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Lexikon

Bibelfilme (AT)

Manfred Tiemann

(erstellt: Juni 2012)

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1. Einleitung

Mit der Erfindung des Films durch die Gebrüder Louis und Auguste Lumière im Jahr 1895 bekommen Heilige Schrift und bildliche Darstellungen in Bibel und Kirchen neue Interpretationsmöglichkeiten. Für Künstler und Kirchenvertreter stellt sich die Frage, wie die Erzählungen der Bibel, wie insbesondere das Wirken Jesu auf Leinwand dargestellt werden können. Während für die einen Unterhaltung und Kommerzialisierung im Vordergrund stehen, geht es anderen vor allem um die theologisch-christliche Relevanz eines Films.

2. Die Anfänge: Der Stummfilm

Die ersten Bibelfilme widmen sich noch nicht dem Alten Testament, vielmehr wird schon im Jahr 1897 die Passion Jesu gleich mehr als sechsmal verfilmt, zuerst von den Brüdern Basile, dann von Louis Lumière mit Bildern aus 13 Szenen der Passion „Leben und die Passion Christi“. Die ersten Stummfilme reihen einzelne Szenen aneinander, werden im Studio mit Laiendarstellern gefilmt und sind meist nur 10 bis 15 Minuten lang. Ab 1915 wird an historischen Orten gefilmt, z.B. in Ägypten. Filme erhalten Zwischentitel, oft einzelne Bibelzitate. Biblische Texte werden als Drehbuchvorlage verwendet. Damit soll Echtheit erreicht werden. Das Publikum soll erkennen: So war es. Zu den beliebtesten alttestamentlichen Erzählungen gehört → Simson und → Delila, verfilmt von Ferdinand Zecca (Frankreich 1903), weitere Verfilmungen folgen 1908, 1922, 1927, 1949. Weitere beliebte Themen sind: „Daniel in der Löwengrube“ (→ Daniel; Frankreich 1905) sowie „Judit und Holofernes“ (→ Judit; Italien 1906; das Thema wird unter dem gleichen Titel 1914, 1928 und 1960 verfilmt). 1897 wird der Film Industriezweig: Die Brüder Charles und Emile Pathé gründen die Firma Pathé Cinema zur Massenproduktion eigener Filme im großen Stil. „Kino wird Theater, Zeitung und Schule von morgen sein.“

Simson und Delila (SAMSON AND DELILAH; Frankreich 1903; Produktion: Pathé; Regie: Ferdinand Zecca; 15 Min. Es ist die erste Verfilmung dieses beliebten Themas, die nächsten folgen 1908, 1922, 1927, 1949.).

Daniel in der Löwengrube (DANIEL IN THE LION’S DEN; Frankreich 1905; Produktion: Pathé; Regie: Lucien Nonguet. Es ist die erste Verfilmung dieses beliebten Themas, die nächste folgt bereits 1913.).

Joseph wird von seinen Bürdern verkauft (JOSEPH VENDU PAR SES FRÈRES; Frankreich 1909; Produktion: Pathé).

Um 1910 werden vermehrt Themen des Alten Testaments verfilmt:

Das Leben von Mose (→ Mose; THE LIFE OF MOSES; USA 1910; Produktion: Vitagraph; Regie: J. Stuart Blackton; der Zyklus besteht aus 5 selbstständigen Teilen: Die Verfolgung der Israeliten durch die Ägypter [THE PERSECUTION OF THE CHILDREN OF ISRAEL BY THE EGYPTIANS; 1909]; 40 Jahre im Land der Midianiter [FORTY YEARS IN THE LAND OF MIDIAN; 1909]; Die Plagen von Ägypten und die Befreiung der Hebräer [THE PLAGUES OF EGYPT AND THE DELIVERANCE OF THE HEBRWS; 1910]; Israels Sieg [THE VICTORY OF ISRAEL; 1910]; Das gelobte Land [THE PROMISED LAND; 1910]).

Die Makkabäer (→ Makkabäer; I MACABEI; Italien 1910; Regie: Enrico Guazzoni. Wie in den Apokryphen beschrieben spielt der Film im Jahr 166 v. Chr. und erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie in ihrem Kampf um Religionsfreiheit. Der daraus entstandene Film zeigt jedoch ein Konglomerat biblischer Themen und Kostüme).

Die biblische Erzählung von Adam und Eva wurde in den Jahren nach 1910 mehrfach verfilmt:

Adam und Eva (ADAM AND EVE; England 1910. Der Film bietet fast eine Ein-Mann-Show des Produzenten und des Regisseurs Phil Bruns, der auch die Rolle des Adam spielt. Für damalige Verhältnisse zeigen Adam und Eva viel nackte Haut.).

Adam und Eva (ADAM ET EVE; Serbien 1912. Der Regisseur Ivo Urbanic aktualisiert die biblische Vorlage: Adam ist ein armer Gauner. Seine Frau Eva überredet ihn, einen Hausierer zu bestehlen, um so zu Luxus zu gelangen.).

Léon Gaumont (1864-1946) bringt weitere Filme mit biblischen Themen heraus:

Jeftas Tochter (Frankreich 1910).

Pharao oder Israel in Ägypten (Frankreich 1910).

Saul und David (Frankreich 1911; Regie: Henri Andréani).

Henri Andréani (1877-1936) dreht in Frankreich die Titel:

Kain und Abel (CAIN ET ABEL, Frankreich 1911; 5 Min.).

Saul und David (LA MORT DE SAUL, Frankreich 1912; David ist zurückgekehrt vom Krieg gegen die Philister.).

Der französische Regisseur Louis Feuillade (1873-1925), der mehr als 450 Filme (u.a. „Fantômas“, „Judex“) herausbrachte, hat auch eine Reihe von Filmen mit biblischen Themen gedreht, die allerdings nicht alle mehr erhalten sind. Die wichtigsten Titel sind:

Judit und Holofernes (JUDITH ET HOLOPHERNE; Frankreich 1909).

Ester (ESTHER; Frankreich 1910).

Ab 1920 versuchen die Filme, entweder möglichst die ganze Geschichte des Alten Testaments oder konzentriert einzelne Gestalten zu zeigen. Um die Attraktivität der Filme beim Zuschauer zu erhöhen, wird der Aufwand an Ausstattung erhöht. Bei der Vielzahl der produzierten Bibel-Filme entsteht zunehmend der Eindruck, dass diese nun untereinander in Konkurrenz treten. Immer hat die Kirche versucht, bei der Rollengestaltung der Filme mitzubestimmen. Sie sah sich im Besitz eines sogenannten Urheberrecht, das sie vehement vertrat.

Sodom und Gomorra (→ Sodom; Alternativer Titel: Sodom und Gomorrha – Legende von Sünde und Strafe; Österreich 1922; Produktion: Sascha Kolowrat-Krakowsky, Arnold Pressburger; Regie: Michael Kértèsz [Michael Curtiz]; Darsteller: Georg Reimers, Lucy Doriane, Walter Slezak, Erika Wagner; 180 Min. / 95 Min. [rekonstruierte Fassung]; Kinostart 13.10.1922 [Wien]. Die Geschichte vom Untergang der Stadt Sodom im Schwefel- und Feuerregen steht am Ende des Stummfilms. Die österreichische Großproduktion zeigt gigantische Bauten und über 5000 Statisten.).

1922 wird gleich zweimal das Thema Simson und Delila verfilmt:

Simson und Delila (SAMSON AND DELILAH; England 1922; Produktion: Master Films; Regie: H.B. Parkinson / Edwin J. Collins; Darsteller: Valia [Delila], W.D. Waxman [Simson]. Der Film, der 1927 erneuert wurde, zeigt Filmaufnahmen einer Opernaufführung.).

Simson und Delila (SAMSON AND DELILAH; Österreich 1922; Produktion: Corda-Film / Vita-Film; Regie: Alexander Korda; Darsteller: Maria Corda [Delila], Franz Herterich, Paul Lukas, Ernst Arndt, Oskar Hugelmann, Alfredo Galaor).

Weitere Titel der Zeit sind:

Die Sklavenkönigin (THE MOON Of ISRAEL; Österreich 1924; Produktion und Regie: Michael Curtiz; Darsteller: Maria Corda, Arlette Marchal, Adelqui Miller, Oscar Beregi, Ferdinand Onno; Buch: Ladislaus Vajda nach dem Roman von Henry Rider Haggard „The Moon of Israel“; Kinostart: 24. Oktober 1924; 103 Min. Der Film erzählt, wie Mose die Israeliten aus Ägypten und ins Gelobte Land führt. Gedreht wurde in Wien mit rund 5000 Statisten. Große Beachtung fand die Darstellung der Teilung des Roten Meeres, die durch Tricktechnik entstand.).

