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Lexikon

Kolosserbrief

Angela Standhartinger

(erstellt: Jan. 2010)

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1. Überblick

1.1. Inhalt (Überblick)

Grafik: Angela Standhartinger

Abb. 1 Bibelkundlicher Überblick Kolosserbrief

Der Kolosserbrief ist an eine Paulus persönlich unbekannte Gemeinde in Kolossä, einer Kleinstadt im Lykostal ca. 170 km östlich von Ephesus im kleinasiatischen Hinterland, gerichtet. Ob Paulus in dieser Gegend Gemeinden gegründet hat, muss nach Apg 16,6 und Apg 18,23 offen bleiben. Im Kol tritt als Gemeindegründer Paulus’ Mitarbeiter Epaphras auf. Epaphras befindet sich bei Paulus im Gefängnis (Kol 4,12f). Der Brief zählt mit Phlm, Phil und Eph daher zu den Gefangenschaftsbriefen. Die meisten Ausleger halten den Brief aber für ein deuteropaulinisches Schreiben. Der Brief zielt auf Weiterverbreitung mindestens in den Nachbarstädten Laodicea und Hierapolis (Kol 2,1; Kol 4,13; Kol 4,15-16) und zeigt deutlich universalistische Tendenzen (Kol 1,23; Kol 1,28-2,1).

Der Brief möchte die Gemeinde(n) ermutigen und gegenüber Verunsicherungen von innen und außen (die sogenannte kolossische Irrlehre oder Philosophie) festigen (Kol 1,23; Kol 2,4; Kol 6-23). Zu ihr spricht der zwar „leiblich abwesende“, aber durch den Brief geistige anwesende Apostel Paulus (Kol 2,5) und versichert ihr seinen Beistand und Kampf für das Evangelium (Kol 1,28-2,3). Die Gemeinde(n) wird bzw. werden ihrer versöhnten und mit der bereits geschehen Auferstehung begründeten himmlischen Existenz (Kol 1,12-22; Kol 1,26f; Kol 2,2f; Kol 2,6f; Kol 2,9-15; Kol 2,19) erinnert und zum Feststehen und Standhalten ermutigt. Dazu dient unter anderem der Christushymnus (Kol 1,15-20) und ein mythologisches Fragment (Kol 2,14f). Die Gemeinde wird schließlich ausführlich zu einem Verhalten ermahnt, das ihrer neu gewonnen Existenz entspricht (Kol 3,1-4,6).

1.2. Komposition

Während sich der briefliche Rahmen in Kol 1,1f und Kol 4,7-18 recht eindeutig bestimmen lässt, macht der eigentliche Briefkorpus Probleme. Eine Reihe von Auslegerinnen und Auslegern nehmen eine Zweiteilung in einen lehrhaften (Kol 1,3-2,23) und einen ermahnenden Teil (Kol 3,1-4,6) an. Allerdings fallen die Imperative bereits ab Kol 2,6 auf. Daher votieren andere Auslegungen für die Bestimmung eines Briefcorpus in Kol 2,6-4,6 bzw. in Kol 1,24-4,6, je nachdem, ob man in Kol 1,24-2,5 eine „briefliche Selbstvorstellung“ des Paulus (Wolter) als eigenen Teil abgrenzen möchte oder nicht.

1.2.1. Der briefliche Rahmen

Das Schreiben folgt in den meisten formalen Charakteristika den Paulusbriefen. Die Absenderangabe im Präskript ist identisch mit 2Kor 1,1. Die Adressierung „an die in Kolossä wohnenden heiligen und treuen Geschwister in Christus“ erinnert an 1Kor 1,2 und Phil 1,1. Wie in Röm 1,1-7 fehlt das Stichwort ekklēsia (ἐκκλησία). Die Salutatio erscheint in einer Kurzform. Anders als die paulinischen Briefpräskripte im Gal 1,1-5, Röm 1,1-7 oder 1Kor 1,1-3 enthält das Präskript im Kol theologische Erweiterungen.

Der Briefschluss setzt in Kol 4,7-9 mit persönlichen Mitteilungen ein. Die Grußliste ist sowohl auf der Seite der Grüßenden (Kol 4,10-14) als auch auf der Seite der zu Grüßenden (Kol 4,15-17) mit Mitteilungen und Aufträgen stark erweitert. Kol 4,18 erwähnt die eigenhändige Unterschrift des Paulus und einen Gedenkwunsch.

Mitabsender ist Timotheus. Im Brief wechseln sich Wir- und Ich-Passagen ab. Ob Epaphras auch als Mitabsender gedacht ist, muss offen bleiben. Ihm wird ein glänzendes Zeugnis ausgestellt (Kol 1,7f; Kol 4,12f) und er erweist sich als Nachahmer des Paulus, aber sein erneutes Erscheinen in Kolossä wird nicht in Aussicht gestellt. Kontaktleute und Briefboten sollen vielmehr Tychikus und Onesimus sein (Kol 4,7-9).

