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Lexikon

Bibelfilme (NT)

Manfred Tiemann

(erstellt: Juni 2012)

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1. Einleitung

Wie die Bilder sind auch die Filme ihrer Entstehungszeit vielfältig verpflichtet; zugleich aber bringt der zeitliche Vorsprung der Kunstgeschichte gegenüber der Filmgeschichte es mit sich, dass Filmemacher sich an Kunstwerke wie an Vorlagen anlehnen konnten.

Sie nahmen die vorhandenen Jesus-Motive wie den Guten Hirten, den jugendlichen Menschenfreund, den Leidenskönig oder den siegreichen Kämpfer auf und setzen ihn in Szene. So macht etwa Cecile B. DeMille für seine Kreuzweg-Inszenierung im Film „King of Kings“ von 1927 eine Anleihe bei den Holzschnitten des romantischen Künstlers Gustave Doré aus dem Jahr 1866.

Neben den zeitgenössisch besonders beliebten Bibelbildern Dorés oder auch von Julius Schnorr von Carolsfeld und J. James Tissot dienten den frühen Filmemachern die Gemälde alter Meister (z.B. Da Vincis „Abendmahl“ oder die „Kreuzigung“ von Velasquez) oder aber die frommen Gebrauchsbilder wie Andachts- und Fleiß- und Sterbebildchen als Vorbilder ihrer Gestaltung.

Jedoch nicht die Bilder allein lehrten den Film-Jesus das Laufen; Unterstützung kam noch von einer anderen, längst etablierten Gattung, nämlich dem Jesus-Roman.

Dessen Geschichte ähnelt wiederum der Geschichte der Bilder: Bis zum 18. Jahrhundert lehnten sich die literarischen Bearbeitungen der Figur → Jesus eng an die → Evangelien an. Dabei standen die Weihnachts-, Passions- und Osterspiele im Vordergrund. Im Zusammenhang mit bibelkritischen Forschungen (z.B. → D.F. Strauss, Das Leben Jesu, 1835/6) entstanden ab Mitte des 19. Jahrhunderts freiere und säkularisierte Annäherungen an den Mann aus Nazareth.

Bei Jesus-Filmen lässt sich unterscheiden:

  • Passionsspieldokumentation. Echte oder nachgestellte Passionsaufführungen von Oberammergau werden abgefilmt. So wurde beispielsweise „Der Galiläer“ (Deutschland 1921) unter der Regie des Exilrussen Dimitri Buchowetzki auf einer riesigen Freilichtbühne in Anlehnung an Oberammergau gedreht. Dabei kürzte man allerdings die etwa fünfeinhalbstündige Bühnenversion auf etwa sechzig Minuten.
  • Narrative Bilderzyklen. In Anlehnung an die narrativen Zyklen der sakralen Kunst entsteht die „Matthäuspassion“ (Österreich 1949), ein umstrittener Versuch, das Bach-Oratorium visuell zu begleiten.
  • Jesus-Episoden-Film. Zum Beispiel in „Intolerance“ (USA 1916) erscheint Jesus nur am Rand, als „Aufhänger“ des Geschehens. Der Film besteht aus vier Episoden, die nicht nacheinander, sondern parallel erzählt werden, und von denen jeweils eine in der Moderne, zur Zeit Jesu, im Mittelalter und zur Zeit des Perserkönigs Kyrus spielt
  • Jesus-Biografie. Unter den Jesus-Biografien gibt es zwei Gruppen, Filme, die sich an ein/die Evangelium/en halten und solche, die → apokryphe Texte und Legenden ausgestalten. Zu letztgenannter Gruppe gehört der sechsteilige Fernsehfilm „Ein Kind mit Namen Jesus“ (Italien/Deutschland 1988), der sich auf die Kindheitserzählungen konzentriert und die Kindheit Jesu als Geschichte ständiger Flucht und Angst, aber auch Geborgenheitserfahrungen darstellt.
  • Jesus-Missionsfilm. Manche Jesus-Filme sind von vornherein für → missionarische Zwecke produziert worden oder wurden nachträglich dafür eingesetzt. So wurde die Filmfassung „Hope has got a name“ (Zusammenschnitt aus „Das Genesis-Projekt: Jesus) von „Campus für Christus“ (Deutschland 2000) auf der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover kostenlos verteilt.
  • Jesus-Dokumentationsfilm. Ergebnisse historischer, archäologischer und theologischer Forschungen werden zu einem „wahren“ Jesus-Portrait zusammengestellt. Für die vierteilige BBC-Reihe „Jesus: Prophet, Messias, Rebell?“
  • (deutscher Fernsehtitel: Wer war dieser Mann?) diskutierte Autor Mark Tully vor Ort, z.B. in Ägypten, Israel, Indien und Rom, mit Wissenschaftlern über die Wahrscheinlichkeit alter und neuer Theorien über Jesus. Er geht der Frage nach, was an der Person → Jesu so faszinierend gewesen sein mag, dass sich kurze Zeit nach seinem Tod in seinem Namen eine neue → Glaubensrichtung entfaltete.
  • Jesus-Roman-Adaptionen (Literaturverfilmungen). Bisweilen handelt es sich um anspruchslose „Nacherzählungen mit Bildern“ wie im Fall des nach einem Roman von Marjorie Holmes gedrehten Streifen „Eines Tages in Galiläa“ (USA 1978), bisweilen aber auch um ambitionierte Projekte wie Andrej Wajdas Bearbeitung des Romans von Michail Bulgakow „Der Meister und Margarita“. Wajdas Version „Pilatus und andere“ verlegt die → Passionsgeschichte in unsere Tage; der Pole verbindet Motive der Passionsgeschichte und Dialoge aus dem Bulgakow-Roman.
  • Jesus-Transfigurationen. Jesus ist in solchen Filmen nur indirekt dabei, gewissermaßen inkognito als eine anders namige, individuelle Erlöserfigur.
  • Jesus-Parodie. Neben den ebenfalls im vorigen Abschnitt vorgestellten Jesus-Parodien (z.B. „Das Leben des Brian“) gehen Jesus-Provokationen noch einen Schritt weiter: „Die letzte Versuchung“ (USA 1988xx) beschäftigt sich ausführlich und rein fabulös mit Jesu Liebesleben.
  • Jesus-Animation. Der Kurzfilm mit Animation „Damals in Bethlehem“ (USA 1998), der Trickfilm „Die Geburt Jesu“ (Russland 1998), die Trickserie „Jesus-Geschichten“ (Italien 1996), die Animationsserie „Verbotene Geschichten“ (Irland 1996) sowie der Trickfilm „Die Spur der Könige“ (Frankreich/Belgien/Luxemburg 1990) wenden sich an Kinder und Jugendliche. In der Qualität sind die einzelne Produktionen sehr unterschiedlich; das bunte Medium verführt zum Schwelgen in Action und Kitsch; andererseits ist es bei den Adressaten beliebtes Darstellungsmittel, das geeignet ist, auch einen fremden und ernsthaften Gehalt attraktiv zu machen.

2. Die Anfänge: Der Stummfilm

Mit der Erfindung des Films durch die Gebrüder Louis und Auguste Lumière im Jahr 1895 bekommen Heilige Schrift und bildliche Darstellungen in Bibel und Kirchen neue Interpretationsmöglichkeiten.

Es stellt sich die Frage, wie das Geschehen im AT und wie das Bild Jesu im Kino aussehen sollen.

Künstler und Kirchenvertreter streiten, wie biblisches Geschehen im Alten Testament und in den Evangelien auf die Leinwand zu bringen seien.

Während für die einen Unterhaltung und volle Kinokassen im Vordergrund stehen, geht es anderen vor allem um die theologisch-christliche Relevanz eines Films.

Die ersten Bibelfilme vernachlässigen Themen des AT: Im Jahr 1897 wird gleich mehr als sechsmal die Passion Jesu verfilmt, zuerst von den Brüdern Basile, in gleichen Jahr von Louis Lumière mit Bildern aus 13 Szenen der Passion "Leben und die Passion Christi".

Die ersten Stummfilme reihen einzelne Szenen aneinander, werden im Studio mit Laiendarstellern gefilmt und sind meist nur 10 bis 15 Minuten lang. Ab 1915 wird an historischen Orten gefilmt, z.B. in Ägypten. Filme erhalten Zwischentitel, oft einzelne Bibelzitate. Biblische Texte werden als Drehbuchvorlage verwendet.

Damit soll Echtheit erreicht werden. Das Publikum soll erkennen: So war es…

Am häufigsten wurde Jesus Christus zum Filmheld gemacht:

Der Mann aus Nazareth war bis 2012 über 140mal Titelheld der Filmgeschichte. Sein Leben und seine Passion stehen dabei im Vordergrund.

Die ersten Jesus-Verfilmungen zeigen nur bruchstückhafte Episoden aus Jesu Leben. Die Dauer der Filme beträgt oft nur wenige Minuten.

Die Passion Christi (LA PASSION DU CHRIST;Frankreich 1897; Produktion: Société Léar, Antelme und Pacon; Buch: Hermano Basile; Darsteller: Laien; Regie: Kirchner, genannt Lear; 5 Min.; Es handelt sich um die erste filmische Version der Leidensgeschichte Jesu. Der Film ist nicht mehr erhalten geblieben.)

Das Leben und die Passion Jesu Christi (LA VIE ET LAS PASSION DE JESUS-CHRIST; Frankreich 1897; Regie: George Habot; Produktion: Gebrüder Auguste und Louis Lumière; 10 Min.; Obwohl das Werk nur 220 Meter lang (etwa 10 Min.) war, zeigt die zweite filmische Version 13 Szenen des Lebens Jesu: von der Anbetung der Könige über die Flucht nach Ägypten, die Ankunft in Jerusalem bis zur → Kreuzigung, zur Grablegung und zur → Auferstehung. Es ist die größte Filmproduktion der Firma Lumière. Der Käufer aus Amerika will ein authentisches Passionsspiel haben. Oberammergau spielt aber nur alle zehn Jahre. Man erzählt deshalb dem Käufer, die Aufnahmen seien von einem böhmischen Passionsspiel. Die Produktion der Gebrüder Lumière wurde deshalb in dem böhmischen Dorf Horitz gedreht, wo alljährliche Passionsspiele stattfanden.)

Der Anklang, den die ersten Jesus-Filme beim Publikum fanden, veranlassten nun weitere Produzenten, Jesus in der Hauptrolle des Films zu vermarkten.

Um und kurz nach der Jahrhundertwende entsteht deshalb eine Reihe von Christusfilmen.

Passion Christi (PASSION PLAY; USA 1897/98; Produktion: Lubin; Regie: J.L. Vincent; Buch: Salmi Morse; 700 m.; Der Film wurde gedreht auf dem Dach des Grand Centralpalace in New York mit den Bühnenschauspielern Frank Russel (Christus), Frank Caylor (Judas), Richard Strong (Pilatus) in vierundzwanzig Szenen. Der Film besaß keine Untertitel, weil ein Erzähler für jede Vorstellung anwesend war.)

Eine der ältesten erhaltenen Filmszenen - sie stammt aus dem Jahr 1898 - zeigt Papst Leo XIII., wie er mit ausgestreckten Armen Kamera und Filmteam segnet.

Kirchliche Kreise reagierten allerdings keineswegs alle so positiv auf das neu erfundene Medium.

Einzelne Bischöfe warnen ablehnend in Hirtenbriefen:

"Das schlimmste ist, daß auch diese an sich großartige Erfindung vielfach zur Schlechtigkeit mißbraucht, daß die Lichtbildbühne vielfach zu einer neuen Schaubühne der Unzucht gemacht wird." (P. Browe. Lichtspieltheater, in: Stimmen aus Maria Laach, Bd. 87, 1914. S. 173-187, S. 185)

Die ersten Jesusfilme beschränken sich auf die Passion, deshalb tragen viele Filme den Titel:

Passion: gedreht 1897, 1898, 1914

oder

Passionsspiel (PASSION PLAY): gedreht 1897, 1898 gleich zweimal, 1909, 1924, 1928, 1930.

Ein Leben Christi (LA VIE DU CHRIST; Frankreich 1899; Produktion: Gaumont; Regie: Alice Guy-Blaché, Victorin Jasset; Der Film wurde realisiert von einer Frau, was zur damaligen Zeit eine Besonderheit war. Das Leben Jesu wird in einer Bilderfolge präsentiert, die von Gemälden großer Meister inspiriert ist. Der Film ist ein wegweisender Beitrag zu der um die Jahrhundertwende einsetzenden filmischen Inszenierung von Passionsspielen.)

Christus auf den Wellen schreitend (LE CHRIST MARCHANT SUR LES EAUX; Frankreich 1899/ 1900; Regie, Buch und Produtkion: George Méliès; Dies ist einer der ersten Bibel-Filme, die sich nicht auf die Passion Jesu beschränken. Das Werk verblüffte damals die Filmbesucher, weil Jesus - mit Hilfe des Tricks - auf dem Wasser schreitet. In Doppelbelichtung wird erreicht, daß man Jesus über das Wasser wandeln sieht. Wie ein U-Boot taucht der Heiland auf und schreitet über das Wasser. Georges Méliès (1861-1938) gilt als Meister der Tricktechnik. Von seinen 1200 Filmen sind etwa 100 erhalten.

1897 wird der Film Industriezweig: Die Brüder Charles und Emile Pathé gründen die Firma Pathé Cinema zur Massenproduktion eigener Filme im großen Stil.

