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Lexikon

David

Alexander Achilles Fischer

(erstellt: Jan. 2009)

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1. Grundinformation

Aus: Wikimedia Commons; © Silmaril, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 27.3.2008

Abb. 1 David (Michelangelo Buonarroti; 1501-04).

In der Geschichte Israels steht David an der Spitze des Königtums und wird als der erste und bedeutendste König über Juda und Israel gezählt. Er regiert insgesamt 40 Jahre, davon 7 Jahre in → Hebron und 33 Jahre in → Jerusalem (1Kön 2,11). Nach der absoluten → Chronologie ergibt sich für seine Regierungszeit in etwa der Zeitraum 1000-961 v. Chr.

1.1. Herkunft und Familie

Nach der biblischen Tradition stammt David aus dem judäischen Ort → Bethlehem und wird dort als jüngster Sohn des → Isai geboren. Sein Vater gilt als Enkel des Boas und der Moabiterin → Rut (Rut 4,17). In jugendlichem Alter tritt David in die Dienste → Sauls am Königshof in → Gibea (Tell el-Fūl). Dort erhält er → Michal, dessen Tochter, zur Frau, später heiratet er → Ahinoam aus → Jesreel und → Abigajil aus Karmel, die frühere Frau → Nabals (1Sam 25,42-43). Es entspricht der Dramatik der Erzählung, dass Michal kinderlos bleibt und damit die saulidische Linie nicht fortgeführt wird (2Sam 6,23). Nach Davids Erhebung zum König werden ihm in Hebron sechs Söhne geboren: → Amnon, Kilab, → Absalom, → Adonija, Schefatja und Jitream (2Sam 3,2-5). Weitere Söhne und Töchter kommen in Jerusalem hinzu (2Sam 5,13-16). Unter ihnen ist auch → Salomo, der Sohn der → Batseba, dessen Geburt eigens berichtet wird (2Sam 11-12). Die in Hebron geborenen Söhne gehören zu den Protagonisten der Jerusalemer Hofgeschichten. Am Ende ist es aber Salomo, der Sohn der Batseba, der sich in der Auseinandersetzung um den Königsthron durchsetzt. In den letzten Lebensjahren Davids wird dem König die junge und schöne → Abischag aus Schunem als Pflegerin und Geliebte an die Seite gegeben (1Kön 1,1-4).

1.2. Personen und Beamte

Abb. 2 Davids Abschied von Jonatan (Rembrandt, 1642); das Bild wird auch als Versöhnung von David und Absalom gedeutet.

Abb. 2 Davids Abschied von Jonatan (Rembrandt, 1642); das Bild wird auch als Versöhnung von David und Absalom gedeutet.

Zu den Weggefährten Davids gehört → Jonatan, der Sohn Sauls, mit dem David eine enge Freundschaft verbindet. Hervorzuheben sind weiter die Söhne der Zeruja, → Abischai und → Joab sowie → Asaël, der freilich in jungen Jahren von → Abner, dem Heerführer Sauls, am Teich von → Gibeon getötet wird (2Sam 2,12-32). Unter den Zeruja-Söhnen spielt Joab eine besonders markante Rolle. Er wird zum Gegenspieler Abners und Heerführer Davids, ist seinem König treu ergeben und militärisch erfolgreich, handelt aber im Interesse des Staates auch gegen dessen Anordnungen (zu Joab vgl. Bietenhard, 1998).

Weitere Personen um David werden in den beiden Beamtenlisten (→ Beamte) genannt (2Sam 8,15-18; vgl. 2Sam 20,23-26). Neben dem Heerführer Joab sind dies: der Kanzler → Joschafat (vgl. 1Kön 4,3), die Priester → Zadok und → Abjatar; der Staatsschreiber → Seraja; der Chef der Palastwache → Benaja, der die → Kreti und Pleti befehligt, sowie → Adoniram, der die Fronarbeiten beaufsichtigt (vgl. 1Kön 4,6).

In den Listen sind nicht genannt: → Nathan, der Hofprophet (zu Nathan vgl. Oswald, 2008), sowie → Ahitofel aus Gilo und → Huschai, die königlichen Ratgeber in der Erzählung vom Aufstand Absaloms. Auf seiner Flucht vor Absalom unterstützen David der Gatiter Ittai mit seinem Gefolge, Ziba, der Diener Mefiboschets (Sohn Sauls bzw. Jonatans; vgl. 2Sam 9,1-13; → Merib-Baal), und der Gileaditer → Barsillai. Ferner dienen ihm die beiden Priestersöhne Ahimaaz und Jonatan als Spione. Die vielen Namen, die aus dem Umkreis Davids bekannt sind, sprechen nicht zwingend für eine historische Erinnerung. Vielmehr gehört die namentliche Nennung von Akteuren zu den narrativen Spielarten lebendigen Erzählens.

1.3. Zum Namen „David“

Der Name „David“ (דָּוִד dāwid) ist gemeinsemitischen Ursprungs. Er bedeutet „Liebling“ (abgeleitet von der Wurzel jdd „lieben“ bzw. von dôd „Geliebter“), ein für den jüngsten Sohn einer Familie geeigneter und gebräuchlicher Name. Möglich ist aber auch die Namensdeutung „Vaterbruder“ (abgeleitet von dôd „Onkel väterlicherseits“). Sie impliziert ein Verständnis als Ersatznamen. Danach wird ein neugeborenes Kind in dieser Weise benannt, um für einen kürzlich verstorbenen Onkel als Ersatz zu gelten (vgl. Stamm, 1980). In der Bibel begegnet der Name „David“ ausschließlich in Verbindung mit dem Dynastiegründer David.

