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Lexikon

Isaak

Andere Schreibweise: Jitzchak (hebr.) ; Isaac (engl.)

Andreas Michel

(erstellt: März 2007)

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1. Der Name Isaak

Abb. 1 Isaak und Rebekka (Rembrandt; 1668).

Abb. 1 Isaak und Rebekka (Rembrandt; 1668).

Für den Namen Isaak, der etwa 115-mal im Alten Testament und 14-mal im Neuen Testament, inschriftlich jedoch nicht belegt ist, bietet das Hebräische zwei Schreibweisen: mit Sade יִצְחָק und selten mit Sin יִשְׂחָק (Jer 33,26; Am 7,9.16; Ps 105,9). In den Qumranmanuskripten findet sich außerdem einmal die Schreibung יסחק mit Samech (4Q225 Frg. 2 I, 9).

Die beiden biblischen Schreibungen leiten sich von den synonymen Wurzeln צחק / שׂחק „lachen“ ab. „Isaak“ ist ein alter Satzname mit Präfixkonjugation in vergangenheitlicher Funktion, bei der als Subjekt wohl „El“ ergänzt werden muss: „El hat gelacht bzw. gescherzt“ oder, wenn man die Wurzel kausativ deutet: „El hat (jmdn.) zum Lachen gebracht“. Beide Deutungen haben alttestamentliche Gewährstexte: Die kausative in Gen 21,6 (Sara: „Gott hat mich lachen lassen“), die übliche als Grundstamm in Gen 17,17 („da lachte Abraham“) und Gen 18,12-13 („da lachte Sara“). Weitere Anspielungen auf die Etymologie des Namens Isaak mit dem Verbum צחק finden sich in Gen 21,9, wo die LXX auch das direkte Objekt „Isaak“ bietet (anders MT), und in Gen 26,8.

2. Isaak im Alten Testament

2.1. Synchron

Abb. 2 Abraham und Isaak (Rembrandt; 1634).

Abb. 2 Abraham und Isaak (Rembrandt; 1634).

Alle etwa 130 Nennungen des Namens „Isaak“ in der Bibel beziehen sich auf die Isaakfigur der Genesis, die dort als der spät geborene, einzige Sohn → Abrahams und → Saras und als der Vater von → Jakob und → Esau präsentiert wird. In der Trilogie der Erzväter ist Isaak der mittlere, über den das Alte Testament wenigstens quantitativ weniger zu berichten weiß als über Vater und Sohn. Isaak steht in den Erzväter- bzw. → Erzelternerzählungen aber nicht nur im Schatten seines Vor- und seiner Nachfahren, sondern wie kein anderer Erzvater auch im Schatten seiner als außerordentlich stark geschilderten Frau Rebekka, mit der er, anders als Abraham und Jakob, monogam zusammenlebt.

Isaak tritt zum ersten Mal auf in der Sohnes- und Bundesverheißung von Gen 17,19.21. Er gehört zu den wenigen biblischen und immer männlichen Personen, von denen wir überhaupt Nachrichten über die ganz frühe Kindheit haben, und zwar von Geburt, Beschneidung am achten Tag und der Entwöhnung nach drei Jahren (Gen 21,3.4.8). Auch das weitere Kapitel Gen 21 und dann Gen 22 zeigen Isaak noch als Heranwachsenden, aber noch nicht Selbständigen, als noch nicht erwachsenes Kind oder jüngeren Jugendlichen. Erst Gen 24 lässt den Knecht Abrahams für Isaak, der mittlerweile ins heiratsfähige Alter gekommen ist, auf Brautschau gehen. So kommt Isaak im Alter von vierzig Jahren (Gen 25,20) zu seiner Ehefrau Rebekka, die aus der Sippe des Vaterbruders Nahor stammt (nach Gen 24,15 eine Enkelin Nahors). Nach dem Tod seiner Mutter Sara (Gen 24,67) und seines Vaters Abraham (Gen 25,8) lässt sich Isaak selbständig bei Beer Lahai Roï nieder. Dort gebiert seine zunächst für unfruchtbar gehaltene Frau Rebekka die → Zwillinge Esau und Jakob (Gen 25,19-26).

Abb. 3 Isaak segnet Jakob (Govert Flinck; 1639).

Abb. 3 Isaak segnet Jakob (Govert Flinck; 1639).