Der Brief reflektiert seine Funktion für die Gemeinde (Kol 2,1-5) und sorgt zum ersten Mal im Corpus Paulinum für seine Weiterverbreitung durch Abschrift und Vorlesen (Kol 4,16). Dabei kommt auch die Verbreitung von Gemeindebriefen „aus Laodizea“ (Kol 4,26) in den Blick.

1.2.2. Das Proömium

Die Abgrenzung des Proömiums ist auf Grund von zu vielen Gliederungssignalen schwierig. Man kann einen ersten Einschnitt nach der Danksagung für Glauben, Liebe, Hoffnung und Bestand der Gemeinde in Kol 1,8 finden oder im Anschluss an den folgenden Gebetsbericht für weiteres Wachstum und Standhaftigkeit der Gemeinde in Kol 1,9-11. Ebenso möglich ist es, die sich anschließende Aufforderung zum Dank für den erhaltenen „Anteil am Los der Heiligen im Licht“ in Kol 1,12-14 hinzuzufügen. Da dieser Abschnitt jedoch die Einleitung für den folgenden Christushymnus (Kol 1,15-20) darstellt, der in Kol 1,21-23 in seiner Bedeutung für die Gemeinde ausgelegt wird, ist das Proömium eigentlich erst in Kol 1,23 abgeschlossen. Dieser Vers enthält jedenfalls eine Inklusion durch Wiederaufnahme zentraler Stichworte und Gedanken aus Kol 1,5f. Betont sind die weltweite Ausbreitung des Evangeliums (Kol 1,5f / Kol 1,23) und der gegenwärtige Heilsstand der Gemeinde (Kol 1,4f; Kol 1,12-14; Kol 1,21f).

1.2.3. Der Briefkorpus

Als Selbstvorstellung/Selbstempfehlung des Apostels könnte Kol 1,24-2,5 ebenfalls dem Proömium als Nachrichten vom Absender zugeordnet werden (vgl. z.B. 1Thess 2,1-12). Häufiger wird es allerdings als Überleitung zum Hauptteil verstanden. Der Abschnitt setzt Wissen über Paulus voraus und erläutert die überraschende These, dass der Apostel „in seinem Fleisch“ auffüllt, was an Leiden des Christus noch fehlt (Kol 1,24). Wie in Kol 1,6 und Kol 1,23 ist nicht nur die Gemeinde in Kolossä und ihre Nachbargemeinde (Kol 2,1), sondern die ganze Welt als Ziel der apostolischen Verkündigung im Blick (Kol 1,28f). Der briefliche Paulus blickt auf sein eigenes Wirken (Kol 2,1) zurück. Körperlich abwesend versichert er den Adressaten seinen geistigen Beistand (Kol 2,5). Auch dieser Abschnitt enthält Inklusionen zu Kol 4,2-14 (vgl. Kol 2,5 / Kol 4,3-6; Kol 1,28f / Kol 4,12f).

Bereits in Kol 2,4 und dann verstärkt in Kol 2,6-23 wird dann vor Menschen gewarnt, die mit „Überredungskunst täuschen“ (Kol 2,4), mit „Philosophie“, „leerem Trug“ und „Überlieferung von Menschen nach den Elementen der Welt rauben“ (Kol 2,8), „richten“ (Kol 2,16f) und „verurteilen“ (Kol 2,18f) und zwar in Bezug auf Speisen, Speisegebote, Festzeiten und einem Gottesdienst der oder im Angesicht von Engeln. Gegen diese argumentiert der Verfasser unter Rückbezug auf den Hymnus mit der These (Kol 2,9f), die Glaubenden seien nicht nur in der Taufe mit Christus begraben, sondern mit ihm bereits auferweckt (Kol 2,12f; Kol 2,20; Kol 3,1; anders Röm 6,3f). Ihnen seien die Sünden vergeben, was der Verfasser mit einem mythologischen Fragment belegt (Kol 2,14f), das von der Tilgung des Schuldscheins durch seine Anheftung an das Kreuz und der Täuschung und dem Triumph über Mächte und Gewalten handelt.

Da die Glaubenden mit Christus auferweckt sind, sollen sie auch an das, was oben ist, denken. Kol 3,1-4 bringt die Einleitung zur Ethik, der dann in Kol 3,5-9 ein Lasterkatalog folgt und die schließlich in Kol 3,12-13 in einen Tugendkatalog übergeht. Im Mittelpunkt steht das Bild vom Anziehen des neuen Menschen (Kol 3,10f). In Aufnahme des Taufbekenntnisses aus Gal 3,28 / 1Kor 12,12 sind im neuen Menschen alle sozialen Differenzen aufgehoben (Kol 3,11). Kol 3,14-17 beschreiben das Gemeindeleben, aus dem der Dankgottesdienst mit „Psalmen, Hymnen und geistgewirkten Liedern“ (Kol 3,16) hervorsticht. Einen in sich geschlossenen und mit Kol 3,11 schwer zu vereinbarenden Abschnitt bildet die sogenannte Haustafel (Kol 3,18-4,1), die Frauen, Kinder und Sklaven zur Unterordnung unter Ehemänner, Väter und Herren auffordert. Kol 4,2-6 schließt die Ermahnungen durch Aufforderung zur Fürbitte und zum vernünftigen Verhalten gegenüber den Außenstehenden ab.

