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Lexikon

Dan

Wolfgang Zwickel

(erstellt: Nov. 2014)

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1. Identifikation

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Karte zur Lage von Tel Dan.

Dan wird heute von der Forschung ohne Widerspruch mit Tell el-Qāḍī (Koordinaten: 2112.2948; N 33° 14' 51'', E 35° 39' 05'') an der Nordgrenze des modernen Israel identifiziert. Hierfür gibt es mehrere gute inneralttestamentliche Gründe, die die Lokalisierung weitgehend allein aufgrund der Textüberlieferung ermöglichen.

● Das antike Dan muss an der Nordgrenze des damaligen Staates Israel gesucht werden. → Jerobeam I. errichtete in → Bethel und Dan jeweils Grenzheiligtümer, dasjenige von Dan an der Grenze zum Aramäerreich (1Kön 12,29f.; → Aramäer). Die Lage an der Nordgrenze des Reiches wird mehrfach in biblischen Texten vorausgesetzt (Dtn 34,1; Ri 20,1), besonders in der Gebietsbeschreibung „von Dan bis Beerscheba“ (1Sam 3,20; 2Sam 3,10; 2Sam 17,11; 2Sam 24,2.15; 1Kön 5,5) bzw. „von Beerscheba bis Dan“ (1Chr 21,2; 2Chr 30,5).

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 2 Karte: Israel als Land „von Dan bis Beerscheba“.

● Es muss eine Straßenverbindung von Dan nach → Sidon und von dort aus weiter nach → Tyrus gegeben haben (2Sam 24,6).

● Dan muss in der Nähe von → Ijon und Abel-Bet-Maacha (→ Abel in Ortsnamen) gelegen haben (1Kön 15,20; 2Chr 16,4).

● Dan muss in räumlicher Nähe zu der Region → Baschan gelegen haben (Dtn 33,22).

● „Dan“ wird sprachlich von der Wurzel דין djn „richten“ abgeleitet (s.u.). Der heutige Name Tell el-Qādi „Ort des Richters“ ist ein weiterer rein sprachlicher Hinweis auf die Identität von Dan und Tell el-Qādi.

Die wichtigste Angabe ist die Nähe zu Ijon (Tell Dibbīn; Koordinaten: 205.308; N 33° 22' 00'', E 35° 35' 07''; ca. 15 m nordwestlich von Dan) und Abel Bet-Maacha (Tell Ābil el-Qamḥ; Koordinaten: 2045.2962; N 33° 15' 39'', E 35° 34' 48'', gut 6 km westnordwestlich von Dan). In dieser Region ist Tell el-Qādi der wichtigste und von der Spätbronzezeit bis in die hellenistische Zeit durchgehend besiedelte Tell. Zudem eignet sich die Lage für einen Grenzort ideal (zur Lage s.u.). Vom nördlichen Hulebecken aus kann man auch relativ bequem zwischen Libanongebirge im Norden und galiläischem Bergland im Süden auf einer Straße an die Mittelmeerküste kommen; die Straße erreicht die Küste wenige Kilometer südlich von Sidon.

Weiterhin kann auch zur Stützung der Identifizierung auf → Eusebs Onomastikon 76,6-8 (Eusebs Onomastikon) verwiesen werden. Demnach lag Dan 4 Meilen von Panias / Cäsarea Philippi entfernt an der Straße nach Tyrus. Die Luftlinie zwischen Tell el-Qādi und Cäsarea Philippi beträgt 4 km, der antike Straßenverlauf in dem nicht auf direktem Wege zu begehenden Gelände dürfte demnach sehr genau den Angaben von Euseb entsprechen.

2. Bedeutung der Ortsnamen

In der Bronzezeit hieß die Ortslage Lajisch (vgl. לַיִשׁ lajiš in Ri 18,7.14.29.29). Dieser Name bedeutet „Löwe“ (Borée § 1,115) und ist damit ein typischer palästinischer Ortsname, der von einem Tiernamen abgeleitet ist (zu Parallelen vgl. Borée, § 36).

Der Name Dan (דָּן dān) wird in der Regel von der Wurzel דין djn „richten“ abgeleitet. Ob diese Ableitung historisch zutreffend ist, muss jedoch offen bleiben. Es ist gut möglich, dass der Name Dan mit einer Seevölkergruppe der Danoi / Dananu zu verbinden ist, die sich an der palästinischen Küste, aber eben auch in Dan niedergelassen haben.

3. Lage

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)

Abb. 3 In Dan entspringender Quellfluss des Jordans.

Tell el-Qādi mit einer Fläche von rund 20 ha liegt heute unmittelbar an der Grenze zum Libanon. Die moderne Grenze entspricht in etwa der antiken Grenze, wonach Dan die Nordgrenze Israels bildete. Innerhalb der trockenen Landschaft der Sommermonate in Palästina ist Dan ein wahres Paradies. Hier entspringt eine der Quellen des → Jordans, deren Name gleichfalls Dan lautet. Es handelt sich um die wasserreichste Jordanquelle mit einer Schüttung von 240 Millionen Kubikmetern jährlich. Wenn man durch das heutige Naturschutzgebiet geht, entspringen an mehreren Stellen kleine Quellen, und das Areal ist selbst im heißesten Sommer schattig und grün. Die Wasserversorgung ist hier kein Problem, kühles und frisches Trinkwasser steht in großen Mengen zur Verfügung.

Nordöstlich von Dan erhebt sich der Hermon. Damit ist die Nordwestflanke des Ortes gut abgesichert. Im Nordwesten ist ein kleiner Sattel, der das Hulebecken im Süden von der Beqa-Ebene im Norden trennt. Diese kleine Barriere war auch zu verschiedenen Zeiten im Altertum eine wichtige natürliche Grenze. Im Osten steigt das Gelände stark zum Golan hin an, im Süden erstreckt sich das fruchtbare Hulebecken mit zahlreichen Ortschaften in dieser Region (Zwickel 2003; 2007). Die Lage von Dan war somit ideal für die Anlage einer bedeutenden Stadt. Wasser stand im Übermaß zur Verfügung, landwirtschaftlich gut zu nutzende Äcker lagen direkt neben dem Siedlungshügel und sowohl eine Ost-West-Straße, die Damaskus mit der Mittelmeerküste verband, als auch die sog. via maris, die Hauptverkehrsstraße von Ägypten nach Mesopotamien, liefen in unmittelbarer Nähe vorbei (→ Handel; → Karawane). Dies machte den Ort nicht nur als Grenzposten ideal, sondern auch als Handelsort mit internationalen Kontakten. Andererseits war angesichts der Lage ein solcher Ort auch immer sehr umstritten und umkämpft, wie die Darstellung der Geschichte des Ortes zeigen wird.

4. Geschichte

Tabelle zur Siedlungsgeschichte von Dan.

Tabelle zur Siedlungsgeschichte von Dan.

Dan ist einer der wenigen Orte, für die einerseits eine umfangreiche textliche Überlieferung und andererseits breite Ausgrabungen zur Verfügung stehen. Dies ermöglicht eine Gesamtschau sowohl der archäologischen als auch der textlichen Überlieferungen. Allerdings ist die Eisenzeit und damit die Zeit der meisten schriftlichen Überlieferungen bislang nur unzureichend publiziert. Für die früheren Epochen liegen ausführliche wissenschaftliche Publikationen vor.

Aus: Biran 1994, 25

Abb. 4 Grabungsareale in Dan.

Der Ort wurde von 1966 bis 1999 unter der Leitung von A. Biran ausgegraben. Von 1966-1973 wurden die Grabungen vom Department of Antiquities and Museums (heute: Israel Antiquities Authority) finanziert, ab 1974 von der Nelson Glueck School of Biblical Archaelogy des Hebrew Union College. Jewish Institute of Religion in Jerusalem. Folgende Areale wurden von ihm untersucht:

  • A und B: Südlicher Rand des Tell (mit zwei eisenzeitlichen Toranlagen);
  • H: Nordöstlich von A und B auf der Telloberfläche;
  • K: Südöstlicher Rand des Tell (mit mittelbronzezeitlicher Toranlage);
  • M: Stadtzentrum;
  • T: Nordwestlicher Bereich der Stadtanlage;
  • Y: Schnitt am nordöstlichen Rand des Tell.

4.1. Die frühe Geschichte

1984 und 1985 wurde im Bereich des Grabungsareals B in unmittelbarer Nähe des mittelbronzezeitlichen Walls eine Tiefengrabung angelegt, um die ältesten Schichten von Tel Dan zu erfassen (Biran / Ilan / Greenberg, 67-81; Biran 1994, 27-32). Dabei konnten insgesamt 5 Phasen der ältesten Siedlung unterschieden werden, die in die erste Hälfte des 5. Jt.s v. Chr. datiert werden können. Angesichts der geringen Grabungsfläche lassen sich keine größeren Aussagen über die Gestalt der damaligen Ansiedlung machen.

Anschließend gab es eine längere Besiedlungspause, bis Tel Dan erst in der späten Frühbronzezeit II und III (3000-2700 bzw. 2700-2300 v. Chr.) wieder besiedelt wurde. Diese Epoche ist bei Tiefengrabungen in Area A und B, aber auch in Area K, M, Y und T erfasst worden (Biran / Ilan / Greenberg, 85-160; Biran 1994, 33-45), jedoch jeweils wieder nur auf einer geringen Fläche, so dass auch hier kaum Aussagen über die Struktur der Siedlung gemacht werden können. Immerhin zeigen die auf dem ganzen Tell verbreiteten Funde, dass schon in dieser frühen Zeit das ganze Areal des 20 ha großen Siedlungshügels bewohnt war. Allerdings wird man die Einwohnerzahl nicht nach dem üblichen Schema berechnen dürfen, wonach 250 Personen pro Hektar lebten. Vielmehr dürften einige Bereiche, die durch die Quellen eingenommen werden, nicht besiedelt gewesen sein. Trotzdem ist eine Einwohnerzahl von rund 3000 Personen durchaus realistisch. Folgende Kleinfunde wurden neben der typischen → Keramik (darunter Abydos- und Chirbet Kerak-Ware) gemacht: insgesamt 26 Rollsiegelabdrücke, ein Stempelsiegel (vgl. Keel-Leu, 35 Nr. 44), einige zoomorphe Figuren sowie zwei modellierte Betten oder Throne.

