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Lexikon

Hilkija

Andere Schreibweise: Hilkia ; Hilkiah (engl.)

Martin Mulzer

(erstellt: Jan. 2008)

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1. Name

Der Personenname Hilkija (חִלְקִיָּהוּ) bedeutet „Jahwe ist (mein?) Anteil“ (→ Teil / teilen)

2. Hilkija, der Priester zur Zeit Josias

Hilkija heißt ein Priester (hebr. kōhen) bzw. anachronistisch Hoherpriester / Oberpriester (hebr. ha=kōhen ha=gadōl) am Jerusalemer Tempel zur Zeit des Königs → Josia. Er tritt in 2Kön 22-23 (par. 2Chr 34-35) in den Abschnitten 2Kön 22,3-20 und 2Kön 23,4-20 auf.

Hilkija hat im Tempel ein Gesetzbuch (hebr. sefær ha=tôrā; vgl. auch Dtn 31,26 u.ö.) gefunden – wohl eine Vorform des → Deuteronomiums – und es dem königlichen Schreiber → Schafan übergeben (2Kön 22,8), der dies Josia meldet. Mit anderen hochrangigen Personen wird Hilkija daraufhin vom König zur Prophetin → Hulda gesandt, um sie zu befragen (2Kön 22,12-14). Nach der Verlesung des Gesetzbuchs beauftragt Josia Hilkija damit, die durch das Buch in Misskredit geratenen Kultgegenstände aus dem Jerusalemer Tempel zu entfernen (2Kön 23,4).

Literargeschichtlich wird für 2Kön 22-23 entweder eine Grundschicht aus vorexilischer Zeit mit späteren Überarbeitungen (vgl. z.B. Spieckermann, 1982, 153; anders Hardmeier, 2000; Arneth 2001) oder eine weitgehend exilisch-nachexilische Entstehung (vgl. z.B. Levin, 1984) angenommen. Der Grad der Fiktionalität bzw. historischen Vertrauenswürdigkeit wird dabei unterschiedlich angesetzt (vgl. dazu Schaper, 2006, 12-20).

3. Weitere Personen

Neben dem Priester Hilkija kennt das Alte Testament mindestens sechs weitere Träger dieses Namens: Es sind der Vater Eljakims (2Kön 18,18 u.ö.), der Vater → Jeremias (Jer 1,1), der Vater → Gemarjas (Jer 29,3), zwei Angehörige der Sippe Merari (1Chr 6,30; 1Chr 26,11) und das Oberhaupt einer Priesterfamilie zur Zeit Esras und Nehemias (Neh 8,4; Neh 12,7.21).

Der Name Hilkija ist auch auf althebräischen Siegeln und Siegelabdrücken belegt (vgl. Renz / Röllig, II/2, 450). Gegenüber Versuchen, auf den Siegeln genannte Personen mit den im Alten Testament belegten zu identifizieren, ist jedoch Zurückhaltung angebracht. So lässt sich nicht sicher sagen, ob etwa Hilkija, der Vater des Priesters Hanan (Siegel 8.41 [Renz / Röllig]; 7. Jh. v. Chr.) mit dem bekannten Priester zur Zeit Josias identisch ist (vgl. Tagliacarne, 1989, 66 Anm. 47; verhalten optimistisch Renz, 2001, 134f.).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001

2. Weitere Literatur

  • Albertz, R., 1992, Religionsgeschichte Israels in alttestamentlicher Zeit, Bd.1 (ATD.Erg. 8/1), Göttingen, hier 312-315
  • Arneth, M., 2001, Die antiassyrische Reform Josias von Juda. Überlegungen zur Konzeption und Intention von 2 Reg 23,4-15, ZAR 7, 189-216
  • Elayi, J., 1986, Le sceau du prêtre Hanan, fils de Hilqiyahu, Sem 36, 43-46
  • Elayi, J., 1992, New Light on the Identification of the Seal of Priest Hanan, son of Hilqiyahu (2 Kings 22), BiOr 49, Sp. 680-685
  • Fischer, I., 2002, Gotteskünderinnen. Zu einer geschlechterfairen Deutung des Phänomens der Prophetie und der Prophetinnen in der Hebräischen Bibel, Stuttgart, hier 179f
  • Hardmeier, C., 2000, König Joschija in der Klimax des DtrG (2Reg 22f.) und das vordtr Dokument einer Kultreform am Residenzort (23,4-15*), in: Lux, R. (Hg.), Erzählte Geschichte. Beiträge zur narrativen Kultur im alten Israel (BThS 40), Neukirchen-Vluyn, 81-145
  • Levin, C., 1984, Joschija im deuteronomistischen Geschichtswerk, ZAW 96, 351-371
  • Rechenmacher, H., 1997, Personennamen als theologische Aussagen. Die syntaktischen und semantischen Strukturen der satzhaften theophoren Personennamen in der hebräischen Bibel (ATSAT 50), St. Ottilien
  • Renz, J., 2001, Der Beitrag der althebräischen Epigraphik zur Exegese des Alten Testaments und zur Profan- und Religionsgeschichte Palästinas, in: Hardmeier, C. (Hg.), Steine – Bilder – Texte. Historische Evidenz außerbiblischer und biblischer Quellen (ABG 5), Leipzig, 123-158
  • Renz, J. / Röllig, W., 2003, Handbuch der althebräischen Epigraphik, Bd. II/2, Darmstadt
  • Schaper, J., 2006, Auf der Suche nach dem alten Israel? Text, Artefakt und „Geschichte Israels“ in der alttestamentlichen Wissenschaft vor dem Hintergrund der Methodendiskussion in den Historischen Kulturwissenschaften. Teil I, ZAW 118, 1-21
  • Spieckermann, H., 1982, Juda unter Assur in der Sargonidenzeit (FRLANT 129), Göttingen.
  • Tagliacarne, P., 1989, „Keiner war wie er“. Untersuchung zur Struktur von 2Könige 22-23 (ATSAT 31), St. Ottilien
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