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Lexikon

Joahas

Andere Schreibweise: Joachas ; Joahaz ; Joachaz ; Jehoachas ; Jehoachaz

Klaus Koenen

(erstellt: Febr. 2013)

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Andere Schreibweisen: Joachas; Joahaz; Joachaz; Jehoachas; Jehoachaz

1. Name

Der Name Joahas (hebräisch יוֹאָחָז jô’āḥāz 2Kön 14,1; 2Chr 34,8; 2Chr 36,2.4; häufiger belegt in der Langform יְהוֹאָחָז jəhô’āḥāz) besteht aus dem Gottesnamen Jahwe (יְהוֹ jəhô bzw. יוֹ ) und der Wurzel אחז ’ḥz „ergreifen / festhalten“. Er bedeutet „Jahwe hat ergriffen / hält fest“. Damit gibt er entweder einer besonderen göttlichen Erwählung Ausdruck oder dem Schutz Gottes und entspricht in dem Fall der Vertrauensaussage des Beters von Ps 73,23: „du hältst mich bei meiner rechten Hand“. Eine Variante des Namens, bei der die beiden Bestandteile umgestellt sind, bietet der Name → Ahasja (אֲחַזְיָה ’ǎḥazjāh „ergriffen hat / fest hält Jahwe“). Wie eng die beiden Namensformen Joahas und Ahasja miteinander verwandt sind, zeigt 2Chr 21,17, da der judäische König Ahasja (845 v. Chr.) hier Joahas (יְהוֹאָחָז jəhô’āḥāz) genannt wird. Eine Kurzform von Joahas ist → Ahas (אָחָז ’āḥāz „er [sc. Gott] hat ergriffen / hält fest“), und keilschriftlich ist König Ahas von Juda als IIa’uḫazi, also als Joahas belegt (HTAT 289).

2. Joahas, König von Israel (818-802 v. Chr.)

Der israelitische König Joahas, Sohn und Nachfolger → Jehus, ist nur alttestamentlich belegt, und zwar nur in 2Kön 10,36; 2Kön 13,1-9.22 sowie als Vater des → Joasch in 2Kön 13,10.25; 2Kön 14,1.8.17; 2Chr 25,17.23.25. Im Kerntext 2Kön 13,1-9 lassen sich vier Schichten unterscheiden.

1. 2Kön 13,1-2.8-9 enthalten das in den → Königsbüchern für die Könige des Nordreichs typische Rahmenformular der deuteronomistischen Redaktoren (→ Deuteronomistisches Geschichtswerk). Die Einleitung bietet die Synchrondatierung seines Regierungsantritts in das 23. Jahr des judäischen Königs Joasch, die Angabe der Regierungsdauer mit 17 Jahren und die übliche negative Beurteilung der Könige des Nordreichs, da sie in der Sünde → Jerobeams verharrten, d.h. Jahwe weiter in → Bethel verehrten statt in → Jerusalem als dem nach deuteronomistischer Auffassung einzig legitimen Kultort. Am Schluss findet sich ein Hinweis auf die Quellen, eine Notiz zu Tod und Bestattung des Joahas in → Samaria sowie die Nennung seines Sohnes Joasch als Nachfolger.

Dass Joahas 17 Jahre lang regiert haben soll (2Kön 13,1), bereitet Probleme. Wenn er nämlich im 23. Jahr Joaschs, des Königs von Juda, an die Regierung kam, sein Sohn Joasch ihm aber schon im 37. Jahr Joaschs, des Königs von Juda, auf dem Thron folgte (2Kön 13,10), kann er nur 15 Jahre regiert haben. Gelöst wird das Problem z.B. durch die Änderung einer Zahl oder die Annahme einer Koregentschaft.

2. Nachdem Israel zur Zeit der Omriden (→ Omri; → Ahab) eine Blühte erlebt hatte, begannen die → Aramäer das Land zur Zeit → Jehus anzugreifen und konnten damals schon das Ostjordanland erobern (2Kön 10,32f). Während der anschließenden Regierung des Joahas führte nach 2Kön 13,3.7 und 2Kön 13,22.25 der → Zorn Gottes dazu, dass Israel von den aramäischen Königen → Hasael und → Ben-Hadad III. massiv militärisch bedrängt wurde, und zwar die ganzen Jahre. Am Ende verfügte das Heer Israels, zu dem in der Schlacht von Qarqar (853 v. Chr.) nach einer Inschrift Salmanassars III. noch 2000 Streitwagen gehört hatten (Text → Schlacht von Qarqar), nur noch über 10 Streitwagen mit 50 Wagenkämpfern. Auffällig ist die Zahl der darüber hinaus angegebenen Soldaten. Es sollen 10.000 Mann gewesen sein, was jedoch genau der Angabe in der besagten Inschrift Salmanassars entspricht, so dass diese Zahl die Dezimierung eigentlich nicht veranschaulichen kann. Nach Cogan / Tadmor (143) könnte der Text ursprünglich von nur 2.000 Soldaten gesprochen haben. Vielleicht soll die Dezimierung aber auch auf die Streitwagentruppe als Eliteeinheit beschränkt sein.