Der Kern der Isaak-Erzählungen findet sich in Gen 26: Die erste Verheißungserzählung in Gen 26,1ff, die sich anschließende Erzählung von der Gefährdung der Ahnfrau (→ Preisgabeerzählungen) und der Brunnenkonflikt mit Abimelech von Gerar in Gen 26,12ff, dann die zweite Verheißungserzählung in Gen 26,23ff in → Beerscheba mit dem sich anschließenden Schlichtungsvertrag mit Abimelech von Gerar. In Gen 27 werden die Isaakerzählungen schon deutlich vom Jakob-Esau-Zyklus überlagert. Isaak, alt und praktisch erblindet, tritt als handelnde Figur mehr und mehr in den Hintergrund, obwohl natürlich er es ist, der, von Frau und Sohn Jakob hinters Licht geführt, dem jüngeren Sohn den Abschiedssegen verleihen muss. Mit dem unvermittelt angeschlossenen Auftrag an seinen Sohn Jakob, sich bei den Töchtern des Mutterbruders Laban eine Frau zu suchen (Gen 28,2), verabschiedet sich Isaak von seinem Sohn (Gen 28,5) und für längere Zeit auch vom Leser. Erst in Gen 35,27 ist gerade noch von der Rückkehr des Sohnes Jakob zum Vater Isaak zu lesen und dann, ohne den Einbau von Zwischenszenen, von Isaaks Tod im Alter von 180 Jahren und von seinem Begräbnis (Gen 35,26-29) in der Gegend von → Hebron (Gen 49,31).

Typisch für die Nennung Isaaks nach Gen 49,31 – es sind im Alten Testament noch etwa 30 Belege, dazu die Belege im Neuen Testament – ist, dass Isaak nur noch in Verbindung mit wenigstens Abraham bzw. meist mit Abraham und Jakob/Israel auftritt: In der überwiegenden Zahl findet sich Isaak in der typischen Trias „Abraham, Isaak, Jakob/Israel“ bzw. „der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs/Israels“ o.ä. Wo nicht die direkte Trias auftaucht, bietet doch wenigstens der Kontext Abraham bzw. Abraham und Jakob/Israel namentlich, und zwar in den unmittelbar angrenzenden Versen. Am weitesten zerdehnt, aber trotzdem völlig eindeutig, ist der Konnex in Gal 4,28 (dort „Isaak“, „Abraham“ in Gal 4,22).

2.2. Diachron

Das Gerüst der Notizen über Isaak ist nahezu unbestritten priesterschriftlich (→ Priesterschrift). Dazu gehören schon die ersten auf Isaak bezogenen Verse in Gen 17,19.21 und Gen 21,3-5, dann die Verse vom Tod und Begräbnis seines Vaters Abraham (Gen 25,7ff) und natürlich die Toledot (→ Genealogie) Isaaks (Gen 25,19f.26b). Der Priesterschrift dürften die Esau-Notizen Gen 26,34-35 und dann vor allem die Verheißungserzählung Gen 27,46-28,9 entstammen. Auch die Rückkehr Jakobs zu Isaak, dazu Tod und Begräbnis Isaaks (Gen 31,18; Gen 35,9-15 und Gen 35,22b-29) und die diesbezügliche Reminiszenz in Gen 49,31 verdanken sich dem priesterschriftlichen Aufriss. Dass auch die Priesterschrift mit der Trias „Abraham, Isaak und Jakob“ arbeitet, sieht man an den bedeutsamen priesterschriftlichen Stellen in Ex 2,24 und Ex 6,3.8.