Um 1900 wird das "Leben Jesu" zum Kassenfüller. Das Evangelium kann nun in alle Winkel der Welt verbreitet werden. Die Kirche erkannte schnell die Werbekraft des neuen Mediums und meldete Urheberrechte an. Die Propagandisten der neuen Kunst tönten damals:

Seit 1902 verursacht die Schließung Tausender katholischer Schulen in Frankreich die Auseinandersetzung mit dem Katholizismus. Gleichzeitig erfahren religiöse Mammutfilme eine starke Aufwertung, z.B.

Leben und Leiden Jesu Christi (LA VIE ET LA PASSION DE JESUS-CHRIST; Frankreich 1902-1905; Produktion: Pathé; Regie: Ferdinand Zecca, Lucien Nonguet; 44min; Eine der einflußreichsten und aufwendigsten Produktionen der frühen Stummfilmzeit: 31 Szenen von der Verkündigung des Engels bis zur Schlußapotheose.)

Ben Hur (BEN HUR; USA 1907; Produktion: Kalem; Regie: Sidney Olcott, Frank Oakes Rose; Buch: Gene Gautier, nach dem Roman von Lewis Wallace; 10 Min.; Die erste Verfilmung des Bestseller-Romans von Lewis Wallace, der zuvor schon in der Bühnenversion erfolgreich war.)

Passionsspiel (THE PASSION PLAY; Great Britain 1909; Produktion: Gaumont; Jedes einzelne Bild wurde handcoloriert.)

Herodes und der neugeborene König (HEROD AND THE NEWBORN KING; Frankreich 1910; Produktion: Gaumont; Der Film beschränkt sich nicht auf die Geburt Jesu, sondern er stellt die zeitgeschichtlichen Ereignisse und die damalige Situation dar: Er nennt die Gründe, warum → Joseph und → Maria mit Jesus fliehen mußten.)

Ab 1910 wandeln sich die Jesus-Verfilmungen: Sie werden länger, erläuternde dialogische und monologische Zwischentitel werden eingefügt. Die Rollen werden nicht mehr vorwiegend von unbekannten Laienspielern, sondern nun mit professionellen Darstellern besetzt. Auch bemüht man sich, vor Ort an Originalschauplätzen, d.h. im Heiligen Land und in → Ägypten zu drehen.

Der Judaskuß (Der Kuß des Judas; LE BAISER DE JUDAS; Frankreich 1908/1911; Produktion: Film d'art; Regie: Armand Bour; Buch: Henri Lavedan; D: Jean Mounet-Sully (Judas), Albert Lambert (Jesus), Albert Dieudonne (Johannes); 25 Min.; Erster Versuch einer künstlerisch anspruchsvollen Umsetzung der Geschichte Jesu vom letzten → Abendmahl bis zum Selbstmord des → Judas, besetzt mit renommierten Schauspielern der Comédie Francaise.)

Von der Krippe zum Kreuz (FROM THE MANGER TO THE CROSS; USA 1912; Produktion: Kalem; Regie: Sidney Olcott; Buch: Gene Gautier; Darsteller: Robertz Henderson Bland (Jesus), Gene Gautier (Maria), Alice Hollister (Maria Magdalena), Robert G. Vignola (Judas), Sidney Olcott (Blinder); 60 Min.; Der Film beginnt mit der Geburt Jesu, zeigt die Flucht nach Ägypten und Jesu Kindheit in Nazareth. Es schließen sich die → Wunder an, z.B. die Auferweckung des → Lazarus. Die Ereignisse während der letzten Woche, Kreuzigung und Auferstehung bilden den Schlussteil. Es ist der erste Dokumentarfilm aus dem Heiligen Land, gedreht an Originalschauplätzen in Israel und Ägypten, versehen mit dem Segen der Kirche. Von den Dreharbeiten berichtet der Regisseur Sidney Olcott, der schon die erste Version des "Ben-Hur"- Stoffes realisiert hatte: "Als man dabei war, den Kindermord von Bethlehem zu drehen, kam es zu einem Zwischenfall. Plötzlich stürzte sich eine Horde Moslems mit Knüppeln auf uns. Einige erkannte ich wieder. Die hatten vorher versucht, Geld von uns zu erpressen. Erst als ich meinen Revolver zog, verschwanden sie." Der englische Schauspieler Robert Henderson Bland sprach von den Schwierigkeiten, Jesus darzustellen: "Unseren Heiland zu gestalten, ohne die heiligsten Gefühle der Menschen zu verletzen, erforderte all meine seelische Hingabe. Mein Alltagssinnen wurde fremd und fern.")

Maria Magdalena (MARY MAGDALENE; 1914; Produktion: Kennedy Films; → Maria Magdalena hat zwei Verehrer: Syrius Superbus und Judas. Sie trifft den Römer Canis Proculus, und die beiden verlieben sich. Während Canis Abwesenheit trifft Maria Jesus und fühlt sich von ihm angezogen. Maria wird gläubig und folgt Jesus nach Jerusalem. Judas und Syrius erfahren hiervon und schreiben einen Brief an Canis, in dem sie ihm mitteilen, daß Maria ihm untreu geworden sei. Judas schließt sich den Jüngern Jesu an, um in der Nähe von Maria zu sein. Als Canis in Jerusalem ankommt, gesteht Maria ihm, daß sie nicht eher seine Frau werden könne, bis auch er → Jünger Jesu wird.)

Für die englischen Jesus-Filme ist folgendes Datum wichtig:

Die britische Filmbehörde erließ bei ihrer Gründung 1913 zwei Verbote, die unbedingt einzuhalten waren:

  • keine Szenen mit Nackten,

  • keine Szenen mit Jesus.

Dieses Verbot bestand in England bis in die 30er Jahre, z.B. in dem Film Barabbas (1935) ist Jesus im Verhör mit → Pilatus nicht zu sehen, nur zu hören.

Gesellschaftspolitische Situationen nehmen bereits früh Einfluß auf Bibelfilme und bestimmen durch Zensur die Aussage, z.B. in den Filmen:

Christus (Italien 1915/17; Produktion: Cines / Historic Features; Regie: Alberto Pasquali; Buch: Fausto Salvatori; Darsteller: Alberto Pasquali (Jesus), Leda Gys (Maria), Amleto Novelli (Pilatus), Lina D'Chiesa (Salome); 60 Min.; Der Film wurde hauptsächlich in Ägypten unter der Beratung von Kitchener gedreht; Dieser Film bietet zum ersten Mal Massenszenen. Die italienische Zensur verbot damals im ausgebrochenen Ersten Weltkrieg 1915 den Zwischentitel mit dem Gruß Christi: "Der Friede sei mit euch.")

Ab 1920 versuchen die Filme, entweder möglichst die ganze Geschichte des AT oder konzentriert einzelne Gestalten zu zeigen. Um die Attraktivität der Filme beim Zuschauer zu erhöhen, wird der Aufwand an Ausstattung erhöht.

Bei der Vielzahl der produzierten Bibel-Filme entsteht zunehmend der Eindruck, dass diese nun untereinander in Konkurrenz treten.

Immer hat die Kirche versucht, bei der Rollengestaltung der Filme mitzubestimmen. Sie sah sich im Besitz eines sogenannten Urheberrecht, das sie vehement vertrat.

Der Galiläer (Deutschland 1921; Produktion: Express-Film Co. GmbH Berlin; Regie: Dimitri Buchowetzki; Buch: Dimitri Buchowetzki, Stats Hagen; Darsteller: Adolf Faßnacht (Jesus), Georg Faßnacht (Judas Ischariot), Eva Gühne (Maria) Elsa Dietler (Magdalena), Ernst Hellbach-Kühn (Pilatus), Ludwig Stiel (Kaiphas), Fritz Rüthling (Dathan), Ernst Hardt (Nathanael), Heinrich Spennrath (Johannes), ca. 3000 Komparsen; 45 Min., auf 43 Min. durch Zensur der Filmprüfungsstelle Berlin vom 12.11.1921 verkürzt: Zwei Szenen mussten gestrichen werden: Judas hängt tot am Baum Junge Mädchen und eine Tänzerin unterhalten die Männer im Palast des Pilatus. Uraufführung: 13.11.1921 Berlin (Marmorhaus). Der Film basiert auf dem Gemälde von Leonardo Da Vinci, "Das letzte Mahl". Der Film wertet die Rolle des Judas zu einer fast gleichwertigen Handlung zu Jesus auf. Veränderungen zur biblischen Vorlage, z.B.: a) Judas hat sich bereits beim Einzug Jesu in Jerusalem von den Jüngern abgesetzt b) Bei der Einsetzung des Abendmahls ist Judas nicht anwesend c) Jesus, mit schulterlangen, blonden, in der Mitte gescheitelte Locken und Vollbart, offenbart sich nicht in Wort, sondern in seinen Wundern. Der Film greift die gängigen Klischeebilder der Jesusdarstellungen des 19. Jahrhunderts auf. Maria erscheint als Heilige, ganz in Weiß gekleidet.)

I.N.R.I. (Ein Film der Menschlichkeit; Deutschland 1923/1924; Produktion: Neumann; R: Robert Wiene; Buch: Robert Wiene; Darsteller: Gregory Chmara (Christus), Werner Krauß (Pilatus), Henny Porten (Maria), Asta Nielsen (Maria Magdalena) Alexander Granach (Judas); Nach einem Roman von Peter Rosegger: Die Geschichte eines Attentäters, der durch die Betrachtung des Leidens Christi geläutert wird. Der Stil des Films war deutlich angelegt auf das dekorative Arrangement, das sich an bekannten Darstellungen aus der bildenden Kunst orientierte, und auf diese Wirkung monumentaler Massenszenen, z.B. bei der Bergpredigt und beim Einzug in Jerusalem.)

Ben Hur (BEN HUR; USA 1926; Produktion: Metro-Goldwyn-Mayer; Regie: Fred Niblo; Buch: Carey Wilson, Bess Meredith, June Mathis, nach dem gleichnamigen Roman von Lewis Wallace; Darsteller: Ramon Nowarra, Francis X. Bushman, Frank Currier, Claire Max Dowell; 151 Min.; Durch Verrat gerät der jüdische Prinz Ben Hur als Sträfling auf eine Galeere. Als er einem römischen Tribun das Leben rettet, wird er von diesem adoptiert. Messala (Francis X. Bushman), ein junger römischer Offizier, läßt seinen früheren Freund Ben Hur (Ramon Novarro) als Attentäter verhaften und zu lebenslangem Galeerendienst verurteilen. Doch Ben Hur ist unschuldig. Jahre später erhält er Gelegenheit zur Rache: in einem mörderischen Wagenrennen. Die damaligen hohen Kosten von 6,2 Millionen Dollar konnten zwar nicht eingespielt werden, doch der Prestige-Gewinn für die Produktionsfirma MGM war gewaltig. Bei fast 3-jähriger Drehzeit wurde dies zum teuersten Film aller Zeiten. 125.000 Mitwirkende wurden für den Film benötigt. Dieser Monumentalfilm, der in Italien und Kalifornien gedreht wurde, war einer der ersten der Filmgeschichte, der Farbsequenzen enthielt. Er betont Actionszenen, z.B. Seeschlacht und Wagenrennen. Jesus ist nie ganz zu sehen, sondern hauptsächlich durch seine Hände repräsentiert. Der religiöse Hauptgehalt des Films liegt in dem Satz: "Selig, die Verfolgung leiden!" Zwischentitel aus den Anfangsszenen: "Das heidnische Rom stand im Zenit seiner Macht. Die Erde erbebte unter dem Marschtritt seiner grausamen Legionen, und die geknechteten Völker flehten zu Gott - um seinen Erlöser. Israels einstiger Glanz lag zertreten in Judäas Staub. Und das Goldene Jerusalem, unterworfen und versklavt, weinte im Schatten seiner Mauern. Es war der vierundzwanzigste Tag im Dezember - Ein unendlicher Strom von Reisenden bewegte sich durch das Große Joppe Tor. Syrer, Griechen, Ägypter, Juden - alle auf dem Weg in ihre Heimat. Denn Rom hatte bestimmt, daß alle Welt zu schätzen sei - und ein jeder mußte sich einfinden in der Stadt seiner Geburt, damit er gezählt werde. "Werden die Frauen wohl jemals aufhören, sich die Gesichter anmalen?" Zwei erschöpfte Reisende, die noch vor Einbruch der Nacht Bethlehem erreichen wollen - "Bist Du nicht Joseph, aus Nazareth?" "Das ist Maria." Tief im Süden - drei weise Männer, unbeirrbar auf einer wundersamen frommen Suche. Und als es Abend wurde, kamen Maria und Joseph nach Bethlehem - doch es fand sich kein Platz für sie in der Herberge. "Nein, auch andere Frauen müssen heute Nacht unter freiem Himmel schlafen. Ist Dein Weib besser als seine Schwestern?" Die Höhle Davids - düster von Staub der Jahrhunderte. "Vor tausend Jahren machte der Hirtenjunge David, der zum König wurde, hier mit seiner Herde Rast." "Dieser Ort ist heilig.")

