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Lexikon

Kot / Mist / Dreck

Claudia Bergmann, Aaron Schart

(erstellt: März 2012)

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1. Kot und Mist

1.1. Begriffe für Kot und Mist

Obwohl man davon ausgehen kann, dass man sich im alten Israel, ähnlich wie in modernen Sprachen, wegen des damit verbundenen Ekel-Gefühls davor scheute, Ausdrücke für „Kot“ zu gebrauchen, enthält die Hebräische Bibel Aussagen über menschliche und tierische Ausscheidungen. Dabei werden verschiedene Begriffe verwendet: צֵאָה ṣe’āh, wörtlich „das Herausgegangene“, bezeichnet menschlichen Kot (nur Dtn 23,14; Ez 4,12), פֶּרֶשׁ pæræš den Magen- und Darminhalt von Tieren (z.B. Ex 29,14; Lev 4,11-12), גִּלּוּלִים gillulîm, von גלל gll „rollen“, Mistkugeln, Kötel und Haufen (z.B. Lev 26,30), גֵּל gel den menschlichen Kot (nur Ez 4,12.15; Hi 20,7), דֹּמֶן domæn den Dung (z.B. 2Kön 9,37) und אַשְׁפֹּת ’æšpot den Mist und Misthaufen sowie Fäkalien und Abwässer, die in Jerusalem in offenen oder abgedeckten kleinen Straßenkanälen am „Misttor“ (Neh 2,13; Neh 3,14; Neh 12,31) aus der Stadt geleitet wurden (Klgl 4,5).

1.2. Umgang mit Kot und Nutzung von Mist

Kot und Dreck sind aus hygienischer und ritueller Sicht höchst bedenkliche Dinge, deshalb muss der Umgang mit ihnen sehr vorsichtig geschehen. Meist wird generell verfügt, dass sich der Mensch strikt von Kot fern halten soll. Kot soll aus dem Wohn- und Lebensbereich des Menschen weggeschafft, verbrannt oder in irgendeiner anderen Weise verbannt werden. In Dtn 23,13-14 wird zum Beispiel geregelt, dass die menschliche Notdurft (צֵאָה ṣe’āh) vor dem Lager verrichtet und dann unter Benutzung eines Werkzeugs tief vergraben werden muss. Der hygienische Aspekt dürfte dabei, insbesondere bei der letzten Bestimmung, wichtiger sein, als dass der Vorgang den Blicken der Mitmenschen entzogen werden soll. Aber auch ein ritueller Aspekt kommt hier zum Tragen. Das Lager muss heilig bleiben, und damit kot-frei, weil Gott selbst dort anwesend sein will und ist. Auch der Magen- und Darminhalt (פֶּרֶשׁ pæræš) von geschlachteten Opfertieren war außerhalb des Lagers zu verbrennen (z.B. Ex 29,14; Lev 4,11-12). Die Anwesenheit von Kot widerspricht also dem Konzept ritueller Reinheit oder Heiligkeit und könnte die potentielle Anwesenheit Gottes an einem solchen verunreinigten Ort verhindern.

Als positive Nutzung des tierischen Kots kannte man in Israel dessen Verwendung im getrockneten Zustand als Brennmaterial. Im äußersten Notfall, wenn gar nichts anderes mehr greifbar war, z.B. in einer belagerten Stadt, hat man wohl auch menschliche Exkremente zum Heizen und Kochen benutzt. So nennt Ez 4,12-15 „Haufen von Ausgegangenem des Menschen“ (גֶּלְלֵי צֵאַת הָאָדָם gæləlê ṣe’at hā’ādām; Ez 4,12; Ez 4,15) als Brennmaterial. Der Text macht aber zugleich deutlich, dass es dazu der Überwindung von Ekel- und Unreinheitsgefühlen bedurfte.

1.3. Kot und Mist in bildlicher Sprache

Ez 4,12-15 macht anschaulich deutlich, wie Begriffe für „Kot“ oder „Dreck“ metaphorischen Wert annehmen konnten. Einerseits antizipiert die prophetische Symbolhandlung des Heizens mit Kot die Ressourcenknappheit im belagerten Jerusalem. Andererseits wird damit auch metaphorisch darauf angespielt, mit welch ekelhaften Praktiken sich Israel nach Meinung des Propheten gegenüber Gott versündigt hatte.

