bibelwissenschaft.de - Das wissenschaftliche Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft

Lexikon

En-Dor

Lara van der Zee-Hanssen

(erstellt: Juni 2006)

Permanenter Link zum Artikel: http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/17508/

1. Name

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Karte zur Lage von En-Dor.

En-Dor (עֵין דּוֹר) ist der Name eines Ortes in der → Jesreel-Ebene. Da der zweite Teil des Namens auf verschiedene Weisen geschrieben wird (dôr 1Sam 28,7; dor Jos 17,11; do’r Ps 83,11), ist die Bedeutung des Namens unsicher. Die Schreibweisen דר und דור ergeben die Bedeutung „Quelle der Geschlechter“ oder „Versammlungs-Quelle“. Die Bedeutung der Schreibweise דאר ist unklar.

2. Biblische Überlieferung

Nach Jos 17,11 ist En-Dor eine der Städte Manasses im Gebiet des Stammes Issachar. Ps 83,11 erwähnt En-Dor als den Ort, an dem → Sisera und → Jabin vernichtet werden (vgl. Ri 5,19f). Am bekanntesten aber ist En-Dor als der Ort, an dem König → Saul am Vorabend der Schlacht von → Gilboa eine Totenbeschwörerin besuchte (1Sam 28; → Frauen in der Literatur des AT 9.2; → Frau von En-Dor).

Als die Philister Israel bedrohen, ist Saul außer sich vor Angst und versucht Gottes Willen herauszufinden. Weil er auf die üblichen Weisen, d.h. durch → Träume, Urim und Propheten, keine Antwort erhält, greift er zur Nekromantie, obwohl er selbst diese verboten hatte (1Sam 28,3; → Divination). Saul findet die Totenbeschwörerin von En-Dor, die für ihn den Geist Samuels hervorruft. Diese verkündet, dass Saul und seine Söhne schon am nächsten Tag von den → Philistern getötet werden.

3. Lage und Identifizierung

Der Ortsname ist bis heute in dem Namen von Indūr enthalten, einem arabischen Dorf in der Nähe des Berges → Tabor. Dieser Ort war auch in römischer Zeit bekannt und wird von → Euseb als ein großes Dorf, vier römische Meilen südlich des Berges Tabor und in der Nähe der Ortschaft Naïn (Onomastikon 34, 8-10; 94, 22-24; Text Kirchenväter 3) erwähnt. Dass dies auch der ursprüngliche Ort En-Dor war, ist aber unwahrscheinlich, da archäologische Ausgrabungen keine Funde aus vor-römischer Zeit aufgewiesen haben. Heute wird das biblische En-Dor eher mit Chirbet eṣ-Ṣafṣāfe (Koordinaten: 1869.2277; N 32° 38' 36'', E 35° 23' 25'') oder Tell el-‘Aǧǧūl (Koordinaten: 1852.2263; N 32° 37' 53'', E 35° 22' 18'') gleichgesetzt, zwei Ruinenhügeln 10 bzw. 8 km ostsüdöstlich vom modernen Afula, wo eisenzeitliche Reste ausgegraben wurden.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Encyclopaedia Miqra’it (heb.), Jerusalem 1950
  • Encyclopaedia Judaica, Jerusalem 1971-1996
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • New International Dictionary of Old Testament Theology and Exegesis, Grand Rapids 1997
  • Archaeological Encyclopedia of the Holy Land, New York / London 2001
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Kleiner, M., 1995, Saul in En-Dor: Wahrsagung oder Totenbeschwörung? Eine synchrone und diachrone Analyse von 1 Sam 28,3-35 (Erfurter Theologische Studien 66), Leipzig
  • Margalith, O., 1985, Dor and En-Dor, ZAW 97, 109-111

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Karte zur Lage von En-Dor. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
VG Wort Zählmarke
http://m.bibelwissenschaft.de