Die Zehn Gebote (→ Dekalog; THE TEN COMMANDMENTS; USA 1925; Regie: Cecil B. DeMille; Buch: Jeannie MacPherson; Darsteller: Theodore Roberts, Edythe Chapman, Richard Dix, Rod la Rocque. Der Film ist aufgrund eines Ideenwettbewerbs in der „Los Angeles Times“ zustande gekommen. Die Knechtschaft der Kinder Israels und ihr Auszug aus Ägypten. Als Mose [Theodore Roberts] das goldene Kalb zerstört, blendet der Film in die Gegenwart über. DeMille nennt sein Opus „ein zeitgenössischer Film mit einem Biblischen Prolog“. Der Prolog zeigt „gemäß dem Buch Exodus“ die Befreiung der Hebräer aus Ägypten unter der Führung von Mose, ihren Zug durch die Wüste zum Sinai und die Übergabe der Gebote. Die zeitgenössische Geschichte stellt das Leben zweier Brüder dar, von denen der eine die Gebote einhält, während der andere sie bricht und deshalb scheitert. Der Film kostete damals 1.475836 Dollar und brachte etwa das Vierfache ein. Er bietet raffinierte Trickfilmaufnahmen, z.B. vom Zug der Juden durchs Rote Meer, und einige Farbszenen. Es entstand ein insgesamt aufwendiges, sentimentales Spektakel.).

Arche Noah (NOAH’S ARK; USA 1928/58; Produktion: Associated Artits / Dominant Release; Regie: Michael Curtiz; Buch: Anthony Coldeway; S/W, 69 Min. Als Stummfilm begonnen, wurde dieser kuriose Versuch später zum Tonfilm frisiert.).

3. Spielfilme – Monumentalfilme

Die Bibel als Drehbuchvorlage eignet sich offensichtlich gut für das Monumentalkino. Hier vernachlässigen die Filme narrative Elemente, bevorzugen dagegen Materialschlachten mit Massenszenen und aufwendigen Kulissen. Das erfundene Breitwandverfahren Cinemascope eröffnet auch dem Bibel-Film neue Möglichkeiten und Dimensionen, Massenszenen (oft mit mehr als 50.000 Komparsen) und Monumentaleffekte zu produzieren und damit die Schaulust der Besucher zu befriedigen. Die meisten Kolossalgemälde und Historienspektakel dauern länger als 120 Minuten.

Anfang der 30er Jahre setzt sich der Tonfilm weiter durch. Die Realitätstreue kann intensiviert werden durch Geräusche und unterlegte Musik.

Die grünen Weiden (THE GREEN PASTURES; USA 1936; Produktion: Warner; Regie: Marc Conelly, William Keighley; Buch: Marc Conelly; Darsteller: Rex Ingram [Adam / Hezdrel], Oscar Polk [Gabriel], Eddie Anderson [Noah], Frank Wilson [Mose], George Reed [Deshea / Isaak], Ernest Whitman [Pharao], Myrtle Anderson [Eva], Al Stokes [Kain]; 90 Min. Die Bibelerzählungen, z.B. von Adam und Eva sowie vom Auszug aus Ägypten, die in der Sonntagsschule erzählt und erklärt werden, beschäftigen die Einbildungskraft eines kleinen schwarzen Mädchens so stark, dass sich Traumwelt und Wirklichkeit verwischen und sie die Welt der Bibel in ihre eigene Umwelt übertragen erlebt.).

Abb. 1 Der Apfel ist ab (Filmheft).

Abb. 1 Der Apfel ist ab (Filmheft).

Der Apfel ist ab (THE APPLE HAS BEEN EATEN; Deutschland 1948; Produktion: Camera; Regie: Helmut Käutner; Buch: Helmut Käutner, Bobby Todd, nach Motiven der gleichnamigen musikalischen Komödie von Kurt E. Heyne, Helmut Käutner und Bobby Todd; Darsteller: Bobby Todd (Adam Schmidt), Bettina Moissi (Eva Meier); 102 Min. Der Apfelsaftfabrikant Adam Schmidt erlebt im Koma nach einem Selbstmordversuch die Geschichte von Adam und Eva und dem verhängnisvollen Apfel als Spiegelbild seiner eigenen Liebesprobleme.).

Königin Ester (→ Ester; QUEEN ESTHER; USA 1948; Produktion: Cathedral Films; Regie: James F. Fredrich; Darsteller: Attile Kruger [Ester], Richard Hale, Addison Richards [Haman], Charles Evans [Xerxes], Charles Jordan, Michael Ansara, Virginia Wave, Douglas McEachin. Der Film wurde von der katholischen Kirche zur Erbauung und zur Missionierung eingesetzt. Eine spätere italienische Version entstand unter dem Titel ESTHER E IL RE [ESTER AND THE KING, Ester und der König]).

Simson und Delila (SAMSON AND DELILAH; USA 1949; Produktion: Paramount; Regie: Cecil B. DeMille; Darsteller: Hedy Lamarr [Delila], Victor Mature [Simson], George Sanders [Saran of Gaza], Angela Lansbury [Semadar], Henry Wilcoxon [Athur], Olive Deering [Mirjam], Fay Holdon [Hazel]; 128 Min. Die Handlung ist an das Alte Testament angelehnt: Die Daniter werden von den Philistern unterjocht. Auf dem übermenschlich starken Rebellen Simson ruht die Hoffnung seines Volkes. Er richtet ein Blutbad an, als ihm die Heirat mit der geliebten Philisterin Semandar verweigert wird. Deren Schwester Delila will sich an ihm rächen und ihn vernichten. Der Film erhielt Oscars für Ausstattung und Kostüme. Ein US-Monumentalklassiker, ein Sensationsfilm, ein kolossalisches Kinoschaustück, naiv, weitschweifig, mit guten Massenszenen und ein paar aufregenden Spezialeffekten. Cecil B. DeMille nimmt in seinem pompösen Kostümspektakel keine historische Rücksicht auf Gebräuche, Moden und Weltbilder. Der Film zeigt einen geschwächten Simson in schöner römischer Sklaventracht, die bösen Philister dagegen tragen obskure vasenartige Helme.).

Das Hollywood-Kino der 50er Jahre mit seinen Monumental- und Bibelfilmen stürzt sich auf antike Themen: Biblische, ägyptische, römische, punische, griechische Motive werden ausgeschlachtet. Melodramatische Aspekte, Anspielungen auf populäre Motive, Intrigen und das Auskosten der Grausamkeiten sollen das Publikum befriedigen. Auffallend groß ist die filmische Adaption alttestamentlicher Themen. Nach den Gräueln der Nazi-Diktatur werden jüdisch-christliche Werte wiederentdeckt.

Abb. 2 Die Zehn Gebote (Kinoplakat / DVD-Inlet).

Abb. 2 Die Zehn Gebote (Kinoplakat / DVD-Inlet).

Die Zehn Gebote (THE TEN COMMANDMENTS; USA 1956; Produktion: Cecil B. DeMille; Regie: Cecil B. DeMille; Buch: Aneas MacKenzie, Jesse L. Lasky jr., Jack Gariss, Fredric M. Frank; Darsteller: Charlton Heston, Yul Brynner, Anne Baxter, Yvonne de Carlo, John Derek; 215 Min. Das Leben Moses, Israels Befreiung aus ägyptischer Knechtschaft, der Zug durchs Rote Meer und Gottes Gesetzgebung auf dem Berg Sinai als Stoff für den letzten Film des US-Regisseurs DeMille – in Breitwandformat. „Die Zehn Gebote“ gilt als Klassiker der US-Monumentalfilme: Moses Leben als Kolossalgemälde mit vielen Hollywoodstars, Kolossalbauten und vielen Spezialeffekten. Die Produktionskosten wurden anfänglich auf 8 Millionen Dollar geschätzt, tatsächlich sollten sie auf 13 Millionen steigen. Von den Gremien der amerikanischen Filmwirtschaft wurde „Die Zehn Gebote“ 1957 zum „besten Film des Jahres“ erklärt.).

David und Goliat (→ David; → Goliat; DAVID E GOLIA; Italien 1959; Produktion: Cineriz; Regie: Richard Pottier und Ferdinando Baldi; Buch: V. Scarpelli; Darsteller: Ivo Payer, Orson Welles, Giulia Rubini, Eleonora Rossi Drago; 96 Min. Ein großes Schau- und Unterhaltungsspektakel mit naiven Kuriositäten: Saul als grimmiger Bösewicht rettet David das Leben und gibt ihm seine Tochter zur Frau. David als halbentkleideter amerikanischer Fürsorgezögling.).

