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Lexikon

Besek

Andere Schreibweise: Bezec ; Bezek ; Bezeq ; Beseq

Erasmus Gaß

(erstellt: Sept. 2011)

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© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Karte zur Lage von Besek (Chirbet Ibzīq).

Im Alten Testament wird dreimal ein Ort Besek erwähnt. Dabei sind scheinbar ein nördliches und ein südliches Besek zu unterscheiden. Das südliche, das Ri 1,4.5 als Königsstadt des → Adonibesek erwähnt, der von den Simeoniten und Judäern verstümmelt wird, müsste aufgrund des Kontextes in der näheren Umgebung von Jerusalem gelegen haben. Das nördliche Besek, wo → Saul nach 1Sam 11,8 seine Truppen vor dem Feldzug gegen die → Ammoniter mustert, kann nur einen Nachtmarsch von → Jabesch-Gilead entfernt sein.

1. Name

Der Ortsname Besek (hebr. בֶּזֶק bæzæq, griech. Βεζεκ) lässt sich von der Wurzel BZQ ableiten (Richter 135). Die Wurzel BZQ ist mit dem aramäischen Substantiv bizqā „Stein / Brocken / Scherbe“ zu verbinden. Ein solcher Ortsname weist wohl auf eine steinige Umgebung hin. Manchmal deutet man Besek auch als kanaanäischen Gottesnamen (Hertzberg), was aber kaum richtig ist.

2. Belege

Ein Ort Besek wird im Alten Testament nur in Ri 1,4.5 und 1Sam 11,8 erwähnt. Nach der biblischen Darstellung scheint Besek die Königsstadt des Adonibesek zu sein, der von den Simeoniten und Judäern besiegt und verstümmelt wird. Der Kontext von Ri 1,5-7 legt nahe, dass Besek in der näheren Umgebung von Jerusalem liegt, zumal in diesem Bereich die Landnahme der südpalästinischen Stämme stattfindet. Somit könnte an ein südliches Besek zu denken sein (Clermont-Ganneau 83; Soggin 27).

In eine nördliche Umgebung weist hingegen der dritte Beleg 1Sam 11,8. Saul mustert seine Truppen vor dem Feldzug gegen die Ammoniter in Besek, das nach der Erzählung nur einen Nachtmarsch von Jabesch-Gilead entfernt sein kann. Diese Musterung wird vermutlich an einem verkehrstechnisch günstigen Ort stattgefunden haben.

Die Widersprüche zwischen den Angaben lassen sich vermutlich traditionsgeschichtlich lösen. Wahrscheinlich wurde die Adonibesek-Episode erst sekundär in Ri 1 eingefügt und aufgrund der Ähnlichkeit der Eigennamen Adonibesek und → Adonizedek, des in Jos 10 genannten Königs von Jerusalem, mit dem südlichen Ort Jerusalem verbunden (Welten). Auf der Ebene des Endtextes könnte durch die Erwähnung der Perisiter Besek im südlichen efraimitischen Gebirge verortet werden: Demnach wären die Judäer bei → Sichem hinaufgestiegen und hätten von Norden über Besek ihr Land in Besitz genommen (Rake 77f).

Früher vermutete man den Ortsnamen Besek in einer ägyptischen Ortsliste Ramses’ III. (qrbṯq [Nr. 73]; Borée 21.90, dagegen schon Alt 49), was jedoch auf einer falschen Lesart des Toponyms qrbq beruht, so dass diese Gleichsetzung hinfällig ist.

Schließlich erwähnt das Onomastikon des → Eusebius zwei benachbarte Dörfer Besek, die von Nāblus 17 Meilen in Richtung auf → Bet Schean (= Skythopolis) entfernt liegen: „Jetzt aber gibt es zwei Dörfer Besek, einander benachbart, von Neapolis 17 Meilen entfernt in Richtung Skythopolis“ (Eus On 54,5-7; Eusebs Onomastikon).