4.2. Mittelbronzezeit

4.2.1. Mittelbronzezeit I (ca. 2300-2000 v. Chr.). Um 2200 scheint Dan, wie viele andere Orte des Landes, aufgegeben worden zu sein. Aus der Mittelbronzezeit I gibt es nur wenige Keramikfunde (Areal M und Y; Biran 1994, 45), die aber nicht als Anzeichen für eine dauerhafte und bedeutende Siedlung gewertet werden können. Eher ist anzunehmen, dass an diesem von der Natur so gesegneten Platz immer wieder Nomaden wohnten, die sich möglicherweise auch mehrere Jahre durchgehend hier aufhielten, ohne richtig sesshaft zu werden.

4.2.2. Mittelbronzezeit IIA (2000-1850 v. Chr.). In der Mittelbronzezeit IIA wurde der Ort wieder intensiver besiedelt; möglicherweise erreichte er sogar wieder die Größe der Frühbronzezeit. In Areal A, B, K, M, T und Y wurden Bauphasen von Häusern und zugehörigen Höfen beobachtet. Ausführlich publiziert sind bislang jedoch nur die im Stadtgebiet gelegenen Gräber dieser Epoche (Biran / Ilan / Greenberg, 163-329).

Aus: Biran 1994, 61

Abb. 5 Schnitt durch die Wallanlage in Dan.

4.2.3. Mittelbronzezeit IIB (1850-1700 v. Chr.) und IIC (1700-1530 v. Chr.). Der Ort wurde in Stratum XI, ähnlich wie das wenig südlicher gelegene → Hazor und andere mittelbronzezeitliche Städte, von einem mächtigen Wall umgeben (vgl. Burke, 250-254). In Dan hatte der Wall am Boden eine Breite von 50-60 m. Im Inneren stützte eine 6,5 m breite und mindestens 10 m hohe Steinstruktur den Wall. Außen wurden dann Erdschichten aufgeschüttet, so dass beidseitig eine schräge Anlage entstand, auf der eine Mauer errichtet wurde. Die Schräge wurde mit einer 15-20 cm dicken Kalkauflage gegen Auswaschungen gesichert.

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)

Abb. 6 Die mittelbronzezeitliche Toranlage von Dan.

Die Anlage scheint um die Mitte des 18. Jh.s errichtet worden zu sein und stammt damit aus derselben Zeit wie der Wall in Hazor (Stratum 4). In den Füllschichten wurde Keramik der Mittelbronzezeit IIA gefunden, offenbar von Siedlungsschichten, die nun aufgegeben wurden und deren Schuttreste für die Konstruktion des Walls verwendet wurden. Der Wall in Dan ist insgesamt rund 1700 m lang; dem entsprechen ungefähr 1 Million Kubikmeter Erde, die hierfür aufgeschüttet werden mussten.

© Wolfgang Zwickel

Abb. 7 Die mittelbronzezeitliche Toranlage im Modell.

In der südöstlichen Ecke des Tell befand sich die mittelbronzezeitliche Toranlage, die gleichzeitig mit der Erbauung des Walls in der Mitte des 18. Jh.s angelegt wurde. Die durchgehend aus Lehmziegeln errichtete Toranlage ist 15,45 m breit und 13,5 m tief. Mit noch anstehenden 7 m Höhe ist sie die mit Abstand besterhaltene Toranlage des Landes aus dieser Zeit. Innen und außen führten Treppenstufen zu dem Tor, das einen 3,1 m hohen Eingangsbogen hatte.

Von der Siedlung in jener Zeit ist bislang nur wenig bekannt. Da sich die Grabungen schwerpunktmäßig den eisenzeitlichen Schichten widmeten, blieben die älteren Schichten im Stadtinneren weitgehend unerforscht. Zudem wurden dort, wo man mittelbronzezeitliche Schichten erreichte, diese oft durch spätere Einbauten (Silos etc.) gestört. Man wird aber davon ausgehen können, dass das ganze Stadtareal in der Mittelbronzezeit bewohnt war. Durch die Wallkonstruktion war es nun aber kleiner als noch in der Frühbronzezeit. Es dürfte noch rund 14 Hektar und somit rund 3500 Einwohner umfasst haben. Gegen Ende der Mittelbronzezeit scheint der Raum im Inneren der Siedlung eng geworden zu sein, so dass nun auch die Abhänge des Walls besiedelt wurden.

Relativ gut kennt man bislang nur die Gräber dieser Zeit, von denen insgesamt 25 freigelegt wurden. Die meisten stammen aus der Mittelbronzezeit IIC, einige wenige aus der Mittelbronzezeit IIB, relativ viele aus der Mittelbronzezeit IIA. Im Wesentlichen lassen sich zwei verschiedene Grabtypen (→ Grab) unterscheiden: zum einen Kindergräber in großen Vorratskrügen und zum anderen aus Steinen errichtete Gräber für Erwachsene.

Die Siedlung der Mittelbronzezeit IIC wurde offensichtlich gewaltsam zerstört. Teilweise wurde eine 30-50 cm dicke Zerstörungsschicht in Dan nachgewiesen. Diese ist entweder auf einen Feldzug des ägyptischen Pharao Ahmose (1540-1515 v. Chr.), des Gründers der 18. Dynastie, gegen die Hyksos, die von ihm aus Ägypten vertrieben wurden, zurückzuführen; alternativ könnte die Zerstörung von den sich zurückziehenden Hyksos hervorgerufenen worden sein.

Der vorisraelitische Name von Dan lautete Lajisch. A. Malamat (IEJ 21 [1971], 31-38) vermutete, dass dieses Lajisch in einem Mari-Brief (HTAT, 72-74 Nr. 16; → Mari) genannt sei. Neuere Untersuchungen konnten diese Lesung und Identifikation dagegen nicht stützen und nehmen an, dass es sich um einen Ort in Nordsyrien handelt (vgl. M. Weippert in HTAT, 42 Anm. 86). Belegt ist Lajisch jedoch in den ägyptischen → Ächtungstexten (Gruppe Posener, Nr. E59: 3w-ś-ï, HTAT 42), ebenso sein Herrscher mit dem typisch semitischen Namen Horon-Abi (Ḥawrānu-’abī „Horon ist mein Vater“; HTAT 49). Die Texte sind aus der Mitte der 12. Dynastie (1938-1759 v. Chr.) und dürften sich auf die umwallte Neusiedlung der Schicht XI beziehen.

4.3. Spätbronzezeit

Spätbronzezeit I (Stratum VIII, 1530-1450 v. Chr.). Aus dieser Zeit konnte man in nahezu allen geöffneten Grabungsarealen Siedlungsfunde nachweisen. Die Stadt scheint hier ihren Höhepunkt erreicht zu haben; da der Platz im Inneren der Siedlung zu eng war, wurden nun auch die Abhänge des Walls besiedelt. In Areal K wurde ein auffallend großes Gebäude mit einer Seitenlänge von mindestens 9 x 8 m aus dieser Zeit freigelegt. Der interessanteste Fund ist eine weibliche Keramikmaske mit aufgemalten Augen (Abbildung in Biran 1994, 106). In Areal B wurde ein Schmelztiegel gefunden, der eine Metall verarbeitende Industrie an diesem Ort belegt. Das Ende der Schicht VIII, die die Besiedlung der Spätbronzezeit I umschreibt, könnte indirekt mit dem Feldzug Thutmosis’ III. zusammenhängen. Zwar ließ sich keine Zerstörungsschicht nachweisen, aber trotzdem scheint der Ort von vielen Bewohnern verlassen worden zu sein.

Spätbronzezeit II (Stratum VII, 1450-1180 v. Chr.). Die Besiedlung des Stratums VII zeigt dort, wo sie überhaupt nachgewiesen werden konnte, einen erheblichen Rückschritt an Bedeutung und eine andere Gestaltung der Bauten. Dem entspricht, dass Dan nach der Nennung von Lajisch in der Liste Thutmosis’ III. (Nr. 31) in keiner weiteren Inschrift dieser Zeit erwähnt wird. Die Auseinandersetzungen in Nordsyrien zwischen Ägyptern und Hethitern verschlechterten vermutlich die internationalen Handelsmöglichkeiten nachhaltig, so dass der Handel keine zentrale Einkommensquelle mehr für die Stadt darstellte. Andererseits hielt sich in Lajisch Stratum VII weiterhin eine Handel treibende Oberschicht auf.

Grab 387 (Biran / Ben-Dov, 33-248) wurde im inneren Wall-Bereich des Areals B gefunden. Es enthielt insgesamt 40 Skelette, von denen noch 25 eindeutig als männlich und 9 eindeutig als weiblich eingestuft werden konnten. Das Alter der Verstorbenen variierte zwischen 60 Jahren – einem für die damalige Zeit schon auffallend hohen Alter – und 5 Jahren. Die meisten der Bestatteten wurden jedoch wohl nur etwa 25-30 Jahre alt. Anthropologische Untersuchungen ergaben, dass die in diesem Grab bestatteten Personen wohl nicht zur lokalen kanaanäischen Bevölkerung gehörten. Die besonders reichhaltige Ausstattung des Grabes mit insgesamt 491 Gegenständen legt die Vermutung nahe, dass Dan von Händlern aus dem Mittelmeerraum als Stützpunkt und Handelsniederlassung benutzt wurde.