Das Buch Rut (→ Rut; THE STORY OF RUTH; USA 1960; Produktion: Samuel G. Engel; Regie: Henry Koster; Buch: Norman Corwin; Darsteller: Elana Eden, Tom Tryon, Peggy Wood, Stuart Whitman, Viveca Lindfors; 118 Min. Die schlichte biblische Kurzgeschichte wird zur üppig bebilderten überlangen Hollywood-Phantasie ausgeschlachtet. Henry Koster inszenierte effektsicher im Ausstattungsgeschmack der Operette.).

Das Schwert von Persien (ESTHER AND THE KING / ESTHER E IL RE; Italien 1960; Produktion: Galatea; Regie: Raoul Walsh; Buch: Raoul Walsh, Michael Elkins; Darsteller: Joan Collins, Richard Egan, Dennis O’Dea, Sergio Fantoni, Rik Battaglia; 102 Min. Nach siegreichem Feldzug gegen die Ägypter kehrt Perserkönig Xerxes nach Susa zurück. Dort hat der verschlagene Prinz Haman seine Abwesenheit genutzt, um eine Verschwörung anzuzetteln. Der Film konzentriert sich auf die romantische Liebesgeschichte des Königs mit dem jüdischen Mädchen Ester, die ihr bedrohtes Volk vor der Vernichtung bewahrt. Frei nach der biblischen Geschichte. Der Abenteuer-Spezialist Raoul Walsh drehte dieses opulente Leinwand-Epos.).

Sodom und Gomorra (SODOMA E GOMORRA / SODEME ET GOMORRHE; Italien / Frankreich 1961; Produktion: Titanus / C.G.C. / Pathé; Regie: Robert Aldrich und Sergio Leone; Buch: Giorgio Prosperi; Darsteller: Stewart Granger, Stanley Baker, Anna-Maria Pierangeli, Anouk Aimée; 165 Min. Ein Kolossalfilm mit vielen grausamen Szenen, der die biblische Erzählung stark verfälscht und zu einem blutrünstigen Abenteuerfilm verändert.).

Der Kampf der Makkabäer (IL VECCHIO TESTAMENTO; Italien 1962; Produktion: Associate; Regie: Gianfranco Parolini; Buch: Ginafranco Parolini, Giogio C. Simonelli; Darsteller: Brad Harris, Susan Paget, Mara Lane, John Heston, Carlo Tamberlani; 115 Min. Der Historienfilm zeigt den jüdischen Aufstand gegen die syrische Besatzung.).

1963/64 werden in Italien gleich drei mehrstündige Historienspektakel gedreht:

Die Patriarchen der Bibel (I PATRIRCHI DELLA BIBBIA; Italien 1963; Produktion: San Paolo Film; Regie: Marcello Baldi).

Das Alte Testament (IL VECCHIO TESTAMENTO; Italien 1963; Produktion: Cineproduzione / Filmar; Regie: Gianfranco Parolini; 120 Min.).

Saul und David (→ Saul; SAUL E DAVIDE; Italien / Spanien 1964; Produktion: San Paolo Film Roma / Madrid; Regie: Marcello Baldi; Buch: Emilio Cordero, Marcello Baldi und Tonino Guerra; Darsteller: Norman Wooland [Saul], Gianni Garko [David]; 150 Min.).

Gideon und Simson (→ Gideon; I GRANDI CONDOTTIERI [The Great Leaders]; Italien / Spanien 1964/65; Produktion: San Paolo Film; Regie: Marcello Baldi; Darsteller: Fernando Rey (Gideon), Anton Geesink, Ivo Garrani, Rosalba Neri, Luz Marquez, Paolo Gozlino, Maruchi Fresno, Giorgio Cerioni, Ana Maria Noe, Jose Jaspe; 105 Min. In der Einleitung des Films wird erzählt: „Im 12. Jahrhundert vor Christus hatte sich das Volk Israel in Palästina niedergelassen. Aber bald hatte das Volk Israel Gott und seine Wohltaten vergessen und begann falsche Götter anzubeten. Und Gott strafte seine Söhne und überließ sie den Händen ihrer Feinde. Doch in seiner Güte sandte der Herr seinem Volk auserwählte Männer, die in den Herzen der Israeliten wieder den wahren Glauben entfachen sollten. Nur durch sie und Gottes Hilfe war es möglich, sich von der Tyrannei der Feinde zu befreien. Diese außergewöhnlichen Männer nannte das Volk Richter. Zwei von ihnen waren Gideon und Samson.“ (Text aus dem Film).

Abb. 3 Die Bibel (Kinoplakat / DVD-Inlet).

Abb. 3 Die Bibel (Kinoplakat / DVD-Inlet).

Die Bibel (LA BIBBIA; Italien 1965; Produktion: Dino de Laurentiis; Regie: John Huston; Buch: Christopher Fry; Darsteller: Michael Parks, George C. Scott, Ava Gardner, Ulla Bergryd, Peter O’Toole; 216 Min. Fernsehfassung: 170 Min. Der Film ist in sechs Episoden mit Aufnahmen von der Erschaffung der Welt bis zur Geschichte Abrahams aufwendig inszeniert: Zum Beispiel wurden für die Szenen auf der Arche Noah 300 Tiere und 1000 Singvögel mit ihren 50 Pflegern und 30 Trainern nach Rom geschafft. Dieser Kostümfilm vermittelt eine völlig unkritische, unreflektierte Textgläubigkeit.).

Oh, Moses (WHOLLY MOSES; USA 1980; Produktion: Columbia Pictures; Regie: Gary Weis; Buch: Guy Thomas; Darsteller: Dudley Moore, Laraine Newman, M. Kahn; 104 Min. Erzählt wird die Geschichte des erfolglosen Herschel, dem der erfolgreiche Mose stets um eine Nasenlänge voraus ist. Gagreiche Parodie auf Mose und die Pharaonen, Sodom und Gomorra und andere bekannte Bibelgeschichten.).

König David (KING DAVID; USA 1984; Produktion: Paramount; Regie: Bruce Beresford; Buch: Andrew Birkin, James Costigan; Darsteller: Richard Gere, Ian Sears, Arthur Whybrow, Tim Woodward, Simon Dutton; 114 Min. Der Film möchte die alttestamentliche Geschichte vom Aufstieg des Hirtenjungen David zeigen. Einige Motive aus der alttestamentlichen David Geschichte werden aufbereitet als Historiengemälde, als monumentaler Historienfilm, mit großem aufwendigem Dekor und mit großen Schlachten und Gewaltakten. Richard Gere ringt als der von Gott berufene David mit viel Kampfeskraft und Geschick um den rechten Glauben.).

Simson und Delila (SAMSON AND DELILAH; USA 1984; US TV Film; Regie: Lee Philipps; Darsteller: Anthony Hamilton, Belinda Bauer, Max von Sydow, Stephen Macht, Victor Mature; 100 Min. Dem israelitischen Führer Simson wird seine Liebe zur schönen Delila zum Verhängnis, die ihn an die feindlichen Philister verrät. Der Film beinhaltet ein frei nach biblischen Motiven entwickeltes Liebesdrama in exotischer Kulisse.).

Ab 1994 wird versucht, das gesamte Alte Testament für das Fernsehen zu drehen: Heinrich Krauss (1990) erläutert das Projekt (Leo Kirch, „Beta Film“, mit seinem italienischen Partner Ettore Bernabel, „Lux“) der sukzessiven Verfilmung der gesamten Bibel: In 50 (!) Stunden soll es um Nacherzählungen der biblischen Geschichten aus dem Alten Testament gehen. Die 20teilige Mammut Serie zu je 94 Minuten sowie ein Prolog von einhundert Minuten über die Schöpfungsgeschichte sollen 120 Millionen Dollar kosten.

Eingeteilt wird in drei Blöcke: I. Die Gestalt des → Abraham, die Patriarchengeschichten und Mose und Exodustraditionen; II. Die Richter und Königszeit bis zum Untergang Jerusalems; III. Die Exilszeit. Das Projekt umfasst folgende Teile: Prolog: Die Schöpfung; Abraham I und II; Jakob; Josef I und II; Mose I und II; Josua; Debora; Simson; Saul; David I und II; Salomo; Elia; Jesaja; Jeremia; Daniel; Ester; Hiob.

Angestrebt ist einerseits große Nähe zur biblischen Vorlage, andererseits soll ein spannender Handlungsablauf erreicht werden. Ziel der Bibelverfilmung ist eine möglichst lebendige und „authentische“ inhaltliche Umsetzung.