Im Mittelalter hat der jüdische Gelehrte Estori ha-Farhi den Ort Besek in seiner Schrift „Caftor wa-pherach“ näher verortet. Nach ihm liegt Besek, ’bziq genannt, etwa 3 Stunden von Betschean entfernt (Edelmann 47a,1-3).

3. Lage von Besek

3.1. Nördliches Besek

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2001)

Abb. 2 Chirbet Ibzīq I mit dem Wēli en-Nebī Hezqīn, dem angeblichen Grab des Propheten Ezechiel.

Aufgrund der Namensähnlichkeit wird Besek seit dem Mittelalter meist auf Chirbet Ibzīq (Koordinaten: 1878.1971; N 32° 21' 58'', E 35° 24' 00'') gesucht (Estori ha-Farhi). Dieser Ort ist nur etwa 30 km von Jabesch-Gilead, dem heutigen Tell el-Maqlūb (Koordinaten: 2144.2011; N 32° 24' 07'', E 35° 40' 55''), entfernt. Von Chirbet Ibzīq führt das Wādī l-Chašne in den Jordangraben genau an die Stelle, an der gegenüber das Wādī Jābis einmündet, wodurch ein heimlicher Anmarsch auf Jabesch-Gilead durch die Truppen Sauls sehr begünstigt wird (Noth).

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2001)

Abb. 3 Der 16. Meilenstein.

Chirbet Ibzīq liegt darüber hinaus in der Nähe des hypothetisch erschlossenen 17. Meilensteines der Römerstraße, an dem sich nach Eusebius die Doppellage Besek befinden soll. Zumindest die Lage des 16. Meilensteins (Koordinaten: 1888.1949; N 32° 21' 00'', E 35° 24' 39'') ist bekannt.

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2001)

Abb. 4 Ruinen von Qaṣr eš-Šēch Ġazāl.

Der 17. Meilenstein muss sich in der Nähe der Ruinen von Qaṣr eš-Šēch Ġazāl (Koordinaten: 1891.1960; N 32° 21' 29'', E 35° 24' 52'') befinden. Chirbet Ibzīq liegt im nordwestlichen Nachbartal und ist durch einen Nebenweg, der von der Römerstraße abzweigt, zu erreichen (Welten).

Insgesamt findet sich der Name Chirbet Ibzīq – wie angesichts der Tradition des Eusebius zu erwarten – an zwei Orten, nämlich Chirbet Ibzīq I (Koordinaten: 1878.1971; N 32° 21' 58'', E 35° 24' 00'') und Chirbet Ibzīq II (Koordinaten: 1881.1980; N 32° 22' 19'', E 35° 24' 05''). Besek war zumindest in byzantinischer Zeit eine Doppelsiedlung.

Der Keramikbefund von Chirbet Ibzīq I weist frühestens in die Eisenzeit II, in die persische und hellenistische Zeit sowie verstärkt in römisch-byzantinische bzw. arabische Zeit (Welten 161f; Kochavi 213; Zori 36f; Zertal 196). Chirbet Ibzīq I war somit wahrscheinlich frühestens ab dem 7. Jh. v. Chr. besiedelt. Südwestlich von Chirbet Ibzīq I befindet sich das Wēli en-Nebī Hezqīn, ein 6,4 x 9,3 m großer, aus Quadersteinen gebauter Kuppelbau, der als Grab des Propheten Ezechiel gilt, auch wenn dieses eigentlich in Mesopotamien zu erwarten wäre. Dieses Heiligtum wird bereits 1690 vom arabischen Gelehrten ‛Abd el-Ġānī bei seiner Reise von Damaskus nach Jerusalem erwähnt.

Auf Chirbet Ibzīq II fand man zahlreiche Gebäudereste aus großen zugehauenen Steinen, sowie viele Zisternen und an die 70 Grabanlagen. Darüber hinaus sind noch Weinpressen mit griechischen Inschriften belegt. Der Keramikbefund dieses Ruinenhügels weist vor allem in die römisch-byzantinische Zeit. Nur wenig arabische Keramik ist auf Chirbet Ibzīq II belegt (Welten 162; Kochavi 213; Zori 36; Zertal 191f).