Die Lage der Stadt in der Nähe der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung einerseits und der – nun wohl wichtiger werdenden – Straße von Tyrus nach Damaskus andererseits bot sich hierfür auch an. Unter den Grabfunden gab es Alabastergefäße, eine bronzene Öllampe, weitere bronzene sowie aus Glas oder Fayence gefertigte Objekte, zahlreiche Waffen, drei aus den Hauern von Flusspferden (vielleicht vom See Gennesaret) gefertigte Kosmetikgefäße, elfenbeinerne und knöcherne Einlegearbeiten (→ Elfenbein), Gold- und Silberschmuck, ein möglicherweise aus Zypern stammendes Siegel, 110 Spinnwirteln und 108 Keramikgefäße. Etwa 30% der Gefäße stellen importiertes Gut dar. 2,8% stammen aus Zypern, und 26% aus Mykene!

Aus: Wikimedia Commons; © Eitan f, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 20.5.2014

Abb. 8 Krater mit einer Wagenszene.

Unter der mykenischen Keramik war ein großer Krater mit einer Wagenszene. Eine Keramikanalyse zeigte, dass dieses Gefäß in der Argolis in Griechenland hergestellt worden war (Gunneweg u.a., 54*-63*). Die lokale Keramik stammt, wie Neutronenuntersuchungen zeigten, von der phönizischen Küste und belegen damit zumindest ebenfalls einen Handel. Derartig ausgestattete Gräber mit auffallender Menge importierter Keramik wurden bisher während der Spätbronzezeit auch im ostjordanischen Sahem (P.M. Fischer, A Late Bronze to Early Iron Age Tomb at Saḥem [ADPV 21], Wiesbaden 1997) und im judäischen Gedor (NEAEHL II, 468) gefunden und dürften als Hinweise auf Händlergruppen zu deuten sein.

In Areal A wurde eine Steinplakette mit einem Lautenspieler entdeckt (vgl. zu diesem Instrument J. Braun, Die Musikkultur Altisraels / Palästinas [OBO 164], Freiburg [Schweiz] / Göttingen 1999, 83-86). Solche Lautenspieler finden sich in verschiedenen spätbronzezeitlichen Grabungen des syrischen Raums (vgl. z.B. R.M. Czichon / P. Werner, Tell Munbaqa – Ekalte I. Die spätbronzezeitlichen Kleinfunde, Saarbrücken 1998, Nr. 4165-4172). In Areal Y ein Skarabäus von Ramses II. gefunden, in Areal T entdeckte man ein größeres Gebäude der Spätbronzezeit II. Schon vor Grabungsbeginn wurde an der Oberfläche eine Metallfigurine, die eine Göttin in Kriegspose darstellt, gefunden; diese Figurine kann wahrscheinlich der späten Bronzezeit zugeschrieben werden (Negbi, 85 Nr. 1627; Abbildung in Biran 1994, 159 und Pl. 24). In einer eisenzeitlichen Mauer wurde eine ägyptische Statuette entdeckt, die den Priester Nefertem und seinen Vater Seti nennt (Abbildung in Biran 1994, 160 Abb. 120).

Zahlreiche Bauten dieser Epoche scheinen aber durch spätere Gebäude völlig vernichtet worden zu sein. Daher lässt sich nur wenig über den Charakter und die Größe von Dan in Spätbronzezeit II aussagen. Angesichts der zentralen Lage dürfte die Stadt weiterhin eine bedeutende Rolle im Handel gespielt haben. Andererseits belegen die fehlenden Inschriften auch einen Bedeutungsverlust der Siedlung. Der geschwächte Handelsplatz dürfte zunehmend auch für plündernde Hapiru-Gruppen (→ Hapiru) interessant gewesen sein, die sich hier leicht bereichern konnten. Im frühen 13. Jh. scheint Lajisch dann endgültig bedeutungslos geworden zu sein, auch wenn einige Funde zumindest eine geringe Weiterbesiedlung (Stratum VIIA) belegen. Die Entwicklung des Ortes ist damit parallel zu → Kinneret, das in der Spätbronzezeit II nach einem Höhepunkt in der Spätbronzezeit I auch nicht mehr besiedelt war. Offenbar haben wir hier einen Nachweis für den Zusammenbruch des internationalen Handels im 13. Jh., bedingt durch kriegerische Auseinandersetzungen in Syrien zwischen Ägyptern und Hethitern, aber auch durch eine Verunsicherung des Handels seitens der Hapiru. Ein Grund für den Niedergang des Handels auf der via maris könnte sein, dass unter Sethos I. und Ramses II. die Handelsstraße verlegt wurde und nun abseits von Galiläa über Pella, Damaskus und dann parallel zum Antilibanon verlief. Eine Brandschicht zeigt an, dass Stratum VII letztendlich gewaltsam zerstört wurde. Wem diese Zerstörung zuzuschreiben ist, bleibt unklar; sie könnte, wie andere Zerstörungsschichten auch, um 1180 zu datieren sein, doch ist dies nur eine ungefähre Annahme.

Die einzige literarische Erwähnung von Lajisch findet sich in der Ortsnamensliste → Thutmosis’ III. (1479-1426 v. Chr.; geschrieben: R’-w-ï-ś3), während z.B. das etwas weiter südlich gelegene → Hazor im 14. und 13. Jh. v.Chr. inschriftlich noch bestens bezeugt ist. Dies stützt die Vermutung, dass Lajisch nach Thutmosis III. seine wirtschaftliche und politische Bedeutung verlor.

4.4. Die „Landnahme“ und frühe Königszeit

Die archäologische Darstellung der eisenzeitlichen Funde ist problematisch, da bisher nur eine populärwissenschaftliche Darstellung (Biran 1994) und zahlreiche Vorpublikationen vorliegen, aber keine wirklich gut überprüfte Chronologie und Publikation aller Funde. Daher muss die nachfolgende Darstellung als vorläufig erachtet werden. Dies gilt auch für die hier vorgestellte Chronologie. Ebenso problematisch sind aber auch mehrere in den letzten Jahren erschienene Publikationen zu Dan, die allesamt auf den unzureichenden bisher zur Verfügung stehenden Daten aufbauen und daher ebenfalls mit großer Vorsicht herangezogen werden müssen.

Eisenzeit I (Stratum VI, 1180-1050 v. Chr.). Stratum VI, das nach der Zerstörung von Stratum VIIA ansetzt, besteht aus einer Vielzahl von Vorratsgruben, die über dem ganzen Tell verteilt gefunden wurden. Offensichtlich wohnten nun Halbnomaden in Zelten auf dem Tell und nützten die Gruben für den Getreidevorrat. Zahlreiche Tierknochen belegen, dass sie vornehmlich Schafe und Ziegen, aber auch einige Rinder besaßen. Eine weitere bedeutende Einnahmequelle der Siedler scheint die Metallverarbeitung gewesen zu sein. Außerdem fand man in diesem Stratum große Pithoi sowohl des galiläischen Typs als auch solche mit einem „collared rim“ (Biran 1994, Abb. 91 und 92), in denen Flüssigkeiten, wohl vornehmlich Öl und Wein, aufbewahrt wurden. Neutronenuntersuchungen der Pithoi zeigten, dass nur rund 1/3 der Gefäße in Dan selbst hergestellt worden sind. Die übrigen stammen aus unterschiedlichen Regionen des Landes; offensichtlich ließen sich hier mehrere Kleinfamilien aus verschiedenen Gegenden des Landes nieder. Möglicherweise kann das Ende von Stratum VI mit einem Erdbeben Mitte des 11. Jh.s verbunden werden, das sich an vielen anderen Orten des Landes nachweisen lässt. Allerdings wurden bisher in Dan keine Nachweise für ein Erdbeben gemacht bzw. publiziert. Es finden sich offenbar auch keine größeren Zerstörungen, was angesichts der geringen Besiedlung auch nicht zu erwarten ist. Immerhin kann ein Erdbeben und die sich daran anschließende Aufbautätigkeit und Neustrukturierung Anlass für eine Ausweitung der Besiedelung des Ortes gewesen sein.

Eisenzeit I (Stratum V, 1050-926 v. Chr.). Die nachfolgende Schicht V, deren plötzliches Ende eine Ascheschicht belegt, hatte schon städtischeren Charakter. Typisch sind nun phönizische Pithoi, die eine enge Verbindung zur Küste hin nahelegen. Das Metallhandwerk wurde während dieser Zeit in Dan weiter gepflegt. Im Zusammenhang mit einer solchen Werkstatt in Area B wurde auch ein Tonhäuschen (Biran 1994, 153 Abb. 112:1) gefunden. Solche sog. „snake houses“ – die Bezeichnung basiert auf der früheren, aber sicherlich falschen Vermutung, dass darin Schlangen gehalten oder Schlangenrepliken aufbewahrt wurden – stehen in einem kultischen Zusammenhang und finden sich vor allem im Jordangraben (vgl. M. Nissinen / St. Münger, „Down the River …“: A Shrine Model from Tel Kinrot in its Context, in: E. Kaptijn [Hg.], A Timeless Vale: Archaeology and Related Studies from the Jordan Valley, Amsterdam 2010, 129-144). Warum der Ort am Ende dieser Schicht zerstört wurde, ist nicht mehr zweifelsfrei zu erschließen. Biran setzt die Zerstörung gegen Ende des 11. Jh.s an, doch ist nicht auszuschließen, dass der Ort noch bis ins 10. Jh. bestand und anschließend von → Jerobeam I. ausgebaut wurde. Wirklich tragbare Daten wurden bisher nicht veröffentlicht.

Wie verhält sich dieser archäologische Befund zu den biblischen Überlieferungen? Im 12. Jh. wurde Dan wiederbesiedelt. Die biblische Darstellung in Ri 18 berichtet, dass sich die Daniten ursprünglich im Gebiet von → Zora und → Eschtaol am Nordrand der judäischen Schefela angesiedelt hatten, dort aber auf Dauer nicht bleiben konnten. Aus diesem Grunde sandten sie Kundschafter aus, die Lajisch als bestens geeigneten Platz entdeckten und daraufhin ihre Stammesgenossen aufforderten, sich dort anzusiedeln.