„Es geht nicht darum, die biblischen Geschichten prachtvoll und aufwendig zu verfilmen, man hat auch nicht die Absicht, einen wissenschaftlichen Dokumentarfilm zu drehen oder die in der Bibel erzählten Begebenheiten historisch zu rekonstruieren. Vielmehr erlaubt das Fernsehen mit seiner Fiktion eine Synthese: Auf dem Weg über ein angenehmes Unterhaltungsprogramm wird ein Akt der Erkenntnis möglich.“ (T.P. Gangloff, Die größte Geschichte aller Zeiten, a+b. Für Arbeit und Besinnung. Zeitschrift für die Evangelische Landeskirche Württemberg, 4 [1994], 222)

„Ich habe das Projekt Ende der siebziger Jahre mit aus der Taufe gehoben, und zwar in einer Zeit, als andere Produzenten darüber nachdachten, die biblischen Geschichten als Comic Strip auf den Bildschirm zu bringen. … In dieser Inszenierung soll Gott nicht als drohende Stimme vom Himmel kommen, sondern er soll sich in den Worten und Taten der Akteure widerspiegeln. … Wir bleiben ganz dicht dran am Konfliktpotential der Bibel. Aber wir müssen die manchmal kargen Angaben ausfüllen, können dem Text des Alten Testaments nicht Wort für Wort folgen.“ (H. Krauss, zit. nach: E. Presler, Eine neue Bilderbibel. Das Buch der Bücher im Fernsehen, Evangelische Kommentare 27 [1994], 176)

Zum filmischen Konzept betont Heinrich Krauss: „Die Verfilmung bringt die biblischen Geschichten rein als Spielhandlung, ohne theoretische Diskussionen, etwa über den Offenbarungscharakter der Bibel, über die Entstehungsgeschichte der Texte oder deren historische Zuverlässigkeit. … Wo immer es nötig erscheint, wird die biblische Handlung durch Szenen oder Dialoge ergänzt, um das religiöse, politische und soziale Umfeld einer biblischen Geschichte zu rekonstruieren oder auch den ihr zugrundeliegenden Plot präziser herausarbeiten und den handelnden Charakteren Gelegenheit zu geben, ihre Eigenart zu entfalten. Auf romanhafte Ausweitungen der Handlung, etwa durch frei erfundene Liebes oder Abenteuergeschichten wird grundsätzlich verzichtet.“ (H. Krauss, 1990, 133)

„Das Alte Testament beinhaltet mehr als nur gute Geschichten. Es reflektiert die Lebensgeschichte eines jeden Menschen und behandelt die Grundelemente unserer Existenz: Lebenssinn, Liebe, Einsamkeit, Gewalt, Macht – Dinge, mit denen sich Menschen, gleich welcher Rasse und Religion, auseinandersetzen müssen. Zudem suchen die Menschen nach dem Zusammenbruch der modernen Ideologien überall nach geistiger Orientierung – vielleicht mehr denn je, an der Schwelle eines neuen Jahrtausends.“ (TaurusFilm München)

Das Fernsehen wird als „die bunten Kirchenglasfenster von heute“ bezeichnet: „Die archaische Sprache, die langen Genealogien, der nicht selten verschlüsselte Sinn, machen das Alte Testament schwer zugänglich für das breite Publikum. Schon immer waren Interpreten nötig, die ‚das Wort’ den Menschen sichtbar und begreifbar machten: von den Künstlern des Mittelalters, die die biblischen Geschichten in Skulpturen, Mosaiken und bunten Kirchenfenstern visualisierten, über die ‚Biblia Pauperum’, der bebilderten Bibel für Arme, bis hin zu den Mysterienspielen und den Oratorien des Barock und der Neuzeit. Heute erreicht das Fernsehen wie kein anderes Medium eine riesige und unterschiedliche Zahl von Menschen. Es spricht gleichermaßen Gefühl und Intellekt an. Seine vielfältigen audiovisuellen Möglichkeiten erlauben eine eindringliche und alle Schichten zugängliche Darstellung der literarischen Inhalte des Alten Testaments. Damit ist gerade das Medium Fernsehen einzigartig geeignet, die biblischen Geschichten dem heutigen Menschen näherzubringen.“ (TaurusFilm München)

1993 begann der Regisseur Ermanno Olmi (geb. 1931), der z.B. durch seine Filme IL TEMPO SI E FERMATO (Als die Zeit stillstand; 1959), L’ALBERGO DEGLI ZOCCOLI (Der Holzschuhbaum; 1978) und CAMMINACAMMINA (Und sie folgten einem Stern; 1983) bekannt ist, mit Dreharbeiten zur Schöpfungsgeschichte. Die Musik schrieb Ennio Morricone. Unter Regisseur Joe Sargent („Lassie“, „Bonanza“, „Raumschiff Enterprise“) wurden die Dreharbeiten in Marokkos Wüste fortgesetzt und dauerten noch weitere zehn Jahre. Robert McKee („Columbo“) führte Regie bei „Jakob“ und „Mose“. Die italienischen und amerikanischen Drehbuchautoren wurden von namhaften Wissenschaftlern und Vertretern aller großen Konfessionen beraten. Weitere bedeutende Filme sind:

Abraham (Italien 1993; Produktion: Lube für Lux. Taurusfilm und Quinta in Zusammenarbeit mit Turner Pictures, RAIUNO, France 2, ORF, Antenna 3, CZECH TV, MTM, NCRV und BSKYB; Drehbuch: Robert McKee; Regie: Joseph Sargent; Musik: Ennio Morricone; Darsteller: Richard Harris [Abraham], Barbara Hershey [Sara], Maximilian Schell [Pharao], Vittorio Gassman [Terach], Carolina Rosi [Hagar], Andera Prodan [Lot], Gottfried John [Elieser], Kevin McNally [Nahor]; 2 Teile, je 94 Min. Abraham Darsteller Richard Harris [„Der Mann, den sie Pferd nannten“] stellt klar: „Das hier ist nicht Hollywood. Ich bin nicht Kirk Douglas und nicht Charlton Heston. Gott erscheint in diesem Film weder in einem himmlischen Strahlenglanz noch als alter Mann in einer Baumkrone. Wenn das die Absicht gewesen wäre, hätte ich für diese TV Serie nicht zur Verfügung gestanden.“ [Richard Harris, zit. nach „HÖR ZU“, Heft 30 vom 23.7.1993, 16]. Auf die Frage, was ihn veranlasst hat, die Rolle als Abraham zu übernehmen, antwortet Harris: „Ich wollte weder einen weiteren Cecil B. deMille Film, noch einen Hollywood-Schinken. …“ [Richard Harris, zit. nach Präsentation von „Die Bibel – Abraham“ des „TaurusFilm“, München]. Harris interpretiert seine Darstellung der Abraham Figur: „Das Schwierigste und natürlich das Wichtigste für mich war die Interpretation seines Charakters. Hollywood hatte biblische Gestalten immer entweder als Heilige oder als Rebellen dargestellt. Daran war ich nicht interessiert. Ich wollte einen zweifelnden Abraham spielen. … Abraham wurde nicht in seine Größe hineingeboren, sondern sie wurde ihm zuteil. Und ständig zweifelt er, ob er auch wirklich von Gott auserwählt worden ist. So wie ich die Rolle verstehe, ist sich Abraham erst ganz am Ende – nach der Opferung seines Sohnes Isaak – sicher, daß er die ganze Zeit über Gottes Stimme gehört hatte. Ich habe versucht das Staunen Abrahams wiederzugeben, aber auch all seine Zweifel darüber, ob er einer solchen Aufgabe gewachsen sei, ja ob er solcher Gnade überhaupt würdig sei.“ (Präsentation von „Die Bibel – Abraham“ des „TaurusFilm“, München)

Am Anfang (IN THE BEGINNING – Part 1; USA 2000; Regie: Kevin Connor, Buch: John Goldsmith. Darsteller: Martin Landau, Eddie Cibrian, Fred Weller, Jacqueline Bisset, Christopher Lee, Ian Burfield, Diana Rigg, Alan Bates, Bill Campbell, Geraldine Chaplin, Art Malik, Steven Berkoff, Amanda Donohoe, Anne White, David Threfall, David Warner, Sara Carver, Mark Jax. Die Geschichte beginnt mit dem hebräischen Patriarchen Abraham, der zum Führer seines Volkes wird. Gott verspricht ihm einen männlichen Nachkommen, der seine Dynastie begründen soll, doch Abrahams Frau Sara bleibt kinderlos. Sara rät Abraham, die ägyptische Magd Hagar zur Konkubine zu nehmen, damit diese ihm einen Sohn gebäre. Hagar wird schwanger und schenkt Abraham den gewünschten Sohn, den er Ismael nennt. Abraham und Sara sind schon alt, als ihnen Gott in Gestalt dreier geheimnisvoller Wanderer erscheint und verheißt, dass Sara selbst einen Sohn zur Welt bringen wird. Ein Jahr später bringt Sara Abrahams Sohn Isaak zur Welt. Jahre später gerät Isaaks Leben in Gefahr, als Gott von Abraham eine schwere Prüfung verlangt. Er soll zum Beweis seines Glaubens, seinen Sohn opfern. Schweren Herzens zieht Abraham mit seinem über alles geliebten Sohn Isaak auf den Opferberg. Als er zum Todesstoß ansetzt, greift Gottes Engel ein und rettet Isaak. Aber mit diesem Opfer hat Abraham sich Gott würdig erwiesen. Die Jahre vergehen, Abraham stirbt und wird von seinen Söhnen begraben, die nun wiederum Väter werden. Isaaks Sohn Jakob, ebenso Gott ergeben, heiratet Rahel und bekommt elf Söhne. Der jüngste Sohn namens Josef ist Jakobs Lieblingssohn, doch seine eifersüchtigen Brüder verkaufen ihn in die Sklaverei nach Ägypten.).

