frz. coton und engl. cotton [„Baumwolle“]);

פִּלֶגֶשׁ pilægæš „Nebenfrau“ (37-mal), vgl. griech. παλλακίς pallakis, lat. paelex;

שַׂק śaq „Sack“ (48-mal), vgl. griech. σάκκος sakkos, lat. saccus (und dt. Sack);

שׁוֹר šôr „Stier“ (79-mal), vgl. bibl.-aram. תּוֹר tôr, griech. ταῦρος tauros, lat. taurus (und dt. Stier);

תַּנּוּר tannûr „Backofen“ (15-mal).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Encyclopedia of Hebrew Language and Linguistics, Leiden 2013 (= EHLL)
  • Metzler Lexikon Sprache, Stuttgart / Weimar, 2. Aufl. 2000

2. Weitere Literatur

  • Brown, J.P., 2000, Israel and Hellas II. Sacred Institutions with Roman Counterparts (BZAW 276), Berlin / New York
  • de Lange, N., 2013, Art. Greek Influence on Hebrew: Late Antiquity, EHLL II, 146-147
  • Driver, G.R., 1953, Hebrew Poetic Diction, in: International Organization for the Study of the Old Testament, Congress (Hg.), Congress Volume Copenhagen (VT.S 1), Leiden, 26-39
  • Dudenredaktion (Hg.), 2010, Duden. Das Fremdwörterbuch, Mannheim
  • Gordon, Cyrus H., 1955, Homer and Bible. The Origin and Character of East Mediterranean Literature, HUCA 26, 43-108
  • Haspelmath, M., 2009, Lexical Borrowing: Concepts and Issues, in: M. Haspelmath / U. Tadmor (Hgg.), Loanwords in the World’s Languages. A Comparative Handbook, Berlin, 35-54
  • Heijmans, Sh., 2013, Art. Greek Loanwords, EHLL II, 148-151
  • Kutscher, E.Y., 1982, A History of the Hebrew Language, Jerusalem
  • Lipiński, E., 1988, Emprunts suméro-akkadiens en hébreu biblique, ZAH 1, 61-73
  • Mankowski, P.V., 2000, Akkadian Loanwords in Biblical Hebrew (HSSt 47), Winona Lake IN
  • Margalith, O., 1994, The Sea Peoples in the Bible, Wiesbaden
  • Militarev, A. / Kogan, L., 2000, Semitic Etymological Dictionary (AOAT 278/1), Münster
  • Muchiki, Y., 1999, Egyptian Proper Names and Loanwords in North-West Semitic (SBL.DS 173), Atlanta GA
  • Powels, S., 1992, Indische Lehnwörter in der Bibel, ZAH 5, 186-200
  • Seow, C.L., 1996, Linguistic Evidence and the Dating of Qohelet, JBL 115, 643-666
  • Young, I. (Hg.), 2003, Biblical Hebrew: Studies in Chronology and Typology (JSOT.S 369), London
  • Young, I. / Rezetko R. / Ehrensvärd, M. (Hgg.), 2008, Linguistic Dating of Biblical Texts (2 Bd.e), London / Oakville
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