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Lexikon

Krit

Andere Schreibweise: Kerit ; Cherith (engl.)

Bernhard Lehnart

(erstellt: April 2014)

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1. Vorkommen in der Bibel

Abb. 1 Elia am Bach Kerit (Johann Wilhelm Schirmer, 1807-1863).

Abb. 1 Elia am Bach Kerit (Johann Wilhelm Schirmer, 1807-1863).

Krit ist der Name des Baches, an dem der Prophet → Elia sich auf den Befehl Gottes verbergen soll, nachdem er gegenüber König → Ahab eine Dürreperiode in Israel angekündigt hat (1Kön 17,3.5; vgl. insgesamt 1Kön 17,1-5; → Dürre). Der Krit soll Elia das Wasser liefern, während → Raben ihn mit Brot und Fleisch versorgen.

Die Kennzeichnung des Krit als נַחַל naḥal „Fluß / Bach“ lässt im Unklaren, ob der Krit ganzjährig Wasser führt oder nicht (Thiel, 45f.; → Wadi). Von daher bleibt offen, ob der Krit als Folge der Dürre oder als ganz normales Geschehen austrocknet und so Elia zum Verlassen des Krit zwingt (1Kön 17,7).

2. Zur Lokalisierung des Kerit

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 2 Karte zur Lage des Wādī Jābis.

Der Name Krit, der entweder von כרה kārāh „graben / bohren“ oder כרת kārat „schneiden“ abzuleiten ist, verweist auf jeden Fall auf ein tief eingeschnittenes Bachtal. Dessen Lage ist jedoch unbekannt. Im Pilgerbericht der Egeria (ca. 400 n. Chr.) wird beschrieben, dass Egeria in der Nähe des Heimatortes von Elia, → Tischbe, das Tal Corra gezeigt wurde, mit dem ebenfalls eine Eliatradition verbunden sei: „Dies ist das Tal Corra, wo der hl. Elias, der Thesbiter, saß zu Zeiten des Königs Achab, als die Hungersnot herrschte, und auf Befehl Gottes brachte ihm ein Rabe Speise und aus diesem Bach trank er. Denn dieser Bach, den du aus diesem Tal in den Jordan einmünden siehst, der ist Corra.“ (Übersetzung nach Donner, 115f.). Gemeint ist hier wahrscheinlich das Wādī Jābis, das 7 km nördlich von Pella in den Jordan mündet. Diese Lokalisierung ist auch für einen Großteil der neueren Forschung akzeptabel (s. Thiel, 46). Allerdings war die Tradition schon in byzantinischer Zeit schwankend. Im Reisebericht des Pilgers von Piacenza (ca. 570 n. Chr.) wurde als Krit das Wādī l-Ḫārrar gezeigt, das bei Jericho, 1 km nördlich der Mündung des Wādī l-Qelṭ von Osten kommend in die Jordansenke mündet.

Umstritten ist die genaue Bedeutung der Wendung עַל־פְּנֵי ‘al pənê in 1Kön 17,3, mit der die Lage des Krit im Verhältnis zum Jordan näher bestimmt wird. Die von vielen angenommene Bedeutung „östlich / jenseits“ (so z.B. Gesenius, 18. Aufl., 1063) ist für diese Stelle nicht überzeugend. In Verbindung mit geographischen Angaben ist die Bedeutung „nahe bei / gegenüber von / in Richtung auf“ zutreffend (Simian-Yofre, 656), so dass eine Lokalisierung des Krit als westlichem Zufluss des Jordan nicht ausgeschlossen ist. Seit dem Mittelalter werden auch westlich des Jordan gelegene Bachläufe mit dem Krit in Verbindung gebracht. Am wichtigsten ist wohl die von Robinson 1841 ins Gespräch gebrachte Identifizierung mit dem Wādī l-Qelṭ, das sich von Jerusalem nach Jericho erstreckt; sie scheitert jedoch daran, dass der rege Reiseverkehr zwischen Jerusalem und Jericho für ein Versteck kaum geeignet ist (Döller, 225).

Die Lage des Krit bleibt unbekannt. Allerdings spricht die Heimat des Propheten Elia in dem Gebiet von Gilead und die Notwendigkeit, sich vor König Ahab zu verstecken, eher für eine Lokalisierung im Ostjordanland, so dass das Wādī Jābis nach wie vor die wahrscheinlichste Lösung darstellt.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Encyclopaedia Judaica, Jerusalem 1971-1996
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff
  • Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament, 5. Aufl., München / Zürich 1994-1995
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • The Oxford Encyclopedia of Archaeology in the Near East, Oxford / New York 1997
  • New International Dictionary of Old Testament Theology and Exegesis, Grand Rapids 1997
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Döller, J.,1904, Geographische und ethnographische Studien zum III. und IV. Buche der Könige (Theologische Studien der Leo-Gesellschaft 9), Wien
  • Donner, H., 3. Aufl. 2011, Pilgerfahrt ins Heilige Land. Die ältesten Berichte christlicher Palästinapilger (4.-7.Jh.), Stuttgart
  • Robinson, E. (Hg.), 1841, Palästina und die südlich angrenzenden Länder: Tagebuch einer Reise im Jahre 1838 in Bezug auf die biblische Geographie unternommen von E. Robinson und E. Smith, Halle
  • Simian-Yofre, H., 1989, Art. פנים pānîm, ThWAT VI, Stuttgart u.a., 629-659
  • Thiel, Winfried, 2000, Könige (BKAT IX/2, Faszikel 1), Neukirchen-Vluyn

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Elia am Bach Kerit (Johann Wilhelm Schirmer, 1807-1863).
  • Abb. 2 Karte zur Lage des Wādī Jābis. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
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