Ähnliches lässt sich beim Begriff „Mist“ (אַשְׁפֹּת ’æšpot) beobachten: Mit Mist umzugehen, zählte zu den Tätigkeiten mit dem geringsten Sozialprestige. Metaphorisch stehen dann diejenigen, die solche Tätigkeiten ausüben müssen, für alle Menschen, für die Gottes Hilfe die letzte Hoffnung darstellt, weil sie von ihren Mitmenschen ausgeschlossen werden und von ihnen kein Mitgefühl mehr zu erwarten haben (Klgl 4,5; 1Sam 2,8; Ps 113,7).

Gott kann aber auch umgekehrt die Feinde zu erniedrigten Menschen machen und sie wie Stroh in der Jauchegrube zerstampfen (Jes 25,10). Abtrünnigen Priestern wird in Mal 2,3 angedroht, dass JHWH sie mit Kot von Opfertieren bespritzen wird. Diese göttliche Handlung hat die kultische Unreinheit der betreffenden Priester zur Folge, so dass diese nun nicht mehr in ihrer ursprünglichen Funktion agieren können. So wird metaphorisch zum Ausdruck gebracht, dass Gott einer bestimmten Priestergruppierung androht, ihr das Priesteramt zu entziehen.

1.4. Fäkalsprache

Da Ausdrücke aus dem Wortfeld „Kot und Mist“ in hohem Maße mit Unreinheits- und Ekelgefühlen besetzt waren und beim Hörer sofort den Reflex auslösten, sich von Dingen, die mit solchen Ausdrücken belegt wurden, zu distanzieren, benutzten eifernde Propheten und Erzähler die Fäkalsprache, um illegitime Vorstellungen und Verhaltensweisen zu brandmarken.

In 1Kön 14,10 sagt der Prophet → Ahija voraus, dass Gott denjenigen, „der zu → Jerobeam gehört“ wie „Kot“ wegfegen wird. Für die deutsche Übersetzung legt sich durchaus das umgangssprachliche Wort „Scheiße“ nahe. Nach 2Kön 9,37 hat → Elia angekündigt, dass die Leiche der → Isebel wie „Dung“ (דֹּמֶן domæn) auf dem Feld liegen wird (siehe auch Jer 8,2). Heidnische Tempel können als „Latrinen“ bezeichnet oder zu solchen gemacht werden (2Kön 10,27, vielleicht auch Dan 2,5 und Dan 3,29). Die in heidnischen Tempeln aufgestellten Götzenbilder werden als „Mistkugeln / Haufen“ oder „Kotlinge / Mistlinge“ beschimpft (גִּלּוּלִים gillulîm; 1Kön 15,12, auch Lev 26,30; → Götterpolemik). Umgekehrt verfügt Darius in Esr 6,11, dass das Haus eines jeden, der den Neubau des Tempels verhindert, zu einer Latrine gemacht werden soll.

2. Dreck

2.1. Der Begriff für Dreck

Das Nomen שִׁקּוּץ šiqûṣ ist in der Hebräischen Bibel 28-mal belegt (8-mal bei Ezechiel, 5-mal bei Jeremia, 3-mal bei Daniel, je 1-mal bei Jesaja, Hosea, Nahum, Sacharia; die restlichen Belege im Deuteronomium und im deuteronomistischen und chronistischen Geschichtswerk). Es stammt von der Wurzel שׁקץ šqṣ, die nach HALAT (vgl. KBL) möglicherweise als Šaf‛el der Wurzel קוץ qûṣ (Nebenform קוט qûṭ) „Ekel / Abscheu / Grauen empfinden“ zu verstehen, vielleicht jedoch von akkadisch šaqāṣu / šakāṣu „böse blicken“ abzuleiten ist. Paschen (S. 27) vermutet eine „Verbalableitung von קוץ „Ekel haben“ mit dem kausativen Element ša-.“ Brown / Driver / Briggs verweisen zur Wurzel שׁקץ šqṣ auf das assyrische Wort šikṣu, das wohl eine (Haut?-)Krankheit bezeichne. Da es fast ausschließlich metaphorisch gebraucht wird, ist es schwierig, die Grundbedeutung zu ermitteln, doch bezeichnet es wohl nicht speziell Kot, sondern Dreck in einem umfassenden Sinne. Für die Bedeutung sind insbesondere Nah 3,6 und Sach 9,7 aufschlussreich.