Schwieriger ist die Bestimmung der literarischen Zugehörigkeit der anderen Textkomplexe. Ganz offensichtlich gehört eine Reihe von Nennungen Isaaks in und außerhalb des Pentateuchs zu deuteronomistischen Texten. Das ist für das Auftauchen Isaaks in der Erzvätertrias in Dtn 1,8; Dtn 6,10; Dtn 9,5.27; Dtn 29,12; Dtn 30,12; Dtn 34,4 gar nicht zu bestreiten, selbst wenn man im Einzelnen verschiedene oder ganz späte Deuteronomisten dafür ansetzen wollte. Zu den deuteronomistischen Texten dürfte aber auch schon der erste Fall der Trias gehören (Gen 50,24) und dann andere Belege außerhalb des Genesisbuches (z.B. Ex 32,13; Ex 33,1). Als größerer deuteronomistischer Komplex ist das ganze, vergleichsweise späte Kapitel Gen 24 anzusprechen sein. Für die Land- und die Mehrungsverheißung in Gen 26,3-5 und in Gen 26,24 ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend fraglich geworden, ob darin noch ältere, quellenhafte Teile verarbeitet sind, die vordeuteronomistisch datiert werden können, ja sogar, ob die Endfassung dieser Texte, zusammen mit Gen 22,15-18, überhaupt noch für eine eigentlich deuteronomistische Redaktion beansprucht werden kann oder nicht sogar der Pentateuchredaktion zugewiesen werden muss. Auch der wirkungsgeschichtlich bedeutendste Isaaktext, Gen 22,1-19, früher dem → Elohisten des Nordreiches, also vor 722, zugewiesen, wird heute mehrheitlich mindestens in die exilische, wenn nicht sogar in die fortgeschrittene nachexilische Zeit datiert. Zu diesem Text gehören, so die Tendenz, auch diejenigen Isaaknotizen in Gen 21, die nicht priesterschriftlich sind.

Es wird aber auch ältere Isaakerzählungen gegeben haben. Dafür spricht schon die außerpentateuchische Erwähnung der „Höhen Isaaks“ bzw. des „Hauses Isaak“ in Am 7,9.16, und zwar als Synonym für Israel (!). Dafür spricht auch die alt wirkende Formulierung vom „Schrecken Isaaks“ (Gen 31,42.53). In der Genesis gehören die wahrscheinlich älteren Isaaktexte zu zwei Komplexen: Zu den eigentlichen Isaakerzählungen in Gen 26 und zum Jakob-Esau-Zyklus in Gen 25,19ff und in Gen 27. In beiden Fällen spricht viel dafür, dass wir es mit vorexilischen Texten und wahrscheinlich noch darüber hinausreichenden älteren Erzähltraditionen zu tun haben, deren Quellenzugehörigkeit angesichts der gegenwärtig schwierigen Diskussionslage im Moment allerdings nur schwer auszumachen ist (→ Pentateuchforschung). Ältere Autoren haben darin, und im Übrigen auch in Gen 25,5-6, den → Jahwisten am Werk gesehen.

Für die Einschätzung der ältesten Isaaktraditionen ist also zunächst Gen 26,1ff zu befragen, zumal nur hier Isaak als Hauptexponent der Erzählung auftritt. Auffällig ist, dass sich alle drei kleinen Erzählungen (Gefährdung der Ahnfrau, Brunnenkonflikt, Schlichtungsvertrag) mit der Person Abimelechs von Gerar ebenso mit Abraham als Protagonisten in Gen 20-21 finden. Welchem der beiden Erzählkreise dabei die Priorität eignet, ist umstritten. Gen 26 ist sicher der homogenere Kontext, außerdem ist in Gen 26 Abimelech von Gerar deutlicher mit den Philistern verbunden. Es ist denkbar, dass sich das einer Gen 20-21 nachgestaltenden Hand verdankt, die an der Nahtstelle zwischen Abrahams- und Jakobserzählungen, also zwischen Südreichs- und Nordreichsüberlieferungen ein eigenes Bindeglied schaffen wollte. Das stärkere forschungsgeschichtliche Gewicht neigt sich allerdings dahin, die Fassungen von Gen 20-21 für jünger zu halten, auch wenn die früheren Rahmenannahmen eines gar frühkönigszeitlichen Jahwisten (für Gen 26) und eines Elohisten der mittleren Königszeit (für Gen 20-21 bzw. 22) dafür nicht mehr oder höchstens noch in Bruchstücken bemüht werden. Da die Ätiologie der Brunnenerzählungen auf → Beerscheba „Schwurbrunn“ bzw. Siebenbrunn“ zuläuft, der Ort aber eher mit Isaak als mit Abraham verbunden ist, wird der ursprüngliche Haftpunkt der Erzählungen Isaak gewesen sein.

