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Lexikon

Krokodil

Peter Riede

(erstellt: März 2010)

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© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Krokodil, das auf einem Landschaftsbild im Nil unter einem Papyrusboot liegt (Relief, Ägypten).

Das heute in Ägypten vollständig verschwundene, bis zu 7 m lange Krokodil war in der Antike dort massenhaft verbreitet, v.a. im Nil, und bedrohte den Menschen und seine Haustiere. Bei der Querung von Furten oder bei der Arbeit auf dem Wasser des Nils half man sich mit apotropäischen Gesten und Sprüchen. Aufgrund seiner Kraft und Gefährlichkeit fürchteten und verehrten es die Ägypter.

Aus: Wikimedia Commons; © Rémih, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 27.4.2010

Abb. 2 Der ägyptische Gott Sobek wurde krokodilköpfig dargestellt (Kom Ombo; ptolemäische Zeit).

An vielen Orten gab es Krokodilkulte, was sich darin zeigt, dass Krokodiltempel und -statuen belegt sind, aber auch daran, dass die Tiere nach dem Tod mumifiziert wurden. In ägyptischen Mythen gehört das Krokodil zu den Bereichen der gegenmenschlichen Welt. Da das Krokodil als Niltier für Ägypten typisch war, kann es im Alten Testament ebenso wie in ägyptischen Texten für den Pharao stehen (Ez 29,3; vgl. Ez 32,1-8).

In Mesopotamien kam das Tier dagegen nicht vor. Der König Aššur-bēl-kala (1074-1057 v. Chr.) erhielt aufgrund seines Interesses für fremdartige Tiere ein Krokodil vom ägyptischen König geschenkt.

Aus: O. Keel / M. Küchler / C. Uehlinger, Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1, Zürich u.a. 1984, 164 Abb. 88; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 3 Krokodilfang mit Angelhaken (Papyrus des Cha, um 1430 v. Chr.).

In Palästina waren Krokodile bis ins 19. Jh. im Nachal Tanninim „Krokodilfluss“ (in der Nähe von Cäsarea) beheimatet. Die Jagd auf das Krokodil geschah mit Angeln und einem Haken, an dem ein Köder befestigt war (Hi 40,25). Diese Art des Krokodilfangs ist auch auf einer Vignette aus einem Totenbuchpapyrus dargestellt (Abb. 3).

In Hi 40,25-41,6 finden sich zwei Gedichte, die sich auf das Krokodil beziehen und die die Ohnmacht des Menschen gegenüber diesem Tier deutlich machen. Die Beschreibung hebt u.a. den schuppenbewehrten Panzer (Hi 41,5ff), die furchtbaren Zähne (Hi 41,6), die Spuren, die es im Schlamm hinterlässt und die denen eines Dreschschlittens gleichen (Hi 41,22), und die Art, wie es vom Land ins Wasser wechselt (Hi 41,23), hervor. Neben dem Rachen ist vor allem der Schwanz des Krokodils gefährlich, mit dem das Tier seinen Opfern die Wirbelsäule brechen kann. Aufgrund seiner enormen Kraft wird es in Hi 41,26 gar als König der Tiere bezeichnet. Das Krokodil steht hier für eine Gegenwelt, die den Menschen bedroht. Der Kampf mit ihm galt als lebensgefährlich, daher sollte man ihn möglichst vermeiden (Hi 41,32).

Die im Hebräischen verwendeten Begriffe für das Krokodil tannîn und liwjātān (→ Leviatan) können auch mythische Chaosungeheuer in Schlangen- oder Drachengestalt umschreiben.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Paulys Real-Encyclopädie der classischen Alterthumswissenschaft, Stuttgart 1894-1972
  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928ff
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Boessneck, J., Die Tierwelt des alten Ägypten untersucht anhand kulturhistorischer und zoologischer Quellen, München 1988, 108-110
  • Douglas van Buren, E., The Fauna of Ancient Mesopotamia as Represented in Art (AnOr 18), Rom 1939, 96
  • Feliks, J., The Animal World of the Bible, Tel Aviv 1962, 95
  • Keel, O., JHWHs Entgegnung an Ijob. Eine Deutung von Job 38-41 vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Bildkunst (FRLANT 121), Göttingen 1978, 141-156
  • Keel, O., Zwei kleine Beiträge zum Verständnis der Gottesreden im Buch Ijob (XXXVIII 36f., XL 25), VT 31 (1981) 220-225
  • Keel, O. / Uehlinger, Chr., Göttinnen, Götter und Gottessymbole. Neue Erkenntnisse zur Religionsgeschichte Kanaans und Israels aufgrund bislang unerschlossener ikonographischer Quellen (QD 134), Freiburg 1998, 4. Aufl., Reg. s.v.
  • Møller-Christensen, V. / Jordt Jørgensen, K.E., Biblisches Tierlexikon, Konstanz 1969, 188-192
  • Schouten van der Velden, A., Tierwelt der Bibel, Stuttgart 1992, 62f

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Krokodil, das auf einem Landschaftsbild im Nil unter einem Papyrusboot liegt (Relief, Ägypten). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Der ägyptische Gott Sobek wurde krokodilköpfig dargestellt (Kom Ombo; ptolemäische Zeit). Aus: Wikimedia Commons; © Rémih, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 27.4.2010
  • Abb. 3 Krokodilfang mit Angelhaken (Papyrus des Cha, um 1430 v. Chr.). Aus: O. Keel / M. Küchler / C. Uehlinger, Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1, Zürich u.a. 1984, 164 Abb. 88; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz
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