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Lexikon

Egeljahu

Klaus Koenen

(erstellt: Nov. 2013)

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Egeljau (עגליו ‘gljw), eine Kurzform von Egeljahu, ist ein Personenname, der nur auf einem Ostrakon aus → Samaria belegt ist (Nr. 41; 8. Jh.; → Epigraphik). Über den Namensträger wissen wir nichts, da außer dem Namen auf dem Ostrakon nur zwei Buchstaben erhalten sind. Interessant ist jedoch die Etymologie des Namens, da sie ein Argument für das Verständnis des sog. → Goldenen Kalbs als → Gottesbild liefern kann.

1. „Kalb Jahwes“?

Als Constructus-Verbindung verstanden bedeutet der Name: „Kalb Jahwes“ (z.B. Renz, 78). In ihm wird dann bildlich die Abhängigkeit des Namensträgers von Jahwe zum Ausdruck gebracht (vgl. z.B. Būr-dAdad „Kalb Adads“; vgl. auch Nearja [נְעַרְיָה nə‘arjāh] „Kind Jahwes“ 1Chr 3,22; 1Chr 4,42). Bei der Metapher עגל ‘gl „Jungstier / Kalb“ steht bei dieser Deutung der Aspekt „jung / klein / Kind“ im Vordergrund. Gegen dieses Verständnis spricht jedoch, dass עֵגֶל ‘egæl im Hebräischen – jedenfalls nach dem Zeugnis des Alten Testaments – kein hilfsbedürftiges, kleines Kälbchen, sondern einen freudig springenden, mächtigen, auch kämpferischen Jungstier bezeichnet (vgl. עֶגְלָה ‘æglāh „Jungkuh“ in Gen 15,9; Ri 14,18; Jes 7,21; Hos 10,11). Dies zeigen Vergleiche, Metaphern und Parallelbegriffe (Jer 46,21; Jer 50,11 [עֶגְלָה ‘æglāh]; Mal 3,20; Ps 68,31). Um Abhängigkeit auszudrücken, ist ein Jungstier, im Gegensatz zu beispielsweise einem Lamm, ein völlig ungeeigneter Vergleichsspender (anders akkadisch būru in Būr-dAdad, denn dieses Wort meint ein frisch geborenes Tier, nicht nur ein Rind).

2. „Jahwe ist ein Jungstier“

Da das Image des עֵגֶל ‘egæl von Kraft und Stärke bestimmt ist (vgl. Koenen 2003, 110-131), legt sich für den Namen Egeljau die Deutung als Nominalsatz nahe: „Jahwe ist ein Jungstier“ (z.B. Schroer, 51; Korpel, 541; Koenen 1994), d.h. ein Gott von frischer Kraft und vitaler Dynamis. Es handelt sich um einen Bekenntnisnamen, der die Macht Jahwes preist (vgl. die akkadischen Namen dAdad-ri-im-ì-lí „Adad ist ein Wildstier der Götter“; dSin-ri-im- ŪrimKI „Sin ist der Wildstier von Ur“; Aššur-rim-nišīšu „Assur ist der Wildstier seines Volkes“ [vgl. Stamm, 226-229]; vgl. auch ‘bd‘gjlw / ‘bd‘gjlj’ „Diener des Jungstiers“ [vgl. Abbadi, 37f.141f.], mit „Jungstier“ als Metapher für eine Gottheit). Ihm entsprechen Namen wie z.B. hrjhw „Jahwe ist ein Berg“ auf einem Siegel aus → Gibeon (Davies, Nr. 100.273; Fowler, 73) sowie unmetaphorisch → Usija (עֻזִּיָּהוּ ‘uzzîjāhû) „Jahwe ist (meine) Stärke“ (2Kön 15,32). All diese Namen zielen auf eine Vertrauensaussage. Dabei soll das Ausgesagte durch die Nennung des Namens zugunsten des Namensträgers evoziert werden. Für einen Israeliten namens Egeljau ist Jahwe ein Jungstier, d.h. ein mächtiger allgewaltiger Gott, der sich für den Namensträger einsetzt. Die Aussage entspricht damit dem, was das sog. Goldene Kalb bzw. die → StierbilderJerobeams I. ausdrücken, denn sie sind wohl nicht als Tragtiere des unsichtbaren Gottes zu verstehen, sondern stellen Jahwe als den Exodusgott dar, der sich in der Geschichte machtvoll für die Seinen einsetzt (Ex 32,4; 1Kön 12,28).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

  • Abbadi, S., Die Personennamen der Inschriften aus Hatra (TSO 1), Hildesheim u.a. 1983, 37f.141f.
  • Albertz, R., Religionsgeschichte Israels in alttestamentlicher Zeit (ATD Ergänzungsreihe 8), Göttingen 1992, 221f
  • Davies, G.I., Ancient Hebrew Inscriptions. Corpus and Concordance, Cambridge 1991, Nr. 3.041
  • Dobbs-Allsopp, F.W. / Roberts, J.J.M. / Seow, C.L. / Whitaker, R.E., Hebrew Inscriptions: Texts from the Biblical Period of the Monarchy with Concordance, New Haven / London 2004, 463
  • Fowler, J.D., Theophoric Personal Names in Ancient Hebrew (JSOT.S 49), Sheffield 1988, 120
  • Keel, O. / Uehlinger, Chr., Göttinnen, Götter und Gottessymbole. Neue Erkenntnisse zur Religionsgeschichte Kanaans und Israels aufgrund bislang unerschlossener ikonographischer Quellen (QD 134), Freiburg / Basel / Wien 1992, 219
  • Koenen, K., Der Name ‘glyw auf Samaria-Ostrakon Nr. 41, VT 44 (1994), 396-400
  • Koenen, K., Bethel. Geschichte, Kult und Theologie (OBO 192), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 2003
  • Korpel, M.C.A., A Rift in the Clouds. Ugaritic and Hebrew Description of the Divine (UBL 8), Münster 1990, 541
  • Lemaire, A., Inscriptions hébraïques, Bd. 1, Paris 1977, 53
  • Noth, M., Die israelitischen Personennamen (BWANT III.10), Stuttgart 1928 (Nachdruck: Hildesheim u.a. 1980), 150f
  • Reisner, G.A. / Fisher, C.S. / Lyon, D.G., Harvard Excavations at Samaria 1908-1910, Bd. 1, Cambridge/Mass. 1924, 236.241
  • Renz, J., Die althebräischen Inschriften, in: J. Renz / W. Röllig, Handbuch der Althebräischen Epigraphik, Bd. 2/1, Darmstadt 1995, 78.
  • Ringgren, H., Art. עֵגֶל ‘egæl, in: ThWAT V, Stuttgart 1986, 1056-1061
  • Schroer, S., In Israel gab es Bilder (OBO 74), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1987, 95
  • Smith, M.S., The Early History of God, San Francisco 1990, 51
  • Stamm, J.J., Die akkadische Namengebung, Leipzig 1939 (Nachdruck: Darmstadt 1968), 261
  • Tallqvist, K.L., Assyrian Personal Names, Helsingfors 1914 (Nachdruck: Hildes¬heim 1966), 66f.

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