3. In auffälligem Widerspruch zu dieser Darstellung von V. 3 und 7 stehen die Angaben von 2Kön 13,4-5: Joahas soll Jahwe besänftigt haben, so dass Gott ihn erhörte und seinem Volk gegen die Aramäer half, indem er wie in der Zeit der → Richter einen Retter (מוֹשִׁיעַ) schickte. Der Verfasser sucht hier vermutlich eine theologische Erklärung (vgl. 2Kön 13,22f; 2Kön 14,26f) für das Erstarken des Nordreichs im 8. Jh. (→ Jerobeam II.), das historisch damit zusammenhängt, dass die → Assyrer die Aramäer an deren Nordgrenze bedrängten, so dass diese an ihrer Südgrenze keinen Druck mehr auf Israel ausüben konnten. Fraglich ist, wer mit dem „Retter“ gemeint ist. Insbesondere folgende Identifikationen werden erwogen:

a) Der assyrische König Adad-Nirari III. (810-783 v. Chr.), da er Damaskus am Ende des 9. Jh.s eine Niederlage beibringen konnte (Haran 267f).

b) Joasch, der Sohn und Nachfolger des Joahas, da er nach 2Kön 13,25 Terrain, das unter Joahas an die Aramäer verloren gegangen war, zurückerobern konnte (Cody 336f).

c) Der Prophet → Elisa, da er Joasch nach 2Kön 13,14-19 zum Kampf gegen die Aramäer ermutigt hat (Noth 84).

d) → Jerobeam II., da 2Kön 13,4-6 in 2Kön 14,26f eine Entsprechung findet, insbesondere in der Formulierung „er rettete sie (יוֹשִׁיעֵם) durch die Hand Jerobeams“ (Rehm 130).

e) Der Verfasser meint keine bestimmte Person, sondern will ausdrücken, dass Umkehr Rettung zur Folge hat (Würthwein 362).

4. 2Kön 13,6 schränkt die Heilsperspektive von V. 4f – vielleicht angesichts des endgültigen Untergangs Israels – ein: Trotz der Rettungstat sei Israel bei seiner Sünde geblieben.

Historisch gesehen war die Zeit des Joahas von kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Aramäern und großen Niederlagen bestimmt.

3. Joahas, König von Juda (609 v. Chr.)

Nach der langen Herrschaft → Josias (640-609 v. Chr.) beginnt mit dem judäischen König Joahas die Reihe der letzten Könige Judas (→ Jojakim; → Jojachin; → Zedekia) vor der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier 587 v. Chr. (zum Datum s. → Zerstörung Jerusalems). Dieser König wird nur in 2Kön 23,30-34 (// 2Chr 36,1-4) und unter dem Namen → Schallum in Jer 22,10-12 und 1Chr 3,15 erwähnt. Nach 1Chr 3,15 war er der vierte Sohn seines Vorgängers Josia. Seine Herrschaft beschränkte sich auf drei Monate im Sommer des Jahres 609 v. Chr.

In diesem Jahr zog Pharao → Necho II. (610-595 v. Chr.) durch Palästina nach Mesopotamien, um den nach der Eroberung Ninives (612 v. Chr.) noch verbliebenen Assyrern gegen die Babylonier im Kampf um → Haran zu helfen (vgl. in der Babylonischen Chronik das 17. Jahr Nabupolassars; HTAT 413f). Unterwegs tötete er in → Megiddo den judäischen König → Josia, vielleicht weil er dessen Aufenthalt dort – weit außerhalb seines Herrschaftsgebietes – als Provokation betrachtete. Nach der biblischen Darstellung hat der judäische Landadel daraufhin nicht Josias ältesten, sondern seinen 23-jährigen vierten Sohn zum König erhoben. Schallum war wohl dessen ursprünglicher Name, während Joahas sein Thronname sein dürfte, der seine Einsetzung legitimieren sollte: „Jahwe hat ergriffen“. Die Gründe für die Durchbrechung des traditionellen Thronfolgeprinzips kennen wir nicht. Dass Necho ihn bald absetzte, lässt vermuten, dass er die ägyptenkritische Politik seines Vaters fortsetzen wollte und vielleicht hat ihn der Landadel genau deswegen favorisiert. Auf eine Abgrenzung vom Vater deutet dagegen, dass die deuteronomistischen (→ Deuteronomismus) Herausgeber der → Königsbücher seine Herrschaft anders als die seines Vaters negativ bewerten, doch verwenden sie dabei nur die für sie typische Standardformulierung (2Kön 23,31), so dass sich daraus keine sicheren historischen Schlüsse ziehen lassen. Joahas’ Regierung endete jedenfalls damit, dass Necho, nachdem er von seinen Kriegszug nach Nordmesopotamien in sein Hauptquartier in → Ribla am → Orontes (40 km südsüdwestlich von Homs in Syrien) zurückgekehrt war, ihn dorthin bestellte – nach Donner (370), um ihm den Treueid abzunehmen –, ihn absetzte, gefangen nahm und nach Ägypten verschleppte, wo er starb (2Kön 23,33f). Damit war Juda zu einem Vasallen Ägyptens geworden. Als Nachfolger setzte Necho dessen bei der Thronfolge übergangenen, zwei Jahre älteren (2Kön 23,36) Halbruder Eljakim, der nach 1Chr 3,15 der zweite Sohn Josias war, ein, den er in Jojakim umbenannte (609-598 v. Chr.). Dieser bedrückte den Landadel, der ihn übergangen hatte, mit hohen Abgaben (2Kön 23,34).

