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Lexikon

Heman

Miriam von Nordheim-Diehl

(erstellt: Jan. 2010)

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1. Name

Die Etymologie von „Heman“ (הֵימָן Hêmān; griech. Αιμαν Aiman) ist nicht eindeutig: Der Name könnte sich von ימן jmn Hif. „nach rechts gehen“ ableiten und „Glückskind“ bedeuten (so Noth, 224) oder von אמן ’mn Hif. „glauben / Gott vertrauen / treu sein“ (so meist in der rabbinischen Literatur) kommen.

Mit dem Namen „Heman“ werden im Alten Testament unterschiedliche Personen bezeichnet. In 1Kön 5,11 ist von einem weisen Mann mit Namen „Heman, Sohn des Mahol“ die Rede, in Ps 88,1 von „Heman, dem Esrachit“, in 1Chr 2,6 von „Heman, dem Sohn des Serach“ und an anderen Stellen in den → Chronikbüchern von dem Sänger „Heman, dem Sohn des Joel“. Es ist durchaus möglich, dass alle Bibelstellen, in denen ein „Heman“ genannt wird, auf 1Kön 5,11 fußen, da sich die Sängergruppen der nachexilischen Zeit nach den Weisen aus 1Kön 5,11 (zumindest nach Heman und → Etan) benannt haben könnten und die Chronisten sie dann in die jeweiligen Stammbäume integriert haben. Ps 49,4-5 zeigt beispielsweise, dass „Weisheit“ und „Singen“ durchaus zusammen gehören können (vgl. Grintz, Encyclopaedia Judaica, 803). S. Japhet vermutet hingegen, dass zu „Heman und Etan“ zwei verschiedene Überlieferungen vorliegen: Die „Weisen unter Salomo sind ‚Serachiten‘ aus dem Stamme Juda, die Tempelsänger Heman und Etan dagegen sind Leviten“ (Japhet, 104).

2. Heman, Sohn des Mahol

In 1Kön 5,11 wird Heman, der Sohn Mahols, gemeinsam mit seinen Brüdern Kalkol und Darda sowie mit → Etan, dem Esrachiter, in einer Aufzählung weiser Männer genannt.

3. Heman, Sohn des Serach

Innerhalb des Juda-Stammbaumes nennt 1Chr 2,6 die gleichen Personen wie 1Kön 5,11 (statt „Darda“ lesen MT und LXX hier jedoch „Dara“ [דָּרַע]), nur werden Heman, Kalkol und Darda hier nicht als Söhne Mahols, sondern Serachs aufgeführt, Etan wird nicht als Esrachiter, sondern ebenfalls als Sohn Serachs vorgestellt und → Simri wird zusätzlich als weiterer Sohn Serachs genannt, der damit fünf Söhne hat. Diese abweichende Darstellung der Abstammung in der Chronik lässt sich dadurch erklären, dass hier vermutlich der Stammbaum Serachs aufgefüllt wurde. Dem Serach-Bruder Perez wird an mehreren Stellen eine fruchtbare Nachkommenschaft bescheinigt, Serach aber nicht. So konstruiert der Chronist aus 1Kön 5,11 eine → Genealogie für Serach (vgl. Willi, 85; Japhet, 103), die durch die weisen Männer sehr ehrwürdig erscheint. Diese würdige Abstammungsreihe ist notwendig, denn der einzig breiter erwähnte Nachfahre des Serach in den Geschichtsbüchern ist → Achan (Jos 7,1ff), Sohn des Karmi, Sohn des Sabdi, Sohn des Serach aus dem Stamm Juda, der sich gegen Jahwe versündigt hatte. In 1Chr 2,6 erhält Serach neben diesem „schändlichen Nachkommen“ auch eine stolze Ahnenreihe durch die Nennung der Weisen aus 1Kön 5,11.

