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Lexikon

Dienen / Diener (NT)

Anni Hentschel

(erstellt: Dez. 2008)

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1. Zum Begriff

1.1. Das Wortfeld „Dienst / Dienen" in der deutschen Sprache

Mit dem deutschen Wortfeld „Dienst / Dienen“ werden Tätigkeiten bezeichnet, die in der Regel mit einem – freiwilligen oder unfreiwilligen – Unterordnungsverhältnis verbunden sind und deren Ertrag einer anderen Person bzw. einem Personenkreis oder auch einer Sache zugute kommt. Die Art der Tätigkeit sowie der gesellschaftlich-kulturelle Kontext sind maßgeblich dafür, ob ein Dienst mit Ehre verbunden ist oder als niedrig bzw. erniedrigend angesehen wird. Ein Dienst kann gegen Lohn verrichtet werden oder unentgeltlich, kann freiwillig oder erzwungen sein. Je nachdem, in welchem Dienstverhältnis jemand steht, schließen sich Dienst und Autorität nicht unbedingt aus. So ist ein Minister von seiner Amtsbezeichnung und Verpflichtung her zwar der „Diener“ seines Volkes, steht dabei allerdings durchaus in einem mit Ehre, Entscheidungsbefugnis und Einfluss verbundenen Amt, während ein Wehrpflichtiger ebenfalls dem Wohl des Staates dienen soll, dabei seine persönliche Freiheit jedoch weitestgehend zugunsten der Pflichterfüllung und des Gehorsams gegenüber den Befehlsgebern aufgegeben hat. Als weitere Beispiele für moderne Dienstverhältnisse seien noch wissenschaftliche Assistentinnen bzw. Assistenten und Haushaltshilfen genannt, auf deren – unterschiedliche – Dienstleistungen zum Beispiel eine Professorin zurückgreifen kann, ohne dass man sie jedoch in gleicher oder auch nur vergleichbarer Weise als deren „Diener“ und „Dienerinnen“ bezeichnen würde. Die Begriffe Dienen, Dienste und Dienstleistungen umschreiben also ein weites Spektrum an Tätigkeiten, das in einem Text durch die jeweils beschriebene Situation sowie durch in der Regel verschiedene Begriffe differenziert dargestellt wird.

1.2. Der Sprachgebrauch zur Zeit des Neuen Testaments

Auch zur Zeit der Entstehung des Neuen Testaments gibt es sehr unterschiedliche Dienstverhältnisse, die ihren sprachlichen Ausdruck in mehreren griechischen Begriffen finden, welche jeweils einen eigenen Klang und ihr eigenes Bedeutungsspektrum haben.

Einer der zentralen griechischen Dienstbegriffe ist das Verb δουλεύω und seine Ableitungen, die das Dienen eines Sklaven bzw. einer Sklavin umschreiben und somit den Hauptakzent auf das abhängige, unfreie Dienen legen und in der Regel einen eher abschätzig-entwürdigenden Klang haben. Im zeremoniell-höfischen Sprachgebrauch des Vorderen Orients konnten jedoch auch hohe Beamte als „Sklaven des Königs“ bezeichnet werden, was in diesem Fall einem Ehrentitel gleichkam. Entsprechend können in der jüdischen Tradition Gläubige als „Sklaven Gottes“ oder „Knechte Gottes“ betitelt werden (→ Knechtschaft), wofür sowohl in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung der hebräischen Bibel, als auch im Neuen Testament δουλεύω und seine Ableitungen Verwendung finden.

Demgegenüber bezeichnen λειτουργέω und seine Ableitungen in erster Linie unentgeltlich verrichtete öffentliche Dienste zugunsten des Gemeinwesens. Im jüdisch-hellenistischen und neutestamentlichen Sprachgebrauch werden sie insbesondere für kultisch-sakrale, priesterliche Dienste verwendet.

Das Verbum λατρεύω und seine Ableitungen bezeichnen ursprünglich Frondienste und das Dienen um Lohn. Sie finden des Weiteren auch Verwendung im kultischen Sinn, wobei sie die Abhängigkeit von einem Gott, die Gottesverehrung oder auch die Frömmigkeit ausdrücken.

Die Wortgruppe um das Verbum ὑπηρετέω steht zunächst für den gehorsamen Dienst eines Ruderknechts, bezeichnet aber auch Handlanger- und Hilfsdienste unterschiedlichster Art.

Für viele neutestamentliche Texte wichtig und wirkungsgeschichtlich besonders einflussreich sind schließlich das Verbum διακονέω und seine Ableitungen. Wie neuere Untersuchungen zur Wortverwendung aufzeigten, ist weder der Tischdienst als deren Grundbedeutung anzusehen, noch bezeichnen sie niedrige Frauen- und Sklavendienste. Auch gehören sie nicht zur Alltagssprache, sondern sind eher in einer gehobenen Sprache zu verorten. Mit διακονέω und seinen Ableitungen werden unterschiedlichste Tätigkeiten bezeichnet, die auf eine konkrete Beauftragung zurückgehen und entsprechend die Ausführung eines Auftrags, oft die Überbringung von Sachen oder Botschaften, im Namen eines anderen zum Ausdruck bringen. Wenn zum Beispiel der Tischdienst nicht – wie üblich – von Sklavinnen oder Sklaven, Mägden oder Knechten (griechisch v.a. δοῦλος doulos, ὑπηρέτης hupēretēs, παῖς pais, οἰκέτης oiketēs) verrichtet wird, sondern spezielle „Beauftragte“ diesen ausüben, finden διακονέω und seine Ableitungen Verwendung. Dies zeigt sprachlich meist zugleich an, dass ein besonderer Anlass für diese Form der Aufwartung vorliegt z.B. der Besuch eines Ehrengastes. In einer Familie kann einem Gast z.B. dadurch eine besondere Ehre erwiesen werden, dass nicht Dienerinnen oder Diener, sondern die Söhne oder Töchter die Mahlzeit servieren.