Durchaus im Widerspruch zur geringeren Quantität der Isaakerzählungen steht die Zeichnung der Isaakfigur in Gen 26. Isaak agiert dort von gleich zu gleich mit dem Stadtherrn von Gerar, ganz anders als Abraham in Gen 20-21. Dazu im Widerspruch steht dann wieder die Zeichnung der Figur in Gen 27, wo Isaak als der schwache Spielball anderweitig bestimmender Personen, vor allem seiner Frau Rebekka, erscheint. Diese beiden Zeichnungen der Isaaksfigur stehen relativ unvermittelt nebeneinander, wobei es sich auch bei Gen 27 um einen älteren, sicher vorexilischen Text zu handeln scheint. Allerdings wird Gen 27 anders als Gen 26 auf Nordreichstraditionen, nicht auf Südreichstraditionen zurückgehen, damit hängen die Unterschiede in der Zeichnung der Isaak-Figur wohl ursächlich zusammen.

2.3. Die Opferung bzw. Akedah („Bindung“) Isaaks

Abb. 4 Bindung Isaaks (Fußbodenmosaik in der Synagoge von Bet Alfa; 6. Jh.).

Abb. 4 Bindung Isaaks (Fußbodenmosaik in der Synagoge von Bet Alfa; 6. Jh.).

Obwohl es vor allem Gen 26 ist, der einen selbständigen und starken Isaak bietet, hat die Isaakfigur wegen Gen 22,1-19, der Erzählung von der „Bindung“ Isaaks (nach Gen 22,9), große Wirkung erzielt. Das erstaunt, weil die entscheidenden Handlungsträger in diesem Text Abraham einerseits und die Gottesfigur andererseits sind und Isaak, zumindest im hebräischen Text, eher als Nebenfigur, als weitgehend schweigsames potenzielles Opfer fungiert. Der Text bietet dem Leser auch eher die Perspektive Abrahams, nicht die Perspektive des Isaak an. Trotzdem hat gerade die „Leerstelle Isaak“ im hebräischen Text die Auslegung beflügelt, auch die Abwesenheit desselben bei der Rückkehr Abrahams mit seinen Knechten nach Beerscheba (Gen 22,19). Zusätzlich hat sicher der kurze Wortwechsel zwischen Vater und Sohn (Gen 22,7-8) die Leser aller Zeiten zugunsten des nichts ahnenden (?) Opfers emotionalisiert.

Abb. 5 Opferung Isaaks (Gemälde von „Pater Apotheker“; 1710).

Abb. 5 Opferung Isaaks (Gemälde von „Pater Apotheker“; 1710).

Die ältere überlieferungs- und quellenkritische Forschung sah in einem Kern von Gen 22 die uralte Ablösung des Menschenopfers durch ein Tieropfer legitimiert. Diese Theorie ist heute weitgehend aufgegeben. Gen 22 ist im Wesentlichen ein zu dichter literarischer Text und deshalb aus einem Guss, ausgenommen vielleicht die Verse Gen 22,15-18. Er gehört zu den Texten der Abrahamserzählungen, die noch weniger bzw. ein noch späteres Echo erhalten haben als die Abrahamsfigur insgesamt ohnehin. Deshalb hat sich die Zuweisung gerade dieses Textes zu einem nordisraelitischen Elohisten der mittleren Königszeit auch nicht bewährt. Wenn überhaupt vergleichsweise früh, dann spiegelt der Text als Theodizeetext im frühen Exil des 6. Jh.s die aktuellen Verlusterfahrungen Israels bzw. Judas wider. Allerdings mehren sich die Stimmen, die Gen 22 insgesamt für nachexilisch halten, u.a. werden dafür Berührungen mit dem Prolog des → Hiobbuches oder sogar mit dem → Chronistischen Werk vorgebracht. Inhaltlich spricht aber einiges doch dafür, dass Gen 22 in der exilisch-nachexilischen Zeit eine verhaltene Auseinandersetzung mit dem Thema Kinderopfer darstellt, wie es mit einiger Sicherheit im phönizisch-punischen Raum, besonders in Karthago, belegt ist. Allerdings geht es dabei theologisch nicht mehr um die Ablösung von „Menschenopfern“ durch Tieropfer, sondern um die Intensität des Gottesverhältnisses Israels in der Figur Abrahams und die Verlässlichkeit des von ihm verehrten Gottes JHWH (→ Prüfung).

Abb. 6 Opferung Ismaels (anonyme Hinterglasmalerei aus Tunesien; 20. Jh.).

Abb. 6 Opferung Ismaels (anonyme Hinterglasmalerei aus Tunesien; 20. Jh.).