4. Heman, der Esrachiter

In der Überschrift von Ps 88 liegen mehrere Traditionen vor, was „wohl Ergebnis einer Kumulation [war], welche Unsicherheit bei den Redaktoren verrät“ (Seybold, 344). Dieser Psalm wird als „Kultlied“ (שִׁיר šîr), als „Psalm“ (מִזְמוֹר mizmôr) sowie als → „Lehrgedicht“ oder → „Wechselgesang“ (מַשְׂכִּיל maśkîl) bezeichnet (→ Psalter; → Psalmen). Hinsichtlich der Verfasserschaft werden sowohl die Korachiten als auch Heman genannt. Darüber hinaus wird Heman hier als „Esrachiter“ eingeführt – eine Bezeichnung, die nach 1Kön 5,11 und Ps 89,1Etan trägt (in der Septuaginta werden Etan und Heman in diesen Psalm-Überschriften als „Israeliten“ statt als „Esrachiter“ bezeichnet). So stellt diese Zuschreibung an Heman, den Esrachiter, einen Zusammenhang mit dem Nachbarpsalm Ps 89 her (vgl. Zenger, 484) und ebenso zu 1Kön 5,11. Im Gegensatz zu 1Chr 2,6 wird in Ps 88,1 „Heman“ allerdings mit dem Levi-Stammbaum (nicht mit Juda) verbunden, da die „Söhne Korachs“ Leviten waren.

Es ist zu vermuten, dass sowohl Heman als auch Etan in ihrer Funktion als „weise Männer“ in die Psalmüberschriften aufgenommen worden sind, während die chronistische Redaktion in ihnen dann führende Musiker in Entsprechung zu → Asaf gesehen hat (vgl. Steins, 277).

5. Heman, Sohn des Joel

Heman, der Sohn Joels und Nachkomme → Samuels sowie ein Nachkomme → Korachs, wird in der Chronik als Oberhaupt einer Kultsängergilde dargestellt (1Chr 6,18; 1Chr 15,17.19; 1Chr 16,41f; 1Chr 25,1-6; 2Chr 5,12; 2Chr 29,14; 2Chr 35,15). Die Aufgabe der Kultsänger bestand darin, durch ihre Musik (nicht nur durch Gesang, sondern auch durch das Spielen von Zither, Harfe oder Zimbeln; → Musik / Musikinstrumente) Jahwe zu loben. Obwohl die Chronik die Sicht nahelegt, Heman sei bereits zu → Davids Zeiten als Sänger tätig gewesen (vgl. 1Chr 6; 1Chr 25), ist nicht sicher, ob es die Kultsänger bereits in vorexilischer Zeit am ersten → Tempel gegeben hat.

Innerhalb des → chronistischen Geschichtswerks ist die Zuordnung der Sänger zum Tempelpersonal unklar, bzw. sie spiegelt womöglich einen Eingliederungsprozess wider: Während die Sänger nach Esr 2,41 und Esr 2,70 nicht zu den Leviten zählen, sondern gesondert aufgelistet werden, werden sie in Neh 11,17 und in 1Chr 6 als Gruppe innerhalb der Leviten gesehen.

Nach 1Chr 6 ist Heman der wichtigste Sänger, da er von den drei Sängergruppen in der Mitte positioniert wird: → Asaf steht zu seiner Rechten und → Etan zur Linken. Auch in 1Chr 25,5 wird Heman sehr hochgeschätzt, da einerseits von ihm gesagt wird, Gott habe ihm zugesichert, sein „Horn“ zu erhöhen, und andererseits ihm in dieser Liste als einzigem Sänger der Titel „Seher des Königs“ (חזה המלך chozeh hammælækh) zukommt. In der Kapitelüberschrift 1Chr 25,1 wird dem ungeachtet allen drei Sängergruppen die Gabe zugesprochen, „geisterfüllt zu musizieren“ (נבא nb’ Nif.), sodass hier alle Sänger noch zusätzlich eine prophetische Funktion erhalten. Darüber hinaus wird in diesem Kapitel von Heman berichtet, er habe 14 Söhne und drei Töchter gehabt – das sind weit mehr Kinder als die des Asaf und des → Jedutun.