Die historischen Verhältnisse genauer zu erklären, ist schwierig. Das Gebiet des südlichen Stammes Dan wurde spätestens im 10. Jh. v. Chr. von → Philistern erobert. Das Taylor-Prisma berichtet, dass im 8. Jh. v. Chr. dieses Gebiet zu → Askalon und nicht zu dem viel näher liegenden Aschdod gehörte. Gut möglich ist, dass sich im Süden eine seefahrende Gruppe der Seevölker (vgl. Ri 5,17) angesiedelt hat, die sich nach der Landnahme in diesem Gebiet völlig an Israel akkulturierte, dann aber von Askalon erobert wurde. Möglicherweise in diesem Zusammenhang zogen einige Gruppen der Daniten (und vielleicht auch andere Gruppierungen) nach Norden und besiedelten das verlassene Lajisch, das sie nun Dan nannten (s.o. zum Namen „Dan“). So ließe sich der archäologische Befund recht plausibel erklären. Die günstige wirtschaftliche Lage von Dan, verbunden mit der strategischen Bedeutung an der Nordgrenze der Stadt, führten schnell zu einem Wiederaufstieg des Ortes.

Mit der zunehmenden Verfestigung des Staatsgebildes Israel wurde Dan dessen nördlichster Stamm und blühte auf. Unter David und Salomo konnte man das von ihm beherrschte Kerngebiet des Reiches mit der Formel „von Dan bis Beerscheba“ umschreiben und so die nördlichsten und südlichsten Punkte des Landes markieren (Ri 20,1; 1Sam 3,20; 2Sam 3,10; 2Sam 17,11; 2Sam 24,2.15; 1Kön 5,5; 1Chr 21,2; 2Chr 30,5). Diese Formel findet sich auffälligerweise nur in relativ alten Texten (10./9. Jh.) und dann wieder in Texten der nachexilischen Zeit, als das davidisch-salomonische Großreich zum urtümlichen Idealbild Israels stilisiert wurde.

Ob sich in 2Sam 20,18, wo in modernen Übersetzungen meist der hebräische Text („man muss in Abel nachfragen“) mit → Septuaginta („man muss in Abel und Dan nachfragen“) korrigiert und damit Dan eingetragen wird, wirklich eine Erwähnung von Dan findet, ist in der Forschung höchst umstritten (vgl. dazu besonders D. Barthélemy, La Qualité du Texte Massoretique de Samuel, in: E. Tov [Hg.], The Hebrew and Greek Texts of Samuel, Wien 1980, 1-44, 31-33). Ändert man den Text ab, kann man vermuten, dass es in Dan schon recht früh ein Heiligtum gab, das für seine Orakel bekannt war (→ Divination). Unabhängig von der Textüberlieferung ist die Annahme eines – möglicherweise noch recht einfach ausgestatteten – Stammes- oder Clanheiligtums im frühen 10. Jh. v. Chr. aber auch so wahrscheinlich. Das sog. „snake house“ damit zu verbinden, empfiehlt sich jedoch nicht. Das Heiligtum wurde bislang noch nicht gefunden.

Ob in 2Sam 20,18, wo in modernen Übersetzungen meist der hebräische Text nach der → Septuaginta korrigiert und damit Dan eingetragen wird, sich wirklich eine Erwähnung von Dan findet, ist in der Forschung höchst umstritten (vgl. bes. Barthélemy [s.o.], 31-33). Ändert man den Text, kann man vermuten, dass es in Dan schon recht früh ein Heiligtum gab.

4.5. Die Zeit nach der Reichsteilung

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Abb. 9 Blick auf das Podium in Areal T in seiner heutigen Gestalt (ohne Differenzierung der diversen Bauschichten).

4.5.1. Der archäologische Befund

Eisenzeit II (Stratum IVB, 926-885 v. Chr.; Stratum IVA, 885-844 v. Chr.). Die Ausgrabungen erbrachten für Stratum IV in Areal T ein massives Podium mit einer Breite von immerhin 18 m. Die bauliche Entwicklung dieses Podiums muss noch deutlicher herausgearbeitet werden. Unterschiedliche, hier verwendete Stein- und Gestaltungsarten zeigen deutlich eine Entwicklung an, die wahrscheinlich bis in die römische Zeit hineinreicht. Ohne ausreichende Publikation ist jedoch eine entsprechende Rekonstruktion der Entwicklungsgeschichte nicht möglich. Die Ausgräber deuten diese Anlage als Bama (→ „Kulthöhe“), jedoch zu Unrecht (s.u.).

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Abb. 10 Pithos mit Schlangenverzierung (Areal T).

Im Süden schlossen sich 3 Vorratsräume an. In einem Raum fand man zwei Pithoi mit einer Kapazität von immerhin 300 Litern. Die Gefäße waren mit einer Schlangendekoration verziert (Abbildung in Biran 1994, 167). Am Rand eines der Pithoi befand sich ein Stempelsiegelabdruck mit der Darstellung eines Herren der Gazellen (Keel / Uehlinger, Abb. 196). Von demselben Siegel wurden in Dan noch drei weitere Abdrücke gefunden. Im Nebenraum entdeckte man weitere 40 mittelgroße Vorratsgefäße. An diese Gebäude schloss sich südlich ein 7,5 x 5 m große Installation aus Basaltsteinen an, die von Biran als Fundament eines Altars gedeutet wurde. An der südlich angrenzenden Straße wurde eine tönerne Badewanne gefunden, die 1,41 m lang, 82 cm breit und 65 cm tief ist und im Inneren eine Sitzgelegenheit aufweist (Biran 1994, 175 Abb. 136).

© Wolfgang Zwickel

Abb. 11 Badewanne (Areal T).

Südlich der von Biran als Altarfundament gedeuteten Anlage schloss sich ein weiterer Raum an, den Biran als kultische Wasserinstallation verstand, bei dem es sich aber sicherlich um eine Ölpresse handelt (Stager / Wolff, 95-102). Dieser Befund klärt nun die Bedeutung des ganzen Areals: Offensichtlich handelt es sich hier um eine industrielle Anlage für die Ölherstellung. In den nördlich davon gelegenen Vorratsräumen befanden sich die Krüge, in denen das Öl gelagert wurde. Die umlaufende, selbst im Dunklen gut fühlbare Verzierung der größeren Pithoi mit einer Schlangenlinie dürfte angezeigt haben, dass sich in diesen Gefäßen eine besondere Ölqualität befand. Darin wären die Schlangenlinien den frühbronzezeitlichen Rollsiegelabdrücken auf entsprechenden Ölgefäßen vergleichbar. Die von Biran als Altar gedeutete Anlage ist aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls nicht kultisch zu deuten; welche konkrete Funktion sie jedoch hatte, lässt sich nicht mehr erschließen. Die angebliche Bama dürfte schließlich das Fundament eines Palastgebäudes gewesen sein; darin wäre die Anlage dem Palast von → Lachisch, aber vor allem derjenigen von → Hazor vergleichbar. Gerade die Parallele mit Hazor ist interessant. Beide Anlagen würden direkt an der Stadtmauer liegen und damit in die Sicherung der Stadtanlage einbezogen sein. Trifft diese Rekonstruktion zu, dann wäre die Ölverarbeitung in Dan in unmittelbarer Nähe des Palastgebäudes gewesen, was dafür sprechen könnte, dass die Ölproduktion von dem ortsansässigen Stadtkommandanten überwacht wurde. Area T war demnach ein profanes Gelände; wo sich der Kultplatz von Dan befand, ist damit noch offen.

© Wolfgang Zwickel

Abb. 12 Kopf aus Fayence mit der Darstellung eines ägyptischen Königs (Areal T).

Im Umfeld der Ölpresse wurden einige interessante Kleinfunde gemacht: der Fayencekopf eines ägyptischen Königs mit der weißen Krone des Osiris (Biran 1994, 178 Abb. 139), eine fragmentarische Fayencefigurine (Bastet?), an deren Fuß ein Affe bzw. eine Meerkatze sitzt (ebd., 179, Abb. 131), der Fayencetorso eines ägyptischen Königs, Gottes oder Priesters (ebd., 180, Abb. 142), der Kopf einer männlichen Figurine (ebd., 172 Abb. 133), die immerhin eine Gesamtgröße von etwa 75-80 cm gehabt haben dürfte und wohl als Gott oder König zu deuten ist (Uehlinger, 85-100), eine Schale mit einem unten eingravierten Dreizack (Abbildung in Biran 1994, 172), eine Schale mit einem unten eingravierten Dreizack (ebd., 172 Abb. 133), ein bemalter Ständer (ebd., 172), der von Biran als Räucherständer bezeichnet wurde, auch wenn es hierfür keinen sicheren Beweis gibt, und schließlich ein Trichter (ebd., 173 Abb. 134, von Biran ebenfalls als Räucherständer bezeichnet). Bemerkenswert ist dabei der hohe Anteil ägyptischer Funde, der bislang nicht hinreichend erklärt werden konnte.

© Wolfgang Zwickel

Abb. 13 Fayencefigurine eines ägyptischen Königs, Gottes oder Priesters (Areal T).