Die Verwendung des deutschen Lehnwortes ‚Diakonie’ im Sinne einer christlich motivierten Form der Nächstenliebe, des karitativen Dienstes am Nächsten, beruht auf einem Wortverständnis der griechischen Wortgruppe, das lange Zeit als Forschungskonsens galt. Es findet sich zum Beispiel in dem entsprechenden Lexikonartikel des Theologischen Wörterbuchs zum Neuen Testament. Ausgehend von der angenommenen Grundbedeutung „bei Tisch dienen“ für διακονέω diakoneō und seine Ableitungen wurden als weitere Bedeutungen der griechischen Wortgruppe „die Sorge für den Lebensunterhalt“ und schließlich allgemein „Dienste für andere“ erschlossen. Während in der griechisch-hellenistischen Welt diese niedrigen Dienste verachtet seien, käme es im Neuen Testament zu einer Aufwertung des Dienens und der griechische Begriff werde im christlichen Sprachgebrauch schließlich zur Bezeichnung des – nächstenliebenden, ganz für das Wohl des anderen sorgenden – Dienstes nach dem Vorbild Jesu, der seinerseits als „Diener“ sein Leben für die Erlösung der Menschen gegeben habe (so die Interpretation von Mk 10,45). Da diese Wortgruppe im Neuen Testament u.a. zur Umschreibung der Mission verwendet wird und auch Gemeindeleiterinnen und -leiter als diakonoi betitelt werden, wurden Mission, Verkündigung sowie Gemeindeleitung und im Anschluss daran die sich entwickelnden gemeindlichen Ämter entsprechend auch als „Dienste an der Gemeinschaft“ verstanden.

Neuere Forschungen (Collins 1990; Hentschel 2007) zeigen jedoch, dass die griechische Wortgruppe mit dem deutschen Begriff „dienen“ in der Regel nicht adäquat wiedergegeben ist. Vielmehr geht es um Beauftragungen, wobei der oder die Beauftragte (diakonos) im Namen des Auftraggebers agiert und dabei, je nach Art der Beauftragung, durchaus mit Autorität den Menschen gegenübertreten kann, zu denen sie oder er gesandt ist. Eine oder ein diakonos „dient“ also nicht in erster Linie den Adressaten, sondern führt den Auftrag eines oder einer anderen aus. Mit diakonia kann im Griechischen ein weites Spektrum von Tätigkeiten bezeichnet werden, von eher einfachen Aufgaben im Haushalt, u.a. den Tischdienst, über Botengänge aller Art, z.B. zur Überbringung von Sachen oder Botschaften, bis hin zur Ausführung weiterer Aufträge im Namen einer Gemeinschaft, des Staates oder der Gottheiten. Von einer bzw. einem guten diakonos erwartet man Pflichtbewusstsein, Zuverlässigkeit und auch Schnelligkeit, nicht jedoch Demut oder Nächstenliebe, es sei denn, es handelt sich speziell um eine Beauftragung im karitativen Bereich. Im griechischen Sprachgebrauch werden in der Regel zeitlich befristete Beauftragungen mit der Wortgruppe bezeichnet. Ist die diakonia ausgeführt, erlischt für den Betroffenen auch seine Funktion als diakonos im Namen des Auftraggebers. Subjekte solcher Beauftragungen können Männer und Frauen sein, durchaus auch mit einem hohen Status, denn je nach Art der Tätigkeit muss sich diese nicht statusmindernd auswirken. Das griechische Substantiv diakonos wird sowohl für weibliche als auch für männliche Subjekte verwendet. Die weibliche Form διάκονισσα diakonissa ist eine christliche Wortneubildung und zum ersten Mal im 4. Jh. n.Chr. belegt, gehört also ursprünglich nicht zu der Wortgruppe.

