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Lexikon

Bibelübersetzungen, christliche deutsche

Bertram Salzmann, Rolf Schäfer

(erstellt: Mai 2009)

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1. Von den Anfängen bis zum Mittelalter

Die Geschichte der Bibelübersetzung ins Deutsche beginnt im 8. Jh. mit einer missionarischen Schwierigkeit: Mönche unter den germanischen Stämmen standen vor dem Problem, die biblische Botschaft, wie sie im lateinischen Text der Vulgata vorlag, in der Sprache bzw. dem Dialekt ihrer Umgebung zu vermitteln. Bibelübersetzung in die deutsche Sprache diente somit von Anfang an dem Bemühen, die Botschaft des Evangeliums zugänglich zu machen.

1.1. Vorstufen: Wörterbücher und Interlinearglossen

Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 7.4.2009

Abb. 1 Codex Abrogans (2. Hälfte des 8. Jahrhunderts, Stiftsbibliothek St. Gallen, Codex Sang. 911).

Noch vor den ersten altdeutschen Übersetzungen entstanden aus der skizzierten Problemlage in der 2. Hälfte des 8. Jh.s zunächst lateinisch-althochdeutsche Schul- und Wörterbücher sowie spezielle Bibelglossare. Diese Werke, die frühesten Schriftwerke der deutschen Sprache überhaupt, versahen zentrale lateinische Begriffe aus Religion, Kirche und Bibel mit einer althochdeutschen Übersetzung (z.B. der so genannte Codex Abrogans, der Vocabularius St. Galli oder die Reichenauer Bibelglossare). Parallel dazu wurden in Klosterschulen Bibeltexte mit interlinearen Glossen versehen, indem über jedes Wort des lateinischen Textes eine deutsche Übersetzung geschrieben wurde, ohne dass sich dadurch freilich schon ein fortlaufend lesbarer deutscher Text ergab.

1.2. Übersetzung einzelner biblisch-liturgischer Gebrauchstexte

Ob und inwieweit die deutsche Sprache für die Nutzung im religiösen Bereich überhaupt geeignet sei, war im 8. Jh. noch umstritten. Erst auf der Frankfurter Synode im Jahr 794 wurde festgehalten, dass man Gott nicht nur in den geheiligten Sprachen Hebräisch, Griechisch und Latein angemessen anbeten könne, sondern auch auf Deutsch. Gefördert durch die Bildungs- und Einigungsbestrebungen Karls des Großen gewann die deutsche Sprache (lingua theodisca, „Volkssprache“) in den folgenden Jahrzehnten weiter an Bedeutung. Besonderen Wert legte der Kaiser auf die Kenntnis der wichtigsten christlichen Texte in deutscher Sprache. Am Anfang der Verdeutschung biblischer Texte steht denn auch die Übersetzung liturgischer Gebrauchstexte wie Vaterunser und einzelner Psalmen. Dies zeigt, dass das Hauptinteresse zunächst nicht der Bibelübersetzung an sich, sondern vielmehr einer besseren Zugänglichkeit zentraler Glaubenstexte galt.

1.3. Übersetzung einzelner biblischer Schriften

Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 7.4.2009

Abb. 2 Mondsee-Wiener Fragmente (handgeschriebene Replik des rekonstruierten Originaltextes von Matthäus 13,15-24).

Das Matthäus-Evangelium der Mondsee-Wiener Fragmente: Als erste ganze biblische Schrift wird, vermutlich noch im 8. Jh., das Matthäus-Evangelium ins Deutsche übertragen. Die einzige in Teilen erhaltene Handschrift dieser Übersetzung aus dem ehemaligen Benediktinerstift Mondsee in Oberösterreich liegt heute als Teil der so genannten Mondsee-Wiener-Fragmente in der Hofbibliothek Wien. Auf der linken Seite steht jeweils der Vulgata-Text und auf der rechten Seite die (ober)deutsche, fränkisch-bayrische Übersetzung.

Dieses erste Werk einer Bibelübersetzungsarbeit im heutigen Sinne zeigt – trotz aller Anlehnung an die lateinische Vorlage v.a. beim Satzbau – bereits eine eigenständige Leistung des Übersetzers. Im Unterschied zu den früheren Interlinearversionen wurde hier nicht mehr mechanisch Wort für Wort übersetzt, sondern unter Berücksichtigung der Eigenarten der Zielsprache.

Der Psalter Notker Labeos: Für den Psalter erbrachte Notker Labeo, Vorstand der Klosterschule von St. Gallen, um das Jahr 1000 eine ähnliche Leistung. Seine Übersetzung entstand als Teil eines theologischen Kommentarwerkes zu den Psalmen und als Hilfe für den Klosterunterricht. Sie ist heute nur noch in einer Handschrift in St. Gallen vollständig erhalten. Zwar deutet das Ineinander von deutscher und lateinischer Formulierung darauf hin, dass die Übersetzung vor allem als Verständnishilfe gedacht war und den Grundtext nicht völlig ersetzten sollte. Dennoch ist die sprachliche Form, v.a. im Hinblick auf die Freiheit der Wortstellung, eigenständig und von erheblicher Ausdruckskraft, sodass sie bis ins 14. Jh. immer wieder als Vorlage für neuere Übersetzungen diente.

Das Hohelied von Williram von Ebersberg: Ebenfalls im Rahmen eines Auslegungswerkes und vermutlich angeregt durch das Modell Notkers erstellte Williram von Ebersberg, Abt zu Ebersberg in Oberbayern, um die Mitte des 11. Jh.s eine Übersetzung des Hoheliedes. Den Text der Vulgata flankiert er einerseits durch eine lateinische Umdichtung in Hexametern und andererseits durch eine von lateinischen Erklärungen durchzogene deutsche Übersetzung. Willirams Übersetzung hat eine eigenständige sprachliche Prägung mit zum Teil neu geformtem Wortmaterial, wenngleich noch mit deutlicher Bindung ans Lateinische.

