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Lexikon

Höhle

Heiko Wenzel

(erstellt: Febr. 2012)

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1. Definition von „Höhle“ und hebräische Begriffe

Die Internationale Speläologische Union (ISU) definiert Höhle als „natürlicher, mehr als menschengroßer unterirdischer Hohlraum“ (Bögli, 238). Wenn man dieser Definition folgt, beziehen sich kaum alle der folgenden hebräischen Begriffe auf eine „Höhle“. Hohlräume, die Tieren als Aufenthaltsort dienen (vgl. unten 3.3.3), sind nämlich nicht zwangsläufig menschengroß. Außerdem weist Ri 6,2 darauf hin, dass manche Hohlräume von Menschen mindestens teilweise weiter ausgehauen wurden. Unter der Berücksichtigung dieser Einschränkung soll im Folgenden vereinfachend von „Höhlen“ die Rede sein.

Das häufigste hebräische Wort für „Höhle“ ist מְעָרָה mə‘ārāh (40-mal; Schwarzenbach, 49). Zum Wortfeld gehören auch die Begriffe חוֹר chôr „Loch / Spalt“ (1Sam 14,11; Hi 30,6; Nah 2,13; Gesenius, 18. Aufl.; Schwarzenbach, 45), נְקָרָה nəqārāh „Höhle / Spalt“; Ex 33,22; Jes 2,21; Gesenius, 18. Aufl.) und מְחִלָּה məchillāh „Loch“ (Jes 2,19; Gesenius, 18. Aufl.; Schwarzenbach, 44). Auch sie verweisen auf Hohlräume, in denen sich Menschen oder Tiere aufhalten können. Hinzu kommen noch סָעִיף sā‘îf „Felsspalt / Felsenkluft“ (Ri 15,8.11; Jes 2,21; Jes 57,5; Gesenius, 18. Aufl.) und צְרִיחַ ṣərîach „Gewölbe“ (Ri 9,46.49; 1Sam 13,6). Das Wort חֻר chur in Jes 11,8 bezeichnet den Aufenthaltsort einer Giftschlange. In Jes 42,22 beschreibt בַּחוּרִים bachûrim den Ort der Gefangenschaft oder auch junge Männer (s.u.).

Nähere Bestimmungen:

Das Wort mə‘ārāh wird lediglich an acht Stellen (Gen 23,9.19; Gen 25,9; 1Sam 22,1; 2Sam 23,13; 1Chr 11,15; Jes 2,19; Jer 7,11) durch ein weiteres Nomen näher bestimmt. Dies geschieht bei den ersten sechs Stellen durch Eigennamen, um eine den Lesern offensichtlich bekannte Höhle zu beschreiben. Jer 7,11 nennt die Nutzer der Höhle („Räuberhöhle“). Lediglich Jes 2,19 spezifiziert mit Fels (ṣūrîm) das Material, in dem sich die Höhle befindet.

Demgegenüber werden die anderen Hohlräume mit wenigen Ausnahmen (chôr: 1Sam 14,11; Nah 2,13; ṣərîach: Ri 9,46.49; 1Sam 13,6) durch Materialangaben ergänzt. Der Hohlraum chôr in Hi 30,6 wird durch Erde (‘āfār) bzw. Felsen (kefîm) präzisiert. Die Höhle oder der Spalt in Ex 33,22 (niqrat haṣṣûr) und in Jes 2,21 (niqrôt haṣṣūrîm) wird durch „Fels“ näher bestimmt sowie məchillāh durch ‘āfār (Jes 2,19). Der Spalt bzw. die Kluft (sā‘îf) erscheint nur in Verbindung mit Felsen (sæla‘) im Plural (Jes 2,21; Jes 57,5) oder aber im Singular mit der Ortsangabe Etam (Ri 15,8.11). In Ri 9,46 wird ṣərîach einem Tempelgebäude zugeordnet.

2. Entstehung und Gestalt von Höhlen

2.1. Geologische Voraussetzungen

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Die Arbelhöhlen am See Genezareth, in denen sich unter anderem in römischer Zeit Widerstandskämpfer versteckten.