2.1.1. Nahum 3,6 Nah 3,6. In einer hasserfüllten Rede gegen → Ninive, die Hauptstadt des → Assyrerreiches, die als Ursprung mannigfacher Unterdrückung und Ausbeutung erfahren wurde, droht → Nahum der als → „Hure“ dargestellten Stadt eine schändliche Strafe an. Zuerst wird sie nackt öffentlich zur Schau gestellt und dann auch noch mit שִׁקֻּצִים šiquṣîm beworfen (Nah 3,5-6). Das Resultat beider Handlungen wird dann in Nah 3,7 beschrieben: Wer die entblößte und beworfene Frau sieht, wird sofort fliehen.

Aus dem Duktus des Textes ist klar, dass hier einer Frau so ziemlich das Schlimmste angetan werden soll, was denkbar ist. Ebenfalls ist klar, dass es sich um eine bildliche Rede handelt. Die Stadt ist, wie so oft, als Frau personifiziert. Dass sie als Hure dargestellt wird, verweist metaphorisch auf ihre zerstörerische Macht. Die angedrohte Bestrafung der Hure durch das entehrende Entkleiden ist ebenfalls metaphorisch gemeint. In Wirklichkeit wird sich die Strafe durch die militärische Eroberung und völlige Entmachtung Ninives vollziehen. Ein besonderes Problem ist die Verwendung des Plurals שִׁקֻּצִים šiquṣîm: Vermutlich soll durch die Verwendung eines Abstraktplurals eine zusätzliche abwertende Nuance in die Schilderung eingebracht werden.

Der metaphorischen Strafansage unterliegt wahrscheinlich ein typischer Vorgang, mit dem eine der Hurerei überführte Frau von der Dorfgemeinschaft entehrt und gebrandmarkt wurde. Auch wenn in den Gesetzestexten keine entsprechenden Regelungen zu finden sind, fällt doch auf, dass sich in Jes 47,3 und Hos 2,3 der gleiche Vorgang in einer Strafandrohung gegen eine hurerische Frau findet, freilich ebenfalls in bildlicher Sprache. Der Nahumtext geht über die Strafe der öffentlichen Präsentation der nackten Frau noch hinaus, indem er auch noch das Bewerfen mit שִׁקֻּצִים šiquṣîm androht. Der Kontext legt nahe, dass es sich auch in diesem Fall um eine kollektiv vollzogene Ächtung einer Person durch die Dorfgemeinschaft handelt. Wenn diese Vermutung richtig ist, dann dürfte es sich bei שִׁקּוּץ šiqûṣ am ehesten um den Dreck handeln, den die aufgebrachte Menge spontan vom Boden aufgreift, um ihn auf die zu entehrende Person zu schleudern (vgl. Rudolph; Seybold). Dass es sich dabei speziell um „Kot“ handelt, wie als Grundbedeutung von שִׁקּוּץ šiqûṣ immer wieder vermutet wird (siehe Bibelübersetzung Gute Nachricht: „Mit Kot bewerfe ich dich, …“), ist unwahrscheinlich.

Auch nach Fabry wird die Hure nicht mit Kot beworfen: „Sicher stehen der hebräischen Sprache viele Vokabeln zur Bezeichnung von Schmutz und Fäkalien zur Verfügung. Mit שׁקצים wählt Nahum aber genau die Vokabel, die seit der deuteronomisch / deuteronomistischen Literatur nahezu ausschließlich in der Götzenpolemik verankert ist. Nie wird dieses Wort im Alten Testament im profanen Sinne gebraucht, vielmehr bezeichnet es im Buch Levitikus die unreinen und nicht opferbaren Tiere, sonst die Götzenbilder. Es ist also nicht möglich, diesen Begriff als Bezeichnung für ‚Unrat, Kot‘ … zu verstehen. … In solche Niederungen der Sprache lässt sich Nahum jedoch nicht hinab!“ Als Alternative schlägt Fabry, wie schon einige Exegeten vor ihm, vor, dass Ninive in Nah 3,6 „mit seinen eigenen Götzenbildern beworfen“ wird, „so wie man Schmutz auf jemanden wirft“ (196).