1.4. Historische Evidenz

Ist David eine historische oder eine legendarische Person? Die Frage darf als entschieden gelten, seit man 1993 im biblischen → Dan eine Siegesinschrift gefunden hat, die dem Usurpator → Hasael von → Aram-Damaskus zugeordnet werden kann (→ Inschrift von Tell Dan). In dieser Inschrift rühmt sich der aramäische Herrscher, → Joram, den Sohn → Ahabs, König von Israel, und → Ahasjahu, den Sohn → Jorams, König vom Haus-David, getötet zu haben. Die Inschrift bietet damit den ersten und frühesten Beleg für die Existenz einer davidischen Dynastie, die auf Fragment A (Zeile 9) mit „Haus-David“ bezeichnet wird (vgl. Biran / Naveh, 1993). Gemäß dem im 1. Jahrtausend v. Chr. üblichen Verfahren, ein Herrscherhaus nach seinem Dynastiegründer und nicht nach einer mythischen Gestalt zu benennen (vgl. „Haus Omri“ und weitere altorientalische Beispiele), steht die Existenz von König David als einer historischen Person außer Frage. Alle weiteren Nachrichten über ihn können jedoch nur den biblischen Erzählungen entnommen werden.

2. David im Spiegel biblischer Erzählungen

Das biblische Bild von David wird wesentlich durch die → Samuelbücher bestimmt (→ Aufstiegserzählung; → Thronfolgeerzählung). Dabei lassen sich die Erzählungen thematisch in drei Abschnitte einteilen: die Saul-David-Geschichte (1Sam 16-31), Davids Weg zum Königtum über Juda und Israel (2Sam 1-8), die Jerusalemer Hofgeschichten (2Sam 9-20 und 1Kön 1-2).

2.1. Die Saul-David-Geschichte

Abb. 3 David mit dem Kopf Goliats. Caravaggio (1606/07) stellt David als Straßenjungen dar und porträtiert in dem Gesicht Goliats sich selbst. In welcher Weise der Künstler damit sein Leben reflektiert, wird diskutiert.

Abb. 3 David mit dem Kopf Goliats. Caravaggio (1606/07) stellt David als Straßenjungen dar und porträtiert in dem Gesicht Goliats sich selbst. In welcher Weise der Künstler damit sein Leben reflektiert, wird diskutiert.

Wie kam David an den Königshof Sauls? Die Erzählungen geben drei unterschiedliche Antworten: David wird als Musiker (Musiktherapeut) in den Palast gerufen, um die Depressionen Sauls durch sein Saitenspiel zu behandeln (1Sam 16,14-23). Demgegenüber lassen 1Sam 16,21 und 1Sam 14,52 daran denken, dass David seinen Dienst am Königshof als Waffenträger Sauls angetreten hat. Noch einmal anders beschreibt es die bekannte David-Goliat-Erzählung (1Sam 17). Hier ist David der unbekannte Hirtenjunge, der sich als Zweikampfsieger (→ Zweikampf) über → Goliat bewährt und anschließend in die Elitetruppe Sauls aufgenommen wird.

Abb. 4 David spielt die Harfe vor Saul (Lucas van Leyden; 1509).

Abb. 4 David spielt die Harfe vor Saul (Lucas van Leyden; 1509).

Die Erzählungen lassen keinen Zweifel, dass Gott mit David ist: Rasch gewinnt er die Herzen des gesamten Hofs und die Zuneigung von Jonatan, dem Sohn Sauls, und von Michal, der Tochter Sauls, die er heiraten wird. Kehrt David vom Krieg gegen die → Philister zurück, singen die Frauen mit Zimbeln und Pauken ein Siegeslied für ihn (1Sam 18,7). Danach kommt es zu Spannungen zwischen Saul und David. Das Gemüt des Königs verdüstert sich und wendet sich gegen ihn. Ein Speerwurf ist deutliches Warnsignal, dass David in der Nähe Sauls um sein Leben bangen muss (2Sam 18,10-11; vgl. 2Sam 19,9-10). Zu seiner Rettung verhelfen ihm die Kinder Sauls. Dazu werden zwei Versionen erzählt: Zum einen erkundet Jonatan die Tötungsabsicht Sauls und warnt David vor der Gefahr, indem er drei Pfeile als vereinbartes Zeichen über das Ziel hinausschießt (1Sam 20,18-42). David kann sich retten und schließt mit Jonatan einen Bund. In ihm verspricht er dem Freund, dass er seinen Nachkommen die Treue halten wird (vgl. 1Sam 20,12-17 mit 2Sam 9,1-13). Zum anderen wird David von Michal unterstützt. Ihr gelingt es durch eine List, die Entdeckung seiner Flucht geschickt zu verzögern: Sie meldet David krank und legt ein Götterbild (hebr. tərāfîm; → Hausgott) in sein Bett, das sie mit Ziegenhaar und Stoff drapiert. Dadurch täuscht sie Sauls Schergen über die Abwesenheit Davids (1Sam 19,13-17).

Abb. 5 David verschont Saul (1Sam 24,3-14; Rembrandt van Rijn; um 1657-1660).

Abb. 5 David verschont Saul (1Sam 24,3-14; Rembrandt van Rijn; um 1657-1660).