2. Textüberlieferung und Stil

Der Kolosserbrief ist bereits in der ältesten Paulusbriefsammlung (P46, Ende 2. Jh.) enthalten sowie in den großen Bibelhandschriften des 4. und 5. Jh. (Sinaitikus א, Vatikanus B etc). Unter den interessanten Textvarianten ist der Wechsel von „euch“ und „uns“ in Kol 1,7; Kol 1,12; Kol 2,13; Kol 3,4; Kol 4,8 zu bemerken Die literarische Einheitlichkeit des Kol wird zurzeit nicht bestritten.

Auffällig ist der sprachliche Stil. Der Kol liebt gehäufte Genitivverbindungen (z.B. „im Wort der Wahrheit des Evangeliums“ Kol 1,5), Pleonasmen (z.B. durch Adjektiv- oder Partizipreihungen vgl. Kol 1,23; Kol 2,7) und lange Sätze (z.B. Kol 1,3-8) mit vielen Relativanschlüssen, deren Bezüge häufig mehrdeutig sind (vgl. z.B. Kol 1,6). Der Brief enthält je nach Zählung zwischen 34 und 37 Hapaxlegomena sowie 61 bis 87 Wörter, die bei Paulus sonst nicht vorkommen.

3. Entstehung: Die Frage nach dem Verfasser

Kann man bezüglich der Hapaxlegomena noch darauf verweisen, dass diese vorwiegend in Traditionsmaterial enthalten sind und dass auch andere Paulusbriefe einiges an Sondervokabular aufweisen, wurden die allermeisten Auslegerinnen und Ausleger durch die stilanalytischen Untersuchungen von Walter Bujard überzeugt, „daß die Differenz zwischen dem Stil des Kol und dem der Paulusbriefe nach Einheitlichkeit, Art und Größe so gravierend ist, daß eine Verfasserschaft des Paulus für den Kol schon allein von daher ausgeschlossen werden muß“ (220). Neben den oben genannten sprachlichen Auffälligkeiten fallen insbesondere das Zurücktreten diatribischer Elemente und der Partikelgebrauch ins Gewicht. Einige Autoren nehmen eine „nebenpaulinische“ Abfassung des Kol durch einen Mitarbeiter (entweder Timotheus oder Epaphras) an. Dieser habe, weil Paulus in der Gefangenschaft dazu nicht in der Lage war, Paulus Gedanken an die Gemeinde formuliert. (Schweizer; Luz; Dunn). Dafür sprechen vor allem die konkreten und persönlichen Nachrichten (Kol 4,7-18), die Nähe zur paulinischen Diktion und die persönliche Unterschrift des Paulus (Kol 4,18).

Grafik: Angela Standhartinger

Abb. 2 Vergleich 1: Namenslisten im Philemonbrief und Kolosserbrief

Allerdings gibt es gewichtige Gegenargumente, die für eine pseudepigraphe Abfassung nach dem Tod des Paulus sprechen:

Grafik: Angela Standhartinger

Abb. 3 Vergleich 2: Abhängigkeit Philemonbrief - Kolosserbrief

1) Zentrale paulinische Gedanken erscheinen in veränderter Form. So ist Christus das Haupt seines Leibes (Kol 1,18; Kol 2,18f) und nicht mit seinem Leib identifiziert (1Kor 12,12-27; Röm 12), die Getauften sind bereits jetzt mit Christus auferstanden (Kol 2,12f; Kol 3,1; anders Röm 6,3-5), eschatologische Erwartung tritt zurück (außer Kol 3,4 und Kol 3,25), Hoffnung wird zum Hoffnungsgut (Kol 1,5; Kol 1,23; Kol 1,27: Bornkamm 1961); die Begriffe „Gesetz“ und „Gerechtigkeit“ fehlen.

Grafik: Angela Standhartinger

Abb. 4 Vergleich 3: Selbstzitat des Hymuns (Kol 1,16.18f und Kol 2,9f)

2) Wie Eduard Lohse erstmals gezeigt hat, erweist sich der Kol als literarisch abhängig vom Phlm. Dies lässt sich an der Übereinstimmung der Namenslisten (Kol 4,10-17 mit Phlm 2,23f) und der Einleitung ins Proömium (Kol 1,4 entspricht Phlm 5) zeigen. Dabei fällt eine für den Kolosserbrief charakteristische Zitierweise auf. Der Kol zitiert die Namen aus dem Phlm chiastisch (Vergleich 1). Ebenso verfährt Kol 1,4 mit Phlm 5 (Vergleich 2) und einem Selbstzitat aus dem Hymnus (1,16.18f) in Kol 2,9f (Vergleich 3). Eine solche Selbstzitierung ist für Paulus sonst nicht nachweisbar. Sie macht aber auch wahrscheinlich, dass die persönlichen Nachrichten fiktive Situationsbeschreibungen darstellen, die zum einen Nähe und Anteilnahme vermitteln sollen. Zum anderen entsteht durch sie das Bild des kranken und insbesondere von jüdischen Mitarbeitern verlassenen Paulus (Kol 4,7-14). Seine Gefangenschaft wird nachdrücklich betont (Kol 4,2f; Kol 4,18).