Mittelhochdeutsche Übersetzungen: In mittelhochdeutscher Zeit wird die Übersetzung einzelner biblischer Schriften, besonders der Psalmen, des Hoheliedes und einzelner Evangelien fortgesetzt. Von den erhaltenen frühen Handschriften sind v.a. die Psalmen aus dem Kloster Windberg, aus Klagenfurt und die so genannten Schleizer Bruchstücke aus dem 12. Jh. zu nennen, sowie das St. Trudperter Hohelied, das an Willirams Arbeit anknüpft. Meist stand bei der Übersetzung auch hier das liturgische Nutzungsinteresse im Vordergrund. So diente z.B. die Übersetzung der Evangelien, die in der ersten Hälfte des 14. Jh.s in Kreisen der Dominikaner in Köln entstand, v.a. der gottesdienstlichen Lesung der Evangelientexte. Neu in die Übersetzungsarbeit einbezogen werden nun aber auch die prophetischen Bücher des Alten und die Briefe des Neuen Testaments. Aus den erhaltenen Werken lassen sich allein für das 14. Jh. über 30 verschiedene Übersetzer ermitteln. Von einzelnen Stücken oder biblischen Büchern sind weit über fünfzig Übersetzungen bekannt, die meisten sind freilich nur noch in Bruchstücken erhalten.

1.4. Komplette Übersetzungen von AT und NT

Das älteste vollständige Neue Testament in deutscher Sprache liegt mit der Augsburger Pergamenthandschrift aus dem Jahr 1350 vor, gefolgt vom so genannten Codex Teplensis (Stift Tepl bei Eger in Böhmen).

Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Bibelarchivs Vegelahn

Abb. 3 Prachtvoll illustrierte Seite der Wenzelsbibel (14. Jh.).

Als älteste vollständige Handschrift des Alten Testaments (ohne die Kleinen Propheten) ist die reich illustrierte Wenzelbibel vom Ende des 14. Jh.s erhalten, die nach dem Sohn von Karl IV. benannt ist und sich heute im Besitz der Wiener Nationalbibliothek befindet. Sie profitiert von der Entwicklung einer einheitlichen Kanzleisprache am Hofe Karls IV. in Prag, die sich dann auch für die Übersetzung religiöser Literatur nutzen ließ. Die Vorrede betont das Ziel einer volkssprachlichen Bibelübersetzung, die nicht nur Klerikern, sondern auch Laien einen direkten Zugang zum Bibeltext ermöglichen will. Dabei wird der grundtextgetreuen Übersetzung ausdrücklich der Vorrang vor einer Übertragung (z.B. in Reim- oder Spruchform) eingeräumt, wie sie andernorts im Umlauf war.

1.5. Gedruckte Vollbibeln in deutscher Sprache

Mit der Erfindung des Buchdrucks gewinnen die Bibelübersetzungen ein neues Verbreitungsmedium, wobei den Drucken in der Regel Übersetzungsarbeiten aus dem 14. Jh. zugrunde liegen. Als erster druckt 1466 der Straßburger Johann Mentelin eine vollständig ins Deutsche übersetzte Bibel. Sie beruht auf handgeschriebenen, allerdings schon damals sprachlich veralteten Vorlagen. Ihr Verfasser hatte die Vulgata wörtlich, ohne Berücksichtigung der grammatikalischen Besonderheiten der deutschen Sprache übersetzt. Das tat dem Erfolg der mentelinschen Bibel allerdings keinen Abbruch: Sie erlebte vierzehn Auflagen und diente zugleich als Vorlage für die meisten anderen Drucke der Zeit.

Insgesamt sind aus dieser Zeit vierzehn vollständige hochdeutsche und vier niederdeutsche Druckbibeln bekannt. Eine wirkliche Neubearbeitung gegenüber der mentelinschen Bibel stellt allerdings nur der um 1475 von Zainer in Augsburg vorgelegte Druck dar. Die übrigen Drucke benutzen Mentelin oder Zainer als Vorlage und beschränken sich auf die Korrektur von Druckfehlern, für die aber nicht selten neue hinzukommen.

2. Die Bibelübersetzungen der Reformationszeit

2.1. Die Übersetzung Martin Luthers

Abb. 4 Martin Luther (Portrait von Lucas Cranach d.Ä., 1529).

Abb. 4 Martin Luther (Portrait von Lucas Cranach d.Ä., 1529).

Mit dem Humanismus des 16. Jh.s fand eine Rückbesinnung auf die hebräischen und griechischen Texte der Bibel statt. Buchausgaben der grundsprachigen Bibeltexte von Erasmus von Rotterdam und Johannes Reuchlin machten diese auch für die Reformatoren verfügbar. So konnte → Martin Luther im Jahre 1522 eine deutsche Übersetzung des Neuen Testaments und 1534 dann eine Gesamtausgabe der Bibel vorlegen, die er unter Verwendung von grundsprachigen Textausgaben und der Vulgata erarbeitet hatte. Diese Ausgaben wurden für die Geschichte der Reformation von entscheidender Bedeutung.

Abb. 5 Matthäus 1 aus dem „Septembertestament“ von Martin Luther (1522).

Abb. 5 Matthäus 1 aus dem „Septembertestament“ von Martin Luther (1522).