König der Könige (THE KING OF KINGS; USA 1926/27; Regie: Cecil B. de Mille; Buch:Jeanie MacPherson; Darsteller: H.B. Warner (Christus), Victor Varconi (Pilatus), Dorothy Cummings (Maria), Jacqueline Logan (Maria Magdalena), Josef Schildkraut jr. (Judas), Josef Schildkraut (Kaiphas); 154 Min.; Der Film beschränkt sich auf die drei Jahre des öffentlichen Wirkens Jesu. Gezeigt wird ein aufwendiger Bilderbogen mit Massenaufgebot von Komparsen. Die Gestalt der → Maria Magdalena wird aufgewertet. Ihr Salon wird drastisch dargestellt in Hollywood Manier: dort wimmelt es von Zebras und Reitern. Cecil B. de Mille ließ das Filmteam am Morgen eines jeden Drehtages zur Meßfeier bestellen und sein Filmwerk durch Beziehung von theologischen Beratern aus verschiedenen Religionsgemeinschaften absichern. Er wurde zum teuersten Stummfilm aller Zeiten ohne jeden historischen Anspruch.)

Ecce Homo (BEHOLD THE MAN; Großbritannien 1930; Produktion: The Companions of the Cross; Regie: Walter Rilla; Dokumentation; 75 Min.; Verfilmung des alljährlich in der Kathedrale von Westminster von den Jugendorganisationen der Erzdiözese aufgeführten Passionsspiels. Die Darsteller agieren, ohne zu sprechen. Ein Kommentator erklärt den Fortgang der Handlung.

3. Spielfilme – Monumentalfilme

3.1. Die Bibel als Drehbuchvorlage

Anfang der 30er Jahre setzt sich der Tonfilm weiter durch. Die Realitätstreue kann intensiviert werden durch Geräusche und unterlegte Musik. Besonders die Kreuzigungsszenen werden ausführlicher und eindringlich-gefühlvoller gedreht: Das Leiden Jesu, das Annageln ans Kreuz, seine Schmerzen kann der Zuschauer miterleben.

Der Judas von Tirol (Deutschland 1933; Produktion: Lothar Sark Film; Regie: Franz Osten; Nach dem Volksschauspiel von Schönherr; Darsteller: Fritz Rasp, Calilla Spira, Marianne Hoppe, Inez Allegri; 81 Min.; Tirol im Jahre 1810, zur Zeit der französischen Besatzung: Der Freiheitskämpfer Andreas Hofer hält sich vor den französischen Besatzungstruppen in einer einsamen Almhütte versteckt. Versorgt wird er vom armen Dorfknecht Raffl. Raffl, der sich von den Bauern entrechtet wähnt, träumt davon, im alljährlichen Passionsspiel den Christus darzustellen. Er muß aber weiterhin den Judas spielen. Er verrät den versteckt gehaltenen Andreas Hofer, bricht unter seiner Schuld zusammen und erleidet das Judasschicksal. Der Film zeigt ein mosaikartig inszeniertes dramatisches Historienstück.)

Das Kreuz von Golgatha (GOLGATHA; Frankreich 1934/35; Produktion: Ichtys Films; Regie: Julien Duvivier; Buch: Canonigo Joseph Reymond; Darsteller: Robert Le Vignan (Christus), Harry Baur (Herodes), Jean Gabin (Pilatus), Lucas-Gridoux (Judas); 90 Min. die deutsche Fassung; die ältere Fassung, das Original 100 Min.; Der erste Jesus-Film mit Ton ist ein Passionsfilm über das Leben Jesu, von Palmsonntag bis → Himmelfahrt. Der Vorspann betont, die Darstellung beschränke sich auf den "äußeren Verlauf" der Ereignisse und maße sich nicht an, mit seinen Mitteln an das "Mysterium der Passion zu rühren". Die Geschichte wird aus der Sicht Jesu erzählt. Für die Dialoge wurden ausschließlich Textstellen des Evangeliums benutzt. Die deutsche Filmfassung verzichtet auf fast sämtliche Großaufnahmen Christi - in der Erkenntnis, daß ein Schauspielergesicht bei der Darstellung Jesu der Distanz bedarf. In der Szene vom Einzug in Jerusalem wird Jesus von seinen Jüngern charakterisiert: "Recht tatest du, an ihn zu glauben.; Und alle folgten sie uns.; Seine Freunde nennt er uns.; Petrus, du wirst die Schlüssel zum Himmelreich empfangen.; Maria: "Wie wunderbar, Mutter dieses Sohnes zu sein.")

Barabbas (BARABBAS; England 1935; Auszug aus dem Verhör Pilatus - Jesus, bei dem Jesus selbst nicht zu sehen sondern nur seine Stimme zu hören ist: "Bist du der König der Juden?" - "Sagtest du dies selbst? Oder hörtest dus von anderen?" - "Bin ich Jude? Dein eigen Volk und die Hohen Priester haben dich mir ausgeliefert. Was hast du getan?" - "Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre es das, kämpften meine Jünger auf daß ich den Juden nicht ausgeliefert werde. Aber mein Königreich ist nicht von hier." - "So bist du also ein König?" - "Du sagtest, ich sei König. Ich wurde in die Welt geboren, um Zeugnis abzulegen von der Wahrheit. Alle, die in der Wahrheit leben, hören meine Stimme." - "Was ist die Wahrheit?")

Matthäuspassion (Österreich 1949; P: Erma Film; R: Ernst Marischka; D: Elisabeth Schwarzkopf, Elisabeth Höngen, Walter Ludwig, Karl Schmitt-Walter, Hans Braun; 85 Min.; Umstrittener Versuch, das Bachsche Oratorium (Wiener Philharmoniker unter Leitung von Herbert von Karajan) mit einer stilistisch unbekümmerten Abfolge der verschiedensten Schulen und Meister visuell zu begleiten.)

Barabbas (WHICH WILL YE HAVE; Großbritannien 1949; Produktion: G.H.W. Religious; Regie: Donald Taylor; Darstller: Niall Mac Ginnis, Robert Harris, Henri Oscar, Betty Ann Davis, Robert Long; 36 Min.; Frei nacherzählte Passionsgeschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem bis zur Kreuzigung, ohne dass Jesus im Bild erscheint. Der Film konzentriert sich auf Barabbas als Anführer einer Widerstandsbewegung gegen Rom, der sich schließlich zur Christusnachfolge bekennt.)

Es war ein Mensch (Deutschland 1949-50; Produktion und Regie: Curt Oertel; 62 Min.; Dokumentarfilm der evangelischen Kirche, ausgehend vom Bericht der Bibel über den Mann, der von Jerusalem nach Jericho ging und unter die Räuber fiel. Ein eindrucksvoller, katechetischer Film, der den Menschen Jesus, nicht das Werk in den Mittelpunkt stellt.)

Die amerikanischen Jesusfilme (1953-1963) greifen immer die gleichen Szenen als feste Standard-Fixpunkte heraus:

  • die sogen. "Drei Weisen" im Stall zu Bethlehem

  • das Abendmahl

  • die Kreuzigung.

Die Uraufführung des Films "Das Gewand" am 4.12.1953, nach dem Roman von Pastor Lloyd Douglas gedreht, läutet nun auch in Deutschland die Reihe der sog. "Sandalenfilme" (spöttische Bezeichnung für die Darstellung Jesu in Sandalen) ein.

Die Bibel als Drehbuchvorlage eignet sich offensichtlich gut für das Monumentalkino. Hier vernachlässigen die Filme narrative Elemente, bevorzugen dagegen Materialschlachten mit Massenszenen und aufwendigen Kulissen. Die meisten Kolossalgemälde und Historienspektakel dauern länger als 120 Minuten.

Das erfundene Breitwandverfahren Cinemascope eröffnet auch dem Bibel-Film neue Möglichkeiten und Dimensionen, Massenszenen (oft mit mehr als 50000 Komparsen) und Monumentaleffekte zu produzieren und damit die Schaulust der Besucher zu befriedigen.

Das Hollywood-Kino der 50er Jahre mit seinen Monumental- und Bibelfilmen stürzt sich auf antike Themen: biblische, ägyptische, römische, punische, griechische Motive werden ausgeschlachtet.

Melodramatische Aspekte, Anspielungen auf populäre Motive, Intrigen und das Auskosten der Grausamkeiten sollen das Publikum befriedigen.

Auffallend groß ist die filmische Adaption alttestamentlicher Themen. Nach den Greuel der Nazi-Diktatur werden jüdisch-christliche Werte wiederentdeckt.

Der Weg nach Damaskus (LE CHEMIN DE DAMAS; Frankreich 1952; Produktion: Max Glass, Fernand Rivérs; Regie und Buch: Max Glass; S/W; 100 Min.; Auf Geheiß des Hohenpriesters wird Saulus mit der Verfolgung der ersten Christen beauftragt, was er mit Strenge und Brutalität tut. Auf dem Weg nach Damaskus wird er vorübergehend mit Blindheit geschlagen; sein "Damaskuserlebnis" lässt ihn zur Selbstbesinnung kommen und zum Glauben finden.)

Tag des Triumphes (DAY OF TRIUMPH; USA 1952/1954; Produktion: Century Films; Regie: Irving Pichel, John T. Coyle; Darsteller: Robert Wilson (Jesus); 110 Min.; Der für den Einsatz in Kirchen produzierte Film war so erfolgreich, daß er auch für das Kino herausgebracht wurde. Im Mittelpunkt der Story steht eine geheime Widerstandsgruppe, zu der auch Judas gehört, die Jesus für eine Revolte gegen die Römer einspannen will.)

Judas (EL JUDAS; Spanien 1952; Produtkion: IFI-Sociedad Anonima; Regie und Buch: Ignacio F. Iquino; D: Antonio Vilar, Ramona Cubeles; 93 Min.; Ein maßlos ehrgeiziger und gewinnsüchtiger Kaufmann wird durch die Rolle Christi, die er sich bei einem dörflichen Passionsspiel anmaßt, innerlich ergriffen und umgeformt. Ein religiös-psychologisches Drama von schlicht gläubiger Gesinnung.)

Neben dem Leben Jesu, neben einzelnen Figuren des Neuen Testaments galt schon früh das Interesse an der Darstellung der Christenverfolgungen in Rom.

Quo vadis? (QUO VADIS?; USA 1951; Produktion: MGM; Regie: Mervyn LeRoy; Buch: John Lee Mahin, S. Behrman, Sonya Levien, nach dem gleichnamigen Roman (1886) von Henryk Sienkiewicz ( 1846-1916); Darsteller: Peter Ustinov, Deborah Kerr, Robert Taylor, Patricia Laffan; Nach dem Brand Roms sollen viele Christen auf → Neros Befehl in der Arena sterben. Unter Ihnen: die schöne Lydia, in die sich Kommandant Marcus verliebt hat. Markus muß für seine Liebe zu einer Christin büßen: Die eifersüchtige Kaiserin Poppäa läßt ihn zusammen mit anderen Urchristen, denen die Schuld am Brand Roms vorgeworfen wird, den Löwen in der Arena zum Fraß vorwerfen. Die gigantischen Feuerszenen drehte Le Roy in 24 Nächten mit mehr als 2000 Statisten.)

Androkles und der Löwe (ANDROCLES AND THE LION; USA 1952/53; Produktion: R K O; R: Chester Erskine; Buch: Chester Erskine, Ken Englund, nach Bernard Shaw; Darsteller: Jean Simmons, Alan Young, Victor Mature, Robert Newton, Maurice Evans; S/W; 98 Min.; Der Film beinhaltet eine satirische Komödie mit einer Love-Story aus dem alten Rom zur Zeit der Christenverfolgung: Ein Löwe weigert sich, jenen entlaufenen Sklaven Androkles zu verspeisen, der ihm einmal einen Dorn aus der Tatze gezogen hat. Die dialektische Komödie vermischt die Themen über christliche Legendenbildung und praktisches Christentum.)

Das Gewand (THE ROBE; USA 1953; Produktion: Centfox; Regie: Henry Koster; Buch: Philip Dunne, nach dem Roman "Das Gewand des Erlösers" von Lloyd C. Douglas; Darsteller: Richard Burton, Victor Mature, Jean Simmons, Michael Rennie, Jay Robinson; 133 Min.; Legendenhafte Handlung: Der römische Tribun Marcellus Gallio nimmt mit seinen Legionären die Kreuzigung von Jesus vor. Von seinem Gewissen bedrängt, schließt er sich den Christen an. Dieser Monumentalfilm (in Cinemascope) beschreibt die legendenhaften Geschehnisse um das Gewand Christi nach der Kreuzigung mit imposanten Massenszenen und Spezialeffekten. Fortsetzung: "Die Gladiatoren", USA 1954)

Der silberne Kelch (THE SILVER CHALICE; USA 1954; Regie: Victor Saville, nach dem Roman von Thomas B. Costain; 115 Min.; Der Film konzentriert sich auf Leben und Liebe eines freigelassenen griechischen Sklaven, der zur Zeit Christi den Kelch für das Heilige Abendmahl anfertigt. Der Kelch verschwindet, aber → Petrus prophezeit, daß der Kelch eines Tages wieder auftauchen wird, um die Menschen auf den wahren christlichen Weg zu führen. Der griechische Silberschmied Basilius soll jenen Kelch, aus dem Jesus beim letzten Abendmahl getrunken hat, kunstvoll fassen. Kein ungefährlicher Auftrag, denn der Magier Simon macht Jagd auf das Gefäß. Der Abenteuerfilm beinhaltet frei erfundenen religiösen Kitsch, der christliche Legenden langatmig inszeniert und ausschlachtet.)