Die Ausleger, die eine nebenpaulinische Abfassung vermuten, rechnen zumeist mit einer Abfassung in der letzten Gefangenschaft in Caesarea oder Rom Anfang der 60er Jahre des 1. Jh. Die anderen rechnen mit einer Abfassung bald nach dem Tod des Paulus, zwischen 64 und 80 n. Chr. Ein Abfassungsort lässt sich aus dem Brief nicht erschließen. Ephesus oder die Städte im Lykostal wurden vorgeschlagen. Der Kol ist somit der älteste pseudepigraphe Paulusbrief. Sicher zitiert wird der Brief im Eph und bei Irenäus, Haeresis III 14,1 am Ende des 2. Jh.3) Es gibt deutliche Hinweise, dass die Verfasserinnen und Verfasser wissen, dass Paulus bereits tot ist. Dies wäre jedenfalls eine einfache Erklärung für die These, dass Paulus an seinem Leib „auffüllt, was an Leiden Christi noch fehlt“ (Kol 1,24). Es würde auch erklären, warum Paulus im Perfekt von allen spricht, „die ihn nicht mehr gesehen haben“ (Kol 2,1) und warum der Apostel die Gemeinde(n) bittet, für die „Befreiung des Wortes“ und nicht seiner Person zu beten (Kol 4,3f). Durch den Brief wird der nun leiblich abwesende Paulus geistig in der Gemeinde anwesend (Kol 2,5). Es ist eine Art Himmelsbrief an die Hinterbliebenen (Betz).

4. Religionsgeschichtlicher Hintergrund

4.1. Die „Irrlehre“ oder kolossische Philosophie

Als Intention hinter der Abfassung des Briefes wird von den meisten Auslegerinnen und Auslegern die Zurückweisung oder Bekämpfung einer die Gemeinde bedrängenden „Irrlehre“ oder Philosophie gesehen. Sie habe, so ein weitgehender Konsens, zwar noch wenig Einfluss oder Rückhalt in der Gemeinde, aber sie stelle eine ernsthafte Bedrohung für das glaubende Selbstverständnis der Gemeinde dar. Einige Auslegerinnen und Ausleger übernehmen das Stichwort „Philosophie“ aus Kol als Selbstbezeichnung. Die religionsgeschichtliche Identifikation bleibt aber umstritten. Denn anders als Paulus im Gal oder 2Kor argumentiert der Kol nicht mit dieser Gruppe, sondern weist sie imperativisch zurück: „Dies sage ich, damit niemand euch täuscht“ (Kol 2,4); „Seht, dass niemand euch rauben wird“ (Kol 2,8); „Niemand nun soll euch richten“ (Kol 2,16); „Niemand soll euch verurteilen“ (Kol 2,18). Hinter den Näherbestimmungen dieser Imperative werden Schlagworte aus der Theologie und Lehre der Gegnerinnen und Gegner vermutet. Das Problem ist allerdings, dass dies nicht einfach ein einheitliches Bild gibt, sondern verschiedene. So finden einige Auslegerinnen und Ausleger in Kol 2,4 die Methode und in Kol 2,8 die Selbstbezeichnung der Gruppe angesprochen. Verbunden mit dem Stichwort „Weltelemente“ (στοιχεῖα τοῦ κόσμου) könnte dies die Gegnerinnen und Gegner als Neupythagoreer (Schweizer) oder Mittelplatoniker (DeMaris) erweisen. Aber auch Kynismus (Martin) ist vorgeschlagen worden, wobei dann die Formulierung „durch Überredungskünste täuscht“ in Kol 2,4 die Diskussionsmethoden und Kol 2,20-23 die asketisch-weltverachtende Praxis demonstrieren. Das in Kol 2,16 erwähnte „Essen und Trinken“ sowie „Festtage, Neumonde und Sabbate“ weisen für andere Ausleger auf das Judentum. Sie übersetzten daher in Kol 2,16: „Niemand soll euch richten wegen Essen und Trinken…“. Allerdings wäre die grammatisch näherliegende Übersetzung: „Niemand soll euch richten beim Essen und Trinken“, womit sich die Kritik dann während der gemeindlichen Mahlfeiern abspielen würde (Martin, Standhartinger 1999, 185-190). Bei der Annahme jüdischer Gegnerinnen und Gegner verweisen einige Auslegerinnen und Ausleger auf die in der Gegend verbreiteten Synagogen (Dunn) und entdecken eine Auseinandersetzung um Toraobservanz (Stettler 2005). Am meisten umstritten ist Kol 2,18: „Niemand soll euch mutwillig verurteilen in Demut und Verehrung der Engel, was sieht, wenn er eintritt, grundlos aufgeblasen vom Denken seines Fleisches…“. Unklar ist, ob die Gemeinde einen Gottesdienst im Kreise der Engel feiert oder die Gegner mystische Aufstiegserfahrungen machen, ob „in Demut“ positiv oder negativ wertend gemeint ist und in welcher Hinsicht dieses oder jenes zur Aufgeblasenheit führt. Je nach Deutung gibt der Vers Anhaltspunkte für gnostisches Judentum (Bornkamm 1948; Attridge), Apokalyptik bzw. mystisches Judentum (Francis; Sappington; Smith), lokale phrygische Religionen (Arnold) oder Mysterienkulte (Dibelius). Die Übersetzung von Kol 2,20-23 gestaltet sich insgesamt schwierig, da unklar ist, was Position und was Kritik sein soll. Die Verse werden in unterschiedlichen Übersetzungen zu den jeweiligen Argumentationen unterstützend hinzugezogen. Schließlich gibt es Auslegerinnen und Ausleger, die ob des beschriebenen Dilemmas auf die (Re)Konstruktion der gegnerischen Position verzichten (Hooker; Standhartinger 1999).