Da der archäologische Befund auf der Doppelsiedlung Chirbet Ibzīq erst in der späten Eisenzeit einsetzt, könnte der alte Ortsname von einem anderen Ort zur Chirbet Ibzīq gewandert sein. Insofern wurde vorgeschlagen, dass Chirbet Salhab (Koordinaten: 1853.1957; N 32° 21' 15'', E 35° 22' 25'') der ursprüngliche Ort des biblischen Besek gewesen sei (Zertal 105). Dieser Ort befindet sich auf einem kleinen natürlichen Hügel, der im Norden steil abfällt. Chirbet Salhab liegt zudem an der Straße, die von Tubas nach Chirbet Ibzīq führt, und gewährt einen guten Ausblick auf das südliche Tal. Der dortige Oberflächenbefund weist in die Eisenzeit I/II, in die persische und in die römische bis arabische Zeit (Zertal 151f). Aus römisch-byzantinischer Zeit stammen darüber hinaus Überreste von Fundamenten und Wänden. Erst in der späten Eisenzeit sei der ursprüngliche Name Besek von Chirbet Salhab auf Chirbet Ibzīq gewechselt. Dagegen spricht aber, dass es zu dieser Zeit überhaupt keine Notwendigkeit eines Namenstransfers gegeben hat, zumal Chirbet Salhab noch nach der Eisenzeit besiedelt war.

Da Chirbet Salhab in der Spätbronzezeit nicht besiedelt war, hat man – um dem biblischen Befund zu entsprechen – einen weiteren Ort gesucht, der für das kanaanäische Besek, aus dem Adonibesek stammt, in Frage kommt. Aus diesem Grund wurde Chirbet eš-Šēch Saffirījān (Koordinaten: 1815.2007; N 32° 23' 59'', E 35° 20' 04'') vorgeschlagen (Zertal 104). Ein dreifacher Namenswechsel ist aber kaum anzunehmen, zumal auch der zuletzt genannte Ort in den darauf folgenden Perioden besiedelt war. Darüber hinaus dürfen die biblischen Texte nicht als historische Quellen missverstanden werden. Der Widerspruch zwischen dem literarischen und dem archäologischen Befund lässt sich folglich insofern lösen, als der Autor wahrscheinlich seine späteren Verhältnisse in die jeweilige Zeit der Erzählung zurückprojiziert hat. Dann kann Chirbet Ibzīq durchaus im Blick des Autors gewesen sein. Eine früheisenzeitliche Besiedlung ist somit nicht zwingend erforderlich.

3.2. Südliches Besek

Aufgrund der Namensähnlichkeit wurde ein südlicher Ort Besek immer wieder mit der Chirbet Bizqā’ (Koordinaten: 1467.1430; N 31° 52' 50'', E 34° 57' 53'') identifiziert (Clermont-Ganneau 239f). Alle anderen vorgeschlagenen Orte wie Chirbet Kūfīn (Koordinaten: 1608.1142; N 31° 37' 12'', E 35° 06' 55'') (Schick) oder die Gleichsetzung mit Azeqa, Tell Zakarīje (Koordinaten: 1440.1232; N 31° 42' 00'', E 34° 56' 07''), (Steuernagel 85) lassen sich hingegen nicht halten.

Der Siedlungsbefund der Chirbet Bizqā’ weist allerdings erst in byzantinische Zeit. Auf Chirbet Bizqā’ fand man einige Gebäudereste, Mühlsteine, zahlreiche Zisternen, Felsarbeiten, Wein- und Ölpressen sowie eine Grabanlage. Da aber keine eisenzeitlichen Befunde belegt sind, kann der biblische Ort Besek dort sicher nicht zu finden sein.