Der Prophet → Jeremia ruft in Jer 22,10 (mit deuteronomistischer Kommentierung in Jer 22,11f), ohne die Könige namentlich zu nennen, dazu auf, nicht den Tod Josias zu beklagen, sondern das Schicksal Joahas’, der nie mehr in seine Heimat zurückkehren werde.

Ob Arad Ostrakon 88 einen Befehl des Joahas an den Stadtkommandanten von Arad zur Aufrüstung gegen Ägypten enthält und damit die Absetzung durch Necho erklärt, bleibt sehr fraglich. Nach Renz handelt es sich eher um die Abschrift eines offiziellen Dokuments (HAE I/1, 302-304; vgl. Schipper 237; zum Ostrakon vgl. auch A. Malamat, Das Königreich Juda zwischen Ägypten und Babylon, Anzeiger der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse 137 [2002], 41-54).

4. Weitere Personen namens Joahas

4.1. Nach 2Chr 34,8 gehörte zum Umfeld von König → Josia ein sonst nicht belegter Joach, Sohn des Joahas.

4.2. Auf einem Siegel unbekannter Herkunft des 7./6. Jh.s wird ein jhw’ḥz bn hmlk „Joahas, Sohn des Königs“ als Besitzer genannt (AHI 100.252). Dass dieses Siegel dem Sohn Josias gehörte, als er noch Prinz war, ist möglich, nach Herr (69 mit Abb. S. 68) sogar wahrscheinlich, weil es so viele Prinzen dieses Namens nicht gegeben hat. Andererseits ist diese Identifikation nicht möglich, wenn „Joahas“ erst der Thronname Schallums gewesen ist.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992

2. Weitere Literatur

  • Cody, A., A New Inscription from Tell al Rimah and King Jehoash of Israel, CBQ 32 (1970), 325-340
  • Cogan, M. / Tadmor, H., II Kings (AncB 11), New York u.a. 1988
  • Donner, H., Geschichte des Volkes Israel und seiner Nachbarn in Grundzügen (ATD.E 4/2), Göttingen 4. Aufl. 2008
  • Haran, M., The Rise and Decline of the Empire of Jeroboam Ben Joash, VT 17 (1967), 266-297
  • Herr, H.G., Paleography and Identification of Seal Owners, BASOR 239 (1980), 67-70
  • Hoffmann, H.-D., Reform und Reformen. Untersuchungen zu einem Grundthema der deuteronomistischen Geschichtsschreibung (AThANT 66), Zürich 1980
  • Jepsen, A., Ein neuer Fixpunkt für die Chronologie der israelitischen Könige?, VT 20 (1970), 359-361
  • Keel, O., Die Geschichte Jerusalems und die Entstehung des Monotheismus, Orte und Landschaften der Bibel, Bd. IV,1, Göttingen 2007
  • Kutsch, E., Zur Chronologie der letzten judäischen Könige (Josia bis Zedekia), ZAW 71 (1959), 270-274
  • Malamat, A., The Last Kings of Judah and the Fall of Jerusalem, IEJ 18 (1968), 137-156
  • Malamat, A., The Twilight of Judah. In the Egyptian-Babylonian Maelstrom: Congress Volume Edinburgh 1974 (VT.S 28), Leiden 1975, 123-145
  • McCarthy, D.J., 2 Kings 13:4-6, Bib 54 (1973) 409f
  • Noth, M., Überlieferungsgeschichtliche Studien, 3. Aufl. Darmstadt 1967
  • Rehm, M., Das zweite Buch der Könige. Ein Kommentar, Würzburg 1982
  • Schipper, B.U., Israel und Ägypten in der Königszeit. Die kulturellen Kontakte von Salomo bis zum Fall Jerusalems (OBO 170), Freiburg (Schweiz) / Göttingen
  • Würthwein, E., Die Bücher der Könige. 1. Kön. 17-2. Kön. 25 (ATD 11,2), Göttingen 1984

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