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Lexikon

Ginster

Ute Neumann-Gorsolke

(erstellt: Aug. 2010)

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1. Botanisch

Aus: Wikimedia Commons; © mḍ, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 29.10.2010

Abb. 1 Ginster (Retama raetam).

Der biblisch erwähnte Ginster meint den weiß blühenden Ginster aus der Familie der Schmetterlingsblütler, der in Palästina in den zwei Varietäten Retama raetam und Retama sarcocarpa vorkommt. Wie in der Sahara und Arabien ist der Ginster auch auf sandigem Boden in den Wüsten Palästinas und im Küstensand sowie auf steinigen Gebirgshängen Ostsamariens zu finden. Der anderthalb bis drei Meter hohe Busch, selten auch ein Baum, besitzt einen kurzen Stamm, von dessen Fuß aus sich aufrechte, rutenartige Äste verzweigen, die für die Photosynthese sorgen. Während sich im Winter einige, nur temporäre haarige Blätter ausbilden, bedecken im Frühjahr kleine weiße Blüten die Äste, aus denen sich als Früchte ein- bis zweisamige Hülsen entwickeln.

Der salztolerante Ginster verfügt über extrem lange Wurzeln, die bis zu tief liegendem Grundwasser vordringen, so dass er auch lange Trockenperioden überstehen kann.

2. Biblisch

Im Alten Testament wird der Weiße Ginster (hebr. rotæm) viermal erwähnt: in 1Kön 19,4f; Ps 120,4 und Hi 30,4. Nach 1Kön 19,4f (Lutherbibel: „Wacholder“) geht der Prophet → Elia in die Wüste und findet Schatten unter einem Ginsterbusch, dem oft einzigen Schattenspender in dieser trockenen Landschaft.

Ps 120,4 spielt mit „Ginsterkohlen“ (Pl. gachǎlê rәtāmîm; Lutherbibel: nur „Kohlen“) wohl darauf an, dass Ginsterwurzeln eine Holzkohle ergeben, die Hitze lange speichert und sich deswegen sehr gut als Brennmaterial zum Kochen und Heizen eignet.

In Hi 30,4 wird die Ginsterwurzel genannt, jedoch ist es umstritten, ob sie, wie der masoretische Text angibt, als Speise anzusehen ist, da sie giftig ist. Nach Strauss ist hier nicht das Verspeisen, sondern das Benagen der Wurzel gemeint, „um unter primitivsten Umständen lebenswichtige (auch salzhaltige) Feuchtigkeit ‚zur Ernährung’ zuzuführen“ (Strauss, 198). Diskutiert wird auch, ob hier nicht ein die Ginsterbuschwurzel befallender Schmarotzer, der sog. Malteserschwamm (Cynomorium coccinecum) gemeint sei, der in der Wüste als Nahrung gedient habe. Die meisten Exegeten ändern den hebräischen Text geringfügig und lesen (wie in Jes 47,14) לחמם nicht mit den Masoreten als „zur Speise“ (לַחְמָם lachmām), sondern als „um sich zu wärmen“ (לְחֻמָּם ləchummām). Dann wäre die Ginsterwurzel wie in Ps 120,4 als Brennmaterial genannt.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Hepper, F.N., 1992, Pflanzen der Bibel. Eine illustrierte Enzyklopädie, Stuttgart
  • Keel, O. / Küchler, M. / Uehlinger, Chr., 1984, Orte und Landschaften der Bibel, Bd. 1, Zürich
  • Neumann-Gorsolke, U. / Riede, P., 2003, Das Kleid der Erde. Pflanzen in der Lebenswelt des alten Israel, Stuttgart / Neukirchen-Vluyn
  • Strauss, H., 2000, Hiob. Kap. 19.1-42,17 (BK XVI/2), Neukirchen-Vluyn
  • Zohary, M., 3. Aufl. 1995, Pflanzen der Bibel, Stuttgart

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Ginster (Retama raetam). Aus: Wikimedia Commons; © mḍ, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 29.10.2010
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