Nach seinem Entkommen zieht sich David als Freischärler ins judäische Gebirge zurück, Saul wird zu seinem Verfolger. Drei Erzählungen, die wie ein Triptychon (Altarbild mit zwei Seitenflügeln) angeordnet sind, beleuchten das folgende Geschehen: In der Mitte steht die Auseinandersetzung Davids mit Nabal, dessen Frau Abigajil den künftigen König vor Blutschuld bewahrt (1Sam 25). Davor und danach werden zwei Geschichten erzählt, in denen David seinen Verfolger Saul hätte töten können, aber großherzig verschont und dadurch seine Achtung vor dem Gesalbten Jahwes (→ Messias; → Salbung) erweist (1Sam 24 und 1Sam 26).

Schließlich flüchtet sich David zum Philisterfürsten → Achisch von Gat (1Sam 27,1-6; vgl. 1Sam 21,11-16) und bekommt von ihm den Ort → Ziklag (Tell es Seba‘; zur Diskussion um die Lokalisierung vgl. auch → Beerscheba und → Horma) als Lehen zugewiesen. Obwohl David nunmehr bei den Philistern als den Feinden Israels in Dienst steht, lassen die Erzählungen keinen Zweifel, dass er auf seinen Kriegszügen die Judäer schont (1Sam 27,7-12; vgl. 1Sam 30,26-31) und dass er an der Schlacht gegen Israel nicht beteiligt gewesen ist. In dessen Verlauf stürzt sich Saul in aussichtsloser Lage in sein Schwert. Auch seine Söhne finden den Tod (1Sam 31).

2.2. Davids Weg zum Königtum

Mit dem Tod Sauls endet das erste Samuelbuch und beginnt das zweite. In Form eines Botenberichts wird das tragische Ende des Königs nochmals erzählt, allerdings mit deutlichen Unterschieden: Nach dem Botenbericht wird Saul nicht verwundet, sondern erleidet einen Schwächeanfall. Ein zufällig aufs Schlachtfeld geratener → Amalekiter tötet ihn und bringt seine Königsinsignien zu David nach Ziklag. Doch statt des erwarteten Lohns wird der Mörder mit dem Tod bestraft, weil er seine Hand gegen den Gesalbten Jahwes erhoben hat (1Sam 1,1-16). Das anschließende Klagelied über Saul und Jonatan bringt wiederholt zum Ausdruck, dass sich David trotz der Nachstellungen Sauls niemals gegen den König Israels gewendet hat. Seine Sympathien für Israel bekunden darüber hinaus die Erzählungen von Davids Trauer um Abner, den Heerführer Sauls (2Sam 3,30-37) und von der Bestrafung der Mörder Isch-boschets (→ Eschbaal), des Sohnes und Nachfolgers Sauls (2Sam 4,1-12).

David wird zunächst in Hebron zum König über Juda erhoben (2Sam 2,1-4) und später von den → Ältesten Israels zum König über Israel gesalbt (2Sam 5,1-3). Dadurch gilt David als erster König über Gesamtisrael, nämlich über die in Personalunion vereinten Staaten Juda und Israel. Nach der Eroberung → Jerusalems wird die „Stadt Davids“ zur neuen und künftigen Residenz der Davididen (2Sam 5,6-12).

Am Ende des zweiten Themenkreises stehen drei wichtige Kapitel zum Königtum Davids, die in eigener Weise sein Königtum beleuchten: 2Sam 6 bringt einen Nachtrag zur → Ladeerzählung und berichtet von ihrer Überführung nach Jerusalem (Kult), 2Sam 7 verheißt David eine dauerhafte Dynastie (→ Königtum; → Nathan) und 2Sam 8 berichtet von den Kriegserfolgen Davids, durch die er sein Herrschaftsgebiet zu einem Großreich ausweiten kann (Territorium).

2.3. Die Jerusalemer Hofgeschichten

Besonders dicht und kunstvoll erzählt sind die Hofgeschichten, die man traditionell als → Thronfolgegeschichte Davids verstanden hat. Sie entwerfen ein ausgesprochen differenziertes Charakterbild des Königs und der Personen, die ihn umgeben. Freilich wird David in einen Strudel von Ereignissen hineingezogen, die man auch als eine „Katastrophengeschichte“ seines Herrscherhauses bezeichnen kann (vgl. Blum, 1996, 29). Die dramatischen Geschehnisse sind bis in das hohe Alter Davids von Mord und Gewalttaten, Rebellion und Intrigen bestimmt. Am Ende gelingt es dem Propheten → Nathan und der Königinmutter → Batseba, → Salomo auf den Thron zu bringen (1Kön 1). Am Anfang stehen dagegen Davids Ehebruch mit Batseba und die Ermordung ihres Ehemanns → Urija, die mit dem antiken Motiv des Todesbriefes dramatisch gestaltet wird (Homer, Ilias VI, 168f; Herodot, Historien III, 44; Grimms Märchen, Der Teufel mit den drei goldenen Haaren; und dazu Fischer, 1989, 56f). Aus dem Ehebruch geht offenbar der spätere Thronfolger Salomo hervor, was nicht nur David, sondern auch die späteren Redaktoren zu vertuschen suchen (2Sam 11,1-27 und 2Sam 12,24Qəre; vgl. dazu Veijola, 1979, 230-250). Zwischen diesen Erzählungen reihen sich weitere Haus-David-Geschichten ein: Die Vergewaltigung → Tamars durch den Königssohn → Amnon (2Sam 13), die Ermordung Amnons durch seinen Bruder → Absalom (2Sam 14), die Rebellion Absaloms gegen seinen Vater David und dessen Flucht aus Jerusalem (2Sam 15-17), die Tötung Absaloms durch Davids Heerführer → Joab (2Sam 18), die Trennung Israels von Juda und die Rebellion → Schebas, zu dessen Abwehr der neue Heerführer → Amasa von Joab heimtückisch ermordet wird (2Sam 20,8-13; vgl. 2Sam 3,22-27).

