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Lexikon

Chirbet el-Machruq

Andere Schreibweise: Khirbet el-Makhruq ; Khirbet el-Maḫruq ; Khirbet Makherouk

Klaus Koenen

(erstellt: Febr. 2016)

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1. Lage

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Karte zur Lage von Chirbet el-Machruq.

Chirbet el-Machruq ist eine Ortslage im Jordantal, die sich 30km Luftlinie nördlich von → Jericho und 40km südlich von → Bet-Schean befindet (Koordinaten: 1983.1710; N 32° 07' 54'', E 35° 30' 36''; 247 u.M.). Sie liegt strategisch äußerst wichtig auf einem nach Südosten weit in die Ebene ragenden Bergsporn, der einen hervorragenden Aussichtspunkt bietet und damit die Kontrolle wichtiger Straßen erlaubt: der Nord-Süd-Verbindung durch das Jordan-Tal sowie der Straße, die am Fuß des Sporns nach Nordwesten abzweigt und nach → Sichem führt, und auch der Straße, die von hier Richtung Südosten nach Amman geht.

Zu drei weiteren Ortslagen namens Chirbet el-Machruq s. Zertal 2005, Nr. 72-74.

2. Geschichte

Nach den 1974, 1975 und 1980 durchgeführten Grabungen lag auf dem heute von Schützengräben durchzogenen Hügel in der Frühbronzezeit eine befestigte Stadt, von der inzwischen allerdings nur noch geringe Reste von Lehmziegelmauern zu sehen sind. Aus der Eisenzeit II stammen zwei einzeln stehende Wachtürme, deren Reste noch gut erkennbar sind, die aber neuzeitlich dadurch erheblich zerstört worden sind, dass man in ihnen jeweils Geschützstellungen errichtet hat (Kochavi, 229; The West Bank and East Jerusalem Searchable Map).

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2001)

Abb. 2 Schnitt durch Lehmziegelmauern der frühbronzezeitlichen Stadt (Chirbet el-Machruq).

2.1. Die frühbronzezeitliche Stadt. In der Frühbronzezeit war das breite Ende des Sporns von einer befestigten Stadt bedeckt. Sie war fast ringsum durch Abhänge natürlich geschützt, im Nordwesten jedoch, von wo man über einen Bergsattel den besten Zugang hatte, durch einen in den Fels geschlagenen Graben, einen massiven Turm aus Ziegeln und dicke Mauern mit Glacis besonders gesichert. Bei dem Turm, der von Norden nur über eine Treppe zugänglich war, unterscheiden die Ausgräber z.B. aufgrund der Verwendung unterschiedlicher Ziegel, übereinander liegender Fußböden und einer über 1m dicken Ascheschicht drei Bauphasen, die angesichts der Wiederverwendung der Mauerlinien wohl unmittelbar aufeinander folgten. Die beiden ersten werden der Frühbronzezeit II, die dritte wird der Frühbronzezeit III zugeschrieben. Erst ab der zweiten Phase war die Stadt von einer 2m dicken, bis zu 5m hoch erhaltenen Stadtmauer aus Lehmziegeln auf einem Steinsockel umgeben. Sie wurde in der dritten Phase auf 3m Dicke verstärkt.