Die Bedeutung all dieser Funde und Befunde kann erst nach der endgültigen Publikation der eisenzeitlichen Schichten hinlänglich erklärt werden. David Ilan, der die Publikation übernommen hat, geht davon aus, dass Dan in der Eisenzeit in erster Linie ein Kultzentrum mit einer eigenen Prozessionsstraße und vielfältigen kultischen Aktivitäten war. Dafür spricht seiner Meinung nach eine Vielzahl weiterer, bislang unpublizierter und kultisch zu deutender Funde. Dies kann derzeit nicht näher überprüft werden. Gerade die Lage an der Grenze zum Aramäerreich im Osten und im Norden spricht eigentlich sehr stark für eine militärische Funktion der Stadt in Verbindung mit einer landwirtschaftlichen Nutzung der Umgebung. Dan war nach unserem heutigen Wissensstand die wichtigste Ortslage nördlich des Hulesees. Will man wirklich mit Ilan von einem durchgehenden Kultzentrum in der Eisenzeit ausgehen, muss man eine wechselseitige Nutzung von Aramäern und Israeliten annehmen, da Dan zweifelsfrei immer wieder unter aramäischer Kontrolle war.

Biran unterteilt Stratum IV in zwei Phasen. Die erste Phase könnte mit den Aktivitäten → Jerobeams I. begonnen haben und bis zum Feldzug → Ben-Hadads I. 885 v. Chr. gedauert haben. Die endgültige Zerstörung von Dan Stratum IV kann vielleicht → Hasael zugeschrieben werden und würde dann ins Jahr 845 datieren. Hierzu passen auch die wenigen bislang veröffentlichten Keramikfunde dieses Stratums (vgl. Review in PEQ 127, 1995, 172). Allerdings ist die absolute Chronologie bislang nicht zu beweisen. Angeblich wurden auch in anderen Arealen kultische Gerätschaften gefunden, die aber noch nicht publiziert sind.

Eisen II (Stratum III, 845-760 v. Chr.). In Area T wurde im nachfolgenden Stratum III das Podium (die sog. Bama) zu einer nahezu quadratischen Anlage mit einer Seitenlänge von etwas mehr als 18 m vergrößert. Die Außenmauern sind aus Quadersteinen in Läufer-Binder-Bauweise errichtet. Obwohl die Ausgräber an ihrer Deutung als Kultanlage festhalten, ist zumindest in diesem Stadium deutlich zu erkennen, dass es sich um das Fundament eines Gebäudes handelt, dem ein Hof vorgelagert war (vgl. die Abb. in Biran 1994, 188 Abb. 149). Über eine Treppe gelangte man wahrscheinlich von Westen und vielleicht auch von Osten her in den Vorhof.

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)

Abb. 14 Die Toranlage in Areal A.

Schicht III können auch bedeutende Bauten in Area A zugeschrieben werden. Dort wurde eine beeindruckende Toranlage freigelegt, die aus mehreren Teilen besteht (Biran 1994, 236). Das Haupttor ist ein Vierkammertor mit einer Breite von 29,5 m und einer Tiefe von 17,8 m. Der Durchgang misst immerhin 4 m Breite. Möglicherweise war der Eingang mit protoäolischen Kapitellen verziert, die in der Nähe gefunden wurden (Biran 1994, 242 Abb. 201).

Aus: M. Bernett / O. Keel, Mond, Stier und Kult am Stadttor. Die Stele von Betsaida (et-Tell), [OBO 161], Freiburg [Schweiz] / Göttingen 1998, 130 Abb. 78; Beschriftung: Klaus Koenen)

Abb. 15 Grundriss der Toranlage der Eisenzeit II in Tel Dan.

Diesem Haupttor war ein 19,5 x 9,4 m großer Hof mit einem weiteren Tor vorgelagert. Dieser Hof diente mehreren Zwecken. Zum einen stellte er mit der zweiten Toranlage natürlich einen zusätzlichen militärischen Schutz für die Stadt dar. Da das Vortor nicht in direkter Linie mit dem Haupttor lag, war zudem ein weiterer Schutz gegeben; Streitwagen konnten nicht im vollen Galopp durch das Tor fahren, sondern mussten im Hof zweimal wenden, um dann ihre Fahrt durch das Haupttor fortsetzen zu können. Zum zweiten werden in dem Hof Händler und Reisende übernachtet haben, die so vor Feinden geschützt waren, aber auch nicht in zu engen Kontakt mit den Stadtbewohnern kamen; einerseits wussten die Städter nicht, welches Gesindel sich unter den Reisenden befand, andererseits stellte aber die Annahme einer Gastfreundschaft und damit die Übernachtung in einem Wohnhaus auch für die Reisenden eine potentielle Gefährdung dar (vgl. die Androhung einer homosexuellen Vergewaltigung in Gen 19,1-29).

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)

Abb. 16 Installation im Inneren der Toranlage.

Zum dritten befand sich in diesem Hof auch eine interessante Installation: ein gestuftes Podium, über dem wahrscheinlich ein von Holzpfeilern gestützter Baldachin war. Drei der vier Sockelsteine für die Holzpfeiler wurden noch in situ gefunden. Die Ausgräber vermuten, dass auf diesem Podium der Thron des Herrschers aufgestellt wurde, um zu Gericht zu sitzen (vgl. 2Sam 19,8), oder aber eine Götterstatue stand. Die Konstruktion des Podiums macht aber eine andere Annahme wahrscheinlicher. Im hinteren Teil gibt es eine rechteckige Vertiefung. Hier dürfte eine Stele aufgestellt gewesen sein. Damit diese Stele nicht nach vorne umkippt, wurde eine Platte davorgelegt; die Vertiefung für diese Platte ist nur wenige cm tief (W. Zwickel, Räucherkult und Räuchergeräte [OBO 97], Freiburg [Schweiz] / Göttingen, 226).

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Abb. 17 Rekonstruktion der Toranlage.

Ins Stadtinnere führte von dem Tor aus ein gepflasterter, 6-7 m breiter Weg, der auf beiden Seiten von Mauern begrenzt war. Nach etwa 20 m knickt dieser Weg um 90° ab und führt auf einer Breite von ca. 10 m in die Stadt. Diese bauliche Konstruktion bedeutete nochmals einen Schutz für die Stadtbewohner. Hatten Feinde beide Toranlagen durchbrochen, konnten sie von den Mauern herab auch noch im Inneren der Stadt beschossen werden. Der Knick wiederum machte es Streitwagen unmöglich, auf direktem Wege in die Stadt zu kommen. Sie mussten zunächst einmal das Tempo verlangsamen, um die Kurve nehmen zu können. Für den Handel war die gesamte Toranlage dagegen weniger günstig.

Schicht III wird von dem Ausgräber Biran der Zeit → Ahabs (9. Jh.) zugeschrieben. Stimmt jedoch die oben geäußerte Vermutung, dass Dan Stratum IV erst unter Hasael zerstört wurde, wäre Schicht III entsprechend jünger anzusetzen. Ein mögliches Datum für das Ende dieser Schicht könnte das in Am 1,1 erwähnte → Erdbeben gewesen sein, das zumindest in Hazor erhebliche Schäden anrichtete. Träfe dies zu, wäre die nachfolgende Schicht II in die Zeit → Jerobeams II. zu datieren, der offenbar den Handel mit den Völkern im Norden wieder intensivieren wollte.

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Abb. 18 Altar in einem der westlichen Breiträume (Areal T, Raum 2844).

Eisen II (Stratum II, 760-733 v. Chr.). Stratum II ist somit wahrscheinlich den Um- und Erweiterungsbauten durch Jerobeam II. zuzuschreiben und hatte bis zur Eroberung des Ortes unter → Tiglat-Pileser III. 734/733 v. Chr. Bestand. In Area T wurde das Podium nun umgebaut und erhielt einen 8 m breiten Zugang von Süden her (Biran 1994, 205 Abb. 163). Ansonsten scheint das Podium unverändert geblieben zu sein. In einem der Breiträume (Room 2844), die den sog. „sacred precinct“ im Westen begrenzten, wurde eine etwa 1 x 1 m große, flache, aus insgesamt sechs Steinen gebildete Installation entdeckt, die aus gutem Grund als Altar gedeutet werden kann. Unter den Steinen wurde ein bronzener Szepteraufsatz mit silberner Dekoration (Biran 1994, 198 Abb. 156) entdeckt, der dort offenbar als Bauopfer niedergelegt worden war.

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Abb. 19 Altar mit Funden in Areal T.

Diese Szepteraufsätze oder Keulenköpfe stammen aus dem assyrischen Raum. Das älteste bislang bekannte Belegstück stammt aus dem 9. Jh. Daher dürfte die Ansetzung von Stratum II im 8. Jh. auch durch diesen Fund gestützt sein (vgl. W. Zwickel, Tempelkult in Kanaan und Israel, Tübingen 1994, 256 Anm. 100). Bei diesem Altar lagen drei eiserne Ascheschaufeln, wie sie auch aus anderen Regionen für den Kult belegt ist (vgl. W. Zwickel, Räucherkult und Räuchergeräte [OBO 97], Freiburg [Schweiz] / Göttingen, 161-163). Die Asche des Altars wurde in einen Krug gefüllt, der 20 cm südlich des Altars in den Boden eingelassen war. Sowohl auf dem Altar als auch in dem Krug fand man Knochenreste, so dass der Altar als Brandopferaltar gedient haben dürfte. Dass in demselben Raum aber auch Räucheropfer dargebracht wurden, belegen zwei kleinere Altäre (44 und 30 cm hoch). Wie man sich den Kult in diesem Raum konkret vorzustellen hat, ist noch weitgehend ungeklärt. Da der Raum nicht allzu breit war, ist es nicht auszuschließen, dass er überdacht war. Dann allerdings konnten dort nicht große Mengen an Opfer dargebracht worden sein, da der Rauch keinen ausreichenden Abzug hatte. Auch konnten sich nicht viele Personen in dem Raum aufhalten. Von daher wird man eher annehmen können, dass es sich um eine Art Kapelle handelt, die nicht für größere Bevölkerungskreise gedacht war.

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Abb. 20 Ummauerte Hofanlage vor dem Podium (mit der modernen Rekonstruktion eines angeblichen Brandopferaltars).