Weder eine solche gedankliche Konstruktion des Bewerfens mit Götzenbildern noch die Ablehnung von Nahums vermeintlicher „Fäkalsprache“ sind jedoch nötig, wenn man in Betracht zieht, dass hinter jedem Begriff einer Sprache eine Vielzahl von Bedeutungsebenen stehen kann. Gerade ein abstraktes Nomen wie „Abscheuliches / Widerliches“ verlangt geradezu nach einem gedanklichen Hintergrund, der erklärt, warum etwas abscheulich oder widerlich ist. Die vielen Querverbindungen, die שִׁקּוּץ šiqûṣ mit dem Wortfeld „Kot“ aufweist, helfen, die offensichtliche und die sprachlich etwas verborgener liegende Bedeutung von שִׁקּוּץ šiqûṣ zu erfassen.

2.1.2. Sacharja 9,7. Sach 9,7 erlaubt in ähnlicher Weise wie Nah 3,6 einen Rückgriff auf die Grundbedeutung von שִׁקּוּץ šiqûṣ. Dort wird, nach einer furchtbaren Strafandrohung gegen die philistäischen Städte, vorausgesagt, dass JHWH die Philister dazu bringen wird, auf den Genuss von „Blut“ und שִׁקֻּצִים šiquṣîm zu verzichten. Auch in diesem Fall dient die Verwendung des Plurals vermutlich dazu, eine besondere emotionale Nuance in die Formulierung zu bringen. Am ehesten sind hier Speisesitten im Blick, die aus Sicht der gesetzestreuen Judäer besonders abstoßend waren. Folgt man den meisten Exegeten, bezeichnet שִׁקּוּץ šiqûṣ hier verbotenes Fleisch (vgl. Willi-Plein; siehe auch Luther-Bibel 1984: „das, was mir ein Gräuel ist“; Gute Nachricht: „das Fleisch der Tiere, die er verabscheut“). Diese Bedeutungsfestlegung dürfte aber erheblich zu eng sein. Wahrscheinlich geht es um alle möglichen Speisen, die man als dreckig und abstoßend empfand. Dass man allerdings den Philistern unterstellte, menschliche oder tierische Ausscheidungen zu essen, erscheint zu weit hergeholt.

2.2. Dreckige, unreine Tiere

In Lev 11 wird geregelt, welche → Tiere als menschliche Speise geeignet sind. Nacheinander werden die Landtiere (Lev 11,1-8), die Wassertiere (Lev 11,9-12), die Vögel (Lev 11,13-23) und die Kriechtiere (Lev 11,29-31a; Lev 11,41-43) genannt und es wird festgelegt, welche Tierarten für den Verzehr erlaubt sind und welche nicht. Die ausgeschlossenen Tierarten werden allesamt mit dem Begriff שֶׁקֶץ šæqæṣ „dreckig / Dreckiges“ belegt (Lev 11,10.11.12.13.20.23.41.42, Plaut übersetzt „abomination“).

Warum eine Speise oder ein Tier in der Hebräischen Bibel als rein oder unrein deklariert wird, ist nicht immer leicht zu verstehen (→ rein / unrein). Auch die langen Diskussionen im Talmud und der rabbinischen Tradition, aber auch in der frühen und modernen Forschungsgeschichte bringen oft wenig Klarheit.

Plaut führt an, dass schon im Talmud eingeräumt wird, dass es Gesetze gibt, für die kein rationaler Grund erkennbar ist: „The Talmud divides all the commandments into two classes: (1) ‚those which should have been given had they not been given’, i.e. moral and social laws whose value is evident, and (2) ‚those about which Satan and the Gentiles can raise questions’, because they have no rational explanation.“ (Plaut, 809).

Schon → Philo von Alexandrien hatte angesichts fehlender anderer Gründe die Moral als den Grund angegeben, warum es Speisegesetze gibt. Verbotene Speisen, so sagte er, dienten dazu, uns zu lehren, unseren Appetit zu zügeln. Etwa tausend Jahre später vertrat → Maimonides ähnliche Gedanken. Auch er hob die Selbstkontrolle hinsichtlich möglicher Speisen auf dem Weg zur menschlichen Perfektionierung hervor. Bei Maimonides und kurz vorher bei Rabbi Samuel ben Meir (Rashbam) taucht erstmalig der Gedanke auf, dass die Speiseverbote gesundheitliche Gründe haben.

