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Lexikon

Eleasar

Andere Schreibweise: Elasar ; Eleazar

Johannes Thon

(erstellt: Juni 2007)

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1. Bedeutung des Namens

Bei „Eleasar“ (אֶלְעָזָר ’æl‘āzār) handelt es sich um einen Satznamen, wie er im Hebräischen verbreitet ist: אֵל עָזַר ’el ‘āzar „Gott hat geholfen“. Vergleichbar sind andere Personennamen, in denen im Hebräischen, aber auch in anderen semitischen Sprachen ein Gottesname bzw. eine Gottesbezeichnung mit der Wurzel ‘zr „helfen“ bzw. „Hilfe“ verbunden ist, z.B. alttestamentlich Eliëser, Joëser, Abiëser, Ahiëser sowie bei Voranstellung der Wurzel ‘zr Asarel, Asriël und Asarja, ferner epigraphisch ’l‘zr, jhw‘zr, jw‘zr sowie ‘zr’l (ammonitisch?), ‘zrjhw und ‘zrjw (Belege: AHI; Fowler, 1988, 355).

Im Griechischen kann Ελεαζαρ (Eleazar) zu Λαζαρος (Lazaros) „Lazarus“ verkürzt werden, was der in palästinischen rabbinischen Texten belegten Kurzform לעזר l’zr entspricht.

2. Eleasar, der Sohn Aarons

2.1. Biblische Überlieferung

Der bekannteste Namensträger ist der dritte Sohn → Aarons, des Ahnherrn der israelitischen Priester. Da seine beiden älteren Brüder → Nadab und Abihu wegen kultischen Fehlverhaltens ohne Nachkommen gestorben sind (Lev 10,1-5), repräsentiert Eleasar die Linie des Hohenpriesters, während die Nachkommen seines Bruders → Itamar keinen Anspruch auf dieses Amt erheben konnten. Vor dem Tod seines Vaters (Num 20,22-29) wird Eleasar die Oberaufsicht über die Leviten (Num 3,32) und das Zelt-Heiligtum (Num 4,16) übertragen. Nach Ex 6,25 nahm er „eine von den Töchtern Putiels“ zur Frau – ein Name ägyptischer Herkunft. Ansonsten ist er eine blasse Gestalt, die Aarons Stelle als Priester neben der Führungsfigur Moses bzw. Josuas ausfüllt.

Schon zu Eleasars Lebzeiten wird seinem Sohn → Pinhas das ewige Priestertum zugesprochen (Num 25,13). Dem entspricht der merkwürdige Befund, dass der Ort seines Begräbnisses nach seinem Sohn benannt ist oder diesem gehört (Jos 24,33). Zu guter Letzt werden in Esr 8,2 neben den Nachkommen Itamars statt seiner die des Pinhas genannt, und im gleichen Kapitel erscheint ein Eleasar, der als Sohn oder Nachkomme von Pinhas bezeichnet wird.

2.2. Historische Theorien

Da Eleasar eine blasse Gestalt bleibt, steht hinter ihm wahrscheinlich keine historische Tradition. Die Figur ist literarisch im Zusammenhang der Umgestaltung der aaronidischen Genealogie gebildet worden. Der Name ist möglicherweise von Eleasar ben Abinadab (1Sam 7,1) her inspiriert (Thon, 118f.). Ältere Hypothesen nahmen eine Ableitung von dem Mosesohn Elieser (Wellhausen, 135) oder eine Verbindung mit → Eli (Gunneweg, 165) an.

Das Nebeneinander der Söhne Eleasars und der Söhne Itamars in der Genealogie Aarons kann als Kompromisslösung zwischen zwei konkurrierenden Priestergruppen gedeutet werden. Wer einen Gegensatz zwischen → Zadokiden und Aaroniden annimmt, kann diese beiden Gruppen hier vermuten (vgl. Schaper, 271f.).

2.3. Grabtraditionen

© Johannes Thon

Abb. 1 Grab Eleasars bei Nablus.

Seit dem Mittelalter sind die heute in Awerta (‘Awartā) bei Nablus zu sehenden Gräber der Aaroniden bei jüdischen, samaritanischen und muslimischen Schriftstellern belegt. Das Grab Eleasars wird auf Arabisch el-‘Azêr genannt, was für Muslime in lokaler Aussprache al-‘Uzajr entspricht, einer koranischen Figur (Sure 9,30; Text Koran), die von den Kommentatoren mit Esra identifiziert wird. Da verschiedene christliche Schriftsteller es offenbar weiter südlich vermuten, hat man den „Gibea des Pinhas“ (Jos 24,33, s.o.) genannten Ort des Grabes mit verschiedenen weiter südlich liegenden Orten auf dem Gebirge Ephraim in Verbindung gebracht. Diesen Lokalisierungen liegen jedoch fragwürdige Deutungen mittelalterlicher Landesbeschreibungen zu Grunde, die sich allerdings auf das → Gibea Sauls (Tell el-Fūl) beziehen, wo aber keine konkreten Gräber anzunehmen sind (Thon, 107-117). Damit fallen die früher angenommenen Frühdatierungen dieser Gräber in vorjesuanische Zeit (Schlatter, 24f.; Jeremias, 39) und damit auch ein wichtiger lokaler „Haftpunkt“ für die Aaroniden im Gebirge Ephraim (Wellhausen, 135).

3. Weitere Personen namens Eleasar

Außer Eleasar, dem Sohn Aarons, kennt das Alte Testament eine Reihe von Personen eben dieses Namens (1Sam 7,1; 2Sam 23,9f.; 1Chr 11,12; 1Chr 23,21; Esr 8,33; Esr 10,25 und Neh 12,42 sowie 1Makk 2,5; 1Makk 6,43; 1Makk 8,17; 2Makk 6,18f.).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

  • Fowler, J.D., Theophoric Personal Names in Ancient Hebrew. A Comparative Study (JSOT.S 49), Sheffield 1988
  • Görg, M., Art. Eleasar, in: Neues Bibel-Lexikon, Band I, Zürich 1991, 510-511
  • Gunneweg, A.H.J., Priester und Leviten, Göttingen 1965
  • Jeremias, J., Heiligengräber in Jesu Umwelt, Göttingen 1958
  • Schaper, J., Priester und Leviten im achämenidischen Juda (FAT 31), Tübingen 2000
  • Schlatter, A., Der Märtyrer in den Anfängen der Kirche (BFChTh 19/3), Gütersloh 1915
  • Thon, J., Pinhas ben Eleasar – der levitische Priester am Ende der Tora (ABG 20), Leipzig 2006
  • Wellhausen, J., Prolegomena zur Geschichte Israels, 6. Auflage, Berlin 1905

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Grab Eleasars bei Nablus. © Johannes Thon
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