Darüber hinaus gibt es aber auch Stellen, die eine andere Rangordnung der Sänger nahelegen: In 1Chr 16 ist Asaf der wichtigste Sänger, da er an der → Lade angestellt ist, während Heman und Jedutun an der → Stiftshütte zurückbleiben (vgl. Gese, 224). Des Weiteren sind in Esr 2,41; Esr 3,10; Neh 7,44 nur die Asafiten als Sänger erwähnt. In 2Chr 29,30 kommt nur Asaf die Rolle des „Sehers“ (חזה chozeh) zu. In 2Chr 35,15 ist wiederum Jedutun der einzige Sänger, dessen Amt auch das eines „Sehers des Königs“ (חזה המלך chozeh hammælækh) ist. Nach H. Gese ist die Tradition der Rangfolge Asaf-Heman-Jedutun älter als die Tradition Heman-Asaf-Etan (vgl. Gese, 225f), sodass anzunehmen ist, dass Heman im Laufe der Zeit des Zweiten Tempels einen Karriere-Aufstieg – zumindest in der Überlieferung – erlebte.

6. Wirkungsgeschichte

Im Neuen Testament wird keiner der Kultsängergruppen aus dem Alten Testament genannt. In der rabbinischen Literatur beschränken sich die Nennungen Hemans auf zwei Aspekte: Zum einen wird von Heman gesagt, er habe Anteil an der kommenden Welt (gemeinsam mit Simri, Etan, Kalkol und Darda, vgl. Babylonischer Talmud, Traktat Sanhedrin 44b; Text Talmud), zum andern wird Heman mit → Mose identifiziert (z.B. Midrasch Mischle Par. 1; Pesiqta de Rav Kahana Pis. 4; Pesiqta Rabbati Pis. 14). Im → Midrasch Rabba zu Leviticus (Parascha 9) finden sich beide Traditionslinien. Die Identifikation mit Mose geschieht über die Ableitung des Namens „Heman“ von der Wurzel אמן ’mn „treu sein / Gott vertrauen“ und Num 12,7, wo es heißt, dass Mose „mein ganzes Haus anvertraut (נֶאֱמָן næ’ämān) ist“. Nach dem Jerusalemer Talmud, Traktat Sanhedrin (6,23) und dem → Midrasch Rabba zu Leviticus (Parascha 9) wird unter den Rabbinen diskutiert, ob Heman auch mit → Achan gleichgesetzt werden könnte (oder ob Simri mit Achan identisch sei). Auch diese Gleichsetzung beruht auf der → Etymologie des Namens „Heman“ von der Wurzel אמן ’mn „treu sein / Gott vertrauen“ und Jos 7,20 (durch das Wort „wahrlich“ אָמְנָה ’åmnāh). Darüber hinaus findet sich im Babylonischen Talmud, Traktat Baba Batra (15a), die Notiz, dass Heman und → JedutunDavid beim Komponieren der → Psalmen geholfen hätten. Hier wird bei den Rabbinen auch in Erwägung gezogen, dass es zwei verschiedene Personen namens Heman gab: Heman, der mit → Mose identifiziert wird, und Heman, der Ps 88 geschrieben hat.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Encyclopaedia Judaica, Jerusalem 1971-1996
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992

2. Weitere Literatur

  • Gese, H., 1963, Zur Geschichte der Kultsänger am Zweiten Tempel, in: O. Betz / M. Hengel / P. Schmidt (Hgg.), Abraham unser Vater. Juden und Christen im Gespräch über die Bibel (FS O. Michel; AGSU 5), Leiden / Köln, 222-234
  • Hossfeld, F.-L. / Zenger, E., 2002, Die Psalmen II. Psalm 51-100 (NEB.AT), Würzburg
  • Japhet, S., 2002, 1 Chronik (HThK.AT), Freiburg / Basel / Wien
  • Noth, M., 1928, Die israelitischen Personennamen im Rahmen der gemeinsemitischen Namengebung (BWANT 3. Folge Heft 10), Stuttgart
  • Seybold, K., 1996, Die Psalmen (HAT I/15), Tübingen
  • Steins, G., 1995, Die Chronik als kanonisches Abschlußphänomen. Studien zur Entstehung und Theologie von 1 / 2 Chronik (BBB 93), Weinheim
  • Willi, Th., 2009, Chronik. 1. Teilband. 1. Chronik 1,1-10,14 (BK XXIV), Neukirchen-Vluyn
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