3. Zur Literaturgeschichte der Samuelbücher

Es besteht kein Zweifel, dass die biblischen David-Geschichten zunächst einmal als Erzählung wahrgenommen werden wollen und die an sie herangetragene (durchaus berechtigte) Frage nach ihrer Historizität vorab und zwingend eine literaturgeschichtliche Einordnung erfordert. Erst wenn man sich über Entstehung, Datierung und Absicht der Erzählung orientiert hat, kann man eine historische Auswertung versuchen. Obwohl die redaktionsgeschichtlichen Verhältnisse noch immer zur Debatte stehen und bislang kein Konsens erzielt worden ist (vgl. zuletzt Kratz, 2000; Vermeylen, 2000; Fischer, 2003; Rudnig, 2006), darf man doch sagen, dass sich in den letzten Jahren mindestens in Umrissen eine neue Sicht abzeichnet.

3.1. Die Gründungsgeschichte des davidischen Königtums

Ein sicherer Ausgangspunkt ergibt sich aus der Frage nach einem ersten durchlaufenden und die David-Geschichten verbindenden Erzählfaden. Ein solcher Erzählfaden lässt sich in 2Sam 1-5 ermitteln. Er läuft nach vorne bis 1Kön 2 und lässt sich nach hinten bis mindestens 1Sam 16 oder 1Sam 9 zurückverfolgen. Diese insgesamt prodynastische und noch vordeuteronomistische Erzählkomposition wird auch als Erzählwerk über die frühe Königszeit bezeichnet und im Allgemeinen nach 722 v. Chr. (Dietrich, 1997, 259-268) bzw. in das 7. Jh. v. Chr. datiert (Fischer, 2003, 284-291). Kennzeichnend für sie ist nicht nur, dass sie David in die Tradition des Königtums Sauls stellt und ihn als dessen Nachfolger zeichnet, sondern auch, dass durch seine Person die getrennten Reiche Israel und Juda zusammengeführt werden. Die Absicht der Erzählkomposition besteht darin, für die davidische Dynastie der späten Königszeit eine formative Gründungsgeschichte zu schreiben, die eine doppelte Funktion erfüllt: Erstens soll sie den politischen Anspruch auf die Rechtsnachfolge des untergegangenen Nordreichs begründen und zweitens die integrative Kraft der davidischen Dynastie dadurch stärken, dass sie durch die loyale Haltung Davids gegenüber den Sauliden die Sympathien der vormals aus dem Norden stammenden Israeliten zu gewinnen sucht.

3.2. Das kleine deuteronomistische Geschichtswerk (Sam - Kön)

Das Erzählwerk über die frühe Königszeit resp. die Gründungsgeschichte des davidischen Königtums wird in exilischer bzw. frühnachexilischer Zeit deuteronomistisch (→ Deuteronomismus) bearbeitet, mit dem Vorbau 1Sam 1-3* + 1Sam 9-15* versehen und mit den → Königsbüchern zu einem Geschichtswerk zusammengeschlossen, das sich in Anlehnung an die traditionelle Benennung als kleines deuteronomistisches Geschichtswerk (Sam - Kön) bezeichnen lässt. Diesem sind neben den deuteronomistischen Bearbeitungen sukzessive zugewachsen: Die Salbung Davids durch Samuel (1Sam 16,1-13), die David-Goliat-Geschichte (1Sam 17), die Ladeerzählung (1Sam 4-6 und 2Sam 6), die Michal-Episoden (1Sam 19,13-17; 1Sam 25,44; 2Sam 3,13-16; 2Sam 6,14.16.20-23), die Auftritte des Propheten Nathan (2Sam 7,1-17 und 2Sam 12,1-14) und die zur Exilsgeschichte umgearbeitete Absalom-Erzählung (2Sam 15-17*, vgl. dazu Fischer, 2005a).

3.3. Die Quellen der David-Erzählungen

Die für das höfische Erzählwerk verantwortliche Redaktion der späten Königszeit konnte bei der Herstellung ihrer Gründungsgeschichte des davidischen Königtums auf ältere Erzählungen und Vorlagentexte zurückgreifen. Im Bereich der Saul-David-Geschichte handelt es sich vornehmlich um Einzelerzählungen wie beispielsweise: die Anstellung Davids als Musiker (1Sam 16,14-23), die Verheiratung der Saultöchter (1Sam 18,13-27), die Ausrottung der Priester von → Nob (1Sam 22,6-19*), die Verschonung Sauls (1Sam 24,1-16*) oder die Schilderung der Schlacht von → Gilboa -(1Sam 31,1-13*). Im Bereich der Erzählungen von Davids Weg zum Königtum sind dies: das Klagelied über Saul (2Sam 1,19-26*), Fragmente einer Abner-Erzählung (2Sam 3*), die Ermordung Isch-boschets (2Sam 4,5-6) und die Eroberung Jerusalems (2Sam 5,6-8*). Nicht alle diese Erzählungen müssen und sind ursprünglich mit David verbunden gewesen. Vielmehr bieten sie eine Reihe von Themen, die sich so oder ähnlich auch in anderen Heldenepen und lokalen Banditengeschichten finden lassen (vgl. Isser, 2003).