2. Dienste im Neuen Testament

Im Neuen Testament findet sich ein weites Spektrum von Dienstverhältnissen, welche von Sklaven und Hausangestellten bis hin zu hohen Beamten (z.B. Mt 8,8-9; Mt 18,23) und im übertragenen Sinn von der Versklavung unter lebensfeindliche Mächte (Röm 6,16; Gal 4,3) bis hin zum „Versklavtsein“ unter die freimachende Gerechtigkeit Gottes (Röm 6,18) reichen. Negative oder positive Bewertungen des jeweiligen Dienstes ergeben sich in der Regel aus der Situation und dem Kontext. Während Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Menschen zu Machtmissbrauch und Unterdrückung führen können und deshalb eher kritisch gesehen werden (z.B. Mk 10,42-44; 2Kor 11,18-21; Gal 2,4-5), wird die Unterordnung unter Gott stets positiv beurteilt und gefordert (z.B. Mt 6,24; Röm 6,22). Wer sich in Gottes Dienst stellt, kann mit seiner Fürsorge rechnen (z.B. Mt 6,25-34; Röm 6,22-23), denn Gott kommt – im Bild gesprochen – der in den damaligen gesellschaftlichen Verhältnissen üblichen Fürsorgepflicht eines Herren für seine Mägde und Knechte in vorbildlicher Weise nach. Mit diesen Grundüberzeugungen steht das Neue Testament in alttestamentlicher Tradition (vgl. etwa Gen 50,17-19; Dtn 10,12; Ps 86). Die erfahrene Zuwendung und Fürsorge Gottes wird schließlich zur Grundlage der Erwartung an die Menschen, sich auch selbst fürsorglich dem hilfsbedürftigen Nächsten zuzuwenden. Diese Verpflichtung zu karitativer Hilfeleistung findet sich gleichfalls sowohl im Alten als auch im Neuen Testament, wobei dieses Verhalten sprachlich weniger mit Dienstbegriffen ausgedrückt wird, sondern vielmehr als Erbarmen, Barmherzigkeit oder (Nächsten-)Liebe bezeichnet wird (vgl. z.B. Dtn 24,6-22; Ex 22,20-26; Lev 19,18.33-34; Mk 12,28-34 par Lk 6,36; Lk 10,27-37; Joh 13,1–20; 2Kor 8,7-15; vgl. aber auch Mt 25,31-46).

2.1. Auftrag, Dienst, Amt (διακονέω und seine Ableitungen)

Διακονέω Diakoneō und seine Ableitungen kommen im Neuen Testament etwa 100-mal vor, wobei der Schwerpunkt der Wortverwendung in den Paulusbriefen und den von Paulus geprägten deuteropaulinischen Briefen liegt. Während das Verbum überwiegend in den Evangelien Verwendung findet, kommen die Substantive insbesondere in der paulinischen und deuteropaulinischen Briefliteratur sowie der → Apostelgeschichte vor.

Der griechische Begriff diakonia beschreibt eine Tätigkeit, die in der Regel auf eine konkrete Beauftragung zurückgeht, oft eine Boten- oder Vermittlungstätigkeit umfasst und pflichtgemäß auszuführen ist. Eine Unterordnung besteht nur gegenüber dem Auftraggeber bzw. der Auftraggeberin, gegenüber den Adressaten kann eine oder ein diakonos durchaus eine Autoritätsposition innehaben. Der Inhalt der Beauftragung und auch die damit evtl. verbundene Ehre oder Autorität lassen sich erst aufgrund der konkreten (in einem Text erkennbaren) Situation bestimmen. In Übereinstimmung mit der griechischen Wortverwendung werden im Neuen Testament unterschiedliche Tätigkeiten als diakonia bezeichnet. Aufgrund seines Bedeutungsspektrums bietet sich die Wortgruppe an, um auch Funktionsträgerinnen und Funktionsträger in den Gemeinden als offizielle Beauftragte zu charakterisieren, die als solche nicht autonom, sondern etwa im Namen Gottes oder Christi oder im Auftrag der Gemeinde wirken. Die grammatisch männliche Bezeichnung diakonos wird für Männer und Frauen in gleicher Weise verwendet, da es sprachlich keine weibliche Form gibt.

In den Evangelien findet sich die Wortgruppe zur Bezeichnung der Aufwartung bei Tisch (z.B. Mk 1,31 par Lk 10,40; Joh 2,5.9; Joh 12,2; Apg 6,2), insbesondere wenn Jesus als Ehrengast anwesend ist. Auch Jesus selbst wartet seinen Jüngern auf (Lk 22,27). Des Weiteren findet sich die Wortgruppe in Gleichnissen Jesu zur Bezeichnung des Tischdienstes (Lk 12,37 mit dem Hausherrn als Subjekt; Lk 17,8). Die Verwendung der Wortgruppe für den Tischdienst ist üblicherweise ein sprachliches Signal für einen besonderen Anlass, wie z.B. die Anwesenheit eines Ehrengastes, angesichts dessen die Aufwartung oft auch von sozial höherstehenden Personen vollzogen wird, die dafür sozusagen (einmalig) beauftragt sind oder sich dazu verpflichtet fühlen.

Im Rahmen einer engagierten Nachfolge Jesu führen die Jüngerinnen und Jünger unterschiedliche Aufträge im Namen Jesu aus, die nach der Darstellung der Evangelien Botengänge, Verkündigungstätigkeiten und auch praktische oder organisatorisch-finanzielle Unterstützung umfassen (vgl. Mk 15,41 par Joh 12,25-26; Lk 8,3). Für eine Verpflichtung zur karitativen Hilfeleistung in der Nachfolge Jesu wird das Verb in Mt 25,44 verwendet.

