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Lexikon

Jotam

Andere Schreibweise: Jotham

Martin Mulzer

(erstellt: März 2007)

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1. Name

Der Name Jotam (יוֹתָם) bedeutet „Jahwe ist vollkommen“. Er besteht aus dem Gottesnamen „Jo“, einer Kurzform von „Jahwe“, und tmm „vollkommen (sein)“ (Suffixkonjugation oder Verbaladjektiv).

2. Jotam, der Sohn Jerubbaals

Jotam, der Sohn Jerubbaals (→ Gideon), tritt in Ri 9,5-21 (→ Richter / Richterbuch) auf. Als jüngster der 70 Söhne Jerubbaals entkommt er als einziger der blutigen Machtergreifung seines Halbbruders → Abimelech in → Sichem (Ri 9,5). Bekannt ist die sog. „Jotamfabel“ (Ri 9,8-15; → Fabel), die Jotam den Bewohnern Sichems vorträgt: Ölbaum, Feigenbaum und Weinstock lehnen es ab, König der Bäume zu werden, erst der ungeeignete Dornstrauch erklärt sich dazu bereit. Die Fabel passt nicht zur geschilderten Situation und ist traditionsgeschichtlich älter als der Kontext. Ausgelegt wird sie in der Jotamrede Ri 9,16-20, die an Ri 9,1-6 anknüpft und eine Unheilsankündigung für Abimelech und Sichem impliziert (vgl. Ri 9,57). Mit der Flucht nach Beer (Lage unbekannt) endet die Jotamepisode (Ri 9,21).

3. König Jotam von Juda

Jotam, der Sohn des → Asarja / Usija und der Jeruscha, war etwa in der Mitte des 8. Jh.s v. Chr. der 11. Nachfolger Salomos im Südreich. Seine genaue Regierungszeit bleibt hypothetisch. Donner (1986, 468) setzt sie 756-741 v. Chr. an. 2Kön 15,32-38 und 2Chr 27,1-9 berichten über Jotam: Danach wird er im Alter von 25 Jahren im 2. Jahr des Königs → Pekach von Israel König über Juda und herrscht 16 Jahre lang. Nach 2Kön 15,5 (2Chr 26,21) war er zunächst Koregent für seinen erkrankten Vater. Der deuteronomistische Verfasser von 2Kön 15,32ff. beurteilt ihn eingeschränkt positiv und weiß von Bautätigkeiten (erweitert in 2Chr 27,3-4) und von einem Konflikt mit Aram und Israel (nach 2Chr 27,5 besiegt er dagegen die Ammoniter).

4. Weitere Namensträger

1. In der Kalebiterliste (1Chr 2,42ff; → Kaleb) erscheint in 1Chr 2,47 ein Jotam als Sohn Jahdais und Urenkel Kalebs.

2. Auf hebräischen Siegeln (→ Siegel / Stempel) ist mehrfach der Personenname jtm („Jotam“?) belegt (vgl. Renz / Röllig, 2003, 263.451). Hervorzuheben ist ein Siegel aus dem 8. Jh. v. Chr. von Tell el-Chulēfe bei Aqaba (vgl. Galling; Keel / Küchler, 1982, 283f.).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001 (Artikel: Jotam, Fabel, Zeitrechnung)

2. Weitere Literatur

  • Bartelmus, R., 1991, Forschung am Richterbuch seit Martin Noth, ThRu 56, 221-259, 244-246

  • De Castelbajac, I., 2001, Histoire de la rédaction de Juges ix. Une solution, VT 51, 166-185, 176-184

  • Donner, H., 1986, Geschichte des Volkes Israel und seiner Nachbarn in Grundzügen, Bd.2 (ATD.Erg. 4/2), Göttingen

  • Fritz, V., 1996, Die Entstehung Israels im 12. und 11. Jahrhundert v. Chr. (Biblische Enzyklopädie 2), Stuttgart u.a., bes. 43-45.188-191

  • Galling, K., 1967, Miscellanea Archaeologica. 3. Das Siegel des Jotham von Tell el-Hlēfi, ZDPV 83, 131-134

  • Gesenius, W., Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament, bearbeitet und herausgegeben von H. Donner, Berlin u.a. 18. Aufl., 2. Lieferung 1995, 456

  • Jans, E., 2001, Abimelech und sein Königtum. Diachrone und synchrone Untersuchungen zu Ri 9 (ATSAT 66), St. Ottilien, bes. 141-186

  • Keel, O. / Küchler, M., 1982, Orte und Landschaften der Bibel. Bd.2: Der Süden, Zürich / Göttingen

  • Rechenmacher, H., 1997, Personennamen als theologische Aussagen (ATSAT 50), St.Ottilien, bes. 41f.63

  • Renz, J. / Röllig, W., 2003, Handbuch der althebräischen Epigraphik, Bd. II/2 Materialien zur althebräischen Morphologie. Siegel und Gewichte, Darmstadt

  • Schöpflin, K., 2004, Jotam’s Fable (Judges 9:8-15) – A Prophetic Text within the Book of Judges, in: M. Augustin / H.M. Niemann (Hgg.), „Basel und Bibel“. Collected communications to the XVIIth Congress of the IOSOT 2001 (BEATAJ 51), Basel, Frankfurt/M. u.a., 97-102
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