Der Weg des Herrn (THE MYSTERS OF THE ROSARY; USA 1956/57; Produktion: Family Theatre/ Peter Lawyer; Regie: Joseph Breen; Buch: Sam Taylor, Tom Blackburn u.a.; Darsteller: Antonio Vilar, Maruchi Fresno, Virgilio Teixeira, Carlos Casravilla, Marco Davo; 294 Min.; Der amerikanische Bibelfilm hat drei Teile: "Er kam", "Sein Leiden", "Sein Sieg". Der Film hat eine deutliche missionarische Absicht. Er wurde finanziert durch Spenden von Bischöfen und Gläubigen. Der Initiator und Herstellungsleiter des Films, Pater Patrick J. Peyton aus Albany/New Vork, sieht den Film als modernes Mittel der Glaubensverkündigung im Dienst des Weltkreuzzuges für das Rosenkranzgebet in der Familie. Seine Losung lautet: "Eine Familie, die zusammen betet, hält auch zusammen." Die vierjährigen Dreharbeiten (150 Schauspieler, 10 000 Statisten) fanden in Spanien statt.)

Der Mann, der sterben muß (CELUI QUI DOIT MOURIR; Frankreich 1958; Produktion: Indus/Prisma/Filmsonior; Regie: Jules Dassin; Buch: Ben Barzman, Jules Dassin, nach dem Roman "Griechische Passion" von Nikos Kazantzakis; Darsteller: Nicole Berger, Fernand Ledoux, Jean Servais, Carl Möhner, Gert Fröbe; 135 Min.; 1921 in dem kleinen Dorf Lycovrissi im asiatischen Teil der Türkei. Die Bewohner sind orthodoxe Griechen. Einer religiösen Tradition zufolge wird alle sieben Jahre ein Passionsspiel aufgeführt. Der Pope ernennt einzelne Dorfbewohner für ihre Rollen. Streit bricht aus, als die Überlebenden eines türkischen Massakers um Unterkunft und Hilfe ansuchen. Der Pope will sie nicht aufnehmen, weil sie angeblich Cholera mitbringen. So entsteht in dem Dorf eine der Passionsgeschichte ähnliche Situation, die Personen nehmen in der Realität "ihre Rollen" an.

In den beiden Jahren 1958/1959 überbieten sich gleich 8 amerikanische und französisch-italienische Filmproduktionen an farbprächtigem Bildaufwand.

Die neuen Filme übertreffen frühere Produktionen an immer mehr grausameren Massenszenen mit tausenden von Statisten. Das Bildspektakel als große Unterhaltungsschau wird auch immer länger: mehr als 3 Stunden (z.B. "Der Fischer von Galiläa", "Salomon und die Königin von Saba", "Ben Hur").

Kreuz und Schwert (LA SPADA E LA CROCE; Italien 1958; Produktion: Liber; Regie: C. L. Bragaglia; Buch: Ottavio Poggi; Darsteller: Yvonne de Carlo, Jorge Mistral, Rossana Podesta, Massimo Serato, Mario Girotti; 105 Min.; Phantasiereiche Filmverzeichnung biblischer Gestalten: Als Geliebte des römischen Hauptmanns, der später auf → Golgatha Dienst tun wird, bekehrt sich Maria Magdalena, als Jesus ihr nach einem Schleiertanz erscheint und ihren Bruder Lazarus zum Leben erweckt. Thema: Die Bekehrung der Maria Magdalene.)

BEN HUR (USA 1959; Produktion: MGM; Regie: William Wyler; Buch: Karl Tunberg, nach dem gleichnamigen Roman von Lewis Wallace; D: Charlton Heston, Stephen Boyd, Jack Hawkins, Haya Harareet; Hugh Griffith; 213 Min.; Der Film übertrifft an kolossalem Aufwand alles bis dahin Gedrehte: 365 Sprecherrollen, 50000 Komparsen, über 1 Mill Requisiten, 16,2 Mill Dollar Kosten.)

In den 60er Jahren wird teilweise, in Ansätzen Abstand genommen, alle Einzelheiten der Bibel effektvoll nachzuzeichnen.

In dem Film "König der Könige" (Nicholas Ray, 1960) werden die Wunder Jesu nur indirekt angedeutet. Jesus wird nicht als heldenhafter "Wundermann", sondern als sympatischer Mensch dargestellt. Nicht mehr die einzelne Handlung steht im Vordergrund. Die Filme bemühen sich darum, Jesus sorgfältig zu charakterisieren, z.B. "Die größte Geschichte aller Zeiten" (1963), "Das erste Evangelium - Matthäus" (1964).

Pontius Pilatus (PONZIO PILATO; Italien/ Frankreich 1961; Produktion: Glomer/Lux; Regie: Irving Rapper; Buch: Gino de Sanctis, Oreste Biancoli, Guglielmo Santangelo, Gian Paolo Callegari; D: Jean Marais, Jeanne Crain, Basil Rathbone, Leticia Roman, Massimo Serato; 115 Min.; Das Leben des Pontius Pilatus (Jean Marais), römischer Statthalter von Judäa (26-36). Der Film beinhaltet auf den apokryphen → true beruhende Versuch einer Charakter- und Entwicklungsstudie des Pontius Pilatus im Stil der großen Bibelfilme.)

König der Könige (KING OF KINGS; USA 1960; Produktion: MGM; Regie: Nicholas Ray; Buch: Philip Yordan; Darsteller: Jeffrey Hunter, Siobhan McKenna, Hurd Hatfield; 169 Min.; Amerikanischer Versuch, das Leben Jesu zum Gegenstand eines dreistündigen Schau- und Erbauungsfilms zu machen. Der Film ist ein Remake von "König der Könige" im Zuge der biblischen Monumantalwelle der 50er und frühen 60er Jahre. Wegen der blauen Augen des knabenhaften Christusdarstellers Jeffrey Hunter wurde der Film belächelt: "I was a teenage Jesus". Die italienische katholische Filmkommission in Rom erklärte den Film als tragbar für alle Altersstufen bis zu den Kindern. Ein Schau- und Erbauungsfilm: Jesus als gewaltloser Freiheitskämpfer; ein um Schaueffekte bemühtes Spektakel.

Barabbas (Barabba; Italien 1961; Produktion: Dino de Laurentiis; Regie: Richard Fleischer nach dem Roman von Pär Lagerkvist; Darsteller: Anthony Quinn, Silvana Mangano; Arthur Kennedy, Katy Jurado, Jack Palance; 143 Min.; Die aufwendige Neuverfilmung des bekannten Romans betont Gladiatorenkämpfe verurteilter Sklaven. Ein 150 min. gigantischer Monumentalfilm; Barabbas, für Christus freigelassen, erträgt nunmehr - von Gott angerührt - in neuer Gesinnung sein Sklavendasein.)

Die größte Geschichte aller Zeiten (USA 1963; 196 Min.; In freien Ausweitungen und Kürzungen wird die Lebensgeschichte Jesu erzählt; geprägt durch ein spezifisch amerikanisches Frömmigkeitsgefühl zielt der Film auf Schauwirkung und möchte Eindruck, Würde und Feierlichkeit beim Zuschauer erwecken. Dazu dienten auch die gewählten Drehplätze für die Außenszenen: Landschaften im Staate Utah, insbesondere die Canons des Colorado River. Die Passionsszenen nehmen im Film einen größeren Raum ein („filmisches Passionsspiel“). Außerdem gibt es eine Reihe bewusster Veränderungen, z.B. a)Der Teufel tritt auf als ein grauer, dunkler „Eremit“, als alter Mann in einer Felshöhle auf, der Jesus zunächst freundlich einlädt. (0:29:00); b) Von den Jüngern stellt sich zuerst Judas Jesus vor. Dann folgen Andreas, Petrus und Johannes. Dadurch erwählt Jesus Judas als ersten seiner Jünger, dann erst die anderen (0:37:25) c) Das Volk jubelt beim Einzug in Jerusalem Jesus zu: „Sohn Davids“, „Messias“, „König“. (2:00:00). d) Der amerikanische Regisseur George Stevens hat mehr als vier Jahre an seinem Christus-Film gearbeitet. Nach eigener Aussage versuchte er, sich von den damaligen gängigen Kolossalfilmen zu lösen, die die Bibel als wörtliche Drehbuchvorlage ansahen. Ihn gehe es nicht primär um eine reine Biografie bzw. Verfilmung biblischer Texte, sondern er wolle das Göttliche, das Transzendente aufspüren. e) Stevens verwendet viele Texte aus den prophetischen Weissagungen, um die Messianität Jesu zu belegen.)

Das 1. Evangelium Matthäus (Italien / Frankreich 1964; s/w; 136 Min.;In Anlehnung an das → Matthäus-Evangelium entwirft Pasolini ein Jesusbild, das vor allem den sozialen Aspekt der Botschaft Jesu betont. Ihm geht es um eine Re-Mythisierung als Wiedergewinnung der Perspektive des Volkes. Pasolinis Film unterscheidet sich von monumentalen amerikanischen Jesusfilmen durch seine karge, stilisierte Form. Über die Wahl seines Hauptdarstellers, eines spanischen Studenten, sagte Pasolini: „Ich wollte keinen Christus mit kränklichen Gesichtszügen und einem süßen Blick wie auf den Bildern der Renaissance. Ich wollte einen Christus, wie ihn auch das Mittelalter kannte, einen, der Kraft und Entscheidungswillen ausdrückt, ein Gesicht jedenfalls, das zu den trockenen und steinigen Orten passt, an denen er predigen wird.“ Pasolini will den Kontrast zwischen der Armut des einfachen Volkes, der Hochmut der Reichen und der Barmherzigkeit Jesu herausarbeiten. Deshalb zieht sich Jesus im Film mehr und mehr zurück, die Hauptrolle übernimmt das einfache Volk, das in Jesus den Erlöser sieht.)

Die Bibel als Drehbuchvorlage eignet sich offensichtlich gut für das Monumentalkino. Hier vernachlässigen die Filme narrative Elemente, bevorzugen dagegen Materialschlachten mit Massenszenen und aufwendigen Kulissen. Die meisten Kolossalgemälde und Historienspektakel dauern länger als 120 Minuten.

Das erfundene Breitwandverfahren Cinemascope eröffnet auch dem Bibel-Film neue Möglichkeiten und Dimensionen, Massenszenen (oft mit mehr als 50000 Komparsen) und Monumentaleffekte zu produzieren und damit die Schaulust der Besucher zu befriedigen.

Das Hollywood-Kino der 50er Jahre mit seinen Monumental- und Bibelfilmen stürzt sich auf antike Themen: biblische, ägyptische, römische, punische, griechische Motive werden ausgeschlachtet.

Melodramatische Aspekte, Anspielungen auf populäre Motive, Intrigen und das Auskosten der Grausamkeiten sollen das Publikum befriedigen.

Der Messias (IL MESSIA / LE MESSIE; Frankreich/Italien 1975; Produktion: Procinex/FR 3/Télé Films/Orizzonte 2000; Regie: R. Rossellini; Buch: Roberto Rosselini, Silvia d'Amico Bendico; Darsteller: Pier‑Maria Rossi, Mita Ungaro, Carlos de Carvalho, Fausta di Bella, Jean Martin; 145 Min.; Die vier Evangelien werden als Drehbuchvorlagen unkritisch verwendet, eine besondere Rolle wird dem → Täufer Johannes eingeräumt. Am Anfang steht die Salbung → Sauls zum König. Es folgt ein Streifzug durch die → Geschichte Israels bis zu Herodes dem Großen.)

Jesus (JESUS; USA 1979; Produktion: Inspirational Film/Arrowhead Springs; Regie: John Heymann, Peter Sykes, John Kirsh; Darsteller: Brian Deacon, Niko Nitai, Talia Shapira, Rivka Nolman, Peter Frye; 123 Min.; Bunt bebilderte Schilderung des Lebens Jesu nach dem → Lukas-Evangelium. Eine aufwendige, fundamentalistische Bibelinterpretation, die versucht, durch detailgetreue Wiedergabe der historischen Umstände eine vermeintliche Authentizität der Darstellung zu erreichen. Bibl. - theologisches Vorverständnis: Der Regisseur Heyman wollte die Botschaft von Jesus wirklichkeitsnah darstellen. Der Film wurde an den Originalplätzen in Israel an über 300 verschiedenen Orten mit über 5000 Statisten gedreht.

Bibel: Jesus (Deutschland / Italien / USA 1999; Mit einem Budget von 20 Mill. Dollar inszenierte US-Regisseur Roger Young in Quarzazate, östlich von Marrakesch eine Version des Lebens- und Leidensweg Jesu, mit dem sich der Zuschauer identifizieren kann. Young stellt einen langhaarigen Jesus als lebensbejahenden Typ dar, der Liebe und Hilfsbereitschaft zeigt. Dieser Jesus beweist seine Göttlichkeit durch Wunder und weiß bereits im Voraus, dass Gott alles gut ausgehen lassen wird. So meistert er souverän den Leidensweg. Der Film möchte zum Glauben an Jesus aufrufen. Am Schluss der Handlung steht ein mehrfaches Glaubensbekenntnis: Andreas bekennt dem zweifelnden Thomas: „Er ist der Sohn Gottes! “ Young verfällt dem Kitsch der früheren Hollywood-Inszenierungen, z.B. die Frauen sind nonnenhaft verhüllt, die Männer sind im biblischen Rembrandt-Look gezeichnet. Im Abspann des Films wird eine Pseudo-Aktualität aufgezeigt: Kinder laufen dem Jesus-Darsteller entgegen und rufen ihn. Er nimmt liebevoll ein Mädchen auf dem Arm: „Wisst ihr, was wir machen? Wir gehen auf die Mole und schauen uns die Fischer an …“ Ein Farbiger bekennt: „Sie lieben dich, als wärst du ihr großer Bruder.“

Vier Filme wollen sich der Person Maria annähern.

