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Lexikon

Eschtemoa

Andere Schreibweise: Eshtemoh ; Eshtemoa

Erasmus Gaß

(erstellt: April 2009)

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© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Karte zur Lage von Eschtemoa.

Eschtemoa ist eine Leviten- und Asylstadt in Juda (Jos 21,14; 1Chr 6,42). → David soll ihr als Zeichen des Dankes Beute geschickt haben (1Sam 30,28). Der Ort ist mit Samū‛ zu identifizieren, wo man einen Silberschatz aus der → Eisenzeit II gefunden hat.

1. Name

Der Ortsname Eschtemoa (hebräisch אשׁתמע ’æštəmoa‘; griechisch Εσθεμω / Εσθαμω u.a.; lateinisch Isthemo / Isthimon / Esthama / Esthamo) kann mit guten Gründen von der Wurzel ŠM‛ „hören“ abgeleitet werden. Wahrscheinlich liegt hier der Rest eines Gt-Stammes vor, der die Form eines Infinitivs angenommen hat (Kampffmeyer, 19; Bauer, 410). Ein solcher Stamm ist allerdings im Hebräischen nicht mehr produktiv. Angesichts des masoretischen Fehlens des Dageschs im zweiten Radikal kann es sich wohl nicht um einen Dt-Stamm handeln. Die Form des Toponyms kann man mitunter auch mit der Bildung des Verbalnomens des 8. Stammes im Arabischen vergleichen (Elitzur, 150).

Dieses Toponym wird folglich mit „Ort des Erhörtwerdens“ (Keel / Küchler, 762) bzw. „Ort der Erhörung“ (Richter, 161) wiederzugeben sein. Vermutlich wurden an diesem Ort Orakel eingeholt (Bauer, 410). Aufgrund seiner Bildungsweise gehört dieser Ort einer eigenen Gruppe innerhalb der Ortsnamen mit präfigiertem א an (Borée, 70).

2. Belege

2.1. Altes Testament

2.1.1. Eschtemoa als Personifikation eines Ortes

Eschtemoa wird an zwei Stellen als Personifikation eines Ortes gebraucht. So wird in dem chronistischen Verzeichnis der Nachkommen Judas in 1Chr 2-4 Eschtemoa zweimal als Person geführt. Nach 1Chr 4,17 ist Eschtemoa der Sohn von Jischbach, nach 1Chr 4,19 dagegen ein Maachatiter. Es dürfte sich also um zwei verschiedene Personen handeln.

Beide Personen stehen in der Genealogie von Esra (1Chr 4,17-19). Trotzdem werden sie oft den Kalebitern zugerechnet, so dass Eschtemoa in deren Siedlungsgebiet gelegen haben würde, zu dem zumindest in Debir Wohnsitze gehörten, wie Ri 1 belegt. Die Verbindung zu → Kaleb beruht jedoch nur darauf, dass man die Bezeichnung als Maachatiter von Kalebs Nebenfrau → Maacha (1Chr 2,48) herleitet. Dies ist aber – wie 1Chr 3,2 zeigt – nicht zwingend, da Maachatiter auch in ganz anderen Kontexten erwähnt werden: als nicht-israelitische Gruppe, die im Erbbesitz von Manasse siedelt, als Einwohner eines aramäischen Landstrichs oder Königreichs und als Bewohner der Stadt Bet-Maacha, die bei Dan liegt (Knoppers, 350). Alle diese Angaben weisen zumindest eher auf eine nördliche Verortung der Maachatiter. Wie dies nun mit dem hier anvisierten südlichen Bereich verbunden werden kann, ist fraglich, zumal nur hier die Maachatiter offenbar als israelitischer Stamm, der genealogisch mit Juda zusammenhängt, beschrieben werden.

Die Filiationen im Chronikbuch sind inhaltlich und textlich schwierig und lassen kaum noch Rückschlüsse auf historische Sachverhalte zu. Ohnehin ist höchst fraglich, ob die Zuweisung zu den Maachatitern bereits für die vorstaatliche Zeit anzusetzen ist (Görg, NBL 596). Vielleicht ist die Widersprüchlichkeit und Uneinheitlichkeit der Angaben auch darauf zurückzuführen, dass der Autor fragmentarische genealogische Notizen verwendet hat (Klein, 126-127).