Allerdings könnte man das südliche Besek auf der benachbarten Chirbet el-Kunnise (Koordinaten: 1460.1440; N 31° 53' 22'', E 34° 57' 23'') lokalisieren, wo der Keramikbefund in die Mittel- und Spätbronzezeit sowie in die Eisenzeit II deutet (8.-7. Jh. v. Chr.) (Shavit). Der arabische Name Chirbet el-Kunnise, „Ruinenhügel der Kirche“, ist sicher jung und aus islamischer Zeit. Er bezieht sich wohl auf ein dort zuvor errichtetes Kirchengebäude. Insofern ist es gut möglich, dass der ursprüngliche Name zur südlich benachbarten Chirbet Bizqā’ gewandert ist.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • The Interpreter's Dictionary of the Bible, New York 1962
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • The New Encyclopedia of Archaeological Excavations in the Holy Land, Jerusalem 1993 / Suppl. 2008
  • Eerdmans Dictionary of the Bible, Grand Rapids 2000
  • The New Interpreter's Dictionary of the Bible, Nashville 2006-2009

2. Weitere Literatur

  • Alt, A., 1926, Das Institut im Jahre 1925, PJB 22, 5-80
  • Borée, W., 1930, Die alten Ortsnamen Palästinas, 2. Aufl., Leipzig (Nachdruck Hildesheim 1968)

  • Clermont-Ganneau, C., 1896, Archaeological Researches in Palestine during the Years 1873-1874. Band 2, London
  • Edelmann, H., 1852, Caftor wa-pherach, Berlin
  • Gaß, E., 2005, Die Ortsnamen des Richterbuches in historischer und redaktioneller Perspektive (ADPV 35), Wiesbaden
  • Gross, W., 2009, Richter (Her
  • Abel, F.-M., 1938, Géographie de la Palestine. Band 2 Géographie politique, les villes (Études Bibliques), Paris
  • ders Theologischer Kommentar zum Alten Testament), Freiburg
  • Hertzberg, H.W., 1926, Adonibezeq, JPOS 6, 213-221
  • Kochavi, M. (Hg.), 1972, Judaea, Samaria and the Golan. Archaeological Survey 1967-1968 (Publications of the Archaeological Survey of Israel 1), Jerusalem (hebr.)
  • Noth, M., 1953, Jabes-Gilead. Ein Beitrag zur Methode alttestamentlicher Topographie, ZDPV 69, 28-41
  • Rake, M., 2006, „Juda wird aufsteigen!“ Untersuchungen zum ersten Kapitel des Richterbuches (BZAW 367), Berlin
  • Schick, C., 1898, Adoni-Besek's City, PEFQS 30, 20-23
  • Shavit, A., im Druck, Map of Gezer (82) (Archaeological Survey of Israel), Jerusalem
  • Simons, J.J., 1959, The Geographical and Topographical Texts of the Old Testament (Studia Francisci Scholten memoriae dicata 2), Leiden
  • Soggin, J.A., 1981, Judges. A Commentary (OTL 7), London
  • Steuernagel, C., 1901, Die Einwanderung der israelitischen Stämme in Kanaan. Historisch-kritische Untersuchungen, Berlin
  • Welten, P., 1965, Bezeq, ZDPV 81, 138-165
  • Zertal, A., 2008, The Manasseh Hill Country Survey. 2. The Eastern Valleys and the Fringes of the Desert (CHANE 21,2), Leiden
  • Zori, N., 1977, The Land of Issachar. Archaeological Survey, Jerusalem (hebr.)

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Karte zur Lage von Besek (Chirbet Ibzīq). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Chirbet Ibzīq I mit dem Wēli en-Nebī Hezqīn, dem angeblichen Grab des Propheten Ezechiel. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2001)
  • Abb. 3 Der 16. Meilenstein. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2001)
  • Abb. 4 Ruinen von Qaṣr eš-Šēch Ġazāl. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2001)
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