4.2. Der Christushymnus (Kol 1,15-20)

Die meisten Auslegungen sehen in Kol 1,15-20 einen auf Christus gedeuteten ursprünglichen Weisheitshymnus eingebracht (Käsemann, Gordley). Die Bezeichnung als Hymnus muss dabei nicht unbedingt Gesang implizieren (vgl. aber Kol 3,16). Anders als griechischen Hymnen fehlt dem Text das Metrum, die Anrufung der Gottheit und eine Bitte. Jedoch handelt es sich eindeutig um gehobene Prosa, die Psalmensprache imitiert (Stettler 2000; Gordley). Diskutiert wird, inwieweit die Verfasserinnen und Verfasser des Kol den „Hymnus“ bearbeitet haben. Zur Debatte stehen V. 16b („weder Throne noch Herrschaften, Mächte und Gewalten“), V. 18a („der Versammlung/Kirche“) und V. 20b („durch das Blut seines Kreuzes“). Die meisten Auslegungen nehmen zwei Strophen in Kol 1,15-18a und Kol 18b-20 an, die parallel eingeleitet den Anfang und Endpunkt eines Geschehens preisen. Dabei sehen die einen ein „Schöpfungsmittler-Inthronisationslied“ ähnlich Hebr 1,3 (Wengst 186-194), andere die Mittlerschaft in Schöpfung und Erlösung dargestellt (Stettler 2000; Gordley). Unumstritten macht die erste Strophe (Kol 1,15-18) viele Anleihen bei jüdischer Weisheitstheologie: Die Weisheit ist auch „Bild (εἰκών) Gottes“ (Philo, Legum Allegoriae I 43; vgl. auch Weish 7,26), sie ist „Erstling von Gottes Schöpfung“ (Spr 8,22; Sir 24,9; Weish 9,9) und „Werkmeisterin seiner Schöpfung“ (Weish 7,12; 8,4.6; Philo, De Fuga et Inventione 110). Sie tritt auf in der himmlischen Versammlung (Sir 24,2). Die zweite Strophe (V. 18b-20) beschreibt den Endpunkt eines Geschehens. Auch sie hat Parallelen, z.B. erscheint die Formulierung „Erstgeborener der Toten“ in Apk 1,5; Kol 1,19 nimmt Ps 68,17 auf, verweist aber mit dem Stichwort „Fülle“ (πλήρωμα) wiederum in die jüdische Weisheit (Weish 1,7; Weish 7,24 u.ö.). Der Gedanke der Weltversöhnung entstammt möglicherweise einer vorpaulinischen Tradition (vgl. 2Kor 5,19; Röm 11,15; Breytenbach). Dabei sind die Begriffe „Versöhnen“ (ἀποκαταλλάσσω) und „Frieden stiften“ (εἰρηνοποιέω) im Kontext des griechisch-römischen Herrscherlobpreises beheimatet.

Die erste Strophe des Hymnus beschreibt das schöpfungshandelnde Wirken des in die Rolle der jüdischen Weisheit eintretenden Christus. Die zweite Strophe betrachtet vom Ende her das Geschick ihres auserwählten Gerechten. Stärker als in Weish 5,1-4 oder Weish 10, wo die Weisheit zwar den leidenden Gerechten beisteht, sich aber nicht mit ihnen identifiziert, ist Christus hier explizit durch seinen Kreuzestod welterhaltend (V.19), friedensstiftend und versöhnend wirksam.