Demgegenüber handelt es sich bei den Jerusalemer Hofgeschichten um eine vorliegende Sammlung, die von der Redaktion in das Erzählwerk eingearbeitet worden ist. Die Geschichten kreisen um die Frage, welcher der Söhne das Erbe Davids antreten wird. So spannend sie auch erzählen, werfen sie durch ihre Schilderung von Mord und Gewalttaten ein insgesamt ungünstiges Licht auf David und die königliche Familie. Deshalb steht nach wie vor in der Diskussion, wo und wann diese Erzählungen entstanden sein könnten. Früher dachte man an eine Art politischer Schmähschrift gegen das Haus David, die aus dem Nordreich stamme (vgl. Budde, 1906, 37). Die gegenteilige Sicht, dass die Geschichten auch am Königshof im Südreich situiert sein können und die legendenhafte Vergangenheit Davids in eine gute Story packen, wird heute ebenfalls erwogen (Finkelstein / Silberman, 2006, 102-107). Vor dem Hintergrund, dass die Geschichten in der nachexilischen Darstellung der Chronikbücher ganz übergangen werden (vgl. 1Chr 20,1ff), stellt sich außerdem die Frage, warum sie in die Erzählkomposition der späten Königszeit aufgenommen worden sind. Auch wenn sich diese Frage noch nicht abschließend beantworten lässt, bleiben dazu zwei Aspekte zu bedenken: Zum einen passen gewalttätige Auseinandersetzungen und unregelmäßige Thronfolgen durchaus in das Erscheinungsbild von Dynastieerzählungen. Zum anderen werden selbst in den auf Propaganda bedachten und zeitnahen assyrischen Königsinschriften die Kämpfe und Konflikte innerhalb der Königsfamilie nicht verschwiegen, sondern dargestellt.

Als Beispiel dafür lassen sich die Vorgänge bei der Thronfolge → Sanheribs anführen, die dem Prisma Ninive A entnommen werden können (vgl. Borger, 1956; TUAT I/4, 393-397). Die inhaltlichen Entsprechungen zu den Jerusalemer Hofgeschichten sind leicht zu erkennen, ohne dass man eine literarische Abhängigkeit annehmen müsste oder dürfte: Sanherib, der König von Assyrien (705-681), bringt wahrscheinlich auf Betreiben der Königin Naqi’a / Zaqûtu und Mutter von → Asarhaddon eben diesen jüngeren Sohn noch zu seinen Lebzeiten auf den Thron, nachhaltig unterstützt von der Priesterschaft. Um die Erhebung Asarhaddons und damit die unregelmäßige Thronfolge zu sichern, wird die Bevölkerung auf den neuen König vereidigt. Die älteren Prinzen und Brüder Asarhaddons rebellieren. Asarhaddon muss außer Landes fliehen. Oder wird er zu seinem eigenen Schutz vom Hof verbannt? Jedenfalls erhebt sich sein Bruder Adra-Mulissi gegen den Vater Sanherib, der schließlich einem Attentat zum Opfer fällt. Obwohl die Verschwörer einen gewissen Rückhalt in der Bevölkerung und in Teilen der Armee besitzen, kehrt Asarhaddon zurück und schlägt den Aufstand schnell nieder. Er tötet die Hintermänner, jedoch nicht seine Brüder, und befestigt seinen Thron. Als sein Vater Sanherib noch regierte, hatte dieser in seinen letzten Lebensjahren eine späte Geliebte namens Tašmetu-šarrat, die er als „offizielle Gattin“ darstellte. Möglicherweise wurde sie von der Königinmutter Naqi’a / Zaqûtu nur aus dem einen Grund geduldet, weil Sanherib ihren Sohn Asarhaddon dafür zum König erhob.

4. David im Spiegel historischer Forschung

Die klassischen Darstellungen der Geschichte Israels haben die David-Erzählungen als mehr oder weniger zeitgenössische Quellen verstanden und danach die Geschichte des davidischen Königtums entworfen. Nach der soeben skizzierten neueren Sicht der Literaturgeschichte haben sie damit jedoch nichts anderes als das Geschichtsbild der späten Königszeit reproduziert. Ohne den Gesamtzusammenhang, den der höfische Erzähler bzw. die verantwortliche Redaktion im 7. Jh. v. Chr. geschaffen hat, fehlen hingegen wesentliche Eckdaten, die eine Rekonstruktion der frühstaatlichen Geschichte erlauben. Archäologische Befunde und altorientalische Quellen können diesen Mangel nur unzureichend kompensieren. Doch ermöglichen sie in Verbindung mit den biblischen Nachrichten eine Evaluierung der historischen Gegebenheiten.

4.1. Das davidische Großreich

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 6 Karte: Biblische Vorstellung von einem Großreich Davids.

Für die historische Frage nach dem Königtum Davids ist von entscheidender Bedeutung, über welches Gebiet er tatsächlich herrschte. Nach der biblischen Tradition wird ihm ein Großreich zugeschrieben (2Sam 8,2-10): Es umfasst die Staaten Juda und Israel, die östlichen Gebiete → Edom, → Ammon und → Moab sowie das Reich von → Aram-Damaskus und die von ihm abhängigen kleineren Aramäerstaaten. Danach reicht das Großreich Davids vom Bach Ägyptens (Wādī l-‘Arīš) im Süden bis Lebo-Hamat im Norden.