Die Übersetzungstätigkeit Luthers hatte damit begonnen, dass er in seinen deutschen Schriften die Bibelzitate ebenfalls auf Deutsch lieferte. Mit der Übersetzung größerer Stücke begann er 1517 anhand der sieben Bußpsalmen. Den Entschluss, die ganze Bibel zu übersetzen, fasste er während seines erzwungenen Aufenthaltes auf der Wartburg, wo er für die Verdeutschung des Neuen Testaments im berühmten „Septembertestament“ ganze elf Wochen benötigte. Die Übersetzung des Alten Testaments erschien in Teilen, beginnend mit dem Pentateuch 1523 bis zu den Propheten 1534.

Obwohl Luther nicht alleine gearbeitet, sondern mehrere Mitarbeiter einbezogen hat (v.a. Philipp Melanchthon, Matthäus Aurogallus, Caspar Cruziger und Justus Jonas), trägt die Übersetzung in allen Teilen deutlich seine Handschrift. Dies äußert sich vor allem in ihrer Sprachgewalt und ihrer theologischen Prägung. Über die Prinzipien seiner Übersetzungsarbeit hat Luther selbst Auskunft gegeben, am deutlichsten in seinem Sendbrief vom Dolmetschen aus dem Jahre 1530. Kennzeichnend für seine Verdeutschung sind – neben der Zugrundelegung der hebräischen und griechischen Texte:

● der Grundsatz „Textsinn geht vor Wörtlichkeit“, was sich in einer im Vergleich zu seinen Vorläufern oftmals freieren Übersetzung niederschlägt;

● die Orientierung an der mündlichen Volkssprache, die zu besonders kräftigen und bildhaften Formulierungen führt;

● der direkte Niederschlag theologischer Grundentscheidungen in der Übersetzungsarbeit, z.B. die Hinzufügung verdeutlichender Zusätze, das christologische Verständnis des Alten Testaments (insbesondere der Psalmen) und die veränderte Anordnung der biblischen Schriften (Hintanstellung der → „Apokryphen“ und von Hebräer- und Jakobusbrief);

● das Interesse an der Sprechbarkeit und Eingängigkeit der Texte und damit die starke Gewichtung von Sprachrhythmus und poetischem Klang.

Abb. 6 Titelblatt der Bibelausgabe letzter Hand von Martin Luther (1545).

Abb. 6 Titelblatt der Bibelausgabe letzter Hand von Martin Luther (1545).

Luthers Bibelübersetzung fand in Deutschland rasche Verbreitung, was nicht nur durch den aufgekommenen Buchdruck mit beweglichen Lettern, sondern auch durch seine Verwendung der Wettiner Kanzleisprache ermöglicht wurde, die die Dialektgebundenheit im engeren Sinne bereits hinter sich gelassen hatte. So konnte seine Übersetzung im gesamten hochdeutschen Sprachgebiet (vom äußersten Süden abgesehen) gelesen und verstanden werden. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahre 1533 jeder 70. Deutsche bzw. jeder 10. deutsche Haushalt ein Lutherisches Neues Testament besaß. Hinzu kamen Übertragungen ins Niederdeutsche und ins Niederländische. Dieser einmalige Erfolg machte die Lutherbibel zum verbreitetsten Träger des reformatorischen Gedankengutes.

1545, ein Jahr vor Luthers Tod, erschien der letzte Druck zu Lebzeiten des Reformators, der bis heute als „Ausgabe letzter Hand“ gilt. (In die Ausgabe von 1546 wurden bereits Änderungen aufgenommen, die vermutlich nicht mehr von Luther verantwortet wurden.)

2.2. Katholische Übersetzungen

Abb. 7 Titelblatt der ersten katholischen deutschen Bibel von Johann Dietenberger (1534).

Abb. 7 Titelblatt der ersten katholischen deutschen Bibel von Johann Dietenberger (1534).

Nur kurze Zeit nach dem Erscheinen von Luthers Neuem Testament kam es auch zu neuen Übersetzungen von katholischer Seite. Diese sollten der angeblichen Verfälschung der Bibel durch Luther wehren, standen aber trotzdem durchweg in großer Nähe zu dessen Textfassung. 1527 gab Hieronymus Emser im Auftrag des Herzogs von Sachsen eine Übersetzung des Neuen Testaments heraus. Diese folgt, trotz Rückgriffen auf die Vulgata, auf weite Strecken Luthers Ausgabe, aus der Emser auch die Holzschnitte übernimmt. Ähnlich verfährt Johann Dietenberger 1534 für seine Biblia, indem er für das Alte Testament Luther zugrunde legt und für das Neue Testament Emsers Übersetzung. Ebenso schließt Johannes Eck in seiner Übersetzung des Alten und Neuen Testaments 1537 eng an Luther an. Die erhebliche Verbreitung dieser Ausgaben verdankt sich sicherlich nicht zuletzt ihrer Nähe zu Luthers Text, der durch seinen Erfolg zum Maßstab geworden war.

2.3. Die Zürcher Bibel

Abb. 8 Huldrych Zwingli (Portrait von Hans Asper, 1549).

Abb. 8 Huldrych Zwingli (Portrait von Hans Asper, 1549).

In der Schweiz wurde Luthers Übersetzung des Neuen Testaments umgehend übernommen und in Basel zusammen mit einem Glossar gedruckt, das im Oberdeutschen nicht geläufige Wörter erläuterte. In Zürich begann ein Kreis um Huldrych Zwingli mit einer alemannischen Bearbeitung und veröffentlichte 1524 ein Neues Testament. Die Bearbeitung wurde mit den sukzessive erscheinenden Teilen von Luthers Übersetzung des Alten Testaments fortgesetzt. Als die Fertigstellung des Alten Testaments in Wittenberg auf sich warten ließ, wurden jedoch Propheten, Psalmen, Sprüche, das Hohelied und die Apokryphen in Zürich selbst übersetzt.