Bis heute wird oft vertreten, dass שֶׁקֶץ šæqæṣ ursprünglich das „Gesundheitsschädliche“ bezeichnet. Warum etwas als „gesundheitsschädlich“ beurteilt wurde, ist nur in wenigen Fällen rekonstruierbar. So schreibt auch Plaut (810): „One can hardly doubt that some of the dietary laws had salutary results in terms of health. But we have no evidence that this was their intent.“ Der Bezug eines Tieres zu Dreck, Schmutz und Schlamm könnte aber eine wichtige Rolle gespielt haben. Gerstenberger (128) schreibt den Gedanken, dass Tiere „unrein“ sind und anderes „unrein“ machen, dem Sprachgebrauch einer späteren redaktionellen Bearbeitung zu (Lev 11,26.27.29.31.43).

2.3. Dreck in bildlicher Sprache

2.3.1. Emotionale Konnotationen

Dreckiges, Gesundheitsschädliches und Unreines sind nicht nur für die Gesundheit des Menschen gefährlich, sondern der Mensch entwickelt demgegenüber auch Gefühle des Ekels und der Abscheu. In vielen Texten hat man den Eindruck, dass durch die Verwendung der Begriffe eher diese Gefühle wachgerufen werden sollen, als dass konkrete Gefahrenobjekte im Blick sind. In Lev 11 wird שֶׁקֶץ šæqæṣ deshalb häufig mit „Abscheuliches“ (engl. Torah: „abomination“) wiedergegeben. In der Tat scheint es in Lev 11 nicht nur darum zu gehen, den Menschen vor Schädlichem zu schützen, sondern auch seine Emotionalität so zu steuern, dass er vor dem Verzehr bestimmter Tiere einen Ekel entwickelt.

2.3.2. Dreck als Schimpfwort für Götzen

שִׁקּוּץ šiqûṣ „Dreck“ wird oft im kultischen Kontext verwendet und bezeichnet kultische Vergehen (vgl. Jeremias). Daher zählt der Begriff neben Bezeichnungen für „Nichtigkeit“ und „Schändlichkeit“ zum alttestamentlichen Spottvokabular für Götzen und Götzenbilder (vgl. Schroer). Die deutschen Begriffe aus dem semantischen Feld „Abscheuliches / Widerliches“, mit denen שִׁקּוּץ šiqûṣ meist übersetzt wird, geben den Begriff nur abgeblasst wieder.

שִׁקּוּץ šiqûṣ kann im Singular, aber vor allem im Plural als pejorative Bezeichnung für fremde Gottheiten dienen und insbesondere deren Kultbilder und Symbole bezeichnen. In diesem Zusammenhang dürfte der Singular so etwas bedeuten wie das einzelne Gebilde aus Dreck, der Plural dagegen in abstrakter Verwendung so etwas wie „Dreckszeug“.

Bei den Darstellungen fremder Götter, die mit diesem Schimpfwort belegt werden, kann es sich konkret um ein Götzenbild z.B. von → Milkom, → Kemosch, → Moloch und → Astarte (1Kön 11,5.7; 2Kön 23,13.24) handeln oder um ein Götzenbild im Allgemeinen. Nach 2Kön 23,13 hat König → Josia die schon als „Dreckszeug“ disqualifizierten Götzen auch noch „unrein gemacht“ (טמא ṭm’ Pi.), d.h. entweiht. Das Danielbuch benutzt die Bezeichnung „Dreckszeug der Verwüstung“ (šiqûṣ šômem Dan 12,11; ähnlich Dan 11,31; Dan 9,27), um das von → Antiochus IV. Epiphanes im Tempel aufgestellte Götzenbild zu disqualifizieren. Schon Nestle hatte vermutet, dass Daniel damit den Gottesnamen „Baal Schamem“ („Herr des Himmels“) zu šiqûṣ šômem verballhornt. Andere Texte, in denen שִׁקּוּץ šiqûṣ größere oder kleinere Götzenbilder und vielleicht auch → Amulette bezeichnet, sind Jer 4,1; Jer 7,30; Jer 13,27; Jer 16,18; Jer 32,34; Ez 5,11; Ez 7,20; Ez 11,18.21; Ez 20,7.8.30 und Ez 37,23.