Gemäß Mk 10,45 par bezeichnet sich Jesus als diakonos, der nicht gekommen ist, um anderen Aufträge zu erteilen, sondern selbst seinen – vor der Welt ehrlosen – Auftrag auszuführen, der darin besteht, sein Leben als Lösegeld zu geben. Jesus steht dabei als Beauftragter im Dienst Gottes und erfüllt Gottes Auftrag, denn Gott will in seiner Liebe die Menschen erlösen. Jesu Rolle wird hier mit Hilfe einer Botenvorstellung umschrieben, allerdings entspricht er mit seinem Auftrag nicht den üblichen Vorstellungen eines Boten Gottes in der Antike und steht zudem im Widerspruch zu weltlichen Herrschaftsformen. Doch gerade darin, in der treuen Ausführung seines – nach weltlichen Maßstäben ehrlosen – Auftrags, wird Jesus zum Vorbild für seine Jünger, die sich selbst nicht wie Herrschende verhalten sollen, sondern wie diakonoi, wie Beauftragte (Mk 10,42-45). Die in diesen Sätzen enthaltene Herrschaftskritik gilt v.a. für diejenigen, die als Führende oder Erste in der christliche Gemeinschaft Verantwortung innehaben und sich stets bewusst sein sollen, dass ihre Autorität eine auftragsgebundene, keine autonome ist. Zu vergleichen ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich Jesus im lukanischen Bericht des letzten Mahles als bei Tisch Aufwartender darstellt, wobei durch den Kontext eine herrschafts- und statuskritische Intention erkennbar wird (Lk 22,26-27).

Auch Paulus kann mit Hilfe des Begriffs diakonos eine Sendungsvorstellung in Bezug auf Christus ausdrücken. Christus wurde von Gott zu Israel gesandt, um die Verheißungen an sein Volk zu erfüllen (Röm 15,8), und er ist nicht als ein Bote anzusehen, der Sünde bringt (Gal 2,17).

In den neutestamentlichen Briefen und in der Apostelgeschichte wird mit der Wortgruppe v.a. die gemeindegründende bzw. -leitende → Missions- und Verkündigungstätigkeit der Apostel, sowie weiterer Gemeindeleiterinnen und -leiter bezeichnet (vgl. z.B. 1Kor 3,5; 2Kor 3,6; 2Kor 4,1; 2Kor 5,18-20; 2Kor 11,15.23; Röm 11,13; Röm 12,7; 1Tim 4,6; Apg 1,17.25; Apg 6,4; Apg 20,24). Die Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit einer oder eines von Gott, Christus oder der → Gemeinde mit der Verkündigung beauftragten diakonos zeigt sich stets auch am Verhalten, an einer der Botschaft entsprechenden Lebensweise und der umfassenden Fürsorge für das Heil der Gemeinde (vgl. z.B. 2Kor 6,1-13; 2Kor 11,20-29; Apg 20,18-32). Bei der Wortverwendung wird zum Teil der Sendungs- und Beauftragungsaspekt besonders betont, wenn z.B. Paulus und / oder weitere Mitarbeitende, als von Gott oder Christus gesandte diakonoi damit beauftragt sind, das Evangelium zu verkündigen (vgl. z.B. Apg 20,24; 2Kor 3,6; 2Kor 4,1; 2Kor 5,18; 1Tim 4,6; Eph 3,7). Bei anderen Belegen wird v.a. der Inhalt der Beauftragung und die Verpflichtung zur treuen Auftragsausführung (vgl. z.B. 2Kor 6,3-4; 2Kor 11,23ff; Kol 1,7; Kol 1,23) hervorgehoben. Die Verwendung für die gemeindeleitende Verkündigung scheint zumindest in den paulinisch geprägten frühchristlichen Gemeinden so üblich gewesen zu sein, dass das Nomen diakonia auch ohne weitere Ergänzungen zur Bezeichnung des Verkündigungsauftrags verwendet werden konnte (v.a. Röm 11,13; Röm 12,7; vgl. aber auch Apg 1,17.25; Apg 6,4; Apg 21,19).

Im Zusammenhang der Kollekte für die Jerusalemer Gemeinde bezeichnet die Wortgruppe diakonia die Beauftragung mit der Botentätigkeit zur Überbringung der Spendengelder (2Kor 8,4.19f.; 2Kor 9,1.12-13; Röm 15,25-26.31; in diesem Sinne auch Apg 11,29; Apg 12,25). Die Boten handeln dabei im Auftrag der paulinischen Gemeinden, der Dank für die gesammelten Gelder gilt den Spendern, nicht den Boten.

In 1Kor 12,5 beschreibt Paulus alle (Auf-)Gaben in der christlichen Gemeinde als Aufträge (diakoniai) im Namen Christi, womit er nicht Gemeindeleitung und Wortverkündigung zu „niedrigen Diensten“ degradiert, sondern alle Tätigkeiten in der Gemeinschaft als gleichwertige und für den Leib gleich wichtige Beauftragungen charakterisiert.

Die Belege in den neutestamentlichen Texten legen nahe, dass die Wortgruppe in den frühchristlichen Gemeinden nicht nur für konkrete, zeitlich befristete Aufträge verwendet wurde, sondern sich bald auch eine Verwendung für dauerhafte Funktionen durchgesetzt hat und Mitarbeitende entsprechend als diakonoi bezeichnet wurden (vgl. v.a. Röm 16,1; Phil 1,1; 1Tim 3,8-13; 1Tim 4,6). Diese hatten aber – je nach Gemeinde – möglicherweise unterschiedliche Zuständigkeiten und Kompetenzen, da der Begriff diakonos nicht erkennen lässt, wozu jemand beauftragt ist. Ein Aufgabenschwerpunkt im Bereich Wortverkündigung und Gemeindeleitung legt sich aufgrund der Wortverwendung in den paulinischen und deuteropaulinischen Briefen sowie auch in der Apostelgeschichte allerdings nahe. Neben die überwiegend bezeugte Beauftragung durch Gott oder Christus tritt die – oft gleichzeitige – Beauftragung durch die Gemeinde bzw. Gemeindeleiter (vgl. Apg 6,1-6; Kol 1,25; 1Tim 4,6 im Vergleich mit 1Tim 4,16). Zu den diakonoi der frühchristlichen Gemeinden gehörten auch Frauen (Röm 16,1; 1Tim 3,11).

