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Lexikon

Glöckchen

Johannes Thon

(erstellt: Nov. 2008)

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1. Belege

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Granatäpfel und Glöckchen.

Als „Glöckchen“ oder „Schellen“ (Luther) werden zwei verschiedene hebräische Begriffe übersetzt:

1) Als Teil des hohepriesterlichen Ornats erscheinen Glöckchen (pa‘ǎmon) in Ex 28,33-35 (Anweisungen zur Herstellung) und Ex 39,25f. (Ausführung). Sie waren – abwechselnd mit → Granatäpfeln – am Saum des Kleidungsstückes befestigt, das als Efod (→ Kultgeräte) bezeichnet wird. Während der → Hohepriester im Heiligtum Dienst tat, waren sie zu hören, „damit er nicht stürbe“ (Ex 28,35).

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 2 Die Assyrer schmückten ihre Pferde.

2) In Sach 14,20 sind Glöckchen (məṣillāh) bei Pferden erwähnt. Obwohl also eine ganz andere Vokabel verwendet wird, ist auffällig, dass auch hier ein kultischer Zusammenhang hergestellt wird: In der angekündigten Heilszeit werden sogar gewöhnliche Gebrauchsgegenstände wie diese Glöckchen „dem Herrn heilig“ heißen.

2. Etymologie

Während das Wort məṣillāh leicht von dem Verb ṣll I „klingen“ abgeleitet werden kann, ist die Etymologie von pa‘ǎmon unklar (Sæbø, 707). Ein Zusammenhang besteht offenbar zu pa‘am, das auch die Bedeutung „Schlegel“ oder „Klöppel“ haben kann.

3. Archäologische Funde

Durch Funde belegt sind meist bronzene, 2-5cm große Glöckchen mit eisernen Klöppeln. An der Oberseite sind sie mit einem Ring versehen, womit sie offenbar an Kleidung befestigt oder als Schmuckelement getragen werden konnten (Meyers). Pferde mit Glöckchen sind auf assyrischen Abbildungen belegt (Rüger, 236; Meyers).

4. Bedeutung

Diskutiert wird vor allem die Funktion der Glöckchen am hohepriesterlichen Gewand. Sie werden mit unter die → Musikinstrumente gerechnet. Eine Funktion kann daher natürlich einfach in dem von ihnen erzeugten angenehmen Klang bestehen. Ex 28,35 benennt jedoch viel ernstere Folgen (s.o.). Deshalb ist angenommen worden, ihr Klang habe eine apotropäische (→ Dämonen abschreckende) Funktion (Rauschenbach). Die genannte Bibelstelle lässt diese Deutung allerdings nicht mehr erkennen. Nach Sir 45,9 (Lutherbibel: Sir 45,11) wurde den außerhalb stehenden Kultteilnehmer durch den Klang bewusst, wann der Hohepriester vor dem Herrn amtierte. Nach traditionellen jüdischen Deutungen könnte er ohne die Glöckchen von den im Heiligtum wohnenden Engeln behindert werden. Am wahrscheinlichsten sind zwei miteinander in Beziehung stehende Deutungen: Als intendierte Hörer kommen vor allem der Hohepriester und Gott selbst in Frage: Ersterer wird durch die Glöckchen an seinem Gewandsaum beständig darauf hingewiesen, dass er in dieser hochbrisanten Situation angemessen gekleidet zu sein hat. Gottes Aufmerksamkeit soll vielleicht in besonderem Maße auf das Ornat des Hohenpriesters gelenkt werden, denn ein Teil dessen repräsentiert ja die → Stämme Israels (Ex 28,21.29; Houtmann; Haran, 216).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

  • Haran, M., 1985, Temples and Temple Service in Ancient Israel, Winona Lake
  • Houtman, C., 1990, On the Pomegranates and the Golden Bells of the High Priest's Mantle, VT XL, 223-229
  • Kammerer, St., 2006, Art. Musik / Musikinstrumente, in: WiBiLex 2006, http://www.wibilex.de (Zugriffsdatum: 14.11.2008)
  • Meyers, C., 1992, Art. Bells, in: Anchor Bible Dictionary I, 657
  • Rauschenbach, B., 1991, Art. Glocke, in: Neues Bibel-Lexikon I, 857
  • Rüger, H.P., 1977, Art. Musikinstrumente, in Biblisches Reallexikon (2. Aufl.), 234-236
  • Sæbø, M., 1989, Art. פעם p‘m, in: Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament VI, 703-708

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Granatäpfel und Glöckchen. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Die Assyrer schmückten ihre Pferde. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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