Ca. 150m südöstlich dieser nordwestlichen Befestigungsanlage hat man Wohnbebauung ausgegraben, bei der dieselben drei Schichten unterschieden werden. Aus der ersten Phase (Str. IV) stammt ein 5x6m großer Raum, dessen 90cm dicke, in zwei Schichten verputzte Lehmziegelmauern noch bis zu 1,6m hoch erhalten waren. Im Zentrum des Raumes lag ein flacher, runder Stein, wohl der Sockel einer Säule, die das Dach trug. An die Mauern waren zum Teil Bänke gebaut, auf denen Keramik stand. Im Westen grenzte ein kleiner Raum an, dessen Fußboden mit Lehmziegeln ausgelegt war und der nach Getreideresten zu urteilen wohl als Getreidekammer diente. An ihn schloss sich ein weiterer, jedoch kaum ausgegrabener Raum an, ebenfalls mit Bänken an den Mauern. Die Siedlung wurde von einem Brand zerstört. In der folgenden Phase (Str. III) baute man die Gebäude unter Aufnahme der alten Mauerlinien wieder auf, doch auch diese Siedlung fiel einem Brand zum Opfer. Die jüngste Siedlung (Str. II), die aus der Frühbronzezeit III stammt, hat ebenfalls die alten Mauerlinien übernommen, allerdings war von ihr nicht viel erhalten.

Aus der Mittelbronzezeit hat man nur im Bereich der südöstlichen Wohnbebauung direkt unter der Oberfläche ein Kindergrab mit drei Gefäßen gefunden.

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2001)

Abb. 3 Eckiger Turm der Eisenzeit II (Chirbet el-Machruq).

2.2. Zwei Türme der Eisenzeit II. Erst nach einer ca. 1500jährigen Siedlungslücke wurde in der Eisenzeit II, vermutlich im 8. Jh. v. Chr., auf dem Turm der Frühbronzezeit wieder gebaut, und zwar erneut ein eckiger Turm, dessen oberer Teil aus Lehmziegeln bestand. In einer ersten Phase, von der nur die Steinfundamente erhalten sind, maß er 9,5x13m und enthielt zwei parallele Räume sowie einen östlich angrenzenden Raum. In einer zweiten Phase wurde die Anlage auf 18x23m vergrößert, indem man rundum im Abstand von ca. 3m aus großen Steinen eine etwa 1,5m dicke Mauer errichtete, deren Fundamente 4m tief bis in die frühbronzezeitlichen Schichten reichte. Der Raum zwischen der alten und der neuen Mauer wurde in Abschnitten so mit Erde und Steinen angefüllt, dass eine umlaufende Reihe von 1x2m großen Kammern ausgespart wurde. So entstand eine Kasemattenmauer, die eine ca. 3m dicke Außen- und eine etwa 2m dicke Innenmauer sowie 1m breite Räume hatte.

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2001)

Abb. 4 Runder Turm der Eisenzeit II (Chirbet el-Machruq).

Aus der Eisenzeit fanden sich sonst nur im Zentrum der → Chirbe über frühbronzezeitlicher Wohnbebauung die Reste eines weiteren Turms, und zwar eines Rundturms mit einem Außendurchmesser von 19,5m. Der Grundriss weist drei konzentrische Mauerringe auf. Der innere 60cm dicke Ring mit einem Durchmesser von 8m war mit Steinen gefüllt, bildete also einen massiven Kern. Der mittlere 80cm dicke Ring hatte einen Außendurchmesser von 12,5m. In den 1,5m breiten Raum zwischen diesen beiden Ringen waren Lehmziegel in Läufer-Binder-Anordnung mit dazwischenliegenden senkrechten Ziegeln sorgfältig gesetzt. Der äußere Zwischenraum vor der 1,5m dicken Außenmauer war in der östlichen Hälfte in acht, über Durchgänge miteinander verbundene Kammern unterteilt, auf deren Böden reichlich Keramik gefunden wurde, in einem Raum sogar ein Ofen (die westliche Hälfte ist nicht ausgegraben). An der Innenseite der Außenmauer führte eine Rampe zum oberen Teil des Turms, der nach der Keramik wie der erste Turm ins 8. Jh. v. Chr. zu datieren ist und wohl ebenfalls einen Wachposten zur Kontrolle des Jordantals und vor allem des Weges ins Landesinnere beherbergte.

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)

Abb. 5 Eckiger Turm der Eisenzeit II in En Gedi mit Blick auf das Tote Meer.