2.1.2. Eschtemoa als Ort

Der Ort Eschtemoa wird im Alten Testament viermal genannt. Zwei Schreibweisen sind belegt: אשׁתמה (nur Jos 15,50) und אשׁתמע, ohne dass man von zwei unterscheidbaren Orten ausgehen sollte. Ob man die unterschiedliche Schreibweise diachron auswerten darf, ist schwierig zu beurteilen (de Vos, 428 Anm. 601). Eine ähnliche Variante findet sich auch in der syrischen Übersetzung: ’štmw gegenüber ’štm(w)‛.

Eschtemoa gehört nach Jos 15,50 zu den Städten Judas, was der chronistischen Einordnung in die Genealogie Judas entspricht. Jos 21,14 weist den Ort als Levitenstadt (→ Leviten) im Bergland von Juda aus. Nach der Parallelstelle 1Chr 6,42 handelt es sich um eine Levitenstadt, die auch als Asylstadt für Menschen dienen kann, die versehentlich jemanden getötet haben (→ Asyl). Diese chronistische Version hängt vermutlich von Jos 21 bzw. einer früheren Version von Jos 21 ab (Klein, 183-185). Somit zeigen sich in der biblischen Beschreibung zwei Tendenzen: die klare Zuweisung zu Juda und die Bezeichnung als Leviten- bzw. Asylstadt.

Nach 1Sam 30,28 hat → David einen Teil seiner Beute, die er beim Feldzug gegen die → Amalekiter genommen hat, den Bewohnern von Eschtemoa wie auch Jattir für von ihnen wahrscheinlich geleistete Hilfestellungen zukommen lassen. Diese Erwähnung von Eschtemoa im → Samuelbuch könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Ort Eschtemoa schon früh judäisch gewesen ist (de Vos, 428) und bereits in früher Zeit mit der Daviddynastie in guter Verbindung stand. Möglicherweise haben die Bewohner Eschtemoas David und seine Männer auf ihrer Flucht vor König → Saul nachhaltig unterstützt (Gold, 143). Durch solche Geschenke hat David diese Orte im Kampf um die Macht wohl auf seine Seite gebracht und konnte auf diese Weise sein Königtum in Jerusalem gezielt vorbereiten. Darüber hinaus hat er durch seinen Sieg über die Amalekiter die Südgrenze befriedet, was sicherlich ebenfalls im Interesse der Bewohner von Eschtemoa gewesen ist (Keel / Küchler, 763). Inwieweit die Erzählung aber historische Verhältnisse widerspiegelt, ist nicht sicher.

Die Städte im Nahkontext der einzelnen Bibelstellen sind für eine Verortung von Eschtemoa wichtig: Jattir, Debir und Holon tauchen in den voneinander unabhängigen Passagen Jos 15,48-51 und Jos 21,13-15 // 1Chr 6,42-43 auf, so dass man Eschtemoa vermutlich in ihrer näheren Umgebung suchen sollte.

2.2. Außerhalb der Bibel

Der biblische Ort Eschtemoa existiert auch in byzantinischer Zeit, da er von → Eusebius in seinem Onomastikon als Ασθεμω, Εσθεμω bzw. Εσθαμα erwähnt wird. Nach Euseb On 26,11-12 (Text Kirchenväter 3) gehört der in Jos 15,50 erwähnte biblische Ort Ασθεμω zum Stammesgebiet von Juda. Es handelt sich um ein Dorf im Daroma nördlich des Ortes Ανεων. Hier ist wohl der biblische Ort Anim (ענים; Jos 15,50) gemeint. Daroma ist ein aramäisches Wort für „Süden“. In rabbinischer Zeit war Daroma ein Synonym für Idumäa. Die Gleichsetzung von Daroma mit dem Gebiet von Eleutheropolis, die im 10. Jh. n. Chr. al-Muqaddasi vorgenommen hat, ist kaum stichhaltig (Notley / Safrai xxvi). Nach Euseb On 86,20-21 ist die Priesterstadt Εσθεμω „ein sehr großes Dorf der Juden im Daroma, an der Grenze zu Eleutheropolis.“ Schließlich ist nach Euseb On 90,2 das Toponym Εσθαμα ein Ort, wohin David seine Kriegsbeute gesendet hat.