Abb. 4 Josef (Filmplakat / DVD-Inlet).

Abb. 4 Josef (Filmplakat / DVD-Inlet).

Josef (→ Josef; Deutschland / Italien / USA 1994; Regie: Roger Young; Die „Kirch-Bibel“ setzt Josef zwischen zwei gegensätzliche Lebenskreise und Welten, zwischen Potifar und seinen Vater Jakob. In einer Art „Lebensbeichte“ versucht Josef dem Potifar seine Unschuld zu beweisen und erzählt seine familiäre Herkunft. Es ist eine Geschichte voll Leid und Bedrängnis.

Gleich zu Anfang der Verfilmung wird Josef an Potifar verkauft. Potifars Frau lauert Josef beim Baden auf. „Herrin, bitte, ihr solltet nicht hierher kommen!“ „Ach wirklich? Hat mein Gefühl dich in diese Stellung erhoben, die dir zu sagen erlaubt, wo ich sein darf und wo nicht?“ „Nein, Herrin, natürlich nicht.“„Dann sei still. Du hast etwas Staub auf deiner Schulter. Komm, laß ihn mit abspülen. Na komm! Du arbeitest hart. Deine Muskeln beweisen es: Josef mit den goldenen Händen. Mein Gedanke ist überzeugt, daß der Gott uns diesen vielen Erfolg gebracht hat. Daß du der Schlüssel zu allem bist, was er sich je erhofft hat. Würde er auch meine Wünsche erhören, wenn ich deine Freundin wäre?“ „Bitte, Herrin! Ich bin nur aus Fleisch und Blut. Überfordere nicht meine Willenskraft!“ Die „Kirch-Bibel“ setzt – im Gegensatz zur biblischen Vorlage – u.a. folgende Schwerpunkte: Josef ist Glaubensheld und Bekenner des einen Gottes im Land der Vielgötter. Er bleibt stets tugendhaft edel und unangefochten aufrichtig. Josef als Heiliger? Potifar wird gezeigt als weltmännischer, humaner Beamter, der auf höfische Etikette achtet. Die Darstellung gesellschaftspolitischer Fragen (Hungersnot) wird zugunsten des Privaten stark vernachlässigt: Die Verführungsversuche (Gen 39) werden im Film breit ausgemalt. Mit der Reduzierung auf die Dreieckskonstellation von Josef, Potifar und dessen Frau kann der Zuschauer emotional leichter eingefangen werden: Auch Potifar ist von der Schönheit Josefs angetan und verspürt heimliches Verlangen. Die Josefsnovelle als moderne Sex & Crime-Story? Im Gegensatz zur biblischen Novelle zweifelt Potifar die Behauptung seiner Frau, Josef habe sie vergewaltigt, an. Nur um seine Frau nicht öffentlich bloßzustellen, läßt Potifar Josef ins Gefängnis werfen. (Dialogtexte sind vom Film abgehört.)

Der Schauspieler Ben Kingsley charakterisiert seine Rolle als Potifar: „Potiphar ist ein Mann, der keine Veränderungen scheut. Der Film spielt in einer außergewöhnlichen Gesellschaft, weil der Kontext, in dem sich die Veränderungen zutragen, Ordnung und Disziplin ist. Diese Gesellschaft ist in strenge Hierarchien gepreßt, die die Beziehungen zu den Mitmenschen, den Frauen und Göttern prägt. Der Pharao hatte keine politische Funktion und war deshalb schon fast ein Gott auf Erden. Potifar ist mit einem Präsidenten oder einem Premierminister eines wichtigen Landes zu vergleichen. Im Grunde geht also die Ausführung der Macht über Potifar. Daß jemand wie er erkennt, daß die bestehenden Gesetze nicht funktionieren und dies auch noch öffentlich macht, ist ein außergewöhnlicher Schritt. … Interessant ist auch, daß Potifar sich in der Öffentlichkeit verändert: er gibt zu, daß er sein Verhältnis gegenüber Juden und Sklaven überprüft hat und behandelt Josef wie einen Sohn. … Ich glaube nicht, daß Potifar ein Tyrann ist. Ich glaube, daß eine große Weisheit in ihm steckt, viel Pragmatismus, ein Sinn für Ironie und Vergnügen. …“ [zit. nach Präsentation „Die Bibel – Josef“, ARD 1996, 7ff.]).

Lesley Ann Warren sagt über Potifars Ehefrau: „Potifars Frau ist ein sehr komplexer Charakter. Was mich an ihr fasziniert ist, daß sie sehr anpassungsfähig ist. Sie ist eine loyale Frau. Modern ausgedrückt: Sie ist mit der Bequemlichkeit verheiratet. Sie ist in ihrer Ehe nicht glücklich, obwohl sie und ihr Mann ein gemeinsames Leben aufgebaut haben. Ihr Ehemann Potifar begehrt sie nicht mehr. Sie ist einsam und verrückt nach Aufmerksamkeit und emotionaler Zuwendung. Ich denke, daß sie in dem Sklaven Josef jemanden sieht, der sehr vital und lebendig ist, und daß er ein Mann ist, der Integrität und Persönlichkeit besitzt – genau das möchte sie für sich selbst haben. Die Art, wie sie versucht ihr Ziel zu erreichen, ist falsch.“ (zit. nach Präsentation „Die Bibel – Josef“, ARD 1996, a.a.O.)

Preis: Fünf Emmy-Nominierung für Josef: Beste Miniserie, Bester Nebendarsteller Ben Kingsley, Beste Ausstattung, Bestes Casting und Bester Tonschnitt. Höchste Einschaltquoten, z.B. in Italien: April 1995 mit Marktanteil 33,7% bzw. 38,2%, d.h. 10 bzw. 11,5 Mill. Zuschauer.

Drei Filme sind zu nennen, die biblische Themen für die jeweilige politische Situation ihres Landes aktualisieren:

  • Esther (Israel / Frankreich / Großbritannien / Österreich / Niederlande 1985; Regie: Amos Gitai; 97 Min.: Der Film aktualisiert die biblische Erzählung, indem er jüdisch-arabische Geschichte in Wadi Salib, einem Stadtteil von Haifa, aufgreift, Probleme von Vertreibung und Integration zeigt und sich gegen Hass und Gewalt wendet.).
  • Die Erben von Kain und Abel (LA GENÈSE; Mali / Frankreich 1999; Regie: Cheick Oumar Sissoko: Die biblischen Erzählungen (Gen 23ff.) werden in den afrikanisch-malischen Kontext eingebettet. Der Film fragt nach Ursachen für rivalisierende Gruppen und Brudermord und möchte Möglichkeiten zur Versöhnung reflektieren. Der Film endet mit der Versöhnungsszene zwischen Jakob und Esau, d.h. er fordert Versöhnung zwischen den Stämmen und ein Ende der Fehden.).
  • Eine Nacht mit dem König (ONE NIGHT WITH THE KING; USA / Indien 2006; Regie: Michael O. Sajbel, 123 Min.: Der Film greift Inhalte der biblischen Ester-Gestalt auf und reiht sie in den Konflikt zwischen Israel und Amalek ein. Ester steht als Lichtgestalt des friedlichen Westens in Kontrast zu dem dunklen hasserfüllten Haman-Amalek.).

4. Musikfilme – Ballett

In den 70er Jahren gewinnt das Jesus Musical an Bedeutung: die Hippie Bewegung nimmt Einfluss bei der Suche nach neuen Sinngebungen. Die Jugendkultur (ebenfalls die Jesus People Bewegung) in den USA entdeckte Jesus als neue Hoffnungsgestalt. Die Jesus Renaissance der „Flower Power“ Bewegung wird deutlich in Filmen als Show Ereignis wie „Jesus Christ Superstar“ (USA 1972) u.a. Vorläufer ist Andrew Lloyd Webbers 1968 geschriebene Kinderoper zu Josef.