Abb. 9 Titelblatt der Zürcher Bibel von 1531.

Abb. 9 Titelblatt der Zürcher Bibel von 1531.

Die Hauptarbeit leistete dabei neben Zwingli sein Freund Leo Jud. Wichtig war bei der Übersetzungsarbeit die von Zwingli begründete „Prophezei“. In ihr kamen Prädikanten und Theologiestudenten an jedem Werktag zusammen, um einen Textabschnitt zu erarbeiten. Somit ist die Zürcher Bibel von Anfang an das Werk einer Gruppe von Übersetzern. Im Jahr 1531, noch deutlich vor der Lutherbibel von 1534, erschien dann in Zürich die vollständige Bibel. Bis 1540 wurde das Alte Testament nochmals überarbeitet, bis 1574 das Neue Testament revidiert.

3. Von der Reformationszeit bis in die Gegenwart

3.1. Die Revisionen der Lutherbibel

Abb. 10 Aktuelle Ausgabe der Lutherbibel (Revision 1984).

Abb. 10 Aktuelle Ausgabe der Lutherbibel (Revision 1984).

In ihrer Fassung von 1545 war die Lutherbibel in Deutschland bis ins 19. Jh. in Gebrauch. Mehr und mehr setzte sich allerdings bei den Kirchenleitungen die Erkenntnis durch, dass durch den zeitlichen Abstand das Verständnis von Luthers Text gefährdet war und die Lutherbibel ihren Charakter als „Volksbibel“ zu verlieren drohte. Deshalb beschloss die Eisenacher Kirchenkonferenz (ein damaliger Zusammenschluss evangelischer Kirchen in Deutschland) 1863 auf Anregung der Bibelgesellschaften, eine Revision der Lutherübersetzung durchzuführen. Ziele dieser Revision waren:

● die Anpassung des Luthertextes an den aktuellen Sprachgebrauch (Ersetzung veralteter und nicht mehr verständlicher Wörter, Anpassung des Satzbaus, Einführung der modernen Orthographie);

● Korrektur einiger von Luther fehlerhaft übersetzter Stellen und von Druckfehlern in der Ausgabe von 1545;

● Festschreibung des Luthertextes in der neuen Form als einheitlicher Text des deutschen Protestantismus (um die Mitte des 19. Jh.s kursierten ca. 11 verschiedene bearbeitete Fassungen der Luther-Ausgabe letzter Hand von 1545).

In drei Hauptstufen arbeiteten mehrere Revisionskommissionen über 100 Jahre an diesen Aufgaben, bevor 1984 schließlich die revidierte Fassung der Lutherbibel vom Bund der evangelischen Kirchen in Deutschland, der heutigen EKD, verabschiedet werden konnte. Wichtige Zwischenergebnisse waren die Revisionsfassungen von 1892 und 1912, die aber auf Dauer keinen Bestand hatten, weil sie in vielen Punkten noch zu sehr am alten Luthertext hingen. Erst nach dem 2. Weltkrieg kam es zu einer stärkeren Orientierung an der Gegenwartssprache, die dazu führte, dass die Revisionsfassung des Neuen Testaments 1975 sogar als zu modern abgelehnt wurde. Der seit 1984 gültige Revisionstext hält die Balance zwischen der Wahrung der typischen Luther-Diktion und dem Anspruch auf Verständlichkeit. Er ist in dieser Form der in der Evangelischen Kirche in Deutschland in Gottesdienst, Unterricht und Seelsorge maßgebliche Text. 1999 wurde er an die neue Rechtschreibung angepasst.

3.2. Katholische Übersetzungen

Eine überarbeitete und nach der Sixto-Clementina – der von den Päpsten Sixtus V. und Clemens VIII. autorisierten offiziellen Vulgata (1592) – revidierte Fassung der Übersetzung von Johann Dietenberger war als Mainzer Bibel bis weit ins 18. Jh. die maßgebliche katholische Bibel in deutscher Sprache. 1807 erschien dann die erste katholische Übersetzung des Neuen Testaments aus dem Griechischen von Karl und Leander van Ess. Sie wurde von der katholischen Kirche auf den Index gesetzt, von Leander van Ess jedoch weiter verbreitet und 1822/1836 durch eine Übersetzung des Alten Testaments aus dem Hebräischen zur Vollbibel ergänzt. Die maßgebliche katholische Bibelausgabe im deutschsprachigen Raum war jedoch bis ins 20. Jh. die 1830–1832 erschienene Übersetzung von Josef Franz von Allioli. Dabei handelte es sich um die Revision einer Übersetzung von Heinrich Braun, die sich an der Vulgata orientierte.

Abb. 11 Aktuelle Ausgabe der Einheitsübersetzung (1979/80).

Abb. 11 Aktuelle Ausgabe der Einheitsübersetzung (1979/80).

Das Zweite Vatikanische Konzil erlaubte den Gebrauch der Muttersprache in der katholischen Liturgie und empfahl, neue Bibelübersetzungen aus den Ursprachen zu schaffen, wenn möglich gemeinsam mit nichtkatholischen Christinnen und Christen. Deswegen wurde für die deutsche Sprache die Einheitsübersetzung (1972/1974, Revision 1979/80) erarbeitet. Sie fußt auf den hebräischen bzw. aramäischen und griechischen Grundtexten und berücksichtigt die Vulgata-Übersetzung nicht in besonderer Weise. Philologische Genauigkeit und gehobenes modernes Deutsch zeichnen sie aus. Mit dem Kommentar der Bible de Jérusalem erschien die Einheitsübersetzung 1985 als Neue Jerusalemer Bibel.