Karsthöhlen treten weltweit am häufigsten auf (Kempe / Rosendahl, 11) und zwar häufiger als alle anderen Höhlenarten zusammen (Bögli, 241). Sie überragen andere Höhlen auch in ihrer Größe (Tietze, 433). Die Speläologie beschreibt außerdem unterirdische Hohlräume aufgrund des Muttergesteins als Gips-, Anhydrit-, Salz- und Lavahöhlen (Kempe / Rosendahl, 11). Ferner unterscheidet man Höhlen nach ihrer Entstehung (Bögli, 238-241), Größe, Höhendifferenz, Vernetzung in einem Höhlensystem und hervorstechenden Merkmalen (Bögli, 242-244).

Karsthöhlen finden sich im weitverbreiteten harten Kalk des Negevberglandes, der Berge Judaäs und im galiläischen Bergland (Orni / Efrat, 4-5, 162) sowie vielfach im Kreidekalk des Karmelgebirges (Orni / Efrat, 71; Vieweger, 82; Zwickel, 91). Ferner sind seit 1980 über 100 Salzhöhlen am Westufer des Toten Meeres entdeckt worden (Kempe / Rosendahl, 24-25).

© United Bible Societies

Abb. 2 Eine der Höhlen bei Chirbet Qumrān.

Höhlen sind nicht nur für die Geologie von Interesse. Da sie ihren Inhalt über lange Zeit bewahren und damit sehr ertragreiche Fundstätten bieten können (Weippert, 79), sind sie auch für die Paläontologie (Kempe / Rosendahl, 102-113) und die Archäologie (Kempe / Rosendahl, 114-126) bedeutsam. So liefern Höhlenfunde für viele Epochen wichtige Informationen (z.B. Weippert, 73ff). Dies hat sich nicht zuletzt an den Funden am Westufer des Toten Meeres (Qumran) gezeigt (Vieweger, 90, 93). Obwohl die moderne Biospeläologie erst am Anfang steht, sollte man die Vielfalt des biologischen Lebens in Höhlen nicht unterschätzen, wie Untersuchungen u.a. in Israel gezeigt haben (Kempe / Rosendahl, 142).

2.2. Entstehung von Karsthöhlen

Ein ausreichendes Wasserangebot sowie die Wasserdurchlässigkeit des Kalkgesteins sind neben der Löslichkeit und der Reinheit des Gesteins wesentliche Voraussetzungen für die Entstehung von Karsthöhlen (Baumhauer, 93; Leser, 312-313). Das Fortschreiten der Auswaschung hängt von der Reinheit des Gesteins, der Temperatur, dem Kohlendioxid-Gehalt der Luft (Baumhauer, 94; Leser, 313-314), der Oberfläche des Gesteins (Zepp, 245) und vorhandenen Fremdionen ab (Bögli, 34-35). Das Alter des Karstes kann nicht immer sicher bestimmt werden. Die Ausprägung von Karstformen hängt von der Dauer des Verkarstungsprozesses und seiner Intensität sowie „vom Ausgangsrelief, der Fazies des verkarstungsfähigen Gesteins und den seinerzeitigen klimaökologischen Bedingungen ab“ (Leser, 316). Fortgesetzte Lösungsvorgänge können kleinere und größere Höhlen zum Einsturz bringen (Leser, 321).

2.3. Höhlen in Palästina

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 1984)

Abb. 3 Eingang der Höhle des Chariton, die ein weitverzweigtes Höhlensystem bietet.

Diese Lösungsvorgänge können periodisch stattfinden (Strobel, 59), so dass Tropfsteinbildung nicht zwangsläufig einsetzen muss. Höhlen können deswegen (in Israel) trocken sein wie die Charitonhöhle in der Wüste Juda (vgl. Strobel, 47 Anm. 7). Die Ehrfurcht vor dieser riesigen Höhle bzw. diesem weitverzweigten Höhlensystem (Strobel, 46) ist wohl kaum singulär.

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 1984)

Abb. 4 Glockenhöhlen von Morescha.

Es gibt Hinweise, dass Höhlen zumindest teilweise von Menschenhand bearbeitet und erweitert wurden. Ri 6,2 erwähnt Schluchten, Höhlen und Festungen (minhārāh, mə‘ārāh məzād) als Rückzugsorte für die Israeliten, die von ihnen gemacht bzw. bearbeitet wurden (‘sh). Dies weist bereits darauf hin, dass Höhlen nicht als reguläre Wohnorte genutzt wurden, wie der Mensch wohl nie grundsätzlich auf Höhlen angewiesen war, um ein Gebiet zu besiedeln (Kempe / Rosendahl, 114-115). Die Beschreibung von Bergbau in Hi 28 (Zwickel, 104) legt nahe, dass möglicherweise künstlich Hohlräume angelegt wurden.