Abb. 5 Josef and the Amazing Technicolor Dreamcoat (DVD-Inlet).

Abb. 5 Josef and the Amazing Technicolor Dreamcoat (DVD-Inlet).

Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat (Act I: Prologue – Narrator; Any Dream Will Do – Joseph, Children; Jacob and Sons – Narrator, Brothers, Wives, Children, Ensemble; Joseph’s Coat – Jacob, Narrator, Brothers, Wives, Children, Ensemble; Joseph’s Dreams – Narrator, Brothers, Joseph; Poor, Poor Joseph – Narrator, Brothers, Children; One More Angel in Heaven – Reuben, Narrator, Brothers, Wives, Jacob, Children; Potiphar – Children, Narrator, Male Ensemble, Mrs Potiphar, Potiphar, Joseph; Close Every Door – Joseph, Children; Go, Go, Go Joseph – Narrator, Butler, Baker, Ensemble, Joseph, Guru, Children; Act II: Pharaoh’s Story – Narrator, Children; Poor, Poor Pharaoh – Narrator, Butler, Pharaoh, Children; Song of the King – Pharaoh, Ensemble; Pharaoh’s Dream Explained – Joseph, Ensemble, Children; Stone the Crows – Narrator, Pharaoh, Children, Joseph, Female Ensemble; King of My Heart – Pharaoh; Those Canaan Days – Simeon, Jacob, Brothers; The Brothers Come To Egypt / Grovel, Grovel – Narrator, Brothers, Joseph, Female Ensemble, Children; Who’s the Thief? Joseph, Brothers, Female Ensemble; Benjamin Calypso – Judah, Brothers, Female Ensemble; Joseph All the Time – Narrator, Joseph, Children; Jacob in Egypt – Narrator, Jacob, Children, Ensemble; Any Dream Will Do (Reprise) – Joseph, Narrator, Ensemble, Jacob, Children; Close Every Door (Reprise) – Joseph, Children; Joseph Megamix – Ensemble; eine Erzählerin bringt die biblischen Geschehnisse Kindern näher. Dabei parodiert Webber die biblischen Hauptfiguren, z.B. Benjamin Calypso mit Harry Belafonte, Pharao mit Elvis Presley (Song of the King).

Moses und Aron (→ Aaron; BRD 1974; Regie: Jean Marie Straub und Daniele Huillet; Verfilmung Arnold Schönbergs gleichnamiger Oper; 110 Min. Der Film stellt einen radikalen Bruch mit den Regeln der herkömmlichen Filmnarration dar: Eine gänzlich in Außenaufnahmen im Amphitheater Alba Fucese in den Abruzzen gedrehte Filminszenierung der Oper von Schönberg, in der Mose, der Mann der Gesetzestafeln, und Aaron, der Mann des Goldenen Kalbes, um die Herrschaft des Volkes rivalisieren. Der Zuschauer sieht eine live Darstellung der Sänger: die natürlichen Geräusche von Fußschritten, Atmen und andere Bewegungen vermischt mit der Musik von Schönberg. Der Film stellt eine Anti Fantasia, eine Anti DeMille Konzeption dar.).

Abb. 6 Josefslegende: Josefs Traum (Screenshot der Videoaufnahme Philips 070 109-3, vom Autor erstellt und bearbeitet).

Abb. 6 Josefslegende: Josefs Traum (Screenshot der Videoaufnahme Philips 070 109-3, vom Autor erstellt und bearbeitet).

Josephslegende (Ballett-Aufnahme; Hamburg 1977; Judith Jamison, Kevin Haigen, Karl Musil, Franz Wilhelm, Wiener Staatsopernballett, Wiener Philharmoniker, Heinrich Hollreiser; 66 Min. Harry Graf Kessler umschreibt die Handlung der Josefslegende: „Der Inhalt des ‚Joseph’ ist der Gegensatz und Kampf zwischen zwei Welten. Der Kontrast reicht vom Kostüm bis in das innerste, durch Gebärden und Musik sich offenbarende Seelenleben der Figuren. Die eine Welt, die des Potiphar, ist emporgekommen und hat allen Reichtum, alle Macht, Schönheit, Lebenskunst in sich aufgesammelt; aber diese Elemente haben sich infolge ihrer Fülle aneinander so abgeschliffen, so gesättigt, daß kaum noch irgendwelche Reize oder Spannungen in einer solchen Welt möglich sind; sie ist prunkhaft, üppig, schwül, voll von seltsamen Düften und Geschöpfen wie ein tropischer Garten, aber ohne Geheimnis, in sich ausgeglichen, klassisch, hart, schwer, eine Welt, in der selbst noch die Luft mit Goldstaub geladen scheint. … Die andere Welt ist die des Joseph.“ [H. Graf Kessler, Die Handlung der Josephslegende, in: B. Schoeller (Hg.), H. v. Hofmannsthal, Gesammelte Werke in 10 Bd., Dramen VI: Ballette, Pantomimen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Frankfurt 1979, 91ff.]. Josef träumt von einem Engel. Josef wird entführt. Am Hofe Potifars feiert man ein Fest. Potifars Frau weigert sich, daran teilzunehmen. Zur Unterhaltung wird ein Wettkampf auf Leben und Tod veranstaltet. Eine fremde Gestalt von wundersamer Schönheit überwältigt den Kämpfer, der bis zuletzt siegreich war. Während Josef hereingetragen und an Potifar als Sklave verkauft wird, gibt sich die Gestalt zu erkennen: Es ist der Engel, von dem Josef geträumt hat. Josef tanzt für Potifar. Die biblische Verführungsgeschichte (Gen 39) wird in Szene IV eingeleitet und in Szene V und VI tanzend entfaltet: „In der Mitte des Saales wird die Hängematte auf die Erde gelegt. Sowie sie den Boden berührt, öffnet sie sich, und man sieht in ihr wie in einer Blume ruhend, in tiefem Schlafe Joseph, eingewickelt in einen goldblauen, sonnenfarbenen seidenen Hirtenmantel. Der Knabe lächelt im Schlafe. Der Sheik tritt an ihn heran, beugt sich über ihn, weckt ihn, nimmt ihn bei der Hand und lässt ihn aufstehen. Der Mantel bleibt in der Matte liegen; der Knabe steht in einem kurzen weißen Ziegenfell da und blickt sich verwundert, aber keineswegs erschrocken, sondern hoheitsvoll um, als ob ihn höhere Mächte schützten. Ein unsichtbarer Glorienschein umschwebt sein Haupt. …“ [H. v. Hofmannsthal, a.a.O., S. 107ff.]. Die biblischen Texte werden nicht wortwörtlich als historische Berichte verstanden, sondern als Legenden, als Mythen, als Bilder. Die in der Bibel handelnden Personen werden nicht wortwörtlich als historische Gestalten, die tatsächlich gelebt haben, verstanden, sondern als Bilder, als Verkörperungen von Mächten und Welten, als Seelenleben. H.v. Hofmannsthal hat Josef einerseits als unschuldigen und naiven Hirtenknaben, andererseits als Heiligen, als Märtyrer konzipiert. Josef, der durch den Erzengel gerettet wird, stellt die gute Welt dar, während Pharao dagegen die schlechte Welt verkörpert, die bestraft wird. Josef wird nicht von Anfang an als der Heilige gezeigt, sondern als ein religiöser Mensch, der auf der Suche nach Gott ist und diesen endlich findet und versöhnt wird. Josef gilt nicht mehr als Sinnbild für Keuschheit, sondern als ein Mensch, der in seinen tänzerischen Sprüngen nach oben sehnsüchtig nur etwas von dem Unendlichen erfassen und für sich einfangen will. Neumeier reduziert die Handlung im Sinne von H.v. Hofmannsthal: „Joseph tanzt für Potiphar. Von diesem Tanz, durchwirkt von seltsamen Visionen, ist Potiphars Frau zutiefst betroffen. Die Gäste verlassen das Fest. Joseph schläft in der leeren Halle ein. Wieder träumt er vom Engel. … Potiphars Frau fühlt sich zu Joseph hingezogen. Ihre Faszination steigert sich zu äußerster Leidenschaft. … Potiphar überrascht seine Frau, als sie versucht, Joseph zu verführen. Fälschlich hält Potiphar Joseph für den Verführer und ordnet an, ihn zu foltern. Enttäuscht und seelisch verletzt, schlägt Potiphars Frau auf Joseph ein. Plötzlich jedoch, im Augenblick der tiefsten Not Josephs, vollzieht sich in Potiphars Frau eine Wandlung. Sie stellt sich gegen Potiphar und dessen Wut, und sie schützt Joseph.“ [zit. nach: Beiheft zur Videoaufnahme Philips (070 109-3), 1977, 6]).