In rabbinischer Literatur wird der biblische Ort Eschtemoa in plene-Schreibung als אישׁתמע wiedergegeben (Reeg, 40). Im Jerusalemer Talmud wird auch ein Mann namens חסא aus Eschtemoa erwähnt (Yeivin, 2004, 59*).

In den Texten aus Ugarit werden ebenfalls ein Toponym ilštm‛ (KTU 1.79,7; 1.80,1 und öfter) bzw. ein davon abhängiges Gentiliz ilštm‛j (KTU 4.33,29-31; 4.181,7; 4.282,25) genannt, das formal mit dem biblischen Ort Eschtemoa verbunden werden kann. Im Ugaritischen wurde allerdings noch das theophore Element il vor der Verbalform ergänzt, worauf auch die keilsyllabische Schreibweise aluIl iš-tam-i hinweist. Eine Identifikation mit dem Ort Eschtemoa ist aber nicht möglich (gegen Montgomery, 61). Vielleicht ist hier an das Dorf Stamo in Nordsyrien gedacht (de Langhe, 40).

3. Lage

Der biblische Ort Eschtemoa ist sicher mit dem modernen Ort Samū‛ (Koordinaten: 1564.0898; N 31° 23' 55'', E 35° 04' 04'') zu identifizieren (Robinson, 422).

3.1. Name. Für die obige Identifikation spricht, dass die Namen Eschtemoa und Samū‛ verwandt sind. Der früher oft notierte Schlussvokal a ist nicht sicher belegt (Elitzur, 149). Bei der Übertragung des biblischen Namens ins Arabische wurde der ursprüngliche Gt-Stamm nicht aufgegriffen, sondern ein Infinitiv des ersten Stammes gebildet, vor den dann gelegentlich ein Artikel gefügt wurde. Es existieren in der Literatur oft beide Schreibweisen es-Samū‛ und Samū‛. Bei einer solchen Ableitung wäre der Verlust des Konsonanten ת leicht erklärbar (Kampffmeyer, 20).

Eine andere Transformation des hebräischen Toponyms ist ebenfalls denkbar. Falls nämlich bei der Übertragung ins Arabische das eröffnende א als Artikel missverstanden worden wäre, dann wäre am Wortanfang eine Abfolge von drei Konsonanten entstanden (es-Stamū‛), die durch die Elision des ת vermieden werden konnte (Elitzur, 150). Im Gegensatz zu früheren Schreibweisen gehört allerdings der Artikel nicht zum Namen des arabischen Toponyms (Elitzur, 149-150), was diese zweite Ableitung doch sehr fraglich erscheinen lässt.

3.2. Lage. Samū‛ liegt in Juda, was stark für die Identifizierung mit Eschtemoa spricht. Dieser Ort befindet sich etwa 15 km südlich von → Hebron und 8 km nordöstlich von Jattir, Chirbet ‛Attīr (151.084). Samū‛ ist strategisch gut geschützt, da im Norden und Osten tiefe Taleinschnitte die Siedlung von der Umgebung abtrennen. Außerdem liegt Samū‛ an einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung, die von Sichem nach Hebron führt. Diese Straße fächert sich in Hebron in zwei Seitenstraßen auf. Die östliche Seitenstraße führt über Jutta und Eschtemoa nach → Arad, die westliche nach → Beerscheba.

4. Archäologischer Befund

Für die Identifizierung von Eschtemoa mit Samū‛ spricht auch der archäologische Befund. Die Keramik deutet nämlich in die Eisenzeit I und II, in die persische, hellenistische, römische, byzantinische sowie arabische Zeit (Peterson, 618; Ofer 2:82; Yeivin 2004, 84*-93*).

4.1. Eine Synagoge

© Hanswulf Bloedhorn

Abb. 2 Blick auf den Ost-Eingang der Synagoge.

Auch wenn frühere Besucher von Samū‛ (z.B. Dalman, Mader, Abel, Barrois) bereits Synagogen-Spolien beobachtet hatten, konnten erst Mayer / Reifenberg im Jahr 1934 an der höchsten Stelle des Ortes die Synagoge identifizieren, die sie 1935/36 auszugraben begannen (Mayer / Reifenberg, 1939-40, 315-316), was sie aber wegen der politischen Unruhen abbrechen mussten. Erst nach 1967 konnte Z. Yeivin erneut graben.