Ava und Gabriel (Curacao / Niederlande 1992; 90 Min.; Der Film geht der Frage nach, ob Maria eine Farbige sein kann. Er spielt in Curacao in den 40er-Jahren: Der farbige Kirchenmaler Gabriel Goedbloed soll im Auftrag der Kirche ein Madonnenfresko malen. Er verleiht der Madonna Züge seiner geliebten Mulattin Ava. Einen Altar mit einer farbigen Madonna zu schmücken – das war damals eine ungeheure Provokation. Schwelende Rassenkonflikte brechen über dieser Frage auf.)

Maria, die heilige Mutter Gottes (USA 1999; Regie: Kevin Ellis; Es soll die Lebens- und Leidengeschichte Jesu von Nazareth (Christian Bale) aus der Sicht seiner Mutter Maria (Melinda Kinnaman) erzählt werden. Der Film verwendet viele Klischeebilder, z.B. in den Charakterisierungen der Hauptfiguren. Jesus wird als Idealtyp in Superlativen dargestellt. Er ist bereits bei seiner Geburt nach dem Urteil von Maria, Joseph und der Wirtin das schönste Kind, zeigt früh seine Friedfertigkeit und Sanftmut, fragt bereits als Kind: „Wieso erkenne ich diese Dinge und niemand sonst?“ Jesus ist anders als die anderen Kinder: Er weigert sich, mit Kameraden zu kämpfen. Als Zwölfjähriger geht er in den Tempel, weil Gott es ihm gesagt hat. Als Achtzehnjähriger leistet er als Zimmermann gute Arbeit und erfährt großes Lob. Kritische Einwände: Der langhaarige Jesus wird dargestellt als lebensbejahender Typ, der Liebe und Hilfsbereitschaft zeigt. Der Mensch Jesus steht im Vordergrund: „Joseph war mein Vater. … Ich war sein eigener Sohn.“ (0:21:25 und 0:23:19). Nach Josephs Tod erkennt Jesus: „Es ist Zeit, meinen Weg zu finden. Mein Leben gehört nicht mir.“ (0:25:40) Jesus beweist seine Göttlichkeit durch Wunder: z.B. die Frau am Brunnen: Das ist Jesus von Nazareth, er hat Wasser in Wein verwandelt. (1:01:14) Jesus weiß bereits im Voraus, dass Gott alles gut ausgehen lassen wird. Jesus meistert souverän den Leidensweg. Szenen sind frei erfunden, z.B. Jesus zieht mit seinem Vater durch das Land, um Arbeit zu suchen. Jesus flirtet mit der in ihn verliebten Maria von Bethanien. Der 12-jährige Jesus betet mit Johannes im Tempel. In der Wüste will eine hübsche Frau im roten Kleid Jesus überreden: Verzichte auf deine Göttlichkeit! (0:39:34). Der Rebell Barabbas ohrfeigt Jesus (1:08:35). Jesus: Noch einmal! Schlag zu! … Ihr werdet frei sein, wenn ihr lernt zu lieben! Am Schluss der Handlung steht ein mehrfaches Glaubensbekenntnis: Andreas bekennt dem zweifelnden Thomas: Er ist der Sohn Gottes! (2:49:47). Thomas bekennt, als er Jesus vor sich stehen sieht: Mein Herr und mein Gott!)

Maria, Tochter ihres Sohnes (MARIA, FIGLIA DEL SUO FIGLIO; Italien 2000; Regie: Fabrizio Costa; Maria ist geprägt durch einen starken Willen und Glauben an Gott. Maria (Angela Molina) lebt ganz für Jesus (Nicholas Rogers). Sie hat Sorge um sein Schicksal. Dagegen vernachlässigt sie ihren Mann, zu dem sie nur eine freundschaftliche Beziehung hat. Der Film stellt die Mutter-Sohn Beziehung in den Vordergrund.

Es begab sich aber zu der Zeit (The Nativity Story; USA 2006; Der Film möchte die Lebensumstände und die Gefühle Marias einfangen. Drehbuchautor Mike Rich und Regisseurin Catherine Hardwicke nehmen die Lukastexte als Drehbuchvorlage und möchten Echtheit erreichen, z.B. die junge Schauspielerin Keisha Castle-Hughes war bei den Dreharbeiten ist 17 Jahre alt.

Die Passion Christi (THE PASSION OF THE CHRIST; USA 2003; Regie: Mel Gibson; Abgesehen vom evangelikal-fundamentalistischen Lager wird der Film durchweg sowohl wegen seiner theologischen Konzeption als auch wegen der dargestellten Verbindung von Religion, Gewalt und Filmästhetik abgelehnt: Jesus wird auf seine Körperlichkeit reduziert: Ein Exzess an Gewalt überbietet alle bisherigen Jesusfilme, z.B. die Darstellung der Folterung Jesu mit minutenlangen grausamen Schlägen, die Blutlache, Judas Tod am Baum u.a. Gibson bedient sich des Blockbuster-Kinos, der Effektmaschinerie Hollywoods, der emotionalen Manipulation und der Gewaltdarstellung in den sogenannten Spletter-Filmen (z.B. Anatomie 2): Jesus hält die Schmerzen der minutenlangen Auspeitschungen aus, obwohl er physisch dazu nicht mehr in der Lage sein kann. Gibson vermittelt durch die verwendeten „Originalsprachen“ (Juden sprechen aramäisch und die Römer lateinisch) eine Scheinhistorizität: Gibson möchte dem Zuschauer die wahre, die „echte“ Passion Jesu vermitteln. Sein fundamentalistischer Ansatz vergisst aber, dass die Evangelien nicht als Drehbuchvorlage dienen, sondern dass diese Evangelien Glaubenszeugnisse sind, die aus der Ostererfahrung des kerygmatischen Christus (nicht Jesus) und aus der Begegnung mit dem Auferstandenen verfasst sind.)

Color of Cross (USA 2006; KRISTIN HOHENADEL; «Color of the Cross», Christus wird als Farbiger dargestellt. Diese Darstellung verleiht der herkömmlichen biblischen Geschichte eine neue Dimension. Zweifellos wird sie eine Herausforderung für die Verfechter der traditionellen christlichen Glaubenslehre sein und der Debatte und religiösen Bewegung, mit denen die Medien augenblicklich das Land überschwemmen, weiteren Zündstoff geben.)

Jesus-Legenden (Raffaele Mertes, der bei den Produktionen Bibel, z.B. David, Jeremia, Salomon, Jesus u.a., Kamera geführt hat, ist Regisseur in der vierteiligen Reihe der „Jesus-Legenden“: „Joseph von Nazareth“, „Judas“, „Maria Magdalena“ und „Thomas“.)

Joseph von Nazareth (GIUSEPPE DI NAZARETH; Deutschland/Italien 1999; Es wird ausgemalt, wie Joseph die junge Maria kennen lernt. Er schützt sie und ihre Eltern vor einem Racheakt der Römer. Joseph geht in das römische Lager. Centurio: „Es gehört Mut dazu, hierher zu kommen.“ Joseph: „Wir sind friedliebende, gesetzestreue Menschen. Wir geben euch alles, was ihr braucht.“ Ein römischer Soldat entehrt Martha. Joseph zu Judas: „Sie hat dich jetzt nötig, Judas! Du musst sie jetzt heiraten!“ Judas: „Und was ist, wenn sie jetzt schwanger ist? Ich kann nicht zu meinen Freunden gehen!“ Joseph: „Auf solche Freunde kannst du verzichten. Jedes Kind ist ein Kind Gottes.“ Im Sterben prophezeit Joachim dem Joseph: „Maria wird dir, Joseph, einen Propheten schenken.“ Nach der Verlobung mit Joseph schaut Maria zum Himmel. Sie sagt: „Ich fürchte mich nicht! Ich? Gesegnet? Ich bin die Magd des Herrn. Es geschehe, wie du sagst.“ Joseph wird von den Römern ein paar Tage gefangengehalten. Nach der Entlassung erkennt er, dass Maria schwanger ist und vermutet eine Vergewaltigung durch römische Soldaten. „Haben sie dir Gewalt angetan?“ Joseph holt sich Rat beim Rabbi: „Wenn sie des Ehebruchs schuldig ist, muss sie bestraft werden!“ Maria erträgt das Mitleid von Joseph nicht mehr und bittet ihn: „Bitte schick mich fort!“ Joseph erfährt eine Erscheinung: „Joseph, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu nehmen! Sie spricht die Wahrheit. Sie wird dir einen Sohn schenken und du wirst ihn Jesus nennen lassen. Das heißt: Gott rettet. Er soll sein Volk aus seinen Sünden erretten.“)

Judas (GIUDA; Deutschland/Italien 2000; In der Jesus-Legende zieht Jesus kurz vor dem → Passahfest mit seinen Jüngern in Jerusalem ein. Judas, Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns, hat sich unter großen Opfern Jesus angeschlossen, weil er davon überzeugt ist, dass dieser Jesus die unterdrückten Juden von den römischen Besatzern befreit.)

Maria Magdalena (Italien/Deutschland 2000; In der Jesus-Legende wird in freier Fiktion über ihren Ruf als Dirne spekuliert. Amos (Imanol Arias) verlangt die Scheidung von seiner Frau Maria (Maria Grazia Cucinolta), da diese unfruchtbar sei. Maria: „Er raubt mir mein Zuhause, um wieder zu heiraten.“ Amos: „Welche ehrbare Frau wünscht sich nicht einen Erben für ihren Mann? Maria: „Wenn ich sein Haus verlassen soll, wo soll ich hingehen?“ Aus Wut und Enttäuschung über ihren Mann lässt Maria sich mit Silvanus, dem Präfekten Roms, ein. Johanna ist entsetzt über das Verhaltens Marias und sagt zu ihr am nächsten Morgen: „Schrecklich, wie tief du gefallen bist!“ Maria und Silvanus ziehen am Jordan vorbei, wo Johannes zur Bußtaufe aufruft. Maria warnt Johannes: „Du bist in Gefahr!“ Als Maria Silvanus berichtet, dass sie vom ihm schwanger ist, reagiert dieser entsetzt: „Wie kannst du das wissen? … Mir ist das egal, was du mit einem solchen Bastard machst.“ Aus Enttäuschung will Maria sich das Leben nehmen. Jesus und seine Jünger finden sie ohnmächtig am Wasser. Jesus: „Wir sind hier, um dir zu helfen!“ Erst nach und nach begreift Maria die Einzigartigkeit Jesu: „Alle Männer lügen, was ist anders an ihm?““ Maria reicht Jesus eine Schale mit Wasser: „Du musst durstig sein.“ Jesus: „Nicht so wie du. Wie lange kannst du dich noch selbst belügen?“ Maria: „Was weißt du von mir?“ Jesus: „Eine gefallene Frau. Geschieden. Du weißt, was Schmerz ist.“)

Thomas (THOMMASO; Italien/Deutschland 2001; In der Jesus-Legende kommt Thomas (Ricky Tognazzi) in Golgatha an, als das Kreuz Jesu entfernt wird… Auch er hatte, wie die anderen Jünger, nach Jesu Verhaftung Schutz bei Freunden gesucht. Nach der Grablegung entscheiden sich die Jünger, Jerusalem zu verlassen, was Thomas jedoch ablehnt. Als Maria Magdalena (Maria Grazia Cucinotta) den Jüngern erzählt, dass Jesus (Danny Quinn) ihr erschienen sei, sind alle – bis auf Thomas – hoch erfreut. Thomas will Beweise. Er hat Zweifel und möchte den Leichnam Jesu suchen. Ein Soldat täuscht ihm vor, zu wissen, wo der Leichnam Jesu sei. Er führt Thomas zu der Grabstätte und zeigt ihm den Leichnam irgendeiner fremden Person, damit Thomas verkünden solle, er habe den Leichnam Jesu gesehen und dieser sei nicht auferstanden. Am Schluss der Filmhandlung erscheint Jesus allen und überzeugt somit auch Thomas. Dieser kann nun hocherfreut den christlichen Glauben verbreiten.)