4.3. Ein mythologisches Fragment (Kol 2,14f)

Kol 2,14-15 wird mit und ohne die Verse Kol 2,9-13 manchmal als hymnisches Traditionsstück bezeichnet. Auch hier fallen der Partizipialstil und das gehäufte Auftreten von Hapaxlegomena auf. Kol 2,14 evoziert ein Bild aus dem antiken Schuldrecht und spricht vom „Ausradieren“ eines Schriftstücks, wobei χειρόγραφον ein Fachterminus für „Schuldurkunde“ ist. Das griechische Wort δόγμα (Erlass, Edikt) wird häufig in diesem Kontext als „Forderung“ verstanden. Die Verbindung mit dem Verb „annageln“ (προσηλόω) spricht aber eher für das Aufstellen einer Inschrift (Llewelyn). Kol 2,15 bringt zwei weitere Bildfelder ins Spiel, zum einen das Bild vom Triumphzug, bei dem die besiegten Heerführer und Könige an der Spitze des Zuges neben Beutestücken, Schlachtdarstellungen und Bildern der eroberten Landschaft mitgeführt und somit „öffentlich zur Schau gestellt“ werden. Zum anderen das Bild von der „Entkleidung der Mächte“. Versteht man das eigentlich mediale Partizip ἀπεκδυσάμενος aktivisch, so wäre die Entkleidung der Mächte ein Bild ihrer Entmachtung. Nimmt man aber das griechische Medium ernst, so würde es lauten: „er (Christus) entkleidete sich der Mächte und Gewalten.“ Dann ist hier ein Mythos vorausgesetzt, in dem Christus durch das Ablegen seiner Kleider sich entweder der Mächte und Gewalten entledigt oder sie durch Offenbarung seines bisher verhüllten göttlichen Wesens besiegt (vgl. 1Kor 2,6-8).

4.4. Die Haustafel (Kol 3,18-4,1)

Der Begriff Haustafel stammt eigentlich aus dem Kleinen Katechismus von Martin Luther. Seit dem frühen 20. Jh. wird er als Gattungsbegriff für Texte verwendet, die Ermahnungen an hierarchisch aufeinander bezogene Gruppen innerhalb des antiken Hauses (Oikos) enthalten. Die Ermahnungen spiegeln eine patriarchalische bzw. kyriarchalische Herrschaftsform, in der Frauen, Kinder, Sklavinnen und Sklaven zur Unterordnung unter Ehemänner, Väter (Eltern) und Herrn aufgefordert werden. Die Herren bzw. Männer werden dagegen zu liebendem, mildem und vernünftigem Verhalten ermahnt.

Kol 3,18-4,1 ist die älteste Haustafel im Neuen Testament. Sie wird in Eph 5,20-6,9 literarisch bearbeitet. 1Petr 2,18-3,7 ist zwar formal weniger durchkomponiert, inhaltlich aber verwandt. Im Kontext ist Kol 3,18-4,1 auffällig wenig integriert. Die Haustafel widerspricht Kol 3,10f. Beim Anschluss von Kol 4,2 an Kol 3,17 würde inhaltlich nichts fehlen. Dennoch halten die wenigsten Auslegerinnen und Ausleger den Text für eine Glosse.

Der Inhalt und die einzelnen Ermahnungen sind nicht neu und im Kol vor allem nur wenig, kenntlich durch Hinweise wie „im Herrn“ (Kol 3,18; Kol 20), durch jüdisch-christliche Tradition überarbeitet. Inhaltlich lassen sich viele Parallelen in der griechisch-römischen und jüdisch-hellenistischen Literatur (z.B. bei Pseudo-Phokcylides 157-227; Josephus, contra Apionem 2.201ff) aufzeigen. Die sich in den Ermahnungen spiegelnden Verhältnisse im antiken Oikos werden in der antiken Oikonomik, der Lehre von der guten Verwaltung eines Hauses als kleinste wirtschaftliche Einheit, wie sie ausgehend von Aristoteles, Politeia 1255b-1259b und Xenophon, Oikonomikos auch in römischer Zeit vielfach beschrieben wird (Balch 1981; Woytke), dargestellt. Hinsichtlich der Form wurde auf die Verwandtschaft mit stoischen Pflichtentafeln (Seneca, Epistulae 94; Weidinger), neupytagoreeischen Überlieferungen (Balch 1992) und populärphilosophischen Pflichtenreihen (Standhartinger 2001) hingewiesen.

Die Funktion der Haustafel wird unterschiedlich bestimmt. Während einige hier die Grundlegung christlicher Familien- und Sozialethik finden, haben andere eine apologetische Absicht vermutet, die das frühe Christentum gegen den Vorwurf von Staatszersetzung und Unmoral schützen wollte. Dritte schließlich entdecken kritische Potentiale christlicher Ethik an den hierarchisch-patriacharlischen Verhältnissen der Umwelt. Diese werden dann entweder in der Christuszentrierung im Gesamtbrief oder in den Ermahnungen zu gewaltlosem und liebevollem Verhalten in der Männer-, Väter-, Herrenparänese (Kol 3,19; Kol 3,21; Kol 4,1) oder in einer Relativierung herrscherlicher Machtpositionen gefunden. Kol 3,11 sowie das aus dem antiken Antisklavereidiskurs stammende Stichwort „Gleichheit“ (ἰσότης) in Kol 4,1 geben möglicherweise auch Hinweise zur Kritik antiker Oikosethik.