Die Synagoge – ein Breitraumgebäude aus Kalkstein – misst 27,5 x 17 m, die Innenmaße betragen 21 x 11 m (Yeivin 2004, 63*), da die nördliche und südliche Längsmauer mit bis zu 3,5 m überaus dick sind. Die Mauern sind teilweise noch bis zu 8,35 m erhalten.

© Hanswulf Bloedhorn

Abb. 3 Blick auf die nördliche Langseite und östliche Eingangsseite.

Der östlichen Schmalseite ist ein 5,5 m tiefer Narthex vorgelagert, zu dem drei Stufen von der Straße hinaufführen (Yeivin, 1993, 424). Das Dach ruhte auf zwei Säulen und den seitlichen Anten. Vom Mosaikboden mit floralen und geometrischen Darstellungen sind einige Fragmente erhalten, darunter neben dem südlichen Säulenpostament eine aramäische Stiftungsinschrift: „Es sei zum Guten gedacht des Le‘azar, des Priesters, und seiner Söhne, der gestiftet hat einen Trimissis …“ (Le‘azar ist die Kurzform des Namens Ele‘azar; Trimissis ist eine Münze, ein Drittel eines römischen Golddenars). Eine Haupttür und zwei Seitentüren, mit Leibungen und Stürzen, führen in die Synagoge.

© Hanswulf Bloedhorn

Abb. 4 Blick durch den Eingang auf den Toraschrein und die Westwand.

Da im Inneren der Synagoge keine Säulen oder Pfeiler nachgewiesen werden konnten, war der Raum wohl mit einem Giebeldach gedeckt, dessen Holzkonstruktion in den mächtigen Längsmauern ruhte. In die Nordwand – Jerusalem zugewandt – sind in 2 m Höhe drei Nischen eingelassen, eine mittlere (2,1 m breit und 1,8 m tief) und seitlich zwei kleinere (1 x 1 m); die größere diente vermutlich als Toraschrein, die seitlichen flankierenden für Menorot (Plural von Menora = siebenarmiger Leuchter). Vor den Nischen erstreckt sich eine 6,3 m breite profilierte bema (Podium), 1,8 m tief, die wohl den Zugang zu den Nischen ermöglichte. Eine dort angebrachte Inschrift ist mittlerweile verloren. Die vorhandenen Photographien dieser Inschrift sind schwer zu lesen (Yeivin 2004, 70*-73*). Zwischen der Ostwand und dem Podium sind zwei Sitzstufen erhalten wie auch vor der Südwand. Der Boden war ebenfalls mit einem Mosaik bedeckt, von dem kaum noch Reste erhalten sind.

Die Synagoge war sicherlich im 3./4. Jh. erbaut; in späterer Zeit (6. Jh.?) wurden Umbauten vorgenommen, worauf die unterschiedlichen Kapitelle des Narthex hinweisen sowie der neue Mosaikboden im Inneren.

In omaijadischer Zeit wurde die Synagoge islamisiert; für die Nutzung als Moschee wurde in die Sitzstufen vor der Südwand – Mekka zugewandt – ein Mihrab (Gebetsnische) eingebaut. Wann das Gebäude aufgegeben wurde, kann nicht mehr bestimmt werden.

4.2. Ein Silberschatz

Im Jahr 1971 fand man bei Reinigungs- und Restaurierungsarbeiten des Synagogengebäudes im nordwestlichen Annexraum einen Silberschatz aus der Eisenzeit. Schon zuvor hatte sich unter der Bevölkerung ein hartnäckiges Gerücht gehalten, dass in der Synagoge ein Schatz versteckt sei (Mayer / Reifenberg, 1938, 221). In fünf Krügen waren ungefähr 26 Kilogramm an Silberwaren versteckt worden, nämlich Ringe, Blätter, Fäden, Schmuck, Halbmonde, Klumpen. Diese Menge an Silber ist bemerkenswert, vor allem dann, wenn sie nur einer Privatperson gehört hat. Auf zwei Krügen fand sich die Aufschrift chmš, die zu den unterschiedlichsten Spekulationen Anlass gab. Auf einem dritten Krug fand man noch Überreste einer Inschrift, die in gleicher Weise gedeutet werden kann (Yeivin, 1987, 42). Weder der Grund für die Lagerung des Silberschatzes noch die Datierung konnte bislang eindeutig bestimmt werden. Zunächst nahm man an, dass dieser Schatz mit den Beutegeschenken von David an die Bewohner von Eschtemoa zu verbinden ist (Yeivin, 1972, 46; Keel / Küchler, 763). Für ein solch hohes Alter des Silberschatzes wurde vor allem auf den ähnlichen Silberschatz von → Megiddo (Stratum VIa) und vergleichbare Keramik sowie die archaische Paläographie auf den Krügen von Samū‛ verwiesen.