Die Einheitsübersetzung ist der offizielle „einheitliche“ Bibeltext für alle römisch-katholischen Diözesen im deutschsprachigen Raum. Neues Testament und Psalmen sind in ökumenischer Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche in Deutschland entstanden. An einer Revision der Einheitsübersetzung wird derzeit gearbeitet.

3.3. Die Revisionen der Zürcher Bibel

Abb. 12 Aktuelle Ausgabe der Zürcher Bibel (Revision 2007).

Abb. 12 Aktuelle Ausgabe der Zürcher Bibel (Revision 2007).

Getreu der Devise Zwinglis, dass sich Übersetzungsergebnisse in ständiger Überprüfung bewähren müssen, wurde seine Übersetzung immer wieder auf der Grundlage der Urtexte überarbeitet. Sie wurde dabei wesentlich öfter und radikaler revidiert als die Lutherbibel. Zum einen handelte es sich um Überarbeitungen nach neueren exegetischen Erkenntnissen, zum anderen um sprachliche Anpassungen. Mit der Revision von 1667 wurde der alemannische Dialekt durch die hochdeutsche Schriftsprache ersetzt. Die Revision der Jahre 1907–1931 legte besonderen Wert auf die Richtigkeit der Übersetzung im Hinblick auf den wissenschaftlich ermittelten Grundtext und die genaue Wiedergabe seines Sinnes. Im Bemühen darum, die Textfassung von 1892 überall dort zu verbessern, wo sie ungenau, unklar oder unschön war, gewann die Revision dieser Jahre fast den Charakter einer Neuübersetzung.

Die aktuelle Zürcher Bibel erschien nach einem zwanzigjährigen Revisionsprozess in Jahr 2007. Sie nimmt neuere textkritische und exegetische Erkenntnisse auf und bemüht sich weiterhin um größtmögliche Nähe zu den Grundtexten. Die sprachliche Überarbeitung orientiert sich an einem modernen Stilempfinden, lässt aber die Eigenheit und kulturelle Fremdheit der biblischen Texte bewusst durchscheinen.

Seit 1860 wird die Zürcher Bibel durch die reformierte Kirche in Zürich herausgegeben. Sie ist zwar in keiner reformierten Kirche offizielle Übersetzung, findet ihre hauptsächliche Verbreitung dennoch vorwiegend unter reformierten Christen. Wegen ihres wissenschaftlichen Ansatzes wird sie aber auch im akademischen Bereich häufig benutzt.

3.4. Weitere Neuübersetzungen

Seit dem 19. Jh. sehen sich Neuübersetzungen vor allem zwei Grundanforderungen gegenüber: zum einen dem Anspruch auf philologische Genauigkeit, zum anderen dem Anspruch der Verständlichkeit. Die Frage, welcher dieser beiden Aspekte stärker gewichtet wird, entscheidet maßgeblich über den Charakter der Übersetzung. Soll der Grundtext möglichst genau und so wörtlich als möglich wiedergegeben werden, muss die Rücksicht auf moderne Sprachgewohnheiten und unmittelbare Verständlichkeit oft hintanstehen. Ist das Hauptziel der Übersetzung hingegen möglichst gute Verständlichkeit, kann der Grundtext an vielen Stellen nicht wörtlich wiedergegeben werden, sondern muss gemäß den Voraussetzungen der Zielsprache und der jeweiligen Zielgruppe reformuliert werden.

3.4.1. Wort-für-Wort-Übersetzungen

Eine Wort-für-Wort-Übersetzungen wird vor allem in Interlinearversionen verwendet, in denen die deutsche Übersetzung jeweils direkt unter dem entsprechenden hebräischen oder griechischen Wort steht. Entsprechende deutsche Interlinearübersetzungen liegen für das Alte und Neue Testament vor (AT 5 Bände, 1993-2003; NT 1986, 7. Aufl. 2003). Unter den selbstständigen Übersetzungen bietet das Münchener Neue Testament (Düsseldorf 1988) die wörtlichste Wiedergabe des griechischen Bibeltextes. Undeutsche Wortstellungen werden dabei ebenso in Kauf genommen wie stilistische Mängel.

3.4.2. Philologische Übersetzungen

Eine philologische Übersetzung unterscheidet sich von einer Wort-für-Wort-Übersetzung v.a. dadurch, dass die Wortfolge dem Gebrauch der Zielsprache angepasst wird und dass grammatische Konstruktionen, die die Zielsprache nicht kennt, durch Umschreibungen wiedergegeben werden. Für Wörter der Ausgangssprache können je nach Zusammenhang unterschiedliche Wörter der Zielsprache verwendet werden.

Ein Sonderfall unter den philologischen Übersetzungen ist die begriffskonkordante Übersetzung. Sie versucht Schlüsselbegriffe im Grundtext immer mit gleichen Begriffen in der Übersetzung wiederzugeben. Am konsequentesten verfährt in dieser Hinsicht die Konkordante Übersetzung (NT 1939, 6. Auflage 1996, Teile des AT 1988-1995). Ebenfalls durchgehend begriffskonkordant ist die Übersetzung des Neuen Testaments von Friedolin Stier gestaltet (Das Neue Testament, übersetzt von Friedolin Stier,1989).

Abb. 13 Aktuelle Ausgabe der Elberfelder Bibel (2006).

Abb. 13 Aktuelle Ausgabe der Elberfelder Bibel (2006).

