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Lexikon

Laus

Peter Riede

(erstellt: Aug. 2009)

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1. Läuse als Plage

Hin und wieder wird in der Literatur die Vermutung geäußert, bei der in Ex 8,12-14 geschilderten Plage könnte es sich um eine Läuseplage gehandelt haben, (so z.B. Feliks, Biblisch-historisches Handwörterbuch 2, 1245) und nicht um → Stechmücken (hebräisch kinnim). Jer 43,12 findet sich der Hinweis auf das „Entlausen“ des Landes Ägyptens, möglicherweise Bild für das Plündern der dort befindlichen Schätze (vgl. Fischer 2005, 426).

2. Lausarten als Mannaproduzenten

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Tamariske mit Manna.

Das → Manna, das in der Auszugsüberlieferung als wundersames Nahrungsmittel erwähnt wird (vgl. Ex 16 u.ö.), wird nicht vom Baum selbst, sondern von zwei, nur wenige Millimeter großen Schildlausarten aus der Familie der Pseudococcidae hergestellt (vgl. Keel 1984; Maiberger 1983 / 1984). Die Larven dieser Tiere und die Weibchen, die noch nicht mit der Eiablage begonnen haben, saugen mit ihren Saugrüsseln Pflanzensaft aus dem Baum ab. So erhalten sie den für ihren Aufbau nötigen Stickstoff und andere Nährstoffe. Den mit dem Saft aufgenommen Zuckerüberschuss spritzen sie als Exkremente ab, die die Gestalt von runden Tropfen haben und nach der Ausscheidung kristallisieren. Diese Sekrete ballen sich zu größeren Kügelchen zusammen und sehen auf den Zweigen des Baumes aus wie Regentropfen oder Tauperlen. Am Morgen sind sie fest, doch zerfließen sie in der mittäglichen Hitze rasch und überziehen die Zweige des Baumes dann mit einer dünnen Schicht. Daher sammelt man Mannakügelchen v.a. vormittags.

3. Die Kermesschildlaus

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 2 Eiersäcke einer Kermesschildlaus.

In der Mittelmeerregion ist die – weder im Alten noch im Neuen Testament namentlich genannte – Kermesschildlaus (kermes vermilio) belegt, die auf der Keremeseiche als Wirtspflanze lebt (vgl. dazu Zwickel 2002; Møller-Christensen u.a. 1969). Aus ihr wird die Kermesfarbe gewonnen (vgl. Karmesin, Scharlach; → Farben). Das Weibchen legt Ende Mai 1800-2000 Eier, stirbt danach ab und schützt die Eier mit dem schildartigen Körper. Zur Herstellung der Farbe sammelt man die toten Muttertiere zusammen mit den Eiern, tötet diese und legt sie 10-12 Stunden in Essig. Nachdem die Insekten getrocknet wurden, haben sie die Größe und Form von Rosinen. Diese Gebilde werden dann zerstoßen, wodurch ein rotes Pulver entsteht, das in Wasser aufgelöst wird. Die zu färbenden Stoffe werden dann über Stunden in die so entstandene Brühe gelegt und nehmen einen leuchtend roten Farbton an.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001

2. Weitere Literatur

  • Emerton, J.A., Lice or a Veil in the Song of Songs 1.7, in: A.G. Auld (Hg.), Understanding Poets and Prophets (JSOT.S 152), Sheffield 1993, 127-140
  • Fischer, G., Jeremia 26-52 (HThKAT), Freiburg 2005, 425f
  • Keel, O. / Küchler, M. / Uehlinger, C., Orte und Landschaften der Bibel, Band 1, Zürich u.a. 1984, 58-61
  • Maiberger, P., Das Manna (ÄAT 6), Wiesbaden 1983 / 1984
  • Møller-Christensen, V. / Jordt Jørgensen, K.E., Biblisches Tierlexikon (Bibel – Kirche – Gemeinde 4), Konstanz 1969, 164f
  • Zwickel, W., Färben in der Antike, in: ders. (Hg.), Edelsteine in der Bibel, Mainz 2002, 41-45, 43f

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Tamariske mit Manna. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Eiersäcke einer Kermesschildlaus. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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