Bemerkenswert ist, dass die Wortgruppe in den neutestamentlichen Briefen nicht im Zusammenhang von Mahlzeiten oder → Abendmahl verwendet wird, so dass es keinen Anhaltspunkt dafür gibt, die ursprüngliche Aufgabe frühchristlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Bezeichnung diakonoi in diesem Bereich zu suchen. Ebensowenig ist eine spezifisch karitative Ausrichtung frühchristlicher diakonoi in den neutestamentlichen Texten belegt oder erkennbar. Ein dem Glauben entsprechendes Verhalten wird vielmehr von allen Gläubigen erwartet. Wenn es um die Verkündigung der christlichen Botschaft geht, spielt das Verhalten der Botin oder des Boten jedoch eine entscheidende Rolle im Hinblick auf die Glaubwürdigkeit der Botschaft (vgl. z.B. 2Kor 6,1-10; 2Kor 11,5-33; Apg 20,18-35).

Auch die Wortverwendung in Apg 6,1-6 ist kein Beleg für die Existenz eines sozial-karitativ und vom Tischdienst her bestimmten Diakonats in den frühchristlichen Gemeinden. Gemäß Apg 6,1–6 hat es die Gemeindesituation in Jerusalem erforderlich gemacht, neben der Beauftragung (diakonia) mit der gemeindeleitenden Wortverkündigung, welche nach der Darstellung des Lukas von den zwölf Aposteln ausgeübt wurde, weitere Mitarbeiter für die Versorgung der Witwen einzusetzen, was ebenfalls als diakonia bezeichnet wird. In Einklang mit der Wortverwendung von diakonia stehen sich gemäß Apg 6,1-6 also zwei verschiedene Arten von Beauftragungen gegenüber. Dass es hier um eine spezifische, möglicherweise zeitlich begrenzte Aufgabe der Sieben geht, nicht jedoch um die Einführung eines sozial-karitativ ausgerichteten Diakonats, zeigt sich schon daran, dass Mitglieder des Siebenerkreises im weiteren Verlauf der Apostelgeschichte als Missionare und Gemeindegründer, nicht als Sozialarbeiter beschrieben werden (Apg 6,8–8,40). Andererseits zeigt die Miletrede des Paulus, dass die Beauftragung mit der Wortverkündigung von einer auch karitative Belange umfassenden gemeindeleitenden Verantwortung nicht isoliert werden kann.

2.2. Sklavendienst, Abhängigkeit, Unterordnung (δουλεύω und seine Ableitungen)

Δουλεύω Douleuō und seine Ableitungen kommen im Neuen Testament ca. 180-mal vor, wobei der Schwerpunkt der Wortverwendung in den synoptischen Evangelien und im Corpus Paulinum zu verzeichnen ist.

Die Wortgruppe hat im Griechischen angesichts des Strebens nach Freiheit und Autonomie einen überwiegend negativen Klang, drückt sie doch Dienstbarkeit und völlige persönliche Abhängigkeit aus (→ Sklave / Sklavin / Sklaverei) Im altorientalischen Bereich kann der Begriff Sklave jedoch eine Vielzahl von sozialen und politischen Bindungen bezeichnen, die gegebenenfalls auch eine hohe Stellung implizieren und als Höflichkeitsbezeichnung die Loyalität gegenüber Höhergestellten, insbes. gegenüber dem König, zum Ausdruck bringen. In dieser sprachlichen Tradition steht auch das Judentum, wenn es das Gottesverhältnis mittels der Sklaven- bzw. Knechtsterminologie umschreibt.

Im Neuen Testament findet sich zunächst die konkrete soziale Verwendung der Wortgruppe, insbesondere für Haussklaven (z.B. Phlm 16). Daneben konnten auch hohe Königsbeamte entsprechend (so vermutlich Mt 18,23-35) bezeichnet werden. Sklavinnen und Sklaven gehörten zu den christlichen Haushalten, ob oder inwieweit sie nach Freiheit strebten oder freigelassen werden sollten, geht aus den neutestamentlichen Texten nicht eindeutig hervor (vgl. v.a. die unterschiedlichen Interpretationen zu 1Kor 7,21b). Die in späteren Briefen überlieferten und von der antiken Ökonomik beeinflussten Haustafeln tendieren eher dazu, die gesellschaftlichen Stände auch in den christlichen Gemeinden festzuschreiben (vgl. z.B. Kol 3,22-24; Eph 6,5-7). Allerdings wurde die Rolle der Sklavinnen und Sklaven in christlichen Gemeinschaften aufgrund der für alle Gläubigen gleichen (Knechts-)Beziehung zu Gott tendenziell aufgewertet (Gal 3,28; 1Kor 12,13; Kol 3,11), da ihr Leben vor Gott genauso wertvoll wie das der Freien sei (1Kor 7,21; Eph 6,8; Kol 3,25).