Später vermutete man, dass es sich bei dem Silberschatz um Steuerabgaben handelt, die in der Levitenstadt Eschtemoa eingezogen wurden, bevor sie in die Hauptstadt Jerusalem gesandt werden sollten. Der Silberschatz ist zudem nicht von einheitlicher Gestalt. Er könnte daher aus verschiedenen Quellen stammen. Der Fünfte (chmš) könnte gemäß Gen 47,24 eine spezielle Steuerabgabe gewesen sein, wie sie in Ägypten üblich war und von Juda übernommen worden wäre, zumal der ägyptische Einfluss auf Palästina groß gewesen sei (Yeivin, 1987). Dem ist aber entgegenzuhalten, dass sich das Wort chmš auf die unterschiedlichsten Dinge beziehen kann. Die Inschrift chmš könnte auch eine metrologische Maßangabe sein, nämlich „fünf (Maneh) = 500 Schekel à 10 Gramm“. Das tatsächliche Gewicht in jedem Krug entspricht jedoch nicht dieser angeblichen Maßangabe. Außerdem bleibt fraglich, weshalb man einen solchen Schatz zuvor sorgsam gewogen haben soll, bevor man ihn versteckt hat. Insofern überzeugt auch nicht die Deutung als Maßangabe. Die Bezeichnung chmš könnte vielmehr darauf hinweisen, dass es „fünf“ Krüge im Schatz gibt bzw. dass jeder Krug nur ein „Fünftel“ des Schatzes birgt.

Auch die Motive für die Anlage eines solchen Silberschatzes können verschieden sein. Juweliere und Silberschmiede benötigen Silber für ihre Arbeit. Aber auch ein Privatmann konnte in Notzeiten oder für Geschäftszwecke Silber gehortet haben. Da der Silberschatz von Eschtemoa nicht in einheitlichen Krügen versteckt wurde, kann kaum auf Planung geschlossen werden. Auch die Menge an Silber war jeweils nicht planvoll abgemessen, sondern auf die einzelnen Krüge verteilt. Vermutlich hat der Eigentümer in höchster Gefahr seinen Besitz schnell in Sicherheit zu bringen versucht. Vielleicht ist an den Feldzug des Neuassyrers Sanherib im Jahr 701 v. Chr. zu denken. Da der Silberschatz in der Folgezeit nicht von seinem Besitzer wieder geborgen worden ist, kann man vermuten, dass Eschtemoa zu den Städten zählte, die von Sanherib erobert worden sind (Kletter / Brand).

4.3. Weitere Funde

Südöstlich der Synagoge fand man eine ost-westlich orientierte Mauer aus geglätteten Steinen, die ohne Mörtel verlegt waren. Diese Mauer gehört ausweislich des Keramikbefundes zu einem größeren eisenzeitlichen Gebäude des 9./8. Jh. v. Chr. (Yeivin, 1993, 425).

Außerdem wurden bei Eschtemoa Grabanlagen gefunden, die in Juda sehr selten sind. Der untere Teil der Mausolea von Eschtemoa wurde aus dem Felsen herausgeschlagen, während beim oberen Teil große Steinblöcke verwendet worden sind. Diese Mausolea waren bisweilen von einer Pyramide gekrönt. Aufgrund ihrer Parallelen zu den Mausolea von Galiläa mag Eschtemoa am Anfang des 3. Jh.s von Juden besiedelt worden sein, die aus Galiläa in ihre Dörfer zurückgekehrt sind (Zissu).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