Solche Türme waren in der Eisenzeit II verbreitet, z.B. bei → En Gedi, in Gilo, auf Tell el-Fūl (→ #xGibea#19532), auf dem → Ebal, in Chirbet eš-Šaqq und ein Ring von 19 derartiger Türme umgab Amman (Zertal 1995, 253-273; Burke, 43-45). In der Umgebung von Chirbet el-Machruq ist vor allem Ruǧm Abu Muchajir zu nennen, Luftlinie 12km südwestlich unmittelbar neben einer Piste gelegen, die von Str. 505 abgeht (Koordinaten: 1895.1625; N 32° 03' 21.6'', E 35° 25' 11.8''; andere Schreibweisen: Rogem Abu Mughayir; The West Bank and East Jerusalem Searchable Map).

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2001)

Abb. 6 Runder Turm der Eisenzeit II (Ruǧm Abu Muchajir).

Hier finden sich die noch bis zu 2,5m hoch stehenden Reste eines vergleichbaren, jedoch besser erhaltenen Rundbaus von 19-20m Durchmesser (Yeivin 1992). Der dortige Turm, von dem man eine hervorragende Aussicht ins Jordantal hat, weist im Grundriss zwei konzentrische Mauerringe auf. Der zentrale, von Westen zugängliche runde Innenraum wird von einer Mauer mit Durchgang halbiert. Der Rundgang um diesen Innenraum war in acht Kammern aufgeteilt. Nach den Scherben von Vorratskrügen stammt auch dieser Bau aus dem 8. Jh. Angesichts dieser Krüge diente er vermutlich nicht nur als Wachturm, sondern auch zur Lagerung von Vorräten.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • The New Encyclopedia of Archaeological Excavations in the Holy Land, Jerusalem 1993

2. Weitere Literatur

  • Burke, A.A., Magdaluma, Migdalîm, Magdoloi, and Majadil: The Historical Geography and Archaeology of the Magdalu (Migdal), BASOR 346 (2007), 29-57
  • Kochavi, M. (Hg.), Judaea, Samaria and the Golan. Archaeological Survey 1967-1968, Jerusalem 1972
  • Yeivin, Z., Two Watchtowers in the Jordan Valley, EI 23 (1992), 155-173.152* [hebr.]
  • Yeivin, Z., Khirbet el-Maḥruq, IEJ 24 (1974), 259-260
  • Yeivin, Z., Khirbet el-Maḥruq, RB 82 (1975), 251-254
  • Zertal, A., Three Iron Age Fortresses in the Jordan Valley and the Origin of the Ammonite Circular Towers, IEJ 45 (1995), 253-273
  • Zertal, A., The Heart of the Monarchy: Pattern of Settlement and Historical Considerations of the Israelite Kingdom of Samaria, in: A. Mazar (Hg.), Studies in the Archaeology of the Iron Age in Israel and Jordan (JSOT.S 331), Sheffield 2001, 38-64, bes. 54ff
  • Zertal, A., The Manasseh Hill Country Survey. Bd. 2: The Eastern Valleys and the Fringes of the Desert, Leiden / Boston 2008, Nr. 269
  • Zertal, A., The Manasseh Hill Country Survey. Bd. 4: From Nahal Bezek to the Sartaba Massif, Tel Aviv 2005 (Hebr.)

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Karte zur Lage von Chirbet el-Machruq. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Schnitt durch Lehmziegelmauern der frühbronzezeitlichen Stadt (Chirbet el-Machruq). © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2001)
  • Abb. 3 Eckiger Turm der Eisenzeit II (Chirbet el-Machruq). © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2001)
  • Abb. 4 Runder Turm der Eisenzeit II (Chirbet el-Machruq). © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2001)
  • Abb. 5 Eckiger Turm der Eisenzeit II in En Gedi mit Blick auf das Tote Meer. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)
  • Abb. 6 Runder Turm der Eisenzeit II (Ruǧm Abu Muchajir). © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2001)

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