3. Höhlen im Alten Testament

Das Alte Testament gibt einige Hinweise auf die damalige Nutzung von Höhlen, und zwar als Zufluchtsort und als Grabstätte. Lediglich Gen 19,30 mag auf eine Höhle als reguläre Wohnstätte weisen.

3.1. Höhlen als Zufluchtsort

Die Höhle bei Makkeda diente fünf Königen als Zufluchtsort (Jos 10,16) auf ihrer Flucht (Jos 10,11), nachdem sie → Josua und den Israeliten im Kampf unterlegen waren (Jos 10,7-15).

Zeichnung aus: H.B. Rawnsley, The Rock of the Pomegranate, PEFQSt 11 (1879), 118-126, Abb. 2

Abb. 5 Eingang der Karsthöhle Maġarat el-Ğaje im Wādī eṣ-Ṣwēnīṭ, die über ein Netzwerk von Tunneln, riesige Hallen und Hunderten von kleinen Räumen verfügt.

In Ri 6,2 waren Höhlen ein Versteck für Israeliten, als die → Midianiter zusammen mit ihren Verbündeten im Land einfielen und landwirtschaftliche Erträge vernichteten. Gleiches wird in 1Sam 13,6 geschildert, als das Volk in der Gegend von → Michmas von den → Philistern bedrängt wurde. Die verächtliche Rede der Philister in 1Sam 14,11 weist dabei wohl auf 1Sam 13,6 (Bar-Efrat, 2007).

David kam häufig in Höhlen unter, als er auf der Flucht vor Saul war (vgl. Ps 57,1; 142,1). Dabei spielte die Höhle → Adullam eine wichtige Rolle (1Sam 22,1; 2Sam 23,13; 1Chr 11,13).

Obadja versteckte je 50 Propheten in zwei Höhlen als → Isebel diese umbringen wollte (1Kön 18,4). Diese Höhlen waren offensichtlich groß genug für solch eine Gruppe. Auf seiner Flucht vor Isebel übernachtete auch → Elia in einer Höhle (1Kön 19,13).

Jer 7,11 vergleicht den Tempel mit einer Räuberhöhle (mə‘ārat pārizîm). Die Adressaten finden im Tempel also Schutz und Sicherheit (Rudolph, 53) wie die Räuber bzw. die Gewaltverbrecher in ihrer Höhle (vgl. Ez 18,10; Holladay, 246). Vielleicht geht es dabei auch um den Ort, an den sie ihre Beute bringen (Fischer, 301).

Keine dieser Stellen legt nahe, dass es sich um reguläre Wohnstätten handelte. Vielmehr belegen die Kontexte die außergewöhnlichen Umstände, in denen Menschen in einer Höhle Unterschlupf fanden. Dies steht auch bei Belegen im Mittelpunkt, die Gericht ankündigen. So verkriechen sich die Betroffenen in Höhlen vor dem Schrecken des Herrn (Jes 2,19.21) oder vor den herannahenden Feinden (Ez 33,27). Dort suchen sie Schutz, wie es in Ri 6,2 geschildert wird (Zimmerli, 820).

Das Wort mə‘ārāh im Sinne von Höhle bereitet in Jes 32,14 vielen Ausleger Schwierigkeiten: „Denn die Paläste werden verlassen sein, und die Stadt, die voll Getümmel war, wird einsam sein, dass Burg und Turm für immer zu Höhlen (mə‘ārôt) werden, dem Wild zur Freude, den Herden zur Weide.“ Hier sei nicht eine Höhle, sondern eine verlassene Stätte gemeint (Childs, 235) bzw. ein kahles Feld (Fohrer 2. Auf. 1967, 128; vgl. Koehler-Baumgartner); mə‘ārôt sei eine verunglückte Korrektur von ma‘ar „Blöße“ (Duhm, 237). Es kann aber auch so verstanden werden, dass Höhlen entstehen und als Aufenthaltsort für wilde Tiere dienen (Young 1969, 398). Diese Tiere halten sich nur abseits von menschlichen Siedlungen auf (Watts, 417), ersetzen die Menschen als Bewohner (Höffken, 228) und zeigen somit die vollständige Zerstörung der Stadt an (Young 1969, 398; → Wüstentiere). So wird mə‘ārāh von anderen einfach mit „Schlupfwinkel“ übersetzt (Kaiser 1973, 259; Wildberger 1982, 1262).