In einem Nachbarraum wurde unter zahlreicher rekonstruierbarer Keramik auch ein gestempelter Amphorenhenkel gefunden; die Aufschrift des Stempelsiegels lautete „dem Immadijo“ gehörig (Biran 1994, 200 Abb. 158). Vor dem Podium wurde eine 14 x 12,5 m große Anlage errichtet, die von einer Steinmauer eingefasst war und jeweils im Süden und Osten einen Zugang aufwies. Im Inneren der Anlage gibt es zwei steinerne Treppenaufgänge.

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Abb. 21 Großes Altarhorn aus Areal T.

Der Fund eines 50 cm hohen Altarhorns in der Umgebung führte Biran dazu, dass er innerhalb der Steinumfassung einen etwa 3 m hohen Altar postulierte. Sicher nachgewiesen ist dieser aber nicht, zumal Sinn und Zweck der Steinumfassung bislang nicht sinnvoll geklärt werden konnten. Die heute vor Ort aus Metall aufgebaute Metallkonstruktion eines Altars ist also archäologisch nicht abgesichert und beruht auf purer Spekulation.

Auf jeden Fall zeigt das Altarhorn (zusammen mit den Funden in Raum 2844), dass im 8. Jh. das Areal kultisch genutzt wurde. Dies belegt auch ein 38 x 40 x 35 cm großer steinerner Räucheraltar, der ebenfalls in der Umfassungsmauer gefunden wurde.

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Abb. 22 Räucheraltar (Areal T).

In Area A wurde die Toranlage noch einmal zusätzlich verstärkt. Mitten in den ca. 10 m breiten Weg, der von der Toranlage direkt in die Stadt führte, wurde eine Quermauer gebaut, die man nun umrunden musste. Nach wenigen Metern gelangte man zu einem weiteren Vierkammertor. Dieses war teilweise aus Steinen von anderen, inzwischen aufgegebenen Häusern gebaut. U.a. fand man hier auch ein fragmentarisches protoäolisches Kapitell, das möglicherweise ursprünglich in der äußeren Toranlage verbaut war. Trotz der umfangreichen Verteidigungsanlagen gelang es den Danitern nicht, die Eroberung durch die Assyrer 734/733 zu verhindern. Eine mächtige Ascheschicht bedeckte das gesamte Areal.

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)

Abb. 23 Der Durchgang durch das zweite Vierkammertor (Areal A).

In Areal M wurde ein großer gepflasterter Platz entdeckt, der sich vermutlich bis zum sog. „Heiligen Bezirk“ ausdehnte.

Eisenzeit II (Stratum Israel, 733-587 v. Chr.). In Stratum I besaß Dan keine Stadtmauer mehr. Trotzdem war der Ort dicht besiedelt und erfasste das gesamte Stadtareal. Die Keramikfunde belegen sowohl Beziehungen nach Assyrien als auch nach Phönizien. Mit der Eroberung der Stadt vermutlich durch die Babylonier wurde diese Schicht zerstört.

4.5.2. Zur Geschichte der Grenzstadt Israels

Die biblischen Überlieferungen berichten, dass → Jerobeam I. (932-911 v. Chr.) nach der Reichsteilung je ein Staatsheiligtum in → Bethel und in Dan gründete (1Kön 12,26-32). Die beiden Heiligtümer markierten die Nord- und die Südgrenze des Reiches. An beiden Orten wurde je ein → Stierbild aufgestellt, das die Macht Jahwes repräsentieren sollte. Neben die militärische Sicherung der Grenze, die es in Dan sicherlich auch gegeben hat, trat die religiöse Sicherung. Jahwe wurde hier eindeutig als ein Kriegsgott verstanden, der das Volk vor den feindlichen Aramäern schützen sollte.

Welche gefährdete Lage Dan zwischen den → Phöniziern im Westen und den → Aramäern (trotz Ri 18,7) im Osten innehatte, zeigen schon die frühen Ereignisse des 9. Jh.s., als es zwischen dem Nordreichskönig → Bascha und dem Südreichskönig → Asa zu einem Krieg kam, bei dem Bascha Juda schwer zu schädigen drohte. Daraufhin nahm Asa den Tempel- und Palastschatz, um damit Ben-Hadad I. von Damaskus zu einem Krieg gegen den Norden Israels zu bewegen (1Kön 15,16-22). Dieser eroberte nun den Jordangraben nördlich des Sees Genezareth, was wiederum Bascha dazu veranlasste, seine Truppen vom Kampf gegen das Südreich abzuziehen und den Eindringling im Norden zu bekämpfen. Vermutlich wollten die Aramäer Dan gar nicht völlig unter ihre Kontrolle bringen, sondern sich die judäische Gabe nur durch einen kleinen Einfall in das Land redlich verdienen. Andererseits war es für die allmählich stärker werdenden Aramäer, die verschiedene Reiche in sich eingliederten (Geschur, Rehob, Zoba), von nun an immer wieder von Interesse, Dan und das Hule-Becken unter ihre Kontrolle zu bringen, da sie dadurch auch am lukrativen Handel auf diesem Weg profitieren konnten.

Aus: Wikimedia Commons; © יעל י, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 20.5.2014

Abb. 24 Die Inschrift von Tel Dan im Israel Museum (weiße Hervorhebung nicht ursprünglich).

Über ein weiteres wichtiges Ereignis in der Geschichte Dans sind wir durch eine Inschrift informiert, von der 1993 und 1994 Fragmente in Areal A gefunden wurden, wo sie im Torbereich von Dan sekundär verbaut waren (→ Inschrift von Tel Dan). Insgesamt wurden nur drei Teile der Inschrift ausgegraben, und auch die genaue Datierung ist unter rein archäologischen (nicht aber unter historischen) Aspekten unklar, da sich nicht in situ entdeckt wurde. Obwohl sie nur bruchstückhaft erhalten ist, kann bei einer sinnvollen Rekonstruktion des Textes eine Breite der Inschrift von ca. 45 cm rekonstruiert werden. Auf assyrischen Reliefs werden Stelen gezeigt, die assyrische Könige am Eingang eroberter Städte haben aufstellen lassen, um so ihren Herrschaftsanspruch auf die Stadt offensichtlich werden zu lassen.

© Wolfgang Zwickel

Abb. 25 Sockel am oberen Tor, in dem die Dan-Inschrift möglicherweise aufgestellt war.

Ähnlich ist auch eine Stele am Toreingang von Bet-Saida zu deuten (M. Bernett / O. Keel, Mond, Stier und Kult am Stadttor. Die Stele von Bethsaida (et-Tell) [OBO 161], Freiburg [Schweiz] / Göttingen 1998). Eine vergleichbare Funktion dürfte auch die Stele aus Dan gehabt haben. In der oberen Toranlage in Dan gibt es eine bislang nicht näher veröffentlichte Sockelbasis, in der die Inschrift gestanden haben könnte. Der Text der Inschrift lautet folgendermaßen (Wiedergabe nach Weippert, HTAT, 268):

Aus: Wikimedia Commons; © Schreiber, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 3.9.2007

Abb. 26 Die Inschrift von Tel Dan.

Da kam mein Vater, indem er hinaufzog […, um] mit … zu kämpfen. Da legte sich mein Vater nieder, indem er zu seinem [Geschick] ging. Da war der König von Israel damals in das Land meines Vaters gekommen. Da machte Hadad mich zum König. Da ging Hadad vor mir her. … Da tötete ich [vie]le Kön[ige], die tau[sende von Stre]itwagen und tausende von Pferden bespannen konnten. [Ich tötete fürwahr Jo]ram, den Sohn [Ahabs], den König von Israel, und [ich tötete] fürwahr [Ahas]ja, den Sohn [Jorams, den Kön]ig von Bet-David. Da machte ich … ihr Land zu …. [Und Jehu wurde Kö]nig über Is[rael. … Da bela]gerte ich … (vgl. TUAT, Erg.-Lfg., 176; Ahituv, 466-473; Athas, 320-326; → Israel 3.3.3.)

Die zeitliche Einstufung der Inschrift ist dank der Rekonstruktion der beiden Königsnamen gut möglich; eine andere Kombination von Königsnamen gibt es nach den alttestamentlichen Daten nicht, so dass sie als zuverlässig gelten kann. Der Nordreichskönig → Joram regierte von 851-845 v. Chr., der Südreichskönig → Ahasja nur im Jahre 845. Folglich muss die Inschrift nach dem Jahr 845 angefertigt worden sein, aber auch nicht in zu großem zeitlichen Abstand davon. Auch auf Grund der Paläographie dürfte die Inschrift in die zweite Hälfte des 9. Jh.s v. Chr. zu datieren sein. Dem entspricht Stratum III, für das demnach eine aramäische Präsenz in Dan vorausgesetzt werden muss. Hierfür spricht auch die mehrfache Nennung des Gottes → Hadad in der Inschrift. Auf dem Hintergrund dieser Datierung muss der Inhalt des Stelenfragments behandelt werden.

Die Stele ließ der Aramäerkönig → Hasael (845-796 v. Chr.) aufstellen. Dieser war ein Usurpator auf dem aramäischen Thron. Er scheint ein aramäischer Offizier und enger Vertrauter des vormaligen Königs gewesen zu sein (vgl. 2Kön 8,9), der den Throninhaber in einer Zeit der Krankheit, die sicherlich auch innen- und außenpolitisch eine Zeit der Schwäche nach sich zog, umbrachte, indem er ihm ein nasses Tuch über den Kopf legte und so erstickte (vgl. 2Kön 8,15). Dann riss er die Macht an sich und gründete eine neue Dynastie („Haus Hasael“, TUAT I, 377; vgl. Am 1,4). In einer assyrischen Inschrift wird Hasael ausdrücklich als „Sohn eines Niemand“ bezeichnet (TUAT I, 365), womit ausgedrückt wird, dass er keiner königlichen Familie entstammt. Auch der Dan-Inschrift kann man vielleicht entnehmen, dass Hasael sich selbst (zumindest in der stilisierten Form dieses Textes) als eigentlich unwürdig für das Königsamt erachtet; dies kann man vielleicht der betonten Formulierung entnehmen, dass gerade er, Hasael, von Hadad für die Königswürde bestimmt wurde (Z. 4f.). Immerhin scheint Hasael seinen Vorgänger so sehr geschätzt zu haben, dass er ihn in dieser Inschrift ausdrücklich als „meinen Vater“ bezeichnet (Z. 2f.). Sein Mord an seinem Vorgänger geschah wohl aus Verantwortung dem Reich gegenüber – und natürlich auch aus reichlich Eigeninteresse.