Ein solches Großreich Davids hat es jedoch nie gegeben. Gegen seine Existenz lassen sich vier Gründe anführen: Erstens die um 1000 v. Chr. geschätzte Bevölkerungszahl Israels, die für das gesamte samarische und judäische Bergland knapp 55.000 Menschen ergibt. Nimmt man diese Zahl als Ausgangsbasis für die Rekrutierung einer Armee, ergibt sich (bei einem Anteil von 2,5% Kombattanten) eine Truppenstärke von etwa 1500 Mann, mit der man einen solchen Flächenstaat nicht hätte erobern oder kontrollieren können. Zweitens die Größe der Hauptstadt Jerusalems, die um 1000 v. Chr. eine Fläche von ca. 4 ha auf dem Südosthügel (Stadt Davids) umfasst. Für die Verwaltung und Steuerung eines Großreiches bietet sie damit keinen ausreichenden Platz. Drittens die sogenannte „low chronology“, nach der die Urbanisierung Israels bzw. der Beginn der Eisenzeit IIA um etwa 75-100 Jahre später anzusetzen ist (vgl. Gertz, 2004). Danach finden sich für die Zeit Davids weder archäologische Spuren von Eroberungskriegen noch Hinweise auf eine entsprechende Infrastruktur. Viertens das literarische Erscheinungsbild der biblischen Kriegs-Chronik in 2Sam 8,2-10, die ihre Kriegsberichte nach dem Vorbild neuassyrischer Kommemorativinschriften formuliert. Sie ist königsideologisch ausgerichtet und projiziert die größte Ausdehnung des Staates Israel unter → Jerobeam II. im frühen 8. Jh. v. Chr. in die Zeit Davids zurück (vgl. Fischer, 2005b).

4.2. Die Doppelmonarchie Davids

Während die These eines historischen Großreichs Davids als widerlegt betrachtet werden darf, wird gegenwärtig die Existenz der unter ihm vereinigten Staaten von Juda und Israel kontrovers diskutiert. Anlass dazu gibt wiederum der literaturgeschichtliche Befund, nach dem sich die Schilderung eines Doppelkönigtums Israel / Juda dem rückschauenden Interesse verdankt, für die Zusammengehörigkeit beider Staaten einen glanzvollen politischen Anfang zu setzen. Der moderne Versuch, mittels der Hilfskonstruktion einer Personalunion daraus eine tatsächliche Staatsverfassung zu machen, trifft zwar die Intention der biblischen Darstellung. Aber entspricht sie auch den historischen Gegebenheiten? Wie man sich auch in dieser Frage positioniert, wird man im 10. Jh. v. Chr. weder für Israel noch für Juda einen bereits entwickelten Territorialstaat voraussetzen können und damit die späteren staatlichen Verhältnisse des Nord- und Südreichs auf die Zeit Davids übertragen dürfen.

4.3. Versuch einer historischen Skizze

Die Anfänge des Königtums Davids liegen mithin im Dunkeln. Möchte man nicht ganz auf eine historische Skizze verzichten, scheint es geraten, sich vornehmlich an den kleinstaatlichen Verhältnissen Palästinas der ausgehenden Spätbronzezeit zu orientieren, die durch die → Amarna-Briefe gut bezeugt sind (vgl. TUAT I/5, 512-520). Vor diesem Hintergrund lassen sich die folgenden historischen Erwägungen anstellen: Um 1000 v. Chr. erscheint im südlichen Bergland Judas ein Bandenführer namens David. Er gründet ein lokales (Stadt-) Königtum, das in Hebron sein Zentrum und in der näheren Umgebung seine verwandtschaftliche Klientel besitzt. Davids Einfluss erstreckt sich zunächst im Süden bis an die Ausläufer des judäischen Gebirges und im Westen bis zur → Schefela. Da sein Königtum abseits der Haupthandelsrouten und Machtzentren des Tieflands liegt, besitzt es nur lokale Bedeutung und vermag die Philisterstädte in der Küstenregion kaum in Unruhe zu versetzen. Vielmehr ist eine friedliche Koexistenz anzunehmen, von der vornehmlich David, aber auch die Philister profitieren (vgl. Niemann, 2002). Für eine Machterweiterung des davidischen Königtums kommt darum nur eine nördliche Ausdehnung in Frage. Dazu verlagert David sein politisches Zentrum nach Jerusalem. Diese Maßnahme führt unmittelbar zu Konflikten mit dem nördlichen Nachbarn, dem benjaminitischen Königtum Sauls in → Gibea oder → Gibeon. Möglicherweise verbirgt sich diese mutmaßliche politische Konstellation noch in den biblischen Erzählungen, und zwar insofern, als die Gegnerschaft zwischen Saul und David in eine Sukzession umgebogen wurde und aus dem Aggressor David ein von Saul Verfolgter gemacht worden ist. Jedenfalls scheint David das saulidische Königtum unter seinen Einfluss gebracht zu haben, ohne dass man deshalb schon von einem Doppelkönigtum sprechen könnte.

5. David im weiteren Alten Testament

Gemäß seiner Bedeutung ist von David auch in anderen Teilen des Alten Testaments die Rede: in den Chronikbüchern, den Prophetenbüchern und im Psalter. Damit rückt David noch einmal anders und neu in den Blick.

