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Lexikon

Halleluja

Matthias Millard

(erstellt: Aug. 2015)

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1.Einführung: Vorkommen, Bedeutung und Varianten

Halleluja (הַלְלוּיָהּ halləlûjāh) ist die Kombination eines Imperativs Plural der Verbalwurzel הלל hll „loben / preisen“ im Piel mit dem Objekt יָהּ jāh, einer Kurzform des Gottesnamens (→ Jahwe). Entsprechend lautet die übliche Übersetzung „Lobet JHWH / GOTT / den HERRN“. Dass הלל hll bis auf wenige Ausnahmen immer ein direktes Objekt hat, unterscheidet dieses Verb von anderen Verben des Lobens (Jenni 246). Bevorzugtes Objekt von הלל hll ist dabei der Gottesname in der Kurzfassung יָהּ jāh oder in der Umschreibung „der Name Gottes“ (so z.B. Jo 2,26; Ps 135,1), seltener der Gottesname in der Langfassung (z.B. Jes 62,9) oder etwas Gott Zuzuordnendes wie sein Wort (z.B. Ps 56,5).

Halleluja kommt in der Hebräischen Bibel in drei Varianten vor: eine Kombination beider Wörter als zwei Wörter mit und ohne verbindendem Maqqef (הַלְלוּ־יָהּ halləlû-jāh oder הַלְלוּ יָהּ halləlû jāh) sowie die Vereinigung des Verbs mit seinem bevorzugten Objekt zu einem einzigen Wort (הַלְלוּיָהּ halləlûjāh). Die Variante als einem Wort und die als zwei Wörter sind in den Handschriften nicht immer klar zu unterscheiden. Die Vermutung, dass die Variante mit zwei Wörtern sich zu einem festen Ausdruck mit einem einzigen Wort entwickelt hat, liegt nahe (so z.B. Seybold). Spätestens hier kann eine liturgische Verwendung des Ausdrucks vorausgesetzt werden, da er biblisch in liturgischen Zusammenhängen erscheint und auch nachbiblisch so verwendet wird (→ Hallel). Den Schlusspunkt dieser vermutlichen Entwicklung bilden die Übersetzungen des Alten Testaments und von daher die weltweite liturgische Praxis, in der alle drei hebräischen Varianten in der Ein-Wort-Variante als Lehnwort übernommen werden (vgl. z.B. schon als literarischen Reflex Apk 19,1.3.4.6).

2.Die literarische Funktion von „Halleluja“

2.1. „Halleluja“ als Texttrenner im hebräischen Text des Alten Testaments

„Halleluja“ hat klare literarische Funktionen innerhalb der Texte des Alten Testaments. So steht „Halleluja“ oft am Anfang von Psalmen (vgl. Ps 106,1; Ps 111,1; Ps 112,1; Ps 113,1; Ps 135,1; Ps 146,1; Ps 147,1; Ps 148,1; Ps 149,1; Ps 150,1) und wird dort in der masoretischen Texttradition nahezu immer in einer eigenen offenen Zeile geschrieben (eine Ausnahme im Codex Leningradensis nur in Ps 150 aus Platzgründen). Die nächste Parallele dazu sind Psalmenüberschriften. Insofern ist eine typische Funktion des „Halleluja“ nicht nur die der Einleitung eines Hymnus mit der Lobaufforderung, sondern diese Lobeinleitung kann schon in der Hebräischen Bibel zugleich als Überschrift verwendet werden.

Daneben ist in der Hebräischen Bibel „Halleluja“ auch umfangreich als Schlusswort in Psalmen belegt (Ps 104,35; Ps 105,45; Ps 106,48; Ps 113,9; Ps 115,18; Ps 116,19; Ps 117,2; Ps 135,21; Ps 146,10; Ps 147,20; Ps 148,14; Ps 149,9; Ps 150,6). In dieser Position findet sich „Halleluja“ in den masoretischen Handschriften seltener als Anfang einer offenen Zeile, aber bevorzugt durch eine → Setuma (Zeichen für eine Pause) etwas abgegrenzt vom übrigen Text zumindest als separate Halbzeile. Es gibt aber auch viele Fälle ohne erkennbare Abgrenzung, beispielsweise im Codex Leningradensis am Schluss von Ps 135, Ps 146 und Ps 148-150.

Durch diese Verwendung am Anfang und Ende von Psalmen hat „Halleluja“ bevorzugt eine trennende Funktion innerhalb der Gruppen von Lobpsalmen. Dass „Halleluja“ nur im letzten (und zugleich kompositionsgeschichtlich späten) Drittel des Psalters vorkommt und dort ganz häufig innerhalb der letzten Gruppe von Psalmen im Psalter, belegt, dass dieser Lobruf Gottes als Ziel des Psalters angesehen werden kann. Das „Halleluja“ als Ziel des Psalters kann deshalb als bereits mit der Überschrift des → Psalters təhillîm „Loblieder“ angekündigt gelten.