5. Theologie

Die Theologie des Kol lässt sich eigentlich nicht systematisch darstellen. Vielmehr bringt der Text schon durch Sprache und Stil zum Ausdruck, dass es ihm mehr um meditative Erinnerung und Einübung als um lehrhafte Explikation geht. Mehrfach wird das neue Sein der Adressatinnen und Adressaten ihrem einstigen gegenübergestellt (Kol 1,20f; Kol 2,11-13; Kol 3,5-9; Kol 3,12-17). Dieses „einst-jetzt“-Schema, das der antiken Bekehrungssprache entstammt, kann auch kosmologisch entfaltet werden (Kol 1,26-27 vgl. 1Kor 2,6-9; Eph 3,5-12; Röm 16,25f). Zentral ist auch das Lob der Gemeinde (Kol 1,3-11). Sie wird mehrfach zur Danksagung aufgefordert (Kol 1,12; Kol 2,7; Kol 3,15; Kol 3,17) für das ihr zuteil gewordenen Heil – oder in der Sprache des Kol ausgedrückt: für die „Versetzung in die himmlische Wirklichkeit“ (Kol 1,12-14; Kol 3,1-4). Zugleich fällt die Häufung des Stichwortes „Weisheit“ (Kol 1,9; Kol 1,29; Kol 2,3; Kol 3,16; Kol 4,5) auf, was sich nicht zuletzt in dem weisheitstheologischen Hintergrund der hier entfalteten Christologie und Ethik spiegelt.

5.1. Christologie

Der Kolosserbrief vertritt eine hohe Christologie, die er durch Aufnahme einer Reihe von nicht immer ganz ausgeglichenen Traditionen untermauert. Ähnlich der jüdischen Weisheit preist der Hymnus Christus als Schöpfungsmittler und Erstling der Schöpfung, was eine Überlegenheit über alle himmlischen und irdischen Mächte und Gewalten impliziert (Kol 1,16; Kol 1,18a). Inwieweit seine Präexistenz an Gott heranreicht (vgl. Kol 1,17) bleibt offen. Gottes Weisheit ist in Christus jedenfalls ganz und gar verborgen (Kol 2,3; Kol 2,9). Wie Christus der Erstling der Schöpfung ist, so ist er auch der Erstling der Auferstehung (Kol 1,18b). Die Auferstehung begründet seine Weltdurchdringung und Weltversöhnung (Kol 1,19-20a; Kol 2,9f). Wenn in Kol 1,20b und Kol 1,21 Kreuz und leibliches Sterben als Ort der Versöhnung genannt werden, so scheint hier für Kol kein Widerspruch zu bestehen. Vielmehr fallen hier anscheinend Tod und Auferstehung zusammen.

5.2. Soteriologie

In soteriologischen Ausführungen nimmt der Kol eine Reihe paulinischer Begriffe und Metaphern wie „Loskaufung“ (Kol 1,14; vgl. Röm 3,24; Röm 8,23), „Versöhnung“ (Kol 1,20f: vgl 2Kor 5,18-19; Röm 5,6-11) und „Vergebung von Übertretungen“ (Gal 6,1; 2Kor 5,19; Röm 5,15-20; Röm 11,11f) auf sowie die Vorstellung von der in der Taufe oder Abendmahl geschehenen Vergebung der Sünden (Mt 26,28; Lk 24,47; Apg 2,38; Apg 5,31; Apg 10,43; Apg 13,38 u.ö.). Zugleich werden auch neue Bilder eingeführt wie „lebendig machen“ (Kol 2,13), „Errettung von der Finsternis“ oder der „Versetzung in das Reich“ (Kol 1,13) oder die Vorstellung einer durch Christus erfüllten Welt (Kol 2,10). Letztere stellen eine christologische Adaption jüdischer Weisheitstheologie dar. Überall wird die Gemeinde aufgefordert ihre erlöste Wirklichkeit wahrzunehmen. Die Gemeinde ist in der Taufe nicht nur mit Christus gestorben, sondern bereits auferstanden (Kol 2,12f; Kol 3,1-4; anders Röm 6,3-5). Die Taufe wird auch als „nicht von Händen gemachte Beschneidung“ bezeichnet (Kol 2,11).