5.1. Das Bild Davids in der Chronik

Die Geschichtsdarstellung der → Chronikbücher stammt aus nachexilischer Zeit. Sie benutzt die Samuelbücher als literarische Quellen und setzt eigene Akzente. So lässt sie die Geschichte Davids (wie überhaupt ihre Geschichtsdarstellung) erst mit dem Tod Sauls beginnen (1Chr 10,1-14 || 1Sam 31,1-13). Im Zuge einer Idealisierung Davids werden ganze Passagen wie die Jerusalemer Hofgeschichten weggelassen und die Einsetzung Salomos zum König nicht als Ergebnis einer Verschwörung, sondern als ein feierlicher Akt dargestellt (1Chr 29,21-25). Die eindrücklichste und längste Passage, die umgekehrt in den Samuelbüchern keine Parallele hat, macht David zum Inaugurator des → Tempelkults (1Chr 22-29). Natürlich wusste der Verfasser der Chronikbücher, dass nicht David, sondern Salomo den Tempel errichtet hat. Doch lässt er David den Tempelbau bis in alle Einzelheiten vorbereiten, von der Beschaffung der Baumaterialien bis hin zu den genauen Gewichtsangaben der goldenen Leuchter, Gabeln, Schalen und Kannen (1Chr 28,15-17). Auch die Dienstklassen der Leviten, Priester, Sänger und Torwächter werden von David eingeteilt. Damit tritt deutlich hervor, worauf es dem chronistischen Davidbild ankommt. Es möchte nicht so sehr den wirklichen als vielmehr den idealen Herrscher David vor Augen führen, der als Repräsentant der Gottesherrschaft (Theokratie) den göttlichen Willen tut und die Geschicke der jüdischen Gemeinde lenkt. Damit wird in der Zeit des Zweiten Tempels die Erinnerung an David nochmals neu und nachhaltig belebt.

5.2. David redivivus bei den Propheten

In den messianischen Weissagungen (→ Messias) der → Prophetenbücher erscheint David in besonderer Weise als David redivivus („wiedererstandener David“). Damit verbindet sich die nachexilische Hoffnung, dass Gott einen Spross aus dem Haus Davids erwecken und als zukünftigen Herrscher einsetzen wird (Jes 11,1; Jer 23,5-6). Dieselbe Erwartung wird teilweise auch auf Bethlehem als dem Geburtsort Davids bezogen (Mi 5,1-3 vgl. Mt 2,6; ferner Num 24,17 vgl. Mt 2,2). Der „neue David“ soll über das wiedervereinigte Israel herrschen und wie der von Gott erwählte Knecht David für Recht und Ordnung sorgen (Ez 37,24-25). Dabei lässt sich beobachten, dass die mit dem David redivivus verbundenen politisch-konkreten Erwartungen zunehmend in den Hintergrund treten und seine Gestalt zum Symbol einer zukünftigen resp. messianischen Heilszeit wird (vgl. Waschke, 2003).

5.3. David im Gebetbuch des Psalters

Im → Psalter rückt David in unterschiedlicher Weise in den Blick. Einige wenige Psalmen sind am davidischen Königsbild interessiert. Vor dem Hintergrund der Dynastieverheißung (2Sam 7) erheben sie David zum königlichen Vorbild für seine Nachfolger, so besonders der Königspsalm Ps 89 (vgl. dazu Ps 18,51; Ps 122,15; Ps 132,10.17). Die meisten Erwähnungen Davids stehen jedoch nicht in den Psalmen selbst, sondern in den ihnen später zugesetzten „Überschriften“. 73 Psalmen enthalten darin den Zugehörigkeitsvermerk lədāwid, der sachgemäß mit „David zugeordnet“ zu übersetzen ist und der Gruppenbildung dient (David-Psalter I: 3-41, David-Psalter II: 51-72, kleine David-Reihe: 108-110, sowie die hymnischen David-Lieder: 138-145). Dass solche Sammlungen später in den Psalter eingegliedert wurden, zeigt auch die Unterschrift zu Ps 72 „zu Ende sind (hier) die David-Gebete, des Sohnes Isai“ (vgl. Seybold, 2003, 153-156). Primär ist also mit dem Zugehörigkeitsvermerk (noch) keine Verfasserangabe (lə-auctoris) intendiert, weshalb Übersetzungen wie „ein Psalm Davids“ missverständlich sind. Vielmehr wird hier David den Lesern als impliziter Beter der ihm zugeordneten Psalmen vorgestellt und damit als eine Identifikationsfigur der Tradition angeboten (zu David als Leserfiktion vgl. Erbele-Küster, 2001, 57-62).

Besonders interessant sind schließlich die Situationsvermerke bei 13 Psalmen. Sie beziehen die nachfolgenden Gebete auf eine Begebenheit aus dem Leben Davids und erzeugen dadurch eine Modellsituation, in die sich der Beter einfinden und seine Erfahrungen der Not und Befreiung artikulieren kann. Dabei orientieren sich die biographischen Vermerke auffälligerweise nicht an David als dem König, sondern an David als dem in Not geratenen Einzelnen. Das Davidbild, das hier aufgenommen wird, tritt in den Geschichten seiner Verfolgung durch Saul besonders hervor (Ps 18,1; Ps 34,1; Ps 52,2; Ps 54,2; Ps 56,1; Ps 57,1; Ps 59,1; Ps 63,1; Ps 142,1).

5.4. Das Lob der Väter bei Jesus Sirach

Abb. 7 König David, Harfe spielend (1Sam 18,10; Haggada aus Mähren; um 1740).

Abb. 7 König David, Harfe spielend (1Sam 18,10; Haggada aus Mähren; um 1740).