Der Vorwurf, Israel hätte sich eines Teils des Aramäergebietes bemächtigt, bezieht sich wohl auf die Grenzstreitigkeiten bei → Ramot-Gilead im Ostjordanland (Tell er-Ramṯā, auf dem das heutige Ramṯā liegt, Koordinaten: 2450.2186; N 32° 33' 38'', E 36° 00' 39''; vgl. 2Kön 8,28; 2Kön 9,14). Ramot-Gilead bildete dabei eine Grenzbastion nach Osten hin, die von den Aramäern überwunden werden musste. Die Auseinandersetzung mit den Aramäern wurde von diesen als Kriegsansage verstanden, was zu entsprechenden militärischen Aktionen als Antwort führte. Dabei wurde Dan erobert und die Stele als Zeichen der Macht dort aufgestellt.

In der nachfolgenden Darstellung unterscheidet sich die biblische Darstellung erheblich von der der Dan-Inschrift. 2Kön 9 berichtet, dass man sich im Nordreich durchaus Gedanken um den angeschlagenen König Joram machte. Der Prophet → Elisa schickte nach dieser Darstellung einen seiner Anhänger nach Ramot-Gilead, um dort den Offizier → Jehu zum neuen König salben zu lassen, was einer gleichermaßen politisch als auch religiös motivierten Palastrevolte gleichkam (2Kön 9,1-21). Jehu eilte daraufhin nach Jesreel, um dort zunächst den Nordreichskönig Joram (2Kön 9,22-26), dann den Südreichskönig Ahasja (2Kön 9,27-29) zu töten und die Macht an sich zu reißen. Die Dan-Inschrift stellt die Tötung der beiden Könige als einen Erfolg Hasaels dar. Unter historischen Gesichtspunkten muss man sich klar machen, dass man weder den Wortlaut der Bibel noch der Dan-Inschrift überbewerten sollte. Beide Texte sind durchaus einseitig. Die Dan-Inschrift wollte als eine vom aramäischen König in Auftrag gegebene Inschrift den Erfolg eben dieses Königs herausstellen und ist in gewisser Weise ja im Recht, denn die Verletzung Jorams führte zur Palastrevolte im Nordreich mit der Königserhebung Jehus und dann zur Tötung der beiden Könige von Israel und Juda. Es ist eine einseitige Sicht, aber eine durchaus vertretbare – wenn auch nur aus aramäischer Sicht vertretbar. Das Alte Testament will dagegen die Ereignisse jener Zeit ganz stark unter religiösen Gesichtspunkten sehen. Die Königserhebung Jehus wird nicht als Usurpation dargestellt, sondern als göttlich legitimierter Eingriff (2Kön 9) und ist damit durchaus der Dan-Inschrift vergleichbar, die das Wirken Hadads bei der Thronbesteigung Hasaels betont (Z. 4f.). Das Alte Testament geht – in einem allerdings historisch so kaum zutreffenden Text – sogar so weit, dass die Einsetzung Hasaels als König von Aram von Jahwe vorausgesehen wurde (2Kön 8,7-13). In dem Wort, dass Elisa dort an Hasael richtet, ist bereits davon die Rede, dass er „den Israeliten Schlimmes antun“ wird, nämlich „ihre festen Städte in Brand stecken, ihre Jünglinge mit dem Schwert töten, ihre Säuglinge und ihre Schwangeren aufschlitzen“ (2Kön 8,12). Nach 1Kön 19,15 erhielt der Prophet → Elia sogar den Auftrag, Hasael im Namen Jahwes zum König zu salben. Im Alten Testament wird Hasael demnach als Werkzeug Jahwes dargestellt – und damit ist auch das Alte Testament einseitig in seiner Interpretation der historischen Ereignisse.

Der Feldzug Hasaels 842 hatte demnach zur Folge, dass zumindest Dan in den Besitz der Aramäer kam. Die kriegerischen Auseinandersetzungen beschränkten sich demnach nicht auf das Gebiet von Ramot-Gilead, sondern Hasael griff Israel nun auch von Norden her an und eroberte die nördlichste Stadt Israels. Durch einen derartigen Zwei-Flanken-Krieg, eine bei Dan, die andere im Ostjordanland bei Ramot-Gilead, konnte er die Israeliten wahrscheinlich entscheidend schwächen, so dass Dan in seine Hände fiel. Seine Macht konnte er sogar noch weiter ausdehnen und große Teile des Ostjordanlandes unter seine Kontrolle bringen, wenn man dem – allerdings mit der Nennung von Aroer, das zweifellose moabitisch war, übertreibenden – Versen 2Kön 10,32f. Glauben schenken will. Der schwache Nordreichskönig Jehu konnte sich offenbar der Übermacht Hasaels kaum erwehren und war damit ein Spielball in dessen Hand. Offenbar konnte Jehu dem aramäischen Heer noch nicht einmal den Durchzug verwehren, als Hasael wenige Jahre später sogar bis nach → Gat vordrang und sogar Jerusalem bedrohte (2Kön 12,18f.).

Ab dem Jahre 841 stand Hasael aber auch selbst unter starkem assyrischen Druck, dem er sich nun erwehren musste. So wurde sein Heer 841 im Kampf gegen die Assyrer bei dem Berg Senir (Antilibanon oder Hermon) dezimiert. Er selbst musste Schutz in Damaskus suchen, und 838 v. Chr. verlor er sogar einige Städte auf seinem Reichsgebiet (vgl. TUAT I, 363.365-367). Trotzdem konnte er seine Vormachtstellung in der südlichen Levante aufrecht erhalten und war in der Folgezeit der einzige wirklich starke Gegner der Assyrer. Erst dem Assyrerkönig Adad-nirari III. (809-782 v. Chr.) gelange es, wahrscheinlich 796 v. Chr., den Aramäerstaat von Damaskus zu unterwerfen und zu Tributzahlungen zu verpflichten.

Die Schwächung der Aramäer, aber vermutlich auch die chaotische Situation nach einem besonders starken Erdbeben (Am 1,1), nutzte → Jerobeam II. (787-747 v. Chr.), um das Gebiet Israels im Norden wieder auszuweiten (2Kön 14,25). Leider sind die topographischen Angaben in diesem Text nicht eindeutig. Die dortige Formulierung „Lebo-Hamat“ kann einerseits die in der Beqa-Ebene gelegene Ortschaft Lebo-Hamat (= Lebwe) meinen, was allerdings eine extreme und historische wohl kaum wahrscheinliche Ausdehnung des Gebietes des Nordreichs bedeutet hätte. Es kann aber auch einfach nur den Weg nach Hamat meinen, und damit die Straße, die über → Hazor (Tell el-Qedaḥ; Koordinaten: 2035.2693; N 33° 01' 05.65'', E 35° 34' 08.59''), Abel-Bet-Maacha (Tell Ābil el-Qamḥ; Koordinaten: 2045.2962; N 33° 15' 39'', E 35° 34' 48'') und Ijon (Tell Dibbīn; Koordinaten: 205.308; N 33° 22' 00'', E 35° 35' 07'') in die Beqa-Ebene führte. Dann wäre aber völlig unklar, wie weit sich das Gebiet Jerobeams im Norden erstreckte; immerhin dürfte, wie 2Kön 15,29 (s.u.) zeigt, Ijon noch zu Israel gehört haben. In jener Zeit konnte Israel den Aramäern in deren südlichem Gebiet allerdings Territorien abringen und sogar das Gebiet bis nach Karnajim (Šēḫ Sa‘ad ca. 40 km östlich des See Genezareths) unter seine Kontrolle bringen.

Zwar lässt sich 2Kön 14,25 nicht zwingend entnehmen, dass Dan wieder unter israelitischer Kontrolle war, aber es ist sehr wahrscheinlich. Dies kann man vielleicht auch aus Am 8,14 schließen, wonach die Bewohner von Samaria ausrufen „So wahr dein Gott lebt, o Dan“. Da aber im selben Vers auch → Beerscheba genannt wird, könnte die gleichzeitige Nennung beider Orte auch eine Anspielung auf die Größe des ursprünglichen gemeinsamen Reiches sein, ohne dass daraus Rückschlüsse auf die Zeitgeschichte des → Amos gezogen werden können.

2Kön 10,29, wo noch einmal für die Zeit Jehus die goldenen Kälber in → Bethel und Dan erwähnt werden, ist deuteronomistisch (→ Deuteronomismus), d.h. der Vers ist erst im babylonischen Exil und damit in großem Abstand zu den berichteten Ereignissen abgefasst worden, so dass sein historischer Wert zweifelhaft ist. Möglicherweise war die israelitische Kontrolle dieses Gebietes aber nur kurzfristig, und die Aramäer konnten ihre Kontrolle über die Stadt – allerdings ohne Zerstörung – wieder aufrichten.

