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Lexikon

Jojada

Andere Schreibweise: Jehoiada (engl.) ; Ioiada (lat.)

Ernst Axel Knauf

(erstellt: März 2011)

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1. Name

Jojada (judäisch יְהוֹיָדָע jəhôjādā‘, israelitisch und spät-bibelhebräisch יוֹיָדָע jôjādā‘) bedeutet „JHWH hat [den Namensträger] erkannt / kennt [ihn]“.

2. Person

Der Name Jojada ist für mehrere biblische Personen belegt:

(1) Der Vater von Benaja, dem Kommandeur von → Davids philistäischer Söldnertruppe (2Sam 8,18; 2Sam 20,23; 2Sam 23,20-22) und einer der Jerusalemer Putschisten, die → Salomo auf den Thron brachten und an der Macht erhielten (1Kön 1,8.26.32.36.38.44; 1Kön 2,25.29.34-35; 1Kön 4,4). → Benaja wird in 2Sam 8 bis 1Kön 4 nur zweimal ohne seinen Vatersnamen erwähnt (1Kön 1,10 und 1Kön 2,30). Es ist möglich, aber letztlich nicht zu beweisen, dass die Häufigkeit der Filiation nicht nur diesen Benaja vom „Benaja aus Piraton“ (2Sam 23,30) unterscheiden soll, sondern dass die „Söhne Jojadas“ seit der Zeit Salomos eine einflussreiche Jerusalemer Familie bildeten, die bis in die Perserzeit bedeutsam blieb, so dass es sich bei einigen der im Folgenden behandelten Personen um Angehörige dieser Familie gehandelt haben könnte. Sie stammt aus Kabzeel (2Sam 23,20) im → Negev (Jos 15,21).

Nach der → Chronik hat sich ein Priester namens Jojada → (2) als „Häuptling der Aaroniden“ David in Hebron angeschlossen (1Chr 12,28), dessen Sohn Benaja, einer der zwölf „Divisionskommandeure“, mit dem Benaja von 2Sam 23,20-22 (möglicherweise sekundär) identifiziert wird (1Chr 27,5-6). Benaja hat wiederum einen Sohn Jojada, der → Ahitofel als „Unterstaatssekretär“ dient (1Chr 27,34). Hier wird wohl die Bedeutung der perserzeitlichen „Söhne Jojadas“ → (4) und (5) an den Hof Davids zurückprojiziert.

(2) Der Oberpriester am Jerusalemer Tempel in der Regierungszeit Joaschs von Juda. Er wird in 2Kön 11,4 unvermittelt eingeführt und in 2Kön 12,10 zum letzten Mal namentlich erwähnt. Er verbindet die beiden Erzählungen, mit denen der „Rahmen“ (d.h. die exilische Grundschicht der → Samuel- und → Königsbücher; vgl. Grabbe) zur Regierung Joaschs (2Kön 12,1-2.18*.20-22) aufgefüllt ist: die „Verschwörung gegen → Atalja“ in 2Kön 11 und die → Ätiologie des „Tempelreparatur-Opferstocks“ in 2Kön 12. Dass im siebten Jahr → Jehus die Regentschaft für den unmündigen König wechselte, geht aus 2Kön 12,1-2 hervor; dass die Regentschaft zuvor von der Königin(mutter?) Atalja ausgeübt wurde, ist wahrscheinlich; dass sie den Regierungswechsel nicht überlebte, ebenfalls. Ein Interesse an der Beseitigung der letzten Omridin können sowohl Jehu wie → Hasael (vgl. 2Kön 12,18) gehabt haben.

Die Erzählung vom Sturz der Atalja in 2Kön 11 denunziert die omridische Prinzessin als „fremde Frau“ nach dem Modell, das der Rufmord an Isebel in 1Kön 16,30 - 2Kön 9,37 bereitgestellt hat. Nach dem Vorbild der gleichen, in dieser Form und in diesem Umfang bereits perserzeitlichen Makro-Erzählung wird auch in → Jerusalem ein Baals-Tempel zerstört (2Kön 11,18; vgl. 2Kön 10,18-28; → Baal), für dessen Existenz es keine Indizien außerhalb dieser Erzählung gibt. Auch der Baals-Tempel von → Samaria ist eine unhistorische Projektion, die architektonisch vom Zweiten Tempel in Jerusalem inspiriert ist. Die „Atalja-Erzählung“ wie die folgende „Tempel-Reparaturfonds-Erzählung“ weisen zahlreiche weitere Ungereimtheiten und Anachronismen auf:

● Atalja war nur durch ihren Sohn als Regentin legitimiert; ihn zu töten, hätte ihren sofortigen Untergang impliziert. Wenn es einen „Prinzenraub“ gegeben haben sollte, dann aus anderen Gründen (2Kön 11,1).

● Karische Söldner sind in Ägypten vom 7. bis ins 5. Jh. belegt; im Juda des 9. Jh. sind sie ein Anachronismus (2Kön 11,4 u.ö.).

● Die Organisation des Heeres in „Hundertschaften“ (2Kön 11,4) führt in die Perserzeit. In Israel und Juda war ein Regiment („Tausend“) in Kompanien von je 50 Mann organisiert.