In zahlreichen Gleichnissen wird die antike Welt mit der Sklaverei zum Bild für das nahe gekommene Reich Gottes und für die Erwartungen an ein dem christlichen Glauben gemäßes Verhalten im Angesicht der Erwartung der baldigen Wiederkunft des Herrn Jesus Christus (vgl. z.B. Mk 13,33-37; Mt 12,1-9; Mt 18,23-35; Mt 22,1-10 par Lk 14,16-24; Mt 25,14-30 par Lk 19,11-27; Lk 12,35-48; Lk 17,7-10). Die Unbedingtheit der Nachfolge und die Radikalität der Treue zu Gott bzw. Christus wird des weiteren durch Bildworte aus dem Bereich der Sklaverei ausgedrückt, wie etwa durch den bekannten Hinweis, dass man nicht zwei Herren dienen kann (Mt 6,24 par Lk 16,13). Auf die Hierarchie zwischen Lehrer und Schüler verweisen Mt 10,24f, Joh 13,16, zugleich werden Hierarchie und Herrschaft mit Hilfe der Sklaventerminologie durchaus kritisch gesehen und für die christliche Gemeinschaft neu definiert bzw. abgelehnt (vgl. v.a. Mk 10,42-44 par Lk 22,24-27; Joh 13,1-20). Gemäß Gal 5,13 werden die Gläubigen dazu aufgefordert, sich – wie Sklaven – in Liebe gegenseitig zu dienen. Als Vorbild ihrer Liebe dient die Liebe Christi. Denn auch Christus selbst ging gemäß dem in Phil 2,6-11 überlieferten Christushymnus aus Liebe den Weg der Erniedrigung und nahm Sklavengestalt an, bevor er von Gott wieder erhöht wurde.

Das Verhältnis der Gläubigen zu Gott oder Christus wird im Neuen Testament– im Anschluss an die alttestamentliche Knechtschaftsbegrifflichkeit – häufig mit Hilfe der Sklaventerminologie bezeichnet. Das Gegenbild zu dieser Gottesbeziehung ist die Versklavung unter die Sünde (z.B. Joh 8,34; Röm 6,17.20) bzw. unter die Vergänglichkeit (vgl. Röm 8,21; 2Petr 2,19). Ausführlich geht → Paulus in Gal 3-5 und Röm 5-8 auf die Lebenswende der Christen ein, die wegführt von der Versklavung unter Sünde, Tod und Gesetz und hinführt zur Abhängigkeit von Gerechtigkeit und Liebe.

Auf diesem Hintergrund kann die Bezeichnung „Sklave Gottes“ auch als Würdetitel für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verwendet werden, was sich insbesondere in den Präskripten der paulinischen oder deuteropaulinischen Briefe beobachten lässt (Röm 1,1; Phil 1,1; Gal 1,10; Kol 1,7; Tit 1,1). Weitere Vorkommen der Wortgruppe (Jak 1,1; Jud 1; 2Petr 1,1; Apk 1,1; vgl. auch Joh 13,16.20) lassen sogar einen titularen Gebrauch für Amtsträgerinnen und Amtsträger in den frühchristlichen Gemeinden vermuten. Doch nicht nur die Loyalität gegenüber Gott, auch die Treue und Selbstlosigkeit im Dienst für die Gemeinde kann Paulus mit Hilfe der Sklaventerminologie ausdrücken (2Kor 4,5), ohne dass er sich deshalb zum Befehlsempfänger der Gemeinde machen würde (vgl. dazu 1Thess 2,4; Gal 1,10 mit 1Kor 10,33; Röm 15,1-3).

2.3. Öffentliche Dienstleistung, kultisch-priesterlicher Dienst (λειτουργέω und seine Ableitungen)

Λειτουργέω Leitourgeō und seine Ableitungen begegnen im Neuen Testament nur 15-mal.

Die Wortgruppe bezeichnet in der Antike zunächst – freiwillige oder auch verpflichtende – öffentliche Dienste für eine Gemeinschaft, die in der Regel auf eigene Kosten durchzuführen waren. Neben diesem Gebrauch für öffentliche Dienstleistungen entwickelt sich auch eine Verwendung im kultisch-religiösen Sinn.

Im Judentum fällt das häufige Vorkommen in der Septuaginta mit ca. 140 Belegen auf. Die Begriffe können geradezu als Terminus technicus für den Priesterdienst am → Tempel verstanden werden.

Auch im Neuen Testament ist die Verwendung für den Priesterdienst am Tempel (Lk 1,23) belegt. In Apg 13,2 wird damit in singulärer Weise der christliche Gottesdienst umschrieben.

Paulus verwendet die Wortgruppe ebenfalls vereinzelt im kultischen Sinn. In Röm 15,16 spricht er davon, dass er durch Gottes Gnade zum Priester Gottes geworden ist, der die durch seine Mission bekehrten Heiden – im übertragenen Sinne – Gott zum Opfer dargebracht hat. Ähnlich ist auch in Phil 2,17 von einem Priesterdienst des Paulus die Rede, wobei er den Glauben der Philipper Gott als eine Opfergabe darbringe.