3.2. Biblische Transfigurationen

Bereits Stummfilme haben versucht, das Leben und die Passion Jesu auf historische Personen zu übertragen bzw. zu aktualisieren, z.B.:

Die Passion der Jungfrau von Orleans/ Johanna von Orleans (LA PASSION DE JEANNE D'ARC; Frankreich 1927/28; Produktion: Société Générale de Films; Regie: Carl Theodor Dreyer; Buch: Carl Theodor Dreyer, Joseph Delteil; Darsteller: Maria Flaconetti (Jeanne), Eugéne Silvain (Cauchon), Maurice Schutz (Loyseleur), André Berley (Jean d’Estivet), Silvain Ravet (Jean Beaupére), Michel Simon (Jean Lemaitre), Antonin Artaud (Massieu) u.a.; S/W; 80 Min.; Der Film schildert die Gerichtsverhandlung, die Aburteilung und die Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen der Jeanne d'Arc (etwa 1410/12-1431). Ähnlich wie in den vier Evangelien geht es um den ganzen Passionsweg: Es beginnt mit Johannas Kindheit im lothringischen Dorf Donremy. Vielfältig sind die Parallelen zum Leben Jesu. Im Stall hat die junge Johanna ihren ersten geistlichen Auftritt. Ähnlich wie in der neutestamentlichen Überlieferung ist es das persönliche Zeugnis, das Echo der Begegnung. Nicht nur das Thema, auch die Form des Films erinnert an die Evangelien. Johanna weiß, wie Jesus, von ihrem künftigen Weg. Es muss sein. Johanna findet, wie Jesus, zunächst begeisterte Folgschaft. Tag für Tag glaubten mehr an ihre Worte. Johanna ist voll der Gnade, voll des Heiligen Geistes, eine charismatische Führerin, eine Tochter Gottes. Während die Männer Angst haben, schläft Johanna. "Vertraut mir, schlaft!" Dann wieder muss sie die schlafenden Jünger wecken, als es in den Kampf geht. Wie Jesus sich im Disput mit den Pharisäern bewähren muss, steht Johanna den Männern in der Inquisition gegenüber und weist sie zunächst erfolgreich mit Witz und treffsicheren Argumenten in ihre Schranken. Über die Engländer, das sind hier die bösen Mächte, ruft sie deutlich ihr "Weh!" Sie führt die Welt ins Gericht. Aber sie kennt auch Angst und Einsamkeit. Für einen Offizier ist sie die Erlöserin. Doch als sie verwundet wird, weint und klagt sie und ruft nach den Gefährten. Die wunderbare Siegerin macht die Leute unsicher.)

Gegrüßet seist du, Maria (Frankreich/Schweiz/England 1983; 70 Min. (mit Vorfilm 107 Min.); Nach Motiven des Neuen Testaments wird die Botschaft von der Menschwerdung Jesu mit Lebenszusammenhängen der modernen Welt konfrontiert. Die Verkäuferin Maria (Myriem Roussel), Tochter eines Tankstellenpächters, liebt ihren Freund Joseph (Thierry Rode), der Taxifahrer von Beruf ist. Sie lehnt aber jegliche körperlich-sexuelle Kontakte ab. Ein Fremder eröffnet ihr, dass sie schwanger sei. Die Voraussagung bestätigt sich: Sie bekommt ein Kind, obwohl sie noch Jungfrau ist. Ihr Freund Joseph reagiert misstrauisch und befürchtet, dass sie ihn mit einem anderen Mann betrogen haben könnte. Es dauert eine Weile, bis er sein Misstrauen überwindet und zu seiner neuen Rolle und Aufgabe steht. Das Kind, ein Junge, wird geboren. Es stellt sich heraus, dass dieser Junge etwas Besonderes ist. Kollageartig in diese Handlung verwoben ist eine kürzere Parallelhandlung: Ein Dozent diskutiert mit Studenten Fragen der Entstehung des Lebens. Von einer Studentin wird er in eine intime Beziehung verwickelt, wobei sie ihm eine Szene macht, als er wieder zurückkehrt zu seiner Familie nach Prag. Die Jungfrauengeburt bedeutet für den Drehbuchautor und Regisseur Godard nach eigener Aussage einen Weg, um Aussagen über das Geheimnis der Frau, der Liebe, des Lebens zu transportieren und ein Zeichen oder ein Bild für ein Geheimnis des Transzendenten. Diesem Transzendenten können sich die Menschen stets nur bruchstückhaft nähern. Für Godard ist die Bibel kein geschlossenes Buch, keine göttliche Offenbarung mit heiligen Figuren. Er will vielmehr zeigen, dass die biblischen Texte fragmentarisch sind und dass deshalb unser Verständnis der biblischen Texte und von Religion allgemein immer fragmentarischen Charakter haben muss.)

Jesus von Montreal (JESUS DE MONTREAL; Kanada 1989; Produktion: Max Films Produktion; Regie: Denys Arcand; 119 Min.; Arcand (geb. 1941) versucht, die Leidensgeschichte Jesu in die heutige Zeit des Schauspiels, der Werbung und der Medien zu übertragen: Arcand versucht eine Synthese zwischen dem traditionellen historisierenden Passionsspiel und dem modernen realistischen Spiel im Geist des "Evangeliums von unten". Arcand stellt die Jesus-Geschichte auf zwei deutlich voneinander getrennten, parallel laufenden Ebenen dar: als Inszenierung der Markuspassion und als individuelle Geschichte des Jesus-Darstellers Daniel. Arcand reduziert Jesus auf sein Menschsein. Arcand entmythologisiert die Bibel und leugnet Jesu Göttlichkeit.

Aus der Reihe der neueren Jesus-Transfigurationen bzw. Aktualisierungen sind besonders zu nennen:

Ernst und das Licht (Dänemark 1995; Regie: Anders Thomas Jensen; Der 12minütige Kurzfilm stellt die Begegnung zwischen dem Vertreter Ernst und einem Anhalter dar, der behauptet, der Sohn Gottes zu sein: „Ich bin der Sohn Gottes. … Die Menschheit wartet seit beinahe 2000 Jahren auf meine Rückkehr. Nun werde ich sie erlösen.“ Ernst bezweifelt die Mission: „Ich möchte dich nicht enttäuschen, aber daraus wird nichts werden. Klar, in den ersten Wochen wirst du wie ‚ne Bombe einschlagen. Boulevardzeitungen und so … Die Welt hat sich verändert. … Aber daran seid ihr selbst schuld da oben … 2000 Jahre ist `ne lange Zeit. … Die Menschen vergessen dich, wenn du keinen Dampf machst. Hättet ihr wenigstens gesagt `Ìn 50 Jahren ist er wieder da`. Aber so?“ Der Film fragt den Zuschauer nach dem Gottes- bzw. Jesusbild, nach „Wunderverständnis“, nach Erlösung und Rettung u.a.)

Die folgenden Filme behandeln die Frage: „Was geschieht, wenn Jesus heute in deiner Umgebung auftaucht?“

Buch des Lebens (USA 1998; Die Bewohner von New York warten am Silvestertag des Jahres 1999 auf das → Jüngste Gericht. Jesus zieht durch die Stadt, um sich einen Eindruck vom Wert der Menschen zu machen. Jesus ist und bleibt ein Menschenfreund. „Ich veränderte mich. Schnell. Vielleicht war ich den Menschen schon verfallen.“ Im Gegensatz zum Teufel und zu manchen Sektenanhängern zweifelt Jesus an seiner Mission, verweigert das Ewige Gericht und opfert sich erneut für die Menschen. Der Film greift Fragestellungen nach dem endzeitlichen Weltgericht, nach christlicher Rechtfertigungslehre und Verantwortung und Schuld auf.)

Mensch Jesus (Deutschland 1999; Regie: Cornelius Meckseper (Diplomfilm); 23 Min; In dem 1999 gedrehten Diplomfilm schickt Gott seinen Sohn zurück in die Welt der Menschen, um nachzusehen, wie sich die Menschheit entwickelt hat. Jesus landet 1999 am Rande einer deutschen Stadt (Stuttgart). Er überwindet seine Moralvorstellungen und empfindet Zuneigung zu Christa und ihrer kleinen Tochter Erika, die ohne Vater aufwächst. Als Beispiel für Aktualisierungen sei hier die Szene der „Brotvermehrung“ angeführt: Jesus steht am Tisch einer Imbissbude. Die „Brotvermehrung“ erreicht er dadurch, dass er Fischfrikadelle und Brötchen trennt, beide beschnuppert, hinter seinen Rücken hält und diese verdoppelten Portionen dann isst. Als er seinen Finger in den Pappbecher eintaucht, verwandelt sich das Mineralwasser in Rotwein. Der Teufel, der ihn heimlich beobachtet hat, beschimpft ihn: “Wasser in Wein verwandeln! Zaubertricks … mehr hattest Du nie zu bieten, oder?“ Jesus antwortet: „Und Hohn und Spott sind immer noch deine hohe Kunst.“ Teufel: „Ich bin bloß ehrlich. Einer der Gründe, warum mich dein Vater gefeuert hat. So was ist nicht gut fürs Betriebsklima. Und seitdem hocke ich hier unten, am bösesten Ort dieser Stadt, und warte darauf, dich endlich in die Finger zu kriegen.“ Jesus: „Ich habe mit Freuden festgestellt, dass die Menschen meine Gesetze immer noch kennen.“ Teufel: „Aber sie befolgen sie nicht! Heute ist Freitag, oder? Und trotzdem essen alle hier Fleisch! Alte Männer, die vorgeben, blind zu sein, lügen wie gedruckt! Man beschimpft dich für eine Kleinigkeit aufs Übelste. Deine eigenen Priester verleugnen dich. Kein Mensch betet und manche stehlen sogar Kleingeld.“

3.3. Christus inkognito

Aus den vielen Beispielen in der Filmgeschichte sind hier sechs Beispiele kurz angeführt.

NAZARIN (Mexiko; 1958/59; Regie: Luis Buñuel; Buch: Julio Alejandro, Luis Buñuel, nach einem Roman von Benito Pérez Galdós; 94 Min.; In einem Elendsviertel im Mexiko-City der Jahrhundertwende lebt der Priester Don Nazario unter Dirnen und Dieben und versucht hier, das Gebot der Nächstenliebe zu erfüllen. Als die Prostituierte Andara, die in Notwehr einen Mann getötet hat, zu ihm flüchtet und er ihr beisteht, wird er von seiner Kirche ausgestoßen.Er zieht nun - begleitet von zwei Frauen, die ihn für einen Wundertäter halten - als Wanderprediger durch das Land. Sein Auftreten bringt die Menschen dazu, sich zu entlarven, Heuchelei und Bigotterie zu offenbaren. Seine Umgebung sieht ihn als Messias: Don Nazarino: Gut, ihr Trost zusprechen und um Gottes Hilfe bitten, das kann ich tun. Dass mir aber niemand etwas anderes verlangt! Frau: Gott hat Sie in dieses Haus gesandt. Sie sind ein Heiliger. …Don Nazarino: Befolgt die Anweisungen des Arztes und vertraut auf Gott. Frau: Nur ein Wunder kann sie retten! Und Gott hat es durch Sie schon eingeleitet. Barfuß sind Sie wie Jesus Christus. Nararin erkennt, dass helfender Samariterdienst nicht ausreicht. Es müssen radikale strukturverändernde Maßnahmen eingeleitet werden, um soziale Gerechtigkeit herzustellen.)

In dem folgenden Film bewirkt der Erlöser nicht durch Worte und Taten die Befreiung, sondern nur durch seine Anwesenheit.

The Green Mile (USA 1999; John Coffey (Michael Clarke Duncan), ein riesenhafter Schwarzer, ist rechtskräftig verurteilt für den Mord an zwei neunjährigen Schwestern, die man tot in seinen Armen fand. Der aufrichtige Paul Edgecomb erlebt, dass Coffey eine übernatürliche Gabe zu besitzen scheint. Er beginnt sich zu fragen, ob der Mann, zu dem er eine immer engere Bindung aufbaut, wirklich der wahre Schuldige am Tod der Kinder ist. Religiöse Symbole eines Erlösers lassen sich zwischen der Hauptfigur John Coffy und Jesus vergleichen, z.B. die → Wunderheilungen: Coffy heilt eine Blasenentzündung durch Handauflegen, eine Tumorerkrankung u.a.

Matrix (USA 1999/2003; Die Trilogie zeigt deutliche Anlehnungen aus Philosophie und Religion, z. B. Neo als Christus-Figur, Cypher als Judas-Figur;Neo heißt mit bürgerlichem Namen Thomas Anderson: Son of Man; Trinity (Trinität) verkörpert eine moderne Maria Magdalena; Zahlensymbolik, z.B. Neos Herz beginnt nach genau 72 Sekunden wieder an zu schlagen: Nach 72 Stunden wird Jesus vom Tode auferweckt; die Zahl 3; biblische Anklänge, z.B. Morpheus als Figur Johannes der Täufer: Das Orakel weissagt Morpheus, dass er den Erlöser finden wird. Morpheus: „Ich habe Dich gesucht, Neo. … Du bist auserwählt, Neo.“—„Du bist hier, weil du etwas weißt. … Du fühlst es schon dein ganzes Leben lang … es ist wie ein Splitter in deinem Kopf.“ Der Softwarekäufer vor Neos Tür: „Du bist mein Erlöser“. Neo hat Macht über die Welt: „Mir ist gegeben alle Macht …, vgl. Mk 28,18) „Es ist vollbracht“ (Zum Tod Neos im 3. Teil); die Frage nach der Wirklichkeit und der Wahrheit: Morpheus: “Hattest du schon einmal einen Traum, Neo, der dir vollkommen real schien? Was wäre, wenn du aus diesem Traum nicht mehr aufwachst? Woher würdest du wissen, was Traum ist und was Realität?“ “Du siehst aus wie ein Mensch, der das, was er sieht, hinnimmt, weil er damit rechnet, dass er wieder aufwacht. Ironischerweise ist das nah an der Wahrheit.“ die Charaktere: Neo als Erlöserfigur und Held verkörpert das Gute; Cypher als Schurke und Luzifergestalt verkörpert das Böse; Klischees: Filmheld Neo erfüllt die gängigen Hollywood-Klischees vieler Science-Fiction-Filme, z.B. der Film zielt auf die Identifikation des Zuschauers mit dem Filmhelden: „Du schaffst es, wenn du glaubst!“; der Film vermittelt die einfache Botschaft: das Gute, z.B. „Die Liebe schlägt das Böse und siegt!“; der Film betont religiös-traditionelle Werte von Glaube, Liebe, Hoffnung: Mit diesen Werten vermag der Mensch die Bedrohung durch die Technik bestehen; der Film macht das Gewehr zum choreographischen Lustobjekt; die eigentliche Befreiung und Erlösung: Kann bzw. will der einzelne Mensch die Scheinwirklichkeit wirklich zerstören oder will er nur die Kontrolle über die Technik erhalten, um Entscheidungen treffen zu können.