Eine eingeschränkt begriffskonkordante Übersetzung ist die Mitte des 19. Jh.s entstandene Elberfelder Bibel, deren Name sich vom Verlagsort Wuppertal-Elberfeld ableitet (NT 1855, Bibel 1871). Für die wortgetreue Wiedergabe des Grundtextes nimmt sie eine gewisse sprachliche Ungeschliffenheit in Kauf. Sie gilt als sehr zuverlässige und für das Bibelstudium besonders geeignete Übersetzung. Die Elberfelder Bibel erschien 1985 in einer revidierten Fassung. Die aktuelle, erneut behutsam revidierte Ausgabe stammt aus dem Jahr 2006.

Weitere philologische, aber nicht begriffskonkordante Übersetzungen, die jeweils aus der Hand eines einzelnen Übersetzers stammen, sind die so genannte Schlachter-Bibel (Die Heilige Schrift nach dem Urtext mit Berücksichtigung der besten Übersetzungen herausgegeben von Franz Eugen Schlachter, 1905) und die Menge-Bibel (Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments, übersetzt von Hermann Menge,1949). Die Bibelübersetzung des Schweizer Predigers Franz Eugen Schlachter zeichnet sich neben der Orientierung am Grundtext v.a. durch eine kraftvolle, z.T. auch altertümliche Sprache aus. Die ursprünglich als „Miniaturbibel“ erschienenen Ausgabe wurde 1913 und 1951 revidiert. Die aktuelle Ausgabe „Schlachter 2000“ ist eine von der Genfer Bibelgesellschaft verantwortete erneute Revision, die als Grundtext für das Neue Testament den Textus Receptus verwendet. Hermann Menge lag als Altphilologe an einer wissenschaftlich genauen Übersetzung, die in Anmerkungen auch zahlreiche Übersetzungsvarianten berücksichtigt. Seine Übersetzung ist bis heute in der Ausgabe von 1949 erhältlich.

Die Übersetzungen von Ludwig Albrecht (Das Neue Testament und die Psalmen, übersetzt und erläutert von Ludwig Albrecht, NT 1920, Psalmen 1927, aktuelle Ausgabe 1999) und das Mühlheimer NT (Das Neue Testament in der Sprache der Gegenwart, übersetzt von Jonathan Paul, 1914, aktuelle Ausgabe 1988) sind philologische Übersetzungen, die mit gelegentlichen verdeutlichenden Zusätzen für leichtere Verständlichkeit sorgen wollen. Die Übersetzung von Hans Bruns (Die Bibel neu übersetzt und erklärt von Hans Bruns, Vollbibel 1962, NT 1959, aktuelle Ausgabe 1993) ist wohl die am leichtesten verständliche unter den traditionell philologischen Übersetzungen. Sie hat ebenso wie das Mühlheimer NT eine betont missionarische Zielsetzung.

Einzelne Bücher der Bibel in philologischer Übersetzung liegen – in jeweils persönlicher Prägung – vom katholischen Theologen und Psychoanalytiker Eugen Drewermann (Matthäus-, Markus und Johannesevangelium) und vom Schriftsteller und Philologen Walter Jens (Evangelien, Römerbrief, Offenbarung) vor. Während Drewermann v.a. den sprachlichen Charakter des griechischen Originals nachzubilden versucht, verwendet Jens eine bewusst nichtkirchliche Sprache mit stark rhetorischer Prägung.

Abb. 14 Bibel in gerechter Sprache (2006).

Abb. 14 Bibel in gerechter Sprache (2006).

Ebenfalls stark vom Stil der einzelnen Übersetzerinnen und Übersetzer sowie ihrem besonderen Anliegen ist die Bibel in gerechter Sprache geprägt (Bibel in gerechter Sprache, 2006). Sie will v.a. Juden und Frauen in der Übersetzung Gerechtigkeit widerfahren lassen. Obwohl als philologische Übersetzung angelegt, nimmt sie sich gegenüber dem Grundtext deshalb immer wieder Freiheiten, wo es um diese Anliegen geht. Der Gottesname wird durch zahlreiche abwechselnd gebrauchte Ersatzwörter (Adonaj, GOTT,SieEr, der/die Heilige, der/die Eine usw.) vertreten. Außerdem gibt es z.B. gezielte Erweiterungen („Hirtinnen und Hirten“, „Priesterinnen und Priester“) oder sprachliche Neuschöpfungen („die heilige Geistkraft“ statt „der heilige Geist“). Da solche interpretativen Formulierungen nicht kenntlich gemacht und nicht von einer wörtlichen Übersetzung in Fußnoten begleitet werden, bleibt für den/die Leser/in die Ungewissheit, wie genau und zuverlässig die Übersetzung an der jeweils aktuellen Stelle ist.

Abb. 15 BasisBibel, Die vier Evangelien (Buch & DVD, 2008).

Abb. 15 BasisBibel, Die vier Evangelien (Buch & DVD, 2008).

Die neueste und wohl innovativste philologische Übersetzung ist die BasisBibel, von der bislang die vier Evangelien vorliegen; das Neue Testament ist in Vorbereitung. Neben der Nähe zum griechischen Grundtext zeichnet sie sich durch sprachliche Elementarisierung (kein Satz länger als 16 Wörter) und leichte Auffassbarkeit (Gliederung in Sinnzeilen und Sinnabschnitte) aus. Die Übersetzung ist speziell für die Nutzung in den Neuen Medien und das Lesen am Bildschirm konzipiert. Erklärende Zusatzinformationen sind nicht in die Übersetzung integriert, sondern im Internet (www.basisbibel.de) und auf DVD über Hyperlinks zugänglich. In der Druckausgabe ist der Bibeltext mit ausgewählten Zusatzinformationen am Rand versehen.

