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Lexikon

Laubhütte / Hütte

Edgar Kellenberger

(erstellt: Nov. 2009)

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1. Sprachliche Bezeichnung

Die fast identischen Bezeichnungen סך sok (selten שׂך śok) und סכה sukkāh hängen mit dem Verb סכך skk zusammen, das je nach Kontext den Aspekt des Geflochtenen, des (schützend) Bedeckenden oder des (dornigen) Dickichts zu erkennen gibt. Von daher wird verständlich, dass die Wörter sok und sukkāh nicht nur eine von Menschen errichtete Hütte bezeichnen, sondern u.a. auch das natürliche Dickicht als Rückzugsort des Löwen (Ps 10,9; Jer 25,38; Hi 38,40).

2. Biblische Überlieferung

2.1. Aussehen

Aus: Dalman, Bd. 2, Abb. 13

Abb. 1 Wächterhütte im Gurkenfeld (1899 bei Aleppo).

Im Unterschied zum stabilen, aus Steinen gebauten → Haus bestand eine Hütte aus Geäst. Dabei ist zu bedenken, dass das Land reich an Steinen und arm an Holz ist, so dass man öfters auch mit dornigem Gestrüpp vorlieb nehmen musste; dazu kamen meistens Blätter oder Stofflumpen. Deswegen ist die Hütte vom → Zelt nicht leicht zu unterscheiden. Bis in die moderne Zeit wurden solche Hütten von der arabischen Bevölkerung in Palästina benutzt.

2.2. Vorkommen

Aus: Dalman, Bd. 2, Abb. 14

Abb. 2 Wächtergestell mit Laube (Anfang 20. Jh. bei Bet-Schean).

Hütten dienten unterschiedlichen Zwecken: Man brauchte sie zur nächtlichen Bewachung während der Getreide- und Traubenernte (Jes 1,8; Hi 27,18), bei der Kriegsführung (2Sam 11,11; 1Kön 20,12-16) oder für die zeitweilige Unterbringung der Viehherde (Gen 33,17; hier auch der gleichlautende Ortsname → Sukkot). → Jona baut sich vor → Ninive eine Hütte, um zuzusehen, wie die Stadt untergeht (Jon 4,5). Hütten geben – wie z.B. Jona – Schutz vor Sonne und Regen (Jes 4,6) oder dienen als Versteck in Gefahr (Ps 27,5; Ps 31,21). Laubhütten gehören zudem konstitutiv zum → Laubhüttenfest. Üblicherweise wird die Hütte nur für eine beschränkte Zeit gebraucht; sie kann daher auch verfallen (Am 9,11 als Ausdruck des zerfallenen Reiches Davids; zitiert in Apg 15,16).

In poetischen Texten kann „Hütte“ im übertragenen Sinn den von Gott erschaffenen Kosmos meinen (Ps 18,12; Hi 36,29) sowie den Jerusalemer → Tempel (Ps 76,3 und möglicherweise auch Ps 42,5; parallel zu → Zelt in Klgl 2,4-6). Die Bezeichnung des Tempels als „Hütte“ soll vermutlich darauf hinweisen, dass das menschliche Bauwerk Gottes Würde nur ungenügend entsprechen kann. Falls auch auf die → Stiftshütte der Wüstenwanderungszeit, die allerdings אהל ’ohæl „Zelt“ genannt wird, angespielt sein sollte, dürfte am ehesten anklingen, dass Gott im Tempel nicht dauerhaft präsent ist, sondern dort wie in der Stiftshütte nur von Zeit zu Zeit erscheint.

Im Neuen Testament begegnet σκηνή skēnē (seltener σκήνωμα skēnōma) „Zelt / Hütte“ in der Verklärungsgeschichte Jesu, wo Petrus drei Hütten bauen möchte (Mt 17,4 Par.). In übertragener Weise erscheint das Wort in verschiedenen Zusammenhängen: für Gottes Wohnen im endzeitlichen Jerusalem (Apk 21,3; vgl. auch Hebr 8-9) oder als Bezeichnung für den vergänglichen menschlichen Leib (2Kor 5,1-4; 1Petr 1,13-14); von ewigen Hütten als Ort der Verstorbenen redet Luk 16,9.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., 1933/1935/1939, Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. 2/4/6, Gütersloh
  • Alt, A., 2. Aufl. 1968, Zelte und Hütten, in: ders., Kleine Schriften zur Geschichte des Volkes Israel, Bd. 3, München, 232-242

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Wächterhütte im Gurkenfeld (1899 bei Aleppo). Aus: Dalman, Bd. 2, Abb. 13
  • Abb. 2 Wächtergestell mit Laube (Anfang 20. Jh. bei Bet-Schean). Aus: Dalman, Bd. 2, Abb. 14

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