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Lexikon

Gazelle

Peter Riede

(erstellt: März 2010)

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© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Gazellen.

Der hebräische Name der Gazelle ist צְבִי ṣəvî (das weibliche Tier heißt צְבִיָה ṣəvîjāh; nur in Hhld 2,7; Hhld 3,5; Hhld 4,5; Hhld 7,4), was auch „Zierde / Herrlichkeit“ bedeutet. Die griechische Bezeichnung ist δορκας dorkas; Luther übersetzt häufig „Reh“.

Das in Herden lebende, scheue Tier (Jes 13,14), das als rein galt und deshalb gegessen werden durfte (1Kön 5,3; Dtn 12,15; Dtn 12,22; Dtn 14,5; Dtn 15,22), wurde wegen seines wohlschmeckenden Fleisches oft gejagt (Spr 6,5; Sir 27,20 mit Netzen [Lutherbibel: Sir 27,22]). Seine Schnelligkeit und Springfähigkeit (2Sam 2,18; 1Chr 12,9), aber auch seine Anmut wurden bewundert und dienten in der alttestamentlichen Liebeslyrik als Bild für den Geliebten, der über die Hügel springt (Hhld 2,9; Hhld 2,17; Hhld 8,14), oder seine Gefährtin, deren Brüste wie spielende Gazellenzwillinge hüpfen (Hhld 4,5; Hhld 7,4). Gazellen sind zudem als Begleiterinnen der Liebesgöttin belegt. Daher beschwor man bei den Gazellen, die Liebe nicht zu stören (Hhld 2,7; Hhld 3,5).

„Gazelle“ findet sich mehrfach als Personenname für Frauen und Männer (vgl. 1Chr 8,9; 2Kön 12,2; 2Chr 24,1; Apg 9,36 [Zibja; → Tabita]). Spr 5,19 bezieht sich nicht auf die Gazelle (so die Lutherübersetzung), sondern auf die Hirschkuh.

Mit Dank an © The Trustees of the British Museum

Abb. 2 Gazellenjagd (Ausschnitt). Aus einem Versteck, einer Grube (links außerhalb des Ausschnitts) schießt König Assurbanipal (668-626 v. Chr.) auf Gazellen, die ihm zugetrieben werden (rechts außerhalb des Ausschnitts; Ninive, Nordpalast).

In Ägypten und Mesopotamien waren Gazellen als Jagdtiere bekannt, in Ägypten waren sie Teil des Wüstenwildes. Auch von Zähmungsversuchen wissen wir; seit dem → Neuen Reich wurden Gazellen manchmal als Lieblingstier („pet“) gehalten und zusammen mit ihrem Besitzer bestattet. Im Kult des Min fanden sie als Opfertiere Verwendung.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

Bild-Recherche BIBEL+ORIENT Datenbank Online

1. Lexikonartikel

  • Paulys Realencyclopädie, Stuttgart, 1893-1978
  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928ff
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

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  • Boessneck, J., Die Tierwelt des Alten Ägypten anhand kulturgeschichtlicher und zoologischer Quellen, München 1988
  • Brentjes, B., Die Haustierwerdung im Orient. Ein archäologischer Beitrag zur Zoologie, Stuttgart 1965, 17-22
  • Cansdale, C., Animals of Bible Lands, Exeter 1970, 92-94
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  • Ferguson, W.F., Living Animals of the Bible, New York 1972, 29
  • Helck, W., Jagd und Wild im alten Vorderasien, Hamburg 1968, 20ff
  • Keel, O. / Küchler, M. / Uehlinger, Chr., Orte und Landschaften der Bibel 1, Zürich 1984, 150f
  • Keel, O., Das Hohelied (ZBK.AT 18), Zürich 1986, 91-96.138-141
  • Keel, O. / Staubli, Th. (Hgg.), „Im Schatten deiner Flügel“. Tiere in der Bibel und im Alten Orient, Freiburg (Schweiz) 2001, 51
  • Meißner, B., Babylonien und Assyrien I, Heidelberg 1920, 416
  • Møller-Christensen, V. / Jordt Jørgensen, K.E., Biblisches Tierlexikon (Bibel – Kirche – Gemeinde 4), Konstanz 1969, s.v. Gazelle
  • Pinney, R., The Animals in the Bible, Philadelphia 1964, 107
  • Salonen, A., Jagd und Jagdtiere im alten Mesopotamien (AASF 196), Helsinki 1976
  • Schouten van der Velden, A., Tierwelt der Bibel, Stuttgart 1992, 74f
  • Schroer, S., Die Tiere in der Bibel. Eine kulturgeschichtliche Reise, Freiburg 2010, 109-112

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Gazellen. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Gazellenjagd (Ausschnitt). Aus einem Versteck, einer Grube (links außerhalb des Ausschnitts) schießt König Assurbanipal (668-626 v. Chr.) auf Gazellen, die ihm zugetrieben werden (rechts außerhalb des Ausschnitts; Ninive, Nordpalast). Mit Dank an © The Trustees of the British Museum
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