König David (Musik: Arthur Honegger; dramatischer, symphonischer Psalm in drei Teilen. Nach dem Drama von René Morax; Buch und Regie: Jochen Richter; Orchestre National de France. Musikalische Leitung: Georges Prétre. ZDF / ORF / SRG 1992; 64 Min. Bereits mit 29 Jahren erzielte Arthur Honegger mit seinem Oratorium König David den ersten großen Erfolg. Auf der Grundlage des Alten Testamentes wird die Lebensgeschichte des biblischen Königs David erzählt. Ein Erzähler verbindet die einzelnen ausführlich gestalteten Teile des Werkes miteinander. Die Außenaufnahmen zu dieser Produktion wurden im Herbst 1991 in Israel, vor allem in Jerusalem, aber auch am See Genezareth, in Elat, Timna, Qumran und in Massada am Toten Meer gedreht. Die Musikaufnahme des Oratoriums wurde in der Urfassung zusammen mit Radio France in Paris hergestellt.).

5. Fernsehspiele

In den 90er Jahren versuchen z.B. Fernsehspiele, biblische Inhalte auf die heutige Alltagswelt zu übertragen und deren Aktualität aufzuzeigen. Geschichten aus dem Alten Testament in neuem Gewand – Grundidee einer Reihe, mit der das ZDF biblische Motive aktualisiert wiedergeben will. Die Spiele sind keine Verfilmung der Bibel, sondern rücken sympathische Frauen in den Mittelpunkt, die sich zeitlosen Konflikten stellen und ihr Leben in die Hand nehmen. Hauptpersonen der Gegenwartshandlung, die immer wieder Parallelen zu der biblischen Vorlage ahnen lässt, sind Alltagsmenschen. „Die Geschichte starker Frauen, die in der Überlieferung einer eher patriarchalisch orientierten Tradition fast vergessen sind: Judit, die schöne Witwe, die ihr Volk rettet, Sara und Hagar, die Mütter der Söhne Abrahams, Anna, die Mutter der Maria wird in der Sendereihe Biblische Frauen neu erzählt, modern und mit neuen Akzenten.“ (ZDF-Monatsjournal 10/1992, 76). Es sind vier Filme gedreht und ausgestrahlt worden: „Judit“, „Die Wüste oder Abrahams Frauen“, „Mirjams Mutter“ und „Die Fremde“. Noch eine weitere Folge ist geplant zur Thematik der Magdalena mit dem Titel „Lena“.

Judith (Fernsehspiel in der Reihe: Biblische Frauen; BRD 1992; Produktion: Tellux Film München; Regie: Konrad Sabrautzky; Buch: Dorothée Dhan; Darsteller: Barbara Auer, Viorel Illiescu, Klaus J. Behrendt u.a.; TV: ZDF 10.8.1992. Die biblische Erzählung der Israelitin Judit, die ihr Volk rettete, indem sie Holofernes, dem Feldherrn Nebukadnezzars, nach einer Liebesnacht den Kopf abschlug, wird in das Ceaucescu Regime in Rumänien 1989 verlegt. „Wir haben uns gefragt, was heute bei so einem Mord passieren würde“, erzählt Michaela Pilters von der ZDF Redaktion. Aus Holofernes wird der Chef des verbrecherischen Geheimdienstes Securitate. Ihn ereilt das Schicksal in Gestalt einer schönen Deutsch Rumänin, deren Mann dem Diktator zum Opfer fiel. „Die Tat Judiths darf man nicht als Racheakt sehen. Sie wollte ein Zeichen setzen und zeigen, daß man sich nicht unterdrücken lassen darf.“ Judit (Barbara Auer) arbeitet auf einer Ausstellung in Hamburg als Dolmetscherin und Hostess am rumänischen Messestand. Die schöne Deutsch Rumänin will sich nach der Ermordung ihres Mannes durch den rumänischen Geheimdienst in Deutschland ein neues Leben aufbauen. Als sie den Leiter der Handelsdelegation aus Rumänien sieht, erleidet sie einen Schock. Es ist Aurel Rosalescu (Viorel Iliesca), Chef des Ceaucescu Geheimdienstes Securitate. Er macht sich nichtsahnend an Judit heran. Sie nutzt die Möglichkeit, den schwerbewachten Mann allein in seinem Hotelzimmer zu stellen.).

Die Wüste oder Abrahams Frauen (Fernsehspiel in der Reihe: Biblische Frauen; Produktion: Tellux Film München; Redaktion: Juliana Weiss, Michaela Pilters; Buch: Michael Juncker; Regie: Karin Hercher; Darsteller: Stefanie Mühle [Sybille Täubner], Mark Kuhn [Jochen Täubner], Susanne Evers [Xandra], Dalila Meftati [Hagar], Sabi Dorr [Adam Anne], Hlima Daoud [Sara], Ahmed Snoussi [Abraham], Nabil [Ismael]; ZDF 1992; 88 Min. „Der Ingenieur Jochen Täubner und seine Frau Sybille haben sich nach zehn harten Jahren gemeinsam eine Position aufgebaut und einen gewissen Lebensstandard erworben. Aus Vernunftgründen haben sie ihren Kinderwunsch aufgeschoben. Eine berufliche Krise bringt Jochen auf fast kriminelle Abwege, in die er Xandra mit hineinzieht. Fast ausweglos wird die Situation für ihn, als Xandra nach einer mehr zufälligen Begegnung schwanger wird. Das ersehnte Kind, aber mit der falschen Frau – wie sollen sich Jochen und Xandra entscheiden? Sybille nimmt inzwischen ahnungslos in Tunesien die Aufgabe wahr, den Weg für das lebenswichtige Projekt für die Firma auf ihre Art mit Jochens Geschäftspartner Adam Anne zu ebnen. Sie wird mit orientalischem Luxus verwöhnt wie einst Sara vom Pharao. Doch Adam Anne hat Jochen in der Hand, besonders als Sybille von Xandras Schwangerschaft erfährt und ihren Mann verlassen will. Der Dolmetscherin Hagar gelingt es, zu vermitteln. Sie führt Sybille in die Wüste – ob im Traum oder in Wirklichkeit, bleibt in der Schwebe –, wo sie Hagars Sohn Ismael begegnet, in Saras Zelt die Geburt Isaaks erlebt und mitleidet, als Abraham Hagar mit ihrem Kind verstößt. Die Konfrontation mit alter Kultur und Religion gibt Sybille den Anstoß, ihr Verhältnis zu ihrem Mann Jochen zu überdenken und ihr Leben zu ändern.“ [Inhaltsangabe nach ZDF Monatsjournal 10/1992, 76]).

6. Trickfilme

Mit Zeichentrickfilmen und Animationen wird versucht, biblische Themen kindgerecht zu vermitteln. Im Folgenden ist ein repräsentativer Querschnitt des Spektrums aufgeführt.

Der Turmbau (Aus der Reihe: Biblische Geschichten; Trickfilm; BRD 1974/75; Buch und Regie: Wolf Halstenberg; 9 Min. Je höher der Turm wächst, umso gereizter werden die Arbeiter, eine Gemeinschaft ist nicht mehr möglich. Das Miteinander wird zum Gegeneinander.).

Josef und seine Brüder (Aus der Reihe: Biblische Geschichten; Trickfilm; BRD 1975; Teil 1 3; je 9 bis 11 Min.; Autoren: Konrad Hartmann, Jaroslav Bartak; Teil 1: Verkauf Josefs nach Ägypten und sein Aufstieg zum Berater Potifars; Teil 2: Josefs Leben als Verwalter Potifars und die Rettung aus dem Gefängnis; Teil 3: Die Not der anderen Länder und der Wohlstand Ägyptens.).

David und Goliath (Trickfilm; BRD 1976; 11 Min.; Autoren: Jaroslav Bartak, Konrad Hartmann, Jan Cerny. König Saul und sein Volk werden von den Philistern lebensgefährlich bedroht. Israel scheint zu unterliegen angesichts der mächtigen Rüstung und der Drohung des riesigen Goliat. David bietet sich an und ist bereit, gegen Goliat anzutreten.).

Shalom Pharao (Zeichentrickfilm im Comic Stil; BRD 1979/82; Produktion: Linda Film / ZDF; Gestaltung: Curt Linda; Musik: Bert Grund; 77 Min. Curt Linda schafft mit dem Trickfilm einen neuen Zugang zur Bibel, indem er anregend-witzig die Geschichte von Josef und seinen Brüdern erzählt und Pontius Pilatus, dessen Frau Claudia und seinen Sekretär gegenwartsbezogene Kommentare abgeben lässt. Linda will weder die Bibel bebildern noch einen wissenschaftlichen Beitrag zur Erhellung der Novelle liefern, sondern durch eine moderne und witzig-schnottrige Sprache einen direkten Bezug zur Gegenwart herstellen sowie die Erzählung durch kontrastierende Nachfragen von Pilatus und seiner Frau Claudia verfremden.).