Im Hebräerbrief wird die Wortgruppe auffallend oft benutzt, sowohl bezogen auf priesterliche Kultgeräte und Dienste im Tempel (Hebr 9,21; Hebr 10,11), als auch übertragen auf das Heilswerk in Jesus Christus, das mit kultischen Bildern neu interpretiert wird (Christus als Hoherpriester am himmlischen Heiligtum vgl. Hebr 8,2.6; Hebr 10,10f). In Hebr 1,7.14 dient es zur Beschreibung der untergeordneten, dienstbaren Rolle der Engel und ist nicht auf den Tempeldienst bezogen.

Doch auch der eher öffentlich-rechtliche Gebrauch der Wortgruppe lässt sich im Neuen Testament finden. Im Kontext der Kollekte der paulinischen Gemeinden wird das Lexem verwendet, um dieses Werk als eine öffentliche Dienstleistung im Sinne einer Spende zu charakterisieren (Röm 15,27; 2Kor 9,12).

Dies entspricht hier dem ebenfalls organisatorisch-rechtlichen Gebrauch von diakonia zur Bezeichnung der Überbringung der Gelder (2Kor 8,4.19f.; 2Kor 9,1.12-13; Röm 15,25-26.31), während der theologische Gehalt der Kollekte von Paulus als Gnade oder Gnadenwerk (χάρις charis) (2Kor 8,7; 2Kor 9,8.11-15) gewürdigt wird, welche auf die erfahrene Gnade Gottes zurückgeht (2Kor 8,1.9; 2Kor 9,14f)) und zur im Gotteslob sich äußernden Dankbarkeit (griech. εὐχαριστέω eucharisteō) der Jerusalemer Gemeinde führt.

Primär nichtkultischer Gebrauch liegt möglicherweise auch in Bezug auf die Spende der Gemeinde in Philippi und den von ihr zu Paulus gesandten Mitarbeiter Epaphroditus vor (Phil 2,25.30). Allerdings kann die Spende selbst in Phil 4,18 auch als ein „Gott wohlgefälliges Opfer“ bezeichnet werden, was darauf hindeutet, dass im gemeindlichen Bereich öffentlich-rechtliche und sakral-kultische Bedeutungsaspekte bei der Wortverwendung auch zusammenkommen können.

Eindeutig um öffentliche Verrichtungen geht es bei der Bezeichnung des Staates als leitourgos in Röm 13,6, wobei der Staat von Paulus hier als Befehlsempfängerin und ausführendes Organ Gottes (vgl. die Bezeichnung des Staates als diakonos Gottes in Röm 13,4) in Bezug auf die öffentliche Ordnung gedeutet wird.

2.4. Arbeit, Dienst, Gottesdienst (λατρεύω und seine Ableitungen)

Λατρεύω Latreuō und seine Ableitungen begegnen im → Neuen Testament 26-mal.

Die Wortgruppe bezeichnet ursprünglich den Dienst um → Lohn, kann aber auch allgemein für Mühe und Arbeit und schließlich für die Verehrung der Götter, den Gottesdienst und die Frömmigkeit verwendet werden.

Ganz in der alttestamentlichen Tradition, in der das Verhältnis des Menschen zu Gott als Dienst aufgefasst wird, findet sich das Wort im Neuen Testament für die Gottesbeziehung (vgl. z.B. Mt 4,10; Lk 4,8; Apg 7,7; Apg 24,14), auch im Hinblick auf fremde Götter (Apg 7,42; Röm 1,25). Der deutlichste Bezug zum alttestamentlichen Wortgebrauch findet sich im Hebräerbrief, der unter Bezugnahme auf den Tempeldienst den Gottesdienst der Gemeinde beschreibt (vgl. z.B. Hebr 9,1.6.9.14; Hebr 10,2; Hebr 12,28).

Paulus spricht vom Gottesdienst im Alltag (Röm 12,1) oder vom Gottesdienst im Geist (Röm 1,9; Phil 3,3).

3. Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es in der griechischen Sprache verschiedene Begriffe gibt, die unterschiedliche Arten von Diensten bezeichnen bzw. einzelne Aspekte von Dienstleistungen besonders betonen. Zu nennen sind v.a. δουλεύω douleuō (Sklave sein, als Sklave dienen), ὑπηρετέω hypēreteō (Hilfsdienste / Handlangerdienste ausführen, dienen), λατρεύω latreuō (für Lohn arbeiten, kultische Pflichten ausüben, Gott dienen), θεραπεύω therapeuō (dienen, heilen; oft auch im religiösen Kontext), λειτουργέω leitourgeō (eine öffentliche Pflicht erfüllen, ein (Ehren-)Amt ausüben, auch für priesterlich-sakrale Dienste) und διακονέω diakoneō (Aufträge ausführen, etwas überbringen, eine Nachricht übermitteln). Diese werden im Neuen Testament in unterschiedlicher Häufigkeit und in der Bandbreite ihrer Bedeutungsaspekte verwendet. Eine deutsche Übersetzung mit Dienst / dienen genügt oft nicht, um die entsprechenden Bedeutungsnuancen der griechischen Begriffe ins Deutsche zu übertragen.