Chocolat (USA 2000; Regie: Lasse Hallström; Buch: Joanne Harris / Robert Nelson Jacobs; 110 Min.; Die Hauptfigur des Ende der Fünfzigerjahre angesiedelten Märchens ist die philanthropische Nomadin Vianne Rocher (Juliette Binoche), die mit ihrer kleinen Tochter Anouk von Ort zu Ort zieht, um die Menschen mit liebevoll zubereiteten Schokoladespezialitäten emotional zu befreien und Vergnügen zu säen, wo Verbitterung und moralische Rigidität herrschen. Als sie in der Fastenzeit in das Städtchen Lansquenet-sous-Tannes kommen und einen Laden gegenüber der Kirche eröffnen, spüren sie den Widerstand des Pfarrers und des Bürgermeisters. Ist Vianne ein weiblicher Heiland, eine moderne Jesus-Gestalt?Es lassen sich einige Parallelen aufdecken:

Die Fremde bricht die im Dorf herrschenden Kommunikationstrukturen, die Sprachlosigkeit und lebensfeindlichen Praktiken mittels süßer Schokolade; sie hinterfragt die unmenschlich, heuchlerisch christliche Tradition des fanatischen Fastens im Ort und sie hat ein feines Gespür für die individuellen Wünsche ihrer Kunden, indem sie für jeden einzelnen eine Spezialität kreiert, die seiner Persönlichkeit entspricht. Sie stärkt eine Frau im Bewusstsein, sich von ihrem Mann, der sie erniedrigt und misshandelt, zu trennen. Sie führt Generationen (Oma und Enkelkind), Familien und entfremdete Ehepartner wieder zusammen und befreit den Bürgermeister von seiner strengen orthodox-dogmatischen Glaubenspraxis, die von Gesetzesgehorsam und Werkgerechtigkeit geprägt ist. Sie erlöst die Menschen von Unheil, indem sie ihnen Hoffnung und Lebensfreude zurückgibt.

K-Pax - Alles ist möglich (USA 2001; Regie: Iain Softley; Buch: Gene Brewer u.a.; 115 Minuten; Ein verwirrt wirkender Mann, der sich Prot nennt und behauptet, vom Planeten K-PAX zu kommen. wird in die Obhut des Psychologen Dr. Mark Powell übergeben. Als der ungewöhnliche Patient ankündigt, bald wieder nach Hause reisen zu wollen, versucht Powell in das Universum des seltsamen Mannes einzutauchen. Prot wird zum Messias. Parallelen zu Jesus lassen sich finden, z.B.: Wie der zwölfjährige Jesus im Tempel lehrt Prot die ungläubigen Wissenschaftler. Wie Jesus heilt Prot seine Mitpatienten, die der Arzt Powel schon aufgegeben hat. Prot deckt heuchlerisches routiniertes Handeln und die Entfremdung des Arztes zu seinen Patienten auf und wird ihm zum Bruder. Prot zeigt, dass Liebe Menschen gesund machen kann, die als krank ausgegrenzt und bereits aufgegeben sind.

3.4. Christus blasphemisch

Bei diesen Filmen wird generell die Göttlichkeit Jesu infrage gestellt.

Das Gespenst (BRD 1982; Im Film steigt eine lebensgroße Christusfigur („Der 42. Jesus") in einem bayerischen Kloster auf die Klage einer enttäuschten Oberin (Annamirl Bierbichler) vom Kreuz, um als „Ober" (Herbert Achternbusch) mit Münchner Passanten, mit der Polizei und mit einem Bischof in Konflikt zu geraten. Den unbedeutenden 42. Herrgott zieht es ins Bett der Oberin Um ihren gemeinsamen Lebensunterhalt zu versorgen, bewirtet er die Gäste der Klosterschänke. „Denkst du dir nichts, wenn du Rotwein trinkst?“, fragt die Oberin. - „Nein, wieso?“ – „Es ist dein Blut!“ – „Wie kommst du darauf?“)

Monty Python's Das Leben des Brian (MONTY PYTHON'S LIFE OF BRIAN; Großbritannien; 1979; 94 Min.; Monty Python, eine sechsköpfige englische Komikergruppe, stellt die Passionsgeschichte Jesu in beißender Ironie als Bibel-Parodie zu den pathetischen Jesusfilmen dar, wobei der Film zwischen Blasphemie, Geschmacklosigkeit und typisch englischem schärfsten Witz pendelt. Jesus' Nachbarjunge Brian wird von hysterischen Anhängern zum Märtyrer gemacht.)

Der Gefallen, die Uhr und der sehr große Fisch (USA 1991; 94 Min.; Der leicht versponnene Fotograf Louis Aubinard, der hingebungsvoll kitschige Heiligenbildchen arrangiert und ablichtet, hat Schwierigkeiten, einen geeigneten Jesus-Darsteller zu finden. Als er einem erkrankten Freund einen Gefallen erweisen will und sich gänzlich ahnungslos als Synchron-Sprecher eines Pornofilm wiederfindet, verliebt er sich in seine „Partnerin“ Sybil. Sie erzählt ihm von ihrer einstigen Liebe zu einem Pianisten, der unmittelbar vor ihrer ersten gemeinsamen Liebesnacht ins Gefängnis musste. Da sie unerwartet einem Geiger zu verfallen drohte, wurde der Pianist zum gewalttätigen „Rächer“. Nun steht seine Haftentlassung an, und Louis müsse ihr helfen, diese Situation zu meistern. Missverständnisse und Zufälle mischen diese Ausgangssituation neu: Louis verliert Sybil und gerät auf der Suche nach einem geeigneten Jesus-Darsteller an den skurrilen Pianisten und Ex-Häftling. Als langhaariger und leidenschaftlich-leidender Jesus-Darsteller macht dieser Karriere. Die Bilderbibel mit seinen Aufnahmen findet reißenden Absatz. Er wähnt sich als leibhaftiger Wundertäter und hält sich bald selbst für den Gottessohn. Der Versuch, wie Jesus über das Wasser gehen zu können, endet tödlich. In der Satire windet sich der Schauspieler-Jesus vor Hunger und Durst am Kreuz, während der Fotograf diesen Leidensdruck forciert, um ein „echtes“ Heiligenbild zu erhalten. Wunder sind durch Zufälle wie den fehl geleiteten Golfball restlos erklärbar. Am Ende des Films „ertrinkt, Jesus“, als er übers Wasser zu wandeln versucht.

4. Musikfilme - Ballett

In den 70er Jahren gewinnt das Jesus‑Musical an Bedeutung: die Hippie‑Bewegung nimmt Einfluss bei der Suche nach neuen Sinngebungen. Die Jugendkultur (ebenfalls die Jesus‑People‑Bewegung) in den USA entdeckte Jesus als neue Hoffnungsgestalt. Die Jesus‑Renaissance der "Flower‑Power" Bewegung wird deutlich in Filmen als Show‑Ereignis wie Jesus Christ Superstar" (USA 1972) u.a.

Vorläufer ist Andrew Lloyd Webbers 1968 geschriebene Kinderoper.

Jesus Christ Superstar (USA 1972; nach dem Musical von Andrew Lloyd Webber; 107 Min.; Eine Gruppe junger Leute spielt in der Negev-Wüste, in den Ruinen antiker Bauten, Stationen der Passion Jesu nach. Dieser nach der gleichnamigen Rock-Oper gedrehte Film entmythologisiert Jesu Passion und betont den Menschen Jesus. Weder dem Musical noch dem Film geht es um ein Nachspielen der Evangelienberichte im modernen Gewand, vielmehr soll die Botschaft Jesu in die heutige Zeit transponiert werden. Dabei ist Jesus ausschließlich als Mensch gesehen. Jesus wird zwar als Superstar gefeiert, doch er stirbt als verzweifelter Mensch in Einsamkeit. Die Auferstehung Jesu fehlt. Judas wird zum Gegenhelden stilisiert. Judas wird in der Verfilmung von einem Farbigen (Carl Anderson) gespielt, Maria Magdalena (die erst zwanzigjährige Hawaiianerin Yvonne Elliman) salbt Jesus nicht, sondern kühlt sein Gesicht. Sie ist um sein leibliches und seelisches Wohl besorgt. Herodes wird als Playboy karikiert.

Jesus Christ Superstar (England 2000; Im Gegensatz zu der Filmfassung von 1972, gedreht in der Negev-Wüste, erscheint Jesus in der Bühnenfassung (England 2000, Regie: Gale Edwards) nicht mehr als Student. Edwards entstaubt die Vorlage aus der Flower-Power-Hippie-Zeit und setzt sie in eine zeitgemäße Bildsprache um. Keine Blumenkinder treten auf, sondern die Jünger werden als Punks, Outlaws, Soldaten, Rocker oder Techno-Jünger dargestellt. Der Tempel wird nicht mehr nur von Geldwechseln heimgesucht, sondern er ist Spielhölle und Go-Go-Bar. In den Hauptrollen sind unter anderem Glenn Carter („Joseph“) als Jesus, Jerome Pradon („Miss Saigon“) als Judas, Renee Castle („Carnival Messiah“) als Mary, Fred Johanson („Jesus Christ Superstar“ / Broadway) als Pilatus und Frederick B. Owens als Caiaphas zu sehen.)

Joh. Seb. Bach: Johannes-Passion:

Es wäre gut, dass ein Mensch würde umbracht für das Volk (Deutschland 1991; Produktion: Provobis-Film; Regie, Buch u. Choreographie: Hugo Niebeling; 125 Min.; Spielort: Dom zu Speyer; Die Passion Jesu als Tragödie mit der Musik von Bach nach antikem Vorbild; im Zentrum der Handlung steht die Auseinandersetzung zwischen Jesus und Pilatus. Gründgens-Schüler Hugo Niebeling verschweißt Elemente aus Ballett, Schauspiel, Musical zu einem Kunstwerk. des Jesus-Bildes; denn Jesus entspricht äußerlich wenig der überlieferten Vorstellung. Christoph Quest zeigt dem Zuschauer seine ganz persönliche Sicht von Jesus und spielt als etwas älterer Schauspieler die Rolle ohne Maske und langhaarige Perücke: Er verzichtet auf das traditionelle Bild eines langhaarigen schönen Jünglings. Er verkörpert einen Mann ohne jeden Zug einer heldenhaften Verklärung. Er ist ein ganz normaler Alltagsmensch, ein Mann im besten Alter mit Glatze und Bartstoppeln. Er ist ein Mann, der sanft, aber auch bestimmt sein kann. Er geht den ihm vorgezeichneten Weg ohne inneren Zweifel. Er pendelt zwischen persönlicher Interpretation und darzustellender Person: Quest identifiziert sich nicht mit der Jesus-Rolle und geht in dieser Rolle nicht auf.)

Matthäus-Passion (Ballett von John Neumeier; Mit Peter Schreier (Tenor), Bernd Weikl (Bass), Mitsuko Shirai (Sopran), Marga Schiml (Alt), Franz Grundheber (Bass) und dem Hamburg Ballett; Es singen und spielen Chor und Orchester St. Michaelis unter der Leitung von Günter Jena Die "Matthäus-Passion", ein Klassiker des Hamburg Balletts, ist eine Herausforderung für das Ensemble und die Solisten. Die entrückte Stimmung der "choreografischen Meditation" wurde durch die schwarze Bühne und die weißen Gewänder des Ensembles betont. Ein Höhepunkt der legendären Aufführung war zweifellos John Neumeier selbst, der - zum letzten Mal - im Alter von 60 Jahren den "Jesus" tanzte.

Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach (Drehorte: München, Landsberg, Münsing u.a. Drehzeit: Dienstag, 11. bis Freitag 28. Juli 2006 Buch und Regie: Richard Blank Die Matthäuspassion von J. S. Bach ist durchsetzt mit weltlichen Texten, ein Verweis auf die menschliche Seite der Christusfigur. Der Film folgt der Musik Bachs und versetzt die Handlung in das München unserer Tage. Christus trägt das Kreuz durch die Fußgängerzone, der Prozess Jesu findet in einem aufgelassenen Theater statt, die Kreuzigung auf der Theresienwiese ist eingerahmt von städtischem Panorama. Der Film zeigt zur Musik der Bach’schen Passion die Leidensgeschichte in heutiger Münchner Umgebung. Christliche Ikonen wie die Pieta oder der Kreuz tragende Christus werden beispielsweise in die Fußgängerzone gesetzt, wobei die Reaktionen der Passanten wie für eine Dokumentation mitgedreht werden. Darsteller in historischen Kostümen mischen sich unter Menschen in heutiger Kleidung. Konsequenterweise gibt es Doppelrollen: Judas beispielsweise ist auch Börsenmakler und Magdalena ein Model. Getragen wird der Film durch die Musik der Stockholmer Aufnahme des schwedischen Dirigenten.)

