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Lexikon

Decke

Johannes Thon

(erstellt: Nov. 2008)

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1. Hebräische Begriffe

Ähnlich dem deutschen Wort können hebräische Begriffe, die in Bibelübersetzungen mit „Decke“ wiedergegeben werden, sowohl eine Textilie (bzw. ein vergleichbares Erzeugnis aus → Leder oder → Fell) als auch den oberen Abschluss eines Raumes bezeichnen. Bei einem Großteil der infrage kommenden Begriffe liegt wie im Deutschen eine nominale Ableitung von verschiedenen Verben mit der Bedeutung „bedecken“ zugrunde (unter anderen: ksh: kəsût, kāsûj, mikhsæh, məkhassæh; skk: məsukhāh, māsākh; spn: sippun). Im Zusammenhang mit dem → Zeltheiligtum hängen die beiden Bedeutungen zusammen, weil der obere Abschluss eines Raumes durch eine Textilie hergestellt wird.

Je nach Übersetzung wird der Begriff „Decke“ aus sachlichen Gründen (etwa bei jərî‘āh, śəmîkhāh, bægæd) gewählt, auch wenn das hebräische Äquivalent nicht von einer Wurzel mit der Grundbedeutung „bedecken“ gebildet ist. So werden die heiligen Geräte in Num 4,6-9 unter anderem mit einem bægæd genannten Tuch für den Transport eingehüllt. Dieses Wort bedeutet sonst meist „Kleid / Kleidung“, wird hier aber mit „Decke“ übersetzt.

2. Bettdecke

Bettdecken sind in den Nächten, die insbesondere im Bergland Palästinas sehr kalt sein können, überlebenswichtig. Da arme Menschen oft nur einen Mantel als Decke haben, darf man diesen nicht über Nacht als Pfand einbehalten (Ex 22,26; vgl. Hi 31,19).

3. Decken des Zeltheiligtums

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Rekonstruktion der Stiftshütte.

Die → Priesterschrift beschreibt das Zeltheiligtum (→ Stiftshütte), den Wohnsitz Gottes während der Wüstenwanderung Israels. Für dieses Heiligtum spielen verschiedene Decken eine wichtige Rolle (Ex 26,1-15.31-37; Ex 36,8-19.35-38; Ex 38,18; Ex 40,10-21), selbst wenn man jərî‘āh nicht mit der Einheitsübersetzung als „Decke“, sondern mit der Lutherbibel als „Teppich“ wiedergibt.

Nach Ex 26,1-14 sollen für das Zeltheiligtum als Plane zehn 28 x 4 Ellen große, gewebte Teppiche (jərî‘āh) miteinander verknüpft werden. Darüber sollen als Schutzdecke elf Teppiche (jərî‘āh) aus Ziegenfellen kommen, die 30 x 4 Ellen messen. Der Begriff „Decke“ (mikhsæh) wird in Ex 26,13f eingeführt, wo als Zweck der überhängenden Teppiche angegeben wird, die Wohnstatt zu bedecken (ksh), und dann die Anweisung ergeht, darüber eine Decke (mikhsæh) aus rot gefärbten Widderfellen und eine weitere aus feinem Leder (Lutherbibel fälschlich: „Dachsfelle“; → Dachs) zu legen.

Auch für den Eingang des Allerheiligsten (Ex 26,33; pārokhæt) und des Zeltes (Ex 26,36; māsākh) sowie für das Tor des Vorhofs (Ex 27,16; māsākh) sollen Decken gemacht werden, offenbar Vorhänge. Der Vorhang vor der Bundeslade heißt jedoch pārokhæt „Vorhang“ (z.B. Ex 26,33), allerdings auch pārokhæt hammāsākh „Vorhang der Decke“ (z.B. Ex 35,12).

Die Bezeichnungen für den „Deckel“ der → Lade (kapporæt, Luther: „Gnadenthron“) und der für den Vorhang davor (pārokhæt) bilden ein Klangspiel. Beide Gegenstände haben mit Formen des Bedeckens zu tun (skk in Ex 25,20 bzw. Ex 40,3). Es ist wahrscheinlich, dass die Wurzel kpr „sühnen“ auch eine Nebenbedeutung „bedecken“ hatte, die hier evoziert wird (bis ins 19.Jh. wurde meist durch Vergleich mit dem Arabischen „bedecken“ als Grundbedeutung angenommen. Zur Diskussion und eher skeptisch dazu: Lang, 304f.).

Die Funktion der Decken besteht im Kult darin, die Grenze zwischen heiligem und profanem Bereich zu markieren und zu sichern (vgl. Ex 26,33; → heilig / profan / Heiligkeit). Sie schützen die Menschen vor der gefährlichen Begegnung mit dem Heiligen und ermöglichen der Heiligkeit Gottes, unter den Menschen Raum zu finden. Die konzentrische, sich nach innen steigernde Heiligkeit der Bereiche wird durch die verschiedenen Teppiche, Decken und Vorhänge markiert, deren Ausstattung dementsprechend wertvoller wird. Den jeweiligen Eingängen als Übergängen zwischen den Bereichen wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Schon unberechtigter Blickkontakt sollte vermieden werden (Haran).

4. Der Schleier des Mose

Die Lutherbibel übersetzt auch den Schleier (maswæh), der in Ex 34,33-35 wegen des unerträglichen Strahlens über → Moses Gesicht gelegt wird, mit dem Wort „Decke“. Dadurch kann in 2Kor 3,13-16, wo auf die alttestamentliche Stelle bezug genommen wird, die gleiche Terminologie verwendet werden. Nach dieser paulinischen Exegese liege diese Decke nun auch auf dem „alten Bund“, wenn er gelesen werde. Hier würde „Schleier“ wenig Sinn machen. Der zugrundeliegende griechische Terminus κάλυμμα lässt diese Bedeutungsbreite zu.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

  • Haran, M., 1985, Temples and Temple Service in Ancient Israel, Winona Lake,150-187
  • Lang, B., 1984, Art. כפר kippær, in: Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament IV, 303-318
  • Meyers, C., 1992, Art. Screen, in: Anchor Bible Dictionary V, 1011
  • Ringgren, H., 1984, Art. כסה kāsāh, in: Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament IV (1984), 272-277

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Rekonstruktion der Stiftshütte. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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