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Lexikon

Gat-Rimmon

Andere Schreibweise: Gath-Rimmon

Friedbert Ninow

(erstellt: April 2009)

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1. Name

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Karte zur Lage von Gat-Rimmon.

Der Ortsname Gat-Rimmon (hebräisch גַּת־רִמּוֹן gat rimmôn) setzt sich aus גַּת gat „Kelter“ sowie רִמּוֹן rimmôn „Granatapfel“ zusammen und bedeutet „Granatapfel-Kelter“ bzw. „Kelter am Granatapfelbaum“. Durch „Granatapfel“ wird der verbreitete Ortsname Gat (→ Gat) spezifiziert, um ihn von anderen Orten dieses Namens abzuheben.

2. Belege

Nach Jos 19,45 wurde Gat-Rimmon dem Stammesgebiet von Dan (vor dessen Umsiedlung in den Norden Israels) zugeteilt. Jos 21,24 und 1Chr 6,54 zählen den Ort zu den Levitenstädten (→ Leviten), und zwar denen der Sippe Kehat; dabei lokalisiert der Verfasser der Chronik ihn allerdings im Stammesgebiet Ephraims. Man kann deswegen erwägen, ob es sich um eine andere Ortslage handelt, doch wahrscheinlich ist dieselbe gemeint. Vermutlich wurde das ehemals danitische Gebiet nämlich in spät-monarchischer Zeit dem Stammesgebiet Ephraims zugedacht. Jos 21,25 lokalisiert Gat-Rimon schließlich im Stammesgebiet Manasses, doch ist der Text vermutlich nach der mit eigenen textkritischen Problemen behafteten Parallele 1Chr 6,55 in „Jibleam“ zu korrigieren.

Ob das in der Städteliste → Thutmoses III. (15. Jh.) genannte Gat (knt / Nr. 63) mit Gat-Rimmon zu identifizieren ist (Mazar), bleibt fraglich. Gegenüber der traditionellen Identifizierung mit Gat = Tell eṣ-Ṣāfī würde dies für die Marschrute der Truppen nämlich einen Umweg von fast 50 km bedeuten. Die Ortsbezeichnung Giti-rimuni in den Amarna-Briefen ist mit Gat-Rimmon gleichgesetzt worden.

3. Identifizierung und Lage

Für die Identifizierung von Gat-Rimmon sind in der Vergangenheit im Wesentlichen zwei Ortslagen vorgeschlagen worden: zum einen Tell Abū Zētūn ([Tell Abu Zetun]; Koordinaten: 1347.1674; N 32° 06' 00'', E 34° 50' 27'') und zum anderen – 400 m westlich, heute in einem Park gelegen – Tell Ǧerīše ([Tell Gerise]; Koordinaten: 1320.1667; N 32° 05' 35'', E 34° 48' 23''), beide in unmittelbarer Nähe des Flusses Yarkon, der nicht nur Trinkwasser, sondern auch genügend Wasser zur Bewässerung der Felder mit sich führte. Darüber hinaus konnte der Fluss als Transportweg genutzt werden. Tell Ǧerīše ist auch unter dem Namen „Napoleons Hügel“ bekannt, da dieser während der Belagerung von Jaffa an dieser Stelle eine Blockade errichten ließ.

1. Tell Abū Zētūn. Schon früh ist Gat-Rimmon mit Tell Abū Zētūn identifiziert worden (Abel). Erste Untersuchungen der Antikenbehörde in den 1930er Jahren ergaben einen Keramikbefund aus der Eisenzeit, der hellenistischen und islamischen Epoche. 1957 unternahm J. Kaplan an dieser Stelle eine Grabung und konnte zwei persische Strata unterscheiden. Als er auf Eisenzeit II-Material stieß, brach er die Grabung ab. Er publizierte Scherben aus der Spätbronze-, Eisen I- und II-Zeit und aus der persischen Epoche. Eine Grabung 2005 unter der Leitung von D. Golan konnte drei Strata freilegen, die in die Mittelbronzezeit datiert wurden.

2. Tell Ǧerīše. Im Jahr 1951 schlug Mazar vor, dass Tell Ǧerīše mit Gat-Rimmon identifiziert werden sollte. Zwischen 1927 und 1950 waren mehrere Grabungskampagnen unter der Leitung von E.L. Sukenik an diesem Siedlungsort durchgeführt worden. Die Keramikanalyse ergab einen durchgehenden Befund von der frühen Bronze- bis in die Eisenzeit. Die Stadt wurde, so Sukenik, während des 10. bzw. des 9. Jh.s v. Chr. verlassen und nie wieder okkupiert. Eine weitere Surveykampagne in den 70er Jahren konnte zusätzlich zu den bereits belegten Okkupationsphasen Keramik aus der Eisenzeit II, der hellenistischen und islamischen Epoche nachweisen. Der Survey konnte aufzeigen, dass dieser Ort im 12. und 11. Jh. v. Chr. besiedelt gewesen war; das 10. Jh. weist eine Siedlungslücke auf. Für die nachfolgenden Jahrhunderte konnten wieder keramische Nachweise geführt werden.

Beide Orte – Tell Ǧerīše wie auch Tell Abū Zētūn – kommen für eine Identifizierung mit Gat-Rimmon in Frage. Beide liegen in unmittelbarer Nähe zum Fluss Yarkon und weisen einen nahezu identischen Keramikbefund auf.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • The International Standard Bible Encyclopedia, Grand Rapids 1982
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992

2. Weitere Literatur

  • Abel, F.-M., 1938, Géographie de la Palestine 2, Paris (S. 327)
  • Geva, S., 1982, Tell Jerishe (Qedem 15), Jerusalem
  • Golan, D., 2008, Tel Zeton, Hadashot Arkheologiyot – Excavations and Surveys in Israel, 120
  • Herzog, Z., 1993, Art. Tel Gerisa, in: The New Encyclopedia of Archaeological Excavations in the Holy Land, Jerusalem 1993, Bd. 2, 480-484
  • Kaplan, J., 1958, Tell Abu Zeitun, IEJ 8, 133-134
  • Mazar, B., 1960, The Cities of the Priests and the Levites, in: Congress Volume Oxford 1959 (VT.S 7), Leiden, 193-205
  • Mazar, B., 1960, The Cities of the Territory of Dan, IEJ 10, 61-76
  • Ory, J., 1932, Tell Abu Zeitun. File 4, Report # S2883, Archives of the Department of Antiquities, Rockefeller Museum, Jerusalem
  • Sukenik, E.L., 1935, Tell el-Jerishe, QDAP 4, 208-209
  • Sukenik, E.L., 1938, Tell el-Jerishe, QDAP 6, 225
  • Sukenik, E.L., 1944, Tell el-Jerishe, QDAP 10, 198-199

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Karte zur Lage von Gat-Rimmon. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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