Als im Rahmen des → syrisch-ephraimitischen Krieges (734-732 v. Chr.) → Tiglat-Pileser III. von dem Südreichskönig Ahas zur Hilfe aufgefordert wird, erobert dieser im Norden Israels folgende Ortschaften: Ijon, → Abel-Bet-Maacha, Janoach (nicht lokalisiert), → Kedesch (Tell Qedes; Koordinaten: 1997.2798; N 33° 06' 42'', E 35° 31' 45''), Hazor sowie die Landschaften Gilead, Galiläa und das ganze Land Naftali (2Kön 15,29). Dan wird hier auffälligerweise nicht genannt, was wohl nur damit erklärt werden kann, dass 2Kön 15,29 sich allein auf israelitische Siedlungen beschränkt. Die Grenze zwischen Israel und Aram könnte demnach in dieser Zeit zwischen Dan und dem 7 km ostnordöstlich östlich gelegenen Abel-Bet-Maacha verlaufen sein. Wenn diese Annahmen zutreffen, dann war auch der Kult von Dan sehr viel stärker aramäisch geprägt als bisher von den Ausgräbern angenommen wird.

Dass es auch nach der Eroberung des Nordreichs durch die Assyrer eine Besiedlung an dem attraktiven Platz in Dan gab (Stratum I), belegen Jer 4,15 und Jer 8,16. Als die Chaldäer erstmals 605 oder 604 nach Palästina eindrangen und in der Folgezeit mehrere Feldzüge dorthin unternahmen, meldet ein Bote aus Dan diese Nachricht nach Jerusalem (Jer 4,15). Da Dan an der wichtigen Straße von der libanesischen Beqa-Ebene nach Palästina liegt, besitzen die Bewohner dieses Ortes gewissermaßen ein Nachrichtenmonopol für alle Geschehnisse, die sich im Norden ereignen.

4.6. Persische und hellenistische Zeit

Aus persischer Zeit sind bislang kaum Funde oder Befunde nachgewiesen worden. Der Ort scheint radikal verkleinert worden zu sein, dürfte aber trotzdem noch weiterbestanden haben. Darauf weisen einige Mauerfunde westlich von Areal T hin. In einem Gebäude wurden mazedonische Münzen aus dem 4. Jh. v. Chr. und einige weitere Kleinfunde entdeckt. Dazu zählen Figurinen, die einen Bes (Biran 1994, 215), eine Pferd-und-Reiter-Abbildung, einen sog. Tempeljungen (ebd., 216), eine Mutter oder Göttin mit Kind (ebd., 216 Abb. 175a), der Kopf einer Göttin, zwei Osiris-Darstellungen (ebd., 216) sowie zwei bronzene Armreifen, die mit einer Tierdarstellung (Kalb?) verziert sind. Wie an manchen anderen Orten der persischen Zeit auch wurden diese Gegenstände, die kultische Aktivitäten belegen, in einer → Favissa gefunden.

© Wolfgang Zwickel

Abb. 27 Die Bilingue von Tel Dan.

In hellenistischer Zeit (3. und 2. Jh. v. Chr.) scheint sich der Ort wieder etwas erholt zu haben. Östlich von Areal T wurden einige wenige Baureste aufgefunden, denen aber nicht weiter nachgegangen wurde. Von der eisenzeitlichen Toranlage wurde nur das innere Tor weiterbenützt; allerdings wurden im 3. Jh. v. Chr. die Seitenkammern aufgefüllt. Die wichtigsten Nachweise für eine Besiedlung in dieser Zeit stammen aus Areal T. Hier lassen sich zwei Bauphasen nachweisen. In der ersten Phase wurde auf diesem Areal ein Gebäude errichtet, das mindestens 54 x 43 m groß war und aus wenigstens sechs Räumen bestand. Im Süden lag ein 2 m breiter Eingang für dieses Areal (Zeichnung in Biran 1994, 217). Wohl aus dieser Zeit stammt eine dreizeilige griechische und einzeilige aramäische → Bilingue, die auf einem 25,6 cm langen, 8,2 cm breiten und 3,2 cm dicken Stein eingeritzt war: „Zu dem Gott, der (im Gebiet) der Daniter ist, gelobte Zoilos“ (Biran 1981, 142-153). Die sehr ordentlich gravierte Inschrift war wohl ursprünglich als Beleg für eine Weihung an einer Installation auf dem Gelände angebracht.

In der zweiten Bauphase wurde auf dem Podium von Areal T offensichtlich ein Gebäude errichtet. Eine große Freitreppe führte dort hinauf. Um welche Art von Bauwerk es sich handelt, lässt sich angesichts der kärglichen Architekturreste nicht näher bestimmen. Dass es sich um einen Tempel handelt, wie der Ausgräber A. Biran annimmt, ist zwar möglich, aber keineswegs zwingend. In Areal T wurden nun auch zahlreiche Amphoren und Amphorenhenkel aus dem 2. Jh. v. Chr. gefunden, die einen Handel mit dem Mittelmeergebiet, insbesondere Rhodos, belegen (Abbildung in Biran, 225). Andere Amphoren und Vorratsgefäße stammen aus lokaler Produktion und zeigen möglicherweise an, dass die Bewohner Dans Handel mit den Ituräern betrieben. Aus dieser Zeit stammt auch ein zylindrisches Becken, das in den Boden eingetieft war. Es weist einen Innendurchmesser von 1,5 m, eine Tiefe von 1,1 m und eine Wandstärke von 0,6 m auf. Ob das Becken für Reinigungsriten oder aber, wie der Ausgräber annimmt, für Weissagungen benützt wurde, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Auch hier wird man auf die endgültige Publikation der Funde und Befunde warten müssen, um sinnvolle Aussagen machen zu können.

Auf den Feldern, die Dan umgeben, wurde eine Aphroditestatue aus späthellenistischer Zeit gefunden, die vielleicht ursprünglich mit einer Kultstätte in Dan verbunden gewesen sein muss (Abbildung in Biran 1994, 272).

4.7. Spätere Epochen

In römischer Zeit verlor der Ort wieder an Bedeutung. Bisher konnten vor allem in Areal T die Reste einer zweiphasigen Besiedlung nachgewiesen werden. Der Zugang zu dem großen hellenistischen Gebäude wurde nun blockiert und das Fußbodenniveau erhöht. Auch die Plattform wurde umgestaltet und das Niveau erhöht. Die Freitreppe wurde nun aufgegeben. Ebenfalls aus römischer Zeit stammt ein Wassergebäude, das in die älteren Schichten eingetieft wurde. Die jüngsten Funde in diesem Bereich stammen aus dem 4. Jh. n. Chr. Dann scheint Areal T verlassen worden zu sein.

© Wolfgang Zwickel

Abb. 28 Neuzeitliche Mühle im Gelände von Dan.

In den nachfolgenden Jahrhunderten gab es immer wieder eine spärliche Nachbesiedlung auf dem Siedlungshügel (z.B. Mühlen, aber auch Schützengräben zur Verteidigung der israelischen Nordgrenze), was angesichts des Wasserreichtums der Siedlung nicht verwunderlich ist.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

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3. Weitere Literatur

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Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Karte zur Lage von Tel Dan. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Karte: Israel als Land „von Dan bis Beerscheba“. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 3 In Dan entspringender Quellfluss des Jordans. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)
  • Abb. 4 Grabungsareale in Dan. Aus: Biran 1994, 25
  • Abb. 5 Schnitt durch die Wallanlage in Dan. Aus: Biran 1994, 61
  • Abb. 6 Die mittelbronzezeitliche Toranlage von Dan. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)
  • Abb. 7 Die mittelbronzezeitliche Toranlage im Modell. © Wolfgang Zwickel
  • Abb. 8 Krater mit einer Wagenszene. Aus: Wikimedia Commons; © Eitan f, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 20.5.2014
  • Abb. 9 Blick auf das Podium in Areal T in seiner heutigen Gestalt (ohne Differenzierung der diversen Bauschichten). © Wolfgang Zwickel
  • Abb. 10 Pithos mit Schlangenverzierung (Areal T). © Wolfgang Zwickel
  • Abb. 11 Badewanne (Areal T). © Wolfgang Zwickel
  • Abb. 12 Kopf aus Fayence mit der Darstellung eines ägyptischen Königs (Areal T). © Wolfgang Zwickel
  • Abb. 13 Fayencefigurine eines ägyptischen Königs, Gottes oder Priesters (Areal T). © Wolfgang Zwickel
  • Abb. 14 Die Toranlage in Areal A. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)
  • Abb. 15 Grundriss der Toranlage der Eisenzeit II in Tel Dan. Aus: M. Bernett / O. Keel, Mond, Stier und Kult am Stadttor. Die Stele von Betsaida (et-Tell), [OBO 161], Freiburg [Schweiz] / Göttingen 1998, 130 Abb. 78; Beschriftung: Klaus Koenen)
  • Abb. 16 Installation im Inneren der Toranlage. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)
  • Abb. 17 Rekonstruktion der Toranlage. © Wolfgang Zwickel
  • Abb. 18 Altar in einem der westlichen Breiträume (Areal T, Raum 2844). © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)
  • Abb. 19 Altar mit Funden in Areal T. © Wolfgang Zwickel
  • Abb. 20 Ummauerte Hofanlage vor dem Podium (mit der modernen Rekonstruktion eines angeblichen Brandopferaltars). © Wolfgang Zwickel
  • Abb. 21 Großes Altarhorn aus Areal T. © Wolfgang Zwickel
  • Abb. 22 Räucheraltar (Areal T). © Wolfgang Zwickel
  • Abb. 23 Der Durchgang durch das zweite Vierkammertor (Areal A). © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)
  • Abb. 24 Die Inschrift von Tel Dan im Israel Museum (weiße Hervorhebung nicht ursprünglich). Aus: Wikimedia Commons; © יעל י, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 20.5.2014
  • Abb. 25 Sockel am oberen Tor, in dem die Dan-Inschrift möglicherweise aufgestellt war. © Wolfgang Zwickel
  • Abb. 26 Die Inschrift von Tel Dan. Aus: Wikimedia Commons; © Schreiber, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 3.9.2007
  • Abb. 27 Die Bilingue von Tel Dan. © Wolfgang Zwickel
  • Abb. 28 Neuzeitliche Mühle im Gelände von Dan. © Wolfgang Zwickel
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