La Pasión Según San Marcos (Deutschland 2000; Nach der gelungenen Inszenierung der Bachschen Johannes-Passion durch Hugo Niebeling im Dom zu Speyer (1991) ist aus neuerer Zeit die Auftragskomposition von Oswaldo Golijev, La Pasión Según San Marcos (aus der Reihe Passion 2000, Internationale Bachakademie Stuttgart) zu nennen. Golijev (geb. 1960 in La Plata, Argentinien) verwendet für seine Passion Texte aus Mk 14 u. 15 und die Klagelieder aus Jeremia. Die Jesus-Rolle wird einmal von einer Frau oder von einem Mann übernommen, um so die zwei Naturen darzustellen: Jesus, manchmal mehr ein geängstigter Mensch und manchmal mehr Gott. Sehr beeindruckend sind die Capoeira-Tänze, eine Kampfsportart aus Brasilien, die die Sklaven aus Afrika mitbrachten.)

Annonciation (Frankreich 2002; Der Engel kündigt die Geburt an;Die sinnliche Jungfrau Maria begegnet dem androgynen und faszinierenden Erzengel Gabriel, der ihr mitteilt, dass sie den Messias in ihrem Schoß trägt.)

5. Fernsehspiele

In den 90er Jahren versuchen z.B. Fernsehspiele biblische Inhalte auf die heutige Alltagswelt zu übertragen und deren Aktualität aufzuzeigen. Geschichten aus dem Alten Testament im neuen Gewand ‑ Grundidee einer Reihe, mit der das ZDF biblische Motive aktualisiert wiedergeben will.

Die Spiele sind keine Verfilmung der Bibel, sondern rücken sympathische Frauen in den Mittelpunkt, die sich zeitlosen Konflikten stellen und ihr Leben in die Hand nehmen. Hauptpersonen der Gegenwartshandlung, die immer wieder Parallelen zu der biblischen Vorlage ahnen lässt, sind Alltagsmenschen.

Mirjams Mutter (Fernsehspiel in der Reihe: Biblische Frauen; Produktion: Tellux‑Film München; Redaktion: Juliana Weiss, Michaela Pilters; Buch: Irene Rodrian nach Erika Wisselincks Roman "Anna im Goldenen Tor ‑ Gegenlegende über die Mutter der Maria"; Regie: Vera Loebner; Darsteller: Heidy Forster (Anna, alt), Sabine Oberhorner (Anna, jung), Despina Pajanou (Mirjam, alt), Sabine Martin (Mirjam, jung), Alexander Duda (Joachim), Erika Wackernagel (Marianne), Hermann Giefer (Josef), Herta Schwarz (Vogelfrau), Michael Habeck (Damian), Michael Gahr (Melchisek), Hans Langner (Simeon); 88 Min.; Handlungsebene ist der Karfreitag des Jahres 33, der Tag der Kreuzigung Jesu. Nach der Kreuzigung ihres Sohnes Jesus flüchtet sich Mirjam (Despina Pajanou) in das Haus ihrer Mutter Anna (Heidy Forster). Die beiden Frauen, die im Streit auseinandergegangen sind, haben sich seit Jahren nicht gesehen. In dieser Nacht der Trauer können die beiden Frauen ohne Scheu über ihre Probleme reden. In der Erinnerung tauchen nochmals die Konflikte ihres Lebens auf: Unverständnis, religiöser Streit, mangelnde Liebe. In dieser Nacht der Trauer gibt es kein Tabu. In langen Gesprächen findet Mirjams Mutter zurück zu ihrer Tochter.)

6. Trickfilme

In den letzten Jahren wurden vermehrt Puppenanimationen und Trickfilme erstellt, die filmästhetisch und inhaltlich neue Wege gehen.

Hier sind besonders zwei Produktionen zu nennen:

Die Geburt Christi (Russland 1998; Regie: Michail Aldaschim; Der kurze Trickfilm (12 Min.) stellt heraus, dass mit der Geburt Christi ein Friedensreich beginnt: „Und die frohe Botschaft war für alle Lebewesen gedacht: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden! Vertragt euch!“ Die Feindschaft zwischen den Tieren ist tatsächlich beendet, z.B. der Engel legt das Häschen auf den Rücken des Löwen. Auch bei den Menschen gibt es keinen Streit mehr. Als die Hirten die frohe Botschaft des Engels vernehmen, beenden diese sofort den Streit beim Würfelspiel und machen sich zum Stall auf. Der Film spricht Kinder und Erwachsene gleichsam an. Die Details sind liebevoll gezeichnet und animiert, z.B. die „Landung“ des Engels auf der Erde, die Löwen u.a. Die ausgewählte klassische Musik von Bach (Adagio aus dem Konzert Nr. Nr. 4) und Beethoven (Allegretto aus der Sinfonie Nr. 7) unterstreicht den ruhigen Ton des Erzählers.)

Der Mann der tausend Wunder (MIRACLE MAKER; Großbritannien 2000/2003; Regie: Stanislav Sokolov / Derek Hayes; Die Handlung beginnt mit der zufälligen Begegnung zwischen dem kränklichen Mädchen Tamar, ihrem Vater, dem Synagogenvorsteher Jairus und dem resoluten Zimmermann Jesus. Tamar ist fasziniert von der spirituellen Kraft Jesu. Jesus heilt sie. Der Tod Jesu wird nicht als Opfertod gesehen, sondern als Konsequenz menschlichen Handelns, das geprägt ist von Boshaftigkeit und Angst. Die Filmemacher betonen, dass sie sich um intensive historische Recherchen bemüht haben, um die Lebensumstände im römisch besetzten Israel authentisch zu zeigen. Die Animationen geben eine in sich schlüssige Interpretation der Gestalt Jesu wieder.)

7. Ausblick

Jesusfilme kein Ende

Paul Verhoeven plant einen Jesusfilm, bei dem die Geburt Jesu auf eine Vergewaltigung zurückgeht. Verhoeven verzichtet auf die Darstellung von Wundern, stellt Jesus als Freiheitskämpfer dar.

Chris Columbus („Kevin – Allein zu Haus“) plant „Jesus Christus. Rückkehr ins Heilige Land“. Er will die ersten Jahre Jesu verfilmen.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Bücher

1.1. Zur Filmgeschichte: Filmlexika – Jahrbücher

  • Hans-Michael Bock, (Hg.): 1994, CINEGRAPH. Lexikon zum deutschsprachigen Film. (Vollständiger Nachdruck des vergriffenen Grundwerks. München 1996 (edition text + kritik)
  • Chronik des Films, Dortmund
  • Cinegraph: Lexikon zum deutschsprachigen Film. Verlag edition + kritik. München, ab 1984 Film-Jahrbuch 1992 ff. (Hg. Lothar R. Just) Heyne Filmbibliothek München 1992 ff
  • Fischer Film Almanach. Filme. Festivals. Tendenzen. 1981 ff. Reihe: Fischer Cinema. Frankfurt 1981 ff.
  • Lexikon des Internationalen Films. Das komplette Angebot in Kino und Fernsehen seit 1945. 21000 Kurzkritiken und Filographien. Hg. v. Kath. Institut für Medieninformationen e.V. und der Kath. Filmkommission für Deutschland. (Rowohlt Taschenbuch, 10 Bde. Und Nachtragsbände) Reinbek bei Hamburg 1987ff (vgl. Datenbanken)
  • Jerzy Toeplitz,: Geschichte des Films. Fünfbändiges Nachschlagewerk. Bd. 1: 1895-1928; Bd. 2: 1928-1933; Bd.: 3: 1934-1939; Bd. 4: 1939-1945; Bd. 5: 1945-1953. (Henschel) Berlin 1993 (Nachdruck)

1.2. Bibel – Theologie – Glaube – Film

  • Bruce Babington, / Peter William Evans,: Biblical Epics. Sacred Narrative in the Hollywood Cinema. (Manchester University Press) Manchaster-New York 1993 (Besonders Teil 2: The Christ Film (S. 91-168) und Teil 3: The Roman / Christian Epic (S. 169-226)
  • Richard H. Campbell, / Pitts, Michael R., 1981, The Bible on Film. A Cheklist. 1887-1980. Metuchen, N. J./ London
  • Andrew Greeley, 1993, Religion in der Pokultur. Musik, Film und Roman. Graz-Wien-Köln
  • Peter Hasenberg, / Wolfgang Luley, / Charles Martig, (Hg.), 1995, Spuren des Religiösen im Film. Meilensteine aus 100 Jahren Kinogeschichte. (Matthias-Grünewald) Mainz
  • Klaus Hellmich, 1991, Die Bibel in den Medien. Hinweise. Heft 5/6 Dez. (Essen)
  • Inge Kirsner, 1996, Erlösung im Film. Praktisch-Theologische Analysen und Interpretationen. Stuttgart
  • M.Kuhn, u.a. (Hg.), 1991, Hinter den Augen ein eigenes Bild. Film und Spiritualität. Zürich
  • Peter Malone, 1990, Movie Christs and Antichrists. New York
  • Josef Müller u. Reinhold Zwick, (Hg), 1999, Apokalyptische Visionen. Film und Theologie im Gespräch. (Reihe: Dokumentationen, Bd. 22, hg. v. Udo Zelinka). Katholische Akademie Schwerte
  • Wilhelm Roth / Bettina Thienhaus, (Hg): 1989, Film und Theologie. Diskussionen – Kontroversen – Analysen (epd-Texte 20). Stuttgart
  • Manfred Tiemann, 1995, Bibel im Film. Ein Handbuch für Religionsunterricht. Gemeindearbeit und Erwachsenenbildung. (Calwer) Stuttgart
  • Manfred Tiemann, 2009, Filme für Religionsunterricht und Gemeinde. Schnelle Suche. Göttingen

1.3. Jesus im Film

  • Alexander L. Baugh, 1997, Imaging the Divine. Jesus and Christ-Figures in Film. Kansas City
  • Sylvain De Bleeckere, 1986, De periode van de geluidsfilm (1945-1985). In: Robrecht Michiels (Hg.), Evangelie en evangelies (Het Nieuwe Testament leren lezen; 1). Leuven, 173 ff.
  • Armin Degenhart, 1991, Jesusdarstellungen im Medium Film. Grundsätzliche theologische und filmsprachliche Überlegungen zum Genre der Jesusfilme. (Diplomarbeit) Evangelische Fachhochschule Freiburg
  • Roy Kinnard / Tim Davis, 1992, Divine Images. A History of Jesus on the Screen. New York
  • Georg Langenhorst, 1998, Jesus ging nach Hollywood. Die Wiederentdeckung Jesu in Literatur und Film der Gegenwart. (Patmos) Düsseldorf
  • Thomas Langkau, 2007, Filmstar Jesus Christus. Die neuesten Jesus-Filme als Herausforderung für Theologie und Religionspädagogik, Berlin
  • Peter Malone, 1988, Movie Christs and Antichrists. Sydney (New York 1990)
  • Manfred Tiemann, 2001, Jesus comes from Hollywood. Religionspädagogisches Arbeiten mit Jesusfilmen. Göttingen. Anhang zu mehr als 600 „Jesus-Filmen“:

2. Zeitschriften

  • Cahiers du Cinéma. Paris 1951ff
  • Cinémathèque. Revue semestrielle d’esthétique et d’histoire du cinéma. Edition Yellow Now. Crisnée. Belgien
  • Epd Film. Hg. v. Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik. Frankfurt 1984ff
  • Evangelischer Filmbeobachter (EFB), München 1948-1971 (danach: Filmbeobachter)
  • Filmbeobachter. München 1976-1983 (danach: epd film)
  • Film-Dienst. Kath. Institut für Medieninformationen e. V. in Zusammenarbeit mit der Katholischen Filmkommission. Köln
  • Film History. An International Journal. Hg. V. Richard Koszarski. American Museum of the Moving Image
  • Film-Echo. Hg. v. Horst Axtmann. Wiesbaden 1963ff
  • Themenheft Religion im Film. Der Evangelische Erzieher Heft 6/1992 (Diesterweg 45926)
  • Manfred Tiemann 2002 Die teuflischste Versuchung. In: entwurf 3/4(Stuttgart)
  • Manfred Tiemann, 2003 Engel im Film. In: Jüngst/Kirchhoff/Tiemann: Es ging ein Engel durch den Raum. Göttingen
  • Manfred Tiemann, 2004 Gewalt - Filmanalysen für den Religionsunterricht. In: Kirsner, Inge / Wermke, Michael (Hg.). Gewalt - Filmanalysen für den Religionsunterricht. Göttingen
  • Manfred Tiemann, 2004, „Schönster Herr Jesu“. Tendenzen in neuen Jesus-Filmen Braunschweiger Beiträge für Theorie und Praxis von RU und KU.110. 4/4. (Wolfenbüttel). S. 5ff.
  • Manfred Tiemann: „ … und erlöse uns von dem Bösen“
  • Erlösergestalten in Film und Kino. Braunschweiger Beiträge für Theorie und Praxis von RU und KU.114. 4/2005. (Wolfenbüttel). S. 24-32
  • Manfred Tiemann, 2006, „und alle, vor die es kam, wunderten sich der Bilder.“ Staunen über Zeichen und Wunder im Kino. In. „Entwurf“ 4/4 (Stuttgart), S. 49ff.
  • Manfred Tiemann, 2009, Der protestantische Pfarrer und seine Familie. In: Handbuch Theologie und Populärer Film - Band 2 Hg. von Bohrmann, Thomas / Veith, Werner / Zöller, Stephan. Paderborn

Zitatnachweis

Alle angeführten Filmdialoge sind vom dem Verfasser den jeweiligen Filmen abgehört.

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