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Lexikon

Hahn (AT)

Peter Riede

(erstellt: Aug. 2009)

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© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Das Siegel „des Jaasanja, des Dieners des Königs“ zeigt einen Kampfhahn mit übergroßem Sporn in geduckter Haltung (Stempelsiegel; Tell en-Naṣbe; 7. Jh. v. Chr.).

Hühnerzucht wurde in Indien schon im 3. Jt. v. Chr. betrieben. In Palästina spielten Hühner (→ Henne) dagegen erst seit der persischen Zeit (6./5. Jh. v. Chr.) eine Rolle, doch waren die Tiere schon früher bekannt, wie Siegel mit der Darstellung eines Hahns in Angriffshaltung aus Tell en-Naṣbe (→ Mizpa) aus dem 7./6. Jh. v. Chr. zeigen (vgl. Abb. 1). Hi 38,36 (Luther: „Wer gibt verständige Gedanken?“) erscheint der Hahn (hebr. śækhwî; Vulgata: gallus) als Künder und Bringer des Regens (Keel 1981; Fohrer 1989 und schon Hölscher 1937). Diese Verbindung von Hahn und Regen hat sich lange im palästinischen Volksglauben gehalten (vgl. Jaussen 1924).

Aus: O. Keel / M. Küchler / C. Uehlinger, Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1, Zürich u.a. 1984, 141 Abb. 71; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 2 Darstellung des Kosmos: Dem Hahn als Regenkünder und -bringer (links) korrespondieren rechts die Himmelskrüge. Drei Himmelsträger halten die geflügelte Sonnenscheibe. Der Chaosdrache (rechts) gefährdet die Weltordnung, die Riten des Priesters (links) sollen sie aufrechterhalten (Rollsiegel aus Kalach / Nimrud; 8. Jh. v. Chr.).

Möglicherweise meint auch die poetische Umschreibung „der an den Lenden Gegürtete“ (hebräisch zarzîr måtnajim) im Zahlenspruch Spr 30,31 den stolz daherschreitenden Hahn (so LXX und andere alte Übersetzungen; andere schlagen Rabe, Windhund, Pferd oder Zebra vor; vgl. dazu Meinhold 1991).

Das aus Reinheitsgründen für Jerusalem erlassene rabbinische Verbot der Hühnerhaltung wurde nicht strikt eingehalten. Daher kann der Hahn (griechisch alektōr) in der Geschichte von der Verleugnung des Petrus (Mk 14,72 par; Joh 18,72; vgl. auch die prophetische Weissagung Jesu Mk 14,30 par Joh 13,28) als Künder des anbrechenden Tages genannt werden (vgl. auch 3Makk 5,23). Der „Hahnenschrei“ (griechisch alektorophōnίa), der in der Antike den Wechsel von → Tag und → Nacht anzeigt und teils mit apotropäischer Bedeutung (Vertreibung der nächtlichen Geister), teils mit besonderen Gebeten verbunden war, markiert in Mk 13,35 die dritte der nach römischer Zählung vier → Nachtwachen, also die Zeit von Mitternacht bis ca. 3 Uhr morgens.

„Im Christentum hat der Hahn einen Ehrenplatz auf vielen Kirchturmspitzen erhalten. Dort zeigt er als Wetterhahn nicht nur die Windrichtung an, sondern erinnert auch an den Verrat Christi durch Petrus, der durch dreifachen Hahnenschrei angezeigt wurde, und mahnt so zur Glaubenstreue“ (Staubli, in: Keel / Staubli 2001, 48).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928ff (sv. Hahn, Huhn)
  • Reallexikon für Antike und Christentum, Stuttgart 1950ff
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992 (s.v. Huhn)
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Freiburg i.Br. 1993-2001
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Brentjes, B., 1962, Nutz- und Hausvögel im Alten Orient, WZ Halle 11, 635-703
  • Dalman, G., 1942, Arbeit und Sitte, Gütersloh, Bd. VII, 247-255
  • Fohrer, G., 2. Aufl. 1989, Das Buch Hiob (KAT XVI), Gütersloh, 508f
  • Hölscher, G.,1937, Das Buch Hiob (HAT I / 17), Tübingen, 91
  • Jaussen, J.A., 1924, Le coq et la pluie dans la tradition palestinienne, RB 33, 574-582
  • Keel, O., 1978, Jahwes Entgegnung an Ijob. Eine Deutung von Ijob 38-42 vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Bildkunst (FRLANT 121), Göttingen, 60f
  • Keel, O., 1981, Zwei Beiträge zum Verständnis der Gottesreden im Buch Ijob (XXXVIII 36F., XL 25), VT 31, 220-225
  • Keel, O. / Staubli, Th., 2001, Im Schatten deiner Flügel. Tiere in der Bibel und im alten Orient, Freiburg (Schweiz), 17, 48, 55-57
  • Meinhold, A., 1991, Die Sprüche. Teil 2: Sprüche Kapitel 16-31 (ZBK.AT 16/2), Zürich, 505-513
  • Møller-Christensen, V. / Jordt Jørgensen, K.E., 1969, Biblisches Tierlexikon (Bibel – Kirche – Gemeinde 4), Konstanz, 116-118 (s.v. Huhn)
  • Schouten van der Velden, A., 1992, Tierwelt der Bibel, Stuttgart, 72f
  • Brady, D., 1979, The Alarm to Peter in Mark’s Gospel, JNST 4, 42-75
  • Dassmann, E., 1980, Die Szene Christus-Petrus mit dem Hahn (JAC Erg. 8), 509-527
  • Derrett, J.D.M., 1983, The Reason for the Cook-Crowings, NTS 29, 42-144
  • Dewey, K., 1976, Peter’s Curse and Cursed Peter (Mk 14:53-54.66-72), in: W.H. Kelber (Hg.), The Passion in Mark, Philadelphia, 96-114
  • Faber, R., 2006, Der Hahn. Ein Beitrag zur politisch-theologischen Heraldik der Bibel und ihrer Fortschreibungen, in: M. Keuchen (Hg.), Die besten Nebenrollen. 50 Porträts biblischer Randfiguren, Leipzig, 186-192
  • Gewalt, D., 1978, Die Verleugnung des Petrus, LingBibl 43, 113-144
  • Manns, L., 1977, Le coq, TS 4, 98-101
  • Wenham, J.W., 1978 / 1979, How many Cook-Crowings?. The Problem of Harmonistic Text-Variants, NTS 25 (1978/1979), 523-525

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Das Siegel „des Jaasanja, des Dieners des Königs“ zeigt einen Kampfhahn mit übergroßem Sporn in geduckter Haltung (Stempelsiegel; Tell en-Naṣbe; 7. Jh. v. Chr.). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Darstellung des Kosmos: Dem Hahn als Regenkünder und -bringer (links) korrespondieren rechts die Himmelskrüge. Drei Himmelsträger halten die geflügelte Sonnenscheibe. Der Chaosdrache (rechts) gefährdet die Weltordnung, die Riten des Priesters (links) sollen sie aufrechterhalten (Rollsiegel aus Kalach / Nimrud; 8. Jh. v. Chr.). Aus: O. Keel / M. Küchler / C. Uehlinger, Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1, Zürich u.a. 1984, 141 Abb. 71; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz
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