In Dtn 29,16 wird שִׁקֻּצִים šiquṣîm parallel zu גִּלּוּלִים gillulîm „Kotlinge / Mistlinge“ (s.o.) verwendet. Da der Begriff deswegen die gleiche pejorative emotionale Qualität haben dürfte, ist er mit „Dreckszeug“ zu übersetzen.

Hin und wieder wird dann auch der Bogen vom verabscheuungswürdigen Götzenbild zu denen gezogen, die dieses bzw. die Gottheit, die es darstellt, verehren. In Hos 9,10 werden beide, Götze, Götzenbild und Götzenverehrer, als Dreckszeug (שִׁקֻּצִים šiquṣîm) bezeichnet. In 2Kön 23,24 ist Dreckszeug (הַשִּׁקֻּצִים haššiquṣîm) der Sammelbegriff für alle Kultfunktionäre und Kultgegenstände, die → Josia ausrottete.

2.4. Außerbiblischer und nachbiblischer Sprachgebrauch

שׁקוץ šiqûṣ wird in → Qumran ähnlich wie in der Hebräischen Bibel verwendet. In der Damaskusschrift bezieht es sich zum Beispiel auf unreine Tiere (CD 12,11) oder ein generelles Sich-Verunreinigen (CD 7,3). In der Gemeinschaftsregel (1QS 10,22) bezeichnet der Plural שׁקוצים šiquṣîm etwas, das auf der Zunge liegt und offensichtlich das Gegenteil von „Frucht der Heiligkeit“ (פרי קודשׁ pǝrî qôdæš) darstellt. Ob dieser „Zungenbelag“ allerdings mit dem vorher genannten Lügen und Betrügen gleichzusetzen ist oder etwas anderes darstellt, das wirklich oder bildlich auf der menschlichen Zunge liegt, wird nicht klar.

Im rabbinischen Judentum bezeichnet שִׁקּוּץ šiqûṣ generell „abscheuliche Dinge“, vor allem aber unreine Tiere und verbotene unreine Nahrungsmittel. Im modernen Hebräisch wird der Begriff für „verruchte Taten“ im religiösen Kontext benutzt.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff
  • Lexikon der Bibel, Eltville am Rhein 1990 (Art. Mist)
  • Lexikon zur Bibel. Wuppertal 1992 (Art. Mist)
  • Dictionary of Biblical Imagery, Downers Grove 1998 (Art. Dung)
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003 (Art. Kot)

2. Weitere Literatur

  • Collins, J.J., 1993, Daniel: A commentary on the Book of Daniel (Hermeneia), Minneapolis
  • Fabry, H.-J., 2006, Nahum (HThK.AT), Freiburg im Breisgau
  • Gerstenberger, E.S., 1993, Das 3.Buch Mose, Leviticus (ATD 6), Göttingen
  • Jeremias, J., 1970, Kultprophetie und Gerichtsverkündigung in der späten Königszeit (WMANT 35), Neukirchen-Vluyn
  • Nestle, E., 1884, Zu Daniel, ZAW 4, 248
  • Paschen, W., 1970, Rein und unrein: Untersuchung zur biblischen Wortgeschichte (StANT 24), München
  • Plaut, W.G., 1981, The Torah: A Modern Commentary, New York
  • Rudolph, W., 1975, Micha, Nahum, Habakuk, Zephanja (KAT 13,3), Gütersloh
  • Rudolph, W., 1981, Haggai, Sacharja, Maleachi (KAT 13,4), Berlin
  • Schroer, S., 1987, In Israel gab es Bilder: Nachrichten von darstellender Kunst im Alten Testament (OBO 74), Freiburg (Schweiz) / Göttingen, 350-353
  • Seybold, K., 1991, Nahum, Habakuk, Zephanja (ZBK.AT 24,2), Zürich
  • Willi-Plein, I., 2007, Haggai, Sacharja, Maleachi (ZBK.AT 24,3), Leipzig 152-161
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