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Lexikon

Hoschea

(731-722 v. Chr.)

Bob Becking

(erstellt: März 2012)

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Hoschea war der letzte König des Nordreichs Israel (731-722 v. Chr.).

1. Name

Aus: G. Rouillé, Promptuarii iconum insigniorum, Bd. 1, Lyon 1553, 80

Abb. 1 König Hoschea.

Der Name Hoschea (הוֹשֵׁעַ Hôšea‘) ist abgeleitet von dem Kausativum des Stammes ישׁע „retten“, und bedeutet etwa „er (= Gott) hat Rettung gebracht“. Der Name ist im alten Israel mehrfach belegt. Um Verwechslungen zu vermeiden, wird der Prophet הוֹשֵׁעַ Hôšea‘ in deutschen Bibelübersetzungen mit → Hosea statt Hoschea wiedergegeben.

2. Hoschea, König von Israel

2.1. Assyrische Quellen

König Hoschea wird in zwei Inschriften des assyrischen Königs → Tiglat-Pileser III. (725-727 v. Chr.) erwähnt. In der summarischen Inschrift 9 heißt es:

[Das Land Bīt-Ḫumriy]a in [seiner] Gesa[mtheit eroberte ich. … x Menschen samt] ihrem [Bes]itz [brachte ich] na[ch? dem Land Assyrien. … Auši’ (A-ú-si-’i = Hoschea) setzte ich in die Köni]gsherrschaft über sie [ein. … brachte er nach der Stadt Š]arrabānu zu mir […] (Rev. 9-11; Weippert 2010, 295; vgl. Tadmor 1994, 188-189; Becking 1992, 19-20).

Aus der Inschrift kann abgeleitet werden, dass Hoschea im Jahr 731 ein Vasall → Assyriens wurde. Die Größe des Tributs nennt die summarische Inschrift 4:

Das Land Bīt-Ḫumriya, [von dem ich …]…[… die Me]nge seiner Menschen [erbeutet, nach dem L]and Assyrien gebracht hatte – ihren König Paqaḫa (Pa-qa-ḫa = → Pekach) … te(n) [sie/ich] und Auši’ (A-ú-si-’i = Hoschea) setzte ich [in das Königtum ü]ber sie ein. 10 Talente Gold, x Talente [Si]lber empfing ich [v]on ihnen und [bracht]e sie [nach dem Land Assyrien]. (15‘-19‘ Weippert 2010, 295; vgl. Tadmor 1994, 140-141; Becking 1992, 19-20).

Bemerkenswert ist die Erwähnung der Deportation (→ Exil) von Samariern nach Mesopotamien. Obwohl sich die assyrischen Könige → Salmanassar V. (727-722 v. Chr.) und → Sargon II. (722-705 v. Chr.) beide rühmen, Samaria erobert haben (s.u. 2.2.), nennen sie Hoschea nicht. Sargon II. erwähnt die Exilierung von zahlreichen Einwohnern Samariens aus dem dann inzwischen königslosen Land nach Assyrien (siehe Weippert 2010, 296-309).

2.2. Biblische Quellen

Hoschea war der letzte König des Nordreiches Israel (731-722 v. Chr.). Seine Regierungszeit wird in 2Kön 17,1-6 und 2Kön 18,9-11 beschrieben. Wie Hoschea an die Macht kam, ist unklar. Die Bibel zeichnet das Bild einer internen Revolte gegen seinen Vorgänger → Pekach. Im oben zitierten Bericht → Tiglatpileser III. wird indes erzählt, dass er selbst Pekach abgesetzt und Hoschea als dessen Nachfolger bestimmt habe. Beide Positionen sind von ihren jeweiligen Perspektiven geprägt und lassen sich in das Bild zusammenfügen, dass der assyrische König eine Revolte Hoscheas unterstützt haben könnte.

Hoschea regierte als Vasall der → Assyrer. Er hatte Salmanassar V., dem Nachfolger Tiglatpilesers III., jährlich Tribut zu entrichten, was zweifellos schwer auf die lokale Agrarökonomie drückte. Hoschea versuchte dieser Lage durch ein Bündnis mit Ägypten zu entgehen: Er beendete die Tributzahlung und bat „So, den König von Ägypten“ um Hilfe. „So“ ist – wie „Pharao“ – kein Name, sondern deutet seine Funktion als „Sohn des Königs“ an (Becking 1992, 47). Dieser Hilferuf war jedoch erfolgslos.