Der Name des verheißenen Sohnes wird in der Aufnahme der Akedah im Koran (Sure 37,99-111; Text Koran) nicht genannt, erst im Anschluss daran ist in Vers 112 explizit von Isaak die Rede. Dadurch ist nach Sure 37 auch Isaaks Halbbruder Ismael als das zu schlachtende Opfer imaginierbar.

3. Isaak im Frühjudentum

Für die Rezeption der Isaak-Figur in der apokryph-deuterokanonischen wie auch der sonstigen zwischentestamentlichen Literatur des Frühjudentums ist einerseits die immer wieder auftauchende Trias der Erzväter charakteristisch (Jdt 8,26 [Lutherbibel: Jdt 8,19f]; Tob 4,12 [nicht in Lutherbibel]; 2Makk 1,2; Sir 44,22 [Lutherbibel: Sir 44,24]; Bar 2,34; Dan 3,35). Zugleich hat sich aber eine reiche Literatur um Isaak und dabei vor allem um die Akedah entwickelt, die die Person Isaaks Abraham gegenüber aufwertete. Dazu gehören schon Texte wie Jdt 8,26 (Lutherbibel: Jdt 8,19f; Versuchung Isaaks!) und vielleicht Dan 3,35 (Isaak als Gottesknecht!), dann aber insbesondere der → Qumran-Text 4QPseudo-Jubiläen (DJD XIII, 141ff; 4Q 225): In diesem Fragment aus herodianischer Zeit fordert in einer freilich nicht über alle Zweifel erhabenen Lesung Isaak seinen Vater auf, ihn auch wirklich fest zu binden, ein Motiv, das dann auch aus späteren Targumen bekannt ist. Auf die göttliche Intervention im letzten Augenblick folgt, wenn die Lesung stimmt, dann auch unmittelbar Segen für Isaak, nicht für Abraham (!), und eine kurze Genealogie Isaaks. Vielleicht wird sogar ausdrücklich auf die Glaubenstreue Isaaks, nicht Abrahams (!), abgehoben. Diese Linie einer Zentrierung der Akedah auf die Person Isaaks endet in der faktischen Höherwertung Isaaks gegenüber Abraham, die sich teils auch in den Schriften Philos von Alexandrien, dann aber vor allem im nachbiblischen Judentum findet: Dort wird gesprochen vom Blut der Akedah Isaaks (Mechilta zu Ex 12,13; 3. Jh. n. Chr.), von der Asche Isaaks (Jerusalemer Talmud, Traktat Taanit 2:1 [65a]) und der ausdrücklichen Bereitschaft Isaaks zum Selbstopfer (Babylonischer Talmud, Traktat Sanhedrin 89b [Text Talmud] und Genesis Rabba 55f). Dabei wird Isaak zum Hoffnungsträger der Auferstehung wie auch zu einer vorbildlichen Märtyrerfigur stilisiert. Wie stark diese innerjüdische Entwicklung mit der Entwicklung der Christologie auf christlicher Seite zusammenhängt, wird diskutiert. Die intensivierte Akedah-Theologie ist aber wohl doch eher als Rückwirkung aus der frühchristlichen Theologie zu begreifen als umgekehrt.

4. Isaak im Neuen Testament

Abb. 7 Isaak und Christus unter der Last des Holzes (Biblia pauperum; Mittelalter).

Abb. 7 Isaak und Christus unter der Last des Holzes (Biblia pauperum; Mittelalter).

Neben den vierzehnmaligen und unselbständigen namentlichen Erwähnungen Isaaks im Neuen Testament sind einige neutestamentliche Passagen forschungsgeschichtlich mit der sich ggfs. anbahnenden frühjüdischen Akedah-Theologie in Verbindung gebracht worden. Ganz offenkundig will die Formulierung von Röm 8,32, dass Gott seinen eigenen Sohn nicht verschont habe, im Licht von Gen 22 gelesen werden, man vgl. Gen 22,12.16 in der Septuagintafassung. Ähnliches dürfte für Joh 3,16 gelten. Immer wieder diskutiert worden ist auch ein Einfluss von Gen 22 auf die konkrete Formulierung der Tauf- und Verklärungsperikopen in den synoptischen Evangelien (Mk 1,11 und Mk 9,7 par). Wenn nicht nur auf Jes 42 und womöglich Ps 2, sondern doch auch auf Gen 22 angespielt würde, wird Jesus von Nazareth dort nicht nur mit der Stimme von Propheten und Schriften, sondern auch der der Tora als „Sohn Gottes“ legitimiert.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