In der alttestamentlichen Tradition stehend wird im Neuen Testament mit Dienstbegriffen, insbesondere der Sklaventerminologie, zunächst einmal die Hingabe und Abhängigkeit des Menschen von Gott beschrieben und absolute Loyalität gefordert (z.B. Mt 6,24; Röm 6,22). Während die Versklavung unter Sünde und Tod das negative Gegenmodell darstellt, ist die Bindung an Gott positiv besetzt und wird als Freiheit des Menschen gedeutet. Diese Freiheit äußert sich in einem gott- und glaubensgemäßen Verhalten, insbesondere in der tätigen Liebe (vgl. etwa Gal 5,6b). Der Gottesdienst der Christen umfasst nicht nur kultische Vollzüge, sondern das Leben im Alltag (Röm 12,1), was sowohl innerhalb der Gemeinde als auch im Umgang mit Außenstehenden, z.B. mit Feinden, spürbar werden soll (vgl. etwa Röm 12,18.20). Für Christen können nicht zuletzt auch die Nöte und Leiden der Mitmenschen zu einer Verpflichtung werden, die das Erbarmen und ihre Fürsorge erfordern (Mt 25, 31-46).

In der Sendung Jesu in die Welt, die seinen Tod am Kreuz aus Liebe für die Menschen einschließt, offenbart sich in aller Tiefe die Liebe Gottes. Gemäß Mk 10,45 ist → Christus als Beauftragter (diakonos) Gottes nicht gekommen, um Aufträge zu erteilen – wie es einem Boten Gottes nach antiken Vorstellungen durchaus zustehen würde –, sondern um selbst (s)einen Auftrag im Namen Gottes auszuführen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben. In der Treue zu Gott und in der pflichtgemäßen Ausführung des Willens Gottes wird Jesus zum Vorbild für alle, die ihm nachfolgen. Insbesondere die, welche Leitungsaufgaben innehaben, sollen sich bewusst sein, dass sie in der christlichen Gemeinschaft nicht – autonom – Herrschende sind, sondern selbst im Auftrag eines Höhergestellten stehen (vgl. Mk 10,42-44 par Lk 22,24-26), so dass nicht der persönliche Status oder die eigene Autorität legitimes Ziel sein können, sondern nur die Loyalität gegenüber Gott als dem eigentlichen Herrn der Gemeinde.

Die Verwendung von διακονέω diakoneō und seinen Ableitungen für unterschiedliche Aufgaben in der christlichen Gemeinschaft, auch für Mission, Leitungsfunktionen und sich entwickelnde Ämter, hat sich nahegelegt, da mit diesem Begriff sowohl die verantwortliche Tätigkeit in der Gemeinde als auch der Verpflichtungscharakter und die Unterordnung unter den Auftraggeber – häufig Gott, zum Teil auch die Gemeinde(n) – in besonderer Weise sprachlich deutlich wird. Allerdings ist eine Verwendung für karitativ ausgerichtete Aufgaben in der Gemeinde im Neuen Testament die Ausnahme (vgl. Apg 6,1-6), so dass diakonale, im Sinne von karitativen, Tätigkeiten, trotz des von diakonia abgeleiteten Lehnwortes, nicht als der zentrale Zuständigkeitsbereich frühchristlicher diakonoi angesehen werden können. Die neutestamentliche Wortverwendung lässt eine Betätigung der als diakonoi bezeichneten Funktionsträgerinnen und –träger v.a. in den Bereichen Gemeindeleitung und Wortverkündigung, möglicherweise auch für Botengänge zwischen den Gemeinden vermuten.

Gemäß Paulus können alle Charismen in der Gemeinde als verpflichtende, gleichwertige Beauftragungen (diakoniai) durch Christus, den Herrn verstanden werden (1Kor 12,5). Damit werden alle Formen der Mitarbeit in der Gemeinde als offizielle Beauftragungen im Namen Christi charakterisiert. Es ist jedoch nicht von Paulus intendiert, Leitungsaufgaben zu „niedrigen Diensten für andere“ zu degradieren. Entsprechend lässt sich auch eine allgemeine „Dienstnorm“ aus 1Kor 12,5 für die christliche Gemeinde nicht ableiten. Vielmehr gilt, dass alle in der Gemeinde, die eine diakonia haben und ausüben, ihrem Auftraggeber gegenüber zur zuverlässigen Ausführung der Tätigkeit verpflichtet sind. Das Ziel der Mitarbeit aller soll nach Paulus die Auferbauung der Gemeinde sein (1Kor 12,7), so dass schließlich die Liebe als erstrebenswerteste Gnadengabe von Paulus gelobt wird (1Kor 13).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

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  • Eisen, U.E., 1996, Amtsträgerinnen im frühen Christentum. Epigraphische und literarische Studien (FKD 61), Göttingen
  • Hentschel, A., 2007, Diakonia im Neuen Testament. Studien zur Semantik unter besonderer Berücksichtigung der Rolle von Frauen (WUNT II 226), Tübingen
  • Hentschel, A., 2008, Gibt es einen sozial-karitativ ausgerichteten Diakonat in den frühchristlichen Gemeinden? (PTh 97), 290-306
  • Schmeller, T., 1995, Hierarchie und Egalität. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung paulinischer Gemeinden und griechisch-römischer Vereine (SBS 162), Stuttgart

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