3.4.3. Kommunikative Übersetzungen

Moderne kommunikative Übersetzungen gewichten den Anspruch der Verständlichkeit höher als den der Wörtlichkeit. Statt formaler Entsprechung zwischen Original und Übersetzung streben sie vor allem die inhaltliche bzw. funktionale Entsprechung an. Der Sinn des Originaltextes soll so deutlich und verständlich wie möglich wiedergegeben werden, auch wenn die sprachliche Form der Wiedergabe mit der Sprachform des Originaltextes dabei nur noch wenig gemein hat. So werden z.B. Informationen, die der Originaltext nur implizit enthält, expliziert, komprimierte und besonders komplexe Aussagen aufgelöst und an die Stelle eines Einzelwortes oder einer Wortverbindung ganze erläuternde Sätze gestellt. Dem allen liegt die Theorie einer „funktional-äquivalenten“ Übersetzung zugrunde, die der amerikanische Linguist Eugene Albert Nida u.a. in seinen Werken Toward a Science of Translating (1964) und The Theory and Practice of Translation (1969) entwickelt hat.

Abb. 16 Aktuelle Ausgabe der Gute Nachricht Bibel (Revision 1997).

Abb. 16 Aktuelle Ausgabe der Gute Nachricht Bibel (Revision 1997).

Die verbreitetste kommunikative Übersetzung in deutscher Sprache ist die erstmals 1982 erschienene Gute Nachricht Bibel (Neues Testament bereits 1968). Sie ist die einzige durchgehend interkonfessionelle deutsche Übersetzung, ein Gemeinschaftswerk von Theologinnen und Theologen aus der evangelischen und aus der katholischen Kirche sowie aus dem Raum der evangelischen Freikirchen. Wo es für das Verständnis nötig ist, formuliert sie Aussagen in freier, sinntreuer Weise neu. Zentrale biblische Begriffe wie „Reich Gottes“ werden je nach Kontext unterschiedlich umschrieben.1997 erschien eine revidierte Ausgabe, die einzelne biblische Begriffe wie „Glauben“ und „Gerechtigkeit“ wieder klarer erkennbar macht und in der auf eine frauengerechte Sprache geachtet wird.

Weitere kommunikative Übersetzungen sind die Bibelausgaben Hoffnung für alle (1996, NT seit 1983) und Neues Leben (2005). Sie übersetzen die Bibel nach amerikanischen Vorbildern aus den Grundtexten in eine flüssige, moderne Gegenwartssprache. Dabei werden Aussagen des Grundtextes teilweise vereinfacht, teilweise auch ausgedeutet. Aufgrund ihrer leichten Lesbarkeit und einfachen Verständlichkeit werden diese Übersetzungen besonders von jungen Menschen und in evangelistischen Kreisen genutzt.

Die philologischste unter den kommunikativen Übersetzungen ist die Neue Genfer Übersetzung. Sie ist aus einem Revisionsversuch an der Schlachter-Bibel hervorgegangen, der dann in eine Neuübersetzung mündete. Das Neue Testament liegt bis auf wenige Briefe vor und wird 2009 vollständig erscheinen. Die NGÜ verwendet eine gut verständliche, einfache Sprache, ohne sich mit freieren Formulierungen vom Grundtext zu entfernen. In der Übersetzung hinzugefügte Wörter macht sie im Bibeltext kenntlich und nennt in Fußnoten alternative oder wörtliche Übersetzungsmöglichkeiten.

Als Einzelperson hat der Pfarrer und Publizist Jörg Zink 1998 eine kommunikative Übersetzung vorgelegt, die das gesamte Neue Testament und ca. ein Drittel des Alten Testaments umfasst (Die Bibel, neu in Sprache gefasst von Jörg Zink, NT bereits 1965). Während die frühere NT-Ausgabe durch viele freie Umschreibungen und in die Übersetzung eingefügte Erläuterungen gekennzeichnet war, kehrt die aktuelle Ausgabe zu größerer Wörtlichkeit zurück. Ebenfalls kommunikativ angelegt ist die Übersetzung des Neuen Testaments von Klaus Berger und Christiane Nord, die die biblischen Schriften in der vermuteten Reihenfolge ihrer Entstehung anordnet und dazwischen außerbiblische Texte einfügt (Das Neue Testament und frühchristliche Schriften. Übersetzt und kommentiert von Klaus Berger und Christiane Nord, 1999).

Abb. 17 NT-Ausgabe der Volxbibel 3.0 (2008).

Abb. 17 NT-Ausgabe der Volxbibel 3.0 (2008).

Sehr weit vom griechischen/hebräischen Grundtext entfernt sich schließlich die Volxbibel (Die Volxbibel. Neues Testament, übersetzt von Martin Dreyer, Version 3.0, 2008. Altes Testament, Bd. 1, 2009). Sie bietet eine sehr freie, dem eigenen Anspruch nach jedoch sinngemäße Paraphrase des biblischen Textes (z.B. statt „ihr seid das Salz der Erde“: „ihr seid wie ein Kühlschrank für diese Welt, denn ohne euch würde alles vergammeln“). Von Umgangssprache und Jugendjargon durchsetzt, versucht die Volxbibel v.a. junge Menschen anzusprechen. Wegen der Freiheiten gegenüber dem Grundtext muss jedoch eher von einer verfremdenden Übertragung als von einer Übersetzung gesprochen werden.