3.2. Höhlen als Grabstätten

Menschen wurden in Palästina seit alters in Grabhöhlen bestattet (→ Grab; → Bestattung). → Abraham begrub seine Frau → Sara in der Höhle Machpela (Gen 23,19; → Hebron), nachdem er die Höhle samt dem dazugehörigen Grundstück erworben hatte (Gen 23,8-18). Dort fand auch er seine letzte Ruhestätte (Gen 25,9). „Machpela“ ist dabei einerseits der Name der Höhle (Gen 23,9.20; Gen 25,9), andererseits der Name des Feldes, auf dem sie liegt (Gen 23,19; Gen 50,13).

In Jos 10 werden fünf flüchtige Könige getötet und in der Höhle bestattet, die ihnen als Rückzugsort gedient hatte (Jos 10,27).

3.3. Weitere Nutzungen

3.3.1. Höhle als reguläre Wohnstätte (Gen 19,30)?

Eine Höhle als reguläre Wohnstätte kann lediglich in Gen 19,30 für → Lot und seine Töchter angenommen werden. Sie bleiben damit auf Distanz zu den Einwohnern → Zoars und finden hier Schutz vor der Stadt (Seebass, 153). Somit könnte man diese Stelle auch unter 3.1. einordnen. Im Alten Testament findet sich sonst keine weitere Aussage über Lots Aufenthaltsort, so dass nur spekuliert werden kann, ob er dort dauerhaft wohnte. Zudem ergibt sich aus Gen 13,11-12 sowie aus Gen 19,1ff der Kontrast zum „Wohnort“ Lots, nachdem er → Sodom verließ (Westermann 1981, 381). Die Aufenthaltsorte Lots zeichnen somit in gewisser Weise seinen Lebensweg nach, wie er „der geschichtsführenden Hand Gottes“ entgleitet (von Rad, 177).

3.3.2. Höhle zur Verrichtung der Notdurft (1Sam 24)

Eine Episode in 1Sam 24 zeigt, dass eine Höhle dort nicht nur ein Versteck von David und seinen Männern war, sondern von Saul auch zum Toilettengang genutzt wurde (1Sam 24,4). Dies geschah offensichtlich im Eingangsbereich der Höhle, denn David befand sich im hinteren Teil. Da die Männer Saul bemerkten (1Sam 24,5), waren sie wohl in Sichtweite. Allerdings kaum in Hörweite, sonst wäre die Diskussion nicht unbemerkt geblieben (1Sam 24,5-8).

3.3.3. Höhle als Aufenthaltsort von Giftschlangen (Jes 11,8) oder Löwen (Nah 2,13)

מְאוּרָה mə‘ārāh beschreibt in Jes 11,8 den Aufenthaltsort einer Otter (Herntrich, 205) bzw. Viper (Beuken, 301; vgl. Ferguson, 69; → Otter / Viper) oder einer Kobra (Fohrer 2. Aufl. 1966, 165; → Kobra / Natter). Im zweiten Teil des Verses verstehen manche Ausleger das hapax legomenon mə’ûrāh im Sinne von „Höhle“ (Childs, 98) bzw. lesen hier mə‘ārat (Kaiser 5. Aufl. 1988, 240). Dabei wird auf die alten Versionen (LXX: κοίτην koitēn; Targum: חֻור chûr; Vulgata: caverna) oder auf den Kontext und die parallele Vershälfte verwiesen (Beuken, 302). Manche folgen dem Vorschlag von Perles, der Anleihen beim akkadischen mûru „Junges“ (vgl. AHw, 677) nimmt (Fohrer 2. Aufl. 1966, 165), und übersetzen beispielsweise mit „junge Otter“ (Wildberger 1972, 438). Andere betonen, dass die Aussage in der zweiten Vershälfte das Körperteil eines Tieres (Duhm, 107), d.h. seine Augen meint (Duhm, 107). Die Parallele zur ersten Vershälfte legt allerdings eine Verbindung zu Höhle nahe. Die hebräische Wurzel des Wortes mag auf den Ort des Lichteinfalls, also auf den Eingang, verweisen (Young 2. Aufl. 1972, 390 Anm. 17).

Nah 2,13 vergleicht Ninive mit Löwenhöhlen. Wahrscheinlich ist hier nur von einer Höhle und ihren verschiedenen Bereichen die Rede (Maier, 284). Diese erscheint unangreifbar und mit Beute angefüllt (Horst, 163). Es ist somit ein sehr gefährlicher Ort und schwer zugänglich (Seybold, 32). Der Vergleich mit Löwen entspricht der Eigendarstellung der assyrischen Grausamkeit (Robertson, 97).