5.3. Ethik

Dem neuen Sein entspricht in der Ethik das Denken dessen, „was oben ist“ (Kol 3,1f), und das Ausziehen des alten und Anziehen des neuen Menschen, das dem Bild des Schöpfers entspricht (Kol 3,10). Der Kol fordert daher zum Ablegen der irdischen Glieder auf. Die Ethik greift dabei auf Lasterkataloge (Kol 3,5-9) und Tugendkataloge (Kol 3,12f) sowie die Haustafel (Kol 3,18-4,1) zurück. Die Lasterkataloge sind in ihrem Grundbestand der jüdisch-hellenistischen Tradition (vgl. 1Thess 4,4-7; Gal 5,19-21) entnommen. Im Kol werden aber insbesondere Wortlaster betont, wie „Zorn, Wut, Schlechtigkeit, Lästerung, Schandrede und Lüge“ (Kol 3,8f). Entsprechend soll die Gemeinde den neuen Menschen (Kol 3,10-11) mit seinen an Gott erinnernden Tugenden „Erbarmen, Milde, Sanftmut und Geduld“ (Kol 3,12f) anziehen. Auch Tugendkataloge sind traditionell (vgl. z.B. Gal 5,22f). In dem neuen Menschen gilt in Anlehnung an die aus Gal 3,27f / 1Kor 12,12 bekannte Tauftradition: „Da ist nicht Grieche noch Jude, Beschneidung noch Unbeschnittenheit, Barbar, Skythe, Sklave und Freier.“ (Kol 3,11) Die Nennung der Skythen bleibt rätselhaft. Skythen galten als besonders grausam, also barbarisch, was anders als in allen andern Paaren keine Opposition beschreiben würde. Die Nennung eines konkreten Volkes verbindet den Kol aber mit imperialer Ikonographie (Maier).

Zur Intention der Haustafel siehe oben.

5.4. Ekklesiologie

Wie in der paulinischen Ekklesiologie ist die ekklēsia mit dem Leib gleichgesetzt (Kol 1,24; Kol 2,17; Kol 3,15) Anders als bei Paulus ist nicht die Ortsversammlung, sondern eine weltweite Kirche im Blick, deren Haupt nun Christus ist (Kol 1,18; Kol 2,19; anders 1Kor 12,12-27; Röm 12,4f). Durchgehend wird versucht die Gemeinde(n) als solche zusammenzuschließen, untereinander (Kol 2,2; Kol 3,14f) und mit ihrem Haupt Christus zu verbinden (Kol 2,19). Das Zentrum ihres Gemeindelebens ist der (himmlische) Dankgottesdienst mit Wort und Liedbeiträgen (Kol 3,15f; vgl. Kol 1,12-14). Die Gemeinde ist explizit aufgefordert sich gegenseitig zu leiten, zu belehren und aufzubauen (Kol 3,12-17; vgl. Kol 2,3f). In ihrer Mitte wohnen Frieden und Wort Christi (Kol 3,14f). Ob sich erste Anzeichen einer Ämterstruktur entwickeln (Kol 4,17) oder ob es sich um eine Kollegialmission handelt, wird diskutiert. Auffällig ist, dass die Mitarbeiter hier „Mitsklaven (syndoulos, σύνδουλος; Kol 1,7; Kol 4,7; vgl. aber Kol 4,11) und Gesandte Chrsiti (diakononos tou Christou; διάκονος τοῦ Χριστοῦ; Kol 1,7; Kol 4,7) heißen. Insbesondere Epaphras (Kol 1,7f; Kol 4,12-13), aber auch Tychikos und Onesimus (Kol 4,7-9) ahmen das Wirken des Paulus (Kol 1,18-2,2) nach. Paulus erscheint über Röm 15,19 hinaus als Weltmissionar (Kol 1,23-29). Seine leibliche Abwesenheit wird reflektiert (Kol 1,24-2,5; Kol 4,2f) und sein leidensvolles Bemühen um die Gemeinde betont.

5.5. Eschatologie

Wenn die Gemeinde bereits jetzt mit Christus auferstanden und ihre Versetzung in die himmlischen Sphären zum Ablegen des Irdischen (Kol 3,5) und zu spirituellen Dankgottesdiensten führt, bleibt wenig, was noch ausstehen könnte. Der Kol enthält nur Andeutungen einer eschatologischen Erwartung. Das Hoffnungsgut liegt für die Gemeinde im Himmel bereit (Kol 1,5) und ihr Leben ist derzeit „in Christus verborgen“ (Kol 3,3). Sie wartet auf die Offenbarung im Himmel. Kol 3,25 setzt die Vorstellung eines himmlischen Gerichts voraus. Die wenigen Andeutungen lassen sich kaum zu einem einheitlichen Bild verbinden.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

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Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Bibelkundlicher Überblick Kolosserbrief

    Grafik: Angela Standhartinger

  • Abb. 2 Vergleich 1: Namenslisten im Philemonbrief und Kolosserbrief

    Grafik: Angela Standhartinger

  • Abb. 3 Vergleich 2: Abhängigkeit Philemonbrief - Kolosserbrief

    Grafik: Angela Standhartinger

  • Abb. 4 Vergleich 3: Selbstzitat des Hymuns (Kol 1,16.18f und Kol 2,9f)

    Grafik: Angela Standhartinger

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