Aufgrund des Vertragsbruchs belagerte Salmanassar V. → Samaria im siebten Jahr Hoscheas (2Kön 18,9). Im neunten Jahr dieses Königs wurde die Stadt erobert. Danach wurden Teile der Bevölkerung nach Assyrien deportiert und wohnten laut dem biblischen Bericht „in Halach, am Habur, dem Fluss von Gosan, und in den Städten der Meder“ (2Kön 18,11).

Es ist unklar, ob diese Deportation während der Regierungszeit Salmanassars V. stattfand oder erst unter Sargon II. Das hängt mit der Frage zusammen, ob Samaria ein- oder zweimal von den Assyrern erobert wurde. Wie Tadmor (1958, 39) bin ich der Meinung, dass die uns zur Verfügung stehenden Quellen auf zwei Eroberungen deuten (Becking 1992; siehe aber Tetley 2002). Einige Hinweise auf Deportationen finden sich in verschiedenen neuassyrischen Inschriften (Becking 1992, 61-93; Weippert 2010, 310-325).

Die Deuteronomisten (→ Deuteronomismus) haben ein gemäßigt negatives Urteil über die Regierungszeit Hoscheas gefällt: „Er tat, was dem Herrn missfiel, jedoch nicht in dem Maß wie die Könige von Israel, die vor ihm herrschten.“ (2Kön 17,2). Van der Kooij (1984) ist mit Recht der Meinung, dass dieses relativ positive Urteil damit zusammenhängt, dass zur Regierungszeit Hoscheas die Altäre in → Bethel und → Dan nicht mehr im Gebiet → Samariens lagen.

2.3. Epigraphischer Beleg

Ein Siegel nennt עבדי עבד הושע „Abdi, der Diener von Hoschea“ (Deutsch / Lemaire 2000, No. 1). Dieser Hoschea wurde positiv mit Hoschea, dem letzten König des Nordreiches, identifiziert (Mykytiuk 2004, 217).

2.4. Wirkungsgeschichte

In den späteren jüdischen, christlichen und islamischen Traditionen spielt König Hoschea keine Rolle.

3. Weitere Personen namens Hoschea

Außer dem König und dem Propheten sind folgende Personen namens Hoschea belegt:

(1) Hoschea, dessen Namen Mose in → Josua änderte (Num 13,8.16; Dtn 32,44).

(2) Hoschea, der Sohn Asasjas, ein hoher Beamter zur Zeit Davids (1Chr 27,20).

(3) Hoschea, einer der Häupter des Volkes, der den Bund zur Zeit Nehemias mit seinem persönlichen Siegel unterschrieb (Neh 10,24).

Auch epigraphisch ist der Name mehrfach belegt:

(1) Das Palimpsest b1 aus Wādī Murabbaāt [Wadi Murabbaat] nennt einen Hoschea als Vater von Namtir (8. Jh.).

(2) Ein Siegel nennt als Besitzer „Hoschea, der Sohn Sillas“ (Deutsch / Lemaire 2000, No. 5).

(3) In den Dokumenten aus → Elephantine ist der Name mehrfach belegt.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928ff
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff
  • Theologische Realenzyklopädie, Berlin / New York 1977-2004
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998-2007
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Becking, B., The Fall of Samaria: An Historical and Archaeological Study (SHANE 2), Leiden / New York / Köln 1992
  • Deutsch, R. / Lemaire, A., Biblical Period Personal Seals in the Shlome Moussaieff Collection, Tel Aviv 2000
  • Kooij, A. van der, Zur Exegese von 2 Reg. 17:2, ZAW 96 (1984), 109-112
  • Mykytiuk, L.J., Identifying Biblical Persons in Northwest Semitic Inscriptions of 1200-539 B.C.E. (SBL Academia Biblica 12), Atlanta 2004
  • Tadmor, H., The Campaigns of Sargon II. of Assur: A Chronological-Historical Study, Journal of Cuneiform Studies 12 (1958), 22-40.77-100
  • Tadmor, H., The Inscriptions of Tiglath-Pileser III. King of Assyria, Jerusalem 1994
  • Tetley, M.C., The Date of Samaria’s Fall as a Reason for Rejecting the Hypothesis of Two Conquests, CBQ 64 (2002), 59-77
  • Weippert, M., Historisches Textbuch zum Alten Testament (Grundrisse zum Alten Testament 10), Göttingen 2010

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 König Hoschea. Aus: G. Rouillé, Promptuarii iconum insigniorum, Bd. 1, Lyon 1553, 80

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