● Die Mobilisierung der dienstbefreiten Wachen für seinen Putsch durch Jojada setzt voraus, dass der → Sabbat das Wochenende bezeichnet; vorexilisch handelte es sich dabei jedoch um den Tag des Vollmonds (vgl. Staubli, 72; 2Kön 11,5-9).

● Die Bewaffnung der Wachen mit Speeren und Köchern (dann wohl auch Bögen) entspricht der Bewaffnung der persischen „Unsterblichen“. In vor-persischer Zeit war ein Infanterist entweder mit einem Speer oder mit einem Bogen bewaffnet (2Kön 11,10).

● Das rätselhafte „Zeugnis“, das dem König bei seiner Krönung übergeben wird, stammt wohl aus Dtn 17,18, seinerseits ein Konzept, das erst nach dem Untergang des Königtums möglich war (2Kön 11,12).

● Der Ausdruck „gängiges Geld“ (כסף עובר kæsæf ‘ôver) setzt den perserzeitlichen Münz-Umlauf voraus und ist für Zeiten, in denen mit Hacksilber bezahlt wurde, sinnlos (2Kön 12,5).

● Das „Lösegeld für Menschen“ setzt Lev 27,2-8 voraus, seinerseits ein Zusatz zum bereits nachexilischen Korpus Lev 1-26 (2Kön 12,5).

● Dass der Tempel Reparaturen aus eigenen Einnahmen bestreiten musste, war ein Problem des Zweiten, nicht des Ersten Tempels, der zum königlichen Haushalt gehörte. Eine sich auf diese Reparaturen beziehende Inschrift „Joaschs“ hat sich als Fälschung herausgestellt.

Nach alledem ist der Priester Jojada ein nachexilischer Eintrag in die Königebücher. Mit der „Tempel-Reparaturfonds-Erzählung“ in 2Kön 12 wird einmal mehr der Zweite Tempel auf den ersten projiziert und – in dem Sinne, in dem die „Propheten“ Auslegung, damit auch Ergänzung und Aktualisierung der Tora sind – eine „Gesetzesnovelle“ geschaffen. Bei Jojada (2) handelt es sich historisch möglicherweise um Jojada (5). Die Sprache von 2Kön 12,5-17 ist bereits spätbiblisch-hebräisch (z.B. narrative Perfekte in 2Kön 12,10 und 2Kön 12,12); das Hebräisch von 2Kön 11 ist noch weiter vom klassischen Standard entfernt. Der in 2Kön 11,4 nicht eingeführte Jojada (ein Ungeschick, das die Chronik in ihrer Version bereinigt hat) ist aus 2Kön 12 eingedrungen, Jojada als Berater des Königs in 2Kön 12,3 wohl aus 2Chr 24,3.15-22. Verifizierbare vorexilische Bestandteile gibt es in 2Kön 11 nicht (anders Levin).

(3) Nach Jer 29,26 der Amtsvorgänger des Priesters Zefanja ben Maaseja am Jerusalemer Tempel zwischen 597 und 589 v. Chr.

(4) Jojada ben Paseach, ein Sippenoberhaupt und/oder judäischer Aristokrat. Er trug die Hälfte des Aufwands für die Reparatur des „Alten Tores“ von Jerusalem 445/444 v. Chr. (Neh 3,6) und war vielleicht ein Nachkomme von Jojada (1).

(5) Ein Priester am Zweiten Tempel, Sohn des Eljaschib und Urenkel des → Jeschua (durch → Haggai und → Sacharja für 520-518 belegt), Vater des → Jonatan (Neh 12,10-11) und eines anonymen Sohnes, der eine Tochter des samarischen Statthalters → Sanballat geheiratet hatte und von → Nehemia aus Jerusalem vertrieben wurde (Neh 13,28), sowie Großvater des Jaddua. Den Priestern von Eljaschib bis Jaddua werden Verdienste um die Organisation der Jerusalemer Priesterschaft zugeschrieben (Neh 12,22). Jojada (5) könnte ein Nachfahre von Jojada (3) sein; größer ist jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass er das Vorbild für Jojada (2) abgab.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Grabbe, L.L., 2007, Mighty Oaks From (Genetically Manipulated?) Acorns Grow: „The Chronicle of the Kings of Judah“ as a Source of the Deuteronomistic History, in: R. Rezetko / T. Lim / W.B. Aucker (Hgg.), Reflection and Refraction (FS A.G. Auld), Leiden, 155-173
  • Knauf, E.A., 2003, Jehoash’s Improbable Inscription: Biblische Notizen 117, 22-26
  • Knauf, E.A., 2 Könige 1-16 (HThKAT, in Vorbereitung)
  • Levin, C., 1982, Der Sturz der Königin Atalja. Ein Kapitel zur Geschichte Judas im 9. Jahrhundert v. Chr. (SBS 105), Stuttgart
  • Müllner, Ilse, 2007, Bad Women. Isebel, Atalja, die Macht und das Böse, in: H. Kuhlmann / S. Schäfer-Bossert (Hgg.), Hat das Böse ein Geschlecht? Theologische und religionswissenschaftliche Verhältnisbestimmungen, Stuttgart, 151-161
  • Staubli, T., 2003, Sin von Harran und seine Verbreitung im Westen, in: T. Staubli (Hg.), Werbung für die Götter. Heilsbringer aus 4000 Jahren, Fribourg, 65-89
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