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  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • The New Encyclopedia of Archaeological Excavations in the Holy Land, Jerusalem 1993
  • Eerdmans Dictionary of the Bible, Grand Rapids 2000
  • The Interpreter's Dictionary of the Bible, New York, 1962

2. Weitere Literatur

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  • Bauer, H., 1917, Kanaanäische Miszellen, ZDMG 71, 410-413
  • Borée, W., 1930, Die alten Ortsnamen Palästinas, 2. Aufl., Leipzig (Nachdruck Hildesheim 1968)

  • Chen, D., 1992, The Design of the Ancient Synagogues in Judaea. Eshtemoa and Horvat Susiya, LA 42, 297-303
  • Elitzur, Y., 2004, Ancient Place Names in the Holy Land. Preservation and History, Jerusalem
  • Hüttenmeister, F. / Reeg, G., 1977, Die antiken Synagogen in Israel. Bd. 1 Die jüdischen Synagogen, Lehrhäuser und Gerichtshöfe (BTAVO B 12/1), Wiesbaden
  • Kampffmeyer, G., 1893, Alte Namen im heutigen Palästina und Syrien, ZDPV 16, 1-71
  • Keel, O. / Küchler, M., 1982, Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studien-Reiseführer zum Heiligen Land. Bd. 2 Der Süden, Göttingen
  • Klein, R.W., 2006, 1 Chronicles. A Commentary (Hermeneia), Minneapolis
  • Kletter, R. / Brand, E., 1998, A New Look at the Iron Age Silver Hoard from Eshtemoa, ZDPV 114, 139-154
  • Klostermann, E., 1904, Das Onomastikon der biblischen Ortsnamen (GCS 11/1), Leipzig
  • Knoppers, G.N., 2003, I Chronicles 1-9. A New Translation with Introduction and Commentary (AncB 12), New York
  • Langhe, R. de, 1945, Les Textes de Ras Shamra-Ugarit et leurs Rapports avec le Milieu Biblique de l’Ancien Testament, Bd. 2, Paris
  • Magness, J., 2003, The Archaeology of the Early Islamic Settlement in Palestine, Winona Lake
  • Mayer, L.A. / Reifenberg, A., 1938, es Samū‛, QDAP 6, 221-222
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  • Montgomery, J.A., 1935, Some Oracle Place Names, JBL 54, 61-62
  • Notley, R.S. / Safrai, Z., 2005, Eusebius, Onomasticon. The Place Names of Divine Scripture including the Latin Edition of Jerome (Jewish and Christian Perspectives Series 9), Leiden
  • Ofer, A., 1993, The Highland of Judah During the Biblical Period. Bd. 1 Text (PhD Dissertation), Tel Aviv (hebr.)
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  • Reeg, G., 1989, Die Ortsnamen Israels nach der rabbinischen Literatur (BTAVO B/51), Wiesbaden
  • Richter, W., 1996, Materialien einer althebräischen Datenbank. Die bibelhebräischen und -aramäischen Eigennamen morphologisch und syntaktisch analysiert (ATSAT 47), St. Ottilien
  • Robinson, E., 1841, Palästina und die südlich angrenzenden Länder. Bd. 2, Halle
  • Vos, J.C. de, 2003, Das Los Judas. Über Entstehung und Ziele der Landbeschreibung in Josua 15 (VT.S 95), Leiden
  • Yeivin, Z., 1972, A Silver Hoard from Eshtemoa, Qadmoniot 18, 45-46 (hebr.)
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  • Yeivin, Z., 1987, The Mysterious Silver Hoard from Eshtemoa, BAR 13/6, 38-44
  • Yeivin, Z., 2004, The Synagogue at Eshtemoa‛ in Light of the 1969 Excavations, Atiqot 48, 59*-98* (155-158) (hebr.)
  • Zissu, B., 2001, Burial Caves and Mausolea from the Roman Period at Eshtamoa in Southern Judaea, JSRS 11, 165-174 (S. XVIII-XIX) (hebr.)

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Karte zur Lage von Eschtemoa. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Blick auf den Ost-Eingang der Synagoge. © Hanswulf Bloedhorn
  • Abb. 3 Blick auf die nördliche Langseite und östliche Eingangsseite. © Hanswulf Bloedhorn
  • Abb. 4 Blick durch den Eingang auf den Toraschrein und die Westwand. © Hanswulf Bloedhorn
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