2.2. Die Septuaginta: „Halleluja“ als Begriff und die Bevorzugung von „Halleluja“ als Überschrift

Die Entscheidung der Übersetzer der → Septuaginta, הַלְלוּיָהּ halləlûjāh unabhängig von der Schreibweise im hebräischen Text transliteriert als αλληλουια allēluia wiederzugeben, belegt, dass „Halleluja“ durchgehend als fester Ausdruck aufgefasst wurde. Die Verwendung von αλληλουια allēluia als Überschrift wird in der Septuaginta gesteigert (so Ps 135,1LXX gegenüber der Vorlage Ps 136,1), während es als Abschluss von Psalmen oft weggelassen wird (vgl. die Vorlage Ps 105,45; Ps 106,48 mit Ps 105,1LXX). So wird das Ägyptische Hallel durchgängig und sogar der nachfolgende Torapsalm Ps 119 mit αλληλουια allēluia als Überschrift eingeleitet. Auch die Neuabgrenzung der Psalmen im kleinen Hallel Ps 146-150 erfolgt mit einer durchgängigen Setzung von αλληλουια allēluia als Überschrift, während das αλληλουια allēluia als Schlusspunkt der einzelnen Psalmen des kleinen Hallels gegenüber dem hebräischen Text gestrichen wird. Die einzige Ausnahme bildet hier der Schlusspunkt des gesamten Psalters Ps 150,6, wo die Vereinigung der gesamten Lebenswelt zu einem „Halleluja“ der Zielpunkt des Psalters ist. Dieser bleibt in der Septuaginta erhalten, wird allerdings ergänzt, indem mit Ps 151,1 ein weiteres αλληλουια allēluia als Überschrift zu diesem Nachwort zum Psalter folgt. Der vorrangigen Setzung von αλληλουια allēluia als Überschrift in der Septuaginta entspricht, dass es hier mit Artikel „das Halleluja“ (το αλληλουια to allēluia) als Bezeichnung für einen Lobpsalm verwendet werden kann (3Makk 7,13). Dass diese Bevorzugung von „Halleluja“ als Überschrift von Psalmen eine Besonderheit der griechischen Bibeltradition ist, verdeutlicht der Befund in Qumran: Der Anfang von Ps 151 mit „Halleluja“ ist zwar auch in Qumran durch 11QPsa (col. XXVIII) bezeugt, aber in der Überlieferung von Ps 135,1 rückt das „Halleluja“ sogar vom Versanfang an das Ende der Lobaufforderungen im ersten Vers (11QPsa col. XIV).

3. „Halleluja“ als Zeugnis einer Variante des Gottesnamens

Hebräische liturgische Rufe wie „Halleluja“, aber auch z.B. Amen oder Hosianna stehen für die gegenwärtige Verwurzelung vieler religiöser Formen in der Tradition der Hebräischen Bibel. Doch transportieren solche Formen auch Inhalte, die weniger bewusst sind. Im Fall von „Halleluja“ kann durch die Stimmigkeit des besonders zum Gesang geeigneten Lautbildes und der zum Jubeln auffordernden Wortbedeutung das Objekt des Lobens in den Hintergrund treten, denn zu den weniger bekannten Inhalten gehört, dass „Halleluja“ Zeugnis einer Kurzform des Gottesnamens ist (jhwh > jh). Nächste Parallelen sind hier die theophoren (also den Gottesnamen tragenden) Personennamen wie beispielsweise → Elia, → Jesaja, → Josia oder → Obadja.

Die Vokalisation der Kurzform als יָהּ jāh kann im Unterschied zur Vokalisation der Langform als unstrittig gelten. Ein hohes Alter der Kurzform יָהּ jāh wird gelegentlich noch wegen der wahrscheinlichen Verwurzelung des Rufes in der Liturgie angenommen, ist aber wegen der bevorzugten Bindung dieses Rufes an einen festen literarischen Ort am Psalmanfang oder Psalmschluss schwerlich nachweisbar.

Sicher ist demgegenüber, dass die Heiligung des Gottesnamens durch die Vermeidung seiner Aussprache offensichtlich zu keiner Zeit der Entstehung und Weitergabe des Alten Testaments auf die Kurzform יָהּ jāh übertragen wurde. Insofern bezeugt die Kurzform יָהּ jāh im Ruf „Halleluja“ יָהּ jāh

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998-2007

2. Weitere Literatur

  • Gunkel, H. / Begrich, J. 1933, Einleitung in die Psalmen (HK Erg.Bd.), Göttingen
  • Hossfeld, F.-L. / Zenger, E., 2008, Psalmen 101-150 (HThK.AT), Freiburg i.Br.
  • Hossfeld, F.-L. / Zenger, E., 2012, Die Psalmen III. Psalm 101-150 (NEB.AT 40), Würzburg
  • Jenni, E., 1968, Das hebräische Piel. Syntaktisch-semasiologische Untersuchung einer Verbalform im Alten Testament, Zürich, 246
  • Millard, M., 1994, Die Komposition des Psalters. Ein formgeschichtlicher Ansatz (FAT 9), Tübingen
  • Smith, J., 2011, Translated Hallelujahs. A Linguistic and Exegetical Commentary on Selected Septuaginta Psalms (Biblical Exegesis & Theology 56), Leuven
  • Seybold, K., 2003, Poetik der Psalmen (Poetologische Studien zum Alten Testament 1), Stuttgart, 302f.
  • Seybold, K., 2. Aufl. 2005, Der Segen und andere liturgische Worte aus der hebräischen Bibel, Zürich, 89-95
  • Zenger, E. / Hossfeld, F.-L., 8. Aufl. 2012, Das Buch der Psalmen, in: ders. u.a., Einleitung in das Alte Testament (Kohlhammer Studienbücher Theologie 1/1), Stuttgart u.a., 428-452
  • Eine aktuelle Liste von Psalmenkommentaren in einer Zusammenstellung von Thomas Hieke findet sich unter http://www.thomashieke.de/ps_komm.htm.

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