Das Weisheitsbuch → Jesus Sirach zählt zu den deuterokanonischen Schriften bzw. zu den → Apokryphen des Alten Testaments. An seinem Ende lässt der Verfasser in einem großen Schlussgedicht, dem Lob der Väter (Sir 44-50), die bedeutendsten Gestalten der biblischen Geschichte Revue passieren. Das feinsinnige Porträt Davids bindet zwei Aspekte seiner Person zusammen. Zum einen wird Davids Stärke, Mut und Kriegserfolg im Spiegel seiner Jugendzeit vor Augen geführt (Sir 47,3-7). Zum anderen wird durch Davids Einsatz für die Musik am Tempel als Zeichen seiner Dankbarkeit gegenüber Gott hervorgekehrt (Sir 47,8-10). Dabei gelingt es Jesus Sirach nicht zuletzt, auch Davids Vergehen an Batseba / Urija zu thematisieren und als eine ihm verziehene Sünde in das Gedicht einzubeziehen (Sir 47,11).

6. Rezeption

Die Gestalt des Königs David wurde inner- und außerhalb der Religion ausgiebig und vielseitig rezipiert (vgl. dazu Dietrich / Herkommer, 2003). Für die einzelnen Bereiche sei wenigstens jeweils ein Beispiel genannt. Darstellende Kunst: Michelangelo Buonarroti, David (1501-1504). Literatur: Stefan Heym, Der König David Bericht. Roman (1972). Schauspiel: Richard Beer-Hofmann, Unvollendete Trilogie: Die Historie von König David (Jaákobs Traum, 1918; Der junge David, 1933; Das Vorspiel auf dem Theater zu König David, 1936). Musik: Arthur Honegger, Le Roi David (Uraufführung 1921).

Bibelfilme

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Lexikon der christlichen Ikonographie, Freiburg i.Br. 1968-1976 (Taschenbuchausgabe, Rom u.a. 1994)
  • Theologische Realenzyklopädie, Berlin / New York 1977-2004
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998-2007
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Gesamtdarstellungen

  • Dietrich, W., 2006, David. Der Herrscher mit der Harfe (BG 14), Leipzig
  • Finkelstein, I. / Silberman, N.A., 2006, David and Salomo. In Search of the Bible’s Sacred Kings and the Roots of the Western Tradition, New York (deutsch: David und Salomo. Archäologen entschlüsseln einen Mythos, München 2006)
  • Halpern, B., 2001, David’s Secret Demons. Messiah, Murderer, Traitor, King, Grand Rapids, Michigan / Cambridge, U.K.
  • McKenzie, St., 2000, King David. A Biography, Oxford (deutsch: König David. Eine Biographie, Berlin / New York 2001)
  • Nitsche, St.A., 1994, König David. Gestalt im Umbruch, Zürich (vgl. König David. Sein Leben – seine Zeit – seine Welt, Gütersloh 2002)

3. Weitere Literatur

  • Biran, A. / Naveh, J., 1993, An Aramaic Stele Fragment from Tel Dan, IEJ 43, 81-98
  • Bietenhard, S.K., 1998, Des Königs General. Die Heerführertraditionen in der vorstaatlichen und frühen staatlichen Zeit und die Joabgestalt in 2 Sam 2-20; 1 Kön 1-2 (OBO 163), Freiburg (Schweiz) / Göttingen
  • Blum, E., 1996, Ein Anfang der Geschichtsschreibung? Anmerkungen zur sog. Thronfolgegeschichte und zum Umgang mit Geschichte im Alten Israel,TRUMAH 5, 9-46
  • Borger, R., 1956, Die Inschriften Asarhaddons. Königs von Assyrien (AfO.B 9), Graz (Nachdruck: Osnabrück 1967)
  • Budde, K., 1906, Geschichte der althebräischen Litteratur (Die Litteratur des Ostens in Einzeldarstellungen 7/1), Leipzig
  • Dietrich, W. 1998, Die frühe Königszeit in Israel. 10. Jahrhundert v. Chr. (BE 3), Stuttgart
  • Dietrich, W., 2002, Von David zu den Deuteronomisten. Studien zu den Geschichtsüberlieferungen des Alten Testaments (BWANT 156), Stuttgart
  • Dietrich, W. / Herkommer, H. (Hgg.), 2003, König David – biblische Schlüsselfigur und europäische Leitgestalt, Freiburg (Schweiz)
  • Erbele-Küster, D., 2001, Lesen als Akt des Betens. Eine Rezeptionsästhetik der Psalmen (WMANT 87), Neukirchen-Vluyn
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  • Waschke, J., 2003, David redivivus. Die Hoffnungen auf einen neuen David in der Spätzeit des Alten Testaments, in: W. Dietrich / H. Herkommer (Hgg.), König David – biblische Schlüsselfigur und europäische Leitgestalt, Freiburg (Schweiz), 179-209

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 David (Michelangelo Buonarroti; 1501-04). Aus: Wikimedia Commons; © Silmaril, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 27.3.2008
  • Abb. 2 Davids Abschied von Jonatan (Rembrandt, 1642); das Bild wird auch als Versöhnung von David und Absalom gedeutet.
  • Abb. 3 David mit dem Kopf Goliats. Caravaggio (1606/07) stellt David als Straßenjungen dar und porträtiert in dem Gesicht Goliats sich selbst. In welcher Weise der Künstler damit sein Leben reflektiert, wird diskutiert.
  • Abb. 4 David spielt die Harfe vor Saul (Lucas van Leyden; 1509).
  • Abb. 5 David verschont Saul (1Sam 24,3-14; Rembrandt van Rijn; um 1657-1660).
  • Abb. 6 Karte: Biblische Vorstellung von einem Großreich Davids. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 7 König David, Harfe spielend (1Sam 18,10; Haggada aus Mähren; um 1740).
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