3.3.4. Höhle in Jes 42,22?

Die Bedeutung von בַּחוּרִים bachûrîm in Jes 42,22 ist umstritten. Einige Ausleger folgen den antiken Übersetzungen (Vulgata, Targum, Peschitta), die das Wort mit „die jungen Männer“ wiedergeben (Young 1972, 135). Allerdings macht das in diesem Zusammenhang wenig Sinn (Oswalt, 128 Anm. 65). bachûrîm soll wohl „in Löchern“ bedeuten, doch ist eine Änderung der Vokalisierung zu בְּחוֹרִים bəhôrîm unnötig (Koole, 273). Die Vokalisierung wird nämlich von Jes 11,8 her verständlich und der Artikel kann generisch gebraucht werden (Oswalt, 129 Anm. 65). Die Israeliten sind also in Löchern gefangen (Fohrer 1964, 57). Dies mag eine dramatisierende Darstellung der Situation (Berges, 265) oder eine Ausdehnung der individuellen Gefangennahme (2Kön 25,7.27; 2Chr 36,6) auf die Situation des gesamten Volkes beschreiben (Baltzer, 204). Oder aber die Löcher, die den Israeliten als Zufluchtsort vor den Babyloniern dienen sollten, werden zum Ort der Gefangennahme (Koole, 274).

3.3.5. Höhle in 1Sam 17,23?

In der Erzählung von Davids Kampf gegen → Goliat dienen den → Philistern nach dem Ketiv von 1Sam 17,23 (מִמַּעֲרוֹת mimma‘ǎrôt „aus Höhlen“) Höhlen als vorübergehende Unterkunft. Allerdings folgen Ausleger der masoretischen Qere-Lesart sowie den meisten antiken Übersetzungen: מִמַּעַרְכוֹת mimma’ǎrəkôt „aus den Schlachtreihen“ (McCarter Jr., 302) oder lesen mit der Minderheit der antiken Übersetzungen und der Annahme eines Lesefehlers מַעַרְכַת ma‘arəkat „der Front“ (Stoebe, 324; vgl. Delitzsch, §120a).

4. Bedeutsame Höhlen in der Zeit nach dem Alten Testament

Im Wādī Murabba‘āt (Wadi Murabbaat) (einige Kilometer nördlich von En-Gedi) wurden seit dem Jahre 1946/47 Höhlen und Schriften der sogenannten Qumrangemeinschaft entdeckt (→ Qumran-Handschriften). Die Schriftrollen vom Toten Meer (Dead Sea Scrolls) leisten u.a. wertvolle Beiträge bei der Erforschung der biblischen Textgeschichte. Die Höhlen dienten wohl schon zur Zeit des ersten Jüdischen Krieges (66-70 n. Chr.) als Versteck (Keel, 445).

Die jüdischen Krieger des Bar Kochba-Aufstandes fanden in Höhlen der Wüste Juda zwischen Masada und En-Gedi in den Jahren 130-135 n. Chr. Zuflucht (Keel, 403). Die Römer rieben die Aufständischen in langwierigen Auseinandersetzungen auf, indem sie kleine Gruppen isolierten, diese zerschlugen und erschöpften (Keel, 404). In einer groß angelegten Aktion wurden diese Höhlen durch israelitische Archäologen mit Unterstützung der israelitischen Armee erforscht (Keel, 404; vgl. zur Lage der Höhlen, Keel, 405).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

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Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Die Arbelhöhlen am See Genezareth, in denen sich unter anderem in römischer Zeit Widerstandskämpfer versteckten. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Eine der Höhlen bei Chirbet Qumrān. © United Bible Societies
  • Abb. 3 Eingang der Höhle des Chariton, die ein weitverzweigtes Höhlensystem bietet. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 1984)
  • Abb. 4 Glockenhöhlen von Morescha. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 1984)
  • Abb. 5 Eingang der Karsthöhle Maġarat el-Ğaje im Wādī eṣ-Ṣwēnīṭ, die über ein Netzwerk von Tunneln, riesige Hallen und Hunderten von kleinen Räumen verfügt. Zeichnung aus: H.B. Rawnsley, The Rock of the Pomegranate, PEFQSt 11 (1879), 118-126, Abb. 2
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