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  • Theologische Realenzyklopädie, Berlin / New York 1977-2004
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Freiburg i.Br. 1993-2001
  • Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998ff.
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003
  • Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, http://bautz.de

2. Weitere Literatur

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  • Dieckmann, Detlef, Segen für Isaak. Eine rezeptionsästhetische Auslegung von Gen 26 und Kotexten (BZAW 329), Berlin / New York 2003.
  • Ebach, J., Theodizee: Fragen gegen die Antworten zur biblischen Erzählung von der „Bindung Isaaks“ (1 Mose 22), in: ders., Gott im Wort. Drei Studien zur biblischen Exegese und Hermeneutik, Neukirchen-Vluyn 1997, 1-25.
  • Fabry, H.-J., Isaak in den Handschriften von Qumran, in: F. Garcia Martinez u.a. (Hgg.), From 4QMMT to Resurrection (FS Puech), Leiden 2006, 87-103.
  • Fischer, I., Die Erzeltern Israels. Feministisch-theologische Studien zu Genesis 12-36 (BZAW 222), Berlin / New York 1994.
  • Greiner, B./ Janowski, B./ Lichtenberger, H., Opfere deinen Sohn! Das Isaak-Opfer in Judentum, Christentum und Islam, Tübingen 2007.
  • Hardmeier, C., Realitätssinn und Gottesbezug. Geschichtstheologische und erkenntnistheologische Studien zu Genesis 22 und Jeremia 2-6 (BThS 79), Neukirchen-Vluyn 2006.
  • Kaiser, O., Die Bindung Isaaks. Untersuchungen zur Eigenart und Bedeutung von Genesis 22, in: ders., Zwischen Athen und Jerusalem. Studien zur griechischen und biblischen Theologie, ihrer Eigenart und ihrem Verhältnis (BZAW 320), Berlin / New York 2003, 199-224.
  • Köckert, M., Die Geschichte der Abrahamüberlieferung, in: A. Lémaire (Hg.), Congress Volume Leiden 2004 (VT.S 109), Leiden 2006, 103-128.
  • Krupp, M., Den Sohn opfern? Die Isaak-Überlieferung bei Juden, Christen und Muslimen, Gütersloh 1995.
  • Kundert, L. Die Opferung/Bindung Isaaks. 2Bde (WMANT 78), Neukirchen-Vluyn 1998.
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  • Mittmann, Siegfried, ha-Morijja – Präfiguration der Gottesstadt Jerusalem (Genesis 22,1-14.19). Mit einem Anhang: Isaaks Opferung in der Synagoge von Dura Europos, in: M. Hengel / S. Mittmann / M.A. Schwemer (Hgg.), La cité de Dieu: Die Stadt Gottes. 3. Symposium Strasbourg, Tübingen, Uppsala 19-23 September 1998 in Tübingen (WUNT 129), Tübingen 2000, 67-97.
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  • Steiger, J. A./ Heinen, U. (eds.), Isaaks Opferung (Gen 22) in den Konfessionen und Medien der Frühen Neuzeit (Arbeiten zur Kirchengeschiche 101), Berlin / New York 2006.
  • Steins, G., Die ‚Bindung Isaaks’ im Kanon (Gen 22). Grundlagen und Programm einer kanonisch-intertextuellen Lektüre (HBS 20), Freiburg u.a. 1999.
  • Veijola, T., Das Opfer des Abraham – Paradigma des Glaubens aus dem nachexilischen Zeitalter, ZThK 85 (1988) 129-164.

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Isaak und Rebekka (Rembrandt; 1668).
  • Abb. 2 Abraham und Isaak (Rembrandt; 1634).
  • Abb. 3 Isaak segnet Jakob (Govert Flinck; 1639).
  • Abb. 4 Bindung Isaaks (Fußbodenmosaik in der Synagoge von Bet Alfa; 6. Jh.).
  • Abb. 5 Opferung Isaaks (Gemälde von „Pater Apotheker“; 1710).
  • Abb. 6 Opferung Ismaels (anonyme Hinterglasmalerei aus Tunesien; 20. Jh.).
  • Abb. 7 Isaak und Christus unter der Last des Holzes (Biblia pauperum; Mittelalter).

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