Daniel (Menschen im Widerstand; Frankreich 1986; 20 Min. Legetrickfilm zum Buch „Daniel“. Eine Stadt wird belagert und erobert. Unter den deportierten befinden sich Daniel und seine drei Freunde. In der Fremde machen sie Karriere. Daniel deutet die Visionen des Herrschers. Doch verweigern die vier dem Diktator den absoluten Gehorsam. Sie werden dem Feuertod preisgegeben.).

In der Arche ist der Wurm drin (Trickfilm; BRD 1987; Regie: Wolfgang Urchs; 80 Min. Die Holzwürmer Willi und Aloisia geraten unfreiwillig an Bord der Arche Noah. Man beschuldigt sie, das rettende Schiff einfach aufzufressen.).

Bibel-Abenteuer für Kinder (THE GREATEST ADVENTURE. STORIES OF THE BIBLE, USA ohne Jahr; Produzenten: William Hanna und Joseph Barbera. Teile: Die Schöpfung. Josef und seine Brüder. Daniel in der Löwengrube. Die einzelnen Folgen sind in eine Rahmenhandlung eingebettet: Bei Grabungen im Orient geraten die beiden jungen Archäologen Derek und Margo zusammen mit dem Nomadenjungen Moki in einen Sandsturm. Der Boden unter ihren Füßen gibt plötzlich nach, und sie fallen in riesige unterirdische Kammern, die gefüllt sind mit gewaltigen Kunstwerken vergangener Zeiten. „Der sieht ja richtig gut aus.“ „Das hat Potiphars Frau auch gedacht.“ „Ja, meine Herrin, kann ich irgendetwas für Euch tun?“ „Hältst Du mich eigentlich für attraktiv?“ „Ich respektiere meinen Herrn, Ihren Gemahl, im Gegensatz zu Ihnen.“ „Komm zurück! Hilfe!“ „Was ist los? Was ist passiert?“ „Der Hebräer, der bei uns ist, hat uns beide beleidigt. Er versuchte, mich zu umarmen. Er rannte schnell raus und verlor sein Gewand.“ [Die Dialogtexte sind vom Film abgehört]. Kritik: Der Titel der Serie „Bibel-Abenteuer“ ist zugleich Programm der Reihe: Gefragt sind nicht Zentralstellen der biblischen Botschaft, sondern es geht hier um Erzählstoffe, die sich dramatisch, heldenhaft und abenteuerlich ausbeuten lassen. Die Bibel wird als chronologisches Protokoll der Menschheitsgeschichte bzw. der Geschichte Israels gesehen, nicht als Dokument der Glaubenserfahrung. Der fundamentalistische Ansatz der Produktion lässt jegliche Ergebnisse theologischer und historisch-kritischer Forschung außer Acht. Der Film vermittelt die Ideologie einer Leistungsreligion.).

7. Ausblick

Bibelfilme finden kein Ende. Der Regisseur Darren Aronofsky („Black Swan“) will 2013 den Film „Noah“ herausbringen. In seinem biblischen Historienfilm soll Emma Watson die RiIla spielen, die Noahs Sohn Shem liebt. Noah wird von Russell Crowe dargestellt. Die Dreharbeiten begannen im Juli 2012. Die Kosten für den Film liegen bei $ 130.000.000. Ridley Scott plant den Bibelfilm „Mose”. Dabei soll nicht das Volk in Massenszenen, sondern das Verhältnis von Mose zum Pharao dargestellt werden. Steven Spielberg plant den Film „Gods and Kings“, in dem er eine neue Biographie von Mose aufzeigen will.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Zeitschriften

  • Cahiers du Cinéma, Paris 1951ff
  • Cinémathèque. Revue semestrielle d’esthétique et d’histoire du cinéma, Crisnée 1992ff
  • Epd Film, Frankfurt 1984ff
  • Evangelischer Filmbeobachter (EFB), München 1948-1971 (danach: Filmbeobachter)
  • Filmbeobachter. München 1976-1983 (danach: epd film)
  • Film-Dienst, Köln 1947ff
  • Film History. An International Journal, Indiana 1988ff

2. Nachschlagewerke

  • Bock, H.-M. (Hg.), CINEGRAPH. Lexikon zum deutschsprachigen Film (vollständiger Nachdruck des vergriffenen Grundwerks [edition text], München 1996)
  • Chronik des Films, Dortmund 1994
  • Cinegraph. Lexikon zum deutschsprachigen Film, München, 1984ff
  • Film-Jahrbuch, München 1992ff
  • Fischer Film Almanach. Filme. Festivals. Tendenzen (Fischer Cinema), Frankfurt 1981ff
  • Lexikon des Internationalen Films. Das komplette Angebot in Kino und Fernsehen seit 1945. 21000 Kurzkritiken und Filographien, hg. v. Katholischen Institut für Medieninformationen e.V. und der Katholischen Filmkommission für Deutschland (Rowohlt Taschenbuch, 10 Bde. und Nachtragsbände) Reinbek 1987ff (vgl. Datenbanken)
  • Toeplitz, J., Geschichte des Films. Fünfbändiges Nachschlagewerk, Bd. 1: 1895-1928; Bd. 2: 1928-1933; Bd.: 3: 1934-1939; Bd. 4: 1939-1945; Bd. 5: 1945-1953, Berlin 1993 (Nachdruck)
  • Das Ufa-Buch. Die internationale Geschichte von Deutschlands größtem Film-Konzern. Kunst und Krisen – Stars und Regisseure – Wirtschaft und Politik, hg. v. H.M. Bock / M. Töteberg, in Zusammenarbeit mit: CineGraph – Hamburgisches Centrum für Filmforschung e.V., 2. Aufl. 1994

3. Weitere Literatur

  • Babington, B. / Evans, P.W., Biblical Epics: Sacred Narrative in the Hollywood Cinema, Manchester 1993
  • Campbell, R. / Pitts, M., The Bible on Film. A Checklist 1897-1980, Metuchen 1981
  • Eichenberger, A., Auf der Suche nach „gottdurchlässigen" Filmen. Zum Dialog zwischen Film und Theologie, Wort und Antwort 34 (1993), 131-136
  • Ford, Ch., Der Film und der Glaube, Nürnberg 1955
  • Graff, M.l., Himmel über Hollywood. Gottesbegegnungen im Kino (Reihe KS-Kompakt Heft 2) Erweiteter Sonderdruck der gleichnamigen Serie aus dem katholischen Sonntagsblatt 1995, Ostfildern 1995
  • Greeley, A., Religion in der Pokultur. Musik, Film und Roman, Graz / Wien / Köln 1993
  • Hasenberg, P. / Luley, W. / Martig, Ch. (Hgg.), Spuren des Religiösen im Film. Meilensteine aus 100 Jahren Kinogeschichte, Mainz 1995
  • Heilmann, R., Paradigma Babylon: Rezeption und Visualisierung des Alten Orients im Spielfilm (Diss.), Mainz 2009
  • Krauss, H., Biblische Geschichten für das Fernsehen. Zum Projekt einer Verfilmung des Alten Testaments, Lebendiges Zeugnis 45 (1990), 129-138
  • Tiemann, M., Bibel im Film. Ein Handbuch für Religionsunterricht. Gemeindearbeit und Erwachsenenbildung, Stuttgart 1995
  • Tiemann, M., Joseph lernt das Laufen Filme zum Thema „Joseph“, ru. Ökumenische Zeitschrift für den Religionsunterricht 28 (1998), 59-64
  • Tiemann, M., Filme für Religionsunterricht und Gemeinde. Schnelle Suche, Göttingen 2009
  • Zwick, R. (Hg.), Religion und Gewalt im Bibelfilm (Film und Theologie 20), Marburg 2012

4. Internetadressen

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Der Apfel ist ab (Filmheft).
  • Abb. 2 Die Zehn Gebote (Kinoplakat / DVD-Inlet).
  • Abb. 3 Die Bibel (Kinoplakat / DVD-Inlet).
  • Abb. 4 Josef (Filmplakat / DVD-Inlet).
  • Abb. 5 Josef and the Amazing Technicolor Dreamcoat (DVD-Inlet).
  • Abb. 6 Josefslegende: Josefs Traum (Screenshot der Videoaufnahme Philips 070 109-3, vom Autor erstellt und bearbeitet).
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