3.4.4. Septuaginta Deutsch

Eine Neuübersetzung eigener Art ist die Septuaginta Deutsch (Septuaginta Deutsch. Das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung, herausgegeben von Wolfgang Kraus und Martin Karrer, 2009). Ihrem Charakter nach zählt sie zwar zu den philologischen Übersetzungen, aber durch die → Septuaginta als Ausgangstext unterscheidet sie sich doch grundlegend von allen anderen deutschen Bibeln, und zwar nicht nur in Einzelheiten des Textes, sondern auch im Umfang und Bestand der übersetzten Schriften. So weit wie möglich werden Eigentümlichkeiten des Septuaginta-Textes auch in der deutschen Übersetzung zur Geltung gebracht und Abweichungen vom hebräischen Text markiert. Die Septuaginta Deutsch ist vor allem als Hilfsmittel beim Studium der Septuaginta gedacht; darüberhinaus soll sie aber auch einer breiteren Öffentlichkeit diejenige Fassung der Bibel zugänglich machen, auf die man sich im Griechisch sprechenden Judentum und im frühen Christentum gleichermaßen bezog und die in der Orthodoxen Kirche bis heute in Gebrauch ist.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Theologische Realenzyklopädie, Berlin / New York 1977-2005

2. Weitere Literatur

  • Fricke, K.D. / Meurer, S., 2001, Die Geschichte der Lutherbibelrevision von 1850 bis 1984 (Arbeiten zur Geschichte und Wirkung der Bibel 1), Stuttgart
  • Gnilka, J. / Rüger, H.P., 1985, Die Übersetzung der Bibel – Aufgabe der Theologie. Stuttgarter Symposion 1985 (Texte und Arbeiten zur Bibel 2), Stuttgart
  • Groß, W. (Hg.), 2001, Bibelübersetzung heute. Geschichtliche Entwicklungen und aktuelle Anforderungen. Stuttgarter Symposion 2000 (Arbeiten zur Geschichte und Wirkung der Bibel 2), Stuttgart
  • Haug, H. / Schäfer, R., 2008, Deutsche Bibelübersetzungen. Das gegenwärtige Angebot: Information und Bewertung (Wissenswertes zur Bibel 6), Stuttgart
  • Himmighöfer, T., 1995, Die Zürcher Bibel bis zum Tode Zwinglis (1531). Darstellung und Bibliographie (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, 154. Abteilung Religionsgeschichte), Mainz
  • Kassühlke, R., 1998, Eine Bibel – viele Übersetzungen. Ein Überblick mit Hilfen zur Beurteilung, Wuppertal
  • Klaiber, W., 2008, (Bibel-)Übersetzen – eine unmögliche Aufgabe?, ThLZ 133,5, 468-492
  • Kuschmierz, M.u.R., 2007, Handbuch Bibelübersetzungen. Von Luther bis zur Volxbibel, Wuppertal
  • Meurer, S. (Hg.), 1978, Eine Bibel – viele Übersetzungen. Not oder Notwendigkeit, (Die Bibel in der Welt 18), Stuttgart
  • Meurer, S. (Hg.), 1996, „Was Christum treibet“. Martin Luther und seine Bibelübersetzung (Bibel im Gespräch 4), Stuttgart
  • Nida, E.A. / Taber, C., 1969, Theory and Practice of Translation, Leiden / Boston; dt.: Theorie und Praxis des Übersetzens unter besonderer Berücksichtigung der Bibelübersetzung. o.O.
  • Nida, E.A., 1964, 2. Aufl. 2003, Toward a Science of Translating with Special Reference to Principles and Procedures Involved in Bible Translating, Leiden / Boston
  • Paret, O., 1966, Die Überlieferung der Bibel, 4., durchgesehene Ausgabe, Stuttgart
  • Schildenberger, J. / Lentner, L. / Vogel, P.H. / Knoch, O., 1965, Die Bibel in Deutschland. Das Wort Gottes und seine Überlieferung im deutschen Sprachraum, Stuttgart
  • Tauberschmidt, G., 2007, Streit um die richtige Bibelübersetzung. Warum können Bibelausgaben so verschieden sein?, Wuppertal
  • Walther, W., 1966, Die deutsche Bibelübersetzung des Mittelalters. o.O. Nachdruck der Ausgabe Braunschweig 1889–1892

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Codex Abrogans (2. Hälfte des 8. Jahrhunderts, Stiftsbibliothek St. Gallen, Codex Sang. 911). Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 7.4.2009
  • Abb. 2 Mondsee-Wiener Fragmente (handgeschriebene Replik des rekonstruierten Originaltextes von Matthäus 13,15-24). Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 7.4.2009
  • Abb. 3 Prachtvoll illustrierte Seite der Wenzelsbibel (14. Jh.). Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Bibelarchivs Vegelahn
  • Abb. 4 Martin Luther (Portrait von Lucas Cranach d.Ä., 1529).
  • Abb. 5 Matthäus 1 aus dem „Septembertestament“ von Martin Luther (1522).
  • Abb. 6 Titelblatt der Bibelausgabe letzter Hand von Martin Luther (1545).
  • Abb. 7 Titelblatt der ersten katholischen deutschen Bibel von Johann Dietenberger (1534).
  • Abb. 8 Huldrych Zwingli (Portrait von Hans Asper, 1549).
  • Abb. 9 Titelblatt der Zürcher Bibel von 1531.
  • Abb. 10 Aktuelle Ausgabe der Lutherbibel (Revision 1984).
  • Abb. 11 Aktuelle Ausgabe der Einheitsübersetzung (1979/80).
  • Abb. 12 Aktuelle Ausgabe der Zürcher Bibel (Revision 2007).
  • Abb. 13 Aktuelle Ausgabe der Elberfelder Bibel (2006).
  • Abb. 14 Bibel in gerechter Sprache (2006).
  • Abb. 15 BasisBibel, Die vier Evangelien (Buch & DVD, 2008).
  • Abb. 16 Aktuelle Ausgabe der Gute Nachricht Bibel (Revision 1997).
  • Abb. 17 NT-Ausgabe der Volxbibel 3.0 (2008).
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